Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt

Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt

Hardback
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Description

Platz 6 Sachbuch-Bestenliste November von "Die Literarische Welt", Radiosender WDR 5, "Neue Zürcher Zeitung" sowie Ö1

Der Versuch einer Tochter, am Erbe der Mutter nicht zu ersticken

Als Marlen Hobrack sich daranmacht, den Nachlass ihrer Mutter zu bewältigen, winkt ihr kein Einfamilienhäuschen, keine hübsche Altbauwohnung. Sondern ein Berg von Schulden und Dingen, die am Lebensende einer Arbeiterin bleiben: Steppdecken, Vitaminpräparate, Putzmittel, Fotos. Wie in Chiffren hat sich ihre Mutter in sie eingeschrieben.

Analytisch und radikal ehrlich legt Marlen Hobrack die Tiefenschichten ihrer Mutter frei – auch in sich selbst – und stellt gesellschaftliche Fragen, die uns alle betreffen: Was verraten die Dinge, die Menschen horten, über das, was sie im Leben wirklich brauchen? Bewältigen Frauen ihre Traumata durch Konsumsucht? Wie schreibt sich das Trauma unserer Eltern durch ein Erbe in uns fort?

Dieses Buch ist ein doppelter Verrat. Ein Verrat an der Ikone der Mutter und an den Ikonen der Konsumgüter, die uns ein Leben lang begleiten – um uns nach unserem Tod auf gemeinste Weise bloßzustellen.


„Es ist ein unverschämter Text, da die Scham uns hier nur von der Erkenntnis an uns selbst abhalten würde. Unverschämt ist dieser Text, nicht, weil er schamlos agiert, sondern die eigene Scham darstellt, mutig einen Raum einnehmen lässt. Eine Verbeugung vor diesem Buch.“

Martin Piekar, Lyriker und Robert-Gernhardt-Preisträger 2024

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
240
Price
24.70 €

Author Description

MARLEN HOBRACK, geboren 1986 in Bautzen, studierte Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaften und arbeitete zunächst in einer Unternehmensberatung. Seit 2016 schreibt sie hauptberuflich u.a. für der Freitag, Zeit Online, Die Welt und Der Spiegel. In ihren beiden Sachbüchern Klassenbeste und Erbgut verhandelt sie das Leben ihrer Mutter und Fragen nach sozialer Herkunft und Gerechtigkeit. 2023 debütierte sie mit Schrödingers Grrrl als Romanautorin. Für ihre Literaturkritik erhielt sie 2023 den Jörg‑Henle‑Preis. 2025 wurde sie mit dem Anna‑Seghers‑Preis für ihre literarische Auseinandersetzung mit Klassismus ausgezeichnet. Marlen Hobrack hat drei Kinder und lebt in Leipzig.

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Ein ehrlicher, ungeschönter und direkter Blick auf die verstorbene Mutter, die vor allem eine mit Konsum vollgestopfte Wohnung und zahlreiche Rechnungen hinterlassen hat. Hobracks Text hat mich wirklich doll bewegt und begeistert!

Marlen Hobracks „Erbgut“ ist ein außergewöhnlich offenes, emotional aufwühlendes und tiefgründiges Buch, das weit über eine bloße Aufarbeitung eines familiären Nachlasses hinausgeht. Es ist sowohl eine autobiografische Erzählung als auch eine Analyse von Konsumverhalten, gesellschaftlicher Prägung und zwischenmenschlichen Beziehungen – insbesondere der komplexen Mutter-Tochter-Dynamik. Ausgangspunkt der Geschichte ist die Wohnung der verstorbenen Mutter, die überquillt vor Gegenständen, Schulden und ungeöffneten Paketen. Doch Hobrack gräbt mehr als nur materielle Dinge aus. Sie deckt die Lebensrealität ihrer Mutter auf, geprägt von den Entbehrungen der DDR, der Härte des Alltags, und einer psychologischen Dimension, die sich in einer Obsession des Hortens manifestiert. Mit einer beeindruckenden sprachlichen Präzision gelingt es der Autorin, diese persönlichen Erlebnisse mit größeren gesellschaftlichen und historischen Zusammenhängen zu verweben. Besonders berührend ist Hobracks ehrlicher und gleichzeitig schmerzhafter Blick auf ihre Mutter. Ohne diese zu idealisieren oder zu verurteilen, entblättert sie deren Leben und die Beziehung zwischen Mutter und Tochter in all ihrer Widersprüchlichkeit: Nähe und Überforderung, Liebe und Distanz. Dabei stellt sie sich die Frage, wie sehr das Verhalten und die Entscheidungen der Eltern die eigene Identität prägen und welche Muster man unbewusst übernimmt. Das Buch nimmt seine Leser*innen mit auf eine Reise, die gleichermaßen analytisch wie emotional ist. Hobrack verbindet persönliche Erinnerungen mit soziologischen und psychologischen Überlegungen zu Themen wie Klassenzugehörigkeit, Konsumzwang und Traumabewältigung. Besonders spannend ist die Verknüpfung der DDR-Mangelwirtschaft mit dem späteren unkontrollierten Konsum im Kapitalismus. Diese Perspektive gibt dem Buch eine tiefere Dimension, die nicht nur emotional, sondern auch intellektuell fordert. Was „Erbgut“ so eindrücklich macht, ist die radikale Ehrlichkeit, mit der Hobrack ihre Mutter, sich selbst und die Leserschaft konfrontiert. Es ist eine mutige Entscheidung, ein so persönliches Thema ohne Beschönigungen offenzulegen. Diese Offenheit macht das Lesen gleichzeitig faszinierend und unangenehm, denn man wird zum Zeugen einer sehr intimen, fast voyeuristischen Auseinandersetzung. Doch gerade dadurch regt das Buch zum Nachdenken an – über die eigene Beziehung zu Besitz, Familie und Herkunft. Ein mutiges, kluges, schmerzendes und einfühlsames Buch, das einen nicht unberührt lässt.

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Eine sehr bewegende Aufarbeitung, ein Buch, das mich aus Gründen sehr traurig gemacht hat.

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