Frauen im Sanatorium
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Description
«Von Schicksalsschlägen lassen sich diese Frauen, die einander den Trost ihrer Gesellschaft schenken, nicht unterkriegen.» Die Zeit
Anna wollte nicht mehr. Und jetzt ist sie in einem Sanatorium. Dort lernt sie Elif kennen, die sich jeden Tag ein neues Märchen ausdenkt. Sie trifft Marija, die ständig Monologe über ihre tote Mutter hält. Sie begegnet der Soldatin Katharina, die jede Nacht Rotwein mit Wodka trinkt. Und dann ist da noch der Flamingo aus dem Kurpark, dem Anna von ihrer Emigration erzählt. Vor allem aber spricht sie mit ihrem Vogel tagtäglich über die Liebe. Denn die Liebe gibt es überall, gerade und sogar an einem so merkwürdigen Ort wie einer Klinik.
Elegant erzählt Anna Prizkau von Menschen, die das Glück suchen, ohne es wirklich finden zu wollen. Vom Fremden. Von den Verlorenen. Von Rollen und Erwartungen. Und dabei immer auch von der Kraft des Erzählens.
«Man muss einmal am Abgrund gestanden haben, wo es keine Illusionen mehr gibt, um zu begreifen, wie brüchig und verletzlich unser Gefühl von Glück ist und wie tief und bedeutsam für uns unsere Liebe ist. Anna Prizkau schreibt genau darüber – die Liebe, die uns allen Unglück bringt. Und uns zugleich so glücklich macht.» Serhij Zhadan
«Grandios, wie Anna Prizkau von Liebe und Schmerz erzählt. Ich liebe dieses Buch.» Ronya Othmann
Book Information
Author Description
Anna Prizkau, 1986 in Moskau geboren, kam in den 90er-Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie studierte in Hamburg und Berlin und arbeitete viele Jahre als Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. 2020 erschien ihr Erzählungsband Fast ein neues Leben, der mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover ausgezeichnet wurde. 2021 las sie beim Bachmann-Preis. Anna Prizkau lebt in Berlin.
Characteristics
3 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Nachdem ich viele eher schlechte Rezensionen gelesen hatte, war ich erstmal skeptisch. Aber mir persönlich hat das Buch richtig gut gefallen, die Geschichten der jeweiligen Frauen haben mich berührt und die Sprecherin des Hörbuchs fand ich großartig. „Wenn man liebt, dann liebt man jeden Menschen anders, weil Menschen sich nie gleichen. Sie sind einmalig, sie sind vielfältig und verschieden. Deshalb gibt es kein Mehr und auch kein Weniger, denn jeder Mensch liebt jeden anderen auf seine eigene Art und Weise.“
Das Buch war anders als erwartet, das lag wahrscheinlich vor allem an der Art des Erzählens. Die Protagonisten waren überhaupt nicht zugänglich, nichtsdestotrotz konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, ich wollte mehr über die verschiedenen Frauen erfahren. Viele schwere Themen werden hier auf eine Art beschrieben, die mir sehr gut gefallen hat, aber ich kann verstehen, wenn einige Leser den Zugang zu diesem Buch nicht gefunden haben.
Anna ist in einem Sanatorium. Dort lernt sie Elif, Marija und Katharina kennen. Alle Frauen haben ihre eigene Geschichte und ihre Dämonen, gegen die sie kämpfen. Anna verbringt viel Zeit im Kurpark und erzählt dem Flamingo was sie so bewegt. Marija vergöttert ihre Mutter aber hat Schwierigkeiten mit der Tochter, Katharina ist mit einigen anderen Soldaten da und trinkt jeden Abend. Vier unterschiedliche Frauen, vier unterschiedliche Schicksale. Doch etwas vereint die Frauen, die Suche nach dem Glück und der Liebe. Ruhig und fast nüchtern wird über den Alltag in der Klinik berichtet. Es gibt sehr viele Rückblicke, in denen wir von den Schicksalen der Frauen erfahren und Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle bekommen. Anna hatte es nicht leicht in ihrer Kindheit. Die Mutter depressiv, der Vater ging immer fremd. Sie musste sich oft um die Mutter kümmern, Früh Verantwortung übernehmen. Später glänzte sie durch gute Noten und Selbständigkeit. Leider ist das nur der äußere Schein. Innerlich gebrochen geht’s irgendwann nicht mehr weiter und sie landet in der Klinik. Die Rückblicke waren für mich manchmal etwas schwierig zu lesen. Da braucht es sehr viel Aufmerksamkeit. Die Schicksale der Frauen fand ich sehr interessant, doch hätte ich gern noch erfahren was da genau in der Klinik passiert ist um zu helfen. Der Klinikalltag blieb insgesamt recht undurchsichtig für mich. Auch die Diagnosen der Frauen hätten mich sehr interessiert. Die Sorgen und Ängste der Frauen waren dafür richtig gut eingefangen. Das Buch lebt mehr von den Rückblenden statt dem aktuellen Geschehen. Insgesamt schon ein solider Roman, der mich emotional nicht komplett abholen konnte.
Einblicke in die Welt einer psychiatrischen Klinik / Sanatorium
Anna, die Hauptdarstellerin des Romans Frauen im Sanatorium hat einen Suizidversuch begannen und wurde daraufhin in ein Sanatorium (psychiatrische Klinik) eingewiesen. Hier lernt sie unterschiedliche Charaktere kennen, die fast alle als Migranten in Deutschland aufgewachsen sind bzw. als Erwachsene auswandern. Als Folge ihrer Biographie erkranken diese Menschen an psychischen Erkrankungen. Anna ist eine Russlanddeutsche, die mit ihren Eltern als Kind nach Deutschland ausgewandert ist.Die Eltern trennen sich nach Affären ihres Vaters mit anderen Frauen und Anna wächst bei ihrer Mutter auf. Die Mutter ist selbst psychisch erkrankt und wohl mehrfach wahrscheinlich wegen Depressionen stationär in einer Klinik. Anna Prizkaus Roman beschreibt unterschiedliche Charaktere, die an verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen leiden. Ein zentrales Thema ist vor allem die Eltern/Mutter-Kind-Beziehung mit all ihren Störungen bei psychischen Erkrankungen eines oder beider Elternteil, Traumata und auch Gewalterleben. Der Roman ist sehr intensiv, man kann ihn nicht an einem Stück lesen. Ich brauchte immer wieder Lesepausen. Leser, die Interesse an psychologischen Themen haben, werden beim Lesen Spaß haben. Wer sich nicht mit psychologischen Fragestellungen auskennt, wird die Tiefe des Romans und die Bedeutung wahrscheinlich nur fragmentarisch verstehen.
FRAUEN IM SANATORIUM Anna Prizkau Darf ich heute mal anders beginnen – und zwar mit dem Fazit? Danke Fazit: Selten hat mich ein Buch so zwiegespalten fühlen lassen wie das Debüt von Anna Prizkau. Wie kann etwas so zart und schön daherkommen - das Cover, die Sprache – und gleichzeitig so brutal und schonungslos sein? Unsere Protagonistin war mir so unfassbar unsympathisch, und doch hing ich an ihren Worten wie eine Süchtige an der Nadel. Erzählte Märchen enden hier in Albträumen. Aber ist das Leben immer fair? Und tut es nicht auch mal gut, von denen zu lesen, deren Realität nicht aussieht wie ein Bilderbuch? Anna wird nach einem traumatischen Ereignis in ein Sanatorium eingewiesen. Dort trifft sie auf ganz unterschiedliche Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie brauchen Hilfe. Wir begleiten Anna in den Kurpark, an den See, zu einem blassen Flamingo namens Pepik, und lauschen ihren Geschichten zwischen Therapiesitzungen und fadem Kantinenessen. Sie beobachtet, hört zu, erzählt – von Marija, die so stolz auf ihre Tochter ist, es ihr aber nie zeigen kann und sie diese ausschließlich kritisiert. Von Elif, die sich lieber Geschichten ausdenkt, als die Wahrheit zu erzählen. Und von Katharina, einer Soldatin, die ihre Wahrheiten in Wodka und Wein ertränkt. Kein Wohlfühlbuch – aber läuft das Leben immer nach Plan? Sehr lesenswert. 3½/5

Vorab, ich brauche keine Wohlfühlbücher, lese gern die etwas anstrengenden Werke. Es muss eben nur Stimmen und etwas mehr Tiefe haben.
Das Buch hat durchaus interessante Ansätze und einige spannende Figuren. So hat mich der Klappentext neugierig gemacht. Die Figuren sind nur sehr schwach gezeichnet, sodass man kaum einen Zugang findet. Kurz bevor man es zu greifen bekommt, geht es mit einer anderen Geschichte, einem weitere Protagonisten, oder den Märchen weiter. Generationen-Konflikte, politische Verfolgung, Emigration, Straflager, Krieg. Leider versucht die Autorin, auf zu wenigen Seiten zu viel zu erzählen. Die Vielzahl an Protagonisten und Perspektiven führt schnell zu Verwirrung, und man wünscht sich beim Lesen etwas mehr Klarheit und Fokus. Klinikalltag (das was erzählt wurde ist schwer zu greifen, gerade wenn man in diesem Bereich arbeitet. Trotzdem gibt es schöne Momente und gelungene Szenen, die zeigen, was möglich gewesen wäre. Das Hörbuch hingegen ist gut gelungen – die Sprecher-Leistung bringt die Charaktere zum Leben und macht das Zuhören angenehm und lebendig. Ich bin mir sicher das ich das Buch sonst abgebrochen hätte. Fazit: Ein etwas überfrachtetes, aber nicht uninteressantes Buch mit einer starken Hörbuch-Sprecherin.
Was uns zerstört
Ich gebe zu, vor diesem Buch hatte ich großen Respekt. Ich hatte einige Rezensionen gelesen, Dieters Buch als schwer zugänglich, beschrieben, doch ich hatte es schon angefragt und dann ein bisschen gehofft, dass man mich vielleicht beim Verlag vergessen könnte. Aber es kam an und jetzt hab ich mich auch getraut. Anna kommt nach einem Zusammenbruch in ein Sanatorium. Dort sitzt sie nun am Teich und füttert den relativ blassen Flamingo Pepik während sie ihm von sich und den Anderen erzählt. Da ist Marija, die sich in endlos langen Monologen über ihre Mutter auslässt und zur Annahme verleitet, das mit der Mutter etwas geschehen ist. Da ist Elif, die mit großer Kreativität Geschichten erfindet an denen wir auch teilhaben, und ihre psychischen Probleme damit zu bekämpfen scheint. Die Bundeswehrsoldatin Katharina ersäuft ihr Trauma mit Rotwein und Wodka, und mischt gemeinsam mit ihren Soldatenfreunden gerne mal den Laden auf. Anna hadert aber mit sich, weiß nicht ob sie noch mal gesund werden kann, ob sie Liebe fühlen kann. Sie versucht es zu spielen, mit David, einem jungen Mann der ambivalente Gefühle hat, Unsicherheit ausstrahlt, bei dem man nie genau weiß, woran man ist. Alle haben sie etwas gemeinsam: eine Vergangenheit, die ihnen Instabilität verliehen hat. Vieles liegt im Elternhaus begründet, auch in der Migration, denn es scheint so, als hätten alle Protagonist*innen Wurzeln in einem anderen Land, zumindest hab ich das aus den erzählten Zusammenhängen abgeleitet. Mir hat es sehr gut gefallen, wie die Autorin die Leben der einzelnen Personen offen gelegt hat. Es passiert erzählerisch beinahe beiläufig, und man merkt gar nicht so sehr, wie man auf einmal Teil einer Biografie wird. Die Sprache ist leicht für ein solch schweres Thema. Ich war ein, um andere Mal schockiert über die Ereignisse, die über die Protagonist*innen herein, gebrochen sind, zum Teil auch wütend darüber, wie Familie mit diesen Menschen umgegangen ist. Aber die literarische Ausarbeitung von Prizkau hat diese schwere Masse fluffig aufgeschlagen. Ich fand es richtig interessant, wie sie Ursachen und Symptome verteilt und daraus Persönlichkeiten gestaltet hat, die in ihrer Unterschiedlichkeit den Roman zu einem interessanten Schauplatz machen. Am Ende gab es dann doch noch einmal einen dicken Kloß im Hals. Eigentlich ein gutes Zeichen – denn so war mir noch mal mehr bewusst, wie tief mich dieses Buch berührt hat. Meine Sorge, es könnte mir überhaupt nicht gefallen hat sich also nicht bestätigt Und da sieht man mal wieder, solange man nicht selber seine Nase ins Buch gesteckt hat, kann man gar nicht wirklich beurteilen, ob und wie es einem gefällt. Ich empfehle dieses Buch also allen, die sich mit schwierigen Persönlichkeiten beschäftigen möchten und eine literarisch einladende Art und Weise bevorzugen.
📚 Inhalt Anna hat alles, was man sich wünschen kann. Sie ist intelligent, ehrgeizig, hat eine erfolgreiche Karriere. Doch sie möchte immer mehr, immer besser sein und wird dadurch nur immer unglücklicher. Und so landet sie nach einem Suizidversuch im Sanatorium. Dort lernt sie sehr unterschiedliche Frauen und deren Geschichten kennen: Elif, die ständig lügt. Marija, die lange Monologe über ihre verstorbene Mutter hält. Und Katharina, die Nachts mit den Soldaten Wein und Wodka trinkt. Dann gibt es noch den Flamingo im Park, der Annas Geschichte erfährt. Ihm kann sie sich öffnen und erzählt von ihrer Migrationserfahrung, von ihrer Heimat Russland und von ihren Eltern. Während ihres Aufenthalts im Sanatorium erleben die Frauen Liebe, Lügen, Hass und Alkohol. 📖 Meinung Hm, wo soll ich anfangen. Mir gefällt die Idee des Buches sehr gut und ich hatte es länger im Blick, bevor ich es bei Medimops gekauft habe. Ich habe mich gefreut, die unterschiedlichen Frauen kennen zu lernen und der Flamingo als Teil der Geschichte macht sie irgendwie besonders. Aber dann zu den Frauen und ihren Geschichten: Ich war mir nie so ganz sicher, was stimmt und was gelogen war. Natürlich ist mir bewusst, dass die Autorin es genau darauf angelegt hat und die Leserinnen so zum Nachdenken bringen möchte. Aber mich hat es eher verwirrt, als dass ich mir gross Gedanken über die Sinnhaftigkeit machen konnte. Ich kann mir vorstellen, dass das Buch anderen Menschen sehr gut gefallen wird. Denn die Autorin legt grossen Wert darauf, dass die Gefühle und Ängste der Frauen rübergebracht werden und das gelingt ihr durchaus. Man kann bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, wieso die Frauen so sind, wie sie sind. Vielleicht habe ich das Buch zum falschen Zeitpunkt gelesen. Vielleicht wäre es besser gewesen, das Buch zu lesen, wenn mein Kopf nicht sonst schon voll mit vielen Sachen ist. Oder vielleicht hätte es mir gut getan, das Buch langsamer zu lesen und den Inhalt mit einer anderen Person zu teilen. So komme ich leider zu dem Schluss, dass das Buch für mich «nur» okay war.
Die einzelnen Fragmente gut, aber in Summe für mich nicht rund.
Fast jeden Tag sitzt Anna im Park der Klinik und spricht mit Pepik, einem Flamingo. Sie erzählt von ohren Gedanken und den Mwnschen, die sie hier im Sanatorium kennengelernt hat. Elif, die sich regelmäßig Geschichten ausdenkt, von denen man nie weiß, wieviel wahres sie in sich tragen. Oder Marija, die fast ausschließlich über ihre verstorbene Mutter spricht. Und schließlich Katharina, die rohe, einnehmende Soldatin, die nach dem Einsatz in Mali mit anderen Soldaten herkam. In sehr kurzen Kapiteln tauchen wir in die einzelnen Lebensgeschichten ein, verstehen, dass jede einzelne Trauma erlebt hat. Psychische Krankheiten in der Familie, seelischen Misshandlung, Migration, Krieg. Und wir bekommen einen Einblick in den Klinikalltag. Therapiegespräche, das Verhältnis zwischen Ärzten, Schwestern und Patienten untereinander. Aber hier wird alles nur oberflächlich beschrieben. Wir kennen keine Diagnosen. Ich muss gestehen, ich habe mich sehr schwer getan. Themen werden nur angerissen, einen gesamthaften Erzählstrang gibt es nicht. Keine der Protagonistinnen konnte mir wirklich nahekommen. Wirklich schade, weil ich die Idee des Zusammentreffens verschiedener Lebensgeschichten und wie sie uns seelische fordern wirklich gut finde.
Anna Prizkaus Debütroman „Frauen im Sanatorium“ ist ein stilles, poetisches Werk über Schmerz, Identität und die heilende Kraft des Erzählens. Es ist ein Roman, der in seiner Klarheit nachhallt und zwischen Realitätsflucht und Lebenswahrheit balanciert – getragen von einer Sprache, die präzise, leise und dennoch durchdringend ist. Im Zentrum steht Anna, eine Frau, die nach einer undefinierten „Sache“ in einem Sanatorium Zuflucht sucht – ein Ort, der gleichermaßen Klinik wie Bühne für eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit inneren Wunden ist. Hier trifft sie auf andere Frauen, jede von ihnen tragikomisch, seltsam und tief menschlich: Marija, die unermüdlich über ihre tote Mutter spricht, Elif, die sich täglich neue Märchen ausdenkt, um der Realität zu entfliehen, und Katharina, Soldatin und Trinkerin, bei der Kontrolle und Kontrollverlust Hand in Hand gehen. Und dann ist da Pepik – ein blasser Flamingo im Kurpark, der als stiller Zeuge Annas innerer Monologe fungiert. Mit ihm spricht sie über ihre Mutter, die irgendwann aufhörte, ihr Kreise auf die Wangen zu zeichnen, über ihren abwesenden Vater, ihre Emigration und über die Liebe – eine Liebe, die inmitten all des Schmerzes noch immer möglich scheint. Was Prizkau hier gelingt, ist bemerkenswert: „Frauen im Sanatorium“ erzählt von seelischen Brüchen, ohne in Klischees zu verfallen. Es ist keine Leidensgeschichte im klassischen Sinn, sondern ein feinsinniges Porträt fragiler Existenzen, die versuchen, in einer Welt voller Erwartungen und Zuschreibungen zu überleben. Die Erzählung lebt vom Ungesagten, vom Zwischen-den-Zeilen, von den Brüchen in der Sprache – und von der Weigerung, sich festlegen zu lassen, was nun Wahrheit, was Fiktion ist. Prizkaus Sprache ist dabei ihr größter Trumpf: schnörkellos, klar und dennoch voller Poesie. Sie beschreibt das Sanatorium als einen Ort, an dem die Realität verschwimmt, an dem Menschen Geschichten erfinden, um zu überleben – oder um sich selbst zu retten. Die Autorin verzichtet bewusst auf eine lineare Handlung und lässt stattdessen Stimmungen, Figuren und Erinnerungsfetzen Raum. So entsteht ein literarisches Mosaik, das sich mehr über Atmosphäre als über Plot definiert. „Frauen im Sanatorium“ ist kein Buch, das laut auf sich aufmerksam macht. Es ist vielmehr ein feines literarisches Flüstern – eines, das unter die Haut geht. Ein Roman über das Erzählen als Überlebensstrategie, über die Frage, was wahr ist und was nur eine Geschichte – und über die Erkenntnis, dass beides manchmal das Gleiche sein kann. Ein tief berührender, ungewöhnlicher Roman über das Verletzliche im Menschen, über das Suchen und Verlorengehen – und über das heilsame Erzählen in einer Welt, die oft zu laut ist, um wirklich zuzuhören. Anna Prizkaus Debüt ist mutig, eigenwillig und absolut lesenswert!

Leise, einfühlsam und nachdenklich
**** Mein Eindruck **** Ein durchdachtes, zartes Buch, das leise Töne voller Menschlichkeit, Scham, Schmerz, Bedürftigkeit, Ehrlichkeit und Selbstreflexion anschlägt – und diese auf berührende Weise miteinander verbindet. Die Geschichte ist gut geschrieben und sehr nachvollziehbar. Besonders das Miteinander der Figuren und ihr Aufeinandertreffen an einem besonderen Ort habe ich mit großer Freude verfolgt. Das Gefühl von Abgrund und zerbrechlichem Glück wird intensiv, aber niemals überzogen oder gar triggernd behandelt. Stattdessen bleibt der Ton ernst, respektvoll und einfühlsam – genau das hat dieses Buch für mich besonders gemacht. Für ein ganz großes Highlight fehlte mir an einigen Stellen etwas mehr Raffinesse und Feinschliff. Trotzdem lässt mich die Geschichte nachdenklich zurück. Gerade das Ende empfand ich als starkes Highlight und als gelungene Idee, die sicher viele Leserinnen und Leser auf ganz unterschiedliche Weise ansprechen wird. **** Empfehlung **** Wer Lust auf eine feinfühlige Auseinandersetzung mit Themen wie Verletzlichkeit, Hoffnung und Begegnungen auf Augenhöhe hat, wird hier eine bewegende und nachwirkende Lektüre finden.
Irritiert, erschöpft und nachdenklich, vielleicht auch leicht verstört
Frauen im Sanatorium erzählt aus der Perspektive von Anna, einer russlanddeutschen Frau, die nach einem Suizidversuch in einer psychiatrischen Einrichtung landet. Von dort aus beschreibt sie ihr eigenes Erleben und das der anderen Patientinnen. fragmentarisch, roh und emotional dicht. Mich hat zunächst die Perspektive sofort interessiert: eine russlanddeutsche Erzählerin, geschrieben von einer Autorin mit demselben kulturellen Hintergrund. Ich fand es spannend, dass immer mehr solcher Stimmen in der deutschsprachigen Literatur sichtbar werden. Doch je weiter ich las, desto mehr wich meine anfängliche Neugier einer wachsenden Irritation. Der Roman ist fordernd, manchmal verwirrend, und hat mich am Ende emotional erschöpft zurückgelassen, vielleicht sogar ein bisschen zerstört. Thematisch greift das Buch viel auf: transgenerationale Traumata, Mutter-Tochter- und Eltern-Kind0-Beziehungen, psychische Erkrankung, Kriegserfahrung, Migration, Schuld und Geheimnisse. Diagnosen werden nie genannt, sind aber zwischen den Zeilen spürbar. Das macht die Lektüre intensiv, aber auch anstrengend – gerade, wenn man (wie ich) aus einem sozialpädagogisch-therapeutischen Kontext liest und sich dennoch immer wieder fragt: Was ist wahr, was ist Wahn? Was kann ich überhaupt glauben? Eine Szene hat sich besonders eingeprägt: Eine Frau, Marija, beschreibt Begegnungen mit ihrer geliebten, aber sehr verletzenden und kritisierenden Mutter – und verhält sich später selbst genauso gegenüber ihrer Tochter. In solchen Momenten zeigt sich die Tragik wiederholter Verletzungen über Generationen hinweg. Die Figuren bleiben in ihrer Krankheit gefangen, auch Anna selbst entfremdet sich zunehmend. Nur im letzten Kapitel, als sie ein Märchen neu schreibt, blitzt kurz so etwas wie Erkenntnis auf. Doch auch das bleibt offen. Frauen im Sanatorium ist kein Buch, das man „gern“ liest. Ich muss auch gestehen, dass ich mich eher durchgebissen, vielleicht auch ein wenig gequält habe. Literarisch interessant, emotional befremdlich, ein Roman, der weniger erklärt als fühlbar macht, wie brüchig Wahrnehmung und Wahrheit sein können. Fazit: Ein dichter, intensiver Roman, der viele Themen anstößt und den Leser fordern will. Nichts für zwischendurch. Aber für alle, die sich auf ein vielschichtiges, irritierendes und nachwirkendes Leseerlebnis einlassen möchten.
»Ich kann nicht glücklich sein, das ist nichts Ernstes.« Die Protagonistin Anna kann nicht glücklich sein, deswegen ist nach einem Suizidversuch jetzt im Sanatorium. Anna war immer ehrgeizig, hat in der Schule Bestnoten geschrieben und macht Karriere im Theater, lebt einen Bohème Lebensstil. Sie möchte immer mehr, immer besser sein und erreicht, was sie sich vornimmt. In der Klinik nimmt Anna an verschiedenen therapeutischen Maßnahmen teil, aber dem Klinik-Psychologen erzählt sie nichts Relevantes. Stattdessen vertraut sie sich einem Flamingo im ruhigen Kurpark an: Pepik 🦩 Ihm kann sie alles erzählen. Und so erzählt sie Pepik von ihrer Migrationserfahrung, ihrer ersten Heimat — der ›anderen‹ Stadt in Russland, ihrem untreuen Vater und ihrer Mutter, von Verlust, Heimat und Liebe. Aber sie erzählt auch von ihren Bekanntschaften mit Elif, Marija, Katharina Soldatin und von den Geschichten aus Elif’s Notizbuch 📔. Darin werden Lebensgeschichten als Versionen erzählt, und Anna fängt nach und nach am Wahrheitsgehalt zu zweifeln. Im Laufe des Sanatoriumsaufenthalts wird verliebt, gelogen, eingebrochen, zugehört, getrunken, geliebt, gehasst. Anna hat viel über sich, über die Liebe aber auch den Hass auf ihre Eltern verstanden. Und sie will vor allem eines: Wieder gesund werden. Und eigentlich schafft Anna alles, was sie will … »Wenn man liebt, dann liebt man jeden Menschen anders, weil Menschen sich nie gleichen. Sie sind einmalig, sie sind vielfältig und verschieden. Deshalb gibt es kein Mehr und auch kein Weniger, denn jeder Mensch liebt jeden anderen auf seine eigene Art und Weise.« (S. 64) »FRAUEN IM SANATORIUM« von Anna Prizkau 🦩beschreibt die vier Frauen nicht über deren Diagnosen, sondern über ihre Geschichten. Der Roman hatte eine starke Sogkraft auf mich und ich habe wie in einem Rausch immer mehr verstehen wollen. Dies beruht nicht zuletzt darauf, dass sämtliche Figuren unzuverlässige Erzähler*innen sind und der Roman von der Frage, was Lüge und was Wahrheit ist, getrieben wird. Am Ende war ich zunächst ratlos und musste meine Gedanken sortieren 💭🦩 Daher eignet sich dieser Roman aus meiner Sicht perfekt für einen Buddy Read / Buchclub. DANKE an Dich liebe Carmen für den - wie immer - wunderbaren Austausch 🩷 Ein Roman, der viele Fragen aufwirft, aber auch davon erzählt, wie sehr Versionen von Geschichten zum Menschsein dazugehören und uns prägen. Ein Roman über das Menschsein mit all den Verfehlungen, Widersprüchen, Lieben, Sehnsüchten und Abgründen — und mit einer wundervollen, poetischen, stilvollen Sprache 💜

Was ich aus dem Buch mitnehme, ist vor allem der Gedanke, dass wir oft viel zu schnell über Menschen urteilen. Wir bewerten Verhalten, ohne dessen Ursprung zu kennen. „Frauen im Sanatorium“ erinnert daran, dass hinter jedem Menschen eine Geschichte steckt und dass jedes Verhalten seine Gründe hat. Vielleicht liegt darin die eigentliche Botschaft. Insgesamt würde ich dem Buch 3,5 Sterne geben. Es ist sprachlich schön und atmosphärisch, aber emotional hat es mich leider nicht so tief erreicht, wie ich es erhofft hatte.
Das Buch „Frauen im Sanatorium“ hat mit zuerst durch das zarte, wunderschöne Cover aus sich aufmerksam gemacht. Es hat etwas Weiches, Einladendes. Die Kommentare auf dem Buchrücken und im Schutzumschlag haben meine Neugier weiter geweckt. Hier ist von Liebe die Rede, die uns Menschen gleichzeitig unglücklich macht und beglückt und von der Zerbrechlichkeit des Glücks. Die Autorin Anna Pritzkau erzählt von vier Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen in einem Sanatorium leben. Alle haben eine Vergangenheit, die Narben hinterlassen hat. Jede dieser Geschichten ist geprägt von einer bestimmten Form der Liebe – zur Familie, zum Kind, zu anderen Menschen, zu Worten oder zur Musik. Neben dieser Liebe ein alle Frauen auch, dass sie in ihrer Seele „brüchig“ geworden sind. Gerade dies sollen die Lesenden in dem Buch erfahren. Doch leider konnte mich das Buch emotional nicht ganz erreichen. Es fällt mir schwer zu sagen, woran es genau liegt. Vielleicht daran, dass mir die Figuren alle recht unsympathisch blieben – obwohl ich selbst bereits einmal in der Psychiatrie gearbeitet habe und mit vielen Menschen in Kontakt war, die ich ins Herz geschlossen habe. Hier jedoch wirkten die Frauen distanziert, teils egoistisch und überhaupt nicht einfühlsam und sozial. Ich konnte nicht mit ihnen fühlen. Hinzu kommt, dass sich mir der Sinn hinter dem Buch nicht ganz erschlossen hat. Es bleibt vieles vage. Es gibt kein Nachwort, keine Einordnung der Autorin, keine Reflexion darüber, was ihr besonders wichtig war. Die Geschichten berühren stellenweise und zeigen ganz gesellschaftliche Erwartungen und Zuschreibungen auf. Doch es fehlte mir die verbindende Botschaft, die mich als Leserin ergriffen hätte. Es bleibt alles eher oberflächlich. Was ich dem Buch aber sehr zugutehalte, ist der Stil. Denn die Sprache ist ruhig und es ist beeindruckend, wie die Autorin in knappen Sätzen komplexe Lebensgeschichten andeutet. „Frauen im Sanatorium“ ist ein leises Buch mit subtiler Spannung. Vielleicht muss dieses Buch daher noch etwas nachhallen und findet dann seinen Wert bei mir erst im Nachklang. Trotz meiner inhaltlichen Kritikpunkte ließ sich das Buch überraschend schnell weglesen. Am schönsten waren für mich die Szenen, in denen Anna mit dem Flamingo spricht, da dies etwas Tröstliches an sich hatte und sogar poetisch wirkt.
Ich fand die Geschichte lange gut, weil die Figuren interessant waren und ich die Hörbuchsprecherin mochte. Im letzten Drittel hat mich die Geschichte leider verloren. Ich fand die Protagonistin zunehmend unsympathisch und konnte mich nicht in sie hineinversetzen. Zudem blieb mir alles zu schwammig und ich hätte mir eine Art Auflösung erwartet.
Pageturner mit Tiefgang
Anna Prizkau gelingt es, Gefühle besonders präzise in Worte zu fassen, mitunter benötigt sie hierfür nicht einmal die entsprechenden Adjektive. Manchmal sind diese Gefühle eher fremdartig, dann wieder: beinahe schmerzhaft nachvollziehbar. Es gibt kleine Beobachtungen und Bemerkungen, die mich haben schmunzeln lassen. - Aber auch: die ganz großen, existenziellen Themen. Generationenkonflikte. Die Bedeutung von Wahrheit und Lüge. Liebe. Glück. Stellenweise bedrückend, dennoch, oder auch gerade deshalb: wirklich schön. Und vor allem: Tiefgründig. Lest das!
Naja 🫤
Den Anfang der Geschichte fand ich noch gut aber mit der Zeit konnte ich mich immer weniger in die Geschichte rein fühlen ….. auch die Protagonisten wurden mir immer unsympathischer…. die Handlung wurde immer unrealistische , in Bezug wie so ein Alltag in einer psychiatrischen Klinik abläuft…. ich habe selbst einmal in diesem Bereich gearbeitet und kann sagen, das fast nichts davon der Realität entspricht ….. von der Hauptperson in dem Buch wird durch die vielen teilw. unwichtigen Informationen anderer Protagonisten abgelenkt…. Schade hatte mir mehr erwartet …. den Schreibstil an sich fand ich gut aber der Inhalt hat mir nicht gefallen
Ich fand es sehr schwierig und traurig.
Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, hatte aber auch kaum Erwartungen. Es war jedoch ziemlich langwierig für mich zu lesen. Die extrem kurzen Kapitel laden ein, es zwischendurch in die Hand zu nehmen. Dadurch ist es ein gutes Wartezimmerbuch. Jedoch kommt man irgendwie nicht tief genug in die Charaktere und die Geschichten scheinen sich immer und immer wieder zu wiederholen. Das Ende hatte ich erwartet und dennoch hat es mich im Stich gelassen. Es ist eine traurige Geschichte, und obwohl ich selbst von psychischen Erkrankungen betroffen bin, fand ich es sehr schwer mich dort wiederzufinden und Sympathien zu den Charakteren zu entwickeln.

readers high 10/10
auf jeder seite küsst es meine seele mit geschichten, die wir uns sonst viel zu oft verschweigen. „lasst uns darüber reden“ statt darüber schweigen. auch wenn manche dinge lieber ungesagt bleiben, findet dieses buch zarte wege, sie trotzdem fühlbar zu machen. es nimmt dich an die hand, ganz behutsam, freundschaftlich und stellt dir menschen mit echtem nahbaren körper vor. sie könnten deine nachbar*in sein, die person in der bahn oder eine grummelige kassierkraft, deren hintergrund du nicht kennst, aber vielleicht spürst. erzählt werden die dinge, die manchmal abgründig auf und in uns lauern, uns ausmachen und endlich gehört werden wollen: nur so sind wir ganz. und wer pflastert jetzt mein herz nach diesen wunderbaren seiten? 🥹❤️🩹
Intensiv & mit viel Tiefgang
Ein besonderes Buch – ruhig, aber intensiv. Die Autorin schreibt auf eine ganz eigene, eindringliche Weise, die einen sofort packt. Die Geschichten der Frauen im Sanatorium sind spannend, manchmal witzig, manchmal traurig, aber immer tiefgründig. Jede Figur bringt ihre eigene Welt mit, und zusammen ergeben sie ein starkes, nachdenklich stimmendes Gesamtbild.
Schwieriger Schreibstil, oberflächliche Charaktere
Wie immer ist alles eine Frage des Geschmacks, für mich war dieses Buch leider nichts. Ich bin nur schwer in die Geschichte hereingekommen, obwohl sie mich so sehr interessiert hat. Das Cover und der schöne Einband haben mich gecatched, die Geschichte leider überhaupt nicht. Der Schreibstil war auch sehr gewöhnungsbedürftig, die Charaktere in diesem besonderen Umfeld zu oberflächlich.
Ein Debütroman, der mir sehr gefiel. Ein Roman über vier Frauen in einem Sanatorium, über ihre Leben und ihre Geschichten. Dieses Buch ist voller Gegensätze: kraftvoll und zart, laut und ganz still, zärtlich und aggressiv, komisch und tragisch. Eine ausführliche Rezension folgt auf meinem Instagramaccount seelich_buchliebe
Ich habe es zu Ende gelesen...
Es fehlt mir eine Menge damit der Titel dem Inhalt gerecht wird. Die Protagonisten werden oberflächlich beschrieben. Es ist ein hin und her gespringe im guten Erzähl,- bzw Schreibstil. Es ist mir nicht genug in die Tiefe gegangen. Fakt ist: Der Einband ist schön Die Erwartungen waren hoch und wurden leider nicht erfüllt.
Characteristics
3 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
«Von Schicksalsschlägen lassen sich diese Frauen, die einander den Trost ihrer Gesellschaft schenken, nicht unterkriegen.» Die Zeit
Anna wollte nicht mehr. Und jetzt ist sie in einem Sanatorium. Dort lernt sie Elif kennen, die sich jeden Tag ein neues Märchen ausdenkt. Sie trifft Marija, die ständig Monologe über ihre tote Mutter hält. Sie begegnet der Soldatin Katharina, die jede Nacht Rotwein mit Wodka trinkt. Und dann ist da noch der Flamingo aus dem Kurpark, dem Anna von ihrer Emigration erzählt. Vor allem aber spricht sie mit ihrem Vogel tagtäglich über die Liebe. Denn die Liebe gibt es überall, gerade und sogar an einem so merkwürdigen Ort wie einer Klinik.
Elegant erzählt Anna Prizkau von Menschen, die das Glück suchen, ohne es wirklich finden zu wollen. Vom Fremden. Von den Verlorenen. Von Rollen und Erwartungen. Und dabei immer auch von der Kraft des Erzählens.
«Man muss einmal am Abgrund gestanden haben, wo es keine Illusionen mehr gibt, um zu begreifen, wie brüchig und verletzlich unser Gefühl von Glück ist und wie tief und bedeutsam für uns unsere Liebe ist. Anna Prizkau schreibt genau darüber – die Liebe, die uns allen Unglück bringt. Und uns zugleich so glücklich macht.» Serhij Zhadan
«Grandios, wie Anna Prizkau von Liebe und Schmerz erzählt. Ich liebe dieses Buch.» Ronya Othmann
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Author Description
Anna Prizkau, 1986 in Moskau geboren, kam in den 90er-Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie studierte in Hamburg und Berlin und arbeitete viele Jahre als Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. 2020 erschien ihr Erzählungsband Fast ein neues Leben, der mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover ausgezeichnet wurde. 2021 las sie beim Bachmann-Preis. Anna Prizkau lebt in Berlin.
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Nachdem ich viele eher schlechte Rezensionen gelesen hatte, war ich erstmal skeptisch. Aber mir persönlich hat das Buch richtig gut gefallen, die Geschichten der jeweiligen Frauen haben mich berührt und die Sprecherin des Hörbuchs fand ich großartig. „Wenn man liebt, dann liebt man jeden Menschen anders, weil Menschen sich nie gleichen. Sie sind einmalig, sie sind vielfältig und verschieden. Deshalb gibt es kein Mehr und auch kein Weniger, denn jeder Mensch liebt jeden anderen auf seine eigene Art und Weise.“
Das Buch war anders als erwartet, das lag wahrscheinlich vor allem an der Art des Erzählens. Die Protagonisten waren überhaupt nicht zugänglich, nichtsdestotrotz konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, ich wollte mehr über die verschiedenen Frauen erfahren. Viele schwere Themen werden hier auf eine Art beschrieben, die mir sehr gut gefallen hat, aber ich kann verstehen, wenn einige Leser den Zugang zu diesem Buch nicht gefunden haben.
Anna ist in einem Sanatorium. Dort lernt sie Elif, Marija und Katharina kennen. Alle Frauen haben ihre eigene Geschichte und ihre Dämonen, gegen die sie kämpfen. Anna verbringt viel Zeit im Kurpark und erzählt dem Flamingo was sie so bewegt. Marija vergöttert ihre Mutter aber hat Schwierigkeiten mit der Tochter, Katharina ist mit einigen anderen Soldaten da und trinkt jeden Abend. Vier unterschiedliche Frauen, vier unterschiedliche Schicksale. Doch etwas vereint die Frauen, die Suche nach dem Glück und der Liebe. Ruhig und fast nüchtern wird über den Alltag in der Klinik berichtet. Es gibt sehr viele Rückblicke, in denen wir von den Schicksalen der Frauen erfahren und Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle bekommen. Anna hatte es nicht leicht in ihrer Kindheit. Die Mutter depressiv, der Vater ging immer fremd. Sie musste sich oft um die Mutter kümmern, Früh Verantwortung übernehmen. Später glänzte sie durch gute Noten und Selbständigkeit. Leider ist das nur der äußere Schein. Innerlich gebrochen geht’s irgendwann nicht mehr weiter und sie landet in der Klinik. Die Rückblicke waren für mich manchmal etwas schwierig zu lesen. Da braucht es sehr viel Aufmerksamkeit. Die Schicksale der Frauen fand ich sehr interessant, doch hätte ich gern noch erfahren was da genau in der Klinik passiert ist um zu helfen. Der Klinikalltag blieb insgesamt recht undurchsichtig für mich. Auch die Diagnosen der Frauen hätten mich sehr interessiert. Die Sorgen und Ängste der Frauen waren dafür richtig gut eingefangen. Das Buch lebt mehr von den Rückblenden statt dem aktuellen Geschehen. Insgesamt schon ein solider Roman, der mich emotional nicht komplett abholen konnte.
Einblicke in die Welt einer psychiatrischen Klinik / Sanatorium
Anna, die Hauptdarstellerin des Romans Frauen im Sanatorium hat einen Suizidversuch begannen und wurde daraufhin in ein Sanatorium (psychiatrische Klinik) eingewiesen. Hier lernt sie unterschiedliche Charaktere kennen, die fast alle als Migranten in Deutschland aufgewachsen sind bzw. als Erwachsene auswandern. Als Folge ihrer Biographie erkranken diese Menschen an psychischen Erkrankungen. Anna ist eine Russlanddeutsche, die mit ihren Eltern als Kind nach Deutschland ausgewandert ist.Die Eltern trennen sich nach Affären ihres Vaters mit anderen Frauen und Anna wächst bei ihrer Mutter auf. Die Mutter ist selbst psychisch erkrankt und wohl mehrfach wahrscheinlich wegen Depressionen stationär in einer Klinik. Anna Prizkaus Roman beschreibt unterschiedliche Charaktere, die an verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen leiden. Ein zentrales Thema ist vor allem die Eltern/Mutter-Kind-Beziehung mit all ihren Störungen bei psychischen Erkrankungen eines oder beider Elternteil, Traumata und auch Gewalterleben. Der Roman ist sehr intensiv, man kann ihn nicht an einem Stück lesen. Ich brauchte immer wieder Lesepausen. Leser, die Interesse an psychologischen Themen haben, werden beim Lesen Spaß haben. Wer sich nicht mit psychologischen Fragestellungen auskennt, wird die Tiefe des Romans und die Bedeutung wahrscheinlich nur fragmentarisch verstehen.
FRAUEN IM SANATORIUM Anna Prizkau Darf ich heute mal anders beginnen – und zwar mit dem Fazit? Danke Fazit: Selten hat mich ein Buch so zwiegespalten fühlen lassen wie das Debüt von Anna Prizkau. Wie kann etwas so zart und schön daherkommen - das Cover, die Sprache – und gleichzeitig so brutal und schonungslos sein? Unsere Protagonistin war mir so unfassbar unsympathisch, und doch hing ich an ihren Worten wie eine Süchtige an der Nadel. Erzählte Märchen enden hier in Albträumen. Aber ist das Leben immer fair? Und tut es nicht auch mal gut, von denen zu lesen, deren Realität nicht aussieht wie ein Bilderbuch? Anna wird nach einem traumatischen Ereignis in ein Sanatorium eingewiesen. Dort trifft sie auf ganz unterschiedliche Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie brauchen Hilfe. Wir begleiten Anna in den Kurpark, an den See, zu einem blassen Flamingo namens Pepik, und lauschen ihren Geschichten zwischen Therapiesitzungen und fadem Kantinenessen. Sie beobachtet, hört zu, erzählt – von Marija, die so stolz auf ihre Tochter ist, es ihr aber nie zeigen kann und sie diese ausschließlich kritisiert. Von Elif, die sich lieber Geschichten ausdenkt, als die Wahrheit zu erzählen. Und von Katharina, einer Soldatin, die ihre Wahrheiten in Wodka und Wein ertränkt. Kein Wohlfühlbuch – aber läuft das Leben immer nach Plan? Sehr lesenswert. 3½/5

Vorab, ich brauche keine Wohlfühlbücher, lese gern die etwas anstrengenden Werke. Es muss eben nur Stimmen und etwas mehr Tiefe haben.
Das Buch hat durchaus interessante Ansätze und einige spannende Figuren. So hat mich der Klappentext neugierig gemacht. Die Figuren sind nur sehr schwach gezeichnet, sodass man kaum einen Zugang findet. Kurz bevor man es zu greifen bekommt, geht es mit einer anderen Geschichte, einem weitere Protagonisten, oder den Märchen weiter. Generationen-Konflikte, politische Verfolgung, Emigration, Straflager, Krieg. Leider versucht die Autorin, auf zu wenigen Seiten zu viel zu erzählen. Die Vielzahl an Protagonisten und Perspektiven führt schnell zu Verwirrung, und man wünscht sich beim Lesen etwas mehr Klarheit und Fokus. Klinikalltag (das was erzählt wurde ist schwer zu greifen, gerade wenn man in diesem Bereich arbeitet. Trotzdem gibt es schöne Momente und gelungene Szenen, die zeigen, was möglich gewesen wäre. Das Hörbuch hingegen ist gut gelungen – die Sprecher-Leistung bringt die Charaktere zum Leben und macht das Zuhören angenehm und lebendig. Ich bin mir sicher das ich das Buch sonst abgebrochen hätte. Fazit: Ein etwas überfrachtetes, aber nicht uninteressantes Buch mit einer starken Hörbuch-Sprecherin.
Was uns zerstört
Ich gebe zu, vor diesem Buch hatte ich großen Respekt. Ich hatte einige Rezensionen gelesen, Dieters Buch als schwer zugänglich, beschrieben, doch ich hatte es schon angefragt und dann ein bisschen gehofft, dass man mich vielleicht beim Verlag vergessen könnte. Aber es kam an und jetzt hab ich mich auch getraut. Anna kommt nach einem Zusammenbruch in ein Sanatorium. Dort sitzt sie nun am Teich und füttert den relativ blassen Flamingo Pepik während sie ihm von sich und den Anderen erzählt. Da ist Marija, die sich in endlos langen Monologen über ihre Mutter auslässt und zur Annahme verleitet, das mit der Mutter etwas geschehen ist. Da ist Elif, die mit großer Kreativität Geschichten erfindet an denen wir auch teilhaben, und ihre psychischen Probleme damit zu bekämpfen scheint. Die Bundeswehrsoldatin Katharina ersäuft ihr Trauma mit Rotwein und Wodka, und mischt gemeinsam mit ihren Soldatenfreunden gerne mal den Laden auf. Anna hadert aber mit sich, weiß nicht ob sie noch mal gesund werden kann, ob sie Liebe fühlen kann. Sie versucht es zu spielen, mit David, einem jungen Mann der ambivalente Gefühle hat, Unsicherheit ausstrahlt, bei dem man nie genau weiß, woran man ist. Alle haben sie etwas gemeinsam: eine Vergangenheit, die ihnen Instabilität verliehen hat. Vieles liegt im Elternhaus begründet, auch in der Migration, denn es scheint so, als hätten alle Protagonist*innen Wurzeln in einem anderen Land, zumindest hab ich das aus den erzählten Zusammenhängen abgeleitet. Mir hat es sehr gut gefallen, wie die Autorin die Leben der einzelnen Personen offen gelegt hat. Es passiert erzählerisch beinahe beiläufig, und man merkt gar nicht so sehr, wie man auf einmal Teil einer Biografie wird. Die Sprache ist leicht für ein solch schweres Thema. Ich war ein, um andere Mal schockiert über die Ereignisse, die über die Protagonist*innen herein, gebrochen sind, zum Teil auch wütend darüber, wie Familie mit diesen Menschen umgegangen ist. Aber die literarische Ausarbeitung von Prizkau hat diese schwere Masse fluffig aufgeschlagen. Ich fand es richtig interessant, wie sie Ursachen und Symptome verteilt und daraus Persönlichkeiten gestaltet hat, die in ihrer Unterschiedlichkeit den Roman zu einem interessanten Schauplatz machen. Am Ende gab es dann doch noch einmal einen dicken Kloß im Hals. Eigentlich ein gutes Zeichen – denn so war mir noch mal mehr bewusst, wie tief mich dieses Buch berührt hat. Meine Sorge, es könnte mir überhaupt nicht gefallen hat sich also nicht bestätigt Und da sieht man mal wieder, solange man nicht selber seine Nase ins Buch gesteckt hat, kann man gar nicht wirklich beurteilen, ob und wie es einem gefällt. Ich empfehle dieses Buch also allen, die sich mit schwierigen Persönlichkeiten beschäftigen möchten und eine literarisch einladende Art und Weise bevorzugen.
📚 Inhalt Anna hat alles, was man sich wünschen kann. Sie ist intelligent, ehrgeizig, hat eine erfolgreiche Karriere. Doch sie möchte immer mehr, immer besser sein und wird dadurch nur immer unglücklicher. Und so landet sie nach einem Suizidversuch im Sanatorium. Dort lernt sie sehr unterschiedliche Frauen und deren Geschichten kennen: Elif, die ständig lügt. Marija, die lange Monologe über ihre verstorbene Mutter hält. Und Katharina, die Nachts mit den Soldaten Wein und Wodka trinkt. Dann gibt es noch den Flamingo im Park, der Annas Geschichte erfährt. Ihm kann sie sich öffnen und erzählt von ihrer Migrationserfahrung, von ihrer Heimat Russland und von ihren Eltern. Während ihres Aufenthalts im Sanatorium erleben die Frauen Liebe, Lügen, Hass und Alkohol. 📖 Meinung Hm, wo soll ich anfangen. Mir gefällt die Idee des Buches sehr gut und ich hatte es länger im Blick, bevor ich es bei Medimops gekauft habe. Ich habe mich gefreut, die unterschiedlichen Frauen kennen zu lernen und der Flamingo als Teil der Geschichte macht sie irgendwie besonders. Aber dann zu den Frauen und ihren Geschichten: Ich war mir nie so ganz sicher, was stimmt und was gelogen war. Natürlich ist mir bewusst, dass die Autorin es genau darauf angelegt hat und die Leserinnen so zum Nachdenken bringen möchte. Aber mich hat es eher verwirrt, als dass ich mir gross Gedanken über die Sinnhaftigkeit machen konnte. Ich kann mir vorstellen, dass das Buch anderen Menschen sehr gut gefallen wird. Denn die Autorin legt grossen Wert darauf, dass die Gefühle und Ängste der Frauen rübergebracht werden und das gelingt ihr durchaus. Man kann bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, wieso die Frauen so sind, wie sie sind. Vielleicht habe ich das Buch zum falschen Zeitpunkt gelesen. Vielleicht wäre es besser gewesen, das Buch zu lesen, wenn mein Kopf nicht sonst schon voll mit vielen Sachen ist. Oder vielleicht hätte es mir gut getan, das Buch langsamer zu lesen und den Inhalt mit einer anderen Person zu teilen. So komme ich leider zu dem Schluss, dass das Buch für mich «nur» okay war.
Die einzelnen Fragmente gut, aber in Summe für mich nicht rund.
Fast jeden Tag sitzt Anna im Park der Klinik und spricht mit Pepik, einem Flamingo. Sie erzählt von ohren Gedanken und den Mwnschen, die sie hier im Sanatorium kennengelernt hat. Elif, die sich regelmäßig Geschichten ausdenkt, von denen man nie weiß, wieviel wahres sie in sich tragen. Oder Marija, die fast ausschließlich über ihre verstorbene Mutter spricht. Und schließlich Katharina, die rohe, einnehmende Soldatin, die nach dem Einsatz in Mali mit anderen Soldaten herkam. In sehr kurzen Kapiteln tauchen wir in die einzelnen Lebensgeschichten ein, verstehen, dass jede einzelne Trauma erlebt hat. Psychische Krankheiten in der Familie, seelischen Misshandlung, Migration, Krieg. Und wir bekommen einen Einblick in den Klinikalltag. Therapiegespräche, das Verhältnis zwischen Ärzten, Schwestern und Patienten untereinander. Aber hier wird alles nur oberflächlich beschrieben. Wir kennen keine Diagnosen. Ich muss gestehen, ich habe mich sehr schwer getan. Themen werden nur angerissen, einen gesamthaften Erzählstrang gibt es nicht. Keine der Protagonistinnen konnte mir wirklich nahekommen. Wirklich schade, weil ich die Idee des Zusammentreffens verschiedener Lebensgeschichten und wie sie uns seelische fordern wirklich gut finde.
Anna Prizkaus Debütroman „Frauen im Sanatorium“ ist ein stilles, poetisches Werk über Schmerz, Identität und die heilende Kraft des Erzählens. Es ist ein Roman, der in seiner Klarheit nachhallt und zwischen Realitätsflucht und Lebenswahrheit balanciert – getragen von einer Sprache, die präzise, leise und dennoch durchdringend ist. Im Zentrum steht Anna, eine Frau, die nach einer undefinierten „Sache“ in einem Sanatorium Zuflucht sucht – ein Ort, der gleichermaßen Klinik wie Bühne für eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit inneren Wunden ist. Hier trifft sie auf andere Frauen, jede von ihnen tragikomisch, seltsam und tief menschlich: Marija, die unermüdlich über ihre tote Mutter spricht, Elif, die sich täglich neue Märchen ausdenkt, um der Realität zu entfliehen, und Katharina, Soldatin und Trinkerin, bei der Kontrolle und Kontrollverlust Hand in Hand gehen. Und dann ist da Pepik – ein blasser Flamingo im Kurpark, der als stiller Zeuge Annas innerer Monologe fungiert. Mit ihm spricht sie über ihre Mutter, die irgendwann aufhörte, ihr Kreise auf die Wangen zu zeichnen, über ihren abwesenden Vater, ihre Emigration und über die Liebe – eine Liebe, die inmitten all des Schmerzes noch immer möglich scheint. Was Prizkau hier gelingt, ist bemerkenswert: „Frauen im Sanatorium“ erzählt von seelischen Brüchen, ohne in Klischees zu verfallen. Es ist keine Leidensgeschichte im klassischen Sinn, sondern ein feinsinniges Porträt fragiler Existenzen, die versuchen, in einer Welt voller Erwartungen und Zuschreibungen zu überleben. Die Erzählung lebt vom Ungesagten, vom Zwischen-den-Zeilen, von den Brüchen in der Sprache – und von der Weigerung, sich festlegen zu lassen, was nun Wahrheit, was Fiktion ist. Prizkaus Sprache ist dabei ihr größter Trumpf: schnörkellos, klar und dennoch voller Poesie. Sie beschreibt das Sanatorium als einen Ort, an dem die Realität verschwimmt, an dem Menschen Geschichten erfinden, um zu überleben – oder um sich selbst zu retten. Die Autorin verzichtet bewusst auf eine lineare Handlung und lässt stattdessen Stimmungen, Figuren und Erinnerungsfetzen Raum. So entsteht ein literarisches Mosaik, das sich mehr über Atmosphäre als über Plot definiert. „Frauen im Sanatorium“ ist kein Buch, das laut auf sich aufmerksam macht. Es ist vielmehr ein feines literarisches Flüstern – eines, das unter die Haut geht. Ein Roman über das Erzählen als Überlebensstrategie, über die Frage, was wahr ist und was nur eine Geschichte – und über die Erkenntnis, dass beides manchmal das Gleiche sein kann. Ein tief berührender, ungewöhnlicher Roman über das Verletzliche im Menschen, über das Suchen und Verlorengehen – und über das heilsame Erzählen in einer Welt, die oft zu laut ist, um wirklich zuzuhören. Anna Prizkaus Debüt ist mutig, eigenwillig und absolut lesenswert!

Leise, einfühlsam und nachdenklich
**** Mein Eindruck **** Ein durchdachtes, zartes Buch, das leise Töne voller Menschlichkeit, Scham, Schmerz, Bedürftigkeit, Ehrlichkeit und Selbstreflexion anschlägt – und diese auf berührende Weise miteinander verbindet. Die Geschichte ist gut geschrieben und sehr nachvollziehbar. Besonders das Miteinander der Figuren und ihr Aufeinandertreffen an einem besonderen Ort habe ich mit großer Freude verfolgt. Das Gefühl von Abgrund und zerbrechlichem Glück wird intensiv, aber niemals überzogen oder gar triggernd behandelt. Stattdessen bleibt der Ton ernst, respektvoll und einfühlsam – genau das hat dieses Buch für mich besonders gemacht. Für ein ganz großes Highlight fehlte mir an einigen Stellen etwas mehr Raffinesse und Feinschliff. Trotzdem lässt mich die Geschichte nachdenklich zurück. Gerade das Ende empfand ich als starkes Highlight und als gelungene Idee, die sicher viele Leserinnen und Leser auf ganz unterschiedliche Weise ansprechen wird. **** Empfehlung **** Wer Lust auf eine feinfühlige Auseinandersetzung mit Themen wie Verletzlichkeit, Hoffnung und Begegnungen auf Augenhöhe hat, wird hier eine bewegende und nachwirkende Lektüre finden.
Irritiert, erschöpft und nachdenklich, vielleicht auch leicht verstört
Frauen im Sanatorium erzählt aus der Perspektive von Anna, einer russlanddeutschen Frau, die nach einem Suizidversuch in einer psychiatrischen Einrichtung landet. Von dort aus beschreibt sie ihr eigenes Erleben und das der anderen Patientinnen. fragmentarisch, roh und emotional dicht. Mich hat zunächst die Perspektive sofort interessiert: eine russlanddeutsche Erzählerin, geschrieben von einer Autorin mit demselben kulturellen Hintergrund. Ich fand es spannend, dass immer mehr solcher Stimmen in der deutschsprachigen Literatur sichtbar werden. Doch je weiter ich las, desto mehr wich meine anfängliche Neugier einer wachsenden Irritation. Der Roman ist fordernd, manchmal verwirrend, und hat mich am Ende emotional erschöpft zurückgelassen, vielleicht sogar ein bisschen zerstört. Thematisch greift das Buch viel auf: transgenerationale Traumata, Mutter-Tochter- und Eltern-Kind0-Beziehungen, psychische Erkrankung, Kriegserfahrung, Migration, Schuld und Geheimnisse. Diagnosen werden nie genannt, sind aber zwischen den Zeilen spürbar. Das macht die Lektüre intensiv, aber auch anstrengend – gerade, wenn man (wie ich) aus einem sozialpädagogisch-therapeutischen Kontext liest und sich dennoch immer wieder fragt: Was ist wahr, was ist Wahn? Was kann ich überhaupt glauben? Eine Szene hat sich besonders eingeprägt: Eine Frau, Marija, beschreibt Begegnungen mit ihrer geliebten, aber sehr verletzenden und kritisierenden Mutter – und verhält sich später selbst genauso gegenüber ihrer Tochter. In solchen Momenten zeigt sich die Tragik wiederholter Verletzungen über Generationen hinweg. Die Figuren bleiben in ihrer Krankheit gefangen, auch Anna selbst entfremdet sich zunehmend. Nur im letzten Kapitel, als sie ein Märchen neu schreibt, blitzt kurz so etwas wie Erkenntnis auf. Doch auch das bleibt offen. Frauen im Sanatorium ist kein Buch, das man „gern“ liest. Ich muss auch gestehen, dass ich mich eher durchgebissen, vielleicht auch ein wenig gequält habe. Literarisch interessant, emotional befremdlich, ein Roman, der weniger erklärt als fühlbar macht, wie brüchig Wahrnehmung und Wahrheit sein können. Fazit: Ein dichter, intensiver Roman, der viele Themen anstößt und den Leser fordern will. Nichts für zwischendurch. Aber für alle, die sich auf ein vielschichtiges, irritierendes und nachwirkendes Leseerlebnis einlassen möchten.
»Ich kann nicht glücklich sein, das ist nichts Ernstes.« Die Protagonistin Anna kann nicht glücklich sein, deswegen ist nach einem Suizidversuch jetzt im Sanatorium. Anna war immer ehrgeizig, hat in der Schule Bestnoten geschrieben und macht Karriere im Theater, lebt einen Bohème Lebensstil. Sie möchte immer mehr, immer besser sein und erreicht, was sie sich vornimmt. In der Klinik nimmt Anna an verschiedenen therapeutischen Maßnahmen teil, aber dem Klinik-Psychologen erzählt sie nichts Relevantes. Stattdessen vertraut sie sich einem Flamingo im ruhigen Kurpark an: Pepik 🦩 Ihm kann sie alles erzählen. Und so erzählt sie Pepik von ihrer Migrationserfahrung, ihrer ersten Heimat — der ›anderen‹ Stadt in Russland, ihrem untreuen Vater und ihrer Mutter, von Verlust, Heimat und Liebe. Aber sie erzählt auch von ihren Bekanntschaften mit Elif, Marija, Katharina Soldatin und von den Geschichten aus Elif’s Notizbuch 📔. Darin werden Lebensgeschichten als Versionen erzählt, und Anna fängt nach und nach am Wahrheitsgehalt zu zweifeln. Im Laufe des Sanatoriumsaufenthalts wird verliebt, gelogen, eingebrochen, zugehört, getrunken, geliebt, gehasst. Anna hat viel über sich, über die Liebe aber auch den Hass auf ihre Eltern verstanden. Und sie will vor allem eines: Wieder gesund werden. Und eigentlich schafft Anna alles, was sie will … »Wenn man liebt, dann liebt man jeden Menschen anders, weil Menschen sich nie gleichen. Sie sind einmalig, sie sind vielfältig und verschieden. Deshalb gibt es kein Mehr und auch kein Weniger, denn jeder Mensch liebt jeden anderen auf seine eigene Art und Weise.« (S. 64) »FRAUEN IM SANATORIUM« von Anna Prizkau 🦩beschreibt die vier Frauen nicht über deren Diagnosen, sondern über ihre Geschichten. Der Roman hatte eine starke Sogkraft auf mich und ich habe wie in einem Rausch immer mehr verstehen wollen. Dies beruht nicht zuletzt darauf, dass sämtliche Figuren unzuverlässige Erzähler*innen sind und der Roman von der Frage, was Lüge und was Wahrheit ist, getrieben wird. Am Ende war ich zunächst ratlos und musste meine Gedanken sortieren 💭🦩 Daher eignet sich dieser Roman aus meiner Sicht perfekt für einen Buddy Read / Buchclub. DANKE an Dich liebe Carmen für den - wie immer - wunderbaren Austausch 🩷 Ein Roman, der viele Fragen aufwirft, aber auch davon erzählt, wie sehr Versionen von Geschichten zum Menschsein dazugehören und uns prägen. Ein Roman über das Menschsein mit all den Verfehlungen, Widersprüchen, Lieben, Sehnsüchten und Abgründen — und mit einer wundervollen, poetischen, stilvollen Sprache 💜

Was ich aus dem Buch mitnehme, ist vor allem der Gedanke, dass wir oft viel zu schnell über Menschen urteilen. Wir bewerten Verhalten, ohne dessen Ursprung zu kennen. „Frauen im Sanatorium“ erinnert daran, dass hinter jedem Menschen eine Geschichte steckt und dass jedes Verhalten seine Gründe hat. Vielleicht liegt darin die eigentliche Botschaft. Insgesamt würde ich dem Buch 3,5 Sterne geben. Es ist sprachlich schön und atmosphärisch, aber emotional hat es mich leider nicht so tief erreicht, wie ich es erhofft hatte.
Das Buch „Frauen im Sanatorium“ hat mit zuerst durch das zarte, wunderschöne Cover aus sich aufmerksam gemacht. Es hat etwas Weiches, Einladendes. Die Kommentare auf dem Buchrücken und im Schutzumschlag haben meine Neugier weiter geweckt. Hier ist von Liebe die Rede, die uns Menschen gleichzeitig unglücklich macht und beglückt und von der Zerbrechlichkeit des Glücks. Die Autorin Anna Pritzkau erzählt von vier Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen in einem Sanatorium leben. Alle haben eine Vergangenheit, die Narben hinterlassen hat. Jede dieser Geschichten ist geprägt von einer bestimmten Form der Liebe – zur Familie, zum Kind, zu anderen Menschen, zu Worten oder zur Musik. Neben dieser Liebe ein alle Frauen auch, dass sie in ihrer Seele „brüchig“ geworden sind. Gerade dies sollen die Lesenden in dem Buch erfahren. Doch leider konnte mich das Buch emotional nicht ganz erreichen. Es fällt mir schwer zu sagen, woran es genau liegt. Vielleicht daran, dass mir die Figuren alle recht unsympathisch blieben – obwohl ich selbst bereits einmal in der Psychiatrie gearbeitet habe und mit vielen Menschen in Kontakt war, die ich ins Herz geschlossen habe. Hier jedoch wirkten die Frauen distanziert, teils egoistisch und überhaupt nicht einfühlsam und sozial. Ich konnte nicht mit ihnen fühlen. Hinzu kommt, dass sich mir der Sinn hinter dem Buch nicht ganz erschlossen hat. Es bleibt vieles vage. Es gibt kein Nachwort, keine Einordnung der Autorin, keine Reflexion darüber, was ihr besonders wichtig war. Die Geschichten berühren stellenweise und zeigen ganz gesellschaftliche Erwartungen und Zuschreibungen auf. Doch es fehlte mir die verbindende Botschaft, die mich als Leserin ergriffen hätte. Es bleibt alles eher oberflächlich. Was ich dem Buch aber sehr zugutehalte, ist der Stil. Denn die Sprache ist ruhig und es ist beeindruckend, wie die Autorin in knappen Sätzen komplexe Lebensgeschichten andeutet. „Frauen im Sanatorium“ ist ein leises Buch mit subtiler Spannung. Vielleicht muss dieses Buch daher noch etwas nachhallen und findet dann seinen Wert bei mir erst im Nachklang. Trotz meiner inhaltlichen Kritikpunkte ließ sich das Buch überraschend schnell weglesen. Am schönsten waren für mich die Szenen, in denen Anna mit dem Flamingo spricht, da dies etwas Tröstliches an sich hatte und sogar poetisch wirkt.
Ich fand die Geschichte lange gut, weil die Figuren interessant waren und ich die Hörbuchsprecherin mochte. Im letzten Drittel hat mich die Geschichte leider verloren. Ich fand die Protagonistin zunehmend unsympathisch und konnte mich nicht in sie hineinversetzen. Zudem blieb mir alles zu schwammig und ich hätte mir eine Art Auflösung erwartet.
Pageturner mit Tiefgang
Anna Prizkau gelingt es, Gefühle besonders präzise in Worte zu fassen, mitunter benötigt sie hierfür nicht einmal die entsprechenden Adjektive. Manchmal sind diese Gefühle eher fremdartig, dann wieder: beinahe schmerzhaft nachvollziehbar. Es gibt kleine Beobachtungen und Bemerkungen, die mich haben schmunzeln lassen. - Aber auch: die ganz großen, existenziellen Themen. Generationenkonflikte. Die Bedeutung von Wahrheit und Lüge. Liebe. Glück. Stellenweise bedrückend, dennoch, oder auch gerade deshalb: wirklich schön. Und vor allem: Tiefgründig. Lest das!
Naja 🫤
Den Anfang der Geschichte fand ich noch gut aber mit der Zeit konnte ich mich immer weniger in die Geschichte rein fühlen ….. auch die Protagonisten wurden mir immer unsympathischer…. die Handlung wurde immer unrealistische , in Bezug wie so ein Alltag in einer psychiatrischen Klinik abläuft…. ich habe selbst einmal in diesem Bereich gearbeitet und kann sagen, das fast nichts davon der Realität entspricht ….. von der Hauptperson in dem Buch wird durch die vielen teilw. unwichtigen Informationen anderer Protagonisten abgelenkt…. Schade hatte mir mehr erwartet …. den Schreibstil an sich fand ich gut aber der Inhalt hat mir nicht gefallen
Ich fand es sehr schwierig und traurig.
Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, hatte aber auch kaum Erwartungen. Es war jedoch ziemlich langwierig für mich zu lesen. Die extrem kurzen Kapitel laden ein, es zwischendurch in die Hand zu nehmen. Dadurch ist es ein gutes Wartezimmerbuch. Jedoch kommt man irgendwie nicht tief genug in die Charaktere und die Geschichten scheinen sich immer und immer wieder zu wiederholen. Das Ende hatte ich erwartet und dennoch hat es mich im Stich gelassen. Es ist eine traurige Geschichte, und obwohl ich selbst von psychischen Erkrankungen betroffen bin, fand ich es sehr schwer mich dort wiederzufinden und Sympathien zu den Charakteren zu entwickeln.

readers high 10/10
auf jeder seite küsst es meine seele mit geschichten, die wir uns sonst viel zu oft verschweigen. „lasst uns darüber reden“ statt darüber schweigen. auch wenn manche dinge lieber ungesagt bleiben, findet dieses buch zarte wege, sie trotzdem fühlbar zu machen. es nimmt dich an die hand, ganz behutsam, freundschaftlich und stellt dir menschen mit echtem nahbaren körper vor. sie könnten deine nachbar*in sein, die person in der bahn oder eine grummelige kassierkraft, deren hintergrund du nicht kennst, aber vielleicht spürst. erzählt werden die dinge, die manchmal abgründig auf und in uns lauern, uns ausmachen und endlich gehört werden wollen: nur so sind wir ganz. und wer pflastert jetzt mein herz nach diesen wunderbaren seiten? 🥹❤️🩹
Intensiv & mit viel Tiefgang
Ein besonderes Buch – ruhig, aber intensiv. Die Autorin schreibt auf eine ganz eigene, eindringliche Weise, die einen sofort packt. Die Geschichten der Frauen im Sanatorium sind spannend, manchmal witzig, manchmal traurig, aber immer tiefgründig. Jede Figur bringt ihre eigene Welt mit, und zusammen ergeben sie ein starkes, nachdenklich stimmendes Gesamtbild.
Schwieriger Schreibstil, oberflächliche Charaktere
Wie immer ist alles eine Frage des Geschmacks, für mich war dieses Buch leider nichts. Ich bin nur schwer in die Geschichte hereingekommen, obwohl sie mich so sehr interessiert hat. Das Cover und der schöne Einband haben mich gecatched, die Geschichte leider überhaupt nicht. Der Schreibstil war auch sehr gewöhnungsbedürftig, die Charaktere in diesem besonderen Umfeld zu oberflächlich.
Ein Debütroman, der mir sehr gefiel. Ein Roman über vier Frauen in einem Sanatorium, über ihre Leben und ihre Geschichten. Dieses Buch ist voller Gegensätze: kraftvoll und zart, laut und ganz still, zärtlich und aggressiv, komisch und tragisch. Eine ausführliche Rezension folgt auf meinem Instagramaccount seelich_buchliebe
Ich habe es zu Ende gelesen...
Es fehlt mir eine Menge damit der Titel dem Inhalt gerecht wird. Die Protagonisten werden oberflächlich beschrieben. Es ist ein hin und her gespringe im guten Erzähl,- bzw Schreibstil. Es ist mir nicht genug in die Tiefe gegangen. Fakt ist: Der Einband ist schön Die Erwartungen waren hoch und wurden leider nicht erfüllt.



































