Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin

Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin

Paperback
4.132
MitgefühlSolidaritätVerlustSelbstwertgefühl

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Description

Mathilde lebt mit ihren drei Söhnen in einer kleinen Wohnung in Paris. Seit dem Tod ihres Mannes kümmert sie sich allein um sie und ist stolz auf das Resultat. Die Jungen sind selbstständig und kommen im Leben gut zu recht. Das kann Mathilde von sich nicht mehr behaupten. Bis vor einiger Zeit ist sie ihrer Arbeit mit großer Begeisterung nachgegangen. Doch seit Monaten verschlechtert sich ihre Arbeitssituation zusehends. Liegt es wirklich daran, dass sie ihrem Chef in einer Besprechung offen widersprochen hat? Wird sie deshalb von allen wichtigen Sitzungen ausgeschlossen? Und landen deshalb nur noch belanglose Aufgaben auf ihrem Tisch? Verzweifelt und mit den Kräften am Ende sucht sie eine Wahrsagerin auf. Die prophezeit ihr eine besondere Begegnung für den 20. Mai. Mathilde beginnt zu hoffen. Doch worauf? Auf das befreiende Gespräch mit ihrem Chef? Auf die Rückkehr ihrer alten Stärke? Oder auf die Begegnung mit einem ganz besonderen Mann? Der Tag der Prophezeiung bricht an …

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Paperback
Pages
256
Price
13.40 €

Author Description

DELPHINE DE VIGAN, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman ›No & ich‹ (2007), für den sie mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International 2008 ausgezeichnet wurde. Ihr Roman ›Nach einer wahren Geschichte‹ (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Zuletzt erschien bei DuMont ihre Romane ›Dankbarkeiten‹ (2019) und ›Das Lächeln meiner Mutter‹ (2020). Die Autorin lebt mit ihren

Posts

8
All
5

Ein sehr intensives Leseerlebnis, welches zum Nachdenken anregt und man nicht so leicht vergessen kann.

Ich danke dem Verlag und NetGalley für das kostenlose Rezensionsexemplar. Delphine de Vigan hat einen besonderen Schreibstil, bei dem ich erstmal eine Zeit brauche um mich in der Geschichte zurechtzufinden. Ist man aber endlich drin in der Geschichte, verfliegt sie wie im Nu. Die zwei Handlungsstränge, die die Autorin hier darbietet sind emotional, ergreifend und regen zum Nachdenken an. Zum einen geht es um Mathilda, die durch ihren Chef Mobbing über sich ergehen lassen muss. Diese Schilderungen lassen einen die Haare zu Berge stehen und bei dem sich der Magen zusammenzieht. Selbst wenn ich jetzt noch daran denke, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Dann ist da noch die Story um Thibault, der von Trennungsschmerz, seelischer Belastung die sein Job ihm abverlangt (Allgemeinmediziner), Frustration und Einsamkeit heimgesucht wird. Beide Geschichten sind authentisch, realistisch und glaubwürdig sowie extrem bildhaft beschrieben. Die Emotionen sind zu 100% nachzuempfinden. Man wütet, leidet, verzweifelt, weint und hofft mit ihnen. Voller Spannung fiebert man dem 20. Mai entgegen. Werden Sie sich begegnen? Werden sie die jeweilige Erlösung füreinander sein? Fragen über Fragen..... Fazit: Ein sehr intensives Leseerlebnis, welches zum Nachdenken anregt und man nicht so leicht vergessen kann.

4.5

Ich bin ein großer Fan von Delphine de Vigans Büchern und die Schlichtheit ihrer Werke überzeugt mich immer wieder. Und so hat sie auch hier in ihrer typisch eher nüchternen, präzisen Erzählweise die Tragödien zweier Menschen sehr berührend erzählt. Ihre feinfühligen und genauen Beobachtungen und Beschreibungen schaffen es immer mich ganz mit der Geschichte zu verbinden und Bilder und Stimmungen entstehen zu lassen. Als Leser fieberte ich einer bestimmten Begegnung entgegen, wurde zum Ende hin aber sehr überrascht und finde das Ende, im Nachhinein, sehr passend zur ganzen Atmosphäre der Geschichte. Kann ich sehr empfehlen, aber vielleicht nicht als erstes Buch von der Autorin.

4

realistisch, deprimierend, hoffnungslos

„Ich habe vergessen, dass ich verwundbar bin“ ist mein erstes Buch von Delphine de Vigan. Ein Buch über Mobbing und Machtmissbrauch. Mathilde ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern, erfolgreich in ihrem Job und fühlt sich sehr wohl in ihrem Leben. Bis sie eines Tages eine Veränderung an ihrem Chef bemerkt. Der Chef, mit dem sie acht Jahre lang Seite an Seite zusammengearbeitet hat, beginnt sich von ihr zu distanzieren, ihr immer weniger Informationen zu geben – Mathilde sieht sich zunehmend in der Firma isoliert. Sie wird depressiv. Bis eine Wahrsagerin ihr prophezeit: Der 20. Mai wird ihr Leben verändern. Sie wagt es kaum zu hoffen und startet hoffnungsvoll in diesen schicksalshaften Tag. Es ist eines dieser Bücher, die mich triggern und ich als Leserin der Protagonistin völlig hilflos zugesehen habe, wie sie gewissermaßen in ihr Unglück rennt. Ich hätte sie so gerne angeschrien, ihr gesagt, was sie tun sollte, um ihre Lage zu verbessern. Es war kaum auszuhalten, dieses unglaubliche Verhalten ihres Chefs. Ich hatte diesen unerträglichen Blick von außen, der einem das Gefühl gibt, es besser zu wissen, es besser machen zu können und das eigentlich nur in der Hoffnung, man selbst könne deshalb nie von dieser Art von Mobbing betroffen sein. Mathilde nimmt die Veränderung zuerst gar nicht wahr, tut sie als Phase ab, handelt nicht und ist dann, als die Situation eskaliert, kraftlos und gebrochen. Sie rettet sich nicht. Und das war wohl das Schlimmste für mich. Es hat mich eben getriggert: dieses Kapitulieren vor der Situation. Die Autorin schreibt sehr gut. Da sitzt jeder Satz, auch wenn es mehr das Verhalten der Protagonistinnen an sich ist, das hier die Resonanz erzeugt, weniger das Gewicht des Wortes. Die Autorin schreibt sehr realistisch, mir fast zu pessimistisch. Es ist kein hoffnungsvoller Text. Das sollte man wissen, bevor man das Buch zur Hand nimmt.

realistisch, deprimierend, hoffnungslos
4.5

Mobbing am Arbeitsplatz aus der Innenperspektive geschrieben. De Vigan zu lesen heißt, dass man gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht nur begreift, man durchlebt sie und so ist es mir beim lesen des Romans ergangen.

4.5

Delphine de Vigan versetzt uns ins Erleben und Fühlen einer jungen hochmotivierten und beliebten Angestellten,, die auf einmal von ihrem Chef nicht mehr beachtet und nach und nach immer mehr gemobbt wird. Es war schwer, dieses Buch zu lesen, denn es gelingt De Vigan so gut,, die Selbstzweifel und vor allem die Scham zu beschreiben, dass es mitunter schwer auszuhalten ist. Das tut meiner Bewertung aber keinen Abbruch: ein lesenswertes, berührendes Buch!

5

Unglaublich gutes Buch 🧡

4

Mathilde ist Witwe und zieht allein ihre drei Söhne groß. Schon seit Monaten hat sich eine Meinungsverschiedenheit mit ihrem Vorgesetzten immer weiter zugespitzt, so dass ihr an ihrem Arbeitsplatz das Leben zur Hölle gemacht wird. Auch Thibault ist momentan nicht glücklich. Seinen Traumjob als Chirurg musste er nach einem Unfall, der ihn mehrere Finger gekostet hat, aufgeben und daher ist er schon seit Jahren für einen ärztlichen Dienst in Paris tätig. Seine Beziehung ist unglücklich, seine Partnerin stets emotional auf Distanz. Und so beschließen beide am selben Tag, dass sich ihr Leben radikal ändern muss. Delphine de Vigan versteht es, Geschichten über ganz normale Menschen zu erzählen – über ihre Schwächen, ihre Einsamkeit und ihren Alltag. Auch in „Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin“ ist ihr das gut gelungen. Bei dem Roman handelt es sich übrigens um eine Neuausgabe des bereits 2010 veröffentlichen Werkes im Taschenbuch. Erzählt wird die Handlung dieses einzigen entscheidenden Tages, wechselnd aus der Perspektive von Mathilde und Thibaut, die unweigerlich aufeinander zusteuern. Beide Schicksale sind grandios dargestellt. An Mathildes Beispiel zeigt die Autorin auf, wie eine kleine Unstimmigkeit im Beruf zu wirklich furchtbarem Mobbing und einem Berufsleben auf dem Abstellgleis führen kann. Lange schweigt die alleinerziehende Frau, sucht die Schuld bei sich selbst und schämt sich aber auch dafür, dass sie sich so einfach hat ins Abseits drängen lassen. Angenehm ist ebenfalls, dass Thibault als der männliche Part in einer Beziehung verletzlich gezeigt wird und als derjenige, der sich mehr Liebe und Geborgenheit wünscht – er war mir von Beginn an sehr sympathisch. Der Schluss des Romane lässt den Leser jedoch unzufrieden zurück. Ich persönlich hätte die Charaktere gerne noch etwas länger begleitet, denn so bleibt der Eindruck, die lange Einleitung zu einer Geschichte gelesen zu haben, die dann nicht zu Ende erzählt wird. Immerhin gelingt es Delphine de Vigan aber, dass ich mich noch lange frage, was wohl aus Mathilde und Thibault geworden ist. Und das ist doch auch etwas wert. Fazit: Ein solides Werk der Autorin, aber nicht ihr bestes.

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