Unser Deutschlandmärchen
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Description
Book Information
Author Description
Dinçer Güçyeter, geboren 1979 in Nettetal, ist ein deutscher Theatermacher, Lyriker, Herausgeber und Verleger. Güçyeter wuchs als Sohn eines Kneipiers und einer Angestellten auf. Er machte einen Realschulabschluss an einer Abendschule. Von 1996 bis 2000 absolvierte er eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker. Zwischenzeitlich war er als Gastronom tätig. Im Jahr 2012 gründete Güçyeter den ELIF Verlag mit dem Programmschwerpunkt Lyrik. Seinen Verlag finanziert Güçyeter bis heute als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit. 2017 erschien Aus Glut geschnitzt, und 2021 Mein Prinz, ich bin das Ghetto. 2022 wurde Güçyeter mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet. Er ist Vater von zwei Kindern und lebt in Nettetal.
Posts
Ein Buch, das nachhallt
Ich habe das Buch des Autors Dinçer Güçyeter, der in einer sehr besonderen Art seine Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg beschreibt, gleich zweimal hintereinander "gelesen", einmal als Hörbuch gehört, und dann nochmal als E-Book gelesen. Das Hörbuch ist ganz wunderbar und sehr authentisch gesprochen von Sema Poyraz, die die Geschichte der weiblichen Verwandten erzählt, und Hasan H. Tasgin, der hauptsächlich die Teile aus der Perspektive des Sohnes liest. In der gedruckten Version befinden sich zusätzlich Familienfotos aus dem Archiv des Autors. Das Buch ist in vielen verschiedenen Stilen geschrieben, hauptsächlich in der Ich-Perspektive aus der Sicht der Mutter Fatma und Dinçer selbst, aber auch die Großmutter Hanife und die Urgroßmutter Ayşe kommen zu Wort. Dazwischen befinden sich Gedichte, Lieder und Dialoge. Vielleicht habe ich deswegen etwas länger gebraucht, um alles zu verdauen. Das Buch ist zwar nicht lang, enthält aber sehr viel auf wenigen Seiten und noch mehr zwischen den Zeilen. Man fühlt so richtig den Schmerz, den diese Familie aushalten musste. Großartiges Buch!
Sehr sehr schön und aufwühlend zugleich!
Eine (wahre) Geschichte eine Einwanderer-Familie, die in Deutschland eine Heimat finden möchte. Man begleitet Fatma und Dincer durch das Leben und wird Teil einer umfassenden Familiengeschichte. Im Vordergrund steht unter anderem das Thema Einwanderung nach Deutschland und alle Schwierigkeiten, die damit verbunden sind. Hauptsächlich geht es dabei um das Gefühl, dass man nie irgendwo eine Heimat gefunden hat, so sehr man sich auch eine wünscht. Zusätzlich werden die Spannungen in der Familie selbst thematisiert, die Mutter-Sohn-Beziehung, die Beziehung der Eltern und welche Erwartungen jeder für sich an das Leben (in Deutschland) hat. Es gab sehr gute Einblicke in Themen und Situationen von Familien mit Migrationshintergrund, die man als Außenstehender nie sieht/vermutet. Die Themen werden sehr sehr gut vermittelt. Sehr sehr interessant und nur zu empfehlen!

Hier mein Versuch, meine Gedanken zu diesem und um dieses Buch in Worte zu fassen: Ich möchte an Märchen glauben, wirklich. Die meisten von uns möchten das. Und trotzdem ist es dieser Tage doch so, dass Menschen ohne jede Scham (zumindest ein leises Hinterfragen wäre doch schon ein Anfang) ihre leicht eingestaubten Deutschlandfahnen wieder aus den Fenstern wehen lassen können. Denn es ist Fußball! Deutschland, ein Sommermärchen. Haha, Mensch! Die guten alten Zeiten. Jene Zeiten, in denen man(n) eben völlig unverblümt seinen Nationalstolz ausleben kann. Ein bisschen Patriotismus sollte doch wohl okay sein. Oder? Genug der Spitzzüngigkeit. Ehrlich, das hier soll wirklich kein Fußball-Bashing werden. Feiert, habt Spaß. Aber es ist eben auch so: Menschen haben Angst. Reale, existenzielle Angst. Ich zitiere den Deutschlandfunk: „So zeigte eine Studie der Universität Marburg nach der WM 2006: Der sogenannte deutsche Party-Patriotismus ging einher mit einem Anstieg nationalistischer und fremdenfeindlicher Einstellungen in der deutschen Bevölkerung.“* Jetzt, bald 20 Jahre später ist das anders? Lasst mich raten… Tja, die jüngsten Wahlergebnisse jedenfalls sind beängstigend. Einen weiteren Anstieg brauchen wir wirklich nicht. Wo bleibt es also, unser Märchen? Jetzt habe ich mich so in Rage getippt, dass ich wieder nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich möchte sagen: Lest Bücher wie dieses. Schenkt Menschen Gehör, die etwas zu erzählen haben. Die die Geschichte(n) anders erzählen können. Von Dinçer und seinem Debütroman, (s)einer Familiengeschichte, bin ich wirklich über alle Maßen beeindruckt. Dinçer, du bist so ein toller Autor. Lyriker durch und durch und dennoch spielst du in diesem Buch mit den Textsorten als hättest du nie etwas anderes gemacht. Davon abgesehen habe ich selten einen Text gelesen, der mit solch einer brutalen Ehrlichkeit daherkommt, keine Schamgrenzen kennt. Du frag(te)st dich immer und immer wieder, wie du deine Sprache finden kannst. Ich sage dir: Du hast sie schon längst gefunden. Dieses Buch habe ich selbst gekauft.

Ein Lyrisches Buch über Gastarbeiter. Verschiedene Textformen-Träume, Theaterszenen, Fatmas&Dinçers Erinnerung,Lieder- erzählen uns die Geschichte von Dinçer und seiner Mutter. Wie Fatma zupackt und sich nicht unterkriegen lässt. Sich kaputt arbeitet. Dinçer nicht männlich genug ist, in beiden Kulturen nicht ganz reinpasst. Die 90er mit all der rechten Gewalt. So leise und zart erzählt. Das Buch ist ein Geschenk.
„Seit Jahren sprechen Politiker über das gelungene Zusammenleben, über das Zusammensein, sie sprechen im Namen von Fatma, im Namen von Gürsün, Hatice, Gülüstan, Hülya, im Namen von Saime, im Namen von Menschen, die dreißig, vierzig, fünfzig Jahre in Fabriken, Bergwerken, auf Feldern gearbeitet haben.“
Puh was sage ich jetzt über dieses Buch… Rein inhaltlich fühle ich ganz viel, weil Fatma meine Großmutter sein könnte. Ich höre ähnliche Worte und fühle ähnlichen Schmerz wenn ich mit ihr zum Tee sitze. Das ist so viel erlebte Wut, Hilflosigkeit, Liebe, Ärger… und so viel Leben darin…. Ach ja das Leben, die so gern gesehen und schnell wieder heimgehen solltenden Gastarbeiter… ❤️ Speziell finde ich den Schreibstil mit den Gedichten und verschiedenen Sprüngen - dabei ist es mir oft schwer gefallen dran zu bleiben. Zudem hätte ich mir gewünscht das Buch wäre auf Türkisch geschrieben worden, viele Redewendungen und Gespräche habe ich im Kopf auf Türkisch geführt und hatte das Gefühl, dass es sich für mich authentischer anfühlt. Auf Deutsch fühlte es sich oft krumm und horkelig an - sicher war das Absicht aber hat mich eben oft verwirrt. Ich bleibe hin und her gerissen zwischen: „ich liebe dieses Buch“ und „krass ich bin verwirrt“ Lesenswert ist es allemal ❤️❤️ und Fatma muss man lieben ❤️
Nicht einfach ein Roman, sondern eine Geschichte über die Einwanderung nach Deutschland, die Geschichte einer Einwandererfamilie. Und die Geschichte von Dincer, der so gar nicht dem klassischen Bild eines türkischen Mannes entspricht. Verschiedene Stilmittel wie Gedichte, drehbuchartige Dialoge, Träume, Fotos machen dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.
Hat mir sehr gut gefallen. Die besondere Art und Weise des Autors sich auszudrücken, Dinge zu beschreiben, Metaphern zu nutzen hat mich sehr bewegt und beeindruckt. Vieles was als Vorurteil im Kopf leider immer noch rumgeistert, kann ich in einem ganz anderen Licht und Zusammenhang sehen. Insgesamt eine sehr bewegende Geschichte die ich auch als Hörbuch sehr empfehlen kann.
Die Geschichte einer Gastarbeiterin. Lyrisch vom eigenen Sohn erzählt.
Ich durfte Dinçer Güçyeter bei einer Lesung während des Berliner Literaturfestivals erleben. Dort ist er mir so warmherzig, klug und witzig erschienen, dass ich schon wusste, sein Buch niemals schlecht bewerten zu können. Nachdem ich es nun endlich gelesen habe, konnte, kann ich ohne Flunkern sagen, dass es mir gut gefällt. Natürlich erkennt man den Lyriker im Buch. Genau dieser Stil macht den Text für mich zu etwas ganz besonderen. Wir erfahren etwas über das Leben von Dinçers Vorfahren, am meisten aber über Fatma, seine Mutter. Eine Frau, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, mit ihrem entbehrungsreichen Leben. Wenn von Gastarbeitern die Rede ist, bleiben die Frauen meist außen vor. Dass sie ebenso hier gearbeitet haben, in diesem Fall viel härter und mehr als ein Mann, wird viel zu selten erwähnt. Ein bewegender wie intensiver Blick in einen Teil der Geschichte auf so persönlich lyrische Art, dass ich das Buch sicher noch einmal lesen werde.
Toller, vielschichtiger Roman, der von und stellvertretend für die Gastarbeiter:innengeneration der 60er Jahre spricht.
Toller Roman, der bei der Arbeiter:innenliteratur einzuordnen ist. Ich habe ihn im Rahmen eines Seminars an der Uni gelesen. Der Roman ist nicht wie ein typischer Roman aufgebaut. Er ist aus verschiedenen Genres (wie Erzähltext, Lyrik, Dialog, Lieder, szenische Darstellung) zusammengesetzt und spricht von und stellvertretend für die Gastarbeitergeneration der 60er Jahre. Durch seine rohe Sprache wird bereits ab der ersten Seite nichts beschönigt. Ein wirklich toll geschriebenes Werk, das viel mehr Aufmerksamkeit unter Leser:innen verdient hat.
Unerträglich prätentiös. Fehler über Fehler in den Eigenübersetzungen des Autors und dieser Zwang mit Vulgärsprache edgy sein zu wollen. Können türkeistämmige Autoren vielleicht auch mal ein schönes Stück Literatur in Deutschland verfassen oder muss es immer darum gehen "ich bin aber anders als andere Türken" in Gesichter deutscher Leser zu schreien? Ich musste das Buch abbrechen. Die Geschichte der Gastarbeiter und Migranten hat wahrlich was besseres verdient, eben weil ich Teil dieser Geschichte bin.
Ein wichtiger Beitrag für die Literaturwelt in der maginalisierte Stimmen noch viel zu wenig Gehör bekommen!
Dinçer Güçyeter hat eine ganz eigene Stimme, die schonungslos und gleichzeitig so grazil daherkommt. Ein Buch über zerrissene Identitäten, migrantische Mutterschaft, Gastarbeiter*innenschaft und das Leben in Deutschland in den 80ern bis 2000ern. Das Hörbuch ist ebenfalls so schön eingesprochen, aber ich wünschte ich hätte es doch physisch gelesen, weil die Sprache beim Hören nicht ganz seine Kraft entfalten konnte.
Schon lange habe ich mich nicht mehr so schwer getan mit einer Rezension, und das liegt vor allem daran, dass so viel wichtiges in 'Unser Deutschlandmärchen' drin steckt. Es handelt sich um einen autobiographischen Roman, der jedoch nicht erst mit der Geburt des Autors beginnt, sondern schon vorher mit dem Leben seiner Großmutter Hanife und dann seiner Mutter Fatma. Dabei wird fortlaufend immer wieder die Perspektive und die Erzählstimme gewechselt. Mitunter kommt es zu wechselseitig vorgetragenen Diskussionen zwischen Dinçer und Fatma, ab und an gibt es auch Stilbrüche in Form von Gedichten, Liedern oder reinen Dialogen. Der Roman behandelt so viele Themen, die ein (oder mehrere) Leben ausmachen: das Aufwachsen in Armut, immer wieder Zurechtkommen müssen in anderen Welten: dem türkischen Dorf, der Großstadt, einem anderen Land, der ausbeuterischen Arbeitswelt. Auf der einen Seite erzählt Güçyeter hiermit eine 'klassische' Gastarbeitern*innen-Geschichte, zeigt dabei aber auf, dass jede Geschichte für sich steht. Er fokussiert sich auf die Frauen, die im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland kamen, dann aber sehr schnell selbst ausgebeutet wurden und zusätzlich noch ihre Männer aushalten mussten, dazu waren sie natürlich alleine zuständig für sämtliche Care-Arbeit. Es ist herzzereißend, wie die Familie permanent ums Überleben und finanzielle Stabilität kämpft, und dabei immer wieder das Gefühl vermittelt bekommen, in Deutschland nicht erwünscht zu sein - sei es durch fehlende Anerkennung und Unterstützung bei Arbeitsunfällen, oder sehr drastisch in Form der rechtsextremen Anschläge in Solingen und Mölln. Ebenfalls herzzerreißend empfand ich Dinçers Suche nach seiner Mutter, nach dem, was von ihr übrig bleibt, wenn die Aufopferung und Ausbeutung nicht wäre. Wie beide an ihren unerfüllten Erwartungen aneinander leiden und sich doch so lieben. Ansonsten bitte ich Content Notes ansehen, da an manchen, wenigen Stellen diskriminierende Sprache reproduziert wird. CN: Tod, Mord, Vergewaltigung, Missbrauch, Gewalt, Krankheit, Töten von Tieren, Ableismus, Kindesmissbrauch, Rassismus, Z-Wort, Antiziganismus, Homophobie/-feindlichkeit
Ein besonderes Buch. Hinreißend poetisch in der Form, herzzerreißend im Inhalt. Ein Jahreshighlight.
Welch eine Liebeserklärung an eine Mutter, der das Lieben nie leicht gemacht wurde und die nicht immer leicht zu lieben war. Ein literarisches Schmuckstück, das Prosa und Lyrik verbindet zu einer besonderen Einheit. Ein Roman, der mich bis zu Tränen berührt hat und den ich nicht das letzte mal gelesen haben werde. Neben der wunderbaren sprachlichen Form verhandelt Unser Deutschlandmärchen sehr klar und kritisch ein Stück deutscher Zeitgeschichte, bis hin zu einem Spiegel immer noch aktueller gesellschaftlicher (Miß-)Verhältnisse. In den 1960ern als günstige und willige Arbeitskräfte ins Land gelockt, bleiben die “Gastarbeiter” immer die Anderen. Die Geduldeten, die dankbar sein sollten, die sich stillschweigend einfügen sollten. Stellvertretend für sie, vor allem für die Frauen, spricht in diesem Roman Fatma, die Mutter über ihr unglaublich hartes Leben. Die zweite Stimme, die zu Wort kommt, ist der Sohn, Dinçer. Wenn ich seine Kindheit neben meine lege, ist es kaum auszuhalten, dass sich beide nahezu zur selben Zeit abspielten. Und welch ein fortdauernder Kraftakt es für Dinçer Güçyeter sein muss, mit seinem Wunsch, als Künstler zu arbeiten, sein Leben lang der Andere unter den Anderen zu sein (in mehrfacher Hinsicht), mag man darüber hinaus kaum ermessen.
In diesem Roman wird eine Familiengeschichte erzählt, die mit Hanife, der Tochter einer Normadin, beginnt. Diese möchte, dass ihre Tochter Fatma, es einmal besser hat als sie. Tatsächlich wandert Fatma nach Deutschland aus und hofft dort auf ein besseres Leben. Das Ziel „viel Geld verdienen“ und dann wieder zurück, gleichzeitig die restliche Familie in der Türkei unterstützen. Doch es kommt anders: Ihr Ehemann ist ein Lebemann, der keinerlei Geschäftssinn hat und trotzdem ständig welche auf die Beine stellt und so nicht als Schulden anhäuft. Fatma wiederum schuftet wie ein Tier, um ihren Söhnen eine bessere Zukunft zu sichern. Besonders in der ältesten Sohn Dinçer setzt sie ihre Hoffnung: Er soll Handwerker werden und so gutes Geld machen. Aber dieser verfolgt andere Pläne: er will Dichter werden und wendet sich nach und nach von den traditionellen Männlichkeitsvorstellungen seiner Familie ab. "Unser Deutschlandmärchen" ist ein ungewöhnlicher Roman, der eine ehrliche Geschichte erzählt und mich bei Lesen mehr als einmal tief berührt hat. Der Gedankenaustausch zwischen Mutter und Sohn, der gespickt ist mit vielen Anekdoten verhandelt Fremdheit, Entwurzelung, die rassistische Gesellschaft, das Versagen der deutschen Politik, die Ausbeutung, die überholten Geschlechterbilder und vieles mehr. Elegant bewegt sich Güçyeter zwischen dem Politischen und Persönlichen und verknüpft beides miteinander. Dabei ist er experimentierfreudig unterwegs: drehbuchartige Dialoge, Chöre, Briefe, Gedichte, Lieder sogar Fotos bereichern die Erzählung. Ich wünsche diesem Roman noch viele weitere Leser*innen. Merged review: In diesem Roman wird eine Familiengeschichte erzählt, die mit Hanife, der Tochter einer Normadin, beginnt. Diese möchte, dass ihre Tochter Fatma, es einmal besser hat als sie. Tatsächlich wandert Fatma nach Deutschland aus und hofft dort auf ein besseres Leben. Das Ziel „viel Geld verdienen“ und dann wieder zurück, gleichzeitig die restliche Familie in der Türkei unterstützen. Doch es kommt anders: Ihr Ehemann ist ein Lebemann, der keinerlei Geschäftssinn hat und trotzdem ständig welche auf die Beine stellt und so nicht als Schulden anhäuft. Fatma wiederum schuftet wie ein Tier, um ihren Söhnen eine bessere Zukunft zu sichern. Besonders in der ältesten Sohn Dinçer setzt sie ihre Hoffnung: Er soll Handwerker werden und so gutes Geld machen. Aber dieser verfolgt andere Pläne: er will Dichter werden und wendet sich nach und nach von den traditionellen Männlichkeitsvorstellungen seiner Familie ab. "Unser Deutschlandmärchen" ist ein ungewöhnlicher Roman, der eine ehrliche Geschichte erzählt und mich bei Lesen mehr als einmal tief berührt hat. Der Gedankenaustausch zwischen Mutter und Sohn, der gespickt ist mit vielen Anekdoten verhandelt Fremdheit, Entwurzelung, die rassistische Gesellschaft, das Versagen der deutschen Politik, die Ausbeutung, die überholten Geschlechterbilder und vieles mehr. Elegant bewegt sich Güçyeter zwischen dem Politischen und Persönlichen und verknüpft beides miteinander. Dabei ist er experimentierfreudig unterwegs: drehbuchartige Dialoge, Chöre, Briefe, Gedichte, Lieder sogar Fotos bereichern die Erzählung. Ich wünsche diesem Roman noch viele weitere Leser*innen.
Magisches Deutschlandmärchen mit Einblick in die Familiengeschichte
Dinçer Güçyeter hat ein bewegendes Buch geschrieben. Er spielt mit Textformen, doch das passt richtig gut zum Inhalt: Frauen unterschiedlicher Generationen und er selbst erinnern sich an das Schicksal türkischer Griechen, vom anatolischen Leben und dem Gastarbeitertum in Deutschland.

Ein Blick über den Tellerrand
"Unser Deutschlandmärchen" habe ich im Rahmen des Lesesalons des Buchclubs Sachsen als Monatsbuch für April gelesen. Vorher ist mir das Buch ehrlicherweise noch nicht begegnet. Es war ein interessanter Blick über den Tellerrand, gesellschaftskritisch und zwischendurch viel Poesie. Das hatte ich so nicht erwartet und umso mehr hat es mir gefallen. Kurzweilig, zumal die Kapitel Recht kurz sind, gut leserlich und vielfältig. Mir hat es insgesamt gut gefallen und lässt mich noch nachdenklich zurück
Auch dieses Buch wurde an der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, ansonsten wäre es mir kaum in die Hände gefallen. Doch dieses ist eines jener Bücher, von denen mensch hinterher froh, es gelesen zu haben. Bücherpreise haben also doch noch ihr Gutes. Als ich jünger war, wurden türkische Gastarbeiter/innen stets belächelt, wenn nicht sogar noch minder geachtet. Würde ich mit heutigem Wissen anders handeln? Ich hoffe zu sagen, ja. Ich hoffe, dass sich die Zeiten geändert haben, in welchen Menschen bloss aufgrund ihrer Herkunft be- und verurteilt werden. Hat sich dies geändert? Ich weiss es nicht. Aber ich hoffe auf jeden Fall, dass ich mich verändert habe. Erwachsener und reifer geworden bin. Dinçer Güçyeter erzählt hier die Geschichte seiner Mutter, seiner Familie, von sich selbst. Von Kulturen, Armut, Hoffnungen und der Realität. Oftmals fand ich mich mit Tränen in den Augen. Tränen der Rührung. Tränen der Wut. Tränen der Verzweiflung. Güçyeter gehört in die Kategorie eines Saša Stanišićs. Jener, die die deutsche Sprache zu bedienen lernen, ihr ihre Schönheit entlockt und damit das Unschöne aufzeigen. Wie es ist, heimatlos zu sein. Entweder "der Türke" oder "der Deutsche", beides gleichzeitig und doch keines so richtig. Von der Aufopferung der Mutter, der immerwährenden Arbeit, von Krankheit und davon, sich selbst zu bleiben. Ein kleines Büchlein mit grosser Wucht. Die beigefügten Fotographien machen alles noch greifbarer, realer. Es ist keine Schauergeschichte, die uns hier erzählt wird. Wir sind dabei, wenn Menschen Menschen sind. In ihrer Seltsamheit, in ihrer eigenen Welt, in ihrem Durcheinander. Vielen Dank für dieses Buch, Dinçer. Mach weiter so! Merged review: Auch dieses Buch wurde an der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, ansonsten wäre es mir kaum in die Hände gefallen. Doch dieses ist eines jener Bücher, von denen mensch hinterher froh, es gelesen zu haben. Bücherpreise haben also doch noch ihr Gutes. Als ich jünger war, wurden türkische Gastarbeiter/innen stets belächelt, wenn nicht sogar noch minder geachtet. Würde ich mit heutigem Wissen anders handeln? Ich hoffe zu sagen, ja. Ich hoffe, dass sich die Zeiten geändert haben, in welchen Menschen bloss aufgrund ihrer Herkunft be- und verurteilt werden. Hat sich dies geändert? Ich weiss es nicht. Aber ich hoffe auf jeden Fall, dass ich mich verändert habe. Erwachsener und reifer geworden bin. Dinçer Güçyeter erzählt hier die Geschichte seiner Mutter, seiner Familie, von sich selbst. Von Kulturen, Armut, Hoffnungen und der Realität. Oftmals fand ich mich mit Tränen in den Augen. Tränen der Rührung. Tränen der Wut. Tränen der Verzweiflung. Güçyeter gehört in die Kategorie eines Saša Stanišićs. Jener, die die deutsche Sprache zu bedienen lernen, ihr ihre Schönheit entlockt und damit das Unschöne aufzeigen. Wie es ist, heimatlos zu sein. Entweder "der Türke" oder "der Deutsche", beides gleichzeitig und doch keines so richtig. Von der Aufopferung der Mutter, der immerwährenden Arbeit, von Krankheit und davon, sich selbst zu bleiben. Ein kleines Büchlein mit grosser Wucht. Die beigefügten Fotographien machen alles noch greifbarer, realer. Es ist keine Schauergeschichte, die uns hier erzählt wird. Wir sind dabei, wenn Menschen Menschen sind. In ihrer Seltsamheit, in ihrer eigenen Welt, in ihrem Durcheinander. Vielen Dank für dieses Buch, Dinçer. Mach weiter so!
Der Preis der Leipziger Buchmesse ist sowas von verdient.
Dincer du hast mein Herz berührt. Auch wenn ich mich erst an die Erzählperspektive gewöhnen musste, hat mich Dincers Geschichte und die seiner Familienangehörigen sehr bewegt. Nicht zuletzt, weil mir beide Welten bekannt sind und ich besonders diese Doppelmoral selbst als Kind furchtbar fand. Wie gerne ich bei einem Tee mehr von dem Autor lesen würde. ❤️

Ein durchaus spannendes und ehrliches Buch, das in kurzen Kapiteln, mit eingeschobenen Gedichten und hinzugefügten Schwarz-weiß-Fotografien von den Ungerechtigkeiten und den Schwierigkeiten von Einwanderung und Integration erzählt. Dem Autoren gelingt es, gleichzeitig berührend, poetisch und dokumentarisch zu erzählen und die Lesenden mit in die Welt seiner Familie zu entführen. Besonders die Perspektivwechsel, also, dass die einzelnen Kapitel mal aus der Sicht des Autoren und mal aus Sicht seiner Mutter erzählt werden, hat mir sehr gefallen. Gerade die Stellen, an denen Reibungspunkte und Konflikte zwischen Mutter und Sohn entstehen, sind wirklich stark erzählt. Ein wichtiges Thema, das glücklicherweise mehr und mehr in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur Einzug hält und das hier literarisch absolut souverän umgesetzt wird. Für mich aber eben dann doch "nur" souverän. Zu sprunghaft die einzelnen Episoden, zu unklar, warum welche Episode ausgewählt und verwendet wurde und auch die lyrisch anmutenden Zwischenkapitel, die aus keiner figuralen Perspektive erzählt werden, überzeugen im Gegensatz zu den figuralen Kapiteln sowie den eingebauten Gedichten nicht auf ganzer Linie. Da wäre weniger mehr gewesen. Somit bleibt "Unser Deutschlandmärchen" ein wirklich lesenswertes Buch mit wichtiger, überfälliger Thematik, aber eben auch nicht mehr. Den Preis der Leipziger Buchmesse hätte ich, zumindest nach literarischen Kriterien, nicht an dieses Buch vergeben. Leseempfehlung: Ja, mit Abstrichen. Merged review: Ein durchaus spannendes und ehrliches Buch, das in kurzen Kapiteln, mit eingeschobenen Gedichten und hinzugefügten Schwarz-weiß-Fotografien von den Ungerechtigkeiten und den Schwierigkeiten von Einwanderung und Integration erzählt. Dem Autoren gelingt es, gleichzeitig berührend, poetisch und dokumentarisch zu erzählen und die Lesenden mit in die Welt seiner Familie zu entführen. Besonders die Perspektivwechsel, also, dass die einzelnen Kapitel mal aus der Sicht des Autoren und mal aus Sicht seiner Mutter erzählt werden, hat mir sehr gefallen. Gerade die Stellen, an denen Reibungspunkte und Konflikte zwischen Mutter und Sohn entstehen, sind wirklich stark erzählt. Ein wichtiges Thema, das glücklicherweise mehr und mehr in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur Einzug hält und das hier literarisch absolut souverän umgesetzt wird. Für mich aber eben dann doch "nur" souverän. Zu sprunghaft die einzelnen Episoden, zu unklar, warum welche Episode ausgewählt und verwendet wurde und auch die lyrisch anmutenden Zwischenkapitel, die aus keiner figuralen Perspektive erzählt werden, überzeugen im Gegensatz zu den figuralen Kapiteln sowie den eingebauten Gedichten nicht auf ganzer Linie. Da wäre weniger mehr gewesen. Somit bleibt "Unser Deutschlandmärchen" ein wirklich lesenswertes Buch mit wichtiger, überfälliger Thematik, aber eben auch nicht mehr. Den Preis der Leipziger Buchmesse hätte ich, zumindest nach literarischen Kriterien, nicht an dieses Buch vergeben. Leseempfehlung: Ja, mit Abstrichen.
Ein tolles Buch, das die Geschichte des Autors als in Deutschland geborener Sohn einer Gastarbeiterfamilie auf außergewöhnliche Weise darstellt. Die verschiedenen Textformen (Erzählungen, Gedichte, Lieder...) machen das Lesen zu einem besonderen Erlebnis. Merged review: Ein tolles Buch, das die Geschichte des Autors als in Deutschland geborener Sohn einer Gastarbeiterfamilie auf außergewöhnliche Weise darstellt. Die verschiedenen Textformen (Erzählungen, Gedichte, Lieder...) machen das Lesen zu einem besonderen Erlebnis.
Ich hab ein bisschen gebraucht, um mich auf dieses ungewöhnliche Buch einzulassen. Aber dann! "Unser Deutschlandmärchen" ist ein besonderer Text und erzählt eine besondere Geschichte, auch wenn manche vielleicht meinen, hier einfach eine "weitere Gastarbeiter*innen-Story" vor sich zu haben. Dinçer Güçyeter, Sohn türkischer Einwanderer*innen, Werkzeug- und Theatermacher, Poet und Gabelstaplerfahrer aus Nettetal gelingt es, gleichermaßen märchenhaft und lyrisch wie präzise sezierend über seine Familie und die deutsche Gesellschaft zu schreiben. Dabei hilft es auch, dass immer wieder Fatma erzählt, seine Mutter, die mit einem ganz anderen Blick auf das Leben und die Politik schaut. Das Deutschlandmärchen ist wie alle guten Märchen sind: schrecklich und beängstigend, tröstlich und mitunter auch zum Lachen bringend. Es ist reine Poesie und hoch politisch. Den Preis der Leipziger Buchmesse hat es zurecht bekommen und ich bin so froh, dass es dadurch auch meine Aufmerksamkeit bekam. Bitte lest auch die Rezension von @cheap.and.cheerful!
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Dinçer Güçyeter, geboren 1979 in Nettetal, ist ein deutscher Theatermacher, Lyriker, Herausgeber und Verleger. Güçyeter wuchs als Sohn eines Kneipiers und einer Angestellten auf. Er machte einen Realschulabschluss an einer Abendschule. Von 1996 bis 2000 absolvierte er eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker. Zwischenzeitlich war er als Gastronom tätig. Im Jahr 2012 gründete Güçyeter den ELIF Verlag mit dem Programmschwerpunkt Lyrik. Seinen Verlag finanziert Güçyeter bis heute als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit. 2017 erschien Aus Glut geschnitzt, und 2021 Mein Prinz, ich bin das Ghetto. 2022 wurde Güçyeter mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet. Er ist Vater von zwei Kindern und lebt in Nettetal.
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Ein Buch, das nachhallt
Ich habe das Buch des Autors Dinçer Güçyeter, der in einer sehr besonderen Art seine Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg beschreibt, gleich zweimal hintereinander "gelesen", einmal als Hörbuch gehört, und dann nochmal als E-Book gelesen. Das Hörbuch ist ganz wunderbar und sehr authentisch gesprochen von Sema Poyraz, die die Geschichte der weiblichen Verwandten erzählt, und Hasan H. Tasgin, der hauptsächlich die Teile aus der Perspektive des Sohnes liest. In der gedruckten Version befinden sich zusätzlich Familienfotos aus dem Archiv des Autors. Das Buch ist in vielen verschiedenen Stilen geschrieben, hauptsächlich in der Ich-Perspektive aus der Sicht der Mutter Fatma und Dinçer selbst, aber auch die Großmutter Hanife und die Urgroßmutter Ayşe kommen zu Wort. Dazwischen befinden sich Gedichte, Lieder und Dialoge. Vielleicht habe ich deswegen etwas länger gebraucht, um alles zu verdauen. Das Buch ist zwar nicht lang, enthält aber sehr viel auf wenigen Seiten und noch mehr zwischen den Zeilen. Man fühlt so richtig den Schmerz, den diese Familie aushalten musste. Großartiges Buch!
Sehr sehr schön und aufwühlend zugleich!
Eine (wahre) Geschichte eine Einwanderer-Familie, die in Deutschland eine Heimat finden möchte. Man begleitet Fatma und Dincer durch das Leben und wird Teil einer umfassenden Familiengeschichte. Im Vordergrund steht unter anderem das Thema Einwanderung nach Deutschland und alle Schwierigkeiten, die damit verbunden sind. Hauptsächlich geht es dabei um das Gefühl, dass man nie irgendwo eine Heimat gefunden hat, so sehr man sich auch eine wünscht. Zusätzlich werden die Spannungen in der Familie selbst thematisiert, die Mutter-Sohn-Beziehung, die Beziehung der Eltern und welche Erwartungen jeder für sich an das Leben (in Deutschland) hat. Es gab sehr gute Einblicke in Themen und Situationen von Familien mit Migrationshintergrund, die man als Außenstehender nie sieht/vermutet. Die Themen werden sehr sehr gut vermittelt. Sehr sehr interessant und nur zu empfehlen!

Hier mein Versuch, meine Gedanken zu diesem und um dieses Buch in Worte zu fassen: Ich möchte an Märchen glauben, wirklich. Die meisten von uns möchten das. Und trotzdem ist es dieser Tage doch so, dass Menschen ohne jede Scham (zumindest ein leises Hinterfragen wäre doch schon ein Anfang) ihre leicht eingestaubten Deutschlandfahnen wieder aus den Fenstern wehen lassen können. Denn es ist Fußball! Deutschland, ein Sommermärchen. Haha, Mensch! Die guten alten Zeiten. Jene Zeiten, in denen man(n) eben völlig unverblümt seinen Nationalstolz ausleben kann. Ein bisschen Patriotismus sollte doch wohl okay sein. Oder? Genug der Spitzzüngigkeit. Ehrlich, das hier soll wirklich kein Fußball-Bashing werden. Feiert, habt Spaß. Aber es ist eben auch so: Menschen haben Angst. Reale, existenzielle Angst. Ich zitiere den Deutschlandfunk: „So zeigte eine Studie der Universität Marburg nach der WM 2006: Der sogenannte deutsche Party-Patriotismus ging einher mit einem Anstieg nationalistischer und fremdenfeindlicher Einstellungen in der deutschen Bevölkerung.“* Jetzt, bald 20 Jahre später ist das anders? Lasst mich raten… Tja, die jüngsten Wahlergebnisse jedenfalls sind beängstigend. Einen weiteren Anstieg brauchen wir wirklich nicht. Wo bleibt es also, unser Märchen? Jetzt habe ich mich so in Rage getippt, dass ich wieder nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich möchte sagen: Lest Bücher wie dieses. Schenkt Menschen Gehör, die etwas zu erzählen haben. Die die Geschichte(n) anders erzählen können. Von Dinçer und seinem Debütroman, (s)einer Familiengeschichte, bin ich wirklich über alle Maßen beeindruckt. Dinçer, du bist so ein toller Autor. Lyriker durch und durch und dennoch spielst du in diesem Buch mit den Textsorten als hättest du nie etwas anderes gemacht. Davon abgesehen habe ich selten einen Text gelesen, der mit solch einer brutalen Ehrlichkeit daherkommt, keine Schamgrenzen kennt. Du frag(te)st dich immer und immer wieder, wie du deine Sprache finden kannst. Ich sage dir: Du hast sie schon längst gefunden. Dieses Buch habe ich selbst gekauft.

Ein Lyrisches Buch über Gastarbeiter. Verschiedene Textformen-Träume, Theaterszenen, Fatmas&Dinçers Erinnerung,Lieder- erzählen uns die Geschichte von Dinçer und seiner Mutter. Wie Fatma zupackt und sich nicht unterkriegen lässt. Sich kaputt arbeitet. Dinçer nicht männlich genug ist, in beiden Kulturen nicht ganz reinpasst. Die 90er mit all der rechten Gewalt. So leise und zart erzählt. Das Buch ist ein Geschenk.
„Seit Jahren sprechen Politiker über das gelungene Zusammenleben, über das Zusammensein, sie sprechen im Namen von Fatma, im Namen von Gürsün, Hatice, Gülüstan, Hülya, im Namen von Saime, im Namen von Menschen, die dreißig, vierzig, fünfzig Jahre in Fabriken, Bergwerken, auf Feldern gearbeitet haben.“
Puh was sage ich jetzt über dieses Buch… Rein inhaltlich fühle ich ganz viel, weil Fatma meine Großmutter sein könnte. Ich höre ähnliche Worte und fühle ähnlichen Schmerz wenn ich mit ihr zum Tee sitze. Das ist so viel erlebte Wut, Hilflosigkeit, Liebe, Ärger… und so viel Leben darin…. Ach ja das Leben, die so gern gesehen und schnell wieder heimgehen solltenden Gastarbeiter… ❤️ Speziell finde ich den Schreibstil mit den Gedichten und verschiedenen Sprüngen - dabei ist es mir oft schwer gefallen dran zu bleiben. Zudem hätte ich mir gewünscht das Buch wäre auf Türkisch geschrieben worden, viele Redewendungen und Gespräche habe ich im Kopf auf Türkisch geführt und hatte das Gefühl, dass es sich für mich authentischer anfühlt. Auf Deutsch fühlte es sich oft krumm und horkelig an - sicher war das Absicht aber hat mich eben oft verwirrt. Ich bleibe hin und her gerissen zwischen: „ich liebe dieses Buch“ und „krass ich bin verwirrt“ Lesenswert ist es allemal ❤️❤️ und Fatma muss man lieben ❤️
Nicht einfach ein Roman, sondern eine Geschichte über die Einwanderung nach Deutschland, die Geschichte einer Einwandererfamilie. Und die Geschichte von Dincer, der so gar nicht dem klassischen Bild eines türkischen Mannes entspricht. Verschiedene Stilmittel wie Gedichte, drehbuchartige Dialoge, Träume, Fotos machen dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.
Hat mir sehr gut gefallen. Die besondere Art und Weise des Autors sich auszudrücken, Dinge zu beschreiben, Metaphern zu nutzen hat mich sehr bewegt und beeindruckt. Vieles was als Vorurteil im Kopf leider immer noch rumgeistert, kann ich in einem ganz anderen Licht und Zusammenhang sehen. Insgesamt eine sehr bewegende Geschichte die ich auch als Hörbuch sehr empfehlen kann.
Die Geschichte einer Gastarbeiterin. Lyrisch vom eigenen Sohn erzählt.
Ich durfte Dinçer Güçyeter bei einer Lesung während des Berliner Literaturfestivals erleben. Dort ist er mir so warmherzig, klug und witzig erschienen, dass ich schon wusste, sein Buch niemals schlecht bewerten zu können. Nachdem ich es nun endlich gelesen habe, konnte, kann ich ohne Flunkern sagen, dass es mir gut gefällt. Natürlich erkennt man den Lyriker im Buch. Genau dieser Stil macht den Text für mich zu etwas ganz besonderen. Wir erfahren etwas über das Leben von Dinçers Vorfahren, am meisten aber über Fatma, seine Mutter. Eine Frau, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, mit ihrem entbehrungsreichen Leben. Wenn von Gastarbeitern die Rede ist, bleiben die Frauen meist außen vor. Dass sie ebenso hier gearbeitet haben, in diesem Fall viel härter und mehr als ein Mann, wird viel zu selten erwähnt. Ein bewegender wie intensiver Blick in einen Teil der Geschichte auf so persönlich lyrische Art, dass ich das Buch sicher noch einmal lesen werde.
Toller, vielschichtiger Roman, der von und stellvertretend für die Gastarbeiter:innengeneration der 60er Jahre spricht.
Toller Roman, der bei der Arbeiter:innenliteratur einzuordnen ist. Ich habe ihn im Rahmen eines Seminars an der Uni gelesen. Der Roman ist nicht wie ein typischer Roman aufgebaut. Er ist aus verschiedenen Genres (wie Erzähltext, Lyrik, Dialog, Lieder, szenische Darstellung) zusammengesetzt und spricht von und stellvertretend für die Gastarbeitergeneration der 60er Jahre. Durch seine rohe Sprache wird bereits ab der ersten Seite nichts beschönigt. Ein wirklich toll geschriebenes Werk, das viel mehr Aufmerksamkeit unter Leser:innen verdient hat.
Unerträglich prätentiös. Fehler über Fehler in den Eigenübersetzungen des Autors und dieser Zwang mit Vulgärsprache edgy sein zu wollen. Können türkeistämmige Autoren vielleicht auch mal ein schönes Stück Literatur in Deutschland verfassen oder muss es immer darum gehen "ich bin aber anders als andere Türken" in Gesichter deutscher Leser zu schreien? Ich musste das Buch abbrechen. Die Geschichte der Gastarbeiter und Migranten hat wahrlich was besseres verdient, eben weil ich Teil dieser Geschichte bin.
Ein wichtiger Beitrag für die Literaturwelt in der maginalisierte Stimmen noch viel zu wenig Gehör bekommen!
Dinçer Güçyeter hat eine ganz eigene Stimme, die schonungslos und gleichzeitig so grazil daherkommt. Ein Buch über zerrissene Identitäten, migrantische Mutterschaft, Gastarbeiter*innenschaft und das Leben in Deutschland in den 80ern bis 2000ern. Das Hörbuch ist ebenfalls so schön eingesprochen, aber ich wünschte ich hätte es doch physisch gelesen, weil die Sprache beim Hören nicht ganz seine Kraft entfalten konnte.
Schon lange habe ich mich nicht mehr so schwer getan mit einer Rezension, und das liegt vor allem daran, dass so viel wichtiges in 'Unser Deutschlandmärchen' drin steckt. Es handelt sich um einen autobiographischen Roman, der jedoch nicht erst mit der Geburt des Autors beginnt, sondern schon vorher mit dem Leben seiner Großmutter Hanife und dann seiner Mutter Fatma. Dabei wird fortlaufend immer wieder die Perspektive und die Erzählstimme gewechselt. Mitunter kommt es zu wechselseitig vorgetragenen Diskussionen zwischen Dinçer und Fatma, ab und an gibt es auch Stilbrüche in Form von Gedichten, Liedern oder reinen Dialogen. Der Roman behandelt so viele Themen, die ein (oder mehrere) Leben ausmachen: das Aufwachsen in Armut, immer wieder Zurechtkommen müssen in anderen Welten: dem türkischen Dorf, der Großstadt, einem anderen Land, der ausbeuterischen Arbeitswelt. Auf der einen Seite erzählt Güçyeter hiermit eine 'klassische' Gastarbeitern*innen-Geschichte, zeigt dabei aber auf, dass jede Geschichte für sich steht. Er fokussiert sich auf die Frauen, die im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland kamen, dann aber sehr schnell selbst ausgebeutet wurden und zusätzlich noch ihre Männer aushalten mussten, dazu waren sie natürlich alleine zuständig für sämtliche Care-Arbeit. Es ist herzzereißend, wie die Familie permanent ums Überleben und finanzielle Stabilität kämpft, und dabei immer wieder das Gefühl vermittelt bekommen, in Deutschland nicht erwünscht zu sein - sei es durch fehlende Anerkennung und Unterstützung bei Arbeitsunfällen, oder sehr drastisch in Form der rechtsextremen Anschläge in Solingen und Mölln. Ebenfalls herzzerreißend empfand ich Dinçers Suche nach seiner Mutter, nach dem, was von ihr übrig bleibt, wenn die Aufopferung und Ausbeutung nicht wäre. Wie beide an ihren unerfüllten Erwartungen aneinander leiden und sich doch so lieben. Ansonsten bitte ich Content Notes ansehen, da an manchen, wenigen Stellen diskriminierende Sprache reproduziert wird. CN: Tod, Mord, Vergewaltigung, Missbrauch, Gewalt, Krankheit, Töten von Tieren, Ableismus, Kindesmissbrauch, Rassismus, Z-Wort, Antiziganismus, Homophobie/-feindlichkeit
Ein besonderes Buch. Hinreißend poetisch in der Form, herzzerreißend im Inhalt. Ein Jahreshighlight.
Welch eine Liebeserklärung an eine Mutter, der das Lieben nie leicht gemacht wurde und die nicht immer leicht zu lieben war. Ein literarisches Schmuckstück, das Prosa und Lyrik verbindet zu einer besonderen Einheit. Ein Roman, der mich bis zu Tränen berührt hat und den ich nicht das letzte mal gelesen haben werde. Neben der wunderbaren sprachlichen Form verhandelt Unser Deutschlandmärchen sehr klar und kritisch ein Stück deutscher Zeitgeschichte, bis hin zu einem Spiegel immer noch aktueller gesellschaftlicher (Miß-)Verhältnisse. In den 1960ern als günstige und willige Arbeitskräfte ins Land gelockt, bleiben die “Gastarbeiter” immer die Anderen. Die Geduldeten, die dankbar sein sollten, die sich stillschweigend einfügen sollten. Stellvertretend für sie, vor allem für die Frauen, spricht in diesem Roman Fatma, die Mutter über ihr unglaublich hartes Leben. Die zweite Stimme, die zu Wort kommt, ist der Sohn, Dinçer. Wenn ich seine Kindheit neben meine lege, ist es kaum auszuhalten, dass sich beide nahezu zur selben Zeit abspielten. Und welch ein fortdauernder Kraftakt es für Dinçer Güçyeter sein muss, mit seinem Wunsch, als Künstler zu arbeiten, sein Leben lang der Andere unter den Anderen zu sein (in mehrfacher Hinsicht), mag man darüber hinaus kaum ermessen.
In diesem Roman wird eine Familiengeschichte erzählt, die mit Hanife, der Tochter einer Normadin, beginnt. Diese möchte, dass ihre Tochter Fatma, es einmal besser hat als sie. Tatsächlich wandert Fatma nach Deutschland aus und hofft dort auf ein besseres Leben. Das Ziel „viel Geld verdienen“ und dann wieder zurück, gleichzeitig die restliche Familie in der Türkei unterstützen. Doch es kommt anders: Ihr Ehemann ist ein Lebemann, der keinerlei Geschäftssinn hat und trotzdem ständig welche auf die Beine stellt und so nicht als Schulden anhäuft. Fatma wiederum schuftet wie ein Tier, um ihren Söhnen eine bessere Zukunft zu sichern. Besonders in der ältesten Sohn Dinçer setzt sie ihre Hoffnung: Er soll Handwerker werden und so gutes Geld machen. Aber dieser verfolgt andere Pläne: er will Dichter werden und wendet sich nach und nach von den traditionellen Männlichkeitsvorstellungen seiner Familie ab. "Unser Deutschlandmärchen" ist ein ungewöhnlicher Roman, der eine ehrliche Geschichte erzählt und mich bei Lesen mehr als einmal tief berührt hat. Der Gedankenaustausch zwischen Mutter und Sohn, der gespickt ist mit vielen Anekdoten verhandelt Fremdheit, Entwurzelung, die rassistische Gesellschaft, das Versagen der deutschen Politik, die Ausbeutung, die überholten Geschlechterbilder und vieles mehr. Elegant bewegt sich Güçyeter zwischen dem Politischen und Persönlichen und verknüpft beides miteinander. Dabei ist er experimentierfreudig unterwegs: drehbuchartige Dialoge, Chöre, Briefe, Gedichte, Lieder sogar Fotos bereichern die Erzählung. Ich wünsche diesem Roman noch viele weitere Leser*innen. Merged review: In diesem Roman wird eine Familiengeschichte erzählt, die mit Hanife, der Tochter einer Normadin, beginnt. Diese möchte, dass ihre Tochter Fatma, es einmal besser hat als sie. Tatsächlich wandert Fatma nach Deutschland aus und hofft dort auf ein besseres Leben. Das Ziel „viel Geld verdienen“ und dann wieder zurück, gleichzeitig die restliche Familie in der Türkei unterstützen. Doch es kommt anders: Ihr Ehemann ist ein Lebemann, der keinerlei Geschäftssinn hat und trotzdem ständig welche auf die Beine stellt und so nicht als Schulden anhäuft. Fatma wiederum schuftet wie ein Tier, um ihren Söhnen eine bessere Zukunft zu sichern. Besonders in der ältesten Sohn Dinçer setzt sie ihre Hoffnung: Er soll Handwerker werden und so gutes Geld machen. Aber dieser verfolgt andere Pläne: er will Dichter werden und wendet sich nach und nach von den traditionellen Männlichkeitsvorstellungen seiner Familie ab. "Unser Deutschlandmärchen" ist ein ungewöhnlicher Roman, der eine ehrliche Geschichte erzählt und mich bei Lesen mehr als einmal tief berührt hat. Der Gedankenaustausch zwischen Mutter und Sohn, der gespickt ist mit vielen Anekdoten verhandelt Fremdheit, Entwurzelung, die rassistische Gesellschaft, das Versagen der deutschen Politik, die Ausbeutung, die überholten Geschlechterbilder und vieles mehr. Elegant bewegt sich Güçyeter zwischen dem Politischen und Persönlichen und verknüpft beides miteinander. Dabei ist er experimentierfreudig unterwegs: drehbuchartige Dialoge, Chöre, Briefe, Gedichte, Lieder sogar Fotos bereichern die Erzählung. Ich wünsche diesem Roman noch viele weitere Leser*innen.
Magisches Deutschlandmärchen mit Einblick in die Familiengeschichte
Dinçer Güçyeter hat ein bewegendes Buch geschrieben. Er spielt mit Textformen, doch das passt richtig gut zum Inhalt: Frauen unterschiedlicher Generationen und er selbst erinnern sich an das Schicksal türkischer Griechen, vom anatolischen Leben und dem Gastarbeitertum in Deutschland.

Ein Blick über den Tellerrand
"Unser Deutschlandmärchen" habe ich im Rahmen des Lesesalons des Buchclubs Sachsen als Monatsbuch für April gelesen. Vorher ist mir das Buch ehrlicherweise noch nicht begegnet. Es war ein interessanter Blick über den Tellerrand, gesellschaftskritisch und zwischendurch viel Poesie. Das hatte ich so nicht erwartet und umso mehr hat es mir gefallen. Kurzweilig, zumal die Kapitel Recht kurz sind, gut leserlich und vielfältig. Mir hat es insgesamt gut gefallen und lässt mich noch nachdenklich zurück
Auch dieses Buch wurde an der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, ansonsten wäre es mir kaum in die Hände gefallen. Doch dieses ist eines jener Bücher, von denen mensch hinterher froh, es gelesen zu haben. Bücherpreise haben also doch noch ihr Gutes. Als ich jünger war, wurden türkische Gastarbeiter/innen stets belächelt, wenn nicht sogar noch minder geachtet. Würde ich mit heutigem Wissen anders handeln? Ich hoffe zu sagen, ja. Ich hoffe, dass sich die Zeiten geändert haben, in welchen Menschen bloss aufgrund ihrer Herkunft be- und verurteilt werden. Hat sich dies geändert? Ich weiss es nicht. Aber ich hoffe auf jeden Fall, dass ich mich verändert habe. Erwachsener und reifer geworden bin. Dinçer Güçyeter erzählt hier die Geschichte seiner Mutter, seiner Familie, von sich selbst. Von Kulturen, Armut, Hoffnungen und der Realität. Oftmals fand ich mich mit Tränen in den Augen. Tränen der Rührung. Tränen der Wut. Tränen der Verzweiflung. Güçyeter gehört in die Kategorie eines Saša Stanišićs. Jener, die die deutsche Sprache zu bedienen lernen, ihr ihre Schönheit entlockt und damit das Unschöne aufzeigen. Wie es ist, heimatlos zu sein. Entweder "der Türke" oder "der Deutsche", beides gleichzeitig und doch keines so richtig. Von der Aufopferung der Mutter, der immerwährenden Arbeit, von Krankheit und davon, sich selbst zu bleiben. Ein kleines Büchlein mit grosser Wucht. Die beigefügten Fotographien machen alles noch greifbarer, realer. Es ist keine Schauergeschichte, die uns hier erzählt wird. Wir sind dabei, wenn Menschen Menschen sind. In ihrer Seltsamheit, in ihrer eigenen Welt, in ihrem Durcheinander. Vielen Dank für dieses Buch, Dinçer. Mach weiter so! Merged review: Auch dieses Buch wurde an der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, ansonsten wäre es mir kaum in die Hände gefallen. Doch dieses ist eines jener Bücher, von denen mensch hinterher froh, es gelesen zu haben. Bücherpreise haben also doch noch ihr Gutes. Als ich jünger war, wurden türkische Gastarbeiter/innen stets belächelt, wenn nicht sogar noch minder geachtet. Würde ich mit heutigem Wissen anders handeln? Ich hoffe zu sagen, ja. Ich hoffe, dass sich die Zeiten geändert haben, in welchen Menschen bloss aufgrund ihrer Herkunft be- und verurteilt werden. Hat sich dies geändert? Ich weiss es nicht. Aber ich hoffe auf jeden Fall, dass ich mich verändert habe. Erwachsener und reifer geworden bin. Dinçer Güçyeter erzählt hier die Geschichte seiner Mutter, seiner Familie, von sich selbst. Von Kulturen, Armut, Hoffnungen und der Realität. Oftmals fand ich mich mit Tränen in den Augen. Tränen der Rührung. Tränen der Wut. Tränen der Verzweiflung. Güçyeter gehört in die Kategorie eines Saša Stanišićs. Jener, die die deutsche Sprache zu bedienen lernen, ihr ihre Schönheit entlockt und damit das Unschöne aufzeigen. Wie es ist, heimatlos zu sein. Entweder "der Türke" oder "der Deutsche", beides gleichzeitig und doch keines so richtig. Von der Aufopferung der Mutter, der immerwährenden Arbeit, von Krankheit und davon, sich selbst zu bleiben. Ein kleines Büchlein mit grosser Wucht. Die beigefügten Fotographien machen alles noch greifbarer, realer. Es ist keine Schauergeschichte, die uns hier erzählt wird. Wir sind dabei, wenn Menschen Menschen sind. In ihrer Seltsamheit, in ihrer eigenen Welt, in ihrem Durcheinander. Vielen Dank für dieses Buch, Dinçer. Mach weiter so!
Der Preis der Leipziger Buchmesse ist sowas von verdient.
Dincer du hast mein Herz berührt. Auch wenn ich mich erst an die Erzählperspektive gewöhnen musste, hat mich Dincers Geschichte und die seiner Familienangehörigen sehr bewegt. Nicht zuletzt, weil mir beide Welten bekannt sind und ich besonders diese Doppelmoral selbst als Kind furchtbar fand. Wie gerne ich bei einem Tee mehr von dem Autor lesen würde. ❤️

Ein durchaus spannendes und ehrliches Buch, das in kurzen Kapiteln, mit eingeschobenen Gedichten und hinzugefügten Schwarz-weiß-Fotografien von den Ungerechtigkeiten und den Schwierigkeiten von Einwanderung und Integration erzählt. Dem Autoren gelingt es, gleichzeitig berührend, poetisch und dokumentarisch zu erzählen und die Lesenden mit in die Welt seiner Familie zu entführen. Besonders die Perspektivwechsel, also, dass die einzelnen Kapitel mal aus der Sicht des Autoren und mal aus Sicht seiner Mutter erzählt werden, hat mir sehr gefallen. Gerade die Stellen, an denen Reibungspunkte und Konflikte zwischen Mutter und Sohn entstehen, sind wirklich stark erzählt. Ein wichtiges Thema, das glücklicherweise mehr und mehr in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur Einzug hält und das hier literarisch absolut souverän umgesetzt wird. Für mich aber eben dann doch "nur" souverän. Zu sprunghaft die einzelnen Episoden, zu unklar, warum welche Episode ausgewählt und verwendet wurde und auch die lyrisch anmutenden Zwischenkapitel, die aus keiner figuralen Perspektive erzählt werden, überzeugen im Gegensatz zu den figuralen Kapiteln sowie den eingebauten Gedichten nicht auf ganzer Linie. Da wäre weniger mehr gewesen. Somit bleibt "Unser Deutschlandmärchen" ein wirklich lesenswertes Buch mit wichtiger, überfälliger Thematik, aber eben auch nicht mehr. Den Preis der Leipziger Buchmesse hätte ich, zumindest nach literarischen Kriterien, nicht an dieses Buch vergeben. Leseempfehlung: Ja, mit Abstrichen. Merged review: Ein durchaus spannendes und ehrliches Buch, das in kurzen Kapiteln, mit eingeschobenen Gedichten und hinzugefügten Schwarz-weiß-Fotografien von den Ungerechtigkeiten und den Schwierigkeiten von Einwanderung und Integration erzählt. Dem Autoren gelingt es, gleichzeitig berührend, poetisch und dokumentarisch zu erzählen und die Lesenden mit in die Welt seiner Familie zu entführen. Besonders die Perspektivwechsel, also, dass die einzelnen Kapitel mal aus der Sicht des Autoren und mal aus Sicht seiner Mutter erzählt werden, hat mir sehr gefallen. Gerade die Stellen, an denen Reibungspunkte und Konflikte zwischen Mutter und Sohn entstehen, sind wirklich stark erzählt. Ein wichtiges Thema, das glücklicherweise mehr und mehr in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur Einzug hält und das hier literarisch absolut souverän umgesetzt wird. Für mich aber eben dann doch "nur" souverän. Zu sprunghaft die einzelnen Episoden, zu unklar, warum welche Episode ausgewählt und verwendet wurde und auch die lyrisch anmutenden Zwischenkapitel, die aus keiner figuralen Perspektive erzählt werden, überzeugen im Gegensatz zu den figuralen Kapiteln sowie den eingebauten Gedichten nicht auf ganzer Linie. Da wäre weniger mehr gewesen. Somit bleibt "Unser Deutschlandmärchen" ein wirklich lesenswertes Buch mit wichtiger, überfälliger Thematik, aber eben auch nicht mehr. Den Preis der Leipziger Buchmesse hätte ich, zumindest nach literarischen Kriterien, nicht an dieses Buch vergeben. Leseempfehlung: Ja, mit Abstrichen.
Ein tolles Buch, das die Geschichte des Autors als in Deutschland geborener Sohn einer Gastarbeiterfamilie auf außergewöhnliche Weise darstellt. Die verschiedenen Textformen (Erzählungen, Gedichte, Lieder...) machen das Lesen zu einem besonderen Erlebnis. Merged review: Ein tolles Buch, das die Geschichte des Autors als in Deutschland geborener Sohn einer Gastarbeiterfamilie auf außergewöhnliche Weise darstellt. Die verschiedenen Textformen (Erzählungen, Gedichte, Lieder...) machen das Lesen zu einem besonderen Erlebnis.
Ich hab ein bisschen gebraucht, um mich auf dieses ungewöhnliche Buch einzulassen. Aber dann! "Unser Deutschlandmärchen" ist ein besonderer Text und erzählt eine besondere Geschichte, auch wenn manche vielleicht meinen, hier einfach eine "weitere Gastarbeiter*innen-Story" vor sich zu haben. Dinçer Güçyeter, Sohn türkischer Einwanderer*innen, Werkzeug- und Theatermacher, Poet und Gabelstaplerfahrer aus Nettetal gelingt es, gleichermaßen märchenhaft und lyrisch wie präzise sezierend über seine Familie und die deutsche Gesellschaft zu schreiben. Dabei hilft es auch, dass immer wieder Fatma erzählt, seine Mutter, die mit einem ganz anderen Blick auf das Leben und die Politik schaut. Das Deutschlandmärchen ist wie alle guten Märchen sind: schrecklich und beängstigend, tröstlich und mitunter auch zum Lachen bringend. Es ist reine Poesie und hoch politisch. Den Preis der Leipziger Buchmesse hat es zurecht bekommen und ich bin so froh, dass es dadurch auch meine Aufmerksamkeit bekam. Bitte lest auch die Rezension von @cheap.and.cheerful!









































