Der Staat
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Book Information
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Langer, zum Teil schwieriger Lese- und Denkprozess mit teils brillianten Thesen und Gleichnissen.
Platons "Der Staat" ist ein Eckpfeiler der politischen Philosophie und auch heute noch eine faszinierende, wenn auch stellenweise sehr langatmige Lektüre. Bereits das Vorwort stimmt auf eine tiefgründige Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der Gerechtigkeit, der idealen Staatsform und der Natur des menschlichen Geistes ein. Die einleitenden Dialoge, in denen Sokrates mit verschiedenen Gesprächspartnern über das Wesen der Gerechtigkeit debattiert, fesseln von der ersten Seite an. Man spürt förmlich die intellektuelle Spannung und die Hartnäckigkeit, mit der Sokrates versucht, zu einem tieferen Verständnis vorzudringen. Diese einleitenden Gespräche legen den Grundstein für die umfassendere Untersuchung des Staates und seiner idealen Beschaffenheit. Ein Höhepunkt des Werkes ist zweifellos das Höhlengleichnis im siebten Buch. Dieses eindringliche Bild ist mehr als nur eine literarische Metapher; es ist eine tiefgründige philosophische Aussage über die menschliche Erkenntnis und den Weg zur Wahrheit. Die gefesselten Menschen in der Höhle, die Schatten an der Wand für die Realität halten, veranschaulichen auf brillante Weise die Begrenztheit unserer Wahrnehmung, wenn wir uns auf Sinneserfahrungen und unkritische Meinungen verlassen. Der Ausstieg eines Einzelnen aus der Höhle, die mühsame Gewöhnung an das wahre Licht der Sonne und schließlich die Rückkehr, um die anderen zu belehren, ist eine kraftvolle Allegorie für den philosophischen Erkenntnisprozess und die Verantwortung derer, die die Wahrheit erkannt haben. Das Höhlengleichnis regt unweigerlich zur Selbstreflexion an und fordert uns heraus, unsere eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen. Besonders hervorzuheben ist auch Platons Ansatz zur Steuerung von Denkprozessen. Im gesamten Werk demonstriert Sokrates eine meisterhafte Gesprächsführung, die darauf abzielt, das Denken seiner Gesprächspartner zu lenken und sie zur Einsicht zu führen. Durch gezielte Fragen, logische Argumentation und die Widerlegung unhaltbarer Behauptungen wird ein Prozess in Gang gesetzt, der zur Klärung von Begriffen und zur Entwicklung eines tieferen Verständnisses führt. Platon zeigt uns hier nicht nur was gedacht werden soll, sondern vielmehr wie gedacht werden soll. Die sokratische Methode, die im "Staat" so prominent zur Anwendung kommt, ist ein zeitloses Werkzeug zur Förderung kritischen Denkens und zur Überwindung bloßer Meinungen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Platons "Der Staat" ein monumentales Werk ist, das weit über seine historische Bedeutung hinausreicht. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und uns auch heute noch wertvolle Einsichten in die Natur der Gerechtigkeit, der Erkenntnis und des vermeintlich idealen Staates vermittelt.
Die Politeia oder How to Mäßigung?! 1. Komplett ohne Vorwissen, ist es nicht ratsam die Politeia zu lesen. Ich möchte gerade philosophische Werke möglichst unvoreingenommen entdecken und vermeide es, zuvor zu recherchieren. Das war in Bezug auf die Ideenlehre unklug. Informieren, wer diesbezüglich (wie ich) noch in der Höhle schlummert! Da ich auf die Politeia aufgrund der Lektüre von [b:Aristipp und einige seiner Zeitgenossen: Roman|63915394|Aristipp und einige seiner Zeitgenossen Roman (Wieland. Studienausgabe in Einzelbänden)|Christoph Martin Wieland|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1670071168l/63915394._SX50_.jpg|99890499] gestoßen bin, die im letzten Buch Wielands, Gegenstand der Briefe ist, war ich schon leicht im antiken Verständnisuniversum angekommen. Auch das halte ich für das Ergründen der Politeia unerlässlich. Wie waren die antiken gesellschaftlichen Strukturen? Welche Regierungsform wurde präferiert? Welche spezifischen Charakteristika sind zu beobachten? Welches Verhältnis hatte man zur Polis? etc. 2. Sucht Euch ne Übersetzung, die ihr versteht! Zuerst hab ich es mit der Übersetzung von Karl Prantl versucht, die für mich als "Dummy" zu kompliziert war. Sehr geschwollen und verworren. Keine Chance dem Inhalt zu folgen. Danach hab ich die Übersetzung des AtheneMedia-Verlages von Andre Hoffmann getestet. Wahrscheinlich ist die so manchem zu einfach und flapsig. Mit 388 Seiten kann es auch durchaus sein, das da etwas gekürzt war? Allerdings hat diese Übersetzung mir einen riesen Spass bereitet, da die teils doch komödiantische Art der Dialoge besonders gut zum Tragen kam. Die Politeia ist ambivalent - auf sämtlichen Ebenen. Sie ist: • sperrig und dröge - frisch und unterhaltsam, • hilfloser Unsinn - scharfsinnig weitsichtig, • Grenzziehend, stark Hierachisierend in den Begriffen, nach einem Entweder-Oder-Prinzip und dann wieder völlig schwammig, lose, ungenau. Spielwiese für Interpretationswütige. • eine Utopie, die in bester Absicht im Sinne von Gut und Gerecht verfasst wurde und furchtbar totalitär daherkommt. Ein Beispiel für die Ambivalenz: An sich wird der Altruismus in den Vordergrund gestellt - komplette Selbstaufgabe und das Aufgehen in der Polis. Allerdings finden wir in Buch 6 folgende Stelle zu den Philosophen, in der ganz klar Selbstfürsorge an erster Stelle steht - "hilf zuerst Dir selbst, bevor Du anderen helfen kannst": "und da er nun sieht, dass er weder dem Staat Noch seinen Freunden nützen würde und bedenkt dass er sein Leben wegwerfen müsste, ohne sich selbst oder anderen etwas Gutes zu tun, schweigt er und geht seinen eigenen Weg. Er gleicht einem Menschen, der sich bei einem Sturm von Staub und Graupel, den der Wind vor sich her treibt, in den Schutz einer Mauer zurückzieht; und da er die übrige Menschheit voller Bosheit sieht, ist er zufrieden, wenn er nur sein eigenes Leben leben und von Bösem oder Unrecht rein sein kann, und in Frieden und gutem Willen mit heiterer Hoffnung abreist. Ja, sagte er, und er wird ein großes Werk vollbracht haben, bevor er abreist.Ein großes Werk ‒ ja, aber nicht das größte, es sei denn, er findet einen Staat, der zu ihm passt; denn in einem Staat, der zu ihm passt, wird er ein größeres Wachstum haben und der Retter seines Landes wie auch seiner selbst sein." Ein Beispiel für klare Grenzziehung, die danach wieder zu Brei verarbeitet wird: "Diejenigen die Weisheit und Tugend nicht kennen und immer mit Völlerei und Sinnlichkeit beschäftigt sind, gehen hinunter und wieder hinauf bis zum Mittelmaß, sie gehen nie in die Wahre sinnliche Welt. Ihre Freuden sind mit Schmerzen vermischt, wie könnten sie anders sein. Denn sie sind nur Schatten und Bilder des Wahren und werden durch den Kontrast gefärbt, der sowohl Licht als auch Schatten übertreibt und so pflanzen sie in den Köpfen der Narren wahnsinnige Wünsche von sich selbst ein. Vorher wurde bereits auf Gewürze eigegangen : "Und das Verlangen, das darüber hinaus geht, nach delikateren Speisen oder anderen Genüssen, die man im Allgemeinen loswerden könnte, wenn man sie in der Jugend beherrscht und trainiert, und die dem Körper schaden und der Seele beim Streben nach Weisheit und Tugend schaden, kann man mit Recht als unnötig bezeichnen" Genießen, lecker Essen = nicht gut, wollen wir nicht! Und dann folgt dieser Satz: Wer Vergnügungen unter der Leitung und in der Gesellschaft der Vernunft und des Wissens sucht, und den Vergnügungen, die ihnen die Weisheit zeigt, nachgehen und sie gewinnen, auch die wahrsten Vergnügungen in dem höchsten Grad haben werden, der ihnen erreichbar ist, insofern sie der Wahrheit folgen. Also jetzt doch lecker Essen wenn wenn mich Vernunft und Weisheit begleiten?! Entscheid dich mal! Die Politeia ist eine Inspirationsquelle des neuen Testamentes. Da ich viele Jahre meines Lebens sehr intensiv mit der Bibel lebte, sind mir Formulierungen en masse im Gedächtnis, weshalb das Lesen der Politeia wie tennisballgroße Einschläge von Hagelkörnern im hintersten Winkel meiner Erinnerung waren. Ich bin ja schon fast geneigt das neue Testament als Plagiat zu bezeichnen
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Langer, zum Teil schwieriger Lese- und Denkprozess mit teils brillianten Thesen und Gleichnissen.
Platons "Der Staat" ist ein Eckpfeiler der politischen Philosophie und auch heute noch eine faszinierende, wenn auch stellenweise sehr langatmige Lektüre. Bereits das Vorwort stimmt auf eine tiefgründige Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der Gerechtigkeit, der idealen Staatsform und der Natur des menschlichen Geistes ein. Die einleitenden Dialoge, in denen Sokrates mit verschiedenen Gesprächspartnern über das Wesen der Gerechtigkeit debattiert, fesseln von der ersten Seite an. Man spürt förmlich die intellektuelle Spannung und die Hartnäckigkeit, mit der Sokrates versucht, zu einem tieferen Verständnis vorzudringen. Diese einleitenden Gespräche legen den Grundstein für die umfassendere Untersuchung des Staates und seiner idealen Beschaffenheit. Ein Höhepunkt des Werkes ist zweifellos das Höhlengleichnis im siebten Buch. Dieses eindringliche Bild ist mehr als nur eine literarische Metapher; es ist eine tiefgründige philosophische Aussage über die menschliche Erkenntnis und den Weg zur Wahrheit. Die gefesselten Menschen in der Höhle, die Schatten an der Wand für die Realität halten, veranschaulichen auf brillante Weise die Begrenztheit unserer Wahrnehmung, wenn wir uns auf Sinneserfahrungen und unkritische Meinungen verlassen. Der Ausstieg eines Einzelnen aus der Höhle, die mühsame Gewöhnung an das wahre Licht der Sonne und schließlich die Rückkehr, um die anderen zu belehren, ist eine kraftvolle Allegorie für den philosophischen Erkenntnisprozess und die Verantwortung derer, die die Wahrheit erkannt haben. Das Höhlengleichnis regt unweigerlich zur Selbstreflexion an und fordert uns heraus, unsere eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen. Besonders hervorzuheben ist auch Platons Ansatz zur Steuerung von Denkprozessen. Im gesamten Werk demonstriert Sokrates eine meisterhafte Gesprächsführung, die darauf abzielt, das Denken seiner Gesprächspartner zu lenken und sie zur Einsicht zu führen. Durch gezielte Fragen, logische Argumentation und die Widerlegung unhaltbarer Behauptungen wird ein Prozess in Gang gesetzt, der zur Klärung von Begriffen und zur Entwicklung eines tieferen Verständnisses führt. Platon zeigt uns hier nicht nur was gedacht werden soll, sondern vielmehr wie gedacht werden soll. Die sokratische Methode, die im "Staat" so prominent zur Anwendung kommt, ist ein zeitloses Werkzeug zur Förderung kritischen Denkens und zur Überwindung bloßer Meinungen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Platons "Der Staat" ein monumentales Werk ist, das weit über seine historische Bedeutung hinausreicht. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und uns auch heute noch wertvolle Einsichten in die Natur der Gerechtigkeit, der Erkenntnis und des vermeintlich idealen Staates vermittelt.
Die Politeia oder How to Mäßigung?! 1. Komplett ohne Vorwissen, ist es nicht ratsam die Politeia zu lesen. Ich möchte gerade philosophische Werke möglichst unvoreingenommen entdecken und vermeide es, zuvor zu recherchieren. Das war in Bezug auf die Ideenlehre unklug. Informieren, wer diesbezüglich (wie ich) noch in der Höhle schlummert! Da ich auf die Politeia aufgrund der Lektüre von [b:Aristipp und einige seiner Zeitgenossen: Roman|63915394|Aristipp und einige seiner Zeitgenossen Roman (Wieland. Studienausgabe in Einzelbänden)|Christoph Martin Wieland|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1670071168l/63915394._SX50_.jpg|99890499] gestoßen bin, die im letzten Buch Wielands, Gegenstand der Briefe ist, war ich schon leicht im antiken Verständnisuniversum angekommen. Auch das halte ich für das Ergründen der Politeia unerlässlich. Wie waren die antiken gesellschaftlichen Strukturen? Welche Regierungsform wurde präferiert? Welche spezifischen Charakteristika sind zu beobachten? Welches Verhältnis hatte man zur Polis? etc. 2. Sucht Euch ne Übersetzung, die ihr versteht! Zuerst hab ich es mit der Übersetzung von Karl Prantl versucht, die für mich als "Dummy" zu kompliziert war. Sehr geschwollen und verworren. Keine Chance dem Inhalt zu folgen. Danach hab ich die Übersetzung des AtheneMedia-Verlages von Andre Hoffmann getestet. Wahrscheinlich ist die so manchem zu einfach und flapsig. Mit 388 Seiten kann es auch durchaus sein, das da etwas gekürzt war? Allerdings hat diese Übersetzung mir einen riesen Spass bereitet, da die teils doch komödiantische Art der Dialoge besonders gut zum Tragen kam. Die Politeia ist ambivalent - auf sämtlichen Ebenen. Sie ist: • sperrig und dröge - frisch und unterhaltsam, • hilfloser Unsinn - scharfsinnig weitsichtig, • Grenzziehend, stark Hierachisierend in den Begriffen, nach einem Entweder-Oder-Prinzip und dann wieder völlig schwammig, lose, ungenau. Spielwiese für Interpretationswütige. • eine Utopie, die in bester Absicht im Sinne von Gut und Gerecht verfasst wurde und furchtbar totalitär daherkommt. Ein Beispiel für die Ambivalenz: An sich wird der Altruismus in den Vordergrund gestellt - komplette Selbstaufgabe und das Aufgehen in der Polis. Allerdings finden wir in Buch 6 folgende Stelle zu den Philosophen, in der ganz klar Selbstfürsorge an erster Stelle steht - "hilf zuerst Dir selbst, bevor Du anderen helfen kannst": "und da er nun sieht, dass er weder dem Staat Noch seinen Freunden nützen würde und bedenkt dass er sein Leben wegwerfen müsste, ohne sich selbst oder anderen etwas Gutes zu tun, schweigt er und geht seinen eigenen Weg. Er gleicht einem Menschen, der sich bei einem Sturm von Staub und Graupel, den der Wind vor sich her treibt, in den Schutz einer Mauer zurückzieht; und da er die übrige Menschheit voller Bosheit sieht, ist er zufrieden, wenn er nur sein eigenes Leben leben und von Bösem oder Unrecht rein sein kann, und in Frieden und gutem Willen mit heiterer Hoffnung abreist. Ja, sagte er, und er wird ein großes Werk vollbracht haben, bevor er abreist.Ein großes Werk ‒ ja, aber nicht das größte, es sei denn, er findet einen Staat, der zu ihm passt; denn in einem Staat, der zu ihm passt, wird er ein größeres Wachstum haben und der Retter seines Landes wie auch seiner selbst sein." Ein Beispiel für klare Grenzziehung, die danach wieder zu Brei verarbeitet wird: "Diejenigen die Weisheit und Tugend nicht kennen und immer mit Völlerei und Sinnlichkeit beschäftigt sind, gehen hinunter und wieder hinauf bis zum Mittelmaß, sie gehen nie in die Wahre sinnliche Welt. Ihre Freuden sind mit Schmerzen vermischt, wie könnten sie anders sein. Denn sie sind nur Schatten und Bilder des Wahren und werden durch den Kontrast gefärbt, der sowohl Licht als auch Schatten übertreibt und so pflanzen sie in den Köpfen der Narren wahnsinnige Wünsche von sich selbst ein. Vorher wurde bereits auf Gewürze eigegangen : "Und das Verlangen, das darüber hinaus geht, nach delikateren Speisen oder anderen Genüssen, die man im Allgemeinen loswerden könnte, wenn man sie in der Jugend beherrscht und trainiert, und die dem Körper schaden und der Seele beim Streben nach Weisheit und Tugend schaden, kann man mit Recht als unnötig bezeichnen" Genießen, lecker Essen = nicht gut, wollen wir nicht! Und dann folgt dieser Satz: Wer Vergnügungen unter der Leitung und in der Gesellschaft der Vernunft und des Wissens sucht, und den Vergnügungen, die ihnen die Weisheit zeigt, nachgehen und sie gewinnen, auch die wahrsten Vergnügungen in dem höchsten Grad haben werden, der ihnen erreichbar ist, insofern sie der Wahrheit folgen. Also jetzt doch lecker Essen wenn wenn mich Vernunft und Weisheit begleiten?! Entscheid dich mal! Die Politeia ist eine Inspirationsquelle des neuen Testamentes. Da ich viele Jahre meines Lebens sehr intensiv mit der Bibel lebte, sind mir Formulierungen en masse im Gedächtnis, weshalb das Lesen der Politeia wie tennisballgroße Einschläge von Hagelkörnern im hintersten Winkel meiner Erinnerung waren. Ich bin ja schon fast geneigt das neue Testament als Plagiat zu bezeichnen






