Ungleich vereint
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Description
»Wer in der Ost-West-Debatte mit Schuldbegriffen operiert, ist schon auf dem Holzweg.«
Die Diskussion über Ostdeutschland und das Verhältnis zwischen Ost und West flammt immer wieder auf. Sei es anlässlich runder Jubiläen, sei es nach Protesten – oder nach Wahlen. Und dennoch gibt es in dieser Debatte keine Verständnisfortschritte. Sie dreht sich im Kreis, auf Vorwürfe folgen Gegenvorwürfe: »Ihr seid diktatursozialisiert!« – »Ihr habt uns ökonomisch und symbolisch kleingemacht!«
Im November 2024 jährte sich der Mauerfall zum 35. Mal. Zuvor erlangte die AfD bei drei Landtagswahlen große Erfolge.In dieser Lage meldet sich der »gefragteste Gesellschaftsdeuter im Land« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) mit einer differenzierten Intervention zu Wort.
Steffen Mau setzt sich mit prominenten Beiträgen auseinander und widerspricht der Angleichungsthese, laut der Ostdeutschland im Lauf der Zeit so sein werde wie der Westen. Aufgrund der Erfahrungen in der DDR und in den Wendejahren wird der Osten anders bleiben – ökonomisch, politisch, aber auch, was Mentalität und Identität betrifft. Angesichts der schwachen Verwurzelung der Parteien plädiert Steffen Mau dafür, alternative Formen der Demokratie zu erproben und die Menschen etwa über Bürgerräte stärker zu beteiligen.
NDR Sachbuchpreis 2024 (Longlist)Bayerischer Buchpreis 2024 (Shortlist)
Platz 1 Bestseller in FOCUS, stern und Börsenblatt
Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste (DLF Kultur/ZDF/DIE ZEIT)
Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste (WELT/NZZ/rbbKultur/Ö1)
Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste
Book Information
Author Description
Steffen Mau, geboren 1968, ist Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2021 erhielt er den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seine Bücher Ungleich Vereint. Warum der Osten anders bleibt (2024) sowie die gemeinsam mit Thomas Lux und Linus Westheuser verfasste Studie Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft (2023) standen monatelang auf der Sachbuch-Bestenliste und auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Für Ungleich Vereint erhielt er außerdem den Bayrischen Buchpreis 2024 und stand auf der Shortlist für den Sachbuchpreis des Norddeutschen Rundfunks.
Posts
Der Osten wird anders bleiben, ökonomisch politisch und mental, meint der Autor, ein in Rostock aufgewachsener und in Berlin lehrender Soziologe, eine Angleichung an westliche Verhältnisse und Integration ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Erhellend, gut lesbar und absolut lesenswert!
Im Prinzip eine aktualisierte und verdichtete Fassung seines vor einigen Jahren erschienenen Sachbuchs Lütten Klein
Steffen Mau erklärt auf der Grundlage soziologischen Daten, warum der Osten so anders ist, und vermutlich auch bleiben wird. Die ausgeprägte Ossifikation, die geringe Verankerung politischer Partizipationsmöglichkeiten, die ostdeutsche Identität und die politischen Konflikte. Er konstatiert besorgniserregende Allmählichkeitsschäden an unserer Demokratie. Lesenswert.
Horizonterweiternd.
Steffen Mau arbeitet in "Ungleich vereint" aus, welche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland (bis) heute bestehen und geht auch auf die vielfältigen Gründe hierfür ein. Es ist eben nicht angezeigt, die eine oder die andere Seite Deutschlands mit einem Stempel zu versehen. Die Unterschiede sind vielfältig und haben verschiedenste Ursachen. Ein Lösungsansatz zur Verbesserung der politischen Partizipation und somit auch der politischen Kultur im Osten wird vorgestellt. Alles in allem ein sehr interessantes Buch, für mich als "Ossi" (nach Herkunft) der im Bereich der "alten BRD" lebt sowieso interessant und von großem Interesse. Schön auch festzustellen, dass der Autor dem Anspruch gerecht wird, nicht mit dem Finger auf eine Seite zu zeigen. Das Buch liest sich aus meiner Sicht aber schon sehr "sperrig", was sicher auch auf den beruflichen Background von Steffen Mau zurückzuführen ist.
Am Anfang war ich noch enttäuscht. Es wurden sehr viele Fakten einfach nur aufgelistet, ohne Ursachen oder Lösungsansätze aufzuzeigen. Das hat sich jedoch im Verlauf geändert. Ich konnte viele seiner Argumentationen nachvollziehen und fand es spannend, wie Mau die fehlende Parteienbindung als Problem darstellt und für Bürgerräte als basisdemokratisches Mittel vorschlägt. Seine Seitenhiebe gegen 'der Osten eine westdeutsche Erfindung' fand ich etwas zu häufig. Aber dieses Buch hat ja anscheinend zu ziemlichen Kontroversen geführt.
Ich habe mit sehr viel Mühe gegeben dieses Buch zu mögen. Ich halte das Thema für wichtig und dringlich. Zudem ist in diesem Buch sehr viel Gutes enthalten. Viele neue Gedanken, gute Argumente und vor allem auch - im Gegensatz zu anderen ähnlichen Werken - konkrete und umsetzbare Vorschläge zur Verbesserung. Aber trotzdem habe ich mir wirklich schwer getan in dieses Buch zu finden. Es setzt sehr viel Voraus und man muss sehr belesen sein um allem gut folgen zu können. Ich glaube ich würde es dennoch empfehlen, aber kann dennoch nur 3 Sterne vergeben.
Ein gutes und kritisches Überblickswerk
Es gibt schon viele Bücher über den Osten. Bücher die verurteilen, Bücher die erklären. Auf den ersten Blick mag es so wirken, als würde sich Steffen Mau mit „Ungleich vereint“ einfach nur in eine lange Reihe von Diagnosen über Ostdeutschland einreihen. Aus meiner Sicht stellt das Buch jedoch eine gute Zusammenfassung verschiedener Stimmen über Ostdeutschland dar, den er mal widerspricht oder Zustimmung äußert. Auch wenn ich schon viele Bücher über „den Osten“ gelesen habe und mir einige Ansätze bekannt vorkamen, eignet sich dieses Buch dennoch um sich einen Überblick zu verschaffen.

„Will man die heute erkennbaren Aushärtungen einer ostdeutschen Teilgesellschaft verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass die deutsche Einheit eine Mesalliance zweier recht ungleicher Partner war.“ Stefan Mau seziert die deutsche Gesellschaft, um zu zeigen, warum sich alte und neue Bundesländer bis heute in vielen Aspekten unterscheiden. Auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung dauern die Diskussionen über Unterschiede zwischen Ost und West an – und werden durch aktuelle Wahlergebnisse immer wieder neu befeuert. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema erscheint daher besonders relevant. Tatsächlich bringt der Autor Punkte zutage, die inzwischen gerne verdrängt werden und für die Debatte wichtig sind. Allerdings neigt Mau stellenweise dazu, über andere Autor:innen oder ganze Bevölkerungsgruppen zu urteilen, was seine sonst analytische Haltung untergräbt und mich an seiner wissenschaftlichen Distanz zweifeln lässt. Was mich beim Hören neben den komplexen Wortkonstruktionen störte, waren die wiederholten Verweise auf spätere Kapitel („dazu später mehr“), die für mich keinen Mehrwert boten. Der Sprecher hingegen vermittelt den anspruchsvollen Text klar und verständlich. Für ein wirklich gelungenes Werk hätte ich mir etwas mehr Sachlichkeit – und vielleicht auch mehr Raum für die komplexen Zusammenhänge – gewünscht.
Wichtig. Für das Verständnis zwischen Ost und West. Für die Demokratie und die Zukunft.
Steffen Mau zeichnet in seinem Buch „Ungleich vereint - Warum der Ost anders bleibt“ ein deutliches Bild über die Zeit seit dem Einigungsprozess. Hierbei vor allem aber mit dem Fokus darauf, was es braucht, damit Unterschiedlichkeiten anerkannt werden in Bereichen, wo es sinnvoll ist, aber eben auch, wo wir noch mehr reingeben müssen, damit Ungleichheiten bekämpft und minimalisiert/aufgelöst werden. „Die Gegenwart trägt immer die Last der Vergangenheit, niemand existiert ohne Prägungen und Erfahrungen. Schon allein deshalb verbietet es sich zu erwarten, andere sollten so werden wie man selbst.“ (Seite 20) Mit seiner Idee, die neuen Bundesländer zu einem „Labor der Partizipation“ zu machen, sorgt er zu mindestens bei mir für einen positiveren Blick auf die Zukunft. Aber nur wenn Politik und Gesellschaft sich zusammen auf dem Weg machen.
Das wichtigste Buch des Jahres
Nach Dirk Oschmann und Katja Hoyer endlich eine Sicht auf die Thematik, die sachlich und unemotional daherkommt. Ein dichter Text, der Worte für meine diffusen Gefühle findet, wenn ich an die Zeit nach 1989 denke. Mau versteht es, stringent zu argumentieren, analysiert genau und schafft so ein unglaublich wichtiges Buch - gerade im Hinblick auf die Gefährdung unserer Demokratie. Er weist niemandem die Schuld an dieser oder jener Entwicklung zu, aber zeigt Gründe und Entwicklungslinien auf. Eine Pflichtlektüre für alle Einwohner unseres Landes!
Ich gehe eigentlich eher selten an ein Sachbuch heran - noch seltener als Hörbuch. Doch ist mir dieses - ob seines Titels - irgendwie ins Auge bzw. ins Ohr gesprungen. Gelesen von Heiko Grauel, nimmt es den Leser/Hörer mit, in eine Gesamtdeutsche Angelegenheit - nämlich die Vereinigung von Ost- und Westdeutschland. Inwieweit ist hier die Tragnsformation gelungen - oder auch nicht. Und inwieweit ist die AfD bzw. ist ein Rechtsruck ein Ostdeutsches oder nicht velmehr ein Gesamtdeutsches Problem. Ich persönlich finde es bei Werken dieser Art immer wichtig, zu wissen, welchen Hintergrund der Autor hat - wie ist es um seine Motivation bestellt? Daher habe ich mich WIKIPEDIA bedient und ZITIERE: Steffen Mau (* 31. Oktober 1968 in Rostock) ist ein deutscher Soziologe und Professor für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Mau gehört seit 2021 zum Sachverständigenrat für Integration und Migration. Mau wuchs als Sohn eines Abteilungsleiters im Schiffbaubetrieb und einer Ärztin in der Rostocker Neubausiedlung Lütten Klein auf. Mau absolvierte vor der Wende eine Lehre als Elektronikfachkraft beim VEB Schiffselektronik Rostock. Ein Studium der Mathematik und Physik, zu dem er 1988 delegiert wurde, trat er nicht an. Er studierte von 1991 bis 1997 Soziologie und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Von 1998 bis 2001 promovierte er als erster ostdeutscher Doktorand am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz zum Thema Wohlfahrtsstaat. Es folgten berufliche Stationen an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Bremen, wo er 2003 eine Juniorprofessur und 2005 eine Professur für politische Soziologie erhielt. Seit 2015 hat er die Professur für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin inne und forscht u. a. zu den Themen soziale Ungleichheit, Transnationalisierung, europäische Integration und Migration. Sein Buch Lütten Klein (2019) stand auf der Spiegel-Bestsellerliste. In dem Buch schreibt er über die Transformationsgeschichte des Ortes im Zuge des Zusammenbruchs der DDR. Im Wintersemester 2020/21 war Mau Mercator Senior Fellow der Stiftung Mercator. Mau beschäftigt sich auch intensiv mit der Frage, inwieweit wir in Deutschland in einer gespaltenen Gesellschaft leben. Grund seiner empirischen Forschungsergebnisse vertritt er die Meinung, dass Deutschlands Gesellschaft nicht in dem Sinne gespalten sei, dass sich zwei Großgruppen gegenüberstünden; vielmehr finde eine Radikalisierung der Ränder des politischen Spektrums statt, wobei insbesondere der rechte Rand mit einer immer stärker über Emotionalisierung gesteuerten Politik („Affektpolitik“) bis weit in die Mitte des politischen Spektrums hineinwirken würde. Mau war 2022 bis 2023 Mitglied der Jury für den Standortwettbewerb für das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation. Im Januar 2021 wurde Mau durch die Bundesregierung in den Sachverständigenrat für Integration und Migration berufen. Auszeichnungen (Auswahl) 2021: Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2021: Mitglied der Academia Europaea 2023: Schader-Preis 2023: Communicator-Preis Zitat aus WIKIPEDIA ENDE Tatsächlich hat der Autor mich im Lauf des Buches mehr und mehr zum Nachdenken gebracht. Denn es ist - gerade auch nach den beängstigenden Ergebnissen der Europawahl - zu kurz gedacht (und ich gestehe, ich habe bislang zu kurz gedacht), die Ostdeutschen seien einfach empfänglicher für die rechten Parteien, da sie sich ein Stück weit zurück sehnen in ein autoritäres System. Aber nein, die Zusammenhänge sind sehr viel komplexer; ja, die AfD findet im Osten größeren Zuspruch, als im Westen. Und ja, dies hängt mit der Vergangenheit der Ostdeutschen zusammen - jedoch auch mit der der Westdeutschen, mit einem Versagen der sogenannten Volksparteien im Osten und mit dem Verstummen der liberalen Mitte, die sich zurückzieht, wenn die Extreme zu laut, zu aggressiv werden. Die Ostdeutschen sehnen sich nicht - wie häufig behauptet wird - zurück in einen autoritären Staat, in eine Diktatur. Allerdings haben sie zwei Diktaturen hintereinander durchlebt, erst den der NSDAP, dann den der SED. Das Ende der Nazi-Diktatur wurde auch im Osten durch eine Entnazifizierung begleitet - die wichtigen 1968er Proteste, die aufgezeigt haben, dass noch immer ehemalige Parteimitglieder und wichtige Mitläufer in entscheidenden Institutionen zu finden waren, haben in der DDR nicht stattgefunden. Das Ende der zweiten Diktatur wurde zudem nicht richtig aufgearbeitet - es gab keine der Entnazifizierung entsprechenden Prozesse, auch wenn es eine Überprüfung der STASI-Akten gab; doch gab es SED-Mitglieder, Mitläufer, Opfer, Täter… und doch wurde einfach „neu weitergemacht“. Der Westen hat schlichtweg versucht, das westliche Demokratiegefüge der Ex-DDR (und seinen Bürgern) überzustülpen - was gescheitert ist, da sich die Ostdeutschen - einfaxch ausgedrückt - wieder fremdbestimmt fühlten. Zudem ist nach der Wende auch ein soziales Vakuum entstanden. Denn auch das Sozial-Leben in der DDR wurde sehr stark von der SED bestimmt - Institutionen, wie Kirche, Vereine, Freiwillige Feuerwehren, wie wir sie im Westen kennen, gab es dort so nicht; und dort, wo diese nun aufgebaut wurden bzw. auch durch die Handwerkskammern unterstützt wurden, dort vollzog sich sehr schnell und sehr früh eine Infiltrierung durch die AfD oder andere rechte Gruppierungen. Hinzu kommen die demografischen Faktoren; die jungen motivierten Menschen sind abgewandert - eine Zuwanderung gab es nicht und wer keine Chancen in der Abwanderung gesehen hat, ist geblieben - vorrangig mit dem Gefühl, ihm/ihr wäre sowieso alles genommen. Und auch dort findet die AfD Ziele ihrer Angstgesteuerten Politik. All dies - viel besser ausgeführt und erläutert, als ich es kann - und noch viel mehr, zeigt Mau in diesem Buch auf. Ich fand es extrem spannend und erhellend - ich hatte einige Aha-Effekte und mein Bild vom Gesamtdeutschen Konflikt (Ost/West) hat sich ein Stück weit verändert. Für mich waren die Ostdeutschen schon seit langer Zeit keine Ossis mehr; und trotzdem habe ich zu reduziert gedacht, wenn ich die höheren Prozentzahlen der AfD in den Ostdeutschen Ländern gesehen habe. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der offen ist, für neue Impulse und Gedanken - zumal der Autor noch sehr viel mehr erzählt, mehr erklärt, mehr ausführt. Von mir 5/5 Sternen!
Sehr interessante Analyse, die kulturelle, sozioökonomische sowie politische Aspekte betrachtet, um zu erklären, inwiefern der Osten vom Westen unterscheidet. Zudem wird ein Schwerpunkt auf die Entwicklung der AfD gelegt, was über eine reine Betrachtung des Ostens hinausgeht. Überhaupt wird stellenweise untersucht, was in ganz Deutschland zu beobachten ist. Am Ende werden Lösungsvorschläge gegeben, die vor allem dazu dienen, die Demokratie zu schützen und zu stärken. Den Schreibstil fand ich nicht ganz einfach, weswegen ich recht langsam vorangekommen bin. Dennoch empfehlenswerte Lektüre, um Unterschiede und aktuelle Konflikte und Peoblematiken zu verstehen.
Reflektiert und hinterfragt sachlich die Wiedervereinigung. Toller Denkanstoß
Die Vereinigung der Bundesrepublik mit der DDR ist nun schon 35 Jahre zurück. Ich für mich kann nur sagen, dass ich als damals sechsjähriges Kind kaum was davon verstanden geschweige denn mitbekommen habe. Jetzt wohne ich in Berlin, sozusagen im ehemaligen Westteil, arbeiten tue ich in einem Ostbezirk. Jeden Tag, an dem ich zur Arbeit gehe, komme ich am ehemaligen Mauerweg vorbei. Meine Kollegen sind zum Teil in der DDR aufgewachsen. Manchmal sprechen wir darüber, was im Osten und Westen anders gelaufen ist. Und schnell merkt man: bei der Wiedervereinigung ist nicht alles so glatt für den Osten gelaufen, wie man sich das vielleicht gedacht hat. Ungleich vereint zeigt die Schwachstellen der Vereinigung auf. Ob Politik, Währung, Wirtschaft, soziale Unterschiede: es ruckelt immer noch an vielen Stellen. Oft ist noch in den Gedanken der Menschen die Grenze vorhanden. Sie sind nicht nur mit der physischen Grenze aufgewachsen, sie haben sie – trotz Mauerfall – geistig noch verankert. Auch bei der Politik ist ein Wandel deutlich zu spüren. Früher war die politische Gesinnung praktisch offiziell vorgegeben. Heute kann man sich die Partei aussuchen, jedoch ist ein politischer Umschwung auf die entgegen gesetzte Gesinnung deutlich spürbar. Wie wird hier damit umgegangen? Steffen Mau beleuchtet unter verschiedensten Aspekten die Wiedervereinigung, gibt Gedankenanstöße und hinterfragt viele Themenbereiche, aber auch festgefahrene Aussagen. Oft genug ist es mir in dem Buch so gegangen, dass ich erstaunt war, weil ich mich entweder selbst erwischt habe, oder ich viele Sachen gar nicht gewusst hatte. Gerade der Bereich Rente oder die politische Gesinnung sind Themen, die derzeit heiß in den Medien berichtet werden. Mir war aber auch nicht unbedingt bewusst, wie mit diesen Betrieben umgegangen wurde. Der Autor geht für mich sehr sachlich an die Themen heran, ohne große Emotionen hineinzubringen. Ein Hörbuch, das ich mir in der Zwischenzeit noch als Printbuch gekauft habe, weil ich die Themen nochmal bewusst lesen möchte. Absolute Empfehlung, wenn man sich mit dem Thema Wiedervereinigung beschäftigen möchte. Da ich zuerst die Hörbuchversion gehört habe, und dann erst das Buch gekauft habe, kann ich trotzdem die Hörbuchversion sehr empfehlen. der Sprecher Heiko Grauel hat dieses schwere Thema sehr gut vertont und umgesetzt.
In sämtlichen Gesprächen meines unmittelbaren Umfelds sind die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen sowie in Thüringen und Brandenburg allgegenwärtig, die Angst vor ihren möglichen Auswirkungen ist groß. In diesen Diskussionen werden auch Ost-West-Konflikte immer wieder relevant. Mit seinem neuen Buch „Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt“ klinkt sich nun Steffen Mau in diese Diskussion ein. Zunächst entzaubert Mau die so genannte „Einheitlichkeitsfiktion“ der letzten 34 Jahre und diagnostiziert den „Fortbestand zweier Teilgesellschaften“. So gebe es im Osten mannigfaltige Verfestigungs- und Verstetigungstendenzen in Bezug auf Sozialstrukturen (ungleiche Vermögen und Gehälter, großer Niedriglohnsektor, fehlende Eliten), Demografie (Abwanderung, Alterung und Frauenschwund) sowie unterschiedliche Deutungskulturen hinsichtlich des innerdeutschen Beziehungsverhältnisses oder der Geschlechterrollen. So weit, so bekannt. Diese „Frakturen“ zwischen Ost und West versteht Mau jedoch, wie der Soziologe anhand seiner Auseinandersetzung mit Literaturwissenschaftler und Publizist Dirk Oschmann herausarbeitet, nicht als westdeutsches Diskurskonstrukt, sondern als materielle Tatsachen, die es anzuerkennen oder zumindest nicht zu leugnen gilt – und die, so lässt der Titel bereits erahnen, ebenso überdauern und verharren werden. Vor diesem Hintergrund attestiert Mau den Ostdeutschen eine gewisse „Parteienpolitikverdrossenheit“ und erkennt hierzulande eher eine laute Einforderungs- als eine wahrhaftige Mitwirkungsdemokratie. Angesichts der Popularität der AfD, des Niedergangs der meisten demokratischen Parteien oder des Aufstiegs von Partikularparteien in Ostdeutschland werden „völkisch-autoritäre und populistische Einstellungen sowie das Gefühl politischer Machtlosigkeit“ (S. 105) auf Seiten der Bevölkerung deutlich. Um diesen gefährlichen Tendenzen entgegenzuwirken, schlägt Mau die Erprobung und anschließende Etablierung von Bürgerräten vor, nicht als Ersatz, aber als Ergänzung der repräsentativen Demokratie. So sollen verbesserte Möglichkeiten der politischen Teilhabe geschaffen und Menschen langfristig an demokratische Prozesse gewöhnt und gebunden werden. So sieht Mau den Osten als „Labor der Partizipation“ in Vorbildfunktion für Gesamtdeutschland. Diese Anregungen sind keinesfalls neu und überzeugen mich nur bedingt. Bei Bürgerräten, so auch Mau, kommt es auf die genaue Ausgestaltung an, damit sie nicht in einer „Beteiligungsillusion“ und Scheinpartizipation verpuffen. Andernfalls wären sie gar kontraproduktiv und würden die Ablehnung des herkömmlichen Systems nur noch verstärken. Es ist weiterhin anzunehmen, dass Bürgerräte zu spät greifen würden. Viel effektiver wäre eine konsequente Demokratisierung der Bildungseinrichtungen als präventive Maßnahme gegen die frühzeitige Radikalisierung junger Menschen. Zudem wären Bürgerräte selbstredend nur ein langfristiges Mittel, kurzfristig helfen sie uns bei den anstehenden Wahlen jedoch nicht. Während Dirk Oschmann mit „Der Osten: eine westdeutsche Erfindung“ (2023) eher den instinktiv-emotionalen Ossi in mir ansprach, fügt Steffen Mau mit „Ungleich vereint“ jetzt eine analytisch-sachliche Komponente hinzu, für die ich durchaus dankbar bin. Möglicherweise ist es lohnenswert, beide Bücher ergänzend zueinander zu lesen und zu verstehen.
Ein kluges Buch
Ungleich vereint hat mir die deutsche Einheit auf eine ganz neue, differenzierte Art nähergebracht. Steffen Mau schafft es, gesellschaftliche Spaltungen nicht nur zu analysieren, sondern auch verständlich zu machen – mit Empathie, mit Klarheit, mit echtem Interesse für das, was Menschen bewegt. Mich hat beeindruckt, wie uneitel dieses Buch ist. Keine plakativen Thesen, kein Schwarz-Weiß – sondern ein echter Versuch, zuzuhören, zu erklären und Brücken zu bauen. Mau schreibt sachlich, aber nie kühl. Im Gegenteil: Zwischen den Zeilen spürt man, wie sehr ihm das Thema am Herzen liegt. Ein wichtiges Buch für alle, die mehr wollen als einfache Antworten. Und für alle, die verstehen wollen, was es heißt, in einem ungleich vereinten Land zu leben. #UngleichVereint #SteffenMau #OstWestDenken #EinheitNeuVerstehen #GesellschaftLesen #BrückenStattGräben
Sicher keine leichte Lektüre, die es aber wert ist aufmerksam zu lesen. Es gibt interessante Rückblicke mit Erklärung(sversuchen) aber auch interessante Lösungsansätze zur „Wiederbelebung der Demokratie“, was jetzt wichtiger denn je ist!
Ich habe mir beim Lesen folgende „Schlagwörter“ notiert, die im Buch teils ausgiebig ausgeleuchtet werden, die aber darüber hinaus auch anregen zu Überdenken und Hinterfragen: „Kollektivschicksal“ „Anerkennungsdefizit“ „Gesellschaftliche Zweitklassigkeit“ „Neues Selbstbewusstsein Ost“ (nicht immer positiv und der Entwicklung zuträglich) „Westdeutsche Referenzgesellschaft“ „Die Mauer im Kopf wird immer kleiner, je jünger die Kinder sind“ „Kolonialisierungsthese“ „Modernisierungsverlierer“ „Veränderungsmüdigkeit nach dem Nachwende-Turbowandel“ „Erst“ auf Seite 126 stellt der Autor noch einmal klar; „Die Ost-West-Brille, die ich in diesem Buch aufgesetzt habe, sollte uns helfen, klarer zu sehen, wie Geschichte in Strukturen und Identitäten nachwirkt“ S.126 Besonders lesenswert fand ich dann die Einschätzung der momentanen Situation in Deutschland: „Wenn Demokratie jedoch als beständiger, auch persönlich riskanter Kampf wahrgenommen wird,…,kann es passieren das die stille Mitte noch stiller wird und sich aus der Politik zurückzieht“ S.110 und die Erläuterungen zum Mittel gegen Politikverdrossenheit und Chance zur Erhaltung der Demokratie „Bürgerräte“ S. 133 ff Auch ein nachvollziehbarer Fakt (für mich): „Meinungen gehen auf stabile Wertvorstellungen zurück, sie werden aber in der Interaktion mit anderen ge- und überformt, so dass es darauf ankommt, Gelegenheiten für Austausch zu schaffen“ S.138 Für mein Empfinden fehlen in unserer derzeitigen Welt des „allgemeinen Individualismus“, des „zufriedenen Rückzugs“ und der „Meinungsausformung“ durch Facebook und co. (Blickwinkelbeschneidung) solche wirkungsvollen Gelegenheiten. Etwas „erschrocken“ war ich das es eine Sozialwissenschaftliche „Kategorisierung“ für Ostdeutsche gibt: geo-ostdeutsch (nach Wohnort), bio-ostdeutsch (nach Geburtsort) und sozio-ostdeutsch (mit „Osthintergrund“; selbst DDR Staatsangehöriger oder mind. Ein Elternteil ) und emo-ostdeutsch (nach emotionaler Zugehörigkeit) (Mein) Fazit: Ost-Westkonflikte werden sicherlich verschwimmen und verschwinden, eine regionale Zugehörigkeit wird jedoch in vielen Facetten weiter bestehen bleiben. Aber warum nicht, bei Bayern geht es doch auch….🙃
Vereint und dennoch ungleich
Steffen Mau geht in seinem Buch Ungleich vereint Warum der Osten anders bleibt, darauf ein, wie gut die Wiedervereinigung geklappt hat und warum es dennoch so viele Unterschiede gibt. Er beschreibt sehr gut, dass manche Unterschiede einfach nicht verschwinden werden, weil diese sozusagen kulturell bedingt sind und wir lernen müssen dies zu akzeptieren. Steffen Mau gibt zudem Anstöße, was die Regierung tun kann, um die wirtschaftliche Ungleichheit, welche veränderbar ist, abzuschaffen. Am Anfang war ich etwas skeptisch, was dieses Buch betrifft und hatte die Befürchtung, dass die bekannten Klischees abgearbeitet und gefestigt werden. Dem war zum Glück nicht so. Ich würde jedem empfehlen dieses Buch zu lesen oder zu hören, damit wir ein besseres Verständnis für einander bekommen.
Sehr interessante und ausgewogene Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Lage im Osten Deutschlands. Unaufgeregt, nicht polarisierend, wissenschaftlich abwägend. Ein sehr wohltuendes Buch im Geschrei und gegenseitigen Vorwürfen zwischen „Ossis“ und „Wessi“ vor dem Hintergrund der Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg in diesem Jahr.
Kurzes, aber tolles Buch von Steffen Mau. Natürlich kratzt es nur an der Oberfläche, aber Mau stellt die richtigen Fragen und gibt kluge Antworten. Man merkt, dass er sich lange mit der Materie befasst hat. Er arbeitet vor allem die spezifisch ostdeutschen Sichtweisen auf Politik und Demokratie, die sich aus der Geschichte und kulturellen wie materiellen Prägungen ergeben, hervorragend und nachvollziehbar heraus. Auch seine Ansätze für Lösungen sind nachvollziehbar. Absolute Empfehlung.
Verstetigung der Unterschiede statt Angleichung
Steffen Mau stellt die These auf, dass ungleich der Modernisierungstheorie sich die materiellen und ideellen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland verstetigen statt anzugleichen. Er schlüsselt mit vielen Zahlen die Problemlage auf. Mit der These gehe ich auf jeden Fall mit, das drum herum war für mich teils fragwürdig. Das ständige Berufen auf die politische Mitte und Bürgerräte, die nur beraten sollen, als Lösungsansatz hat mich nich überzeugt.
In weiten Teilen sehr hellsichtig und sachlich den Dingen auf den Grund gehend,dann aber auch wieder redundant und allseits Bekanntes mitteilend, zum Schluss aber mit einer realen Idee wie man es verändern könnte. Das ist nicht üblich bei derlei Sachbüchern und wird vo mir honoriert. Abseits der Chancen, die ich seinem Vorschlag mit den Bürgerräten einräume.
Anspruchsvoller Einblick in die Mentalität des Ostens
Ich habe das Buch ausgewählt, da ich ein Team im Osten sitzen habe und diese doch teilweise sehr anders reagieren als meine anderen Teams mit eher im Westen aufgewachsenen Personen. Hinzu kommt, dass ich erst nach der Wende geboren wurde und damit vieles gar nicht miterlebt habe. Dieses Buch hat mir an einigen Stellen Verhaltensweisen erklärt und Verständnis hervorgerufen. Zeitweise war ich auch sehr erstaunt, insbesondere darüber, dass die Personen, die auch erst nach dem Mauerfall geboren wurden, quasi noch mehr in diesem Ost-West-Denken verankert sind. Insgesamt ist das Buch aber auch sehr anspruchsvoll, mit viele Fachbegriffen und Fremdwörtern, die sich nur aus dem Kontext irgendwie erschließen ließen. Ich bin nun gespannt in der Anwendung.
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»Wer in der Ost-West-Debatte mit Schuldbegriffen operiert, ist schon auf dem Holzweg.«
Die Diskussion über Ostdeutschland und das Verhältnis zwischen Ost und West flammt immer wieder auf. Sei es anlässlich runder Jubiläen, sei es nach Protesten – oder nach Wahlen. Und dennoch gibt es in dieser Debatte keine Verständnisfortschritte. Sie dreht sich im Kreis, auf Vorwürfe folgen Gegenvorwürfe: »Ihr seid diktatursozialisiert!« – »Ihr habt uns ökonomisch und symbolisch kleingemacht!«
Im November 2024 jährte sich der Mauerfall zum 35. Mal. Zuvor erlangte die AfD bei drei Landtagswahlen große Erfolge.In dieser Lage meldet sich der »gefragteste Gesellschaftsdeuter im Land« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) mit einer differenzierten Intervention zu Wort.
Steffen Mau setzt sich mit prominenten Beiträgen auseinander und widerspricht der Angleichungsthese, laut der Ostdeutschland im Lauf der Zeit so sein werde wie der Westen. Aufgrund der Erfahrungen in der DDR und in den Wendejahren wird der Osten anders bleiben – ökonomisch, politisch, aber auch, was Mentalität und Identität betrifft. Angesichts der schwachen Verwurzelung der Parteien plädiert Steffen Mau dafür, alternative Formen der Demokratie zu erproben und die Menschen etwa über Bürgerräte stärker zu beteiligen.
NDR Sachbuchpreis 2024 (Longlist)Bayerischer Buchpreis 2024 (Shortlist)
Platz 1 Bestseller in FOCUS, stern und Börsenblatt
Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste (DLF Kultur/ZDF/DIE ZEIT)
Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste (WELT/NZZ/rbbKultur/Ö1)
Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste
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Author Description
Steffen Mau, geboren 1968, ist Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2021 erhielt er den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seine Bücher Ungleich Vereint. Warum der Osten anders bleibt (2024) sowie die gemeinsam mit Thomas Lux und Linus Westheuser verfasste Studie Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft (2023) standen monatelang auf der Sachbuch-Bestenliste und auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Für Ungleich Vereint erhielt er außerdem den Bayrischen Buchpreis 2024 und stand auf der Shortlist für den Sachbuchpreis des Norddeutschen Rundfunks.
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Der Osten wird anders bleiben, ökonomisch politisch und mental, meint der Autor, ein in Rostock aufgewachsener und in Berlin lehrender Soziologe, eine Angleichung an westliche Verhältnisse und Integration ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Erhellend, gut lesbar und absolut lesenswert!
Im Prinzip eine aktualisierte und verdichtete Fassung seines vor einigen Jahren erschienenen Sachbuchs Lütten Klein
Steffen Mau erklärt auf der Grundlage soziologischen Daten, warum der Osten so anders ist, und vermutlich auch bleiben wird. Die ausgeprägte Ossifikation, die geringe Verankerung politischer Partizipationsmöglichkeiten, die ostdeutsche Identität und die politischen Konflikte. Er konstatiert besorgniserregende Allmählichkeitsschäden an unserer Demokratie. Lesenswert.
Horizonterweiternd.
Steffen Mau arbeitet in "Ungleich vereint" aus, welche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland (bis) heute bestehen und geht auch auf die vielfältigen Gründe hierfür ein. Es ist eben nicht angezeigt, die eine oder die andere Seite Deutschlands mit einem Stempel zu versehen. Die Unterschiede sind vielfältig und haben verschiedenste Ursachen. Ein Lösungsansatz zur Verbesserung der politischen Partizipation und somit auch der politischen Kultur im Osten wird vorgestellt. Alles in allem ein sehr interessantes Buch, für mich als "Ossi" (nach Herkunft) der im Bereich der "alten BRD" lebt sowieso interessant und von großem Interesse. Schön auch festzustellen, dass der Autor dem Anspruch gerecht wird, nicht mit dem Finger auf eine Seite zu zeigen. Das Buch liest sich aus meiner Sicht aber schon sehr "sperrig", was sicher auch auf den beruflichen Background von Steffen Mau zurückzuführen ist.
Am Anfang war ich noch enttäuscht. Es wurden sehr viele Fakten einfach nur aufgelistet, ohne Ursachen oder Lösungsansätze aufzuzeigen. Das hat sich jedoch im Verlauf geändert. Ich konnte viele seiner Argumentationen nachvollziehen und fand es spannend, wie Mau die fehlende Parteienbindung als Problem darstellt und für Bürgerräte als basisdemokratisches Mittel vorschlägt. Seine Seitenhiebe gegen 'der Osten eine westdeutsche Erfindung' fand ich etwas zu häufig. Aber dieses Buch hat ja anscheinend zu ziemlichen Kontroversen geführt.
Ich habe mit sehr viel Mühe gegeben dieses Buch zu mögen. Ich halte das Thema für wichtig und dringlich. Zudem ist in diesem Buch sehr viel Gutes enthalten. Viele neue Gedanken, gute Argumente und vor allem auch - im Gegensatz zu anderen ähnlichen Werken - konkrete und umsetzbare Vorschläge zur Verbesserung. Aber trotzdem habe ich mir wirklich schwer getan in dieses Buch zu finden. Es setzt sehr viel Voraus und man muss sehr belesen sein um allem gut folgen zu können. Ich glaube ich würde es dennoch empfehlen, aber kann dennoch nur 3 Sterne vergeben.
Ein gutes und kritisches Überblickswerk
Es gibt schon viele Bücher über den Osten. Bücher die verurteilen, Bücher die erklären. Auf den ersten Blick mag es so wirken, als würde sich Steffen Mau mit „Ungleich vereint“ einfach nur in eine lange Reihe von Diagnosen über Ostdeutschland einreihen. Aus meiner Sicht stellt das Buch jedoch eine gute Zusammenfassung verschiedener Stimmen über Ostdeutschland dar, den er mal widerspricht oder Zustimmung äußert. Auch wenn ich schon viele Bücher über „den Osten“ gelesen habe und mir einige Ansätze bekannt vorkamen, eignet sich dieses Buch dennoch um sich einen Überblick zu verschaffen.

„Will man die heute erkennbaren Aushärtungen einer ostdeutschen Teilgesellschaft verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass die deutsche Einheit eine Mesalliance zweier recht ungleicher Partner war.“ Stefan Mau seziert die deutsche Gesellschaft, um zu zeigen, warum sich alte und neue Bundesländer bis heute in vielen Aspekten unterscheiden. Auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung dauern die Diskussionen über Unterschiede zwischen Ost und West an – und werden durch aktuelle Wahlergebnisse immer wieder neu befeuert. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema erscheint daher besonders relevant. Tatsächlich bringt der Autor Punkte zutage, die inzwischen gerne verdrängt werden und für die Debatte wichtig sind. Allerdings neigt Mau stellenweise dazu, über andere Autor:innen oder ganze Bevölkerungsgruppen zu urteilen, was seine sonst analytische Haltung untergräbt und mich an seiner wissenschaftlichen Distanz zweifeln lässt. Was mich beim Hören neben den komplexen Wortkonstruktionen störte, waren die wiederholten Verweise auf spätere Kapitel („dazu später mehr“), die für mich keinen Mehrwert boten. Der Sprecher hingegen vermittelt den anspruchsvollen Text klar und verständlich. Für ein wirklich gelungenes Werk hätte ich mir etwas mehr Sachlichkeit – und vielleicht auch mehr Raum für die komplexen Zusammenhänge – gewünscht.
Wichtig. Für das Verständnis zwischen Ost und West. Für die Demokratie und die Zukunft.
Steffen Mau zeichnet in seinem Buch „Ungleich vereint - Warum der Ost anders bleibt“ ein deutliches Bild über die Zeit seit dem Einigungsprozess. Hierbei vor allem aber mit dem Fokus darauf, was es braucht, damit Unterschiedlichkeiten anerkannt werden in Bereichen, wo es sinnvoll ist, aber eben auch, wo wir noch mehr reingeben müssen, damit Ungleichheiten bekämpft und minimalisiert/aufgelöst werden. „Die Gegenwart trägt immer die Last der Vergangenheit, niemand existiert ohne Prägungen und Erfahrungen. Schon allein deshalb verbietet es sich zu erwarten, andere sollten so werden wie man selbst.“ (Seite 20) Mit seiner Idee, die neuen Bundesländer zu einem „Labor der Partizipation“ zu machen, sorgt er zu mindestens bei mir für einen positiveren Blick auf die Zukunft. Aber nur wenn Politik und Gesellschaft sich zusammen auf dem Weg machen.
Das wichtigste Buch des Jahres
Nach Dirk Oschmann und Katja Hoyer endlich eine Sicht auf die Thematik, die sachlich und unemotional daherkommt. Ein dichter Text, der Worte für meine diffusen Gefühle findet, wenn ich an die Zeit nach 1989 denke. Mau versteht es, stringent zu argumentieren, analysiert genau und schafft so ein unglaublich wichtiges Buch - gerade im Hinblick auf die Gefährdung unserer Demokratie. Er weist niemandem die Schuld an dieser oder jener Entwicklung zu, aber zeigt Gründe und Entwicklungslinien auf. Eine Pflichtlektüre für alle Einwohner unseres Landes!
Ich gehe eigentlich eher selten an ein Sachbuch heran - noch seltener als Hörbuch. Doch ist mir dieses - ob seines Titels - irgendwie ins Auge bzw. ins Ohr gesprungen. Gelesen von Heiko Grauel, nimmt es den Leser/Hörer mit, in eine Gesamtdeutsche Angelegenheit - nämlich die Vereinigung von Ost- und Westdeutschland. Inwieweit ist hier die Tragnsformation gelungen - oder auch nicht. Und inwieweit ist die AfD bzw. ist ein Rechtsruck ein Ostdeutsches oder nicht velmehr ein Gesamtdeutsches Problem. Ich persönlich finde es bei Werken dieser Art immer wichtig, zu wissen, welchen Hintergrund der Autor hat - wie ist es um seine Motivation bestellt? Daher habe ich mich WIKIPEDIA bedient und ZITIERE: Steffen Mau (* 31. Oktober 1968 in Rostock) ist ein deutscher Soziologe und Professor für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Mau gehört seit 2021 zum Sachverständigenrat für Integration und Migration. Mau wuchs als Sohn eines Abteilungsleiters im Schiffbaubetrieb und einer Ärztin in der Rostocker Neubausiedlung Lütten Klein auf. Mau absolvierte vor der Wende eine Lehre als Elektronikfachkraft beim VEB Schiffselektronik Rostock. Ein Studium der Mathematik und Physik, zu dem er 1988 delegiert wurde, trat er nicht an. Er studierte von 1991 bis 1997 Soziologie und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Von 1998 bis 2001 promovierte er als erster ostdeutscher Doktorand am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz zum Thema Wohlfahrtsstaat. Es folgten berufliche Stationen an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Bremen, wo er 2003 eine Juniorprofessur und 2005 eine Professur für politische Soziologie erhielt. Seit 2015 hat er die Professur für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin inne und forscht u. a. zu den Themen soziale Ungleichheit, Transnationalisierung, europäische Integration und Migration. Sein Buch Lütten Klein (2019) stand auf der Spiegel-Bestsellerliste. In dem Buch schreibt er über die Transformationsgeschichte des Ortes im Zuge des Zusammenbruchs der DDR. Im Wintersemester 2020/21 war Mau Mercator Senior Fellow der Stiftung Mercator. Mau beschäftigt sich auch intensiv mit der Frage, inwieweit wir in Deutschland in einer gespaltenen Gesellschaft leben. Grund seiner empirischen Forschungsergebnisse vertritt er die Meinung, dass Deutschlands Gesellschaft nicht in dem Sinne gespalten sei, dass sich zwei Großgruppen gegenüberstünden; vielmehr finde eine Radikalisierung der Ränder des politischen Spektrums statt, wobei insbesondere der rechte Rand mit einer immer stärker über Emotionalisierung gesteuerten Politik („Affektpolitik“) bis weit in die Mitte des politischen Spektrums hineinwirken würde. Mau war 2022 bis 2023 Mitglied der Jury für den Standortwettbewerb für das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation. Im Januar 2021 wurde Mau durch die Bundesregierung in den Sachverständigenrat für Integration und Migration berufen. Auszeichnungen (Auswahl) 2021: Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2021: Mitglied der Academia Europaea 2023: Schader-Preis 2023: Communicator-Preis Zitat aus WIKIPEDIA ENDE Tatsächlich hat der Autor mich im Lauf des Buches mehr und mehr zum Nachdenken gebracht. Denn es ist - gerade auch nach den beängstigenden Ergebnissen der Europawahl - zu kurz gedacht (und ich gestehe, ich habe bislang zu kurz gedacht), die Ostdeutschen seien einfach empfänglicher für die rechten Parteien, da sie sich ein Stück weit zurück sehnen in ein autoritäres System. Aber nein, die Zusammenhänge sind sehr viel komplexer; ja, die AfD findet im Osten größeren Zuspruch, als im Westen. Und ja, dies hängt mit der Vergangenheit der Ostdeutschen zusammen - jedoch auch mit der der Westdeutschen, mit einem Versagen der sogenannten Volksparteien im Osten und mit dem Verstummen der liberalen Mitte, die sich zurückzieht, wenn die Extreme zu laut, zu aggressiv werden. Die Ostdeutschen sehnen sich nicht - wie häufig behauptet wird - zurück in einen autoritären Staat, in eine Diktatur. Allerdings haben sie zwei Diktaturen hintereinander durchlebt, erst den der NSDAP, dann den der SED. Das Ende der Nazi-Diktatur wurde auch im Osten durch eine Entnazifizierung begleitet - die wichtigen 1968er Proteste, die aufgezeigt haben, dass noch immer ehemalige Parteimitglieder und wichtige Mitläufer in entscheidenden Institutionen zu finden waren, haben in der DDR nicht stattgefunden. Das Ende der zweiten Diktatur wurde zudem nicht richtig aufgearbeitet - es gab keine der Entnazifizierung entsprechenden Prozesse, auch wenn es eine Überprüfung der STASI-Akten gab; doch gab es SED-Mitglieder, Mitläufer, Opfer, Täter… und doch wurde einfach „neu weitergemacht“. Der Westen hat schlichtweg versucht, das westliche Demokratiegefüge der Ex-DDR (und seinen Bürgern) überzustülpen - was gescheitert ist, da sich die Ostdeutschen - einfaxch ausgedrückt - wieder fremdbestimmt fühlten. Zudem ist nach der Wende auch ein soziales Vakuum entstanden. Denn auch das Sozial-Leben in der DDR wurde sehr stark von der SED bestimmt - Institutionen, wie Kirche, Vereine, Freiwillige Feuerwehren, wie wir sie im Westen kennen, gab es dort so nicht; und dort, wo diese nun aufgebaut wurden bzw. auch durch die Handwerkskammern unterstützt wurden, dort vollzog sich sehr schnell und sehr früh eine Infiltrierung durch die AfD oder andere rechte Gruppierungen. Hinzu kommen die demografischen Faktoren; die jungen motivierten Menschen sind abgewandert - eine Zuwanderung gab es nicht und wer keine Chancen in der Abwanderung gesehen hat, ist geblieben - vorrangig mit dem Gefühl, ihm/ihr wäre sowieso alles genommen. Und auch dort findet die AfD Ziele ihrer Angstgesteuerten Politik. All dies - viel besser ausgeführt und erläutert, als ich es kann - und noch viel mehr, zeigt Mau in diesem Buch auf. Ich fand es extrem spannend und erhellend - ich hatte einige Aha-Effekte und mein Bild vom Gesamtdeutschen Konflikt (Ost/West) hat sich ein Stück weit verändert. Für mich waren die Ostdeutschen schon seit langer Zeit keine Ossis mehr; und trotzdem habe ich zu reduziert gedacht, wenn ich die höheren Prozentzahlen der AfD in den Ostdeutschen Ländern gesehen habe. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der offen ist, für neue Impulse und Gedanken - zumal der Autor noch sehr viel mehr erzählt, mehr erklärt, mehr ausführt. Von mir 5/5 Sternen!
Sehr interessante Analyse, die kulturelle, sozioökonomische sowie politische Aspekte betrachtet, um zu erklären, inwiefern der Osten vom Westen unterscheidet. Zudem wird ein Schwerpunkt auf die Entwicklung der AfD gelegt, was über eine reine Betrachtung des Ostens hinausgeht. Überhaupt wird stellenweise untersucht, was in ganz Deutschland zu beobachten ist. Am Ende werden Lösungsvorschläge gegeben, die vor allem dazu dienen, die Demokratie zu schützen und zu stärken. Den Schreibstil fand ich nicht ganz einfach, weswegen ich recht langsam vorangekommen bin. Dennoch empfehlenswerte Lektüre, um Unterschiede und aktuelle Konflikte und Peoblematiken zu verstehen.
Reflektiert und hinterfragt sachlich die Wiedervereinigung. Toller Denkanstoß
Die Vereinigung der Bundesrepublik mit der DDR ist nun schon 35 Jahre zurück. Ich für mich kann nur sagen, dass ich als damals sechsjähriges Kind kaum was davon verstanden geschweige denn mitbekommen habe. Jetzt wohne ich in Berlin, sozusagen im ehemaligen Westteil, arbeiten tue ich in einem Ostbezirk. Jeden Tag, an dem ich zur Arbeit gehe, komme ich am ehemaligen Mauerweg vorbei. Meine Kollegen sind zum Teil in der DDR aufgewachsen. Manchmal sprechen wir darüber, was im Osten und Westen anders gelaufen ist. Und schnell merkt man: bei der Wiedervereinigung ist nicht alles so glatt für den Osten gelaufen, wie man sich das vielleicht gedacht hat. Ungleich vereint zeigt die Schwachstellen der Vereinigung auf. Ob Politik, Währung, Wirtschaft, soziale Unterschiede: es ruckelt immer noch an vielen Stellen. Oft ist noch in den Gedanken der Menschen die Grenze vorhanden. Sie sind nicht nur mit der physischen Grenze aufgewachsen, sie haben sie – trotz Mauerfall – geistig noch verankert. Auch bei der Politik ist ein Wandel deutlich zu spüren. Früher war die politische Gesinnung praktisch offiziell vorgegeben. Heute kann man sich die Partei aussuchen, jedoch ist ein politischer Umschwung auf die entgegen gesetzte Gesinnung deutlich spürbar. Wie wird hier damit umgegangen? Steffen Mau beleuchtet unter verschiedensten Aspekten die Wiedervereinigung, gibt Gedankenanstöße und hinterfragt viele Themenbereiche, aber auch festgefahrene Aussagen. Oft genug ist es mir in dem Buch so gegangen, dass ich erstaunt war, weil ich mich entweder selbst erwischt habe, oder ich viele Sachen gar nicht gewusst hatte. Gerade der Bereich Rente oder die politische Gesinnung sind Themen, die derzeit heiß in den Medien berichtet werden. Mir war aber auch nicht unbedingt bewusst, wie mit diesen Betrieben umgegangen wurde. Der Autor geht für mich sehr sachlich an die Themen heran, ohne große Emotionen hineinzubringen. Ein Hörbuch, das ich mir in der Zwischenzeit noch als Printbuch gekauft habe, weil ich die Themen nochmal bewusst lesen möchte. Absolute Empfehlung, wenn man sich mit dem Thema Wiedervereinigung beschäftigen möchte. Da ich zuerst die Hörbuchversion gehört habe, und dann erst das Buch gekauft habe, kann ich trotzdem die Hörbuchversion sehr empfehlen. der Sprecher Heiko Grauel hat dieses schwere Thema sehr gut vertont und umgesetzt.
In sämtlichen Gesprächen meines unmittelbaren Umfelds sind die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen sowie in Thüringen und Brandenburg allgegenwärtig, die Angst vor ihren möglichen Auswirkungen ist groß. In diesen Diskussionen werden auch Ost-West-Konflikte immer wieder relevant. Mit seinem neuen Buch „Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt“ klinkt sich nun Steffen Mau in diese Diskussion ein. Zunächst entzaubert Mau die so genannte „Einheitlichkeitsfiktion“ der letzten 34 Jahre und diagnostiziert den „Fortbestand zweier Teilgesellschaften“. So gebe es im Osten mannigfaltige Verfestigungs- und Verstetigungstendenzen in Bezug auf Sozialstrukturen (ungleiche Vermögen und Gehälter, großer Niedriglohnsektor, fehlende Eliten), Demografie (Abwanderung, Alterung und Frauenschwund) sowie unterschiedliche Deutungskulturen hinsichtlich des innerdeutschen Beziehungsverhältnisses oder der Geschlechterrollen. So weit, so bekannt. Diese „Frakturen“ zwischen Ost und West versteht Mau jedoch, wie der Soziologe anhand seiner Auseinandersetzung mit Literaturwissenschaftler und Publizist Dirk Oschmann herausarbeitet, nicht als westdeutsches Diskurskonstrukt, sondern als materielle Tatsachen, die es anzuerkennen oder zumindest nicht zu leugnen gilt – und die, so lässt der Titel bereits erahnen, ebenso überdauern und verharren werden. Vor diesem Hintergrund attestiert Mau den Ostdeutschen eine gewisse „Parteienpolitikverdrossenheit“ und erkennt hierzulande eher eine laute Einforderungs- als eine wahrhaftige Mitwirkungsdemokratie. Angesichts der Popularität der AfD, des Niedergangs der meisten demokratischen Parteien oder des Aufstiegs von Partikularparteien in Ostdeutschland werden „völkisch-autoritäre und populistische Einstellungen sowie das Gefühl politischer Machtlosigkeit“ (S. 105) auf Seiten der Bevölkerung deutlich. Um diesen gefährlichen Tendenzen entgegenzuwirken, schlägt Mau die Erprobung und anschließende Etablierung von Bürgerräten vor, nicht als Ersatz, aber als Ergänzung der repräsentativen Demokratie. So sollen verbesserte Möglichkeiten der politischen Teilhabe geschaffen und Menschen langfristig an demokratische Prozesse gewöhnt und gebunden werden. So sieht Mau den Osten als „Labor der Partizipation“ in Vorbildfunktion für Gesamtdeutschland. Diese Anregungen sind keinesfalls neu und überzeugen mich nur bedingt. Bei Bürgerräten, so auch Mau, kommt es auf die genaue Ausgestaltung an, damit sie nicht in einer „Beteiligungsillusion“ und Scheinpartizipation verpuffen. Andernfalls wären sie gar kontraproduktiv und würden die Ablehnung des herkömmlichen Systems nur noch verstärken. Es ist weiterhin anzunehmen, dass Bürgerräte zu spät greifen würden. Viel effektiver wäre eine konsequente Demokratisierung der Bildungseinrichtungen als präventive Maßnahme gegen die frühzeitige Radikalisierung junger Menschen. Zudem wären Bürgerräte selbstredend nur ein langfristiges Mittel, kurzfristig helfen sie uns bei den anstehenden Wahlen jedoch nicht. Während Dirk Oschmann mit „Der Osten: eine westdeutsche Erfindung“ (2023) eher den instinktiv-emotionalen Ossi in mir ansprach, fügt Steffen Mau mit „Ungleich vereint“ jetzt eine analytisch-sachliche Komponente hinzu, für die ich durchaus dankbar bin. Möglicherweise ist es lohnenswert, beide Bücher ergänzend zueinander zu lesen und zu verstehen.
Ein kluges Buch
Ungleich vereint hat mir die deutsche Einheit auf eine ganz neue, differenzierte Art nähergebracht. Steffen Mau schafft es, gesellschaftliche Spaltungen nicht nur zu analysieren, sondern auch verständlich zu machen – mit Empathie, mit Klarheit, mit echtem Interesse für das, was Menschen bewegt. Mich hat beeindruckt, wie uneitel dieses Buch ist. Keine plakativen Thesen, kein Schwarz-Weiß – sondern ein echter Versuch, zuzuhören, zu erklären und Brücken zu bauen. Mau schreibt sachlich, aber nie kühl. Im Gegenteil: Zwischen den Zeilen spürt man, wie sehr ihm das Thema am Herzen liegt. Ein wichtiges Buch für alle, die mehr wollen als einfache Antworten. Und für alle, die verstehen wollen, was es heißt, in einem ungleich vereinten Land zu leben. #UngleichVereint #SteffenMau #OstWestDenken #EinheitNeuVerstehen #GesellschaftLesen #BrückenStattGräben
Sicher keine leichte Lektüre, die es aber wert ist aufmerksam zu lesen. Es gibt interessante Rückblicke mit Erklärung(sversuchen) aber auch interessante Lösungsansätze zur „Wiederbelebung der Demokratie“, was jetzt wichtiger denn je ist!
Ich habe mir beim Lesen folgende „Schlagwörter“ notiert, die im Buch teils ausgiebig ausgeleuchtet werden, die aber darüber hinaus auch anregen zu Überdenken und Hinterfragen: „Kollektivschicksal“ „Anerkennungsdefizit“ „Gesellschaftliche Zweitklassigkeit“ „Neues Selbstbewusstsein Ost“ (nicht immer positiv und der Entwicklung zuträglich) „Westdeutsche Referenzgesellschaft“ „Die Mauer im Kopf wird immer kleiner, je jünger die Kinder sind“ „Kolonialisierungsthese“ „Modernisierungsverlierer“ „Veränderungsmüdigkeit nach dem Nachwende-Turbowandel“ „Erst“ auf Seite 126 stellt der Autor noch einmal klar; „Die Ost-West-Brille, die ich in diesem Buch aufgesetzt habe, sollte uns helfen, klarer zu sehen, wie Geschichte in Strukturen und Identitäten nachwirkt“ S.126 Besonders lesenswert fand ich dann die Einschätzung der momentanen Situation in Deutschland: „Wenn Demokratie jedoch als beständiger, auch persönlich riskanter Kampf wahrgenommen wird,…,kann es passieren das die stille Mitte noch stiller wird und sich aus der Politik zurückzieht“ S.110 und die Erläuterungen zum Mittel gegen Politikverdrossenheit und Chance zur Erhaltung der Demokratie „Bürgerräte“ S. 133 ff Auch ein nachvollziehbarer Fakt (für mich): „Meinungen gehen auf stabile Wertvorstellungen zurück, sie werden aber in der Interaktion mit anderen ge- und überformt, so dass es darauf ankommt, Gelegenheiten für Austausch zu schaffen“ S.138 Für mein Empfinden fehlen in unserer derzeitigen Welt des „allgemeinen Individualismus“, des „zufriedenen Rückzugs“ und der „Meinungsausformung“ durch Facebook und co. (Blickwinkelbeschneidung) solche wirkungsvollen Gelegenheiten. Etwas „erschrocken“ war ich das es eine Sozialwissenschaftliche „Kategorisierung“ für Ostdeutsche gibt: geo-ostdeutsch (nach Wohnort), bio-ostdeutsch (nach Geburtsort) und sozio-ostdeutsch (mit „Osthintergrund“; selbst DDR Staatsangehöriger oder mind. Ein Elternteil ) und emo-ostdeutsch (nach emotionaler Zugehörigkeit) (Mein) Fazit: Ost-Westkonflikte werden sicherlich verschwimmen und verschwinden, eine regionale Zugehörigkeit wird jedoch in vielen Facetten weiter bestehen bleiben. Aber warum nicht, bei Bayern geht es doch auch….🙃
Vereint und dennoch ungleich
Steffen Mau geht in seinem Buch Ungleich vereint Warum der Osten anders bleibt, darauf ein, wie gut die Wiedervereinigung geklappt hat und warum es dennoch so viele Unterschiede gibt. Er beschreibt sehr gut, dass manche Unterschiede einfach nicht verschwinden werden, weil diese sozusagen kulturell bedingt sind und wir lernen müssen dies zu akzeptieren. Steffen Mau gibt zudem Anstöße, was die Regierung tun kann, um die wirtschaftliche Ungleichheit, welche veränderbar ist, abzuschaffen. Am Anfang war ich etwas skeptisch, was dieses Buch betrifft und hatte die Befürchtung, dass die bekannten Klischees abgearbeitet und gefestigt werden. Dem war zum Glück nicht so. Ich würde jedem empfehlen dieses Buch zu lesen oder zu hören, damit wir ein besseres Verständnis für einander bekommen.
Sehr interessante und ausgewogene Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Lage im Osten Deutschlands. Unaufgeregt, nicht polarisierend, wissenschaftlich abwägend. Ein sehr wohltuendes Buch im Geschrei und gegenseitigen Vorwürfen zwischen „Ossis“ und „Wessi“ vor dem Hintergrund der Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg in diesem Jahr.
Kurzes, aber tolles Buch von Steffen Mau. Natürlich kratzt es nur an der Oberfläche, aber Mau stellt die richtigen Fragen und gibt kluge Antworten. Man merkt, dass er sich lange mit der Materie befasst hat. Er arbeitet vor allem die spezifisch ostdeutschen Sichtweisen auf Politik und Demokratie, die sich aus der Geschichte und kulturellen wie materiellen Prägungen ergeben, hervorragend und nachvollziehbar heraus. Auch seine Ansätze für Lösungen sind nachvollziehbar. Absolute Empfehlung.
Verstetigung der Unterschiede statt Angleichung
Steffen Mau stellt die These auf, dass ungleich der Modernisierungstheorie sich die materiellen und ideellen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland verstetigen statt anzugleichen. Er schlüsselt mit vielen Zahlen die Problemlage auf. Mit der These gehe ich auf jeden Fall mit, das drum herum war für mich teils fragwürdig. Das ständige Berufen auf die politische Mitte und Bürgerräte, die nur beraten sollen, als Lösungsansatz hat mich nich überzeugt.
In weiten Teilen sehr hellsichtig und sachlich den Dingen auf den Grund gehend,dann aber auch wieder redundant und allseits Bekanntes mitteilend, zum Schluss aber mit einer realen Idee wie man es verändern könnte. Das ist nicht üblich bei derlei Sachbüchern und wird vo mir honoriert. Abseits der Chancen, die ich seinem Vorschlag mit den Bürgerräten einräume.
Anspruchsvoller Einblick in die Mentalität des Ostens
Ich habe das Buch ausgewählt, da ich ein Team im Osten sitzen habe und diese doch teilweise sehr anders reagieren als meine anderen Teams mit eher im Westen aufgewachsenen Personen. Hinzu kommt, dass ich erst nach der Wende geboren wurde und damit vieles gar nicht miterlebt habe. Dieses Buch hat mir an einigen Stellen Verhaltensweisen erklärt und Verständnis hervorgerufen. Zeitweise war ich auch sehr erstaunt, insbesondere darüber, dass die Personen, die auch erst nach dem Mauerfall geboren wurden, quasi noch mehr in diesem Ost-West-Denken verankert sind. Insgesamt ist das Buch aber auch sehr anspruchsvoll, mit viele Fachbegriffen und Fremdwörtern, die sich nur aus dem Kontext irgendwie erschließen ließen. Ich bin nun gespannt in der Anwendung.





































