Das Lied des Propheten

Das Lied des Propheten

Hardback
4.1275

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Description

SWR Bestenliste Januar 2025

Booker Prize 2023

»Wenn es so etwas wie ein zentrales Buch für unsere Zeit gibt, dann ist es dieses. Brillant und Eindringlich« The Observer

An einem regennassen Abend in Dublin öffnet die Wissenschaftlerin und vierfache Mutter Eilish Stack ihre Haustür und steht zwei Beamten der neu gegründeten irischen Geheimpolizei gegenüber. Sie sind gekommen, um ihren Mann Larry, einen bekannten Gewerkschafter, zu verhören. Kurz nach dieser Begegnung verschwindet Larry, und sehr schnell beginnen die Dinge in Eilishs Welt aus dem Ruder zu laufen.

Irland befindet sich in der Gewalt einer Regierung, die auf dem Weg in die Tyrannei ist. Eilish findet sich in der alptraumhaften Logik einer kollabierenden Gesellschaft wieder, angegriffen von unsichtbaren Kräften, die sich ihrer Kontrolle entziehen. Sie ist gezwungen, alles zu tun, um ihre Familie zu schützen und alle zusammenzuhalten. Wie soll sie ihren Kindern erklären, was passiert ist, wenn sie nach dem Vater fragen? Wie wird ihr eigener zunehmend dementer Vater auf die gravierenden Veränderungen seines Alltags reagieren? Und wie weit wird Eilish selbst gehen, um sich und ihre Familie zu retten? »Das Lied des Propheten« ist ein atemloses Porträt einer Familie am Rande der Katastrophe, das stilistisch und emotional seinesgleichen sucht. Paul Lynchs meisterhafter Roman ist das Buch der Stunde – und ein Appell, die entstehenden autoritären Regime der Gegenwart zu bekämpfen.

»Ein Triumph des emotionalen Erzählens, mutig und anregend« Booker Prize Jury

»Ein wichtiges und unvergessliches Leseerlebnis.« The Guardian

»Einer der erschütterndsten und provokativsten Romane, die ich seit langem gelesen habe.« Scotsman

»Paul Lynch ist einer der meistgefeierten irischen Schriftsteller seiner Generation und ›Das Lied des Propheten‹ ist Irlands ›1984‹.« Telegraph

»Ein Meisterwerk« Big Issue

»Erschreckend plausibel« Irish Times

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Miscellaneous
Format
Hardback
Pages
320
Price
26.80 €

Author Description

Paul Lynch, geb. 1977 in Limerick, wuchs in Donegal auf und lebt in Dublin. Von 2007 bis 2011 war er Chef-Filmkritiker der irischen Zeitung »Sunday Tribune« und schrieb regelmäßig für die »Sunday Times«. Seitdem ist er hauptberuflich Autor. Seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen in Irland und UK ausgezeichnet. Für seinen aktuellen Roman »Das Lied des Propheten« erhielt er den Booker-Prize 2023.

Characteristics

2 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
70%
N/A
63%
N/A
77%
N/A
90%
65%
35%
0%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
50%
67%
60%
42%

Pace

Fast0%
Slow0%
Moderate50%
Variable50%

Writing Style

Simple0%
Complex100%
Moderate0%
Poetisch (100%)Außergewöhnlich (100%)

Posts

69
All
5

Mir fehlen die Worte

Dieses Buch ist wirklich bewegend. Schafft eine Welt, die zugleich unwirklich und dennoch eine Abbildung der echten Erlebnisse vieler Menschen in Krisengebieten ist. Ich bin wirklich überwältigt von diesem Buch.

3

Paul Lynch hat mit diesem Werk zweifellos einen modernen Klassiker geschaffen. Der Roman ist unglaublich atmosphärisch und beklemmend. Seine Handlung entwickelt sich langsam und stetig, bis sie schließlich in einer brutalen Eskalation mündet. Beim Lesen stellt sich immer wieder die Frage, ob wir uns nicht selbst am Beginn einer ähnlichen Entwicklung befinden. Allerdings empfand ich den Schreibstil als etwas holprig. Er wirkte auf mich nicht flüssig, sodass ich beim Lesen immer wieder ins Stocken geriet, was meinen Lesefluss beeinträchtigte. Manchmal wirkte der Schreibstil auf mich erzwungen poetisch. Trotzdem ist das Buch lesenswert – auch wenn es definitiv kein Wohlfühlroman ist.

Post image
1

Du wirst dich an dem, was kommen wird, nicht beteiligen, sagt sie, sie haben deinem Vater geholt, meinen Sohn werden sie nicht auch noch holen. Sie knetet sich die Hände, als sie sich ihm zuwendet, und was sie da sieht, ist die Unwahrheit, die aus ihrem Mund gekommen ist, so oder so, sie werden ihren Sohn holen, schon geholt steht er vor ihr. Bailey poltert die Treppe herab und kommt in die Küche, er hustet mit offenen Mund. Hand vor den Mund, sagt sie. Ach, sagt er und schaut auf seinen Bruder, wann bist du denn nach Hause gekommen? Er macht den Kühlschrank auf und zieht die Milch heraus. Mam, das Baby heult und ich bin erkältet, muss ich dann nicht zur Schule? - Zitat, Seite 106 ... und geschieht nichts Neues unter der Sonne. Dieses voransgestellte Bibelzitat im Buch hätte mir eigentlich Warnung genug sein sollen. Aber nein, die Lobgesänge auf allen Kanälen mit buchigen Themen haben mich zu dieser Lektüre aus Irland greifen lassen und stellen mich nun vor ein echtes Rätsel: wie haben all die anderen Zugang zu dieser Geschichte von Paul Lynch erhalten? Als Beispiel für mein Problem, eine Verbindung zum Text zu erhalten, sei das Eingangszitat aufgegriffen. Die Ausgangslage ist die folgende: in nicht allzu ferner Zukunft versucht ein totalitäres Regime die Kontrolle über die Bevölkerung zu erhalten. Bürgerkriegsähnliche Zustände zeichnen sich ab, daher ist der Staat bestrebt, so viele junge Männer wie möglich fürs Militär zu rekrutieren. Nachdem ihr Mann bereits unter mysteriösen Umständen verhaftet wurde und verschwunden ist, will die Protagonistin verständlicherweise ihren ältesten Sohn vor diesem Schicksal bewahren und leitet Schritte für dessen Flucht über die Grenze ein. Und dann steht er kurz darauf plötzlich wieder in der heimischen Küche. Ganz ehrlich, passt der Originaltext auch nur im Ansatz zu der emotional höchst aufgeladen Situation? Der Schreibstil dieser Geschichte ist ohne Frage besonders, aber aus ganz persönlicher Sicht passt er überhaupt nicht. Da man sich als Lesende fast ausschließlich bei der Protagonistin Eilish aufhält, die als Mutter mehrerer Kinder auf sich allein gestellt ist, während ihre Welt absolut aus den Fugen gerät, würde man eine emotionale und erschütternde Geschichte erwarten. Aber David Lynch hält mit allen Mitteln auf Distanz. Die Figuren handeln nur, selbst die direkte Rede lässt sich kaum vom übrigen Text trennen. Wenn man, wie bei der verstörenden Küchenszene, den Personen näher kommen möchte, wird man nach wenigen Sätzen total herausgerissen und es wird berichtet, wie das Leben in der Öffentlichkeit gerade zugeht. Auch die Art, wie der Text unnötig durch künstliche Sprachbilder und manchmal fast absurde Formulierungen aufgebläht wurde, hat wenig Leselust aufkommen lassen. Die Geschichte selbst ist vom Ablauf her wenig überraschend erzählt und bleibt ihrem Muster bis zum Ende treu. FAZIT Niemals hätte ich damit gerechnet, dass diese Lektüre so eine riesige Enttäuschung sein würde. Aber aus meiner Sicht kann man sich das Lesen komplett ersparen. Diese Geschichte hat mich weder literarisch noch thematisch packen können. Sehr schade.

3

"Die Welt ergibt sich dem Chaos. Der Boden auf dem man geht fliegt in die Luft."

Durchaus interessanter, erschreckender und durchaus aktueller Roman. Aufgrund der vielen positiven Rezensionen habe ich mir jedoch etwas mehr erhofft. Der Autor schafft es, besonders in der ersten Hälfte eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Man teilt die Ahnungslosigkeit und Hilflosigkeit der Figuren. Der Schreibstil gefiel mir grundsätzlich gut, rutschte aber für mein Empfinden auch immer wieder etwas zu sehr ins pathetische ab. Auch die Passivität der Hauptfigur störte mich zusehends. Ich bin hier recht hin und her gerissen:/

4

Paul Lynch zeichnet in Das Lied des Propheten eine beklemmende Zukunftsvision eines autoritären Irlands.

Ohne Kapitel und mit langen, atemlosen Sätzen vermittelt der Roman eindringlich die Hilflosigkeit der Protagonistin Eilish Stack, die um das Überleben ihrer Familie kämpft. Die Atmosphäre ist intensiv, die Bedrohung allgegenwärtig, und die emotionale Wucht der Geschichte bleibt lange nach dem Lesen spürbar. Einziger Kritikpunkt: Der anspruchsvolle Stil mit verschachtelten Sätzen kann das Tempo bremsen. Dennoch eine beeindruckende und literarisch starke Dystopie. Klare Empfehlung mit kleinem Abzug für die sperrige Erzählweise.

2.5

Irgendwie kann ich die Begeisterung für dieses Buch nicht nachvollziehen. Wir erfahren fast nichts über die (politischen) Beweggründe, die zu dieser Situation geführt haben, können kaum zwischen Rebellen und Regime unterscheiden und folgen die ganze Zeit einer ignoranten, phlegmatischen Protagonistin, die eine nicht nachvollziehbare Entscheidung nach der anderen trifft. Der Schreibstil und der Schriftsatz waren so gewählt, dass man sich keinen müden Moment erlauben durfte, was dazu geführt hat, dass ich ab der Hälfte gar nicht mehr gerne zu diesem Buch gegriffen habe. Leider keine Empfehlung.

4.5

Beklemmende Dystopie

Irland in der nahen Zukunft - ein totalitäres Regime hat die Macht übernommen. Anhand der Geschichte der Protagonistin Eilish, Wissenschaftlerin, verheiratet mit einem Gewerkschafter und Mutter von vier Kindern, erfahren wir, wie nach und nach die Menschenrechte abgeschafft werden. Das Beklemmende an dem Buch ist, dass alles, was Eilish und ihrer Familie geschieht, irgendwo auf dieser Welt oder in der Vergangenheit tatsächlich geschieht und geschah. Nichts ist surreal, alles könnte tatsächlich passieren. Der besondere Schreibstil von Paul Lynch, der 2023 für dieses Buch den Booker Prize gewann, trägt einen total mit. Ich habe das Buch als E-Book angefangen und als Hörbuch der Onleihe in zwei Tagen beendet.

3.5

Eine wirklich realistische Dystopie in Zeiten, in denen das Szenario gar nicht abwegig ist.

Bedrückend, bitter und düster kommt das Lied des Propheten daher. Es zeigt, wie in einer heutigen Zeit nach und nach Menschenrechte in einem Land (hier war es Irland) von einer politischen Bewegung abgeschafft werden können. Mit jeder Seite spürt man, die Lage düsterer und ernster wird. Man spürt die Hoffnung von Protagonistin Eilish immer weiter schwinden. Die grundlegende Prämisse trifft den Nagel für aktuelle Ereignisse aus meiner Sicht genau auf den Kopf, auch wenn ich zwischen durch das Gefühl hatte, es war etwas langatmig.

4.5

Unglaublich spannendes Buch. Eine Dystopie, die so realistisch beschrieben ist, dass es teilweise schwer zu ertragen ist.

5

Ergreifend bis zur Schmerzgrenze schildert Paul Lynch das tragische Schicksal einer Familie, die zu spät erkennt, dass das Land nach einem Regierungswechsel in Diktatur und Bürgerkrieg abgleitet. Der Ehemann verschwindet nach Verhaftung, der älteste Sohn geht in den Widerstand, dennoch hält die Protagonistin Eilish an ihrem allmählich untergehenden Zuhause fest, kann sich zur Flucht erst entscheiden, als Heimatstadt und Haus schon in Trümmern liegen, und das Regime ihr auch noch den jüngeren Sohn nimmt. Der Erzählstil ist extrem plastisch. Oft werden in einem einzigen Satz Erlebtes, Gedanken, Träume, Erinnerungen, Gefühle bis hin zu körperlichem Schmerz beschrieben. Oft musste ich das Buch aus der Hand legen, weil jede Zeile weh tat. Ein Alptraum. Das ist ganz große Erzählkunst, erinnert gegen Ende des Romans in seiner Ausweglosigkeit an Kafkas Parabeln. Für mich das bewegendste Buch seit Jahren. Lynchs Geschichte ist zwar fiktiv, bildet aber sicher die Realität gegenwärtiger Krisenregionen ab, macht das Leiden der Bevölkerung für uns greifbarer als Nachrichten und Dokus es je könnten. Mir drängen sich Fragen auf. Wie würde ich handeln, sollte es einmal auch bei uns so weit kommen? Ist unser Rechtstaat gewappnet gegen Demokratiefeinde von innen und von außen? Was tue ich als Bürger eigentlich dafür?

4.5

Beeindruckend und beängstigend! So schnell kann es gehen mit einem autoritären, totalitären System, mit Spaltung und Entzweiung, mit Verrat, Krieg und Flucht. Eine eindringlich geschriebene Mahnung in einer bewegenden Familiengeschichte mit einer unglaublich starken weiblichen Hauptfigur. Klare Leseempfehlung!

4

IM GENRE NICHTS NEUES Mit dem Besuch durch zwei Beamten der neu gegründeten irischen Geheimpolizei bei den Stacks, die in einem Vorort Dublins wohnen, hält die gesellschaftliche Veränderung, von der Paul Lynchs mit dem Booker Prize prämierter Text erzählt, Einzug in den Mikrokosmos der Familie. Das Irland, von dem der Ire erzählt, ist dabei, sich zu einer Diktatur zu verändern und die beiden Diener des neuen autoritären Staatssystems wollen Larry, dem Mann der Protagonistin des Roman, Bioingenieurin und vierfachen Mutter Eilish, nur ein paar Fragen zu seiner Tätigkeit als Stellvertreter der nationalen Lehrer*innengewerkschaft stellen, da diese sich gegen die neuen Machthaber aufgelehnt hatte. Larrys Verhaftung und sein Verschwinden ist der Beginn einer tiefgreifenden und atemlos stattfindenden Veränderung des Lebens der Stacks, in deren Verlauf Eilish, ihre verbliebende Familie, zu der auch ihr dementer Vater gehört, zusammenzuhalten. Neben lebenspraktischen Herausforderungen, wie dem Sicherstellen der Versorgung mit Nahrung, Strom und anderen Gütern, die zunehmend durch einen Krieg zwischen Rebellengruppen und dem neuen Regime verunmöglicht wird, nimmt Lynchs Roman dabei vor allem die innerfamiliären, moralischen Fragestellungen in den Blick. So kämpft Eilish verzweifelt (und leider in Teilen erfolglos) dafür, ihre Kinder vor dem Gefahr nach Außen in Form der Aufmerksamkeit des autoritären Regimes zu verbergen und muss sich zugleich den Anfragen und der Kritik durch ihre Kinder stellen, die ihr unterstellen, zu wenig in die Suche nach ihrem Vater im Speziellen und in den Kampf gegen die gesellschaftliche Veränderung im Allgemeinen investiert zu haben. Klassischen Genrekonventionen der Dystopie folgend, greift „Das Lied es Propheten“ utopische Werte wie Sicherheit, Transparenz nicht nur staatlicher Regulierung, die Abschaffung von Ungleichheit und Zufall, Freiheit und gesellschaftliche Harmonie auf und verkehrt diese in ihr Gegenteil: Überwachung, Willkür, Unfreiheit, Terror und der Verlust von Individualität sind die Folgen dieser Veränderung. So ist das, was hier auf inhaltlicher Ebene passiert, sicher nicht neu und auch in den Spezifikationen, die Lynch am dystopischen Narrativ vornimmt, sicher nicht originell, denn die Veränderung Irlands, von der hier die Rede ist, scheint in jüngster Vergangenheit und vielen Teilen der Welt schon geschehen oder im Gange zu sein. Aus Transparenzgründen sie hier angemerkt, dass ich diese beiden Kritikpunkte auf viele andere Vertreter*innen aus dem umfangreichen Regal der Dystopien übertragen kann, welche auf mich in ihrer Kritik häufig holzschnittartig, von der Zeit überholt und in der Forderung oder Moral, die sich aus ihnen ableiten lässt, häufig zu platt (Eggers und Co. lassen grüßen). Brauchte es also wirklich noch ein weiteres Buch, das uns mit Werkzeugen dieses Genres zeigt, wie schnell Demokratien erodieren und in eine Autokratie kippen können? Wenn man Lynchs Roman gerade als eine solche Warnung liest, dann sicher nicht, aber der Star dieses Romans ist in meinen Augen auch nur bedingt dessen Inhalt. Das Bemerkenswerte ist hier vielmehr die Sprache, die verwendet: In pausen- und damit atemloser Syntax lässt der Booker Prize Gewinner unter der Verwendung zahlloser Synästhesien und teils schräger Metaphern das Grauen, welches über das Land bzw. die Stacks hereinbricht für Leser*innen zu einer drastischen und fast schon greifbaren Erfahrung werden, ohne dabei in Ekel und Grausamkeit zu kippen. Diese Sprache entfaltet eine unglaubliche Sogwirkung, hat sich allerdings für mich zum letzten Drittel des Textes auch ein wenig abgenutzt. Neben der Art und Weise der sprachlichen und erzählerischen Darstellung ist es in meinen Augen ein Verdienst des Textes, seinen Fokus nicht auf die Zusammenhänge und Genese der dargestellten Gesellschaft zu lenken, sondern die innerfamiliären Dynamiken in den Mittelpunkt zu stellen und aufzuzeigen, in welch komplexem Wechselverhältnis die familiäre Mikrobene zu der sie umgebenen Gesellschaft steht. So fand sich für mich in der Frage, was man als Elternteil zu tun bereit ist, um die eigene Familie zu schützen, der eigentliche Kern dieser Geschichte. „Das Lied des Propheten“ ist ein sehr lesenswerter und beeindruckend von Eike Schönfeld übersetzter Roman, den ich euch aufgrund seiner Gegenwärtigkeit (Parallelen u.a. zu den Entwicklungen in Afghanistan drängen sich auf) ans Herz legen will, auch wenn er sicher punktuelle Schwächen aufweist, von denen hier noch der in meinen Augen flache Aufruf zur Empathie gehört, den man aus dem Ende herauslesen kann.

5

Dystopisch, bedrückend. Realitätsnah. Genial geschrieben. Den Booker Prize 2023 zu recht verdient!

Hochaktuell. Schwer auszuhalten und doch sollte man dieses Buch in diesen Zeiten, in der die Demokratien der Welt von rechts stark bedroht werden unbedingt lesen.

5

Was wenn...

es auch hier passiert, auch uns passiert. Mir fehlen die Worte, um das Buch zu beschreiben. Außer: Lest dieses Buch in dem Bewusstsein: Diese Geschichte ist Realität für so viele Menschen auf diesem Planeten. Lest dieses Buch und seid dankbar, dass es nicht eure Geschichte ist. Lest dieses Buch und nutzt eure Stimme, damit es niemals eure Geschichte oder die eurer Kinder werden muss. Lest dieses Buch! Lebenslesehighlight!!!

4.5

Die 20 Uhr-Nachrichten kannst du abschalten, sobald es unangenehm wird. Nicht aber diesen Roman! Er fesselt und hält dich gefangen, wie auch die Protagonistin Eilish in ihrer brutalen Realität gefangen ist.

Berauschend - beklemmend - frustrierend - vereinnahmend. » …es liegt beim Staat zu entscheiden, was er glaubt oder nicht, entsprechend seinen Bedürfnissen…« Das Lied des Propheten ist die Geschichte unserer Zeit für alle, die es noch immer nicht begriffen haben: Das Ende naht schleichend und du siehst es nicht kommen. Viele unscheinbare Ereignisse und Veränderungen, kaum ernst zu nehmen, so abgelenkt und vereinnahmt sind wir von unserer eigenen kleinen Welt. Wenn wir uns dann entschließen zu handeln, ist es bereits zu spät! Aber hatten wir denn überhaupt jemals eine Wahl? Was muss geschehen, damit Menschen ihr Leben aufgeben und ihre Heimat verlassen? Dieser Roman macht keinen Spaß! Er ist nicht schön oder angenehm zu lesen. Schonungslos erleben wir aus nächster Nähe, wie eine heile Welt erst langsam, dann immer plötzlicher zu Grunde geht und spüren die pure Verzweiflung Eilishs am eigenen Leib, die dagegen anzukämpfen versucht. Oft war ich frustriert mit ihren „Entscheidungen“ und der anfänglichen Passivität, denn allzu ruhmreiche Heldentaten sind ihr nicht vergönnt. Der Verlauf der Geschichte ist dahingehend sehr realistisch und erlaubt dies konsequenterweise nicht. Die Schlinge der Ohnmacht zieht sich beständig enger zu, bis einem selbst beim Lesen die Luft weg bleibt. Das ist nicht zuletzt auch der besonderen Form des Textes zu verdanken, der ohne Absätze, ohne Markierung und Hervorhebung wörtlicher Rede oder innerer Monologe schwer verdauliche Textblöcke produziert. Immer wieder sorgen die schier endlosen, nur per Komma aneinandergereihten Sätzen für regelrechte Atemnot, versinnbildlichen die Hektik der sich überschlagenden Ereignisse und das Chaos in Eilish‘s Kopf sowie um sie herum. In der Schilderung der konkreten politischen Situation bleibt der Roman ambivalent und somit auf viele Szenarien der realen Welt übertragbar. Die Message ist hingegen laut und deutlich. Die Lektüre war also sowohl aufgrund ihres inhaltlichen Gewichts sowie auch aus literarischer Sicht oft anstrengend und erforderte des Öfteren Verschnaufpausen. Immer jedoch in dem Bann, so bald als möglich weiterlesen zu wollen. Im ersten Moment war ich froh, endlich durch zu sein. Nachdem sich alles etwas setzen konnte, stand der Beschluss das Buch irgendwann nochmal lesen zu wollen. Möglichst das Original und in gedrucktem Format, damit ich diesmal vernünftige Markierungen und Notizen machen kann. » …und der Prophet singt nicht vom Ende der Welt, sondern davon, was getan worden ist und was getan werden wird und was manchen angetan wird, aber nicht anderen, dass die Welt immer wieder aufs Neue an einem Ort endet, aber nicht an einem anderen, und dass das Ende der Welt immer ein lokales Ereignis ist, es kommt in dein Land und besucht deine Stadt und klopft an die Tür deines Hauses und wird für andere nur eine ferne Warnung, ein kurzer Bericht in den Nachrichten, ein Echo von Ereignissen, das in die Folklore eingegangen ist, …« Fazit: Das Lied des Propheten ist unbequem, aber es wird sich nachhaltig in deinem Kopf einnisten. Ein Buch, dass man sicher nicht vergisst, selbst wenn es wenig unterhaltsam und zerstreuend, ja geradewegs anstrengend war.

4.5

Dramatisch, dystopisch, aber leider nicht fern der Realität in entsprechenden Herrschaftsformen, welche erschreckender Weise auch in Europa und Nordamerika wieder im Aufschwung sind.

3

Das Lied des Propheten ist ein eindringlicher dystopischer Roman. In einem Irland, das unter die Kontrolle einer autoritären Regierung gefallen ist, beginnt für die Wissenschaftlerin und vierfache Mutter Eilish Stack eine unaufhaltsame Abwärtsspirale, nachdem ihr Mann Larry, ein bekannter Gewerkschafter, von der Geheimpolizei verhört und dann spurlos verschwindet. Lynch zeichnet ein düsteres Bild eines Irlands, in dem die Grundrechte aufgehoben und Andersdenkende verfolgt werden. Die Atmosphäre ist bedrückend und beklemmend, und Eilish sieht sich zunehmend unsichtbaren Mächten ausgeliefert, während sie versucht, ihre Familie zusammenzuhalten. Die Bedrohung und die Unsicherheit prägen den Roman, und Lynch versteht es, diese Spannung durch einen intensiven, rasanten Schreibstil zu verstärken. Doch gerade dieser stilistische Aspekt macht das Buch nicht leicht lesbar. Der sprachliche Druck und die immer wiederkehrenden bedrückenden Szenen erzeugen eine große emotionale Belastung. Für mich persönlich war der Schreibstil zwar interessant, aber auch sehr anstrengend. Die dichte, oft überwältigende Sprache verlangte mir viel Konzentration ab, und die brutalen Passagen machten es mir teilweise schwer, weiterzulesen. Einige Szenen musste ich sogar überspringen, da die Schilderungen zu schwer waren. Inhaltlich bietet Das Lied des Propheten eine wichtige und alarmierende Botschaft. Die Parallelen zu aktuellen autoritären Tendenzen in der Welt sind unübersehbar, was den Roman zu einem Schlüsselwerk für unsere Zeit macht. Lynchs Vision eines faschistischen Irlands lässt sich mühelos auf gegenwärtige politische Entwicklungen übertragen, was das Buch umso relevanter macht. Dennoch bleibt für mich der Eindruck, dass Das Lied des Propheten mehr durch seine Thematik und die eindringliche Darstellung einer untergehenden Welt besticht als durch Lesefreude. Der bedrückende Ton und die schonungslose Brutalität haben es mir schwer gemacht, das Buch zu genießen. Es ist zweifellos ein Werk, das zum Nachdenken anregt und aufrüttelt. Fazit: Das Lied des Propheten ist ein literarisch anspruchsvoller und zutiefst bedrückender Roman, der durch seine düstere Vision und seine hochaktuelle Botschaft besticht. Lynch entwirft eine erschütternde Dystopie, die den Leser in Atem hält, aber auch emotional fordert. Ein Buch, das wichtige Fragen stellt, aber nicht leicht verdaulich ist. Zu Recht hat der Roman den Bookzer Prize 2023 gewonnen.

5

Endlich mal wieder eine tolle Dystopie seit Orwells 1984 - und das auch noch vor der Kulisse Irlands 🇮🇪☘️

„Das Lied des Propheten“ hielt mich bis spät in die Nacht wach. Es ist ein emotional anstrengender Roman mit orwellischen Themen und Szenen, die den Leser mit der Intensität eines Hitchcock-Films vereinnahmen. In einer dystopischen Zukunft kommt Irlands rechtsrende National Alliance Party (NAP) an die Macht. Um die Ordnung aufrechtzuerhalten, schaffen sie eine Geheimpolizei mit zusätzlichen Befugnissen, die den Bürgern ihre Grundrechte entziehen. Die Geschichte konzentriert sich auf die Auswirkungen der neuen Ordnung auf eine bürgerliche Dubliner Familie, die Stacks; Eilish, einen Mikrobiologen; Larry, ein Beamter der Teacher's Union of Ireland, ihre vier Kinder; und Eilishs alternden Vater, der mit Demenz zu kämpfen hat. Der Albtraum beginnt, als die Geheimpolizei die Kundgebung eines friedlichen Lehrers, der für höhere Löhne kämpft, angreift. Larry und andere Gewerkschaftsbeamte werden verhaftet und verschwinden. Das rechtliche Verfahren beginnt Dinge zu untergraben, und die NAP ersetzt Menschen in Jobs landesweit durch Parteimitglieder, was dazu führt, dass Eilish ihren Job verliert. Lynch erzählt von Eilishs Kämpfen, ihre Kinder und ihren alternden Vater zu schützen, während die Nation in einen gewalttätigen Bürgerkrieg gerät und sie zu Flüchtlingen werden. Zuerst fand ich Lynchs Schreibstil schwer zu fassen. Es gibt keine Absätze, und er verwendet keine herkömmlichen Indikatoren für den Dialog. Die Szenen gehen ohne Unterbrechung fort, bis eine Lücke erscheint, die den Beginn eines neuen Abschnitts anzeigt. Als ich mich jedoch an seinen Stil gewöhnte, stellte ich fest, dass sein Schreiben fast einen filmischen Fluss hatte, der mich immer tiefer in den Albtraum zog. „Das Lied des Propheten“ ist ein kraftvoller Roman, der das Trauma herauskristallisiert, das so viele Menschen weltweit erleben. In einem Interview erklärte Lynch, dass zwei konkurrierende Gefühle ihn motivierten, diesen Roman zu schreiben. Erstens ist er beunruhigt über den Mangel an Empathie für Flüchtlinge, die seiner Meinung nach im Westen weit verbreitet ist. Lynch wollte auch untersuchen, wie viel eigene Handlungsfähigkeit Individuen in Zeiten des gesellschaftlichen Zusammenbruchs besitzen. Er ist an beiden Fronten erfolgreich. „Das Lied des Propheten“ ist eine faszinierende, provokative Lektüre. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

4.5

Erschreckend und beängstigend, aber so gut! Es hat mich richtig gepackt.

3

Ohne Frage ein sehr aktuelles und wichtiges Thema, welches sehr erschreckend dargestellt wird. An manchen Stellen dachte ich sogar, kann es noch schlimmer kommen… Die Story hat mir wirklich gut gefallen, aber der Schreibstil ohne wörtliche Rede hat mir persönlich so gar nicht gefallen. Er hat mich immer wieder aus dem Lesefluss gebracht und sehr oft wusste ich nicht wer gerade spricht. Schon bei anderen Büchern habe ich mich gefragt, warum man dieses Stilmittel benutzt und was soll es aussagen… Also Story sehr fesselnd und aktuell, aber der Schreibstil hat mir nicht gefallen. Eventuell wäre da das Hörbuch besser…

5

„[…] dass das Ende der Welt immer ein lokales Ereignis ist, es kommt in dein Land und besucht deine Stadt […] und wird für andere nur eine ferne Warnung, ein kurzer Bericht in den Nachrichten, ein Echo von Ereignissen, […].“

Sprachlos. Das Buch lässt mich sprachlos, mit Tränen in den Augen zurück.

4.5

In diesem Buch wohnt das Böse der ganzen Welt

In diesem Buch wohnt das Böse dieser Welt. Es gibt keine Hoffnung. Es gibt kein Glück, nur eine Spirale in den Abgrund, die sich unaufhaltsam in den Tod dreht . Eilish lebt mit ihren 4 Kindern und ihrem Mann, Larry, einem Gewerkschaftsführer in Dublin ein gutes Leben, bis ein nicht näher beschriebener Regimewechsel das demokratische Irland in eine totalitäre, faschistische Diktatur verwandelt. Ihr Mann wird nach einer Demonstration verhaftet und sie hört nichts mehr von ihm, weiß nicht, ob er lebt, tot ist, und muss diese Unsicherheit später auch mit dem ältesten Sohn hinnehmen. Sie bleibt mit dem Baby Ben, dem 12 jährigen Bailey und der 14 Jährigen Molly zurück. Ihr Vater Sam wird dement eine weitere Last in dieser Situation. Wir erleben wie die Fragilität eines Staates, dessen Lebensgefühl wir teilen, zerbricht und all das Elend auf dieser Welt sich hier zentriert versammelt. Von Zensur über Zwangsrekrutierung Minderjähriger, Mangel an Energie und Lebensmitteln, später die Schließung öffentlicher Einrichtungen, Schulen, korrupte und erbarmungslose Beamte, mangelnde medizinische Versorgung, Rebellion, Krieg, Scharfschützen, Bombardement und vieles mehr muss Eilish für und mit ihren Kindern aushalten und ich habe mich öfter gefragt an welchem Punkt ich resigniert hätte? Wie lang hätte meine Kraft gereicht? Sie macht auch Fehler, nimmt Chancen, nicht wahr, doch wer bin ich mir einzubilden, dass ich gewusst hätte, wann der richtige Zeit für den Absprung wäre. Mein Herz ist mehrfach zerbrochen beim Lesen dieser Dystopie, die vielleicht keine ist, weil in vielen Ländern der Welt genau das jetzt passiert oder in der jüngsten Vergangenheit stattfand. Bosnien, Syrien, die Ukraine, Gaza, Jemen aber auch Liberia, Somalia oder Kongo sind die Abziehbilder dieses Plots. Doch für uns bleibt das Ganze meist weit weg. Lynchs Schachzug ist es, das Geschehen in einen Staat zu verlegen, der als Mitglied der EU und der NATO gut abgesichert scheint. Wir erleben hier wie anfällig Demokratie ist und wie die Zersetzung im Endstadium alles positive einer Gesellschaft zerstört. Das macht es greifbar. Neben Bestürzung und Trauer habe ich auch immer wieder unglaubliche Wut darüber empfunden, wie dumm und brutal die menschliche Spezies ist. Ich habe das Buch im vollen Bewusstsein gelesen, dass hier keine Mutmaßungen angestellt werden, sondern Wissen aus Krisensituationen anderer Länder in eine uns sehr nahe Kultur transferiert wurden. Das machte das Lesen unglaublich intensiv und die Auswirkungen dieses politischen Supergaus beinahe körperlich spürbar zumindest ging es mir so. Alles Leben ist Leiden, für Eilish trifft das zu. Doch der Mensch will leben, und so klammert man sich an jedem Grashalm an Hoffnung. Sie ist der Motor, der alles am laufen hält, wenn man nichts mehr hat und nur noch eine Hülle ohne Kraft ist. Und dann kam das Ende und hat mich fast zerbrochen. Auch der letzte Mensch, der einigermaßen Herz im Leib hat, muss doch nach der Lektüre dieses Romans merken, dass die Ursachen für Flucht und Vertreibung mit allen Mitteln bekämpft werden müssen und geflüchtete Menschen mit Wärme und offenen Armen begegnet werden sollte. Stilistisch stand ich vor einer großen Herausforderung, hat sich doch Lynch, wie leider so häufig üblich heutzutage, entschieden keine Absätze zu benutzen, geschweige denn wörtliche Rede zu kennzeichnen. Das hat mir Anfangs sehr große Probleme bereitet. Irgendwann war ich drin und Verwechslungen passierten mir nur selten. Die Sprache entwickelte einen eigentümlichen Sog und der Sprachrhythmus mutete fast ein wenig lyrisch an. (Nichtsdestotrotz bin ich pro „“ ) Ein düsteres Werk, was mich sehr mitgenommen hat und mir sicherlich unvergesslich bleiben wird. Nichts für schwache Nerven. Auch Leser*innen müssen das aushalten können

5

Fulminanter Pageturner! Ein beeindruckendes Szenario einer Katastrophe unter einem autoritären Regime.

5

Ich habe gerade eines der besten Bücher der letzten Jahre beendet und nun weiss ich nicht mehr was ich mit meinem Leben anfangen soll... Eigentlich habe ich das Buch hauptsächlich als Lese-Ex angefragt weil ich demnächt eine Lesung des Autors besuchen werde. Und das war definitiv eine meiner besseren Lebensentscheidungen. Das Buch ist so wahnsinnig gut geschrieben, die dystopische Stimmung kam richtig gut rüber. Kein Buch zum mal kurz weglesen, das ist definitiv harter Tobak den uns Herr Lynch hier bietet. Wahrscheinlich wird mich die Geschichte die nächsten Wochen noch verfolgen. Hauptprotagonistin ist die Wissenschaftlerin Eilish, Mutter von vier Kindern und liebende Ehefrau. Ganz von Beginn weg merkt man schon eine düstere Grundstimmung, die je länger das Buch geht immer schlimmer wird. Larry, ihr Ehemann, kommt irgendwann nicht mehr von einer Demonstration zurück. Später verschwindet auch noch der älteste Sohn und schliesst sich den Rebellen an. Dazu kommt noch ein Vater mit beginnender Demenz, zwei pubertierenden Teenagern und einem zahnenden Baby. Während die Lage in Irland immer schlimmer wird, opfert sich Eilish hingebungsvoll für ihre Familie auf. Die Lage im Land eskaliert komplett und eine Flucht scheint unausweichlich zu werden.

5

Sternebewertung fiktiv

Ich habe ein unglaubliches Hörbuch gehört. „Das Lied des Propheten“ist nicht umsonst Booker Prize Sieger 2023. Wir befinden uns in Irland. In einer dystopischen Zukunft. Eine rechte Partei hat die Macht übernommen. Schnell werden Veränderungen bemerkbar. Bürgerrechte werden ausgesetzt, Parteigegner verhaftet . Wir lernen Eilish Stack kennen. Ihr Mann Larry ist Gewerkschaftsvertreter. Eines Abends wird er zu einer Befragung des neu gegründeten Geheimdienstes mitgenommen. Ein paar Tage später wird er auf einer friedlichen Demo verhaftet. Viele werden verhaftet und in sogenannte neue Arbeiterlager außerhalb der Stadt gebracht. Seine Frau bleibt mit vier Kindern allein. Alle sind angespannt, der schnelle Wandel, die vielen Verbote. Die Faschisten greifen radikal durch. Die Diktatur ist eingezogen. Wer nicht 100% mitgeht ist ein Gegner. Eilish überlegt die ganze Zeit, ob sie mit ihren Kindern nach Kanada flüchten soll. Ihr Sohn ist 16. Viele Jungs werden zum Dienst eingezogen. Auch in seinem Alter. Doch dann ist es zu spät. Niemand kommt mehr weg. Eilish wird gemieden, verliert ihren Job. Versucht sich und die Kinder zu schützen. Eine spannende Story bis zum Ende. Nie war ein Buch so aktuell. Diese Geschichte ist so spannend, so beängstigend und so echt. Das geschichtliche Rad dreht sich. Diese Geschichte ist ein Weckruf. Die wichtigsten Fragen waren für mich ganz klar: Wann würde ich gehen? Hätte ich den Mut? Würde ich die Ernsthaftigkeit der Situation rechtzeitig erkennen? Wir glauben, dass das nicht passieren kann. Aber was ist, wenn „nie wieder“ doch bald wäre? Eine grandiose Geschichte, auch als Hörbuch.

5

Was für ein ergreifende Buch. Es bleiben einem fast die Worte weg, so nah kann es an der Realität sein oder ist es an der Realität. Ich habe selten so einen emotionalen, traurigen, teilweise düsteren, beoachtenden und gefühlvollen Roman gelesen über Menschen die aufgrund eines Regimewechsels in die Enge getrieben werden, an ihrem Leben festhalten wollen, viel Leid ertragen, da sie nicht wahrhaben wollen, dass es an der Zeit ist zu gehen, um im Endeffekt doch den großen Schritt gehen, weil ihnen keine andere Wahl bleibt. Ich hoffe das wir weiterhin die Wahl haben werden in einer Demokratie zu leben und solch eine Geschichte nie selber erleben müssen. Der Autor denkt sich in die Protagonistin ein mit ihren Gedanken umd Träumen. Dadurch wird man fast wie einTeil in der Geschichte bzw. erlebt vieles hautnah... Die viel zitierten Schwierigkeiten durch lange Sätze auch ohne wörtliche Rede haben mich nicht gestört. Der Inhalt hielt mich die ganze Zeit bis zum Schluss gefesselt. Absolut lesenswert

3

"Die Geschichte ist ein stummes Verzeichnis von Leuten, die nicht gehen konnten, ein Verzeichnis derer, die keine Wahl hatten, man kann nicht gehen, wenn man nirgends hin kann und nicht die Mittel hat, dorthin zu gehen, man kann nicht gehen, wenn die Kinder keinen Pass bekommen, kann nicht gehen, wenn die Füße in der Erde wurzeln und Gehen bedeutet, sich die Füße abzureißen." - Paul Lynch, "Das Lied des Propheten" Gehen oder bleiben? Diese Frage stellt sich die Naturwissenschaftlerin und vierfache Mutter Eilish Stack fast täglich, seit sich Irland nach der Machtübernahme der National Alliance Party auf dem Weg in die Tyrannei befindet. Die neu gegründete Geheimpolizei hat ihren Mann und Gewerkschafter Larry festgenommen, Eilish hat seit dem Tag seiner Festnahme nichts mehr von ihm gehört. Auch ihr Sohn Mark taucht unter und wird Teil einer Rebellengruppe, die sich direkt vor Eilishs Haus blutige Kämpfe mit dem Regime liefert. Und Eilish steckt dabei mittendrin, muss sich um ihre Kinder zwischen Kleinkind- und Teenageralter und ihren dementen Vater kümmern. Bald kommt kein sauberes Wasser mehr aus den Leitungen, ihre Reisepässe werden nicht verlängert, Hamsterkäufe in den Supermärkten beginnen und der Strom fällt immer wieder aus. Doch gehen kann sie trotzdem nicht - denn wohin sollten Larry und Mark zurück kehren? "Das Lied des Propheten" von Paul Lynch, übersetzt von Eike Schönfeld, ist eine Dystopie, die sich so anfühlt, als könnte sie jeden Tag real werden. Der mit dem Booker Prize ausgezeichnete Roman zeigt auf, was passieren kann, wenn rechte Parteien durch Hetze und Panikmache an die Macht kommen - unmittelbar und ungeschönt. Man kann sich Lynchs Text kaum entziehen, dem Horror, der hier zwischen den Zeilen steckt, der Brutalität, die sich mit jedem Satz steigert, die sich zum Ende hin zuspitzt und der Empathielosigkeit vieler Menschen Geflüchteten gegenüber den Spiegel vorhält. Inhaltlich fand ich den Roman - mit einigen Abstrichen wie beispielsweise der sehr weiß-zentrierten Sichtweise und dem etwas dürftigen Kontext zum Hintergrund des dystopischen Irlands - wirklich stark. Stilistisch konnte mich der Autor aber leider nicht überzeugen. Fehlende Kennzeichnung wörtlicher Rede, lange Fließtexte ohne greifbare Struktur und ein Satzbau, der sich für mich unnatürlich angefühlt hat, haben es mir erschwert, mich ganz und gar von der Geschichte einfangen zu lassen. So war "Das Lied des Propheten" zwar eine aufrüttelnde Lektüre für mich, die aber eine wichtige Geschichte nicht unbedingt zugänglich erzählt.

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Dystopie

An einem regnerischen Abend in Dublin öffnet die Wissenschaftlerin und vierfache Mutter Eilish Stack ihre Haustür und steht zwei Beamten der neu gegründeten irischen Geheimpolizei gegenüber. Einige Tage später geht ihr Mann Larry, ein bekannter Gewerkschafter, zu einem Verhör und kommt nie wieder. Nach und nach übernimmt ein autoritäres Regime die Macht. Und in ihrem Leben ändert sich alles. Paul Lynch hat für sein Buch „Das Lied des Propheten“ den Booker Prize 2023 erhalten. Ich bin der Meinung, dass dieser Preis verdient ist, auch wenn ich an manchen Stellen mit der Sprache etwas gehadert habe. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch noch für lange Zeit nur eine Dystopie bleibt.

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Tolle Story, für mich nicht ansprechende Umsetzung

„Das Lied des Propheten“ ist mein zweites Buch von Paul Lynch und hat es mir nicht leicht gemacht. Die Geschichte erzählt von der Machtergreifung eines totalitären Staates und wird aus der Sicht von Eilish Stack erzählt, deren Mann eines abends bedeutsamen Besuch bekommt und tags darauf spurlos verschwindet. Schnell wird ihr klar, dass die Regierung dafür verantwortlich ist. Doch Antworten erhält Eilish keine. Als sie kurze Zeit darauf ein Einberufungsbefehl ihren 16jährigen Sohn erreicht wird der 4fachen Mutter klar, das sich Irland zunehmend verändert und eine Handlungsunfähigkeit breitmacht. Kündigungen vieler Berufssparten machen die Runde, die Einkaufsmöglichkeiten nehmen ab und hinter jedem bekannten Gesicht ist ein Spitzel zu erwarten. Paul Lynch hat mit seinem aktuellen Roman eine überaus wichtige Dystopie geschrieben, welche ich gerne mit Genuss gelesen hätte. Doch die genutzten stilistischen Mittel haben mir persönlich den Lesefluss enorm erschwert. Szenenwechsel werden selten mit Absätzen markiert und auf eine Kennzeichnung der wörtlichen Rede wurde komplett verzichtet und hat man laufend in den Satz integriert. Dies gibt dem Lesenden unweigerlich den Druck des Protagonisten weiter, doch die hinzukommenden langen Sätze mit unendlich vielen Kommata, erschwerten mir zusätzlich mein Lesevergnügen und ließen mich persönlich nicht in die Geschichte abtauchen. Zudem sind die einzelnen Kapitel sehr lang und die dicht beschriebenen Seiten wirken erschlagend. Sprachlich ist „Das Lied des Propheten“ wieder ein Genuss. Doch leider finden das Buch und ich z.Z. nicht zueinander.

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Ein dystopisches Werk, das aufzeigt, wie schnell eine faschistische und rechtsradikale Regierung die Macht ergreifen, Gesetze verändern und Menschen entführen, foltern und umbringen kann. Definitive eine „chilling“ reading experience, die einem Angst macht—nicht nur, weil die Geschichte in Irland spielt und somit garnicht soweit entfernt. Sondern weil die Realität heutzutage einfach düster aussieht, wenn man sich die Welt anschaut, und das Szenario vermutlich garnicht mehr so weit hergeholt auch hierzulande. Punkt Abzug, dass Lynch die Perspektive einer Frau gewählt hat, statt auch mal was zu wagen, und aus der Perspektive eines alleinerziehenden Mannes zu schreiben.

4.5

Packende Dystopie, die sich manchmal zu real anfühlte

Ich habe das Buch von @netgalley bzw. dem @klettcottaverlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Es geht im Buch um die vierfache Mutter Eilish aus Irland. Eines Tages stehen Beamte der neu gegründeten irischen Geheimpolizei vor der Tür um ihren Mann Larry, einen bekannten Gewerkschafter, zu verhören. Kurz darauf ist er verschwunden. Ab dann passieren immer mehr unerwartete Veränderungen. Eilish muss sich entscheiden, welche Dinge sie ihren Kindern mitteilt, wenn sie wieder nach ihrem Vater fragen, muss sich um ihren eigenen, dementen Vater kümmern und auch selbst mit den gravierenden Änderungen ihres Alltags klar kommen. Anfangs musste ich mich etwas in den Schreibstil einfinden. Es gibt keine Anführungszeichen für wörtliche Rede, was mich erst sehr verwirrte. Je länger ich gelesen habe, desto mehr habe ich mich daran gewöhnt. Und je weiter ich in der Geschichte voran kam, desto beklemmender wurde es, sodass ich nicht durchgehend dran bleiben konnte und das Buch immer wieder zur Seite legen musste. Das Buch hat den Booker Prize 2023 gewonnen und ich finde: zu Recht. So klar vorgeführt zu bekommen, was passiert, wenn eine Regierung in die falsche Richtung abdriftet. Zu oft hatte ich das Gefühl, das Buch sei nahe an der Realität. All die Veränderungen, die vonstatten gingen, der innere Konflikt der Hauptprotagonistin Eilish, die einerseits ihre Kinder beschützen will, aber sie auch nicht aus ihrem Umfeld reißen möchte. Die ihren dementen Vater pflegt, der sich nicht pflegen lassen will, den sie aber trotzdem nicht zurücklassen möchte. Wie entscheidet man sich, wann man geht? Alles in allem ein sehr packendes, aufwühlendes Buch mit gewöhnungsbedürftigen Schreibstil.

5

Fesselnd und beklemmend. Das Buch für unsere Zeit.

Nur selten hat mich ein Buch so erschüttert und bewegt. Für mich hat es fast bis zur Hälfte des Buches gedauert, bis ich richtig drin war - die kunstvolle Sprache hat mich häufig zum Langsamlesen gezwungen. Lässt man sich aber darauf ein, lässt einen die Geschichte von Eilish und ihren Kindern, die in einem dystopischen Irland um ihre Werte und schließlich um ihr nacktes Überleben kämpfen, nicht mehr los. Dies ist wahrlich das Buch der Stunde, das zeigt wie schnell eine zivilisierte Gesellschaft in Diktatur und Krieg abrutschen kann. Absolute Leseempfehlung

4

Das war echt krass und echt hart. Längere Rezension folgt.

5

Wow, hier hat der Autor in meinen Augen etwas ganz Großes geschaffen - und den Booker Prize 2023 verdient erhalten. Zunächst dachte ich, es handle sich hier um eine Dystopie, die in gewisser Weise - ähnlich wie 1984 - erzählt, wie sich das Leben der Menschen in einem totalitärem Regime verändert. In gewisser Weise ist dies auch der Fall; aber Lynch ist weiter gegangen und hat die Zustände konsequent weiter entwickelt. Die Story kreist um das Verschwinden des vierfachen Familienvaters Larry, der sich in einem (fiktiven) nationalsozialistischem Irland plötzlich in der Rolle eines Regimegegners wiederfindet; als Vertreter der Lehrergewerkschaft, wird er zunächst zur Befragung beordert und dann - nach einer Demonstration gegen die Regierung - verhaftet. Seine Frau Eilish steht plötzlich alleine da, mit ihren vier Kindern sowie ihrem dementen Vater. Als Frau eines Regimegegners wird sie stigmatisiert und verliert zunächst den Job und schließlich den Boden unter den Füßen. Von ihrem Mann und seinem Verbleiben erfährt sie nichts, auch Anwälte können nicht helfen, da das Regime sich hinter Notstandsgesetzen versteckt und seine Interessen willkürlich durchsetzt. Während ihr Familien/Privatleben zerbricht, spitzt sich die Situation zu. Es kommt zum Bürgerkrieg, verbunden mit Angriffen auch auf die Zivilbevölkerung. Ihr ältester Sohn schließt sich letztlich der Rebellenarmee an und verschwindet ebenfalls. Eilish erhält das Angebot ihrer in Kanada lebenden Schwester, sie außer Landes bringen zu lassen; doch sie zögert, in der Hoffnung, dass Mann und Sohn zurückkehren und alles wieder gut wird. Schließlich muss sie erkennen, dass sie zu lange gezögert hat - ein weiteres Unglück geschieht. Lynch greift vergangene und aktuelle Themen auf. Man erkennt Parallelen zu totalitären Regimes sowohl im Jetzt, als auch im Damals; sowohl in West, wie auch in Ost. Bürgerkriegsartige Zustände, Angriffe auf die Zivilbevölkerung, Massenfluchten, Schleuserbanden; all dies ist leider gegenwärtig und wird vom Autoren in ein westliches Land transportiert. Mich hat diese Thematik in diesem Umfang sehr nachdenklich gestimmt. Dabei wird das Elend der ganzen Situation in erster Linie auf Eilish‘ Situstion fokussiert; natürlich sieht sie, dass es auch anderen so geht. Ihre eigene Situation zeigt jedoch sämtliche Facetten der Krise auf. Sie verliert einen Hoffnungsschimmer nach dem nächsten - statt, dass es aufwärts geht, wird es nur immer schlimmer. Teilweise habe ich Parallelen zu seinem Buch GRACE entdecken können. So verschwinden Tote oder Vermisste auch hier nicht, sondern begleiten Eilish noch immer; allerdings nicht ganz so ausgeprägt, wie in der Geschichte, die 1845 in Irland spielte. Ebenso ist er seinem - zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftigem - Stil treu geblieben, lange Sätze und Dialoge ohne Anführungszeichen und nur in indirekter Rede zu schreiben. Hat man sich dort hineingelesen, erhält man allerdings literarisch sehr wundervolle Sätze. Ein Beispiel: Die ruhenden Bäume füllen sich allmählich. Bald werden die Bäume ihre Knospen öffnen, um wieder das Frühlingslicht zu sehen, sie denkt darüber nach, über die Kraft eines Baums, wie ein Baum die dunkle Jahreszeit erträgt, was ein Baum sieht, wenn er die Augen öffnet. Und da sieht sie, dass ihre Angst verschwunden ist, die Erleichterung in ihrem Körper, dass nun etwas getan werden kann. Wir werden Weiß tragen, sagt sie und dreht sich um, wir werden uns ihnen anschließen. Sie sieht die Kinder nach oben gehen, ein Gefühl von Wagemut und Anspannung im Haus. Von mir bekommt dieses 311 Seiten lange Werk eindeutige 5/5 und ich empfehle es jedem, der zum einen literarisch hochwertige Texte lesen möchte und zum anderen sich Gedanken machen möchte, über extreme Regimes, Unterdrückung der Bevölkerung und über die Situation von Flüchtlingen; und hier besonders über die Entscheidung, seine Heimat zu verlassen und hierbei sehr viel zu verlieren.

5

Wow, fantastischer Roman! Sprache top, Geschichte unglaublich ehrlich und authentisch, aus dem Leben trotz des Dystopischen Inhalts. Grandios

5

“Sie sieht, wie das Pferd ein Ohr rotieren lässt, ohne den Kopf zu drehen, anscheinend horcht es auf etwas jenseits der beklommenen Stille [...] es hört den Tod, der in der ganzen Stadt mit offenen Armen wartet, den Tod, der darauf wartet, vom Himmel abgeworfen zu werden.” (S. 193) “Prophet Song” ist der Roman, mit dem Paul Lynch 2023 den Booker Prize gewonnen hat. Jetzt wurde er als “Das Lied des Propheten” vom renommierten Übersetzer Eike Schönfeld für Klett Cotta kongenial ins Deutsche übersetzt. Obwohl ich den auch auf der Shortlist gewesenen Roman “The Bee Sting” von Lynchs irischem Landsmann Paul Murray sehr liebe, bin ich nach der Lektüre der Meinung, dass Paul Lynch absolut zurecht gewonnen hat. Warum? Mit “Prophet Song” hat Lynch einen Horrorroman geschrieben, der ganz ohne übertriebenen Gore, Killer-Clowns und Untote auskommt und dennoch den Lesenden eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken jagt. Der Schrecken eines totalitären Regimes ist die Horrorvorstellung, mit der wir es in diesem Roman zu tun haben. Die Protagonistin Eilish, Mutter von vier Kindern und promovierte Mikrobiologin, die seit 20 Jahren in einem Bio-Tech-Unternehmen arbeitet, steht im Mittelpunkt des Geschehens. Wir haben es in dieser fiktiven - und doch erschreckend realistischen - Version von Irland mit einem Land zu tun, das von einer totalitären Partei beherrscht wird und versucht, alle Gegner des Regimes mundtot zu machen bzw. auszulöschen. Auch Eilishs Mann, Lehrer und Gewerkschafter, wird eines Tages aus heiterem Himmel verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht. Eilish steht vom heute auf morgen alleine da mit ihrem 17-jährigen Sohn Mark, der Teenager-Tochter Molly, dem 12-jährigen Bailey und dem Nachzügler-Baby Ben. Außerdem muss sie sich um ihren an zunehmender Demenz leidenden Vater betreuen. Als die Umstände immer schlimmer werden und es zu kriegerischen Kämpfen zwischen den Rebellen und dem System kommt, stellt sich für Eilish die Frage: Gehen oder bleiben? An der Protagonistin Eilish wird exemplarisch ausgeführt, was ein Mensch in einem Ausnahmezustand vollbringen kann. Leider ist das keine allzu dystopische Vorstellung, denn tagtäglich gibt es nach wie vor Tausende, die in Kriegsgebieten einer ähnlichen Situation ausgesetzt sind. Eilish muss Unmenschliches vollbringen - sie muss in einem absoluten Ausnahmezustand, in dem sie um ihrem Mann und ihren ältesten Sohn bangt, den Alltag für ihre jüngeren Kinder aufrechterhalten, muss Geld, Nahrung und soviel Normalität wie irgend möglich herbeischaffen. Die enigmatisch-kafkaeske Erzählweise - für manche durch den Wegfall der wörtlichen Rede vielleicht gewöhnungsbedürftig, mir hat das sehr gefallen - fährt einem ohne Umwege in Mark und Bein. Wie ein mäandernder Singsang bohrt sich das Geschriebene erbarmungslos in unseren Kopf, um sich dort festzuklammern. Und von dort aus breitet sich so etwas wie Panik in unserem ganzen Körper aus, wenn man einen Moment zu lange über das Gelesene nachdenkt: Was, wenn so etwas Realität werden könnte - auch für uns? “Das Lied des Propheten” ist ein Roman über die Unbarmherzigkeit der Zeit und ihr Vergehen. Eine Trauermelodie in Prosa über das, was wir mal hatten und das Wenige, das uns davon geblieben ist sowie das noch Wenigere, das die Zeit überdauern wird. Das fiktive Konstrukt stellt die existenziellen philosophischen Fragen: Was ist Wirklichkeit? Worauf beruhen unsere Vorstellungen von ihr? Gibt es eine allgemeingültige Realität und wie finden wir uns in ihr zurecht? Und was ist Wahrheit? Kann sie sich in einem totalitären Staat überhaupt offenbaren? “...zur Zeit gibt's keine Wahrheit, du weißt nichts, niemand weiß was, von nichts lässt sich die Wahrheit kennen.” (199) Dass der plötzliche Verlust eines Menschen vor allem eins bedeutet, Stille, das wird im Roman immer wieder mantraartig wiederholt. Eine Leerstelle, ein Platzhalter dort wo vorher ein Mensch gelebt und geliebt und gelacht hat, ist jetzt ausgefüllt mit Stille und dem Schmerz der Hinterbliebenen. Paul Lynchs Prosa ist voller Allegorien und Metaphern, das Stilmittel der Personifikation benutzt er überdurchschnittlich häufig. So werden die Natur, abstrakte Begriffe und Dinge in seinem Schreiben vermenschlicht bzw. lebendig. Ich bringe nur ein paar Beispiele: “wie die Bäume die Jahre mitfühlen, indem sie die Zeit zu Ringen in ihrem Holz machen” (140), “Der Lärm sprießt in den Schlaf, er treibt aufwärts durch zwei Welten” (141), “...der Tag [...] fällt in geblümter Farbe auf Carole” (168), “die Stimme flüstert.” (199) Wenn man diesen Roman einmal gelesen hat, dann wird man ihn mit absoluter Sicherheit nie wieder vergessen. Ein intensives Leseerlebnis und Meisterwerk der Literatur unserer Zeit. Triggerwarnungen: Krieg, Tod, Zerstörung, leidende Kinder

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3.5

Düstere Welt

Wichtiges Thema, wahnsinnig düster und bedrückend dargestellt mit dem Bewusstsein, dass das nicht so unmöglich ist, wie es scheint. Dass die Welt bei falschen Entscheidungen wirklich so aussehen kann, für Menschen in einigen Ländern wirklich so aussieht. Trotzdem hat mir die „altbackene“ Sprache und die langen, verschachtelten Sätze das Lesen wirklich schwer gemacht und für mich nicht die Emotionen übertragen, die andere beim Lesen hatten.

4

Gruselig realistisch

„Das Lied des Propheten“ von Paul Lynch wurde mit dem Booker Prize 2023 ausgezeichnet und das meiner Meinung nach zurecht. Eilish ist Wissenschaftlerin, hat vier Kinder und wohnt mit ihrer Familie in Irland. Eines Tages kommt ihr Mann Larry, der Gewerkschafter ist, nicht von einer Demonstration nach Hause. Er wurde wahrscheinlich vom neuen Regime ohne Anklage verhaftet und ist seither verschwunden. Sie muss sich nun allein um ihre Kinder und ihren dementen Vater kümmern, während sie versucht Antworten zum Verbleib ihres Mannes zu bekommen und sich die politische und gesellschaftliche Situation im Land immer weiter zuspitzt. Der Roman wird aus der Sicht von Eilish erzählt. Ungewöhnlich ist die sehr anspruchsvolle poetische Sprache, die mit vielen sprachlichen Bildern gespickt ist. Die Stimmung des Buches ist von Anfang an sehr düster. Umso beklemmender ist das Ganze, wenn man sich vor Augen führt, dass das Geschilderte in der Vergangenheit schon oft so passiert ist und wenn man sich die aktuellen faschistischen Bewegungen, die es gerade in den meisten Ländern gibt, vor Augen führt. Mich hat das Pacing etwas gestört. Auf der einen Seite wird der Verlusts der Sicherheit der Familie und das Chaos im Land eindrücklich und intensiv dargestellt, aber zwischendurch hat mir etwas das Tempo gefehlt. Ich fand es stellenweise zu langgezogen, die sehr langen Kapitel tragen dazu ihren Teil bei.

5

Großartiger Roman. Eine Dystopie. Ein Buch mit einem Sog!

2.5

Im ersten Drittel packend und schafft eine bedrohliche Atmosphäre. Irgendwann nervt die Passivität von Eilish, die alles zerstört. Sprachlich abenteuerlich, wirklich nicht leicht zu lesen. Trotz Booker Prize würde ich es nicht weiterempfehlen.

4.5

a story making you even more empathetic to the situation of people in the world who are struck by unexplainable wars & riots.

i gasped aloud many times while reading this book; paul lynch really managed leaving an impression with his character portraits. i loved how an eerie & panicky atmosphere was created throughout the whole story, you almost felt like you're always there within the protagonist eilish, going through her troubles as well as feelings/relationships towards other characters. the only reason why i removed half a star is that you always keep up your hopes for some people but in the end, most of them aren't fulfilled. guess it shows the reality of the situation though because hoping for more positive outcomes in horrifying stories like this one is mostly naive & unrealistic.

a story making you even more empathetic to the situation of people in the world who are struck by unexplainable wars & riots.
5

Ein Buch aus unserer Zeit

Das Buch spielt in Dublin, Irland befindet sich in der Gewalt einer neuen Regierung, auf dem Weg in die Tyrannei. In dieser Welt lebt Familie Stack. Eilish, Wissenschaftlerin, Larry, ein Gewerkschafter, ihre vier Kinder und Eilish’ Vater Simon. Eines Tages verschwindet Larry, gefangen genommen von der neuen Regierung. In einer kollabierenden Gesellschaft ist Eilish komplett allein auf sich gestellt und muss sich um ihre Familie kümmern. Ihr ältester Sohn wird von der Regierung eingezogen um zu dienen, ihr zweiter Sohn wird nach einem Angriff in ein Krankenhaus gebracht und dann verschleppt. Eilish begibt sich auf die Flucht mit ihrer Tochter Molly und dem kleinen Ben. „Der dunkelnde Garten birgt keine Wünsche mehr, denn etwas von diesem Dunkel ist ins Haus gekommen.“ Wow. Eine Geschichte voller Traurigkeit und Verständnislosigkeit. Der Schreibstil passt sehr gut zu dieser Geschichte. Die Sätze sind sehr lang, unterbrochen durch Kommas und es gibt keine wörtliche Rede. Er ist hektisch, verzweifelt, keine Ruhe. Genau so erlebt man diese Welt. Eilish kämpft lange mit der Hoffnung, dass ihr Mann und ihr Sohn zurückkommt. Dass alles wieder gut wird. Ihre Schwester wohnt in Kanada und versucht sie zu sich zu holen. Eilish verneint, bis sie irgendwann merkt, dass sie dort weg müssen. Das Buch beschreibt ein Welt am Rande einer Katastrophe, voller Stilmittel, bildlicher Sprache und Gefühle. Es war nicht einfach zu lesen - sowohl aufgrund der Schreibart als auch der Geschichte. Aber trotzdem eine Meisterleistung, gefangen in einer Welt der Angst, die es heute in einigen Ländern genau so gibt. „…sie weiß nicht, was sie machen sollen, das Herz ist zu krank zum Denken geworden, das Herz ist jetzt in einem Käfig.“

5

Sehr bedrückend.

Zu Anfang habe ich mich mit dem Schreibstil schwer getan. Aber je mehr ich gelesen habe, umso besser kam ich in die Geschichte hinein und war gefangen. Ein anderer Stil hätte die Geschichte nicht so erzählen können. Die Vorstellung, dass deine Welt sich so schnell verändern kann und du ein Flüchtling bist, ist sehr beängstigend. Welche Entscheidung hätte ich getroffen? Ich weiß es nicht. Das Buch hallt noch nach und wird mich auch noch eine Weile beschäftigen.

3.5

Dystopie, die den Zeitgeist leider sehr gut trifft

War das Buch leicht zu lesen? Nein. Hat es Spaß gemacht zu lesen? Auch nein. Ist es unfassbar emotional, literarisch und fesselnd? Definitiv ja! Irland nach einem Regierungswechsel. Alles verändert sich in kürzester Zeit. Ständig fällt der Strom aus, Soldaten patrouillieren die Straßen und unzählige werden “grundlos” verhaftet. Es ist eine Dystopie und dennoch hatte ich während des Lesens das Gefühl, dass es Realität sei, und das war beängstigend! Der Schreibstil ist wohl gewöhnungsbedürftig, mir persönlich fiel es schwer, den Zusammenhang zu verstehen an der ein oder anderen Stelle. Oft war ich verwirrt und musste mehrmals lesen. Stilistisch natürlich unfassbar passend, da es beim Lesen genau diese Verzweiflung, das Chaos, den fehlenden Überblick und die Hilflosigkeit widerspiegelt. Ein wichtiges Buch, das ich jeden ans Herz legen kann.

3

Der Schreibstil macht es dem Leser wirklich nicht einfach und man braucht Geduld, um sich durch die Geschichte zu hangeln.

4

Der Wandel einer Gesellschaft Der Roman beginnt mit Irlands Wechsel der Regierung, welche sich in einem schnellen Tempo von einer Demokratie in einen totalitärer Staat begibt. Lynch beschäftigt sich mit dem Thema der Machtergreifung rechter Parteien und deren Beeinflussung durch Hetze und Schüren von Angst. Dahingehend werden die Erlebnisse von Eillish, unserer Protagonistin, weitestgehend vom Autor seziert. Die Sprache Lynchs ist von einer Brutalität und Schonungslosigkeit behaftet, die einem stets den Schrecken dieser Welt darstellt. Trotzdem muss hinzugefügt werden, dass der Autor auf die Anführungszeichen der wörtlichen Rede verzichtet, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Auch fiel es mir zu Beginn schwer in den Text hineinzukommen, da der Satzbau mir nicht vollends flüssig vorkam. Nach gewisser Zeit ist dies aber nicht mehr von Bedeutung, da die Geschichte einen sehr vereinnahmt. Der Roman brilliert mit seinen zahlreichen Erzählungen die durchwegs im Text vorzufinden sind und den Leser stets durch ihren Schrecken aufrüttelt. Der Autor wurde 2024 für sein Werk mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Es ist zudem schön zu sehen, dass mehr irische Literatur ins Deutsche übersetzt und die verdiente Aufmerksamkeit bekommen.

4.5

Paul Lynch hat mit "Das Lied des Propheten" ein eindrucksvolles und poetisches Werk geschaffen, das in vielerlei Hinsicht herausragt.

Sollte man gelesen haben. Auch wenn ich mir das Ende anders gewünscht hätte.

5

Beklemmende Dystopie, die greifbarer ist, als es uns lieb sein kann. Fokussiert stärker auf Atmosphäre und Beobachtung als auf den Plot – daher ein langsames, aber bei Einlassung ein eindrückliches, teils schmerzlich wuchtiges Buch. Ein Buch, das allerdings auf geduldige Leser*innen angewiesen ist.

5

Großartiger Roman. Eine Dystopie. Ein Buch mit einem Sog!

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