Alles ganz schlimm

Alles ganz schlimm

Hardback
3.222

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Description

Die irrationale Konsistenz der Unzuverlässigkeit Stehenbleiben, wenn die Welt rast Endlich angekommen – oder? Susanne hat ihre Zwanziger überlebt, sich ein Leben aufgebaut, eigentlich läuft alles ganz gut. Doch irgendwie schleichen sich immer wieder Konflikte in ihre Freundschaften und Romanzen, entstehen Brüche und Intrigen, wird ihr Umfeld immer mehr zu einem Spielfeld, dessen Regeln sie nicht versteht. Das Gefühl der Leere lässt Raum für Erinnerungen, und Susanne beginnt, über ein lang vergessenes Kapitel ihrer jungen Erwachsenenjahre zu schreiben: ihre Zeit als Prostituierte. Der Text entwickelt ungeahnte Durchschlagskraft, als eine Freundin ihn stiehlt und als ihren veröffentlicht – und sich damit nicht nur ihre Gedanken, sondern auch ihr Trauma aneignet. Es folgen Gerüchte, Statements, Shitstorms, die Susanne schließlich zum Abbruch des Lebens bringen, das ihre innere Unruhe in Schach hielt. Bei ihrer Familie sucht sie Ruhe und Halt. Doch schleichend klopft die Befürchtung an, dass gerade hier der Ort liegt, der alles zum Zerspringen bringt … Laut, schnell, leise – ein pulsierender Roman, der den exakten Ton trifft und: süchtig macht „Alles ganz schlimm“ ist Drama, Schmerz, Humor und ein tiefer Blick in die Dynamiken und Zerwürfnisse unserer Zeit. Mitreißend und pointiert liefert Julia Pustet die Geschichte einer Frau, die sich mit der ganzen Welt konfrontiert – um am Ende nur wieder bei sich selbst anzukommen. Sie dehnt darin, manchmal sachte, manchmal unsanft, die Grenzen der Diskurse und Beziehungen, die wir führen, aus. Der Roman erzählt von Feminismus, Politisierung und Privilegien, von tiefgehenden Freundschaften und aufschürfenden Familienkonstellationen – ein kompromissloses Debüt zwischen Härte und Leichtigkeit!

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
360
Price
25.90 €

Author Description

Julia Pustet ist Autorin, Musikerin und immer: Antifaschistin. In den Sozialen Medien schreibt sie über Intersektionalität, Feminismus und Antisemitismus in der linken Szene. Nach zahlreichen Veröffentlichungen, u. a. im Kaput-Magazin, erscheint mit „Alles ganz schlimm“ (September 2025) das emotionale und starke Romandebüt.

Posts

12
All
2.5

Wirklich konfus

Gute Themen, von denen aber zu viele. Schöne Sprache, die aber völlig konfus in Ort, Zeit und ohne Kapitalstruktur dahin springt. Und nicht zuletzt eine Protagonistin, die ich die Hälfte des Buches einfach nicht verstanden habe. Trotz guter Ansätze einfach nicht mein Buch.

4

Hallt nach! 🍋

Ein Roman über Freundinnenschaft & Familie, wie schnell diese engen Verbindungen sich entzweien können und wie schwierig es sein kann, das Vorgefallene aufzuarbeiten. Die Protagonistin Susanne erzählt von ihrer Kindheit, ihren romantischen Beziehungen und von der Zeit, als sie einen Text über ihre Zeit als Prostituierte geschrieben hat, der dann von einer Freundin gestohlen und veröffentlicht wird. Als Susanne sich dagegen wehren möchte und Gerechtigkeit fordert, sieht sie sich damit konfrontiert, dass ihr eigener Freundinnenkreis in dem sich alle sehr links-feministisch identifizieren, sich hinter die „Text-Diebin“ als vermeintliches Opfer stellen und sich von Susanne abwenden. Susanne versucht im Verlauf des Romans den Weg zu ihrer Heilung zu finden, schreibt Briefe an einen verstorbenen Freund, versucht sich ihrer Familie anzunähern und begibt sich in eine Klinik. Auch wenn mich die Sprünge in der Erzählung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Briefen manchmal verwirrt haben, fand ich den Schreibstil von Julia Pustet ganz wunderbar und habe mir sehr viele Stellen markiert. Ich fand vor allem die Diskussionen innerhalb des Freundinnenkreises sehr spannend, bzw. surreal. Wie absurd es sich manchmal las, wenn Susannes Freundin ihre Grenzen aufzeigte, sich mit dem vermeintlichen Opfer solidarisierte und Susanne z.B. Sätze wie „Es ist nicht meine Aufgabe, dir zu erklären, was du falsch gemacht hast.“ um die Ohren haut, während Susanne verzweifelt versucht, die Freundschaft zu retten und einfach nur will, dass ihr jemand glaubt. Wenn ihr mit den Themen Suizid und (sexuelle) Gewalt klarkommt, kann ich das Buch definitiv empfehlen!

Hallt nach! 🍋
2

Alles ganz schlimm. So auch leider der Schreibstil - zumindest für mich. Es fiel sehr schwer, ins Buch reinzukommen. Erst auf den letzten 100 Seiten konnte ich mich mit dem Buch arrangieren und dann auch den Inhalt mehr „mögen“. Schade, hatte etwas ganz anderes erwartet.

3

„Alles ganz schlimm“ von Julia Pustet / Verlag: Haymon „Weißt du, ich habe auch Grenzen, von denen ich mir manchmal wünsche, dass man sie wahren würde.“ (Seite 165) Ich habe mich mit diesem Roman schwergetan. Die Themen sind ohne Zweifel wichtig und interessant: psychische Probleme, Gewalt, Prostitution, Einsamkeit, aber die Umsetzung war für mich nicht leicht zugänglich. Susanne als Hauptfigur blieb mir fremd. Ihr Leben ist geprägt von Einsamkeit, Gewalt und Sex, sie wirkt unnahbar und nicht besonders sympathisch. Besonders irritierend fand ich, dass ihre Freundin Stella Susannes Text über ihre Vergangenheit stiehlt, ihn als eigenen veröffentlicht und sich dann auch noch in Susannes Familie hineinspielt. Sie beginnt eine Beziehung mit Jens, Susannes Bruder, und sitzt am Ende mit den Eltern beim Kaffee. Die Veröffentlichung bescherte Stella Einladungen zu Fernsehshows und sie kündigte sogar an, eine Autobiografie mit dem Titel „ Alles ganz schlimm“ zu schreiben. Was für eine Farce! Diese Entwicklung war für Susanne ein Schlag in den Magen, kaum nachvollziehbar. Die Freundschaft war bereits vorher zerbrochen, die mediale Aufmerksamkeit des gestohlenen Textes schrie nach Gerechtigkeit und doch war auch die Angst da, vor weiteren Brüchen und Isolation. Hasstiraden im Netz, anonyme Hetze, Mobbing, Beleidigungen und Drohungen gegen S. sind keine Kritik, sondern ein Brechen der Persönlichkeit. „Ein Meme über jemanden ist schnell gemacht und schnell vergessen. Außer für die Person, die darauf bloßgestellt wird.“ (Seite 196) Was den Suizid von S. betrifft, sind Susanne die genaueren Umstände nicht bekannt. Das sie stirbt wollte niemand. Der Schreibstil ist sehr anspruchsvoll: lange Kapitel, verschachtelte Sätze, viele Zeitsprünge. Dadurch kam bei mir kein richtiger Lesefluss auf, und ich habe immer wieder zum Prolog oder vorherigen Kapiteln zurückgeblättert, um den Zusammenhang zu verstehen. Es ist definitiv kein Buch für zwischendurch, man muss konzentriert lesen. Trotzdem hat mich Susannes Tragik nicht so berührt, wie ich es mir bei diesen Themen gewünscht hätte. Gesellschaftlich relevante Aspekte sind vorhanden, das sehe ich. Aber durch die fehlende Struktur und die fragmentarische Erzählweise blieb ich am Ende etwas ratlos zurück. Ein ambitioniertes Werk mit schwierigen Themen, sprachlich und erzählerisch herausfordernd, das mich persönlich leider nicht fesseln konnte.

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3

Susanne ist in einem komplizierten Elternhaus groß geworden. Sie Mutter Litraturwissenschaftlerinn, die nur wenig sprach. Der Vater immer auf Abstand, gar nicht greifbar, in sich selbst irgendwie verloren. Der Bruder schon in Kindertagen voller Wut und Aggression. Suanne selbst gerät in ihren Beziehungen und Freudschaften immer wieder in Auseinandersetzungen. Eine Flucht aus unangemehmen Situationen war für sie immer das Schreiben gewesen. Lange erklärende Briefe, beschreibende Texte. Auch die Lebensphase, in der sie ihr Studium durch Prostitution finanziert, bringt sie irgendwann zu Papier. Nicht, um ihn zu veröffentlichen, sondern um das Erlebte von der Seele zu schreiben. Lediglich ihrer Freundin Stella gewährt sie Einblick in den Text. Was dann passiert, konnte sie nicht ahnen. Stella veröffentlicht den Text als ihren eigenen, gefolgt von einem unendlichen Shitstorm auf Social Media. Wer sagt die Wahrheit, was wusste wovon? Dieser Roman lässt sich nur schwer in Worte fassen. In einem Geflecht aus Traumata, Mißtrauen und Sprachlosigkeit schlingert Susanne durch ihr Leben, sucht psychologische Hilfe, kehrt an einen Ort ihrer Kindheit zurück und sucht den Weg zurück sich selbst. Alles ist Konfrontation, mit der Welt und mit sich selbst. Oft sind die Dialoge ein Sich-im-Kreis drehen, das hat mich manchmal an die Grenze gebracht. Immer wieder will ich rufen: jetzt sag schon, sprich es einfach aus! Julia Pustet hat hier keine leichten Themen verpackt. Familie, Freundschaft, Verrat, Lügen und Traumaverarbeitung. Mich hat es als Leserin einmal kräftig durchgeschüttelt, so dass ich manchmal nicht wusste, wo die Reise hingeht, aber trotzdem immer wieder zu Susanne zurückgebracht.

4

Eine Geschichte, die volle Aufmerksamkeit erfordert, anschließend aber mit einer intensiven Geschichte überrascht

Die Geschichte startet mit einem starken Prolog, der mich sofort begeistern konnte. Danach forderte sie jedoch meine volle Aufmerksamkeit, da ich mich in etwas hineingeworfen fühlte, was ich noch nicht greifen oder einordnen konnte. Thematisiert wird eine sehr außergewöhnliche Freundschaft. Strukturlose Zeitsprünge, welche ich als solche nicht sofort erkennen konnte, ließen mich immer wieder die Orientierung verlieren und bremsten meine Lesegeschwindigkeit enorm. Dennoch war der Schreibstil und die Handlung selbst, so intensiv und spannend, dass ich am Ball bleiben wollte. Ich fühlte mich ein wenig wie in einem Quentin Tarantono Film oder in einem Rausch. Susi ist als Protagonistin höchst interessant aber ich empfand sie auch anstrengend und unsymphatisch. Selbstreflexion und charakterliche Entwicklung sucht man bei ihr vergebens. Vielmehr ist sie sehr sprunghaft und egoistisch, gleichzeitig aber auch intelligent und komplex. Am Ende hat mir die Geschichte dennoch gut gefallen, da sie so anders ist. Sie erfordert aufmerksames Lesen und starke Nerven. Dafür wird man am Ende mit einer sehr intensiven Geschichte belohnt, die inhaltlich wahrlich ganz schlimm ist.

2.5

Irgendwie gut und furchtbar zugleich. Hat stellenweise ganz schön Überwindung gekostet weiterzulesen. Aber irgendwie hat es sich dann doch gelohnt. Es werden sehr viele Themen angesprochen.

2

Durch die fragmentarische Erzählweise der Autorin konnte und wollte ich nicht folgen. Die Handlung war mir leider auch egal. Insgesamt leider nicht meins. Vielleicht wäre es im weiteren Verlauf noch besser geworden.

5

Der Titel ist Programm, denn die Leute verhalten sich wirklich alle ganz schlimm in diesem Buch.

Julia Pustet, deren Beitrage auf Social Media ich sehr schätze, hat ein Buch geschrieben. „Alles ganz schlimm“ (Reziexemplar) ist ihr Debüt und ich habe es lange erwartet und es hat mir sehr gefallen. Susi ist ca Mitte dreißig, halbwegs mit ihrer Familie zerstritten und so langsam im Freund*innenkreis angekommen, als Stella – eine Freundin/Bekannte aus ihrer gemeinsamen politischen Freund*innenbubble – ihr ihren Text klaut und unter eigenem Namen veröffentlicht. Es ist nicht irgendein Text, sondern Susi verarbeitet darin ihre Erfahrungen mit der Pr0stituti0n. Mit der Veröffentlichung eignet sich Stella also auch die damit verbundenen Grautöne und Traumata an. Und für Susi beginnt ein Konflikt im Freund*innenkreis, der sie bis in die Geschlossene treibt und zurück zu ihrer Familie, in der möglicherweise viele ihrer Probleme erst begonnen haben? Das klingt tragikomisch und absurd und etwas überzogen und ist auch all das. Julia schont ihre Charaktere nicht, weder Susi noch die anderen. Alle Charaktere sind im Grunde ziemlich nervig (wie wir alle) und genau dadurch auch irgendwie liebenswert. Der Roman ist, auch wenn man das angesichts des Covers nicht vermuten mag (erlaubt mit diesen Pun) einer der Grautöne. Ein zwischenmenschlicher Konflikt jagt den nächsten, in Susis Fall türmen sie sich auf und konfrontieren Gewissheiten. Immer wieder muss neu ausgelotet werden, wie feministische Grundüberzeugungen bestehen können, wenn sie das nächste Umfeld treffen. Scheitert der Freund*innenkreis an Ambivalenz, wenn sowohl Stella als auch Susi das Konzept der Definitionsmacht für sich reklamieren, denn mit welchen Gründen soll wem geglaubt werden und entscheidet dann im Zweifel die unzuverlässige Sympathie? "Alles ganz schlimm" ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit Ambivalenz und Uneindeutigkeit und zeigt, dass feministische Konzepte so wichtig sind wie sie gleichzeitig nicht als Schablonen vereindeutigend auf alles angewandt werden können. Die Charaktere scheitern, wenn ihre eigenen Selbstbilder herausgefordert werden und naja, wenn alle engen Freund*innen sich distanzieren und sagen, Susi sei verrückt, ist es vielleicht kein Wunder, dass sie dann irgendwann auch in der Psychiatrie landet. Wenn individuelle Situation und allgemeine politische Überzeugungen zusammentreffen, wird es eben oft schwierig. Aber, auch das ist eine Stärke des Romans, es handelt sich hier nicht um eine Abrechnung mit der linken Szene. Vielmehr um eine Auseinandersetzung damit, dass es auch und gerade da sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und oft genug beschwerlichen familiären Backgrounds voller unbearbeiteter Traumata gibt, was das gemeinsame Aushandeln von Grenzen und Bearbeiten von Konflikten nicht grade leichter macht. Denn das ist der zweite Handlungsstrang dieses Buchs: Susis Familie, um die man sie nun wirklich nicht beneidet und die einige ihrer Handlungsweisen nachvollziehbarer macht, auch wenn diese sie teilweise sehenden Auges in die Katastrophe führen. Das sind alles keine besonders tollen Themen. Trotzdem habe ich bei diesem Buch mehrfach in der Öffentlichkeit lauthals lachen müssen. Meine Lieblingsszene ist, glaube ich, die, in der Susi ihrem neoliberalen Therapeuten einen ideologiekritischen Vortrag über die Chancen und Grenzen der Definitionsmacht hält. Und ja, so absurd ist das ganze Buch immer wieder und das macht es leichter, die Protagonistin und ihr Umfeld, das man schnell ins Herz schließt, von außen zu beobachten, ohne eingreifen und allen Beteiligten ordentlich den Kopf waschen zu können. „Alles ganz schlimm“ ist zynisch, liebevoll und ein Lehrstück darüber, wie man mit Definitionsmacht und emanzipatorischen Errungenschaften nicht umgehen sollte. Was der Roman selbst auch ernstnimmt, denn er buchstabiert uns nicht die eine richtige Handlungsweise oder Deutung aus, sondern behält die Ambivalenz bei. Ich hab mich schon sehr lange auf diesen Roman gefreut und Julia Pustet hat geliefert. Und auch wenn ich den Roman biased gelesen habe und grade deshalb versucht habe, auch Kritik zu finden, könnte man maximal das Unzusammenhängende der Komposition erwähnen, durch das ich etwas brauchte, um in die Handlung zu finden. Allerdings passt auch das sehr gut zum Plot. Die Sprache ist mir ebenfalls ins Auge gestochen; möglicherweise könnte sie manchen Menschen nicht gefallen. Ich mochte die Sprachspiele aber sehr. Und ja klar, der Roman ist vor allem auch eine innerlinke Nabelschau, der entweder herausfordert oder doch nicht so ganz drumrum kommt, für Menschen wie mich, die sich schon für wahnsinnig reflektiert halten, in gewissem Sinn selbstvergewissernd zu wirken. Aber ist das schlimm?

Der Titel ist Programm, denn die Leute verhalten sich wirklich alle ganz schlimm in diesem Buch.
3.5

Eine Herausforderung

Puh, mit diesem Roman habe ich anfangs ganz schön kämpfen müssen. Zum einen, weil der Schreibstil wirklich speziell ist. An die Satzstruktur und die komplexen Beschreibungen musste ich mich erst gewöhnen. Der Roman ist in fünf Teile gegliedert und schon im ersten Teil war ich nach der kurzen Eingewöhnung im Flow. Mich hat der Stil an die neueren Romane von Sven Regener erinnert. Lange, komplizierte Gedanken der Protagonistin ergeben oft feine Sätze, in die ich mich hineinlegen möchte. Zum anderen war ich lange auf der Suche, was der Kern der Geschichte ist und worauf sie hinauslaufen soll. Die Erzählung wechselt häufig den Fokus und springt durch die Zeit, was wirklich verwirrend ist. Erst im vierten Teil konnte ich mich von meinen Fragen lösen. Nicht, weil ich die Antwort gefunden hatte, sondern weil ich glaube, dass es dem Roman gar nicht um eine Auflösung geht. Vielmehr scheint es Julia Pustet um die Beschreibung der Umstände zu gehen. Die Protagonistin und deren Umfeld stecken in einem Sumpf aus Oberflächlichkeiten, Neid, Missgunst und psychischen Erkrankungen bis hin zum Suizid. In diesem Sumpf scheint zusätzlich ein Strudel aus Dynamiken einiger Gewaltspiralen von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen zu existieren, aus denen es kein Entkommen gibt. Kommunikation gelingt den Charakteren nahezu gar nicht. Und so kommt es, dass - obwohl dieser Roman in unserer westlich privilegierten Welt spielt - der Titel des Romans Dauerprogramm und wirklich alles ganz schlimm ist. Es fiel mir schwer, Sympathie für die Protagonistin zu entwickeln. Ich glaube, das liegt daran, dass es der Autorin so gut gelingt, deren Feststecken zu beschreiben. Julia Pustet schreibt teilweise zwischen den Zeilen über so vieles, was die Protagonistin nicht erkennt und verflicht dies mit den ganzen Ablenkungen, denen sie sich hingibt. Dadurch erhält der gesamte Roman eine Schwere, die erst am Ende von einem Hauch Hoffnung durchbrochen wird. Julia Pustet bringt mit ihrem Roman nahezu alles ins Bewusstsein, was in unserer Gesellschaft ganz schlimm ist und regt zur Reflexion an. Ich bleibe mit der Erleichterung zurück, dass mein Leben in dieser herausfordernden Welt nicht ganz so schlimm ist. Aber ich finde es wichtig, dorthin zu schauen, wo Dinge verändert werden sollten und empfehle daher diesen echt herausfordernden Roman.

4

Eine Geschichte, die einen definitiv ans Herz geht. Wie schnell alles zerbrechen kann, wenn man glaubt alles im Griff zu haben, zeigt dieses Buch gabz gut. Ich hoffe sehr das jeder der da durch muss, den Silberschweif am Horizont zu sehen bekommt. Ganz klare Empfehlung für alle Herzensmenschen Inhaltsangabe (Quelle :Amazon) Die irrationale Konsistenz der Unzuverlässigkeit Stehenbleiben, wenn die Welt rast Endlich angekommen – oder? Susanne hat ihre Zwanziger überlebt, sich ein Leben aufgebaut, eigentlich läuft alles ganz gut. Doch irgendwie schleichen sich immer wieder Konflikte in ihre Freundschaften und Romanzen, entstehen Brüche und Intrigen, wird ihr Umfeld immer mehr zu einem Spielfeld, dessen Regeln sie nicht versteht. Das Gefühl der Leere lässt Raum für Erinnerungen, und Susanne beginnt, über ein lang vergessenes Kapitel ihrer jungen Erwachsenenjahre zu schreiben: ihre Zeit als Prostituierte. Der Text entwickelt ungeahnte Durchschlagskraft, als eine Freundin ihn stiehlt und als ihren veröffentlicht – und sich damit nicht nur ihre Gedanken, sondern auch ihr Trauma aneignet. Es folgen Gerüchte, Statements, Shitstorms, die Susanne schließlich zum Abbruch des Lebens bringen, das ihre innere Unruhe in Schach hielt. Bei ihrer Familie sucht sie Ruhe und Halt. Doch schleichend klopft die Befürchtung an, dass gerade hier der Ort liegt, der alles zum Zerspringen bringt …

5

Ein Roman, der zeigt, dass sich nicht alles in Schablonen pressen lässt.

Julia Pustet hat ein Buch geschrieben. "Alles ganz schlimm" (Reziexemplar ) ist ihr Debüt und es hat mir sehr gefallen. Weshalb ich hoffe, dass ihr diese Empfehlung auch heute, am Erscheinungstag, wahrnehmt, falls euer Feed von den Rezis geflutet sein sollte. Susi ist ca Mitte dreißig, halbwegs mit ihrer Familie zerstritten und so langsam im Freund*innenkreis angekommen, als Stella - eine Freundin/Bekannte aus ihrer gemeinsamen politischen Freund*innenbubble - ihr ihren Text klaut und unter eigenem Namen veröffentlicht. Es ist nicht irgendein Text, sondern Susi verarbeitet darin ihre Erfahrungen mit der Pr0stituti0n. Mit der Veröffentlichung eignet sich Stella also auch die damit verbundenen Grautöne und Traumata an. Und für Susi beginnt ein Konflikt im Freund*innenkreis, der sie bis in die Geschlossene treibt und zurück zu ihrer Familie, in der möglicherweise viele ihrer Probleme erst begonnen haben? Das klingt tragikomisch und absurd und etwas überzogen und ist auch all das. Julia Pustet schont ihre Charaktere nicht, weder Susi noch die anderen. Alle Charaktere sind im Grunde ziemlich nervig (wie wir alle) und genau dadurch auch irgendwie liebenswert. Der Roman ist, auch wenn man das angesichts des Covers nicht vermuten mag (erlaubt mit diesen Pun) einer der Grautöne. Ein zwischenmenschlicher Konflikt jagt den nächsten, in Susis Fall türmen sie sich auf und konfrontieren Gewissheiten. Immer wieder muss neu ausgelotet werden, wie feministische Grundüberzeugungen bestehen können, wenn sie das nächste Umfeld treffen. Scheitert der Freund*innenkreis an Ambivalenz, wenn sowohl Stella als auch Susi das Konzept der Definitionsmacht für sich reklamieren, denn mit welchen Gründen soll wem geglaubt werden und entscheidet dann im Zweifel die unzuverlässige Sympathie? Der Roman ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit Ambivalenz und Uneindeutigkeit und zeigt, dass feministische Konzepte so wichtig sind wie sie gleichzeitig nicht als Schablonen vereindeutigend auf alles angewandt werden können. Die Charaktere scheitern, wenn ihre eigenen Selbstbilder herausgefordert werden und naja, wenn alle engen Freund*innen sich distanzieren und sagen, Susi sei verrückt, ist es vielleicht kein Wunder, dass sie dann irgendwann auch in der Psychiatrie landet. Wenn individuelle Situation und allgemeine politische Überzeugungen zusammentreffen, wird es eben oft schwierig. Aber, auch das ist eine Stärke des Romans, es handelt sich hier nicht um eine Abrechnung mit der linken Szene. Vielmehr um eine Auseinandersetzung damit, dass es auch und gerade da sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und oft genug beschwerlichen familiären Backgrounds voller unbearbeiteter Traumata gibt, was das gemeinsame Aushandeln von Grenzen und Bearbeiten von Konflikten nicht grade leichter macht. Denn das ist der zweite Handlungsstrang dieses Buchs: Susis Familie, um die man sie nun wirklich nicht beneidet und die einige ihrer Handlungsweisen nachvollziehbarer macht, auch wenn diese sie teilweise sehenden Auges in die Katastrophe führen. Das sind alles keine besonders tollen Themen. Trotzdem habe ich bei diesem Buch mehrfach in der Öffentlichkeit lauthals lachen müssen. Meine Lieblingsszene ist, glaube ich, die, in der Susi ihrem neoliberalen Therapeuten einen ideologiekritischen Vortrag über die Chancen und Grenzen der Definitionsmacht hält. Und ja, so absurd ist das ganze Buch immer wieder und das macht es leichter, die Protagonistin und ihr Umfeld, das man schnell ins Herz schließt, von außen zu beobachten, ohne eingreifen und allen Beteiligten ordentlich den Kopf waschen zu können. "Alles ganz schlimm" ist zynisch, liebevoll und ein Lehrstück darüber, wie man mit Definitionsmacht und emanzipatorischen Errungenschaften nicht umgehen sollte. Was der Roman selbst auch ernstnimmt, denn er buchstabiert uns nicht die eine richtige Handlungsweise oder Deutung aus, sondern behält die Ambivalenz bei. Ich hab mich schon sehr lange auf diesen Roman gefreut und Julia Pustet hat geliefert. Und auch wenn ich den Roman biased gelesen habe und grade deshalb versucht habe, auch Kritik zu finden, könnte man maximal das Unzusammenhängende der Komposition erwähnen, durch das ich etwas brauchte, um in die Handlung zu finden. Allerdings passt auch das sehr gut zum Plot. Die Sprache ist mir ebenfalls ins Auge gestochen; möglicherweise könnte sie manchen Menschen nicht gefallen. Ich mochte die Sprachspiele aber sehr. Und ja klar, der Roman ist vor allem auch eine innerlinke Nabelschau, der entweder herausfordert oder doch nicht so ganz drumrum kommt, für Menschen wie mich, die sich schon für wahnsinnig reflektiert halten, in gewissem Sinn selbstvergewissernd zu wirken. Aber ist das schlimm? Am besten liest man den Roman, wenn er noch ganz frisch ist und das Cover zum spätsommerlichen Wetter passt.

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