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Nach GRACE und DAS LIED DES PROPHETEN nun der dritte Roman, den ich von Paul Lynch gelesen habe. Beide Romane waren Highlights für mich; obwohl Lynch den Leser in beiden Geschichten ganz unterschiedlich abgeholt hat, überzeugt er doch mit knallharter Poesie und einem lyrischen Stil, den er in die Gegenwartsliteratur überträgt. GRACE im Irland der Hungerjahre, mit mystischen Elementen - DAS LIED DES PROPHETEN in einem fiktiven Irland mit starken Menschen, die unter einer totalitären Regierung leiden und versuchen, Widerstand zu leisten. In JENSEITS DER SEE greift Lynch nun ein Thema auf, welches man aus der Literatur bereits kennt und baut es in seiner kraftvollen und dabei recht anspruchsvollen Art zu schreiben, zu einem Roman aus, der einen nicht mehr loslässt. Vor der Küste Mexikos geraten der alte Fischer Bolivar und seine Hilfskraft Hector in einen starken Sturm - ihr Boot gerät vom Kurs ab und ist nicht mehr manövrierfähig; auch das Funkgerät fällt aus. Die beiden treiben immer weiter auf die offene See. Zunächst optimistisch, müssen sie bald erkennen, dass eine Rettung immer unwahrscheinlicher wird. Hector ist verzweifelt, wollte er doch gar nicht mit in See stechen und hat sich von Bolivar, den er kaum kannte, überreden lassen. Die beiden grundverschiedenen Männer raufen sich schließlich zusammen und versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Dabei nähern sie sich an, erzählen aus ihrem Leben und werden - in ihrer Notsituation - zu etwas wie Freunden. Doch nach langer Zeit auf See eskaliert die Situation schließlich - etwas furchtbares passiert… Ein - wie ich finde - grandiose Hommage an Werke, wie DER ALTE MANN UND DAS MEER oder MOBY DICK; und das, ohne dass Lynch sich an etwas schon dagewesenem bedient. Nein, er schafft etwas Eigenes, etwas Neues in einem bekannten Rahmen. »Dass der Ozean eine Färbung hat, ist eine Lüge unter Männern.« »Er erinnert sich daran, was einer mal gesagt hat, dass ein gesendetes und nie empfangenes Funksignal auf immer die Erde umkreisen kann, ein verschollener Ruf der Toten.« »Nachts hört Bolivar auch Hector weinen. Trauer ist etwas, das formlos zwischen ihnen sitzt.« »Weißt du, Porky, du hast kein anderes Herz berührt. Also kann es auch keine Trauer geben.« Die Geschichte zweier Männer, die sich kaum kennen, dann aber doch gegenseitig ihr Leben gestehen - eine Geschichte, die ich absolut empfehlen möchte! Von mir 5/5
Aug 3, 2025
Nach GRACE und DAS LIED DES PROPHETEN nun der dritte Roman, den ich von Paul Lynch gelesen habe. Beide Romane waren Highlights für mich; obwohl Lynch den Leser in beiden Geschichten ganz unterschiedlich abgeholt hat, überzeugt er doch mit knallharter Poesie und einem lyrischen Stil, den er in die Gegenwartsliteratur überträgt. GRACE im Irland der Hungerjahre, mit mystischen Elementen - DAS LIED DES PROPHETEN in einem fiktiven Irland mit starken Menschen, die unter einer totalitären Regierung leiden und versuchen, Widerstand zu leisten. In JENSEITS DER SEE greift Lynch nun ein Thema auf, welches man aus der Literatur bereits kennt und baut es in seiner kraftvollen und dabei recht anspruchsvollen Art zu schreiben, zu einem Roman aus, der einen nicht mehr loslässt. Vor der Küste Mexikos geraten der alte Fischer Bolivar und seine Hilfskraft Hector in einen starken Sturm - ihr Boot gerät vom Kurs ab und ist nicht mehr manövrierfähig; auch das Funkgerät fällt aus. Die beiden treiben immer weiter auf die offene See. Zunächst optimistisch, müssen sie bald erkennen, dass eine Rettung immer unwahrscheinlicher wird. Hector ist verzweifelt, wollte er doch gar nicht mit in See stechen und hat sich von Bolivar, den er kaum kannte, überreden lassen. Die beiden grundverschiedenen Männer raufen sich schließlich zusammen und versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Dabei nähern sie sich an, erzählen aus ihrem Leben und werden - in ihrer Notsituation - zu etwas wie Freunden. Doch nach langer Zeit auf See eskaliert die Situation schließlich - etwas furchtbares passiert… Ein - wie ich finde - grandiose Hommage an Werke, wie DER ALTE MANN UND DAS MEER oder MOBY DICK; und das, ohne dass Lynch sich an etwas schon dagewesenem bedient. Nein, er schafft etwas Eigenes, etwas Neues in einem bekannten Rahmen. »Dass der Ozean eine Färbung hat, ist eine Lüge unter Männern.« »Er erinnert sich daran, was einer mal gesagt hat, dass ein gesendetes und nie empfangenes Funksignal auf immer die Erde umkreisen kann, ein verschollener Ruf der Toten.« »Nachts hört Bolivar auch Hector weinen. Trauer ist etwas, das formlos zwischen ihnen sitzt.« »Weißt du, Porky, du hast kein anderes Herz berührt. Also kann es auch keine Trauer geben.« Die Geschichte zweier Männer, die sich kaum kennen, dann aber doch gegenseitig ihr Leben gestehen - eine Geschichte, die ich absolut empfehlen möchte! Von mir 5/5
Aug 3, 2025






