krass!
Beeindruckend und beängstigend! So schnell kann es gehen mit einem autoritären, totalitären System, mit Spaltung und Entzweiung, mit Verrat, Krieg und Flucht. Eine eindringlich geschriebene Mahnung in einer bewegenden Familiengeschichte mit einer unglaublich starken weiblichen Hauptfigur. Klare Leseempfehlung!
Es ist sehr gut, dicht und spannend geschrieben. Aber es macht das Gegenteil von guter Laune. Dystopisch, finster und beängstigend.
Irgendwie kann ich die Begeisterung für dieses Buch nicht nachvollziehen. Wir erfahren fast nichts über die (politischen) Beweggründe, die zu dieser Situation geführt haben, können kaum zwischen Rebellen und Regime unterscheiden und folgen die ganze Zeit einer ignoranten, phlegmatischen Protagonistin, die eine nicht nachvollziehbare Entscheidung nach der anderen trifft. Der Schreibstil und der Schriftsatz waren so gewählt, dass man sich keinen müden Moment erlauben durfte, was dazu geführt hat, dass ich ab der Hälfte gar nicht mehr gerne zu diesem Buch gegriffen habe. Leider keine Empfehlung.
Ein beklemmender Wurm der in dich hineinkriecht, in dir anwächst und dich schließlich von innen heraus verschlingt! "Sie muss ihn ausspucken, dann wird alles gut!" "Was soll sie ausspucken?" "Den Wurm, ich rede von dem Wurm."
Wow - als ich die ersten Seiten dieses Buches gelesen habe, dachte ich, das wird stilistisch eine harte Nuss. Der Schreibstil ist ungewöhnlich, teils poetisch, und auf gewisse Weise hat es sich so angefühlt, als würde man als Leser von der Handlung und den Menschen auf Abstand gehalten werden. Fast so als ob sich keine Sympathien entwickeln sollten - oder auch so, als müsse man wehrlos zusehen was den Protagonisten angetan wird. Das Lied des Poeten erzählt die Geschichte einer Familie, mit der Mutterfigur Eilish im Zentrum, und wie ein Regime in Irland nach und nach die Macht ergreift und die dortige Gesellschaft immer stärker unterwandert. Man erfährt eigentlich sehr wenig über diese politische Fraktion. Alles was man erfährt, zeigt sich in den Auswirkungen auf Familie Stack. Eilishs Ehemann, ein hohes Mitglied einer Gewerkschaft, gerät bereits zu Beginn auf Grund eben dieser Berufung ins Kreuzfeuer des Regimes. Deswegen lastet schon bald die gesamte Verantwortung für die Familie auf Eilish. Nach und nach zeichnet sich ein Bild davon wie eine Diktatur entsteht, welche Mechanismen sie nutzt und mit welchen Auswirkungen die einfach Zivilbevölkerung zu kämpfen hat. Meine anfängliche Sorgen bezüglich des Schreibstils hat sich kein bisschen bestätigt. Auf wirklich großartige weise hat Paul Lynch es geschafft, ein glaubhaftes Szenario zu erschaffen, das einen packt und nicht mehr loslässt. Fantastisch und grauenhaft zugleich. Absolute Leseempfehlung!
Dystopisch, bedrückend. Realitätsnah. Genial geschrieben. Den Booker Prize 2023 zu recht verdient!
Hochaktuell. Schwer auszuhalten und doch sollte man dieses Buch in diesen Zeiten, in der die Demokratien der Welt von rechts stark bedroht werden unbedingt lesen.
Die Story war gut und fesselnd. Der Schreibstil war anspruchsvoll und man musste sich Zeit zum Lesen nehmen. Die Entscheidungen der Protagonistin konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen.
IM GENRE NICHTS NEUES Mit dem Besuch durch zwei Beamten der neu gegründeten irischen Geheimpolizei bei den Stacks, die in einem Vorort Dublins wohnen, hält die gesellschaftliche Veränderung, von der Paul Lynchs mit dem Booker Prize prämierter Text erzählt, Einzug in den Mikrokosmos der Familie. Das Irland, von dem der Ire erzählt, ist dabei, sich zu einer Diktatur zu verändern und die beiden Diener des neuen autoritären Staatssystems wollen Larry, dem Mann der Protagonistin des Roman, Bioingenieurin und vierfachen Mutter Eilish, nur ein paar Fragen zu seiner Tätigkeit als Stellvertreter der nationalen Lehrer*innengewerkschaft stellen, da diese sich gegen die neuen Machthaber aufgelehnt hatte. Larrys Verhaftung und sein Verschwinden ist der Beginn einer tiefgreifenden und atemlos stattfindenden Veränderung des Lebens der Stacks, in deren Verlauf Eilish, ihre verbliebende Familie, zu der auch ihr dementer Vater gehört, zusammenzuhalten. Neben lebenspraktischen Herausforderungen, wie dem Sicherstellen der Versorgung mit Nahrung, Strom und anderen Gütern, die zunehmend durch einen Krieg zwischen Rebellengruppen und dem neuen Regime verunmöglicht wird, nimmt Lynchs Roman dabei vor allem die innerfamiliären, moralischen Fragestellungen in den Blick. So kämpft Eilish verzweifelt (und leider in Teilen erfolglos) dafür, ihre Kinder vor dem Gefahr nach Außen in Form der Aufmerksamkeit des autoritären Regimes zu verbergen und muss sich zugleich den Anfragen und der Kritik durch ihre Kinder stellen, die ihr unterstellen, zu wenig in die Suche nach ihrem Vater im Speziellen und in den Kampf gegen die gesellschaftliche Veränderung im Allgemeinen investiert zu haben. Klassischen Genrekonventionen der Dystopie folgend, greift „Das Lied es Propheten“ utopische Werte wie Sicherheit, Transparenz nicht nur staatlicher Regulierung, die Abschaffung von Ungleichheit und Zufall, Freiheit und gesellschaftliche Harmonie auf und verkehrt diese in ihr Gegenteil: Überwachung, Willkür, Unfreiheit, Terror und der Verlust von Individualität sind die Folgen dieser Veränderung. So ist das, was hier auf inhaltlicher Ebene passiert, sicher nicht neu und auch in den Spezifikationen, die Lynch am dystopischen Narrativ vornimmt, sicher nicht originell, denn die Veränderung Irlands, von der hier die Rede ist, scheint in jüngster Vergangenheit und vielen Teilen der Welt schon geschehen oder im Gange zu sein. Aus Transparenzgründen sie hier angemerkt, dass ich diese beiden Kritikpunkte auf viele andere Vertreter*innen aus dem umfangreichen Regal der Dystopien übertragen kann, welche auf mich in ihrer Kritik häufig holzschnittartig, von der Zeit überholt und in der Forderung oder Moral, die sich aus ihnen ableiten lässt, häufig zu platt (Eggers und Co. lassen grüßen). Brauchte es also wirklich noch ein weiteres Buch, das uns mit Werkzeugen dieses Genres zeigt, wie schnell Demokratien erodieren und in eine Autokratie kippen können? Wenn man Lynchs Roman gerade als eine solche Warnung liest, dann sicher nicht, aber der Star dieses Romans ist in meinen Augen auch nur bedingt dessen Inhalt. Das Bemerkenswerte ist hier vielmehr die Sprache, die verwendet: In pausen- und damit atemloser Syntax lässt der Booker Prize Gewinner unter der Verwendung zahlloser Synästhesien und teils schräger Metaphern das Grauen, welches über das Land bzw. die Stacks hereinbricht für Leser*innen zu einer drastischen und fast schon greifbaren Erfahrung werden, ohne dabei in Ekel und Grausamkeit zu kippen. Diese Sprache entfaltet eine unglaubliche Sogwirkung, hat sich allerdings für mich zum letzten Drittel des Textes auch ein wenig abgenutzt. Neben der Art und Weise der sprachlichen und erzählerischen Darstellung ist es in meinen Augen ein Verdienst des Textes, seinen Fokus nicht auf die Zusammenhänge und Genese der dargestellten Gesellschaft zu lenken, sondern die innerfamiliären Dynamiken in den Mittelpunkt zu stellen und aufzuzeigen, in welch komplexem Wechselverhältnis die familiäre Mikrobene zu der sie umgebenen Gesellschaft steht. So fand sich für mich in der Frage, was man als Elternteil zu tun bereit ist, um die eigene Familie zu schützen, der eigentliche Kern dieser Geschichte. „Das Lied des Propheten“ ist ein sehr lesenswerter und beeindruckend von Eike Schönfeld übersetzter Roman, den ich euch aufgrund seiner Gegenwärtigkeit (Parallelen u.a. zu den Entwicklungen in Afghanistan drängen sich auf) ans Herz legen will, auch wenn er sicher punktuelle Schwächen aufweist, von denen hier noch der in meinen Augen flache Aufruf zur Empathie gehört, den man aus dem Ende herauslesen kann.
Das war echt krass und echt hart. Längere Rezension folgt.
Eine wirklich realistische Dystopie in Zeiten, in denen das Szenario gar nicht abwegig ist.
Bedrückend, bitter und düster kommt das Lied des Propheten daher. Es zeigt, wie in einer heutigen Zeit nach und nach Menschenrechte in einem Land (hier war es Irland) von einer politischen Bewegung abgeschafft werden können. Mit jeder Seite spürt man, die Lage düsterer und ernster wird. Man spürt die Hoffnung von Protagonistin Eilish immer weiter schwinden. Die grundlegende Prämisse trifft den Nagel für aktuelle Ereignisse aus meiner Sicht genau auf den Kopf, auch wenn ich zwischen durch das Gefühl hatte, es war etwas langatmig.
Die 20 Uhr-Nachrichten kannst du abschalten, sobald es unangenehm wird. Nicht aber diesen Roman! Er fesselt und hält dich gefangen, wie auch die Protagonistin Eilish in ihrer brutalen Realität gefangen ist.
Berauschend - beklemmend - frustrierend - vereinnahmend. » …es liegt beim Staat zu entscheiden, was er glaubt oder nicht, entsprechend seinen Bedürfnissen…« Das Lied des Propheten ist die Geschichte unserer Zeit für alle, die es noch immer nicht begriffen haben: Das Ende naht schleichend und du siehst es nicht kommen. Viele unscheinbare Ereignisse und Veränderungen, kaum ernst zu nehmen, so abgelenkt und vereinnahmt sind wir von unserer eigenen kleinen Welt. Wenn wir uns dann entschließen zu handeln, ist es bereits zu spät! Aber hatten wir denn überhaupt jemals eine Wahl? Was muss geschehen, damit Menschen ihr Leben aufgeben und ihre Heimat verlassen? Dieser Roman macht keinen Spaß! Er ist nicht schön oder angenehm zu lesen. Schonungslos erleben wir aus nächster Nähe, wie eine heile Welt erst langsam, dann immer plötzlicher zu Grunde geht und spüren die pure Verzweiflung Eilishs am eigenen Leib, die dagegen anzukämpfen versucht. Oft war ich frustriert mit ihren „Entscheidungen“ und der anfänglichen Passivität, denn allzu ruhmreiche Heldentaten sind ihr nicht vergönnt. Der Verlauf der Geschichte ist dahingehend sehr realistisch und erlaubt dies konsequenterweise nicht. Die Schlinge der Ohnmacht zieht sich beständig enger zu, bis einem selbst beim Lesen die Luft weg bleibt. Das ist nicht zuletzt auch der besonderen Form des Textes zu verdanken, der ohne Absätze, ohne Markierung und Hervorhebung wörtlicher Rede oder innerer Monologe schwer verdauliche Textblöcke produziert. Immer wieder sorgen die schier endlosen, nur per Komma aneinandergereihten Sätzen für regelrechte Atemnot, versinnbildlichen die Hektik der sich überschlagenden Ereignisse und das Chaos in Eilish‘s Kopf sowie um sie herum. In der Schilderung der konkreten politischen Situation bleibt der Roman ambivalent und somit auf viele Szenarien der realen Welt übertragbar. Die Message ist hingegen laut und deutlich. Die Lektüre war also sowohl aufgrund ihres inhaltlichen Gewichts sowie auch aus literarischer Sicht oft anstrengend und erforderte des Öfteren Verschnaufpausen. Immer jedoch in dem Bann, so bald als möglich weiterlesen zu wollen. Im ersten Moment war ich froh, endlich durch zu sein. Nachdem sich alles etwas setzen konnte, stand der Beschluss das Buch irgendwann nochmal lesen zu wollen. Möglichst das Original und in gedrucktem Format, damit ich diesmal vernünftige Markierungen und Notizen machen kann. » …und der Prophet singt nicht vom Ende der Welt, sondern davon, was getan worden ist und was getan werden wird und was manchen angetan wird, aber nicht anderen, dass die Welt immer wieder aufs Neue an einem Ort endet, aber nicht an einem anderen, und dass das Ende der Welt immer ein lokales Ereignis ist, es kommt in dein Land und besucht deine Stadt und klopft an die Tür deines Hauses und wird für andere nur eine ferne Warnung, ein kurzer Bericht in den Nachrichten, ein Echo von Ereignissen, das in die Folklore eingegangen ist, …« Fazit: Das Lied des Propheten ist unbequem, aber es wird sich nachhaltig in deinem Kopf einnisten. Ein Buch, dass man sicher nicht vergisst, selbst wenn es wenig unterhaltsam und zerstreuend, ja geradewegs anstrengend war.
Es bricht mir wirklich fast das Herz, das jetzt zu schreiben, weil ich mich so sehr darauf gefreut habe, aber ich konnte wirklich garnichts mit „Das Lied des Propheten“ von Paul Lynch anfangen. Irland nach einem Regierungswechsel, eine Partei kommt an die Macht, die mit Angst, Kontrolle und Unterdrückung regiert. Eilishs Mann wird verhaftet und ohne ein Wort an einen unbekannten Ort gebracht. Sie versucht ihre Kinder zu beschützen, den Vater, welcher sich auf halben Weg zur Demenz befindet, zu integrieren, ihren Job zu meistern, die Familie zusammenzuhalten. Doch die Regierung und deren Anhängerschaft dringt langsam und unerbitterlich in jeden Winkel des (privaten) Lebens ein. So gut, wie ich die Idee des Buches finde, über eine Welt zu schreiben, in der eine rechte Partei an der Macht ist, eine Welt, gegen die wir gerade versuchen anzukämpfen, vor der wir Angst haben, besser könnte eine aktuelle Dystopie gar nicht sein. Aber es scheiterte am Schreibstil. Wenn auch wirklich grandios aus dem Englischen von Eike Schönfeld übersetzt, ist mir alles viel zu sperrig, zu viel, zu schnell, fast schon ohne Zusammenhang Eilishs Gedanken runtergerattert. Ich habe andere Rezensionen gelesen, die von fabelhafter Lyrik sprechen, ich fands am End leider nur ermüdend. Außerdem wird hier ein sehr weißer, cis-stereotyper, priveligierter Lebensstil der Hauptperson beschrieben, was okay ist, aber wo mir auch trotzdem etwas Einordnung anderer Gesellschaftsgruppen gefehlt hat. Ab ca. der Hälfte konnte ich nur noch quer lesen, überfliegen und mich zu den letzten paar Seiten durchringen. Schon in der Vergangenheit hatte ich oft meine Probleme mit Dystopien. Vielleicht isses auch das?
Beklemmend, mitreißend, aktuell
Dass Freiheit, Sicherheit und Rechtsstaat nicht selbstverständlich sind und wie schnell ein Wechsel in Machtverhältnissen einen Familienallltag in Chaos, Angst und Hilflosigkeit umkehren kann, beschreibt Lynch wie ich finde sehr eindrucksvoll. Ein beklemmender Roman, der vielleicht aktueller denn je ist.
Unglaublich spannendes Buch. Eine Dystopie, die so realistisch beschrieben ist, dass es teilweise schwer zu ertragen ist.
"Beißen und stechen" soll ein Buch, so Kafka. Dieses ist so! Dystopisch, ja. Aber erschreckenderweise nicht so unrealistisch, wie noch vor einem Jahr. Eine faschistische Regierung in Irland, Rebellen. Keine Justiz, keine Menschenrechte, Folter und Tod. Nichts für schwache Nerven! Die fehlenden Anführungszeichen sind nur ein Schönheitsfehler, entsprechen aber der Atemlosigkeit der Handlung.
Paul Lynch zeichnet in Das Lied des Propheten eine beklemmende Zukunftsvision eines autoritären Irlands.
Ohne Kapitel und mit langen, atemlosen Sätzen vermittelt der Roman eindringlich die Hilflosigkeit der Protagonistin Eilish Stack, die um das Überleben ihrer Familie kämpft. Die Atmosphäre ist intensiv, die Bedrohung allgegenwärtig, und die emotionale Wucht der Geschichte bleibt lange nach dem Lesen spürbar. Einziger Kritikpunkt: Der anspruchsvolle Stil mit verschachtelten Sätzen kann das Tempo bremsen. Dennoch eine beeindruckende und literarisch starke Dystopie. Klare Empfehlung mit kleinem Abzug für die sperrige Erzählweise.
Dramatisch, dystopisch, aber leider nicht fern der Realität in entsprechenden Herrschaftsformen, welche erschreckender Weise auch in Europa und Nordamerika wieder im Aufschwung sind.

Paul Lynch hat mit diesem Werk zweifellos einen modernen Klassiker geschaffen. Der Roman ist unglaublich atmosphärisch und beklemmend. Seine Handlung entwickelt sich langsam und stetig, bis sie schließlich in einer brutalen Eskalation mündet. Beim Lesen stellt sich immer wieder die Frage, ob wir uns nicht selbst am Beginn einer ähnlichen Entwicklung befinden. Allerdings empfand ich den Schreibstil als etwas holprig. Er wirkte auf mich nicht flüssig, sodass ich beim Lesen immer wieder ins Stocken geriet, was meinen Lesefluss beeinträchtigte. Manchmal wirkte der Schreibstil auf mich erzwungen poetisch. Trotzdem ist das Buch lesenswert – auch wenn es definitiv kein Wohlfühlroman ist.
Gruselig dystopisch
Ein dystopisches Werk, das aufzeigt, wie schnell eine faschistische und rechtsradikale Regierung die Macht ergreifen, Gesetze verändern und Menschen entführen, foltern und umbringen kann. Definitive eine „chilling“ reading experience, die einem Angst macht—nicht nur, weil die Geschichte in Irland spielt und somit garnicht soweit entfernt. Sondern weil die Realität heutzutage einfach düster aussieht, wenn man sich die Welt anschaut, und das Szenario vermutlich garnicht mehr so weit hergeholt auch hierzulande. Punkt Abzug, dass Lynch die Perspektive einer Frau gewählt hat, statt auch mal was zu wagen, und aus der Perspektive eines alleinerziehenden Mannes zu schreiben.
Du wirst dich an dem, was kommen wird, nicht beteiligen, sagt sie, sie haben deinem Vater geholt, meinen Sohn werden sie nicht auch noch holen. Sie knetet sich die Hände, als sie sich ihm zuwendet, und was sie da sieht, ist die Unwahrheit, die aus ihrem Mund gekommen ist, so oder so, sie werden ihren Sohn holen, schon geholt steht er vor ihr. Bailey poltert die Treppe herab und kommt in die Küche, er hustet mit offenen Mund. Hand vor den Mund, sagt sie. Ach, sagt er und schaut auf seinen Bruder, wann bist du denn nach Hause gekommen? Er macht den Kühlschrank auf und zieht die Milch heraus. Mam, das Baby heult und ich bin erkältet, muss ich dann nicht zur Schule? - Zitat, Seite 106 ... und geschieht nichts Neues unter der Sonne. Dieses voransgestellte Bibelzitat im Buch hätte mir eigentlich Warnung genug sein sollen. Aber nein, die Lobgesänge auf allen Kanälen mit buchigen Themen haben mich zu dieser Lektüre aus Irland greifen lassen und stellen mich nun vor ein echtes Rätsel: wie haben all die anderen Zugang zu dieser Geschichte von Paul Lynch erhalten? Als Beispiel für mein Problem, eine Verbindung zum Text zu erhalten, sei das Eingangszitat aufgegriffen. Die Ausgangslage ist die folgende: in nicht allzu ferner Zukunft versucht ein totalitäres Regime die Kontrolle über die Bevölkerung zu erhalten. Bürgerkriegsähnliche Zustände zeichnen sich ab, daher ist der Staat bestrebt, so viele junge Männer wie möglich fürs Militär zu rekrutieren. Nachdem ihr Mann bereits unter mysteriösen Umständen verhaftet wurde und verschwunden ist, will die Protagonistin verständlicherweise ihren ältesten Sohn vor diesem Schicksal bewahren und leitet Schritte für dessen Flucht über die Grenze ein. Und dann steht er kurz darauf plötzlich wieder in der heimischen Küche. Ganz ehrlich, passt der Originaltext auch nur im Ansatz zu der emotional höchst aufgeladen Situation? Der Schreibstil dieser Geschichte ist ohne Frage besonders, aber aus ganz persönlicher Sicht passt er überhaupt nicht. Da man sich als Lesende fast ausschließlich bei der Protagonistin Eilish aufhält, die als Mutter mehrerer Kinder auf sich allein gestellt ist, während ihre Welt absolut aus den Fugen gerät, würde man eine emotionale und erschütternde Geschichte erwarten. Aber David Lynch hält mit allen Mitteln auf Distanz. Die Figuren handeln nur, selbst die direkte Rede lässt sich kaum vom übrigen Text trennen. Wenn man, wie bei der verstörenden Küchenszene, den Personen näher kommen möchte, wird man nach wenigen Sätzen total herausgerissen und es wird berichtet, wie das Leben in der Öffentlichkeit gerade zugeht. Auch die Art, wie der Text unnötig durch künstliche Sprachbilder und manchmal fast absurde Formulierungen aufgebläht wurde, hat wenig Leselust aufkommen lassen. Die Geschichte selbst ist vom Ablauf her wenig überraschend erzählt und bleibt ihrem Muster bis zum Ende treu. FAZIT Niemals hätte ich damit gerechnet, dass diese Lektüre so eine riesige Enttäuschung sein würde. Aber aus meiner Sicht kann man sich das Lesen komplett ersparen. Diese Geschichte hat mich weder literarisch noch thematisch packen können. Sehr schade.
Sehr bedrückend.
Zu Anfang habe ich mich mit dem Schreibstil schwer getan. Aber je mehr ich gelesen habe, umso besser kam ich in die Geschichte hinein und war gefangen. Ein anderer Stil hätte die Geschichte nicht so erzählen können. Die Vorstellung, dass deine Welt sich so schnell verändern kann und du ein Flüchtling bist, ist sehr beängstigend. Welche Entscheidung hätte ich getroffen? Ich weiß es nicht. Das Buch hallt noch nach und wird mich auch noch eine Weile beschäftigen.
Was wenn...
es auch hier passiert, auch uns passiert. Mir fehlen die Worte, um das Buch zu beschreiben. Außer: Lest dieses Buch in dem Bewusstsein: Diese Geschichte ist Realität für so viele Menschen auf diesem Planeten. Lest dieses Buch und seid dankbar, dass es nicht eure Geschichte ist. Lest dieses Buch und nutzt eure Stimme, damit es niemals eure Geschichte oder die eurer Kinder werden muss. Lest dieses Buch! Lebenslesehighlight!!!
4,5 junge junge junge so ein scary buch nicht im sinne von horror aber im sinne von dystopie finde den schreibstil sehr interessant da sehr wenig direkt gesagt wird und man doch ziemlich zwischen den zeilen lesen muss
Ergreifend bis zur Schmerzgrenze schildert Paul Lynch das tragische Schicksal einer Familie, die zu spät erkennt, dass das Land nach einem Regierungswechsel in Diktatur und Bürgerkrieg abgleitet. Der Ehemann verschwindet nach Verhaftung, der älteste Sohn geht in den Widerstand, dennoch hält die Protagonistin Eilish an ihrem allmählich untergehenden Zuhause fest, kann sich zur Flucht erst entscheiden, als Heimatstadt und Haus schon in Trümmern liegen, und das Regime ihr auch noch den jüngeren Sohn nimmt. Der Erzählstil ist extrem plastisch. Oft werden in einem einzigen Satz Erlebtes, Gedanken, Träume, Erinnerungen, Gefühle bis hin zu körperlichem Schmerz beschrieben. Oft musste ich das Buch aus der Hand legen, weil jede Zeile weh tat. Ein Alptraum. Das ist ganz große Erzählkunst, erinnert gegen Ende des Romans in seiner Ausweglosigkeit an Kafkas Parabeln. Für mich das bewegendste Buch seit Jahren. Lynchs Geschichte ist zwar fiktiv, bildet aber sicher die Realität gegenwärtiger Krisenregionen ab, macht das Leiden der Bevölkerung für uns greifbarer als Nachrichten und Dokus es je könnten. Mir drängen sich Fragen auf. Wie würde ich handeln, sollte es einmal auch bei uns so weit kommen? Ist unser Rechtstaat gewappnet gegen Demokratiefeinde von innen und von außen? Was tue ich als Bürger eigentlich dafür?

Beim zweiten Mal sogar noch besser, vorallem auch weil in der Originalsprache (obwohl die Übersetzung sehr gut ist). Was für ein wahnsinniges Buch. Es ist gleichzeitig Genuss und Tortur es zu lesen. Genuss weil der Schreibstil so ausserordentlich gut ist. Tortur weil man mit Eilish richtig mitleidet und die Geschichte einfach immer schlimmer wird. Dieses Buch ist definitiv eines meiner absoluten Lieblingsbücher geworden und ich werde es noch viele Male lesen.
Mir fehlen die Worte
Dieses Buch ist wirklich bewegend. Schafft eine Welt, die zugleich unwirklich und dennoch eine Abbildung der echten Erlebnisse vieler Menschen in Krisengebieten ist. Ich bin wirklich überwältigt von diesem Buch.
Das Lied des Propheten ist ein eindringlicher dystopischer Roman. In einem Irland, das unter die Kontrolle einer autoritären Regierung gefallen ist, beginnt für die Wissenschaftlerin und vierfache Mutter Eilish Stack eine unaufhaltsame Abwärtsspirale, nachdem ihr Mann Larry, ein bekannter Gewerkschafter, von der Geheimpolizei verhört und dann spurlos verschwindet. Lynch zeichnet ein düsteres Bild eines Irlands, in dem die Grundrechte aufgehoben und Andersdenkende verfolgt werden. Die Atmosphäre ist bedrückend und beklemmend, und Eilish sieht sich zunehmend unsichtbaren Mächten ausgeliefert, während sie versucht, ihre Familie zusammenzuhalten. Die Bedrohung und die Unsicherheit prägen den Roman, und Lynch versteht es, diese Spannung durch einen intensiven, rasanten Schreibstil zu verstärken. Doch gerade dieser stilistische Aspekt macht das Buch nicht leicht lesbar. Der sprachliche Druck und die immer wiederkehrenden bedrückenden Szenen erzeugen eine große emotionale Belastung. Für mich persönlich war der Schreibstil zwar interessant, aber auch sehr anstrengend. Die dichte, oft überwältigende Sprache verlangte mir viel Konzentration ab, und die brutalen Passagen machten es mir teilweise schwer, weiterzulesen. Einige Szenen musste ich sogar überspringen, da die Schilderungen zu schwer waren. Inhaltlich bietet Das Lied des Propheten eine wichtige und alarmierende Botschaft. Die Parallelen zu aktuellen autoritären Tendenzen in der Welt sind unübersehbar, was den Roman zu einem Schlüsselwerk für unsere Zeit macht. Lynchs Vision eines faschistischen Irlands lässt sich mühelos auf gegenwärtige politische Entwicklungen übertragen, was das Buch umso relevanter macht. Dennoch bleibt für mich der Eindruck, dass Das Lied des Propheten mehr durch seine Thematik und die eindringliche Darstellung einer untergehenden Welt besticht als durch Lesefreude. Der bedrückende Ton und die schonungslose Brutalität haben es mir schwer gemacht, das Buch zu genießen. Es ist zweifellos ein Werk, das zum Nachdenken anregt und aufrüttelt. Fazit: Das Lied des Propheten ist ein literarisch anspruchsvoller und zutiefst bedrückender Roman, der durch seine düstere Vision und seine hochaktuelle Botschaft besticht. Lynch entwirft eine erschütternde Dystopie, die den Leser in Atem hält, aber auch emotional fordert. Ein Buch, das wichtige Fragen stellt, aber nicht leicht verdaulich ist. Zu Recht hat der Roman den Bookzer Prize 2023 gewonnen.
Emotional fesselnd, doch schwer erträglich – Ein Roman, der nachhallt
Paul Lynchs Roman Das Lied des Propheten beeindruckt durch seinen einzigartigen literarischen Stil, der sowohl poetisch als auch altertümlich anmutet – obwohl die Geschichte in der heutigen Zeit spielt. Die Sätze sind oft lang und von zahlreichen Kommata durchzogen, was eine hohe Konzentration beim Lesen erfordert. Dieser kunstvolle, manchmal verschlungene Sprachstil verleiht dem Roman eine besondere Tiefe, die jedoch nicht immer leicht zugänglich ist. Die indirekte Rede und der Verzicht auf Anführungszeichen für Gesprochenes verstärken den Eindruck von Distanz und fördern eine etwas entrückte Atmosphäre. Trotz des anspruchsvollen Stils hat mich das Buch zutiefst mitgerissen, bestürzt und bedrückt. Besonders gegen Ende wurde es schwer erträglich – man hofft auf einen Wendepunkt, doch stattdessen spitzt sich die Lage immer weiter zu. Oft hallte das Gelesene noch lange nach, und ich konnte viele Parallelen zur aktuellen politischen Situation in verschiedenen Ländern sowie zum Beginn des Naziregimes ziehen. Die düstere, bedrückende Stimmung des Romans wird zwar gelegentlich von herzlichen Familienszenen unterbrochen, doch das Gefühl der Bedrohung bleibt stets präsent und verstärkt die emotionale Wucht der Geschichte. Die Hörbuchfassung ist dabei besonders zu empfehlen, da die Sprecherin die langen, verschachtelten Sätze meisterhaft strukturiert und mit den richtigen Pausen für Klarheit sorgt. Insbesondere die wörtliche Rede wird durch ihre Betonung lebendig, was den ungewohnten Stil zugänglicher macht. Auf Spotify ist das Hörbuch ebenfalls verfügbar und eine echte Bereicherung. Obwohl mich das Buch emotional gefesselt hat, konnte ich ihm am Ende nur 4,5 Sterne geben. Gegen Ende fiel es mir schwer, weiterzuhören – nicht wegen mangelnder Spannung, sondern weil die Intensität der Handlung kaum mehr zu ertragen war. Gleichzeitig zeigt dies die Kraft der Geschichte und die Authentizität der erschaffenen Welt. Paul Lynch gelingt es, mit seinem Roman eine bedrückende Realität zu erschaffen, die den Leser auch nach der letzten Seite nicht loslässt.
Beklemmende Dystopie
Irland in der nahen Zukunft - ein totalitäres Regime hat die Macht übernommen. Anhand der Geschichte der Protagonistin Eilish, Wissenschaftlerin, verheiratet mit einem Gewerkschafter und Mutter von vier Kindern, erfahren wir, wie nach und nach die Menschenrechte abgeschafft werden. Das Beklemmende an dem Buch ist, dass alles, was Eilish und ihrer Familie geschieht, irgendwo auf dieser Welt oder in der Vergangenheit tatsächlich geschieht und geschah. Nichts ist surreal, alles könnte tatsächlich passieren. Der besondere Schreibstil von Paul Lynch, der 2023 für dieses Buch den Booker Prize gewann, trägt einen total mit. Ich habe das Buch als E-Book angefangen und als Hörbuch der Onleihe in zwei Tagen beendet.
"Die Welt ergibt sich dem Chaos. Der Boden auf dem man geht fliegt in die Luft."
Durchaus interessanter, erschreckender und durchaus aktueller Roman. Aufgrund der vielen positiven Rezensionen habe ich mir jedoch etwas mehr erhofft. Der Autor schafft es, besonders in der ersten Hälfte eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Man teilt die Ahnungslosigkeit und Hilflosigkeit der Figuren. Der Schreibstil gefiel mir grundsätzlich gut, rutschte aber für mein Empfinden auch immer wieder etwas zu sehr ins pathetische ab. Auch die Passivität der Hauptfigur störte mich zusehends. Ich bin hier recht hin und her gerissen:/
Im ersten Drittel packend und schafft eine bedrohliche Atmosphäre. Irgendwann nervt die Passivität von Eilish, die alles zerstört. Sprachlich abenteuerlich, wirklich nicht leicht zu lesen. Trotz Booker Prize würde ich es nicht weiterempfehlen.
Dystopie
An einem regnerischen Abend in Dublin öffnet die Wissenschaftlerin und vierfache Mutter Eilish Stack ihre Haustür und steht zwei Beamten der neu gegründeten irischen Geheimpolizei gegenüber. Einige Tage später geht ihr Mann Larry, ein bekannter Gewerkschafter, zu einem Verhör und kommt nie wieder. Nach und nach übernimmt ein autoritäres Regime die Macht. Und in ihrem Leben ändert sich alles. Paul Lynch hat für sein Buch „Das Lied des Propheten“ den Booker Prize 2023 erhalten. Ich bin der Meinung, dass dieser Preis verdient ist, auch wenn ich an manchen Stellen mit der Sprache etwas gehadert habe. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch noch für lange Zeit nur eine Dystopie bleibt.
Sprachlich brillant! Ansonsten… beliebig.
Ohne Frage ein sehr aktuelles und wichtiges Thema, welches sehr erschreckend dargestellt wird. An manchen Stellen dachte ich sogar, kann es noch schlimmer kommen… Die Story hat mir wirklich gut gefallen, aber der Schreibstil ohne wörtliche Rede hat mir persönlich so gar nicht gefallen. Er hat mich immer wieder aus dem Lesefluss gebracht und sehr oft wusste ich nicht wer gerade spricht. Schon bei anderen Büchern habe ich mich gefragt, warum man dieses Stilmittel benutzt und was soll es aussagen… Also Story sehr fesselnd und aktuell, aber der Schreibstil hat mir nicht gefallen. Eventuell wäre da das Hörbuch besser…
Wow, hier hat der Autor in meinen Augen etwas ganz Großes geschaffen - und den Booker Prize 2023 verdient erhalten. Zunächst dachte ich, es handle sich hier um eine Dystopie, die in gewisser Weise - ähnlich wie 1984 - erzählt, wie sich das Leben der Menschen in einem totalitärem Regime verändert. In gewisser Weise ist dies auch der Fall; aber Lynch ist weiter gegangen und hat die Zustände konsequent weiter entwickelt. Die Story kreist um das Verschwinden des vierfachen Familienvaters Larry, der sich in einem (fiktiven) nationalsozialistischem Irland plötzlich in der Rolle eines Regimegegners wiederfindet; als Vertreter der Lehrergewerkschaft, wird er zunächst zur Befragung beordert und dann - nach einer Demonstration gegen die Regierung - verhaftet. Seine Frau Eilish steht plötzlich alleine da, mit ihren vier Kindern sowie ihrem dementen Vater. Als Frau eines Regimegegners wird sie stigmatisiert und verliert zunächst den Job und schließlich den Boden unter den Füßen. Von ihrem Mann und seinem Verbleiben erfährt sie nichts, auch Anwälte können nicht helfen, da das Regime sich hinter Notstandsgesetzen versteckt und seine Interessen willkürlich durchsetzt. Während ihr Familien/Privatleben zerbricht, spitzt sich die Situation zu. Es kommt zum Bürgerkrieg, verbunden mit Angriffen auch auf die Zivilbevölkerung. Ihr ältester Sohn schließt sich letztlich der Rebellenarmee an und verschwindet ebenfalls. Eilish erhält das Angebot ihrer in Kanada lebenden Schwester, sie außer Landes bringen zu lassen; doch sie zögert, in der Hoffnung, dass Mann und Sohn zurückkehren und alles wieder gut wird. Schließlich muss sie erkennen, dass sie zu lange gezögert hat - ein weiteres Unglück geschieht. Lynch greift vergangene und aktuelle Themen auf. Man erkennt Parallelen zu totalitären Regimes sowohl im Jetzt, als auch im Damals; sowohl in West, wie auch in Ost. Bürgerkriegsartige Zustände, Angriffe auf die Zivilbevölkerung, Massenfluchten, Schleuserbanden; all dies ist leider gegenwärtig und wird vom Autoren in ein westliches Land transportiert. Mich hat diese Thematik in diesem Umfang sehr nachdenklich gestimmt. Dabei wird das Elend der ganzen Situation in erster Linie auf Eilish‘ Situstion fokussiert; natürlich sieht sie, dass es auch anderen so geht. Ihre eigene Situation zeigt jedoch sämtliche Facetten der Krise auf. Sie verliert einen Hoffnungsschimmer nach dem nächsten - statt, dass es aufwärts geht, wird es nur immer schlimmer. Teilweise habe ich Parallelen zu seinem Buch GRACE entdecken können. So verschwinden Tote oder Vermisste auch hier nicht, sondern begleiten Eilish noch immer; allerdings nicht ganz so ausgeprägt, wie in der Geschichte, die 1845 in Irland spielte. Ebenso ist er seinem - zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftigem - Stil treu geblieben, lange Sätze und Dialoge ohne Anführungszeichen und nur in indirekter Rede zu schreiben. Hat man sich dort hineingelesen, erhält man allerdings literarisch sehr wundervolle Sätze. Ein Beispiel: Die ruhenden Bäume füllen sich allmählich. Bald werden die Bäume ihre Knospen öffnen, um wieder das Frühlingslicht zu sehen, sie denkt darüber nach, über die Kraft eines Baums, wie ein Baum die dunkle Jahreszeit erträgt, was ein Baum sieht, wenn er die Augen öffnet. Und da sieht sie, dass ihre Angst verschwunden ist, die Erleichterung in ihrem Körper, dass nun etwas getan werden kann. Wir werden Weiß tragen, sagt sie und dreht sich um, wir werden uns ihnen anschließen. Sie sieht die Kinder nach oben gehen, ein Gefühl von Wagemut und Anspannung im Haus. Von mir bekommt dieses 311 Seiten lange Werk eindeutige 5/5 und ich empfehle es jedem, der zum einen literarisch hochwertige Texte lesen möchte und zum anderen sich Gedanken machen möchte, über extreme Regimes, Unterdrückung der Bevölkerung und über die Situation von Flüchtlingen; und hier besonders über die Entscheidung, seine Heimat zu verlassen und hierbei sehr viel zu verlieren.
Tolle Story, für mich nicht ansprechende Umsetzung
„Das Lied des Propheten“ ist mein zweites Buch von Paul Lynch und hat es mir nicht leicht gemacht. Die Geschichte erzählt von der Machtergreifung eines totalitären Staates und wird aus der Sicht von Eilish Stack erzählt, deren Mann eines abends bedeutsamen Besuch bekommt und tags darauf spurlos verschwindet. Schnell wird ihr klar, dass die Regierung dafür verantwortlich ist. Doch Antworten erhält Eilish keine. Als sie kurze Zeit darauf ein Einberufungsbefehl ihren 16jährigen Sohn erreicht wird der 4fachen Mutter klar, das sich Irland zunehmend verändert und eine Handlungsunfähigkeit breitmacht. Kündigungen vieler Berufssparten machen die Runde, die Einkaufsmöglichkeiten nehmen ab und hinter jedem bekannten Gesicht ist ein Spitzel zu erwarten. Paul Lynch hat mit seinem aktuellen Roman eine überaus wichtige Dystopie geschrieben, welche ich gerne mit Genuss gelesen hätte. Doch die genutzten stilistischen Mittel haben mir persönlich den Lesefluss enorm erschwert. Szenenwechsel werden selten mit Absätzen markiert und auf eine Kennzeichnung der wörtlichen Rede wurde komplett verzichtet und hat man laufend in den Satz integriert. Dies gibt dem Lesenden unweigerlich den Druck des Protagonisten weiter, doch die hinzukommenden langen Sätze mit unendlich vielen Kommata, erschwerten mir zusätzlich mein Lesevergnügen und ließen mich persönlich nicht in die Geschichte abtauchen. Zudem sind die einzelnen Kapitel sehr lang und die dicht beschriebenen Seiten wirken erschlagend. Sprachlich ist „Das Lied des Propheten“ wieder ein Genuss. Doch leider finden das Buch und ich z.Z. nicht zueinander.
Beklemmende Dystopie, die greifbarer ist, als es uns lieb sein kann. Fokussiert stärker auf Atmosphäre und Beobachtung als auf den Plot – daher ein langsames, aber bei Einlassung ein eindrückliches, teils schmerzlich wuchtiges Buch. Ein Buch, das allerdings auf geduldige Leser*innen angewiesen ist.
Sternebewertung fiktiv
Ich habe ein unglaubliches Hörbuch gehört. „Das Lied des Propheten“ist nicht umsonst Booker Prize Sieger 2023. Wir befinden uns in Irland. In einer dystopischen Zukunft. Eine rechte Partei hat die Macht übernommen. Schnell werden Veränderungen bemerkbar. Bürgerrechte werden ausgesetzt, Parteigegner verhaftet . Wir lernen Eilish Stack kennen. Ihr Mann Larry ist Gewerkschaftsvertreter. Eines Abends wird er zu einer Befragung des neu gegründeten Geheimdienstes mitgenommen. Ein paar Tage später wird er auf einer friedlichen Demo verhaftet. Viele werden verhaftet und in sogenannte neue Arbeiterlager außerhalb der Stadt gebracht. Seine Frau bleibt mit vier Kindern allein. Alle sind angespannt, der schnelle Wandel, die vielen Verbote. Die Faschisten greifen radikal durch. Die Diktatur ist eingezogen. Wer nicht 100% mitgeht ist ein Gegner. Eilish überlegt die ganze Zeit, ob sie mit ihren Kindern nach Kanada flüchten soll. Ihr Sohn ist 16. Viele Jungs werden zum Dienst eingezogen. Auch in seinem Alter. Doch dann ist es zu spät. Niemand kommt mehr weg. Eilish wird gemieden, verliert ihren Job. Versucht sich und die Kinder zu schützen. Eine spannende Story bis zum Ende. Nie war ein Buch so aktuell. Diese Geschichte ist so spannend, so beängstigend und so echt. Das geschichtliche Rad dreht sich. Diese Geschichte ist ein Weckruf. Die wichtigsten Fragen waren für mich ganz klar: Wann würde ich gehen? Hätte ich den Mut? Würde ich die Ernsthaftigkeit der Situation rechtzeitig erkennen? Wir glauben, dass das nicht passieren kann. Aber was ist, wenn „nie wieder“ doch bald wäre? Eine grandiose Geschichte, auch als Hörbuch.
Erschreckend und beängstigend, aber so gut! Es hat mich richtig gepackt.
Was für ein ergreifende Buch. Es bleiben einem fast die Worte weg, so nah kann es an der Realität sein oder ist es an der Realität. Ich habe selten so einen emotionalen, traurigen, teilweise düsteren, beoachtenden und gefühlvollen Roman gelesen über Menschen die aufgrund eines Regimewechsels in die Enge getrieben werden, an ihrem Leben festhalten wollen, viel Leid ertragen, da sie nicht wahrhaben wollen, dass es an der Zeit ist zu gehen, um im Endeffekt doch den großen Schritt gehen, weil ihnen keine andere Wahl bleibt. Ich hoffe das wir weiterhin die Wahl haben werden in einer Demokratie zu leben und solch eine Geschichte nie selber erleben müssen. Der Autor denkt sich in die Protagonistin ein mit ihren Gedanken umd Träumen. Dadurch wird man fast wie einTeil in der Geschichte bzw. erlebt vieles hautnah... Die viel zitierten Schwierigkeiten durch lange Sätze auch ohne wörtliche Rede haben mich nicht gestört. Der Inhalt hielt mich die ganze Zeit bis zum Schluss gefesselt. Absolut lesenswert
„[…] dass das Ende der Welt immer ein lokales Ereignis ist, es kommt in dein Land und besucht deine Stadt […] und wird für andere nur eine ferne Warnung, ein kurzer Bericht in den Nachrichten, ein Echo von Ereignissen, […].“
Sprachlos. Das Buch lässt mich sprachlos, mit Tränen in den Augen zurück.
Gruselig realistisch
„Das Lied des Propheten“ von Paul Lynch wurde mit dem Booker Prize 2023 ausgezeichnet und das meiner Meinung nach zurecht. Eilish ist Wissenschaftlerin, hat vier Kinder und wohnt mit ihrer Familie in Irland. Eines Tages kommt ihr Mann Larry, der Gewerkschafter ist, nicht von einer Demonstration nach Hause. Er wurde wahrscheinlich vom neuen Regime ohne Anklage verhaftet und ist seither verschwunden. Sie muss sich nun allein um ihre Kinder und ihren dementen Vater kümmern, während sie versucht Antworten zum Verbleib ihres Mannes zu bekommen und sich die politische und gesellschaftliche Situation im Land immer weiter zuspitzt. Der Roman wird aus der Sicht von Eilish erzählt. Ungewöhnlich ist die sehr anspruchsvolle poetische Sprache, die mit vielen sprachlichen Bildern gespickt ist. Die Stimmung des Buches ist von Anfang an sehr düster. Umso beklemmender ist das Ganze, wenn man sich vor Augen führt, dass das Geschilderte in der Vergangenheit schon oft so passiert ist und wenn man sich die aktuellen faschistischen Bewegungen, die es gerade in den meisten Ländern gibt, vor Augen führt. Mich hat das Pacing etwas gestört. Auf der einen Seite wird der Verlusts der Sicherheit der Familie und das Chaos im Land eindrücklich und intensiv dargestellt, aber zwischendurch hat mir etwas das Tempo gefehlt. Ich fand es stellenweise zu langgezogen, die sehr langen Kapitel tragen dazu ihren Teil bei.
Paul Lynch hat mit "Das Lied des Propheten" ein eindrucksvolles und poetisches Werk geschaffen, das in vielerlei Hinsicht herausragt.
Sollte man gelesen haben. Auch wenn ich mir das Ende anders gewünscht hätte.
Puh. Ein unfassbar düsteres Buch, ein Text, der ziemlich sprachlos zurücklässt. Zu Beginn befürchtete ich, dass die Lektüre recht anstrengend werden könnte. Lynch verwendet sehr verschachtelte Sätze, sehr lange Kapitel und wenig Absätze. Aber seine Sprache ist messerscharf. Die Sätze hämmern sich stakkatohaft ins Innere der Lesenden und dies passt sehr gut zur Geschichte von Eilish, Mutter von vier Kindern, deren Mann verschwindet, nachdem ein faschistisches Regime in Irland die Macht ergriffen hat. Danach geht es Schlag auf Schlag, die Eskalation geschieht rasch. Insofern passt die sprachliche Form, wenn auch nicht immer leicht zu konsumieren, doch verblüffend gut zum Inhalt. Die irgendwann nur noch ums Überleben kämpfenden Figuren haben keine Atempause, Lynch' mitunter brutale, stakkatohaft anmutende Sprache lässt den Lesenden ebenfalls keine Atempause. Das ist literarisch aufregend, politisch sehr beunruhigend und nicht gerade stimmungserhellend. Aber in diesem Fall stimmt der Superlativ der Rezensionen, das Buch sei "das Buch der Stunde". Das ist es tatsächlich. Brisant, schonungslos, hochpolitisch und (man möchte fast schreiben leider) auch bis zum Ende konsequent. Der Booker Prize ist in der Tat verdient, auch wenn mir der srilankanische Vorjahres-Gewinner "Die sieben Monde des Maali Almeida" noch etwas besser gefallen hat. Denn mir fallen die Figuren doch etwas allzu oft in eine innere Leere, Dunkelheit, Düsternis oder ähnliches. Und etwas weniger adjektivlastig hätte der Text auch sein dürfen. Und man kommt bei der Lektüre doch immer wieder an den Punkt, dass man nicht mehr kann, weil es die Grenze des Ertragbaren doch immer wieder streift, wenn nicht gar überschreitet. Gleichzeitig konnte ich es aber auch nie länger als ein paar Stunden aus der Hand legen. Dieser Widerspruch ist eine der vielen Qualitäten des Romans. Ich bin froh, ihn im Sommer gelesen zu haben. Da kann man zwischendurch in eine hellere Wirklichkeit entkommen. Für mich also eher keine Herbst-, Winterlektüre. Wobei: Eigentlich verdient dieser Roman jahreszeitenübergreifend meine (fast) uneingeschränkte Leseempfehlung.
An important book, depressing and beautiful at the same time - a reminder that freedom and peace are luxuries that should not be taken for granted. I don’t understand the criticism regarding the author’s style, I found his way of writing unique and refreshing. My criticism is that the other characters next to Eilish seem a bit pale and superficial. I did not like the end. And finally, the author’s vagueness regarding the political circumstances that set the framework for his story was a disappointing.
Das Buch ist okay, es hatte allerdings ein sehr schlechtes Timing.
Was mir gefällt ist das Cover, die Idee und die Schreibweise, was mir nicht gefällt ist, dass die Protagonistin mit ihrer Haltung mich zur Weißglut bringt. Erst klopft es nur an der Tür und mit jedem Mal wird es schärfer und gefährlicher und sie handelt wie ein störrischer Esel. Das hat mich tierisch genervt und der Umstand, dass ich zweites Buch hintereinander gelesen habe über und in Irland hat auch nicht wirklich geholfen. Gutes Buch zum falschen Zeitpunkt, aber ich bin froh es gelesen zu haben auch wenn die Protagonistin mir arge Kopfschmerzen bereitet hat.
Dystopie, die den Zeitgeist leider sehr gut trifft
War das Buch leicht zu lesen? Nein. Hat es Spaß gemacht zu lesen? Auch nein. Ist es unfassbar emotional, literarisch und fesselnd? Definitiv ja! Irland nach einem Regierungswechsel. Alles verändert sich in kürzester Zeit. Ständig fällt der Strom aus, Soldaten patrouillieren die Straßen und unzählige werden “grundlos” verhaftet. Es ist eine Dystopie und dennoch hatte ich während des Lesens das Gefühl, dass es Realität sei, und das war beängstigend! Der Schreibstil ist wohl gewöhnungsbedürftig, mir persönlich fiel es schwer, den Zusammenhang zu verstehen an der ein oder anderen Stelle. Oft war ich verwirrt und musste mehrmals lesen. Stilistisch natürlich unfassbar passend, da es beim Lesen genau diese Verzweiflung, das Chaos, den fehlenden Überblick und die Hilflosigkeit widerspiegelt. Ein wichtiges Buch, das ich jeden ans Herz legen kann.
















































