Wo die Kaffeekirschen leuchten

Wo die Kaffeekirschen leuchten

Hardcover
2.82

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Beschreibung

1953, im deutschen Wirtschaftswunderland: Eine junge Frau aus Ludwigshafen steht mit ihrem gerade angetrauten Ehemann an der Reling des Überseedampfers, der sie von Hamburg nach Kolumbien bringen wird. Ihn erwartet in der Andenstadt Tunja seine erste Anstellung als Geologe, sie sieht so freudig wie besorgt ihrer ungewissen Zukunft als »Auswanderer auf Zeit« entgegen – getrennt von der behütenden großen Familie im gläubigen Elternhaus, das Musikstudium geopfert und unvertraut mit der kolumbianischen Kultur und Geschichte. In Tunja sind sie konfrontiert mit den häufig kolonialen Attitüden der Auslandsdeutschen, die die Vergangenheit zumeist beschweigen. Während ihr Mann im Gelände forscht, ist die junge Deutsche mit der mühevollen Einrichtung ihres neuen Zuhauses beschäftigt und findet Anschluss als Kammermusikerin. Das »Band zur Heimat« pflegt sie in ihren Briefen auf Luftpostpapier, aus denen Sehnsucht und Selbstbehauptung sprechen: gesammelt in zwölf Ordnern. Mit diesen Dokumenten, Erzählungsfetzen und Fotoalben sowie auf einer Reise zusammen mit zweien ihrer Kinder nach Tunja folgt die Erzählerin gut siebzig Jahre später den Spuren der Eltern und Großeltern. Ein so akribisch wie aufrichtig gestalteter literarischer Dialog zwischen den Generationen.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Hardcover
Seitenzahl
340
Preis
26.80 €

Autorenbeschreibung

Nicola Denis, 1972 in Celle geboren, lebt als Literaturübersetzerin und Autorin im Westen Frankreichs. Für Matthes & Seitz Berlin übersetzte sie u. a. Werke von Alexandre Dumas, Honoré de Balzac, Éric Vuillard und Vinciane Despret.2021 erhielt sie den renommierten Prix Lémanique de la traduction, 2023 den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis. 2022 erschien ihr literarisches Debüt »Die Tanten«.

Beiträge

1
Alle
3

Von Ludwigshafen nach Kolumbien

Der Roman führt in die frühen 1950er-Jahre: Kurz nach ihrer Hochzeit reist ein junges Ehepaar aus Ludwigshafen nach Kolumbien, wo ihn eine Stelle als Geologe erwartet. Für beide beginnt damit ein neues Leben fern von Familie, vertrauter Umgebung und bisherigen Lebensplänen. In der Andenstadt Tunja versuchen sie, sich in der neuen Umgebung einzuleben. Über zahlreiche Briefe halten sie Kontakt nach Deutschland – diese Korrespondenzen geben Einblicke in ihren Alltag und werden viele Jahre später zum Ausgangspunkt des Romans: Die Tochter rekonstruiert anhand der Briefe, Erinnerungen und Dokumente die Geschichte ihrer Eltern. Besonders gefallen hat mir die Sprache des Romans. Sie ist sehr lyrisch und bildhaft. Man spürt beim Lesen das südamerikanische Flair, die Farben, Gerüche, Landschaften und kulturellen Begegnungen fast körperlich. Nicola Denis schafft eine Atmosphäre, die Kolumbien der 1950er-Jahre lebendig werden lässt. Gleichzeitig wirft der Roman auch einen Blick auf das Leben innerhalb der deutschen Community in Kolumbien in den 1950er-Jahren. Zwischen Begegnungen mit anderen Auslandsdeutschen, kulturellen Unterschieden und dem spürbaren Nachwirken des Zweiten Weltkriegs entsteht ein vielschichtiges Bild dieser Zeit. Der poetische Stil hat mir insgesamt gut gefallen, auch wenn er stellenweise etwas schwer greifbar ist. Durch die Vielzahl an Namen, Orten und Details wirkt der Text manchmal sehr dicht. Für mich persönlich hätte es an einigen Stellen etwas fokussierter sein dürfen. Gleichzeitig merkt man aber, wie viel Recherche, Erinnerung und Familiengeschichte in dieses Buch eingeflossen ist. Insgesamt ist es ein ruhiger und anspruchsvoller Roman über Auswandern, Familie und das Leben zwischen Kulturen – getragen von einer poetischen Sprache und vielen historischen Spuren. | unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar |

Von Ludwigshafen nach Kolumbien
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