Achtzehnter Stock
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Description
Book Information
Author Description
SARA GMUER wurde 1980 in Locarno geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in der italienischen Schweiz, ihre Jugend in Luzern. Nach ihrem Abschluss an der Filmschauspielschule Zürich zog sie nach Deutschland. Sie stand für Dominik Graf und Die Ärzte vor der Kamera und als Rapperin auf der Bühne. Sie schrieb Songs, textete für Agenturen und fand dabei ihre ganz eigene Stimme. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Berlin.
Characteristics
7 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
"Das Haus schwankt. Der Beton bewegt sich im Wind wie die Krone einer Pappel. Das Hochhaus taumelt bei jedem Windstoß, als wäre es besoffen. Ich wohne im achtzehnten Stock." "Sollen die doch alle denken, was sie wollen. Glück lässt sich von Pisse im Treppenhaus nicht abschrecken, Glück findet von Zeit zu Zeit sogar in den achtzehnten Stock." "Die Zeit zersetzt sich wie Kompost. Die Gegenwart dauert drei Sekunden, dann ist sie weg, unwiderruflich vorbei, und wenn man sich nicht darin festbeißt, bleibt nichts, wirklich gar nichts von ihr übrig." Berlin. Die Geschichte von Wanda und ihrer kleinen Tochter Karlie, die von einer Schauspielkarriere und dem Verlassen des Plattenbaus träumt. Wanda wurde mir relativ schnell unsympathisch, ich konnte ihre Handlungen und Entscheidungen teilweise nicht nachvollziehen. Ich habe mich auch die ganze Zeit gefragt, wovon Wanda und Karlie eigentlich gelebt haben. Den etwas schroffen Schreibstil mochte ich dagegen sehr, das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Für ganz viele ein Highlight, für mich leider nicht
Fand’s so gut geschrieben 📖🩵💛
Das war ein tolles Buch und ich kann mich endlich auch mal kurz fassen 🤭: Wanda träumt von einer Karriere als Schauspielerin, aber gleichzeitig ist sie auch Mama der kleinen Karlie und wohnt in einem Berliner Plattenbau. „Unerfüllte Träume sind auch Träume. Sie sind bloß viel gefährlicher.“ Ich mochte das Buch von Anfang an und zum Glück hat es mich auch gegen Ende nicht doch noch enttäuscht. Der Schreibstil ist neu und frisch, die Charaktere vielschichtig. Es gibt eine Konzentration auf einige wenige Charaktere, so dass man auch die Chance bekommt, diese besser kennenzulernen. Ich habe Wanda und Karlie geliebt und mit ihnen mitgefiebert. Stellenweise ist mir komplett das Herz stehengeblieben, also der Klappentext bereitet einen nicht wirklich darauf vor, was in dem Buch passiert. Mit Freude habe ich gesehen, dass das neue Buch der Autorin „Karizma“ bereits für September angekündigt ist. Leseempfehlung! 5/5⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Prägnant, schroff und unerbittlich
Wanda lebt mit ihrer Tochter Karlie alleinerziehend im 18. Stock eines Berliner Plattenbaus und jagt ihren Träumen nach. Sie möchte ihr schauspielerisches Talent endlich zu Geld machen und Karlie Dinge bieten, dass nicht von Verzicht, leerem Kühlschrank und zu kleinen Klamotten geprägt ist. Und plötzlich bietet sich die Chance mit einer bekannten Regisseurin und Adam Ezra, dem gefeierten Schauspieler, zusammen zu arbeiten. Die Tür in eine Glitzerwelt mit Chauffeur, piekfeinen Restaurants und viel Champagner öffnet sich. Ausgerechnet an diesem Abend wird Karlie sehr krank und Wanda muss das erste Arbeitstreffen vorzeitig verlassen. Ein No-Go in der Filmbranche, auch wenn zunächst Verständnis geheuchelt wird. Wanda kämpft für ihren Traum, ist zu stolz, um Hartz IV zu beantragen und steht kurz davor mit Karlie auf der Straße zu landen. Sara Gmuer hat einen sehr intensiven Text geschrieben, der die Nöte von Menschen in Armut, ihre Überfordern, die Scham und die Lebensverhältnisse am Rand der Gesellschaft sehr gut abbildet.
Schnell, hart und schonungslos.
Das war ein wilder Ritt. Zunächst musste ich mich ein wenig in den Schreibstil und die schnelle, abgehackte Erzählweise einfinden, aber dann hat mich die Geschichte und die Geschehnisse mit sich gerissen. Ich konnte mich ihr nicht mehr entziehen und musste unbedingt wissen wie es mit Wanda und Karlie weitergeht. Klare Leseempfehlung, wenn man sich auf die harte, schonungslose Darstellung des Lebens einlassen kann.
Hinterlässt Spuren
Ein Buch, das bleibt – nicht wegen großer Gesten, sondern wegen der leisen Wucht, mit der es erzählt. Wanda ist keine Heldin, sie ist Mensch – roh, müde, hoffend. Ihr Alltag im 18. Stock ist eng und weit zugleich: Enge Treppen, weite Träume. Sara Gmuer schreibt mit einer Direktheit, die trifft, ohne zu verletzen. Zwischen Beton und Bühne liegt ein Abgrund, den Wanda nicht einfach überwindet – sie stolpert, fällt, steht wieder auf. Und wir stolpern mit. Ein stilles, ehrliches Buch, das uns daran erinnert, wie viel Kraft in kleinen Schritten liegt.
Schmerzhaft, aber auch schön
"Das Haus ist ein Mahnmal, ein Mittelfinger, der in den Himmel ragt und unübersehbar an uns erinnert, an uns und an all die anderen, die keiner sehen wollte." (Pos. 2440) Sarah Gmuers Debüt ist hart, schonungslos und schmerzhaft, weil es zeigt, was Armut mit Menschen macht. Ich war bis zum Ende des Buches sehr skeptisch, wurde dann aber vollkommen überzeugt. Dazu später mehr. In "Achtzehnter Stock" verfolgen wir Wanda, eine junge Schauspielerin, die alleinerziehend ist und ein prekäres Leben führt. Sie hört jedoch nicht auf, von einem besseren Leben außerhalb der Platte zu träumen, bis sich ihr eines Tages eine Chance bietet. Sarah Gmuers Sprache ist unmittelbar, hart und klar. Dadurch wird die Stimmung des Buches gut vermittelt und es macht das Buch sehr lesenswert. Die Figuren sind vielschichtig und gut dargestellt. Anfangs war ich total von der Geschichte begeistert, wurde dann aber immer kritischer. Man hat Mitleid mit der Protagonistin und es macht einen wütend, wie mit ihr umgegangen wird. Allerdings tritt sie selbst nach unten, verhält sich nicht solidarisch und nutzt andere aus (z.B. eine junge Babysitterin). Sie hält sich "für etwas Besseres", obwohl sie in der gleichen Situation wie die anderen Frauen in ihrem Haus ist, die für ihre Situation genauso wenig können. Aber das Ende hat mich versöhnt. Die Protagonistin macht eine Charakterentwicklung durch und erkennt auch ihre Fehler. Dranbleiben lohnt sich, auch wenn man zwischendurch sehr sauer auf Wanda wird. Am Ende musste ich mir ein paar Tränen abwischen. Fazit: "Achtzehnter Stock" ist ein schmerzhafter Roman, der einem aber auch viel gibt und aus dem man viel mitnehmen kann. Ich muss das Buch noch etwas verdauen, glaube aber: das war ein Highlight. 5/5 Sterne
Dieser Roman ist düster, melancholisch, schonungslos und nichts für schwache Nerven.
"Das Haus ist ein Mahnmal, ein Mittelfinger, der in den Himmel ragt und unübersehbar an uns erinnert, an uns und all die anderen, die keiner sehen wollte." Wanda lebt gemeinsam mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie in einem Berliner Plattenbau im achtzehnten Stock. Sie ist alleinerziehend und eine Erfolglose Schauspielerin. Ich mag Wanda nicht. Ich konnte zu oft ihre Handlungen nicht nachvollziehen. Trotzdem mochte ich das Buch. Sprachlich überzeugt der Roman. Der Schluß er es für mich zum modernen Märchen.
Wanda wohnt mit ihrer 5-jährigen Tochter in einer runtergekommenen Wohnung in einem runtergekommenen Hochhaus. Ihr Leben ist trist und vergeblich wartet sie seit Monaten auf eine Filmrolle, die ihr das ersehnte Geld einbringt. Als endlich ein Lichtblick mit einem Angebot erscheint, wird ihre Tochter schwer krank. "Mit Kindern ändern sich die Prioritäten, und wenn man nicht aufpasst, verliert man jeglichen Anspruch auf sich selbst." Die Rolle ist futsch, denn Wanda verbringt Wochen mit Karlie im Krankenhaus. "Unerfüllte Träume sind auch Träume. Die sind bloß viel gefährlicher. " Bis hierher hatte mir das Buch sehr gut gefallen. Doch ab dann viel es für mich leider ab. Wurde irgendwie vorhersehbar. Wanda immer bitter, unzufrieden und maulig wurde mir unsympathisch. Die Story am Filmset war mir zu abstrus. Doch immer wieder auftauchende schöne Sequenzen ließen mich dad Buch zu Ende lesen. Denn dass das Leben einer alleinerziehenden Mutter hart ist und das einer alleinerziehenden Schauspielerin erst recht, kann ich nachvollziehen. "Ich habe nichts mehr zu verlieren, ich bin eine offene Wunde, aber ich blute nicht mehr." Für viele ein sehr gutes Buch, für mich war es okay.
Wanda lebt mit ihrer 5jährigen Tochter Karlie in Berlin. Sie ist Schauspielerin, schon länger ohne Einkommen und alleinerziehend. Immer auf der Suche nach Erfüllung, Sinn und Freude im Leben sucht sie Wege um mit eigener Kraft zurechtzukommen. Obwohl ich in Deutschland alt geworden bin, viel erlebt und gesehen habe, erschüttert es mich immer wieder, wenn ich über Schicksale lese wie Wandas und Karlies. Karlie erkrankt und ihre Mutter Wanda braucht Hilfe. Doch sie wohnt im 18. Stock - sozialer Brennpunkt. Voll Mitleid habe ich ihr Schicksal verfolgt, manche ihrer Handlungen nicht nachvollziehen können. Angst und unerfüllte Träume bestimmen ihr Denken und Handeln, sie wird fallen gelassen, erlebt Freunschaft, oder auch nicht. Und erlebt eine Zeit wie im Rausch, der besonders mitreißend beschrieben wird. Kluge, tiefsinnige Gedanken lassen Mitgefühl mit Wanda aufkommen. Doch auch die anderen Charaktere sind gut geschildert, wenn auch nicht immer sympathisch. Durch den intensiven Schreibstil spürt man die Enge im Hochhaus, die Hitze im Hof und vieles mehr. Das Buch hat eine Sogwirkung und man hofft und bangt mit Wanda. Am Schluß würde man gern noch eine Weile bei Wanda bleiben und wissen, wie es weiter geht.
Achtzehnter Stock ist ein Buch, wie ich es so noch nie gelesen habe – sprachlich roh, besonders, mit einer Wucht, die einen nicht mehr loslässt. Es erzählt von einer Realität, die oft übersehen wird, und trifft damit einen Nerv. Die Geschichte ist hart, genau wie der Ton. Ich fand es sprachlich wie inhaltlich beeindruckend, aber auch fordernd. Die Protagonistin Wanda ist keine einfache Figur, vor allem, weil sie ihre Tochter manchmal für ihre Träume vernachlässigt und trotzdem konnte ich sie verstehen. Ein wichtiges Buch. Aber eins, für das man bereit sein muss.
Dem Himmel so nah aber den Sternen so fern - ein großartiges Buch! Ich bewundere Sara Gmuer für ihre Beobachtungsgabe, die Feinheit aber vor allem ihr Talent die Geschichte von Wanda und Karlie mit uns so echt und authentisch zu teilen. Ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen und wollte gar nicht, dass es aufhört und wenn dann ausschließlich mit einem Happy End. Ob mein Wunsch aber vor allem Wandas erfüllt wurden? Ich würde sagen findet es selbst heraus und erklimmt die Treppen und Seiten vom Achtzehnten Stock.

Lebens(t)räume
Wanda lebt mit ihrer 5-jährigen Tochter Karlie in einer tristen Berliner Platte und träumt weit oben im achtzehnten Stock von einem besser Leben, rauszukommen und sich ihren Traum von der Schauspielkarriere zu erfüllen. Als die einmalige Chance einer großen Rolle kommt, merkt Wanda schnell, wie schwer es als alleinerziehende Mutter ist, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen und das triste Dasein hinter sich zu lassen, das einen seit Jahren prägt. Sara Gmuer schafft es Wandas Lebenshunger, der Hoffnung auf Besserung, eine bessere Zukunft, diesem Drang nach mehr eine starke und ungeschönte Stimme zu geben, obwohl man doch spürt, wie resigniert und verloren sie sich oft in ihrem Leben fühlt, in das sie einfach nicht hinein zupassen scheint. Alle anderen in der Platte scheinen sich mit ihren begrenzten Möglichkeiten und der sozialen Ungerechtigkeit abgefunden zu haben, aber sie brennt und glaubt unbeirrbar daran, dass es für sie mehr geben wird. Das wird auch durch die kurzen, rauen und harten Sätze deutlich, die den Roman dominieren. Trotz der starken Auseinandersetzung mit dem Aufeinanderprallen von so unterschiedlichen Welten und dem schnell erkenntlichen Appell, dass das Gras auf der Seite der Schönen und Reichen auch nicht grüner ist, hatte ich doch meine Probleme mit dem Charakter von Wanda. Oft vermittelten ihre Ausdrücke und ihr Verhalten gegenüber ihren Freundinnen eine Überlegenheit und Arroganz, die ich als wenig gerechtfertigt sehe. Sollte man andere Menschen wirklich verurteilen, weil sie sich mit ihrem Leben arrangieren und trotz der Benachteiligungen versuchen das Beste daraus zu machen? Nur weil sie nicht so hoch streben wie man selbst? Sollte man jede Kritik gedanklich mit: „Scheiß auf die, die können ich mal“ quittieren, statt zu sich zu hinterfragen? Während man selbst als Mutter die 5-jährige Tochter alleine zu Hause lässt und feiern geht um an eine Rolle zu kommen? Natürlich verstehe ich die überspitzen Charaktere auch als eine Ausdrucksform des Romans, besonders was das harte Leben in Armut aus einem Menschen machen kann, aber für mich hat es leider die Sympathie zerstört und mich oft den Kopf schütteln lassen.
Leben im Plattenbau und der Traum alles hinter sich zu lassen Das war auf jeden Fall ein Buch, was nachhallt, auch wenn ich lange überlegt habe, ob ich es überhaupt lesen möchte. Wanda lebt im 18.Stock eines Hochhauses in Berlin. Sie ist als alleinerziehende Mutter hier gelandet, wo Trostlosigkeit und Armut bis in den letzten Winkel zu spüren sind. Eigentlich ist sie Schauspielerin, doch das letzte Engagement ist inzwischen auch schon 2 Jahre her, und es ist keine neue Rolle in Sicht. Sie will auf jeden Fall hier weg, und sie verfolgt vehement ihren Traum einer Schauspielkarriere. Das führt natürlich auch dazu, dass sie sich nicht so um ihre kleine Tochter kümmern kann, wie sie das eigentlich möchte. Als man sie endlich mal wieder engagiert, wird sie gefeuert, als sie den Drehort verlassen muss, weil die Kita anruft und sie auffordert Karlie sofort abzuholen. So ist es halt als Mutter- Karriere hin oder her- das Kind geht vor. Es wird sogar richtig dramatisch, als Karlie ernsthaft erkrankt und in die Notaufnahme muss. Gott sei Dank hatte Eileen‘s Mutter von nebenan kein gutes Gefühl bei Karlie‘s Ohrenschmerzen. Wanda hat im Laufe der Geschichte bei jeder Chance die Hoffnung endlich den Durchbruch zu schaffen und wird dann doch wieder brutal in die Wirklichkeit zurückkatapultiert. Wanda ist keine sympathische Protagonistin, und ich fand manche ihrer Handlungen auch fragwürdig, ihren Umgang mit Mitmenschen, Nachbarn, Kollegen nicht besonders freundlich und umgänglich. Ich verstehe aber, dass das Leben sie hart gemacht hat und habe ihren Ehrgeiz anerkannt, alles zu versuchen, um ihre Situation zu verbessern. Die Autorin ist eine wirklich gute Beobachterin, die das Elend auf der Platte sehr präzise und treffend in Worte kleiden kann. Die Schere zwischen arm und reich in unserer Gesellschaft wird einem beim Lesen dieses Textes nochmal besonders deutlich und auch das es fast unmöglich ist, sich von ganz unten wieder ein Stück weit nach oben zu arbeiten. Besonders schwer haben es da Alleinerziehende. Sicherlich war dies kein Wohlfühlbuch, aber eine Lektüre, die durch die Sprache beeindruckt hat und zum Nachdenken anregt. Das Hörbuch wurde sehr einfühlsam vertont von Nina Reithmeyer, hat mir gut gefallen und ist empfehlenswert.
Puh. Ja. Ich konnte so vieles Nachvollziehen, die Geschichte hat mich sehr berührt. Dieser Spagat, den Alleinerziehende wuppen müssen. Das schlechte Gewissen auf der einen Seite, der Wunsch, raus aus dem Plattenbau zu kommen, auf der anderen Seite. Karriere und Muttersein, darf man das überhaupt? Auf jeden Fall! Aber es ist ein wirklich schwerer Weg, der nicht von allen toleriert wird.
Wenn Sprache sich in Bilder verwandelt.
Ein berührender, kraftvoll erzählter Roman über eine Mutter zwischen Überforderung, Träumen und dem rauen Berliner Alltag. Die bildhafte Sprache hat mich tief beeindruckt – ich konnte Wandas Emotionen und ihren inneren Kampf intensiv miterleben. Authentisch, eindringlich, voller Mitgefühl.

Wie ein Film im Kopf. Wunderschön, dramatisch, aufregend und roh und ehrlich.
Ein schmales Buch, das dennoch viel zu sagen hat. Schnell gelesen und dennoch hallt es nach in mir. Wanda hat sich ihr Leben anders vorgestellt, nämlich glamourös und aufregend. Stattdessen sitzt sie in der Hochhaussiedlung fest, kämpft mit dem Traum des großen Durchbruchs als Schauspielerin und ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter. Mareike Fallwickel sagt über den Roman, er sei „Hart und rau und schön.“ und diese Beschreibung sprach mich vor dem Lesen so sehr an. Sie bewahrheitete sich auf jeder Seite mehr. Genau das ist „Achtzehnter Stock“ von Sarah Gmuer. Ich flog durch die Seiten, der Ton der Protagonistin, die mehr will vom Leben, als es für sie vorgesehen hat, ist direkt und ungeschliffen. Ich mag ihr hadern mit dem Schicksal und ihre Wut auf alles und ihren Glauben an eine Zukunft. Ja, das eine oder andere Klischee begegnet uns schon… aber das kann ich milde weglächeln, weil hier einfach ansonsten sehr viel stimmt. Es ist ein Roman, der uns unter den Arm nimmt und mitreißt. Er lässt uns nach der letzten Seite fallen und wünschen, Sarah Gmuer schriebe bald etwas ähnlich Schönes! Große Empfehlung!
4/5 Von der Platte und unerfüllten Träumen
Die Geschichte ist traurig und die Hauptfigur schwierig. Ich mochte sie nicht, wie sie ihr eigenes Glück aufwiegt gegen alles andere - am Ende auch zu Lasten des eigenen Kindes. Aber genau darum geht es in der Geschichte. Sie will raus aus dem Plattenbau, weg von der Bürgergeld-Umgebung, sie gehört dort nicht hin. Alle, die mit ihr dort leben, passen da hin, nur sie nicht. Adam, Schauspieler, berühmt, verschafft ihr letztendlich die lang ersehnte Rolle. Und sie kommen sich näher. Ändert das alles? Ein bisschen crazy war, dass Adam nicht wusste, das Wanda ein Kind hat, obwohl er beim ersten Essen mitbekommen hat, dass sie genau deswegen wegmusste. Aber gut. Ich mochte den Stil des Buches total, der raue Ton, das Ehrliche. Ich weiß noch nicht, wie ich das Ende bewerten kann, aktuell bin ich noch hin und hergerissen ;)
Wanda lebt mit ihrer kleinen Tochter Karlie in einer Plattenbausiedlung in Berlin. Sie ist eine arbeitslose Schauspielerin, träumt von einer großen Rolle um dadurch endlich aus der Platte rauskommen. Die anderen Menschen in der Nachbarschaft haben keine großen Träume mehr, haben aufgegeben und verstehen Wanda nicht. Als sich plötzlich die Möglichkeit ergibt als Schauspielerin zu arbeiten, greift Wanda zu. Was ist sie bereit dafür zu opfern? Was ist Ruhm und Geld eigentlich wert? „Man ist nicht immun gegen Angst, es gibt keine Antikörper dagegen, man wird nur ängstlicher und zuckt bei jedem Scheiß zusammen. Tiefe Narben bleiben für immer.“ „Unerfüllte Träume sind auch Träume. Sie sind bloß viel gefährlicher. Man verbittert, man wird so, wie man niemals sein wollte, man wird wie all die anderen Versager, Verstörten und Vergessenen, man lässt sich gehen und gewöhnt sich an die flirrenden Abgase, die Absagen, den Lärm.“ „Man wird zu den Menschen, mit denen man am meisten Zeit verbringt. Man wird eins mit der Umgebung, wie Fetzenfische zwischen Korallen oder hässliche Gespenstschrecken auf irgendwelchen Ästen. Man gleicht sich an, bis man sich am Ende selbst nicht mehr sieht, und wenn man dann hinter vergilbten Gardinen und vorgehaltener Hand über die anderen redet, meint man eigentlich sich selbst.“ Ein ungewöhnlicher Roman über eine ungewöhnliche Frau. Sie liebt ihre Tochter aber sie will mehr vom Leben, will ihre Träume nicht aufgeben. Sara Gmuer gelingt ein harter und ehrlicher Blick in das Leben im Plattenbau und das Leben einer alleinerziehenden Mutter. Sympathisch und nachvollziehbar ist die Protagonistin nicht immer aber das muss sie auch nicht. Geschrieben wurde hier teilweise rau, teilweise poetisch. Es gab ganz großartige, wortgewaltige Sätze, die ich gern mehrfach gelesen habe. Das Buch entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Die Story an sich hat mir gut gefallen aber auf die Klischees, die hier bedient wurden, hätte ich auch verzichten können. Das ist aber wieder sehr subjektiv. Insgesamt ein tolles Buch, das viele Fans finden wird, ich bin auch mit dabei.
Nicht nur Reichtum wird vererbt, auch Armut
Ich war erst skeptisch, ob das Buch mich mitnehmen kann. Lange wusste ich überhaupt nicht, wo es hingeht. Irgendwann aber traf es plötzlich voll meinen Nerv. Ich spürte Wandas Überlebenskampf und warum sie so zynisch ist. Wenn das Leben mies läuft, läuft es oft immer weiter mies. Sympathisch sein wird irgendwann zweitrangig. Sie ist jedoch nicht böse oder irgendwas in der Art; sie ist tief verzweifelt und steht doch immer wieder auf. Die Sprache fand ich erst ziemlich einfach, contempory steht in der englischen Beschreibung des Subgenre. Später entdeckte ich die Weisheiten, die zwischen den Zeilen klug rieseln. Gut gemacht, finde ich. Keine leichte Kost. Hab’s gemocht.
Hier sind sie also, die Covid-Pandemie Romane. Nur dass es jetzt inzwischen schon wieder etwas aus der Zeit gefallen wirkt. "Achtzehnter Stock" hat aber auch genügend andere Themen und erzählt überzeugend die Schwierigkeiten Beruf und Kindbetreuung zu vereinbaren. Sara Gmuer hat, wie ich in einem Interview gehört habe, einiges an eigenen Erfahrungen verarbeitet wie z.B. die Erkrankung der Tochter an einer Hirnhautentzündung oder eigene Erfahrunge in Film und Schauspiel. Das trägt sehr zur Authentizität des Textes bei.
Verwirklichung von Lebensträumen mit Ausgangspunkt Berliner Plattenbau! ❤️🩹
Der 18. Stock eines Berliner Plattenbaus ist der Schauplatz des neuen Romans von Autorin Sara Gmuer. Hauptfigur Wanda lebt als Alleinerziehende dort mit ihrer Tochter Karlie. Ein nicht funktionierender Lift, in dem „Müll“ gelagert ist ebenso Alltag, wie die finanziellen Probleme der meisten Bewohner. Sind sie angelangt am soziokulturellen Abgrund?! Die junge Mama und Schauspielerin Wanda versucht den Spagat zu meistern zwischen Kindererziehung und der Verwirklichung ihrer eigenen Träume - doch gelingt es ihr?! Als sie den Filmproduzenten Willhaus kennenlernt, sieht sie in ihm einen Stern am sonst sehr dunklen Plattenbauhimmel. Ein besseres Leben für sie und ihre kleine Tocher Wanda scheint plötzlich greifbar. Als sie zu einem Kennenlern-Dinner eingeladen wird, schnuppert sie schon förmlich die Luft Hollywoods: "Die Männer am Nebentisch schwärmen von dem mit feinen Fettäderchen marmorierten Kobesteaks, angeblich die besten der Welt und die Frauen tupfen sich mit den weißen Stoffservietten die Mundwinkel, essen Carpaccio und spülen mit Weißwein nach. Die Kellner kommen mit dem Nachschenken nicht hinterher. Willhaus gießt selbst nach, die Gläser randvoll und gurrt bei jedem Schluck wie eine Taube. Das ist Hollywood." Sozialkontakt pflegt sie mit einer Nachbarin von gegenüber, im Buch als „Aylins Mutter“ bezeichnet. Wanda fällt es schwer, sich mit ihrem sozioökonomischem Status zu identifizieren, daher strebt sie stets nach mehr und und sieht auch ihre Nachbarin nicht als ebenbürtig, da diese sich mit ihrer Rolle als Plattenbau-Mutti abgefunden hat: "Carlie und Eileen spielen mit Barbies und einem echten Prinzessinnenschloss. Ayleens Mama steht verschwitzt in der Küche. Ich habe noch nie vom Kochen geschwitzt. Sie formt Bällchen aus Hackfleisch, Ei und Semmelbrösel und streicht sich mit dem Handrücken die Haare aus dem Gesicht. "Rindfleisch", sagt sie. "Kein Schwein". Bei ihr muss immer alles halal sein. Ganz wichtig. Außer bei Donuts." Doch ist ein erfülltes Leben im Plattenbau überhaupt möglich?! „Glück lässt sich von Pisse im Treppenhaus nicht abschrecken, Glück findet von Zeit zu Zeit sogar in den achtzehnten Stock.“ Da ich nicht hier schon den kompletten Plot vorwegnehmen möchte, geht’s an dieser Stelle weiter mit meinen persönlichen Gedanken zum Werk. Ich habe die Intention der Autorin verstanden, sie wollte ein Buch schreiben, das aufmerksam macht auf die Schwierigkeiten eines Lebens im Plattenbau und welche Unwägbarkeiten es mit sich bringt, wenn man dann doch versucht sich aus seiner sozialen Klasse zu befreien und nach höherem strebt, quasi einen neuen Lebensentwurf schmiedet. Doch hatte ich mit der Umsetzung so meine Schwierigkeiten. „Wenn man auf die falschen Leute hört, ist man am Arsch. Als ob man Träume einfach ändern könnte. Echte Menschen verändern sich nicht einfach wie so eine fucking Romanfigur auf Heldenreise. Sie geben vielleicht auf, aber sie bleiben dieselben." Es sind für mich Aussagen wie diese, die mich schwer schlucken lassen. Natürlich habe ich verstanden, was die Autorin ausdrücken wollte, aber es ist mir zu sehr schwarz-weiß, mir fehlen die Zwischentöne. Es kommt mir dabei auf Nuancen an, auch sprachlich und da hat sie mich leider nicht vollständig abholen können. "Im Treppenhaus liegen Bücher, zu verschenken. Als ob hier einer lesen würde." Warum sollten Bewohner eines Plattenbaus generell kein Interesse an Literatur haben?! Natürlich bin ich mir im Klaren, dass es sich hier meist um bildungsfernere Bürger handelt, aber es gibt immer Ausnahmen, wie es auch Bücher aller Couleur gibt, für jeden ist was dabei, unabhängig vom sozioökonomischen Status. Ich finde die Pauschalisierung an dieser Stelle problematisch und hätte mir gewünscht, die Autorin hätte genau diese Idee mit den zu verschenkenden Büchern in eine andere Richtung hätte laufen lassen, wie beispielsweise eine Bewohnerin, die zwar sonst nicht viel hat, aber sich regelmäßig an diesen kostenfreien Büchern bedient und dadurch regelrecht zu einem Literaturfreak, ja vielleicht gar zu einer Intellektuellen geworden ist (mal überspitzt gedacht) - das hätte doch unser aller Bücherherz aufblühen lassen, oder?! Wofür ich die Autorin sehr loben und was mir ausgesprochen gut gefallen hat, speziell aus meiner Perspektive als Medizinerin, ist die Anfangsszene, in der die Tochter von Wanda eine eitrige Ohrenentzündung hat, sie von Arzt zu Arzt tingeln, bis schließlich (nach langer Warterei!) in der Notaufnahme festgestellt wird, dass es sich um eine bakterielle Meningitis (=eine Hirnhautentzündung) handelt. Selten habe ich so eine Szene so lebensnah und gut ausgeführt gelesen, gerade im Hinblick auf den medizinischen Kontext. Sowohl die medizinischen Fakten sind gut recherchiert, wie auch das Verhalten des (immer ruhiger werdenden, da ernsthaft kranken) Kindes, als auch die wachsende Ungeduld (und Angst!) der Mutter, wirklich grandios! Danke Sara Gmuer, das hat mich wirklich literarisch tief beeindruckt! Wie sieht denn nun mein Fazit zu „Achtzehnter Stock aus“?! Wir ihr ja sicherlich gemerkt habt, blicke ich mit gemischten Gefühlen auf die Lektüre zurück - einerseits gehe ich mit einigen Ausführungen nicht konform, sehe manches Potential als nicht vollständig ausgeschöpft an - sei es sprachlich, oder seitens der thematischen Ausarbeitung. Andererseits gibt es auch Szenen, wie die der kranken Tochter Karlie, die wirklich einer schriftstellerischen Meisterleistung gleichkommen. Macht Euch also bitte Euer eigenes Bild von Sara Gmuers Werk, es bietet auf jeden Fall reichlich Diskussionsstoff, es eignet sich also perfekt als Lektüre für Buchclubs und co.!
Zwischen Berliner Platte und glitzernder Schauspielwelt
Wanda träumt davon, es als Schauspielerin weit zu bringen. Doch ihre Realität sieht ganz anders aus. Sie erhält keine Rollen und fristet ein tristes Dasein als alleinerziehende Mutter in einem Berliner Plattenbau. Soweit die Ausgangssituation in "Achtzehnter Stock" von Sara Gmuer. 🏙 Mir hat die Idee echt sehr gut gefallen und der prägnante und zugleich nüchterne Schreibstil hat perfekt gepasst, sodass ich sofort in die Story hineingekommen bin und nur so durch die Seiten geflogen bin. Ungeschönt und bildhaft erzählt die Autorin Wandas Alltag in der Platte und ihre Bemühungen, es in der Filmwelt weit zu bringen. Wanda ist dabei alles andere als eine Sympathieträgerin. Auch wenn sie kaum Geld hat, um über die Runden zu kommen, fühlt sie sich den anderen Bewohnern der Platte überlegen. Während sich alle anderen mit ihrem trostlosen Leben abgefunden zu haben scheinen, hat Wanda Träume und strebt nach mehr und würde sich nie mit einem einfach Job zufrieden geben. Dies lässt sie oftmals recht arrogant wirken. Dennoch habe ich mit Wanda mitgefiebert und gehofft, dass sie den Sprung ins Rampenlicht schafft. Insgesamt ist "Achtzehnter Stock" ein Debüt, das mich mit seinem rauen Schreibstil von Anfang an in den Bann gezogen hat. Auch wenn der Mittelteil für mich ein paar Längen hatte, habe ich die Story sehr gerne gelesen und mir hat besonders der Kontrast zwischen dem Leben im Plattenbau und der glitzernden Schauspielwelt gefallen. ✨️ Ich freue mich schon darauf, mehr von der Autorin zu lesen.
-hart -Ehrlich -bewegend
Eine Geschichte die mich so gepackt hat, dass ich sie in einem Rutsch gelesen habe! Wanda ist alleinerziehend und arbeitslose Schauspielerin.Sie lebt in einem Plattenbau in Berlin im 18. Stock. Ihr Leben verläuft nicht so wie sie gewünscht. Sie hat schon lange keine Rolle mehr gehabt,die finanziellen Mittel sind so gut wie aufgebraucht. Als sie seit langem wieder an einem Casting teilnimmt, sind die Filmleute Hinrunde weg. Sie bekommt die Rolle. Am ersten Drehtag bekommt sie am Set einen Anruf ihrer Nacharin, die regelmäßig auf Wandas Tochter Karlie aufpasst. Mit Karlie stimmt etwas nicht,sie müsse sofort kommen. Karlie hat schon lange mit einer Mittelohrentzündung zu tun. Ein Ärztemarathon liegt bereits hinter ihnen. Überall wurde sie eher als hysterische Mutter abgestempelt. Hals über Kopf verlässt sie das Set um mit Karlie in die Noraufnahme zu fahren. Dort erfährt sie das Karlie an einer Hirnhautentzündung leidet und nun um ihr Leben kämpfen muss. Ihr Agent,Frank und auch der Produzent sind davon gar nicht begeistert.Sie geben ihr klar zu verstehen das sie raus ist und es niemanden interessiert wie es dem Balg geht. Wieder hat Wanda das Gefühl versagt zu haben.Sowohl als Schauspielerin wie auch als Mutter. Schließlich haben andere bemerkt wie schlecht es Karlie scheinbar geht. Wieder mal gescheitert muss sie sich auch noch ihren " Freundinnen" aus der Platte stellen, die mit ihrer Meinung zu dem Ganzen Schauspielgedöns sowieso nichts halten. Eine Mutter, die einfach nur raus aus der Platte will,ein stabiles Leben für ihr Kind,und ein wenig mehr Anerkennung. Eigentlich ganz normale Wünsche.Nicht jeder kann sie erfüllen, denn nicht nur Reichtum kann vererbt werden, sondern auch Armut. Die Geschichte ging mir sehr unter die Haut. Es ist so nachvollziehbar geschrieben.So auf den Punkt.
Ein Ausschnitt einer Lebensgeschichte über eine Person, die unsere Nachbarin sein könnte. Darüber, wie jeder von uns kleinere und größere Päckchen zu tragen und zu bewältigen hat. Über Schicksalsschläge. Über starke Frauen. Und Hoffnung. Ich mochte die teils „rotzige“, immer direkte Haltung und Sprache der Protagonistin.
Ohne rosarote Brille * Ehrlich Wortstark
Wie bereits in einigen Rezensionen erwähnt, hat auch mich die Geschichte an Caroline Wahls Roman "22 Bahnen" erinnert ( den ich im übrigen sehr mochte). Sprachlich rau und ungeschönt- gefiel mir sehr ! *Das Ende ist vielleicht ein wenig sehr Mainstream...aber mal ehrlich, irgendwie hat man es sich auch gewünscht....oder ? Ganz schön auch der letzte Satz in der Danksagung ..." ohne die Leser und Leserinnen wäre das Buch nur Papier ".

Ein unglaublich schöner Schreibstil trifft auf eine Geschichte die jeder von uns sein könnte...
Ich hatte grosse Erwartungen und wurde nicht enttäuscht. Manches in diesem Buch wirkt überzogen, nur um im nächsten Moment wieder auf bittere Alltagsrealität zu treffen - nun, dies ist genau die Mischung die hier Magie vollbringt: Ein modernes Märchen mit Happy End. Charaktere so klischeebehaftet, liebens- oder hassenswürdig, dass man sie zu kennen glaubt. Echte Gefühle ohne Weichzeichner. Das echte Leben und eine Prise unglaubwürdiger Zauber. So lässt mich die Geschichte hoffen. Für meine eigenen Träume. Gegen die eigene Tristesse des grauen Alltags. Am Schluss wollte ich noch bleiben. Lest es😃
Glamour im Plattenbau
»Unerfüllte Träume sind auch Träume. Sie sind bloß viel gefährlicher. Man verbittert, man wird so, wie man niemals sein wollte, man wird wie all die anderen Versager, Verstörten und Vergessenen, man lässt sich gehen und gewöhnt sich an die flirrenden Abgase, die Absagen, den Lärm.« Achtzehnter Stock ist kompromisslos ehrlich, roh und absolut lebensnah. Ob das Leben einer alleinerziehenden Mutter, der Alltag in einer Hartz-IV-Realität, der oft ausweglose Kampf als unbekannte Schauspielerin oder die Schattenseiten der Filmbranche - alles fühlt sich erschreckend echt an. Leider wurde ich mit Wanda nicht richtig warm. Sie suhlt sich derart in ihrem Elend, dass sie gar nicht merkt wie ihre Tochter darunter leidet. Alle anderen haben in ihren Augen im Leben nichts erreicht oder alles geschenkt bekommen, alle anderen sind dumm und verstehen Wanda nicht. Man spürt Wandas Wunsch auszubrechen und ein besseres Leben zu führen so deutlich, aber dann kommen immer wieder Rückschläge, die sie zum Verzweifeln bringen und fast schon in eine Depression schlittern lassen. Fasziniert hat mich letztendlich der knappe und sehr realistisch wirkende Schreibstil der Autorin, weil er wunderbar die hoffnungslose und harte Sprache dieser ausweglosen Situation widerspiegelt. Leider wirkte das Ende überstürzt, konstruiert und auch ein wenig unglaubwürdig. Aber sei‘s drum, ein Happyend ist ein Happyend. 😆
Eindrücklich und sprachgewandt
Das Buch hat zwar nicht viele Seiten, doch die Autorin schafft es, dass im Kopf der Lesenden ein ganzer Film abläuft. Die Geschichte wird aus der Sicht von Wanda erzählt. Sie handelt von ihrer Suche nach mehr und vor allem nach einem Ausweg aus der Platte. Es ist ein sprachliches Meisterwerk und schon bei der Lesung konnte mich die Autorin überzeugen.
Schön und erschreckend.
Das war mal wieder ein Buch, was sämtliche Gefühle in mir hervorgerufen hat. Es war schockierend& echt rau, realitätsnah, hat aber auf der anderen Seiten auch echt die Schönheiten der kleinen Dinge hervorgebracht. Wanda zeigt sehr ausdrucksvoll wie es ist, wenn man nicht mit dem goldenen Löffel geboren ist und drückt dies auch ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen auf. Für mich ein sehr starkes Buch, was auch zum nachdenken anregt.
Ich reihe mich mal ein in die vielen schönen Rezensionen zu dem Debütroman von Sara Gmuer 'Achtzehnter Stock'. Wir lernen Wanda und ihre Tochter Karlie kennen und begleiten sie beim Spagat zwischen dem rauen Leben im Plattenbau und dem nicht weniger rauen, aber dazu auch noch unehrlichen Leben am Filmset. Wanda strebt nach mehr und möchte Filme drehen und berühmt werden, was anderes kommt nicht in Frage. Schwierig wenn man in einer anderen Welt feststeckt und noch dazu eine kleine Tochter hat. Das Buch zeigt uns die Probleme einer alleinerziehenden Mutter gefangen zwischen unbezahlter Care Arbeit und Geld verdienen müssen. Entgegen vieler anderer Stimmen empfand ich Wanda nicht als unsympathisch. Klar, manche Aktionen waren nicht okay, aber welcher Mensch macht schon alles richtig. Ist es nicht auch normal als Mutter mal ausbrechen zu wollen und sich ganz egoistisch für sich zu entscheiden? Wobei ich glaube das Wanda das meiste auch im Hinblick darauf gemacht hat um Karlie ein besseren Leben bieten zu können. Ich empfand sie als eine sehr liebende Mutter. Es wurden einige Klischees bezüglich der Menschen die in der Platte wohnen bedient, aber das war recht erfrischend und realistisch. Ich konnte mir total gut vorstellen mit Wanda, Aylins Mutter, Ming und Esther im Hof zu sitzen und warmen Sekt aus klebrigen Pappbechern zu trinken. Ein ehrlicher ungeschönter Roman den ich gerne gelesen habe.

Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen und ich konnte es nicht aus der Hand legen. Die Geschichte von Wanda und Karlie ist sehr bewegend. Der Schreibstil ist teilweise sehr ruppig und teilweise sehr wortgewaltig und poetisch. Wanda ist nicht immer sympathisch, aber das ist vollkommen in Ordnung, weil ihr Leben realistisch und ehrlich dargestellt wird. Das Leben in einem Plattenbau, als alleinerziehende Mutter, die umgeben von Menschen ist, die sich mit ihrem trostlosen Leben abgefunden haben, ist eben nicht leicht. Ich habe die ganze Zeit mit Wanda mitgefiebert und mir für sie und Karlie ein gutes Leben gewünscht. Ein mitreißendes Buch und ein beeindruckendes Debüt.
„Glück lässt sich von Pisse im Treppenhaus nicht abschrecken, Glück findet von Zeit zu Zeit sogar in den achtzehnten Stock.“ Dort ist es, wo Wanda mit ihrer Tochter Karlie lebt. Sie ist alleinerziehende Mutter und hofft auf eine Chance, als Schauspielerin ihre Brötchen zu verdienen. Der achtzehnte Stock steht für den sozialen Brennpunkt, und der wird hier authentisch dargestellt - von den Dingen, die im Hausflur abgestellt werden, über die Nachbarn bis zur allgegenwärtigen Angst, den Kindern könne etwas zustoßen, wenn sie im Hof unbeaufsichtigt spielen. Die größte Unterstützung erhält Wanda von ihrer türkischen Nachbarin, von der sie nicht einmal den Namen zu kennen scheint, wird sie doch nur „Aylins Mama“ genannt. Unberücksichtigt bleibt im Verlauf des Buchs, wie sie eigentlich über die Runden kommt, während sie nicht engagiert wird. Das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch. Wir erleben die Protagonistin als Aschenputtel, das in die Welt der Reichen und Schönen hineinschnuppern darf und sich eigentlich nicht für sie verbiegen will. Sprachlich bringt die Autorin auf den Punkt, worin die Herausforderungen dieses Lebens bestehen, so dass ich mich gut darin einfühlen konnte - ein erfrischender Perspektivwechsel!
Dem Zitat von Mareike Fallwickl auf der Vorderseite des Buchs habe ich nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht noch, dass das Buch den perfekten Umfang hat, um es an einem sonnigen Sonntag eingekuschelt in eine Decke zu lesen und sich in der Welt von Wanda und Karlie zu verlieren. Sara Gmuer - Achtzehnter Stock
Alles oder nichts - Ein Leben voller Ambivalenzen und Widersprüche
Was für ein Buch. Auf etwa 220 Seiten entfaltet „Achtzehnter Stock“ eine enorme Dichte, Tempo und emotionale Wucht. Es geht Schlag auf Schlag – zackig, direkt, nah. Ich war sofort drin, der Sog war stark. Die Sprache ist reduziert, aber nicht leer. Im Gegenteil: Die Worte treffen. Und zwischen den Zeilen schwingen Ambivalenzen, Widersprüche und Fragen mit, die man nicht mehr so leicht los wird. Wanda, die Protagonistin, lebt mit ihrer 5jährigen Tochter Karlie im 18. Stock eines Plattenbaus in Berlin. Sie ist Schauspielerin – mit all den Zweifeln, Unsicherheiten und Hoffnungen, die dieser Beruf mit sich bringt. Wanda ist keine glatte Figur. Und genau das mochte ich. Sie schwankt zwischen Selbstzweifeln und Größenwahn, zwischen Mutterschaft und Karrierewunsch, zwischen gesellschaftlichem Druck und innerer Rebellion. Sie ist radikal ehrlich – zumindest sich selbst gegenüber – und wirkt dadurch nahbar, manchmal verletzlich, manchmal anstrengend, manchmal überheblich. Besonders stark fand ich die erste Hälfte des Romans. Wandas Konflikte – zwischen Fürsorge und Selbstverwirklichung, zwischen Liebesbeziehung und Geheimhaltung, zwischen Ideal und Wirklichkeit – werden eindringlich gezeigt. Die Ambivalenz ihrer Mutterrolle hat mich berührt, vielleicht auch, weil sie viele Gefühle und Gedanken benennt, die oft unterdrückt werden. Und obwohl unsere Lebensrealitäten sehr verschieden sind, war mir manches emotional vertraut. Doch dann geschieht etwas. Ein Bruch. Wanda stürzt ab – nicht nur im übertragenen Sinne. Sie verliert sich in einer Rolle, übernimmt sie fast wahnhaft. Die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit verschwimmt. Was als komplexe Figur begann, kippt ins Verstörende. Die emotionale Nähe, die ich anfangs zu Wanda spürte, löste sich auf. Übrig blieb eher Ratlosigkeit. Ihr Verhalten gegenüber ihrer Tochter wird nicht nur fragwürdig, sondern gefährlich. Und obwohl man die Verzweiflung spürt, fiel es mir schwer, sie noch zu begleiten. Das Ende ließ mich seltsam leer zurück. Keine Katharsis, keine echte Auflösung. Vielmehr eine Erschütterung. Vielleicht war das genau die Absicht der Autorin: zu zeigen, wie labil unsere Selbstbilder sind, wie schnell das Leben kippen kann – und wie schwer es ist, alles unter einen Hut zu bringen: Mutter sein, Frau sein, sichtbar sein. Trotz allem: Sara Gmuer gelingt es, in einem schmalen Roman ein breites Spektrum an Themen zu entfalten – Mutterschaft, Klassenfragen, Kunst, Selbstausdruck, weibliche Wut, gesellschaftliche Erwartungen. Das ist stark. Ich bin beeindruckt von der Sprache, vom Tempo und von dem Mut, den Figuren keine Erlösung zu schenken. Doch es bleibt ein bittersüßer Nachgeschmack. Vielleicht, weil ich Wanda nicht ganz loslassen kann. Vielleicht, weil ich sie verstehen wollte – und irgendwann den Zugang verlor.
"Jetzt ist schon wieder was passiert", steht am Anfang von der Brenner-Krimis von Wolf Haas. Und es passt auch für jede Seite von "Achtzehnter Stock" von Sara Gmuer. Darin begleiten wir die alleinerziehende Wanda in ihrem Leben zwischen Castings und Drehs, Kindererziehung, Liebschaften und Geldsorgen. Auf jeder Seite wartet ein neues Drama auf Wanda: Hirnhautentzündung der Tochter, gestohlene Tasche, unfreiwilliger Schwangerschaftsabbruch oder drohende Zwangsräumung, um nur ein paar zu nennen. Mich lässt das Buch ratlos zurück: Empathie kann ich für die struggelnde Mutter und Schauspielerin aus der Berliner Platte nicht entwickeln, wenn die Wandlung dahinrast wie eine Daily Soap und ich bei jeder neuen Wendung genervt die Augen gerollt habe. Und das ist schade, weil ich das Buch so gern mehr gemocht hätte, weil sein Klappentext so vielversprechend geklungen hat.
Characteristics
7 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
Author Description
SARA GMUER wurde 1980 in Locarno geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in der italienischen Schweiz, ihre Jugend in Luzern. Nach ihrem Abschluss an der Filmschauspielschule Zürich zog sie nach Deutschland. Sie stand für Dominik Graf und Die Ärzte vor der Kamera und als Rapperin auf der Bühne. Sie schrieb Songs, textete für Agenturen und fand dabei ihre ganz eigene Stimme. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Berlin.
Posts
"Das Haus schwankt. Der Beton bewegt sich im Wind wie die Krone einer Pappel. Das Hochhaus taumelt bei jedem Windstoß, als wäre es besoffen. Ich wohne im achtzehnten Stock." "Sollen die doch alle denken, was sie wollen. Glück lässt sich von Pisse im Treppenhaus nicht abschrecken, Glück findet von Zeit zu Zeit sogar in den achtzehnten Stock." "Die Zeit zersetzt sich wie Kompost. Die Gegenwart dauert drei Sekunden, dann ist sie weg, unwiderruflich vorbei, und wenn man sich nicht darin festbeißt, bleibt nichts, wirklich gar nichts von ihr übrig." Berlin. Die Geschichte von Wanda und ihrer kleinen Tochter Karlie, die von einer Schauspielkarriere und dem Verlassen des Plattenbaus träumt. Wanda wurde mir relativ schnell unsympathisch, ich konnte ihre Handlungen und Entscheidungen teilweise nicht nachvollziehen. Ich habe mich auch die ganze Zeit gefragt, wovon Wanda und Karlie eigentlich gelebt haben. Den etwas schroffen Schreibstil mochte ich dagegen sehr, das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Für ganz viele ein Highlight, für mich leider nicht
Fand’s so gut geschrieben 📖🩵💛
Das war ein tolles Buch und ich kann mich endlich auch mal kurz fassen 🤭: Wanda träumt von einer Karriere als Schauspielerin, aber gleichzeitig ist sie auch Mama der kleinen Karlie und wohnt in einem Berliner Plattenbau. „Unerfüllte Träume sind auch Träume. Sie sind bloß viel gefährlicher.“ Ich mochte das Buch von Anfang an und zum Glück hat es mich auch gegen Ende nicht doch noch enttäuscht. Der Schreibstil ist neu und frisch, die Charaktere vielschichtig. Es gibt eine Konzentration auf einige wenige Charaktere, so dass man auch die Chance bekommt, diese besser kennenzulernen. Ich habe Wanda und Karlie geliebt und mit ihnen mitgefiebert. Stellenweise ist mir komplett das Herz stehengeblieben, also der Klappentext bereitet einen nicht wirklich darauf vor, was in dem Buch passiert. Mit Freude habe ich gesehen, dass das neue Buch der Autorin „Karizma“ bereits für September angekündigt ist. Leseempfehlung! 5/5⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Prägnant, schroff und unerbittlich
Wanda lebt mit ihrer Tochter Karlie alleinerziehend im 18. Stock eines Berliner Plattenbaus und jagt ihren Träumen nach. Sie möchte ihr schauspielerisches Talent endlich zu Geld machen und Karlie Dinge bieten, dass nicht von Verzicht, leerem Kühlschrank und zu kleinen Klamotten geprägt ist. Und plötzlich bietet sich die Chance mit einer bekannten Regisseurin und Adam Ezra, dem gefeierten Schauspieler, zusammen zu arbeiten. Die Tür in eine Glitzerwelt mit Chauffeur, piekfeinen Restaurants und viel Champagner öffnet sich. Ausgerechnet an diesem Abend wird Karlie sehr krank und Wanda muss das erste Arbeitstreffen vorzeitig verlassen. Ein No-Go in der Filmbranche, auch wenn zunächst Verständnis geheuchelt wird. Wanda kämpft für ihren Traum, ist zu stolz, um Hartz IV zu beantragen und steht kurz davor mit Karlie auf der Straße zu landen. Sara Gmuer hat einen sehr intensiven Text geschrieben, der die Nöte von Menschen in Armut, ihre Überfordern, die Scham und die Lebensverhältnisse am Rand der Gesellschaft sehr gut abbildet.
Schnell, hart und schonungslos.
Das war ein wilder Ritt. Zunächst musste ich mich ein wenig in den Schreibstil und die schnelle, abgehackte Erzählweise einfinden, aber dann hat mich die Geschichte und die Geschehnisse mit sich gerissen. Ich konnte mich ihr nicht mehr entziehen und musste unbedingt wissen wie es mit Wanda und Karlie weitergeht. Klare Leseempfehlung, wenn man sich auf die harte, schonungslose Darstellung des Lebens einlassen kann.
Hinterlässt Spuren
Ein Buch, das bleibt – nicht wegen großer Gesten, sondern wegen der leisen Wucht, mit der es erzählt. Wanda ist keine Heldin, sie ist Mensch – roh, müde, hoffend. Ihr Alltag im 18. Stock ist eng und weit zugleich: Enge Treppen, weite Träume. Sara Gmuer schreibt mit einer Direktheit, die trifft, ohne zu verletzen. Zwischen Beton und Bühne liegt ein Abgrund, den Wanda nicht einfach überwindet – sie stolpert, fällt, steht wieder auf. Und wir stolpern mit. Ein stilles, ehrliches Buch, das uns daran erinnert, wie viel Kraft in kleinen Schritten liegt.
Schmerzhaft, aber auch schön
"Das Haus ist ein Mahnmal, ein Mittelfinger, der in den Himmel ragt und unübersehbar an uns erinnert, an uns und an all die anderen, die keiner sehen wollte." (Pos. 2440) Sarah Gmuers Debüt ist hart, schonungslos und schmerzhaft, weil es zeigt, was Armut mit Menschen macht. Ich war bis zum Ende des Buches sehr skeptisch, wurde dann aber vollkommen überzeugt. Dazu später mehr. In "Achtzehnter Stock" verfolgen wir Wanda, eine junge Schauspielerin, die alleinerziehend ist und ein prekäres Leben führt. Sie hört jedoch nicht auf, von einem besseren Leben außerhalb der Platte zu träumen, bis sich ihr eines Tages eine Chance bietet. Sarah Gmuers Sprache ist unmittelbar, hart und klar. Dadurch wird die Stimmung des Buches gut vermittelt und es macht das Buch sehr lesenswert. Die Figuren sind vielschichtig und gut dargestellt. Anfangs war ich total von der Geschichte begeistert, wurde dann aber immer kritischer. Man hat Mitleid mit der Protagonistin und es macht einen wütend, wie mit ihr umgegangen wird. Allerdings tritt sie selbst nach unten, verhält sich nicht solidarisch und nutzt andere aus (z.B. eine junge Babysitterin). Sie hält sich "für etwas Besseres", obwohl sie in der gleichen Situation wie die anderen Frauen in ihrem Haus ist, die für ihre Situation genauso wenig können. Aber das Ende hat mich versöhnt. Die Protagonistin macht eine Charakterentwicklung durch und erkennt auch ihre Fehler. Dranbleiben lohnt sich, auch wenn man zwischendurch sehr sauer auf Wanda wird. Am Ende musste ich mir ein paar Tränen abwischen. Fazit: "Achtzehnter Stock" ist ein schmerzhafter Roman, der einem aber auch viel gibt und aus dem man viel mitnehmen kann. Ich muss das Buch noch etwas verdauen, glaube aber: das war ein Highlight. 5/5 Sterne
Dieser Roman ist düster, melancholisch, schonungslos und nichts für schwache Nerven.
"Das Haus ist ein Mahnmal, ein Mittelfinger, der in den Himmel ragt und unübersehbar an uns erinnert, an uns und all die anderen, die keiner sehen wollte." Wanda lebt gemeinsam mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie in einem Berliner Plattenbau im achtzehnten Stock. Sie ist alleinerziehend und eine Erfolglose Schauspielerin. Ich mag Wanda nicht. Ich konnte zu oft ihre Handlungen nicht nachvollziehen. Trotzdem mochte ich das Buch. Sprachlich überzeugt der Roman. Der Schluß er es für mich zum modernen Märchen.
Wanda wohnt mit ihrer 5-jährigen Tochter in einer runtergekommenen Wohnung in einem runtergekommenen Hochhaus. Ihr Leben ist trist und vergeblich wartet sie seit Monaten auf eine Filmrolle, die ihr das ersehnte Geld einbringt. Als endlich ein Lichtblick mit einem Angebot erscheint, wird ihre Tochter schwer krank. "Mit Kindern ändern sich die Prioritäten, und wenn man nicht aufpasst, verliert man jeglichen Anspruch auf sich selbst." Die Rolle ist futsch, denn Wanda verbringt Wochen mit Karlie im Krankenhaus. "Unerfüllte Träume sind auch Träume. Die sind bloß viel gefährlicher. " Bis hierher hatte mir das Buch sehr gut gefallen. Doch ab dann viel es für mich leider ab. Wurde irgendwie vorhersehbar. Wanda immer bitter, unzufrieden und maulig wurde mir unsympathisch. Die Story am Filmset war mir zu abstrus. Doch immer wieder auftauchende schöne Sequenzen ließen mich dad Buch zu Ende lesen. Denn dass das Leben einer alleinerziehenden Mutter hart ist und das einer alleinerziehenden Schauspielerin erst recht, kann ich nachvollziehen. "Ich habe nichts mehr zu verlieren, ich bin eine offene Wunde, aber ich blute nicht mehr." Für viele ein sehr gutes Buch, für mich war es okay.
Wanda lebt mit ihrer 5jährigen Tochter Karlie in Berlin. Sie ist Schauspielerin, schon länger ohne Einkommen und alleinerziehend. Immer auf der Suche nach Erfüllung, Sinn und Freude im Leben sucht sie Wege um mit eigener Kraft zurechtzukommen. Obwohl ich in Deutschland alt geworden bin, viel erlebt und gesehen habe, erschüttert es mich immer wieder, wenn ich über Schicksale lese wie Wandas und Karlies. Karlie erkrankt und ihre Mutter Wanda braucht Hilfe. Doch sie wohnt im 18. Stock - sozialer Brennpunkt. Voll Mitleid habe ich ihr Schicksal verfolgt, manche ihrer Handlungen nicht nachvollziehen können. Angst und unerfüllte Träume bestimmen ihr Denken und Handeln, sie wird fallen gelassen, erlebt Freunschaft, oder auch nicht. Und erlebt eine Zeit wie im Rausch, der besonders mitreißend beschrieben wird. Kluge, tiefsinnige Gedanken lassen Mitgefühl mit Wanda aufkommen. Doch auch die anderen Charaktere sind gut geschildert, wenn auch nicht immer sympathisch. Durch den intensiven Schreibstil spürt man die Enge im Hochhaus, die Hitze im Hof und vieles mehr. Das Buch hat eine Sogwirkung und man hofft und bangt mit Wanda. Am Schluß würde man gern noch eine Weile bei Wanda bleiben und wissen, wie es weiter geht.
Achtzehnter Stock ist ein Buch, wie ich es so noch nie gelesen habe – sprachlich roh, besonders, mit einer Wucht, die einen nicht mehr loslässt. Es erzählt von einer Realität, die oft übersehen wird, und trifft damit einen Nerv. Die Geschichte ist hart, genau wie der Ton. Ich fand es sprachlich wie inhaltlich beeindruckend, aber auch fordernd. Die Protagonistin Wanda ist keine einfache Figur, vor allem, weil sie ihre Tochter manchmal für ihre Träume vernachlässigt und trotzdem konnte ich sie verstehen. Ein wichtiges Buch. Aber eins, für das man bereit sein muss.
Dem Himmel so nah aber den Sternen so fern - ein großartiges Buch! Ich bewundere Sara Gmuer für ihre Beobachtungsgabe, die Feinheit aber vor allem ihr Talent die Geschichte von Wanda und Karlie mit uns so echt und authentisch zu teilen. Ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen und wollte gar nicht, dass es aufhört und wenn dann ausschließlich mit einem Happy End. Ob mein Wunsch aber vor allem Wandas erfüllt wurden? Ich würde sagen findet es selbst heraus und erklimmt die Treppen und Seiten vom Achtzehnten Stock.

Lebens(t)räume
Wanda lebt mit ihrer 5-jährigen Tochter Karlie in einer tristen Berliner Platte und träumt weit oben im achtzehnten Stock von einem besser Leben, rauszukommen und sich ihren Traum von der Schauspielkarriere zu erfüllen. Als die einmalige Chance einer großen Rolle kommt, merkt Wanda schnell, wie schwer es als alleinerziehende Mutter ist, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen und das triste Dasein hinter sich zu lassen, das einen seit Jahren prägt. Sara Gmuer schafft es Wandas Lebenshunger, der Hoffnung auf Besserung, eine bessere Zukunft, diesem Drang nach mehr eine starke und ungeschönte Stimme zu geben, obwohl man doch spürt, wie resigniert und verloren sie sich oft in ihrem Leben fühlt, in das sie einfach nicht hinein zupassen scheint. Alle anderen in der Platte scheinen sich mit ihren begrenzten Möglichkeiten und der sozialen Ungerechtigkeit abgefunden zu haben, aber sie brennt und glaubt unbeirrbar daran, dass es für sie mehr geben wird. Das wird auch durch die kurzen, rauen und harten Sätze deutlich, die den Roman dominieren. Trotz der starken Auseinandersetzung mit dem Aufeinanderprallen von so unterschiedlichen Welten und dem schnell erkenntlichen Appell, dass das Gras auf der Seite der Schönen und Reichen auch nicht grüner ist, hatte ich doch meine Probleme mit dem Charakter von Wanda. Oft vermittelten ihre Ausdrücke und ihr Verhalten gegenüber ihren Freundinnen eine Überlegenheit und Arroganz, die ich als wenig gerechtfertigt sehe. Sollte man andere Menschen wirklich verurteilen, weil sie sich mit ihrem Leben arrangieren und trotz der Benachteiligungen versuchen das Beste daraus zu machen? Nur weil sie nicht so hoch streben wie man selbst? Sollte man jede Kritik gedanklich mit: „Scheiß auf die, die können ich mal“ quittieren, statt zu sich zu hinterfragen? Während man selbst als Mutter die 5-jährige Tochter alleine zu Hause lässt und feiern geht um an eine Rolle zu kommen? Natürlich verstehe ich die überspitzen Charaktere auch als eine Ausdrucksform des Romans, besonders was das harte Leben in Armut aus einem Menschen machen kann, aber für mich hat es leider die Sympathie zerstört und mich oft den Kopf schütteln lassen.
Leben im Plattenbau und der Traum alles hinter sich zu lassen Das war auf jeden Fall ein Buch, was nachhallt, auch wenn ich lange überlegt habe, ob ich es überhaupt lesen möchte. Wanda lebt im 18.Stock eines Hochhauses in Berlin. Sie ist als alleinerziehende Mutter hier gelandet, wo Trostlosigkeit und Armut bis in den letzten Winkel zu spüren sind. Eigentlich ist sie Schauspielerin, doch das letzte Engagement ist inzwischen auch schon 2 Jahre her, und es ist keine neue Rolle in Sicht. Sie will auf jeden Fall hier weg, und sie verfolgt vehement ihren Traum einer Schauspielkarriere. Das führt natürlich auch dazu, dass sie sich nicht so um ihre kleine Tochter kümmern kann, wie sie das eigentlich möchte. Als man sie endlich mal wieder engagiert, wird sie gefeuert, als sie den Drehort verlassen muss, weil die Kita anruft und sie auffordert Karlie sofort abzuholen. So ist es halt als Mutter- Karriere hin oder her- das Kind geht vor. Es wird sogar richtig dramatisch, als Karlie ernsthaft erkrankt und in die Notaufnahme muss. Gott sei Dank hatte Eileen‘s Mutter von nebenan kein gutes Gefühl bei Karlie‘s Ohrenschmerzen. Wanda hat im Laufe der Geschichte bei jeder Chance die Hoffnung endlich den Durchbruch zu schaffen und wird dann doch wieder brutal in die Wirklichkeit zurückkatapultiert. Wanda ist keine sympathische Protagonistin, und ich fand manche ihrer Handlungen auch fragwürdig, ihren Umgang mit Mitmenschen, Nachbarn, Kollegen nicht besonders freundlich und umgänglich. Ich verstehe aber, dass das Leben sie hart gemacht hat und habe ihren Ehrgeiz anerkannt, alles zu versuchen, um ihre Situation zu verbessern. Die Autorin ist eine wirklich gute Beobachterin, die das Elend auf der Platte sehr präzise und treffend in Worte kleiden kann. Die Schere zwischen arm und reich in unserer Gesellschaft wird einem beim Lesen dieses Textes nochmal besonders deutlich und auch das es fast unmöglich ist, sich von ganz unten wieder ein Stück weit nach oben zu arbeiten. Besonders schwer haben es da Alleinerziehende. Sicherlich war dies kein Wohlfühlbuch, aber eine Lektüre, die durch die Sprache beeindruckt hat und zum Nachdenken anregt. Das Hörbuch wurde sehr einfühlsam vertont von Nina Reithmeyer, hat mir gut gefallen und ist empfehlenswert.
Puh. Ja. Ich konnte so vieles Nachvollziehen, die Geschichte hat mich sehr berührt. Dieser Spagat, den Alleinerziehende wuppen müssen. Das schlechte Gewissen auf der einen Seite, der Wunsch, raus aus dem Plattenbau zu kommen, auf der anderen Seite. Karriere und Muttersein, darf man das überhaupt? Auf jeden Fall! Aber es ist ein wirklich schwerer Weg, der nicht von allen toleriert wird.
Wenn Sprache sich in Bilder verwandelt.
Ein berührender, kraftvoll erzählter Roman über eine Mutter zwischen Überforderung, Träumen und dem rauen Berliner Alltag. Die bildhafte Sprache hat mich tief beeindruckt – ich konnte Wandas Emotionen und ihren inneren Kampf intensiv miterleben. Authentisch, eindringlich, voller Mitgefühl.

Wie ein Film im Kopf. Wunderschön, dramatisch, aufregend und roh und ehrlich.
Ein schmales Buch, das dennoch viel zu sagen hat. Schnell gelesen und dennoch hallt es nach in mir. Wanda hat sich ihr Leben anders vorgestellt, nämlich glamourös und aufregend. Stattdessen sitzt sie in der Hochhaussiedlung fest, kämpft mit dem Traum des großen Durchbruchs als Schauspielerin und ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter. Mareike Fallwickel sagt über den Roman, er sei „Hart und rau und schön.“ und diese Beschreibung sprach mich vor dem Lesen so sehr an. Sie bewahrheitete sich auf jeder Seite mehr. Genau das ist „Achtzehnter Stock“ von Sarah Gmuer. Ich flog durch die Seiten, der Ton der Protagonistin, die mehr will vom Leben, als es für sie vorgesehen hat, ist direkt und ungeschliffen. Ich mag ihr hadern mit dem Schicksal und ihre Wut auf alles und ihren Glauben an eine Zukunft. Ja, das eine oder andere Klischee begegnet uns schon… aber das kann ich milde weglächeln, weil hier einfach ansonsten sehr viel stimmt. Es ist ein Roman, der uns unter den Arm nimmt und mitreißt. Er lässt uns nach der letzten Seite fallen und wünschen, Sarah Gmuer schriebe bald etwas ähnlich Schönes! Große Empfehlung!
4/5 Von der Platte und unerfüllten Träumen
Die Geschichte ist traurig und die Hauptfigur schwierig. Ich mochte sie nicht, wie sie ihr eigenes Glück aufwiegt gegen alles andere - am Ende auch zu Lasten des eigenen Kindes. Aber genau darum geht es in der Geschichte. Sie will raus aus dem Plattenbau, weg von der Bürgergeld-Umgebung, sie gehört dort nicht hin. Alle, die mit ihr dort leben, passen da hin, nur sie nicht. Adam, Schauspieler, berühmt, verschafft ihr letztendlich die lang ersehnte Rolle. Und sie kommen sich näher. Ändert das alles? Ein bisschen crazy war, dass Adam nicht wusste, das Wanda ein Kind hat, obwohl er beim ersten Essen mitbekommen hat, dass sie genau deswegen wegmusste. Aber gut. Ich mochte den Stil des Buches total, der raue Ton, das Ehrliche. Ich weiß noch nicht, wie ich das Ende bewerten kann, aktuell bin ich noch hin und hergerissen ;)
Wanda lebt mit ihrer kleinen Tochter Karlie in einer Plattenbausiedlung in Berlin. Sie ist eine arbeitslose Schauspielerin, träumt von einer großen Rolle um dadurch endlich aus der Platte rauskommen. Die anderen Menschen in der Nachbarschaft haben keine großen Träume mehr, haben aufgegeben und verstehen Wanda nicht. Als sich plötzlich die Möglichkeit ergibt als Schauspielerin zu arbeiten, greift Wanda zu. Was ist sie bereit dafür zu opfern? Was ist Ruhm und Geld eigentlich wert? „Man ist nicht immun gegen Angst, es gibt keine Antikörper dagegen, man wird nur ängstlicher und zuckt bei jedem Scheiß zusammen. Tiefe Narben bleiben für immer.“ „Unerfüllte Träume sind auch Träume. Sie sind bloß viel gefährlicher. Man verbittert, man wird so, wie man niemals sein wollte, man wird wie all die anderen Versager, Verstörten und Vergessenen, man lässt sich gehen und gewöhnt sich an die flirrenden Abgase, die Absagen, den Lärm.“ „Man wird zu den Menschen, mit denen man am meisten Zeit verbringt. Man wird eins mit der Umgebung, wie Fetzenfische zwischen Korallen oder hässliche Gespenstschrecken auf irgendwelchen Ästen. Man gleicht sich an, bis man sich am Ende selbst nicht mehr sieht, und wenn man dann hinter vergilbten Gardinen und vorgehaltener Hand über die anderen redet, meint man eigentlich sich selbst.“ Ein ungewöhnlicher Roman über eine ungewöhnliche Frau. Sie liebt ihre Tochter aber sie will mehr vom Leben, will ihre Träume nicht aufgeben. Sara Gmuer gelingt ein harter und ehrlicher Blick in das Leben im Plattenbau und das Leben einer alleinerziehenden Mutter. Sympathisch und nachvollziehbar ist die Protagonistin nicht immer aber das muss sie auch nicht. Geschrieben wurde hier teilweise rau, teilweise poetisch. Es gab ganz großartige, wortgewaltige Sätze, die ich gern mehrfach gelesen habe. Das Buch entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Die Story an sich hat mir gut gefallen aber auf die Klischees, die hier bedient wurden, hätte ich auch verzichten können. Das ist aber wieder sehr subjektiv. Insgesamt ein tolles Buch, das viele Fans finden wird, ich bin auch mit dabei.
Nicht nur Reichtum wird vererbt, auch Armut
Ich war erst skeptisch, ob das Buch mich mitnehmen kann. Lange wusste ich überhaupt nicht, wo es hingeht. Irgendwann aber traf es plötzlich voll meinen Nerv. Ich spürte Wandas Überlebenskampf und warum sie so zynisch ist. Wenn das Leben mies läuft, läuft es oft immer weiter mies. Sympathisch sein wird irgendwann zweitrangig. Sie ist jedoch nicht böse oder irgendwas in der Art; sie ist tief verzweifelt und steht doch immer wieder auf. Die Sprache fand ich erst ziemlich einfach, contempory steht in der englischen Beschreibung des Subgenre. Später entdeckte ich die Weisheiten, die zwischen den Zeilen klug rieseln. Gut gemacht, finde ich. Keine leichte Kost. Hab’s gemocht.
Hier sind sie also, die Covid-Pandemie Romane. Nur dass es jetzt inzwischen schon wieder etwas aus der Zeit gefallen wirkt. "Achtzehnter Stock" hat aber auch genügend andere Themen und erzählt überzeugend die Schwierigkeiten Beruf und Kindbetreuung zu vereinbaren. Sara Gmuer hat, wie ich in einem Interview gehört habe, einiges an eigenen Erfahrungen verarbeitet wie z.B. die Erkrankung der Tochter an einer Hirnhautentzündung oder eigene Erfahrunge in Film und Schauspiel. Das trägt sehr zur Authentizität des Textes bei.
Verwirklichung von Lebensträumen mit Ausgangspunkt Berliner Plattenbau! ❤️🩹
Der 18. Stock eines Berliner Plattenbaus ist der Schauplatz des neuen Romans von Autorin Sara Gmuer. Hauptfigur Wanda lebt als Alleinerziehende dort mit ihrer Tochter Karlie. Ein nicht funktionierender Lift, in dem „Müll“ gelagert ist ebenso Alltag, wie die finanziellen Probleme der meisten Bewohner. Sind sie angelangt am soziokulturellen Abgrund?! Die junge Mama und Schauspielerin Wanda versucht den Spagat zu meistern zwischen Kindererziehung und der Verwirklichung ihrer eigenen Träume - doch gelingt es ihr?! Als sie den Filmproduzenten Willhaus kennenlernt, sieht sie in ihm einen Stern am sonst sehr dunklen Plattenbauhimmel. Ein besseres Leben für sie und ihre kleine Tocher Wanda scheint plötzlich greifbar. Als sie zu einem Kennenlern-Dinner eingeladen wird, schnuppert sie schon förmlich die Luft Hollywoods: "Die Männer am Nebentisch schwärmen von dem mit feinen Fettäderchen marmorierten Kobesteaks, angeblich die besten der Welt und die Frauen tupfen sich mit den weißen Stoffservietten die Mundwinkel, essen Carpaccio und spülen mit Weißwein nach. Die Kellner kommen mit dem Nachschenken nicht hinterher. Willhaus gießt selbst nach, die Gläser randvoll und gurrt bei jedem Schluck wie eine Taube. Das ist Hollywood." Sozialkontakt pflegt sie mit einer Nachbarin von gegenüber, im Buch als „Aylins Mutter“ bezeichnet. Wanda fällt es schwer, sich mit ihrem sozioökonomischem Status zu identifizieren, daher strebt sie stets nach mehr und und sieht auch ihre Nachbarin nicht als ebenbürtig, da diese sich mit ihrer Rolle als Plattenbau-Mutti abgefunden hat: "Carlie und Eileen spielen mit Barbies und einem echten Prinzessinnenschloss. Ayleens Mama steht verschwitzt in der Küche. Ich habe noch nie vom Kochen geschwitzt. Sie formt Bällchen aus Hackfleisch, Ei und Semmelbrösel und streicht sich mit dem Handrücken die Haare aus dem Gesicht. "Rindfleisch", sagt sie. "Kein Schwein". Bei ihr muss immer alles halal sein. Ganz wichtig. Außer bei Donuts." Doch ist ein erfülltes Leben im Plattenbau überhaupt möglich?! „Glück lässt sich von Pisse im Treppenhaus nicht abschrecken, Glück findet von Zeit zu Zeit sogar in den achtzehnten Stock.“ Da ich nicht hier schon den kompletten Plot vorwegnehmen möchte, geht’s an dieser Stelle weiter mit meinen persönlichen Gedanken zum Werk. Ich habe die Intention der Autorin verstanden, sie wollte ein Buch schreiben, das aufmerksam macht auf die Schwierigkeiten eines Lebens im Plattenbau und welche Unwägbarkeiten es mit sich bringt, wenn man dann doch versucht sich aus seiner sozialen Klasse zu befreien und nach höherem strebt, quasi einen neuen Lebensentwurf schmiedet. Doch hatte ich mit der Umsetzung so meine Schwierigkeiten. „Wenn man auf die falschen Leute hört, ist man am Arsch. Als ob man Träume einfach ändern könnte. Echte Menschen verändern sich nicht einfach wie so eine fucking Romanfigur auf Heldenreise. Sie geben vielleicht auf, aber sie bleiben dieselben." Es sind für mich Aussagen wie diese, die mich schwer schlucken lassen. Natürlich habe ich verstanden, was die Autorin ausdrücken wollte, aber es ist mir zu sehr schwarz-weiß, mir fehlen die Zwischentöne. Es kommt mir dabei auf Nuancen an, auch sprachlich und da hat sie mich leider nicht vollständig abholen können. "Im Treppenhaus liegen Bücher, zu verschenken. Als ob hier einer lesen würde." Warum sollten Bewohner eines Plattenbaus generell kein Interesse an Literatur haben?! Natürlich bin ich mir im Klaren, dass es sich hier meist um bildungsfernere Bürger handelt, aber es gibt immer Ausnahmen, wie es auch Bücher aller Couleur gibt, für jeden ist was dabei, unabhängig vom sozioökonomischen Status. Ich finde die Pauschalisierung an dieser Stelle problematisch und hätte mir gewünscht, die Autorin hätte genau diese Idee mit den zu verschenkenden Büchern in eine andere Richtung hätte laufen lassen, wie beispielsweise eine Bewohnerin, die zwar sonst nicht viel hat, aber sich regelmäßig an diesen kostenfreien Büchern bedient und dadurch regelrecht zu einem Literaturfreak, ja vielleicht gar zu einer Intellektuellen geworden ist (mal überspitzt gedacht) - das hätte doch unser aller Bücherherz aufblühen lassen, oder?! Wofür ich die Autorin sehr loben und was mir ausgesprochen gut gefallen hat, speziell aus meiner Perspektive als Medizinerin, ist die Anfangsszene, in der die Tochter von Wanda eine eitrige Ohrenentzündung hat, sie von Arzt zu Arzt tingeln, bis schließlich (nach langer Warterei!) in der Notaufnahme festgestellt wird, dass es sich um eine bakterielle Meningitis (=eine Hirnhautentzündung) handelt. Selten habe ich so eine Szene so lebensnah und gut ausgeführt gelesen, gerade im Hinblick auf den medizinischen Kontext. Sowohl die medizinischen Fakten sind gut recherchiert, wie auch das Verhalten des (immer ruhiger werdenden, da ernsthaft kranken) Kindes, als auch die wachsende Ungeduld (und Angst!) der Mutter, wirklich grandios! Danke Sara Gmuer, das hat mich wirklich literarisch tief beeindruckt! Wie sieht denn nun mein Fazit zu „Achtzehnter Stock aus“?! Wir ihr ja sicherlich gemerkt habt, blicke ich mit gemischten Gefühlen auf die Lektüre zurück - einerseits gehe ich mit einigen Ausführungen nicht konform, sehe manches Potential als nicht vollständig ausgeschöpft an - sei es sprachlich, oder seitens der thematischen Ausarbeitung. Andererseits gibt es auch Szenen, wie die der kranken Tochter Karlie, die wirklich einer schriftstellerischen Meisterleistung gleichkommen. Macht Euch also bitte Euer eigenes Bild von Sara Gmuers Werk, es bietet auf jeden Fall reichlich Diskussionsstoff, es eignet sich also perfekt als Lektüre für Buchclubs und co.!
Zwischen Berliner Platte und glitzernder Schauspielwelt
Wanda träumt davon, es als Schauspielerin weit zu bringen. Doch ihre Realität sieht ganz anders aus. Sie erhält keine Rollen und fristet ein tristes Dasein als alleinerziehende Mutter in einem Berliner Plattenbau. Soweit die Ausgangssituation in "Achtzehnter Stock" von Sara Gmuer. 🏙 Mir hat die Idee echt sehr gut gefallen und der prägnante und zugleich nüchterne Schreibstil hat perfekt gepasst, sodass ich sofort in die Story hineingekommen bin und nur so durch die Seiten geflogen bin. Ungeschönt und bildhaft erzählt die Autorin Wandas Alltag in der Platte und ihre Bemühungen, es in der Filmwelt weit zu bringen. Wanda ist dabei alles andere als eine Sympathieträgerin. Auch wenn sie kaum Geld hat, um über die Runden zu kommen, fühlt sie sich den anderen Bewohnern der Platte überlegen. Während sich alle anderen mit ihrem trostlosen Leben abgefunden zu haben scheinen, hat Wanda Träume und strebt nach mehr und würde sich nie mit einem einfach Job zufrieden geben. Dies lässt sie oftmals recht arrogant wirken. Dennoch habe ich mit Wanda mitgefiebert und gehofft, dass sie den Sprung ins Rampenlicht schafft. Insgesamt ist "Achtzehnter Stock" ein Debüt, das mich mit seinem rauen Schreibstil von Anfang an in den Bann gezogen hat. Auch wenn der Mittelteil für mich ein paar Längen hatte, habe ich die Story sehr gerne gelesen und mir hat besonders der Kontrast zwischen dem Leben im Plattenbau und der glitzernden Schauspielwelt gefallen. ✨️ Ich freue mich schon darauf, mehr von der Autorin zu lesen.
-hart -Ehrlich -bewegend
Eine Geschichte die mich so gepackt hat, dass ich sie in einem Rutsch gelesen habe! Wanda ist alleinerziehend und arbeitslose Schauspielerin.Sie lebt in einem Plattenbau in Berlin im 18. Stock. Ihr Leben verläuft nicht so wie sie gewünscht. Sie hat schon lange keine Rolle mehr gehabt,die finanziellen Mittel sind so gut wie aufgebraucht. Als sie seit langem wieder an einem Casting teilnimmt, sind die Filmleute Hinrunde weg. Sie bekommt die Rolle. Am ersten Drehtag bekommt sie am Set einen Anruf ihrer Nacharin, die regelmäßig auf Wandas Tochter Karlie aufpasst. Mit Karlie stimmt etwas nicht,sie müsse sofort kommen. Karlie hat schon lange mit einer Mittelohrentzündung zu tun. Ein Ärztemarathon liegt bereits hinter ihnen. Überall wurde sie eher als hysterische Mutter abgestempelt. Hals über Kopf verlässt sie das Set um mit Karlie in die Noraufnahme zu fahren. Dort erfährt sie das Karlie an einer Hirnhautentzündung leidet und nun um ihr Leben kämpfen muss. Ihr Agent,Frank und auch der Produzent sind davon gar nicht begeistert.Sie geben ihr klar zu verstehen das sie raus ist und es niemanden interessiert wie es dem Balg geht. Wieder hat Wanda das Gefühl versagt zu haben.Sowohl als Schauspielerin wie auch als Mutter. Schließlich haben andere bemerkt wie schlecht es Karlie scheinbar geht. Wieder mal gescheitert muss sie sich auch noch ihren " Freundinnen" aus der Platte stellen, die mit ihrer Meinung zu dem Ganzen Schauspielgedöns sowieso nichts halten. Eine Mutter, die einfach nur raus aus der Platte will,ein stabiles Leben für ihr Kind,und ein wenig mehr Anerkennung. Eigentlich ganz normale Wünsche.Nicht jeder kann sie erfüllen, denn nicht nur Reichtum kann vererbt werden, sondern auch Armut. Die Geschichte ging mir sehr unter die Haut. Es ist so nachvollziehbar geschrieben.So auf den Punkt.
Ein Ausschnitt einer Lebensgeschichte über eine Person, die unsere Nachbarin sein könnte. Darüber, wie jeder von uns kleinere und größere Päckchen zu tragen und zu bewältigen hat. Über Schicksalsschläge. Über starke Frauen. Und Hoffnung. Ich mochte die teils „rotzige“, immer direkte Haltung und Sprache der Protagonistin.
Ohne rosarote Brille * Ehrlich Wortstark
Wie bereits in einigen Rezensionen erwähnt, hat auch mich die Geschichte an Caroline Wahls Roman "22 Bahnen" erinnert ( den ich im übrigen sehr mochte). Sprachlich rau und ungeschönt- gefiel mir sehr ! *Das Ende ist vielleicht ein wenig sehr Mainstream...aber mal ehrlich, irgendwie hat man es sich auch gewünscht....oder ? Ganz schön auch der letzte Satz in der Danksagung ..." ohne die Leser und Leserinnen wäre das Buch nur Papier ".

Ein unglaublich schöner Schreibstil trifft auf eine Geschichte die jeder von uns sein könnte...
Ich hatte grosse Erwartungen und wurde nicht enttäuscht. Manches in diesem Buch wirkt überzogen, nur um im nächsten Moment wieder auf bittere Alltagsrealität zu treffen - nun, dies ist genau die Mischung die hier Magie vollbringt: Ein modernes Märchen mit Happy End. Charaktere so klischeebehaftet, liebens- oder hassenswürdig, dass man sie zu kennen glaubt. Echte Gefühle ohne Weichzeichner. Das echte Leben und eine Prise unglaubwürdiger Zauber. So lässt mich die Geschichte hoffen. Für meine eigenen Träume. Gegen die eigene Tristesse des grauen Alltags. Am Schluss wollte ich noch bleiben. Lest es😃
Glamour im Plattenbau
»Unerfüllte Träume sind auch Träume. Sie sind bloß viel gefährlicher. Man verbittert, man wird so, wie man niemals sein wollte, man wird wie all die anderen Versager, Verstörten und Vergessenen, man lässt sich gehen und gewöhnt sich an die flirrenden Abgase, die Absagen, den Lärm.« Achtzehnter Stock ist kompromisslos ehrlich, roh und absolut lebensnah. Ob das Leben einer alleinerziehenden Mutter, der Alltag in einer Hartz-IV-Realität, der oft ausweglose Kampf als unbekannte Schauspielerin oder die Schattenseiten der Filmbranche - alles fühlt sich erschreckend echt an. Leider wurde ich mit Wanda nicht richtig warm. Sie suhlt sich derart in ihrem Elend, dass sie gar nicht merkt wie ihre Tochter darunter leidet. Alle anderen haben in ihren Augen im Leben nichts erreicht oder alles geschenkt bekommen, alle anderen sind dumm und verstehen Wanda nicht. Man spürt Wandas Wunsch auszubrechen und ein besseres Leben zu führen so deutlich, aber dann kommen immer wieder Rückschläge, die sie zum Verzweifeln bringen und fast schon in eine Depression schlittern lassen. Fasziniert hat mich letztendlich der knappe und sehr realistisch wirkende Schreibstil der Autorin, weil er wunderbar die hoffnungslose und harte Sprache dieser ausweglosen Situation widerspiegelt. Leider wirkte das Ende überstürzt, konstruiert und auch ein wenig unglaubwürdig. Aber sei‘s drum, ein Happyend ist ein Happyend. 😆
Eindrücklich und sprachgewandt
Das Buch hat zwar nicht viele Seiten, doch die Autorin schafft es, dass im Kopf der Lesenden ein ganzer Film abläuft. Die Geschichte wird aus der Sicht von Wanda erzählt. Sie handelt von ihrer Suche nach mehr und vor allem nach einem Ausweg aus der Platte. Es ist ein sprachliches Meisterwerk und schon bei der Lesung konnte mich die Autorin überzeugen.
Schön und erschreckend.
Das war mal wieder ein Buch, was sämtliche Gefühle in mir hervorgerufen hat. Es war schockierend& echt rau, realitätsnah, hat aber auf der anderen Seiten auch echt die Schönheiten der kleinen Dinge hervorgebracht. Wanda zeigt sehr ausdrucksvoll wie es ist, wenn man nicht mit dem goldenen Löffel geboren ist und drückt dies auch ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen auf. Für mich ein sehr starkes Buch, was auch zum nachdenken anregt.
Ich reihe mich mal ein in die vielen schönen Rezensionen zu dem Debütroman von Sara Gmuer 'Achtzehnter Stock'. Wir lernen Wanda und ihre Tochter Karlie kennen und begleiten sie beim Spagat zwischen dem rauen Leben im Plattenbau und dem nicht weniger rauen, aber dazu auch noch unehrlichen Leben am Filmset. Wanda strebt nach mehr und möchte Filme drehen und berühmt werden, was anderes kommt nicht in Frage. Schwierig wenn man in einer anderen Welt feststeckt und noch dazu eine kleine Tochter hat. Das Buch zeigt uns die Probleme einer alleinerziehenden Mutter gefangen zwischen unbezahlter Care Arbeit und Geld verdienen müssen. Entgegen vieler anderer Stimmen empfand ich Wanda nicht als unsympathisch. Klar, manche Aktionen waren nicht okay, aber welcher Mensch macht schon alles richtig. Ist es nicht auch normal als Mutter mal ausbrechen zu wollen und sich ganz egoistisch für sich zu entscheiden? Wobei ich glaube das Wanda das meiste auch im Hinblick darauf gemacht hat um Karlie ein besseren Leben bieten zu können. Ich empfand sie als eine sehr liebende Mutter. Es wurden einige Klischees bezüglich der Menschen die in der Platte wohnen bedient, aber das war recht erfrischend und realistisch. Ich konnte mir total gut vorstellen mit Wanda, Aylins Mutter, Ming und Esther im Hof zu sitzen und warmen Sekt aus klebrigen Pappbechern zu trinken. Ein ehrlicher ungeschönter Roman den ich gerne gelesen habe.

Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen und ich konnte es nicht aus der Hand legen. Die Geschichte von Wanda und Karlie ist sehr bewegend. Der Schreibstil ist teilweise sehr ruppig und teilweise sehr wortgewaltig und poetisch. Wanda ist nicht immer sympathisch, aber das ist vollkommen in Ordnung, weil ihr Leben realistisch und ehrlich dargestellt wird. Das Leben in einem Plattenbau, als alleinerziehende Mutter, die umgeben von Menschen ist, die sich mit ihrem trostlosen Leben abgefunden haben, ist eben nicht leicht. Ich habe die ganze Zeit mit Wanda mitgefiebert und mir für sie und Karlie ein gutes Leben gewünscht. Ein mitreißendes Buch und ein beeindruckendes Debüt.
„Glück lässt sich von Pisse im Treppenhaus nicht abschrecken, Glück findet von Zeit zu Zeit sogar in den achtzehnten Stock.“ Dort ist es, wo Wanda mit ihrer Tochter Karlie lebt. Sie ist alleinerziehende Mutter und hofft auf eine Chance, als Schauspielerin ihre Brötchen zu verdienen. Der achtzehnte Stock steht für den sozialen Brennpunkt, und der wird hier authentisch dargestellt - von den Dingen, die im Hausflur abgestellt werden, über die Nachbarn bis zur allgegenwärtigen Angst, den Kindern könne etwas zustoßen, wenn sie im Hof unbeaufsichtigt spielen. Die größte Unterstützung erhält Wanda von ihrer türkischen Nachbarin, von der sie nicht einmal den Namen zu kennen scheint, wird sie doch nur „Aylins Mama“ genannt. Unberücksichtigt bleibt im Verlauf des Buchs, wie sie eigentlich über die Runden kommt, während sie nicht engagiert wird. Das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch. Wir erleben die Protagonistin als Aschenputtel, das in die Welt der Reichen und Schönen hineinschnuppern darf und sich eigentlich nicht für sie verbiegen will. Sprachlich bringt die Autorin auf den Punkt, worin die Herausforderungen dieses Lebens bestehen, so dass ich mich gut darin einfühlen konnte - ein erfrischender Perspektivwechsel!
Dem Zitat von Mareike Fallwickl auf der Vorderseite des Buchs habe ich nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht noch, dass das Buch den perfekten Umfang hat, um es an einem sonnigen Sonntag eingekuschelt in eine Decke zu lesen und sich in der Welt von Wanda und Karlie zu verlieren. Sara Gmuer - Achtzehnter Stock
Alles oder nichts - Ein Leben voller Ambivalenzen und Widersprüche
Was für ein Buch. Auf etwa 220 Seiten entfaltet „Achtzehnter Stock“ eine enorme Dichte, Tempo und emotionale Wucht. Es geht Schlag auf Schlag – zackig, direkt, nah. Ich war sofort drin, der Sog war stark. Die Sprache ist reduziert, aber nicht leer. Im Gegenteil: Die Worte treffen. Und zwischen den Zeilen schwingen Ambivalenzen, Widersprüche und Fragen mit, die man nicht mehr so leicht los wird. Wanda, die Protagonistin, lebt mit ihrer 5jährigen Tochter Karlie im 18. Stock eines Plattenbaus in Berlin. Sie ist Schauspielerin – mit all den Zweifeln, Unsicherheiten und Hoffnungen, die dieser Beruf mit sich bringt. Wanda ist keine glatte Figur. Und genau das mochte ich. Sie schwankt zwischen Selbstzweifeln und Größenwahn, zwischen Mutterschaft und Karrierewunsch, zwischen gesellschaftlichem Druck und innerer Rebellion. Sie ist radikal ehrlich – zumindest sich selbst gegenüber – und wirkt dadurch nahbar, manchmal verletzlich, manchmal anstrengend, manchmal überheblich. Besonders stark fand ich die erste Hälfte des Romans. Wandas Konflikte – zwischen Fürsorge und Selbstverwirklichung, zwischen Liebesbeziehung und Geheimhaltung, zwischen Ideal und Wirklichkeit – werden eindringlich gezeigt. Die Ambivalenz ihrer Mutterrolle hat mich berührt, vielleicht auch, weil sie viele Gefühle und Gedanken benennt, die oft unterdrückt werden. Und obwohl unsere Lebensrealitäten sehr verschieden sind, war mir manches emotional vertraut. Doch dann geschieht etwas. Ein Bruch. Wanda stürzt ab – nicht nur im übertragenen Sinne. Sie verliert sich in einer Rolle, übernimmt sie fast wahnhaft. Die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit verschwimmt. Was als komplexe Figur begann, kippt ins Verstörende. Die emotionale Nähe, die ich anfangs zu Wanda spürte, löste sich auf. Übrig blieb eher Ratlosigkeit. Ihr Verhalten gegenüber ihrer Tochter wird nicht nur fragwürdig, sondern gefährlich. Und obwohl man die Verzweiflung spürt, fiel es mir schwer, sie noch zu begleiten. Das Ende ließ mich seltsam leer zurück. Keine Katharsis, keine echte Auflösung. Vielmehr eine Erschütterung. Vielleicht war das genau die Absicht der Autorin: zu zeigen, wie labil unsere Selbstbilder sind, wie schnell das Leben kippen kann – und wie schwer es ist, alles unter einen Hut zu bringen: Mutter sein, Frau sein, sichtbar sein. Trotz allem: Sara Gmuer gelingt es, in einem schmalen Roman ein breites Spektrum an Themen zu entfalten – Mutterschaft, Klassenfragen, Kunst, Selbstausdruck, weibliche Wut, gesellschaftliche Erwartungen. Das ist stark. Ich bin beeindruckt von der Sprache, vom Tempo und von dem Mut, den Figuren keine Erlösung zu schenken. Doch es bleibt ein bittersüßer Nachgeschmack. Vielleicht, weil ich Wanda nicht ganz loslassen kann. Vielleicht, weil ich sie verstehen wollte – und irgendwann den Zugang verlor.
"Jetzt ist schon wieder was passiert", steht am Anfang von der Brenner-Krimis von Wolf Haas. Und es passt auch für jede Seite von "Achtzehnter Stock" von Sara Gmuer. Darin begleiten wir die alleinerziehende Wanda in ihrem Leben zwischen Castings und Drehs, Kindererziehung, Liebschaften und Geldsorgen. Auf jeder Seite wartet ein neues Drama auf Wanda: Hirnhautentzündung der Tochter, gestohlene Tasche, unfreiwilliger Schwangerschaftsabbruch oder drohende Zwangsräumung, um nur ein paar zu nennen. Mich lässt das Buch ratlos zurück: Empathie kann ich für die struggelnde Mutter und Schauspielerin aus der Berliner Platte nicht entwickeln, wenn die Wandlung dahinrast wie eine Daily Soap und ich bei jeder neuen Wendung genervt die Augen gerollt habe. Und das ist schade, weil ich das Buch so gern mehr gemocht hätte, weil sein Klappentext so vielversprechend geklungen hat.





















































