Nicht länger ein Mensch. Roman. Das Kultbuch aus Japan
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Im Familienkreis mimt Ōba Yōzō den Clown, doch es sind die Possen eines Verzweifelten, der seine schweren inneren Kämpfe hinter Sarkasmus verbirgt. Alle wahren Nöte und Gedanken kann er nur seinen Notizheften anvertrauen. In radikaler Offenheit erzählt dieser Roman-Klassiker von einer so gescheiten wie tief beschädigten jungen Seele auf der glücklosen Suche nach Orientierung und Halt. In Japan ist das Buch millionenfach verbreitet, dort entdeckt jede Lesergeneration aufs Neue die Aktualität dieser zeitlosen Geschichte.
Der Kultklassiker ist ein Millionenseller und eines der meistverkauften Bücher in Japan Dazais Meisterwerk ist ein Muss für Japan-Fans und für alle, die Kafka, Murakami oder Dostojewski lesen »Dazais letzter großer Roman ›Gezeichnet‹ machte ihn endgültig zur Kultfigur der existentialistischen Jugend.« Deutschlandfunk »Dazais Verzweiflung hat etwas seltsam Anschmiegsames an sich. Die Offenheit seiner Figuren gegenüber ihrer Grausamkeit und ihrem Egoismus ... macht sie paradoxerweise verletzlich.« The New York Times
Book Information
Author Description
Der japanische Schriftsteller Ozamu Dazai (eigentlich Tsushima Shūji; 1909–1948) wuchs als zehntes von elf Kindern auf. Er studierte französische Literatur an der Universität Tokio. 1933 veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte unter dem Pseudonym Ozamu Dazai. Der Freitod des Schriftstellers Akutagawa Ryūnosuke (1927), den er sehr verehrte, prägte ihn wesentlich. Nach zahlreichen gescheiterten Selbstmordversuchen ertränkte Dazai sich im Juni 1948. Trotz seines kurzen Lebens hinterließ er ein umfangreiches Werk; indem er tief in die menschliche Psyche, Emotionen und existenzielle Konflikte eintaucht, durchaus auch mit Witz und Ironie, und gleichzeitig soziale Themen behandelt, ist dieses zeitlos und universell.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Die Befremdung am Menschseins
Osamu Dazais „Nicht länger ein Mensch“ gehört zu jenen Büchern, die längst von einem festen Deutungsrahmen umgeben sind. Man liest sie mit einem kulturellen Vorwissen. Der depressive, entfremdete Protagonist. Der autobiografische Abgrund. Das Vorzeichen des späteren Suizids des Autors. All das ist in diesem Roman zweifellos angelegt. Während des Lesens entstand bei mir dennoch zunehmend das Gefühl, dass das Buch an vielen Stellen größere Zwischenräume öffnet, als es die gängigen Lesarten oft vermuten lassen. Yōzō erlebt sich früh als fremd unter Menschen. Er versteht ihre Verhaltensweisen, ihre sozialen Rituale und ihre Sprache nicht intuitiv. Zugleich möchte er dazugehören. Seine Clown-Maske entsteht aus dieser Spannung heraus. Im Laufe des Romans verschiebt sich seine Perspektive jedoch zunehmend. Aus dem verängstigten Mitspieler wird ein Beobachter. Die Gesellschaft erscheint ihm stellenweise wie ein rätselhaftes Versuchsfeld menschlicher Verhaltensweisen, deren Regeln alle akzeptieren, ohne sie wirklich zu hinterfragen. Darin liegt für mich eine der großen Stärken dieses Romans. Dazai seziert gesellschaftliche Sprach- und Verhaltensmuster mit einer Präzision, die bis heute modern wirkt. Immer wieder stolpert Yōzō über Formulierungen wie „man tut dies“, „das verzeiht man nicht“ oder „die Gesellschaft akzeptiert das nicht“. Er reagiert auf solche Sätze fast allergisch, weil er spürt, wie oft sich hinter diesem anonymen „man“ individuelle Moralvorstellungen verbergen, die sich durch die Berufung auf ein Kollektiv objektiver und unanfechtbarer machen möchten. Aus einer persönlichen Haltung wird scheinbar allgemeingültige Wahrheit. Überhaupt wirkt der Roman stellenweise wie eine Untersuchung menschlicher Kodizes. Höflichkeitsrituale, gesellschaftliche Erwartungen, das Pflichtgefühl des richtigen Reagierens, des Gratulierens, Trauerns, Bewunderns oder Mitspielens erzeugen Ordnung und soziale Stabilität. Gleichzeitig liegt über vielen dieser Szenen ein Moment tiefer Befremdung. Menschen loben öffentlich und spotten privat. Gefühle werden performt. Anpassung erzeugt Zugehörigkeit. Yōzō betrachtet diese Mechanismen mit einer Mischung aus Angst, Sensibilität und Entsetzen. Unter einem heutigen Blickwinkel lässt sich vieles davon auch als Geschichte eines hochsensiblen Menschen lesen, dessen Wahrnehmung sozialer Zwischentöne so fein geworden ist, dass ihm die gewöhnlichen Vereinfachungen des menschlichen Miteinanders kaum mehr möglich erscheinen. Seine Ehrfurcht vor Liebe etwa wirkt beinahe sakral. Banale oder vulgäre Redeweisen über Gefühle empfindet er als Entweihung. Seine Scham, seine Überreizung und seine Sprachlosigkeit erhalten dadurch eine zusätzliche Dimension, die über eine rein klinische Deutung hinausweist. Beim Lesen stellte sich für mich immer wieder die Frage, wie sehr Isolation diese innere Fremdheit verstärkt. Menschen halten ihre eigene Wahrnehmung oft erst dann für lebbar, wenn sie erfahren, dass andere ähnlich empfinden. Wer keine Sprache für seine Sensibilität besitzt und niemandem begegnet, der dieselben Zwischentöne, dieselben Abgründe und dieselbe Reizoffenheit kennt, erlebt die eigene Innenwelt schnell wie einen Fehler. In einer rigiden Gesellschaft, deren soziale Formen kaum Raum für Abweichung lassen, kann daraus ein inneres Exil entstehen. Man fragt sich unweigerlich, ob Yōzōs Einsamkeit in einer anderen Zeit, mit Zugang zu Menschen, die seine Wahrnehmung geteilt hätten, eine weniger zerstörerische Richtung genommen hätte. Hinzu kommt der kulturelle Hintergrund des Romans. Die japanische Gesellschaft jener Zeit war stark geprägt von Rolle, Pflichtgefühl, Scham und sozialer Form. Für einen Menschen wie Yōzō, dessen Identität ohnehin fragil erscheint, wird die Angst vor gesellschaftlichem Ausschluss existenziell. Dass familiäre Zurückweisung in diesem Kontext fast vernichtende Wucht entfalten kann, durchzieht den Roman wie ein dunkler Unterstrom. Dazai schreibt vieles nur in Andeutungen. Traumatische Erfahrungen bleiben verschattet, als könnten sie sprachlich nie vollständig erreicht werden. Gerade diese Unschärfen machen den Roman so offen für unterschiedliche Lesarten. Manche Szenen lassen sich psychologisch lesen, andere gesellschaftskritisch, philosophisch oder existenziell. Vermutlich liegt darin ein Teil seiner anhaltenden Wirkung. Bücher wie dieses verändern sich mit den Fragen, die ihre Leser an sie herantragen.
Ich hätte nie gedacht, dass mich dieses Buch so packt. Ich lese normalerweise nicht viel in die Richtung, aber das war echt etwas Besonderes. Es hat mich beim Lesen ständig zum Reflektieren gebracht, über das Leben, über zwischenmenschliche Dinge, über sich selbst. Und das alles ganz unaufdringlich. Wirklich ein Buch, das hängen bleibt.
Sternebewertung fiktiv
Osamu Dazai war einer der bedeutendsten Vertreter der japanischen Moderne. Er entstammte einer wohlhabenden, politisch einflussreichen Familie, rebellierte jedoch früh gegen deren konservative Werte. Der Autor führte ein hochgradig widersprüchliches Leben, intellektuell brillant, gleichzeitig zutiefst selbstzerstörerisch. Im Internet findet man sehr viel über den Autor. Zum Beispiel auch über seinen Tod. Osamu Dazai beging 1948 gemeinsam mit seiner Geliebten Selbstmord, indem sie sich in einem Fluss ertränkten. Er wurde nur 38 Jahre alt. Sein Leichnam wurde am 19. Juni gefunden, an seinem Geburtstag. Diese Tragik machte ihn zur Kultfigur in Japan. Das ist sein Hauptwerk und auch sein Vermächtnis. Er veröffentlichte es kurz vor seinem Tod. Das Buch ist als fiktionale Autobiografie eines Mannes namens Ōba Yōzō aufgebaut. Er wächst als sensibler, entfremdeter Mensch auf. Das Buch ist eine Art Notizbuch und in drei Teile aufgeteilt. Um sich auf irgendeine Art integrieren zu können, spielt er den Clown. So hat er das Gefühl wahrgenommen zu werden. Er lebt in ständiger Angst vor Ausgrenzung, entdeckt Alkohol, Frauen und Drogen stürzt letztlich in Selbstzerstörung ab. Der Autor seziert das menschliche Dasein auf eine brutale rohe Art. Die Erzählung ist beklemmend und man spürt Kälte, Einsamkeit und keine Spur von Liebe. Wenn man sich so wie ich viel mit dem Autor beschäftigt hat, hat man das Gefühl, es ist ein Teil seines Tagebuches. „Nicht länger ein Mensch“ ist ein Roman, den man aushalten können muss. Und wenn man das schafft, sieht man die eigene Zerbrechlichkeit klarer und begreift, dass Menschsein immer auch bedeutet, mit der eigenen Dunkelheit zu leben.
Beeindruckendes Buch
✧ 𝐙𝐢𝐭𝐚𝐭𝐞: „Unter keinen Umständen durfte ich ihnen ein Dorn im Auge sein. Ich bin ein Nichts. Der Wind bin ich. Der Himmel.“ „Es gibt unzählige, eindeutige Beispiele menschlicher Abtrünnigkeit: Tagein, tagaus belügen sich die Leute gegenseitig, und ihnen scheint es nicht einmal etwas auszumachen.“ ✧ 𝐌𝐞𝐢𝐧 𝐋𝐞𝐬𝐞𝐞𝐢𝐧𝐝𝐫𝐮𝐜𝐤: Dass mir ein Buch gefällt, merke ich meist sofort auf den ersten Seiten. Schon beim Prolog und im ersten Kapitel wollte ich so viele Stellen markieren, ich hätte Seitenweise abschreiben können. Es ist dem Autor wirklich gut gelungen, die Psyche des Protagonisten darzustellen. Seine inneren Kämpfe, seine Bestrebung, es anderen recht zu machen und Konflikte zu vermeiden… das Böse, das er in allen Menschen ahnt - was ihn wiederum dazu bewegt, sich so angepasst wie möglich zu verhalten. Und all das ist für ihn eine Qual. Bereits als Kind lernt er, seine wahre Gefühlswelt hinter einer Maske zu verstecken und auch als Ewachsener ist er unfähig, über seine Traumata und Gefühle zu sprechen. Puh. Es waren nur wenige Seiten… wenige, aber doch gezielte Worte, die einen treffen und die Verzweiflung des Protagonisten spürbar machen. Man muss sehr viel zwischen den Zeilen lesen. Dieses Buch ist im Original 1948 in Japan erschienen (wobei die Handlung in den 1930-ern spielt), daher werden hier Themen, die damals nicht offen benannt werden konnten, nur angedeutet. Allerdings ist es ganz offensichtlich, worum es geht, und gerade das Unausgesprochene hat mich mit einer umso größeren Wucht getroffen. „Nicht länger ein Mensch“ hat mich sehr bewegt. Ich kann es euch ans Herz legen, wenn ihr bereit seid, euch mit schweren Themen und Traumata sowie deren langfristigen Auswirkungen auf die Psyche zu befassen. Es geht hier unter anderem um emotionale Vernachlässigung, Missbrauch, Depressionen, suizidale Gedanken… Und doch wird die Geschichte absolut fesselnd erzählt und wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen.

Ein japanischer Klassiker
Das zuletzt verfasste Werk von Osamu Dazei, der 1948 durch seinen Freitod aus dem Leben ging und hier in einer neuen Übersetzung von Sabrina Wägerle wiederbelebt vorliegt, ist faszinierend und verstörend zugleich. Wie der Titel schon sagt, geht es um einen Menschen (Ōba Yōzō ), dem jede Verbindung zu seinen Mitmenschen zu fehlen scheint. Er spürt sie nicht, fürchtet sich vor ihnen und kann sich dennoch nicht ganz von ihnen fernhalten. Er beginnt schon früh, seine Umgebung zu täuschen und den Clown zu mimen, obwohl er tief innen verzweifelt, verängstigt und tieftraurig ist. Da ihm vieles, was er als „Menschsein“ zuordnet zu fehlen scheint, kommt er schliesslich zu dem Schluss, kein Mensch zu sein. Mit diesem Resultat seiner bisherigen Erfahrungen ist er fortan ein Nichts und scheint keine Existenzberechtigung mehr zu haben. Er gibt sich auf. Als direkte Suizidversuche misslingen, wird sein Leben zu einem Suizid auf Raten. Er verfällt dem Alkohol, später auch anderen, langfristig toxische Substanzen. Der Roman besteht aus 3 Tagebüchern, die den Werdegang des Verfassers zu unterschiedlichen Zeiten beschreiben. Was im ersten Buch noch gut annehmbar und beinahe interessant wirkt, gerät mehr und mehr in eine Abwärtsspirale, die weiteren 2 Tagebücher wirken wie Stufen in eine langsame Dekonstruktion des Selbst. Hier geht es nicht einfach um Soziale Phobie. Ōba Yōzō findet wie zu anderen auch keinen Zugang zu sich,was die Dramatik noch multipliziert. Verfolgt man die Biographie von Osamu Dazei, zeigen sich enge Parallelen zu seiner hier kreierten Romanfigur, so wird diese verstörende Lebensgeschichte noch realer. In Japan gilt der Roman seit langer Zeit bis heute als Bestseller und erreichte Kultstatus. Es ist ein typisch japanisches Werk, was einen ähnlichen Ton trifft wie andere japanische Autoren schon geschrieben haben und mir sehr gefällt. Es zeigt ein sehr anderes Menschen- und Gesellschaftsbild auf, mit manchem sehr fremden Verhaltensregeln und Gepflogenheiten. Gerade hier wird es überdeutlich, da es ja in diesem Buch vor allem um Beziehungen zu sich und anderen geht. Mich hat das Buch sehr berühren können, auch wenn ich es zum Teil recht lückenhaft und auch wiederholend empfand. Es bleibt ein tiefes Mitgefühl für Menschen, die die Welt ähnlich erleben und erleiden, wie bei Ōba Yōzō oder auch Osamu Dazei. Wir haben heute Diagnosen, Namen dafür, was heissen mag, dass es inzwischen recht viele Menschen mit einem ähnlichen Erleben gibt. Das impliziert, dass es vielleicht eine andere Lösung als den Suizid für diese Menschen geben sollte, oder?
NICHT LÄNGER EIN MENSCH bietet Einblicke in die gequälte Seele eines jungen Mannes, der schon als Kind gelernt hat, seine wahren Gefühle zu verschließen und sich hinter einer Maske aus Albernheiten zu verstecken. Scheu, jeglichen Konflikt vermeidend, nie er selbst, lebt er von Tag zu Tag vor sich hin, bis äußere schlechte Einflüsse ihn in die Arme von Prostituierten, Alkohol und Drogen treiben. Selbstmordversuche bleiben erfolglos, der Kontakt zur Familie ist schon lange abgebrochen, doch irgendwie findet seine Blutsverwandtschaft doch den Weg zu ihm zurück und rettet ihn vor dem totalen Ende. Ich hatte sehr gehofft, auf den Hype mit aufspringen zu können, doch leider hat mir die recht sperrige Sprache den Weg ins Herz des Protagonisten dieser tragischen Erzählung regelrecht blockiert. Beziehungsweise ist der Protagonist mir dermaßen unsympathisch und geradezu ekelerregend, da ist der etwas ältere Stil noch die geringste Hürde gewesen. Noch nie in meinem Leben habe ich eine fiktive Person so sehr verabscheut. Ich selbst habe schlimme depressive Episoden hinter mir gehabt, doch mit dieser Weinerlichkeit konnte und wollte ich mich überhaupt nicht identifizieren.
Laut Buchrücken entdeckt jede Lesegeneration aufs Neue die Aktualität dieser zeitlosen Geschichte. Mir erschließt es sich einfach nicht, was mit dem Hauptcharakter nicht stimmt, was sein Problem ist. Soll er depressiv sein? Für mich ist das Buch ein kurzer Blick in das Leben eines "Verrückten". Er weiß nicht was Hunger ist? Jedenfalls ist der Text und Satzbau luftig locker leicht. Müsste man laut vor sich hin lesen, mit der richtigen Betonung.
Yōzō Ōba ist schon als Kind der Außenseiter in seiner Familie. Er kann die Welt um sich herum nicht recht begreifen und überspielt seine Ängste mit Clownereien, weshalb ihn niemand ernst nimmt. So wird aus einem unsicheren Jungen ein ebenso unsicherer Mann, der zu viel Alkohol trinkt, Prostituierte aufsucht und nie Geld hat. Als er dann die Hostess Tsuneko kennenlernt, nimmt das Unglück seinen Lauf. „Nicht länger ein Mensch“ von Osamu Dazai ist ein Klassiker der japanischen Literatur und wurde im Original 1948 als dreiteilige Serie veröffentlicht. Im Anaconda Verlag ist nun eine Neuübersetzung von Sabrina Wägerle in einer schönen gebundenen Ausgabe erschienen. Erzählt wird die Geschichte in insgesamt drei Notizbüchern, die der Protagonist Yōzō selbst verfasst hat. In einer kurzen selbstreflexiven Rahmenhandlung erfahren wir, wie der Schriftsteller über eine Bekannte an die Notizbücher und drei zugehörige Fotos gekommen ist und daraus einen Roman machen konnte. In der Geschichte wird mehrmals die Ansicht vertreten, Yōzōs Vater sei der Grund, warum sein Sohn im Leben gescheitert sei. Und zugegeben: der Junge fürchtet seinen strengen Vater und fühlt sich zuhause nicht wohl. Doch auch, als er zum Studium wegzieht, kann er sich aus der Abhängigkeit von seinen Verwandten nicht befreien. Die Vorstellung, einer geregelten Arbeit nachzugehen, schreckt ihn ab und so ist er oft auf finanzielle Hilfe anderer angewiesen. Dem japanischen Arbeitsethos kann er nicht entsprechen. Yōzō Ōba ist ein Paradebeispiel für die Frage, ob der Mensch ein Opfer seiner Umstände ist oder ob er sich von seinem Schicksal befreien kann. In gewissem Maß kann ich Mitleid mit ihm haben, auf der anderen Seite ist er aber auch ein Mensch, der andere mit in den Abgrund reißt, der Frauen ohne jeglichen Respekt behandelt und seine Partnerinnen im Stich lässt. An diesen Stellen liest sich der Text schwer, dabei muss aber wohl auch beachtet werden, dass er ein Produkt seiner Zeit und in Teilen autobiografisch ist. Da der Autor nach Erscheinen des letzten Teils Selbstmord beging, wird „Nicht länger ein Mensch“ als sein Abschiedsbrief verstanden.
Laut Buchrücken entdeckt jede Lesegeneration aufs Neue die Aktualität dieser zeitlosen Geschichte. Mir erschließt es sich einfach nicht, was mit dem Hauptcharakter nicht stimmt, was sein Problem ist. Soll er depressiv sein? Für mich ist das Buch ein kurzer Blick in das Leben eines "Verrückten". Er weiß nicht was Hunger ist? Jedenfalls ist der Text und Satzbau luftig locker leicht. Müsste man laut vor sich hin lesen, mit der richtigen Betonung. Das Vor- und Nachwort fand ich dabei am Interessantesten. Vom Hauptteil hatte ich mir mehr erhofft oder erwartet.
Eine außergewöhnliche Auseinandersetzung mit dem vermeintlich Bösen im Menschen
„Nicht länger ein Mensch“ ist ein Roman, der die Tiefen der Menschlichkeit beleuchtet und durch den Ich-Erzähler untersucht, ob allen Menschen tatsächlich eine grundlegend böse Ader innewohnt. Der Roman ist in 3 Etappen aufgeteilt, die die Lebensabschnitte des Ich-Erzählers beleuchten und folgt demnach keinem stringenten Handlungsstrang. Die Perspektive seiner Tagebucheinträge ist sehr interessant, da der Ich-Erzähler in sozialen Interaktionen eine sogenannte Clownmaskerade aufsetzt und der Leser durch seine persönlichen Aufzeichnungen hinter diese blickt. Zentrales Thema des Romans ist die Ambivalenz zwischen Opfer- und Täterrolle; inwiefern ist der Ich-Erzähler wirklich eine durch die böswillige Umwelt gequälte Seele oder ist der Protagonist selber das personifizierte Unglück der Leben um ihn herum? Es handelt sich um eine interessante, reflektierte Darstellung menschlicher Abgründe, die den Leser zum Schluss jedoch etwas ratlos zurücklässt. Es gibt keine abschließende Einordnung des Geschehenen, sodass der Leser wohl bewusst dazu gezwungen ist, die dargestellte negative Gesellschaftsrealität anzunehmen und zu bedauern.
Merkwürdig
So richtig kann ich nichts zu dem Buch sagen. Es lässt sich gut an einem Tag lesen. Die Botschaft kommt ganz gut rüber und es lohnt sich bis zum Ende dranzubleiben. 1x lesen im Leben reicht jedoch, daher kann ich nur 3 Sterne vergeben. Wenn man es nicht liest, hat man nicht so viel verpasst. Es ist aufwühlend und verstörend. Der Protagonist ist äußerst unsympathisch. Es regt jedoch zum Nachdenken an und ich kann nachvollziehen, warum es ein Klassiker aus Japan ist.
Interesting read with foundation in pychological trauma - Interessante Lektüre mit Fokus auf psychologischem Trauma
Als Mensch mit Autismus habe ich mich von Anfang an gefragt, ob die Person, die er beschreibt, autistisch ist. Es gibt so viele Parallelen in der Art und Weise, wie es der Hauptfigur als Kind nicht gelingt, mit der Welt in Kontakt zu treten, wie er sich wie ein Fremder gegenüber den Gepflogenheiten der Gesellschaft fühlt und die sozialen Interaktionen, die für andere selbstverständlich zu sein scheinen, nicht versteht oder mag. Ich konnte seinen Schmerz nachempfinden. Die Art und Weise, wie er mit einem falschen Lächeln und einer falschen Persönlichkeit umgeht, ist etwas, mit dem so viele Menschen konfrontiert sind und das sie jeden Tag langsam innerlich tötet. Dieses Buch ist eine Sache, die traurig ist. Auch wenn ich durch all seine späteren Beziehungen und Lebensentscheidungen keine Sympathie mehr für den Protagonisten empfunden habe, so ist doch nicht zu übersehen, dass all seine Wege aus einem zutiefst verstörten Herzen stammen, das in dieser Welt nie Liebe finden konnte und dessen Eltern ihn nicht gesehen haben. Ich wusste nicht, was ich von diesem Buch erwarten sollte. Ich schätze, ich habe "mehr" erwartet. Aber da ich den Schmerz, in dieser Welt kein Zuhause zu finden, so gut nachempfinden kann, war es trotzdem eine Menge. Es ist lesenswert, vor allem für alle, die sich für das Verständnis emotionaler Traumata interessieren. Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version) As a person with Autism I was wondering from the very beginning was the person he describes autistic? There is so many parallels in the way the main character fails to connect with the world as a child how he feels like an alien to the customs of society and doesn't understand nor like the social interactions others seem to grave naturally. I could feel his pain. His chosen way to cope by putting on a fake smile and fake persona is something so many people face and it kills them inside slowly everyday. This book is one thing it's sad. Even though by all his later connections and life choices I failed to feel sympathy any longer for the protagonist, there is not a moment to misunderstand that all his ways stem from a deeply troubled heart that could never find love in this world in the first place and who's parents failed to see him. I didn't know what to expect from this book. I guess I expected "more". But since I can so deeply relate to the pain of not finding a home in this world it was still a lot. It's worth reading especially for everyone interested in understanding emotional trauma.
Menschliche Abgründe in ihrer Reinform
Beim Lesen kann man Seite für Seite den langsamen inneren Zusammenbruch des Protagonisten Yozo mitverfolgen, der bereits von Kindheit an in seiner Selbstwahrnehmung nicht in die Welt um ihn herum zu passen scheint. Maßgeblich aus sozialer Angst und dem Druck, unter den er sich durch sein Elternhaus gesetzt fühlt, geht der Hauptcharakter an sich selbst zugrunde und zieht (leider) die Menschen um sich herum mit in den Abgrund. Die Erzählweise ist sehr nüchtern, beobachtend und roh, die Geschichte an sich beklemmend und deprimierend. Definitiv keine leichte Lektüre, weder sprachlich noch inhaltlich. Wenn man sich auf darauf einlassen kann, bekommt man meiner Auffassung nach einen guten Einblick in das Leben eines Charakters, der es nie gelernt hat, sich selbst zu mögen und Verantwortung für sich, seine Taten und die Menschen in seinem Wirkungskreis zu übernehmen.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Im Familienkreis mimt Ōba Yōzō den Clown, doch es sind die Possen eines Verzweifelten, der seine schweren inneren Kämpfe hinter Sarkasmus verbirgt. Alle wahren Nöte und Gedanken kann er nur seinen Notizheften anvertrauen. In radikaler Offenheit erzählt dieser Roman-Klassiker von einer so gescheiten wie tief beschädigten jungen Seele auf der glücklosen Suche nach Orientierung und Halt. In Japan ist das Buch millionenfach verbreitet, dort entdeckt jede Lesergeneration aufs Neue die Aktualität dieser zeitlosen Geschichte.
Der Kultklassiker ist ein Millionenseller und eines der meistverkauften Bücher in Japan Dazais Meisterwerk ist ein Muss für Japan-Fans und für alle, die Kafka, Murakami oder Dostojewski lesen »Dazais letzter großer Roman ›Gezeichnet‹ machte ihn endgültig zur Kultfigur der existentialistischen Jugend.« Deutschlandfunk »Dazais Verzweiflung hat etwas seltsam Anschmiegsames an sich. Die Offenheit seiner Figuren gegenüber ihrer Grausamkeit und ihrem Egoismus ... macht sie paradoxerweise verletzlich.« The New York Times
Book Information
Author Description
Der japanische Schriftsteller Ozamu Dazai (eigentlich Tsushima Shūji; 1909–1948) wuchs als zehntes von elf Kindern auf. Er studierte französische Literatur an der Universität Tokio. 1933 veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte unter dem Pseudonym Ozamu Dazai. Der Freitod des Schriftstellers Akutagawa Ryūnosuke (1927), den er sehr verehrte, prägte ihn wesentlich. Nach zahlreichen gescheiterten Selbstmordversuchen ertränkte Dazai sich im Juni 1948. Trotz seines kurzen Lebens hinterließ er ein umfangreiches Werk; indem er tief in die menschliche Psyche, Emotionen und existenzielle Konflikte eintaucht, durchaus auch mit Witz und Ironie, und gleichzeitig soziale Themen behandelt, ist dieses zeitlos und universell.
Posts
Die Befremdung am Menschseins
Osamu Dazais „Nicht länger ein Mensch“ gehört zu jenen Büchern, die längst von einem festen Deutungsrahmen umgeben sind. Man liest sie mit einem kulturellen Vorwissen. Der depressive, entfremdete Protagonist. Der autobiografische Abgrund. Das Vorzeichen des späteren Suizids des Autors. All das ist in diesem Roman zweifellos angelegt. Während des Lesens entstand bei mir dennoch zunehmend das Gefühl, dass das Buch an vielen Stellen größere Zwischenräume öffnet, als es die gängigen Lesarten oft vermuten lassen. Yōzō erlebt sich früh als fremd unter Menschen. Er versteht ihre Verhaltensweisen, ihre sozialen Rituale und ihre Sprache nicht intuitiv. Zugleich möchte er dazugehören. Seine Clown-Maske entsteht aus dieser Spannung heraus. Im Laufe des Romans verschiebt sich seine Perspektive jedoch zunehmend. Aus dem verängstigten Mitspieler wird ein Beobachter. Die Gesellschaft erscheint ihm stellenweise wie ein rätselhaftes Versuchsfeld menschlicher Verhaltensweisen, deren Regeln alle akzeptieren, ohne sie wirklich zu hinterfragen. Darin liegt für mich eine der großen Stärken dieses Romans. Dazai seziert gesellschaftliche Sprach- und Verhaltensmuster mit einer Präzision, die bis heute modern wirkt. Immer wieder stolpert Yōzō über Formulierungen wie „man tut dies“, „das verzeiht man nicht“ oder „die Gesellschaft akzeptiert das nicht“. Er reagiert auf solche Sätze fast allergisch, weil er spürt, wie oft sich hinter diesem anonymen „man“ individuelle Moralvorstellungen verbergen, die sich durch die Berufung auf ein Kollektiv objektiver und unanfechtbarer machen möchten. Aus einer persönlichen Haltung wird scheinbar allgemeingültige Wahrheit. Überhaupt wirkt der Roman stellenweise wie eine Untersuchung menschlicher Kodizes. Höflichkeitsrituale, gesellschaftliche Erwartungen, das Pflichtgefühl des richtigen Reagierens, des Gratulierens, Trauerns, Bewunderns oder Mitspielens erzeugen Ordnung und soziale Stabilität. Gleichzeitig liegt über vielen dieser Szenen ein Moment tiefer Befremdung. Menschen loben öffentlich und spotten privat. Gefühle werden performt. Anpassung erzeugt Zugehörigkeit. Yōzō betrachtet diese Mechanismen mit einer Mischung aus Angst, Sensibilität und Entsetzen. Unter einem heutigen Blickwinkel lässt sich vieles davon auch als Geschichte eines hochsensiblen Menschen lesen, dessen Wahrnehmung sozialer Zwischentöne so fein geworden ist, dass ihm die gewöhnlichen Vereinfachungen des menschlichen Miteinanders kaum mehr möglich erscheinen. Seine Ehrfurcht vor Liebe etwa wirkt beinahe sakral. Banale oder vulgäre Redeweisen über Gefühle empfindet er als Entweihung. Seine Scham, seine Überreizung und seine Sprachlosigkeit erhalten dadurch eine zusätzliche Dimension, die über eine rein klinische Deutung hinausweist. Beim Lesen stellte sich für mich immer wieder die Frage, wie sehr Isolation diese innere Fremdheit verstärkt. Menschen halten ihre eigene Wahrnehmung oft erst dann für lebbar, wenn sie erfahren, dass andere ähnlich empfinden. Wer keine Sprache für seine Sensibilität besitzt und niemandem begegnet, der dieselben Zwischentöne, dieselben Abgründe und dieselbe Reizoffenheit kennt, erlebt die eigene Innenwelt schnell wie einen Fehler. In einer rigiden Gesellschaft, deren soziale Formen kaum Raum für Abweichung lassen, kann daraus ein inneres Exil entstehen. Man fragt sich unweigerlich, ob Yōzōs Einsamkeit in einer anderen Zeit, mit Zugang zu Menschen, die seine Wahrnehmung geteilt hätten, eine weniger zerstörerische Richtung genommen hätte. Hinzu kommt der kulturelle Hintergrund des Romans. Die japanische Gesellschaft jener Zeit war stark geprägt von Rolle, Pflichtgefühl, Scham und sozialer Form. Für einen Menschen wie Yōzō, dessen Identität ohnehin fragil erscheint, wird die Angst vor gesellschaftlichem Ausschluss existenziell. Dass familiäre Zurückweisung in diesem Kontext fast vernichtende Wucht entfalten kann, durchzieht den Roman wie ein dunkler Unterstrom. Dazai schreibt vieles nur in Andeutungen. Traumatische Erfahrungen bleiben verschattet, als könnten sie sprachlich nie vollständig erreicht werden. Gerade diese Unschärfen machen den Roman so offen für unterschiedliche Lesarten. Manche Szenen lassen sich psychologisch lesen, andere gesellschaftskritisch, philosophisch oder existenziell. Vermutlich liegt darin ein Teil seiner anhaltenden Wirkung. Bücher wie dieses verändern sich mit den Fragen, die ihre Leser an sie herantragen.
Ich hätte nie gedacht, dass mich dieses Buch so packt. Ich lese normalerweise nicht viel in die Richtung, aber das war echt etwas Besonderes. Es hat mich beim Lesen ständig zum Reflektieren gebracht, über das Leben, über zwischenmenschliche Dinge, über sich selbst. Und das alles ganz unaufdringlich. Wirklich ein Buch, das hängen bleibt.
Sternebewertung fiktiv
Osamu Dazai war einer der bedeutendsten Vertreter der japanischen Moderne. Er entstammte einer wohlhabenden, politisch einflussreichen Familie, rebellierte jedoch früh gegen deren konservative Werte. Der Autor führte ein hochgradig widersprüchliches Leben, intellektuell brillant, gleichzeitig zutiefst selbstzerstörerisch. Im Internet findet man sehr viel über den Autor. Zum Beispiel auch über seinen Tod. Osamu Dazai beging 1948 gemeinsam mit seiner Geliebten Selbstmord, indem sie sich in einem Fluss ertränkten. Er wurde nur 38 Jahre alt. Sein Leichnam wurde am 19. Juni gefunden, an seinem Geburtstag. Diese Tragik machte ihn zur Kultfigur in Japan. Das ist sein Hauptwerk und auch sein Vermächtnis. Er veröffentlichte es kurz vor seinem Tod. Das Buch ist als fiktionale Autobiografie eines Mannes namens Ōba Yōzō aufgebaut. Er wächst als sensibler, entfremdeter Mensch auf. Das Buch ist eine Art Notizbuch und in drei Teile aufgeteilt. Um sich auf irgendeine Art integrieren zu können, spielt er den Clown. So hat er das Gefühl wahrgenommen zu werden. Er lebt in ständiger Angst vor Ausgrenzung, entdeckt Alkohol, Frauen und Drogen stürzt letztlich in Selbstzerstörung ab. Der Autor seziert das menschliche Dasein auf eine brutale rohe Art. Die Erzählung ist beklemmend und man spürt Kälte, Einsamkeit und keine Spur von Liebe. Wenn man sich so wie ich viel mit dem Autor beschäftigt hat, hat man das Gefühl, es ist ein Teil seines Tagebuches. „Nicht länger ein Mensch“ ist ein Roman, den man aushalten können muss. Und wenn man das schafft, sieht man die eigene Zerbrechlichkeit klarer und begreift, dass Menschsein immer auch bedeutet, mit der eigenen Dunkelheit zu leben.
Beeindruckendes Buch
✧ 𝐙𝐢𝐭𝐚𝐭𝐞: „Unter keinen Umständen durfte ich ihnen ein Dorn im Auge sein. Ich bin ein Nichts. Der Wind bin ich. Der Himmel.“ „Es gibt unzählige, eindeutige Beispiele menschlicher Abtrünnigkeit: Tagein, tagaus belügen sich die Leute gegenseitig, und ihnen scheint es nicht einmal etwas auszumachen.“ ✧ 𝐌𝐞𝐢𝐧 𝐋𝐞𝐬𝐞𝐞𝐢𝐧𝐝𝐫𝐮𝐜𝐤: Dass mir ein Buch gefällt, merke ich meist sofort auf den ersten Seiten. Schon beim Prolog und im ersten Kapitel wollte ich so viele Stellen markieren, ich hätte Seitenweise abschreiben können. Es ist dem Autor wirklich gut gelungen, die Psyche des Protagonisten darzustellen. Seine inneren Kämpfe, seine Bestrebung, es anderen recht zu machen und Konflikte zu vermeiden… das Böse, das er in allen Menschen ahnt - was ihn wiederum dazu bewegt, sich so angepasst wie möglich zu verhalten. Und all das ist für ihn eine Qual. Bereits als Kind lernt er, seine wahre Gefühlswelt hinter einer Maske zu verstecken und auch als Ewachsener ist er unfähig, über seine Traumata und Gefühle zu sprechen. Puh. Es waren nur wenige Seiten… wenige, aber doch gezielte Worte, die einen treffen und die Verzweiflung des Protagonisten spürbar machen. Man muss sehr viel zwischen den Zeilen lesen. Dieses Buch ist im Original 1948 in Japan erschienen (wobei die Handlung in den 1930-ern spielt), daher werden hier Themen, die damals nicht offen benannt werden konnten, nur angedeutet. Allerdings ist es ganz offensichtlich, worum es geht, und gerade das Unausgesprochene hat mich mit einer umso größeren Wucht getroffen. „Nicht länger ein Mensch“ hat mich sehr bewegt. Ich kann es euch ans Herz legen, wenn ihr bereit seid, euch mit schweren Themen und Traumata sowie deren langfristigen Auswirkungen auf die Psyche zu befassen. Es geht hier unter anderem um emotionale Vernachlässigung, Missbrauch, Depressionen, suizidale Gedanken… Und doch wird die Geschichte absolut fesselnd erzählt und wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen.

Ein japanischer Klassiker
Das zuletzt verfasste Werk von Osamu Dazei, der 1948 durch seinen Freitod aus dem Leben ging und hier in einer neuen Übersetzung von Sabrina Wägerle wiederbelebt vorliegt, ist faszinierend und verstörend zugleich. Wie der Titel schon sagt, geht es um einen Menschen (Ōba Yōzō ), dem jede Verbindung zu seinen Mitmenschen zu fehlen scheint. Er spürt sie nicht, fürchtet sich vor ihnen und kann sich dennoch nicht ganz von ihnen fernhalten. Er beginnt schon früh, seine Umgebung zu täuschen und den Clown zu mimen, obwohl er tief innen verzweifelt, verängstigt und tieftraurig ist. Da ihm vieles, was er als „Menschsein“ zuordnet zu fehlen scheint, kommt er schliesslich zu dem Schluss, kein Mensch zu sein. Mit diesem Resultat seiner bisherigen Erfahrungen ist er fortan ein Nichts und scheint keine Existenzberechtigung mehr zu haben. Er gibt sich auf. Als direkte Suizidversuche misslingen, wird sein Leben zu einem Suizid auf Raten. Er verfällt dem Alkohol, später auch anderen, langfristig toxische Substanzen. Der Roman besteht aus 3 Tagebüchern, die den Werdegang des Verfassers zu unterschiedlichen Zeiten beschreiben. Was im ersten Buch noch gut annehmbar und beinahe interessant wirkt, gerät mehr und mehr in eine Abwärtsspirale, die weiteren 2 Tagebücher wirken wie Stufen in eine langsame Dekonstruktion des Selbst. Hier geht es nicht einfach um Soziale Phobie. Ōba Yōzō findet wie zu anderen auch keinen Zugang zu sich,was die Dramatik noch multipliziert. Verfolgt man die Biographie von Osamu Dazei, zeigen sich enge Parallelen zu seiner hier kreierten Romanfigur, so wird diese verstörende Lebensgeschichte noch realer. In Japan gilt der Roman seit langer Zeit bis heute als Bestseller und erreichte Kultstatus. Es ist ein typisch japanisches Werk, was einen ähnlichen Ton trifft wie andere japanische Autoren schon geschrieben haben und mir sehr gefällt. Es zeigt ein sehr anderes Menschen- und Gesellschaftsbild auf, mit manchem sehr fremden Verhaltensregeln und Gepflogenheiten. Gerade hier wird es überdeutlich, da es ja in diesem Buch vor allem um Beziehungen zu sich und anderen geht. Mich hat das Buch sehr berühren können, auch wenn ich es zum Teil recht lückenhaft und auch wiederholend empfand. Es bleibt ein tiefes Mitgefühl für Menschen, die die Welt ähnlich erleben und erleiden, wie bei Ōba Yōzō oder auch Osamu Dazei. Wir haben heute Diagnosen, Namen dafür, was heissen mag, dass es inzwischen recht viele Menschen mit einem ähnlichen Erleben gibt. Das impliziert, dass es vielleicht eine andere Lösung als den Suizid für diese Menschen geben sollte, oder?
NICHT LÄNGER EIN MENSCH bietet Einblicke in die gequälte Seele eines jungen Mannes, der schon als Kind gelernt hat, seine wahren Gefühle zu verschließen und sich hinter einer Maske aus Albernheiten zu verstecken. Scheu, jeglichen Konflikt vermeidend, nie er selbst, lebt er von Tag zu Tag vor sich hin, bis äußere schlechte Einflüsse ihn in die Arme von Prostituierten, Alkohol und Drogen treiben. Selbstmordversuche bleiben erfolglos, der Kontakt zur Familie ist schon lange abgebrochen, doch irgendwie findet seine Blutsverwandtschaft doch den Weg zu ihm zurück und rettet ihn vor dem totalen Ende. Ich hatte sehr gehofft, auf den Hype mit aufspringen zu können, doch leider hat mir die recht sperrige Sprache den Weg ins Herz des Protagonisten dieser tragischen Erzählung regelrecht blockiert. Beziehungsweise ist der Protagonist mir dermaßen unsympathisch und geradezu ekelerregend, da ist der etwas ältere Stil noch die geringste Hürde gewesen. Noch nie in meinem Leben habe ich eine fiktive Person so sehr verabscheut. Ich selbst habe schlimme depressive Episoden hinter mir gehabt, doch mit dieser Weinerlichkeit konnte und wollte ich mich überhaupt nicht identifizieren.
Laut Buchrücken entdeckt jede Lesegeneration aufs Neue die Aktualität dieser zeitlosen Geschichte. Mir erschließt es sich einfach nicht, was mit dem Hauptcharakter nicht stimmt, was sein Problem ist. Soll er depressiv sein? Für mich ist das Buch ein kurzer Blick in das Leben eines "Verrückten". Er weiß nicht was Hunger ist? Jedenfalls ist der Text und Satzbau luftig locker leicht. Müsste man laut vor sich hin lesen, mit der richtigen Betonung.
Yōzō Ōba ist schon als Kind der Außenseiter in seiner Familie. Er kann die Welt um sich herum nicht recht begreifen und überspielt seine Ängste mit Clownereien, weshalb ihn niemand ernst nimmt. So wird aus einem unsicheren Jungen ein ebenso unsicherer Mann, der zu viel Alkohol trinkt, Prostituierte aufsucht und nie Geld hat. Als er dann die Hostess Tsuneko kennenlernt, nimmt das Unglück seinen Lauf. „Nicht länger ein Mensch“ von Osamu Dazai ist ein Klassiker der japanischen Literatur und wurde im Original 1948 als dreiteilige Serie veröffentlicht. Im Anaconda Verlag ist nun eine Neuübersetzung von Sabrina Wägerle in einer schönen gebundenen Ausgabe erschienen. Erzählt wird die Geschichte in insgesamt drei Notizbüchern, die der Protagonist Yōzō selbst verfasst hat. In einer kurzen selbstreflexiven Rahmenhandlung erfahren wir, wie der Schriftsteller über eine Bekannte an die Notizbücher und drei zugehörige Fotos gekommen ist und daraus einen Roman machen konnte. In der Geschichte wird mehrmals die Ansicht vertreten, Yōzōs Vater sei der Grund, warum sein Sohn im Leben gescheitert sei. Und zugegeben: der Junge fürchtet seinen strengen Vater und fühlt sich zuhause nicht wohl. Doch auch, als er zum Studium wegzieht, kann er sich aus der Abhängigkeit von seinen Verwandten nicht befreien. Die Vorstellung, einer geregelten Arbeit nachzugehen, schreckt ihn ab und so ist er oft auf finanzielle Hilfe anderer angewiesen. Dem japanischen Arbeitsethos kann er nicht entsprechen. Yōzō Ōba ist ein Paradebeispiel für die Frage, ob der Mensch ein Opfer seiner Umstände ist oder ob er sich von seinem Schicksal befreien kann. In gewissem Maß kann ich Mitleid mit ihm haben, auf der anderen Seite ist er aber auch ein Mensch, der andere mit in den Abgrund reißt, der Frauen ohne jeglichen Respekt behandelt und seine Partnerinnen im Stich lässt. An diesen Stellen liest sich der Text schwer, dabei muss aber wohl auch beachtet werden, dass er ein Produkt seiner Zeit und in Teilen autobiografisch ist. Da der Autor nach Erscheinen des letzten Teils Selbstmord beging, wird „Nicht länger ein Mensch“ als sein Abschiedsbrief verstanden.
Laut Buchrücken entdeckt jede Lesegeneration aufs Neue die Aktualität dieser zeitlosen Geschichte. Mir erschließt es sich einfach nicht, was mit dem Hauptcharakter nicht stimmt, was sein Problem ist. Soll er depressiv sein? Für mich ist das Buch ein kurzer Blick in das Leben eines "Verrückten". Er weiß nicht was Hunger ist? Jedenfalls ist der Text und Satzbau luftig locker leicht. Müsste man laut vor sich hin lesen, mit der richtigen Betonung. Das Vor- und Nachwort fand ich dabei am Interessantesten. Vom Hauptteil hatte ich mir mehr erhofft oder erwartet.
Eine außergewöhnliche Auseinandersetzung mit dem vermeintlich Bösen im Menschen
„Nicht länger ein Mensch“ ist ein Roman, der die Tiefen der Menschlichkeit beleuchtet und durch den Ich-Erzähler untersucht, ob allen Menschen tatsächlich eine grundlegend böse Ader innewohnt. Der Roman ist in 3 Etappen aufgeteilt, die die Lebensabschnitte des Ich-Erzählers beleuchten und folgt demnach keinem stringenten Handlungsstrang. Die Perspektive seiner Tagebucheinträge ist sehr interessant, da der Ich-Erzähler in sozialen Interaktionen eine sogenannte Clownmaskerade aufsetzt und der Leser durch seine persönlichen Aufzeichnungen hinter diese blickt. Zentrales Thema des Romans ist die Ambivalenz zwischen Opfer- und Täterrolle; inwiefern ist der Ich-Erzähler wirklich eine durch die böswillige Umwelt gequälte Seele oder ist der Protagonist selber das personifizierte Unglück der Leben um ihn herum? Es handelt sich um eine interessante, reflektierte Darstellung menschlicher Abgründe, die den Leser zum Schluss jedoch etwas ratlos zurücklässt. Es gibt keine abschließende Einordnung des Geschehenen, sodass der Leser wohl bewusst dazu gezwungen ist, die dargestellte negative Gesellschaftsrealität anzunehmen und zu bedauern.
Merkwürdig
So richtig kann ich nichts zu dem Buch sagen. Es lässt sich gut an einem Tag lesen. Die Botschaft kommt ganz gut rüber und es lohnt sich bis zum Ende dranzubleiben. 1x lesen im Leben reicht jedoch, daher kann ich nur 3 Sterne vergeben. Wenn man es nicht liest, hat man nicht so viel verpasst. Es ist aufwühlend und verstörend. Der Protagonist ist äußerst unsympathisch. Es regt jedoch zum Nachdenken an und ich kann nachvollziehen, warum es ein Klassiker aus Japan ist.
Interesting read with foundation in pychological trauma - Interessante Lektüre mit Fokus auf psychologischem Trauma
Als Mensch mit Autismus habe ich mich von Anfang an gefragt, ob die Person, die er beschreibt, autistisch ist. Es gibt so viele Parallelen in der Art und Weise, wie es der Hauptfigur als Kind nicht gelingt, mit der Welt in Kontakt zu treten, wie er sich wie ein Fremder gegenüber den Gepflogenheiten der Gesellschaft fühlt und die sozialen Interaktionen, die für andere selbstverständlich zu sein scheinen, nicht versteht oder mag. Ich konnte seinen Schmerz nachempfinden. Die Art und Weise, wie er mit einem falschen Lächeln und einer falschen Persönlichkeit umgeht, ist etwas, mit dem so viele Menschen konfrontiert sind und das sie jeden Tag langsam innerlich tötet. Dieses Buch ist eine Sache, die traurig ist. Auch wenn ich durch all seine späteren Beziehungen und Lebensentscheidungen keine Sympathie mehr für den Protagonisten empfunden habe, so ist doch nicht zu übersehen, dass all seine Wege aus einem zutiefst verstörten Herzen stammen, das in dieser Welt nie Liebe finden konnte und dessen Eltern ihn nicht gesehen haben. Ich wusste nicht, was ich von diesem Buch erwarten sollte. Ich schätze, ich habe "mehr" erwartet. Aber da ich den Schmerz, in dieser Welt kein Zuhause zu finden, so gut nachempfinden kann, war es trotzdem eine Menge. Es ist lesenswert, vor allem für alle, die sich für das Verständnis emotionaler Traumata interessieren. Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version) As a person with Autism I was wondering from the very beginning was the person he describes autistic? There is so many parallels in the way the main character fails to connect with the world as a child how he feels like an alien to the customs of society and doesn't understand nor like the social interactions others seem to grave naturally. I could feel his pain. His chosen way to cope by putting on a fake smile and fake persona is something so many people face and it kills them inside slowly everyday. This book is one thing it's sad. Even though by all his later connections and life choices I failed to feel sympathy any longer for the protagonist, there is not a moment to misunderstand that all his ways stem from a deeply troubled heart that could never find love in this world in the first place and who's parents failed to see him. I didn't know what to expect from this book. I guess I expected "more". But since I can so deeply relate to the pain of not finding a home in this world it was still a lot. It's worth reading especially for everyone interested in understanding emotional trauma.
Menschliche Abgründe in ihrer Reinform
Beim Lesen kann man Seite für Seite den langsamen inneren Zusammenbruch des Protagonisten Yozo mitverfolgen, der bereits von Kindheit an in seiner Selbstwahrnehmung nicht in die Welt um ihn herum zu passen scheint. Maßgeblich aus sozialer Angst und dem Druck, unter den er sich durch sein Elternhaus gesetzt fühlt, geht der Hauptcharakter an sich selbst zugrunde und zieht (leider) die Menschen um sich herum mit in den Abgrund. Die Erzählweise ist sehr nüchtern, beobachtend und roh, die Geschichte an sich beklemmend und deprimierend. Definitiv keine leichte Lektüre, weder sprachlich noch inhaltlich. Wenn man sich auf darauf einlassen kann, bekommt man meiner Auffassung nach einen guten Einblick in das Leben eines Charakters, der es nie gelernt hat, sich selbst zu mögen und Verantwortung für sich, seine Taten und die Menschen in seinem Wirkungskreis zu übernehmen.





















