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Alles Leben
Die einzelnen Kurzgeschichten zeigen menschliche Beziehungen eher dort, wo sie beschädigt, verdrängt, missbraucht werden oder verschiedene Bedürfnisse kollidieren: Aufmerksamkeit, Kontrolle, Anerkennung, Flucht, Selbstinszenierung etc. In den einzelnen Erzählungen stehen Figuren im Mittelpunkt, die Nähe suchen, aber oft an ihren eigenen Täuschungen, Verletzungen oder Ambitionen scheitern. Gut ist die Sammlung, wenn sie moralisch unangenehm wird. Laura nutzt fremdes Leid zur Selbstaufwertung, Barbara flüchtet nach dem Verlust ihrer Tochter in eine Fantasiewelt, Fedor ist gleichzeitig liebend und neidisch, Mattis erkennt Lauras Manipulationen und bleibt doch selbst schuldig verstrickt. Diese Ambivalenz macht die Kurzgeschichten etwas spannend: Man liest sie nicht, weil die Figuren sympathisch wären, sondern weil sie teils erschreckend menschlich und teils skurril sind. Gerade weil die Geschichten erzählerisch nicht ständig um Mitgefühl bitten, treffen manche Szenen umso stärker. Der Schmerz liegt oft nicht offen da, sondern versteckt sich hinter Pointen, Abwehrmechanismen und schiefen Selbstbildern. Manche Passagen wirken jedoch bisweilen auch konstruiert und laufen stark auf eine bittere Pointe oder moralische Entlarvung hinaus. Ein Hauch mehr Alltagsnähe und leisere Zwischentöne hätten dem Ganzen nicht geschadet. Mit Blick auf den Plot wirkt der werbeträchtige Titel inkl. Cover + die sehr lautstarken Vorabrezensionen etwas irreführend. "Alles Leben" hätte besser gepasst und eine Ausrichtung danach hätte dem Ganzen mehr psychologische Tiefe geben können. So verbleibt vieles im Nachhall.
7 days ago
Alles Leben
Die einzelnen Kurzgeschichten zeigen menschliche Beziehungen eher dort, wo sie beschädigt, verdrängt, missbraucht werden oder verschiedene Bedürfnisse kollidieren: Aufmerksamkeit, Kontrolle, Anerkennung, Flucht, Selbstinszenierung etc. In den einzelnen Erzählungen stehen Figuren im Mittelpunkt, die Nähe suchen, aber oft an ihren eigenen Täuschungen, Verletzungen oder Ambitionen scheitern. Gut ist die Sammlung, wenn sie moralisch unangenehm wird. Laura nutzt fremdes Leid zur Selbstaufwertung, Barbara flüchtet nach dem Verlust ihrer Tochter in eine Fantasiewelt, Fedor ist gleichzeitig liebend und neidisch, Mattis erkennt Lauras Manipulationen und bleibt doch selbst schuldig verstrickt. Diese Ambivalenz macht die Kurzgeschichten etwas spannend: Man liest sie nicht, weil die Figuren sympathisch wären, sondern weil sie teils erschreckend menschlich und teils skurril sind. Gerade weil die Geschichten erzählerisch nicht ständig um Mitgefühl bitten, treffen manche Szenen umso stärker. Der Schmerz liegt oft nicht offen da, sondern versteckt sich hinter Pointen, Abwehrmechanismen und schiefen Selbstbildern. Manche Passagen wirken jedoch bisweilen auch konstruiert und laufen stark auf eine bittere Pointe oder moralische Entlarvung hinaus. Ein Hauch mehr Alltagsnähe und leisere Zwischentöne hätten dem Ganzen nicht geschadet. Mit Blick auf den Plot wirkt der werbeträchtige Titel inkl. Cover + die sehr lautstarken Vorabrezensionen etwas irreführend. "Alles Leben" hätte besser gepasst und eine Ausrichtung danach hätte dem Ganzen mehr psychologische Tiefe geben können. So verbleibt vieles im Nachhall.
7 days ago







