Am Rande der Nacht

Am Rande der Nacht

Softcover
4.33
Magischer RealismusGedichte1945

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Description

Originell und unverbraucht – Ein Meister des Magischen Realismus, neu zu entdecken im Taschenbuch.

In den wenigen Stunden »am Rande der Nacht« spielt dieser atmosphärisch dichte, fast lyrische Roman. Und die Nacht ist denn auch seine eigentliche Protagonistin: In ihre Schatten getaucht liegen die Gassen und Häuser von Bremen, der Hafen, der Wallgraben, das Hotel Astoria. In ihrem Schatten bewegen sich auch etwa drei Dutzend, wie zufällig in den Blick genommene Figuren.

Ob es sich bei diesen Figuren nun um Kinder handelt, die die Ratten des Wallgrabens beobachten, oder um einen Vater, der auf den Besuch seiner Tochter wartet, ob um einen Jungen, der gezwungen wird, in einer Varieté-Show aufzutreten, oder um einen alternden homosexuellen Ringer, der sich in quälender Sehnsucht zu seinem jugendlichen Gegenspieler verzehrt – immer behandelt Lampe seine Charaktere mit demselben, gleichsam demokratischen Respekt und zeichnet ihre seelischen Regungen, ihre Empfindungen mit gleichbleibend stiller Intensität.

Dank einer unaufdringlich avantgardistischen, vom Kino inspirierten Erzähltechnik, die mit harten Schnitten, weichen Überblendungen und gelassenen Schwenks arbeitet, fügen sich die vorübergleitenden, ineinander verwobenen Szenen zu einem sinnlich erfahrbaren Ganzen: Die Lektüre gerät zu einem mühelosen Eintauchen in eine magische Bilderwelt.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Softcover
Pages
N/A
Price
9.80 €

Author Description

Friedo Lampe wurde 1899 in Bremen geboren. Nach dem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte arbeitete er zunächst als Volksbibliothekar in Hamburg und Stettin, später als Verlagslektor in Berlin. Sein erster Roman ›Am Rande der Nacht‹ (1933) wurde sofort nach seinem Erscheinen von den Nationalsozialisten verboten, der zweite Roman ›Septembergewitter‹ (1937) fand kaum Beachtung. Heute gilt Lampes kleines, aber literarisch vollendetes Œuvre als Musterbeispiel für den Magischen Realismus. 1945 wurde Lampe von einer sowjetischen Militärpatrouille irrtümlich erschossen.

Posts

3
All
5

Ach, es ist so schön - liebe ich, wie atmosphärisch der Schreibstil ist!

4.5

Szenen einer Nacht. Melancholisch, traurig, erschreckend. Ein mutiges Buch 1933!

4

Was für ein großartiges Buch sich doch in diesen auf den ersten Blick so unscheinbaren 161 Seiten verbirgt. Es ist lange her, dass ich zuletzt ein Buch nicht aus der Hand legen konnte — von seiner Stimmung gefangen, so von der Nacht vereinnahmt und der Musik umspült — und gar nicht anders konnte als es an einem Abend zu lesen. Um diesen Roman adäquat zu beschreiben, lasse ich erst mal den Autor Friedo Lampe selbst zu Wort kommen: „Es soll ein kleines Buch werden. Eine ziemlich wunderliche Sache. Wenige Stunden, so abends zwischen 8 und 12 in einer Hafengegend, ich denke dabei an das Bremer Viertel, in dem ich meine Jugend verbracht habe. Lauter kleine, filmartig vorübergleitende, ineinander verwobene Szenen nach dem Hofmannsthalschen Motto: ‚Viele Geschickte spüre ich neben dem meinen, / Durcheinander spielt sie alle das Dasein.‘ Alles leicht und fließend, nur ganz locker verbunden, malerisch, lyrisch, stark atmosphärisch. […]“ aus: Friedo Lampe: Briefe, Neue Deutsche Hefte 3 (1956/57), S.108 Der Roman, ursprünglich 1933 in Nazideutschland erschienen, war seiner Zeit gleichzeitig voraus und hinkte ihr nach. Seine Publikation stand schon von Beginn an unter keinem guten Stern — tatsächlich war das Werk für ganze vier Wochen erhältlich, bevor es aus dem Verkehr gezogen und eine Weiterverbreitung verboten wurde. Gründe dafür gab es in dem Roman zuhauf; am Anstößigsten muteten aber sicherlich die offene Homosexualität und Homoerotik einiger Charaktere und die sexuelle Affäre einer weißen Frau mit einem schwarzen Mann an, die dem Sittenbild der Nationalsozialisten deutlich zuwider liefern. So erinnert die Gesellschaft, die hier portraitiert wird, viel mehr an die Freiheiten in den Großstädten der Weimarer Republik, als an Hitlers Deutschland — ein Fakt, der dem eher unpolitischen Lampe wohl auch erst zu spät bewusst wurde. So versuchte er sein Werk noch vor dem Verbot zu bewahren, indem er einen Brief an einen hohen NS-Funktionär verfasst, in dem er Am Rande der Nacht als Ausdruck seiner innersten Seele bezeichnet, das nicht anders hätte erzählt werden können — zum Glück für Lampe bleibt der Brief unversendet, hätte dies doch als Geständnis seiner eigenen Homosexualität gewertet werden können. Aber auch sprachlich bewegen wir uns zu großen Teilen in der Vergangenheit. Nicht nur werden in der Widmung und im Titel auf Hofmannsthal und Rilke verwiesen, sondern entfaltet sich im Roman immer genau dann eine fast romantische Naturlyrik, sobald die einsetzende Nacht und Bergs Flötenspiel erwähnt werden, die sich wie ein Leitmotiv durch das Werk ziehen. Auf der anderen Seite bildet sich aber auch bereits die klare, präzise Erzählweise ab, die nach Kriegsende in die Neue Sachlichkeit münden würde. So ist es kein Wunder, dass Nachkriegsliteraten sich Lampe einerseits zum Vorbild nahmen, ihn andererseits als Verbindungsstück zwischen Vor - und Nachkriegsliteratur bezeichneten. Auch in einem anderen Punkt zeigt sich Lampe als Schriftsteller, der alte Konventionen mit modernen Erzähltechniken zu verbinden vermag. Ähnlich zu Isherwoods I Am a Camera bedient sich Lampe bei neuen kinematographischen Elementen, um sein Kaleisdoskop der Hafengegend darzustellen. So schafft er es in beeindruckendster Art und Weise, Kameraschwenks, Überblenden, Licht und Schatten und Bildkomposition literarisch wiederzugeben. Beim Lesen ersteht nicht nur ein Bild im Kopf, sondern ein ganzer Film. Immer wieder zoomen wir nah an einzelne Figuren heran, um dann wieder in die Vogelperspektive zu wechseln, von Haus zu Haus zu gleiten, von den Tönen der Musik getragen zu werden — aber nie willkürlich, nie sprunghaft, nie ohne die imaginierte Kameraschiene aus den Augen zu verlieren. Was genau erzählt wird ist bei diesem Buch nicht das Relevanteste, das wie ist es, was diesen Roman so künstlerisch wertvoll macht. _____________ Für das maximale Lesevergnügen empfehle ich die Hardcover Ausgabe aus dem Wallstein Verlag. Das sehr ausführliche Nachwort von Herausgeber Johannes Graf hat mir Lampes Leben und Werk nochmal näher gebracht, sowie mir einige wertvolle Perspektiven auf Am Rande der Nacht geliefert, die ich in der Rezension verarbeitet habe. Beachtet auch, dass —soweit ich weiß— diese Ausgabe aus dem Wallstein Verlag die einzige unzensierte Ausgabe des Werks auf dem Markt ist. Soweit mir bekannt ist schließt das auch alle englischen Übersetzungen mit ein. In den zensierten Fassungen sind alle Anspielungen an Sexualität im Allgemeinen und Homosexualität im Speziellen durch Auslassungen (…) ersetzt. Laut Johannes Pfeiffer, der Lampes Nachlass verwaltete und diese Änderung in Auftrag gab, sei dies auf Lampes ausdrücklichen Wunsch geschehen — eine Aussage, für die es keinerlei Belege gibt (allerdings auch keine Gegenbeweise).

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