8. März
Von Ludwigshafen nach Kolumbien
Bewertung:3

Von Ludwigshafen nach Kolumbien

Der Roman führt in die frühen 1950er-Jahre: Kurz nach ihrer Hochzeit reist ein junges Ehepaar aus Ludwigshafen nach Kolumbien, wo ihn eine Stelle als Geologe erwartet. Für beide beginnt damit ein neues Leben fern von Familie, vertrauter Umgebung und bisherigen Lebensplänen. In der Andenstadt Tunja versuchen sie, sich in der neuen Umgebung einzuleben. Über zahlreiche Briefe halten sie Kontakt nach Deutschland – diese Korrespondenzen geben Einblicke in ihren Alltag und werden viele Jahre später zum Ausgangspunkt des Romans: Die Tochter rekonstruiert anhand der Briefe, Erinnerungen und Dokumente die Geschichte ihrer Eltern. Besonders gefallen hat mir die Sprache des Romans. Sie ist sehr lyrisch und bildhaft. Man spürt beim Lesen das südamerikanische Flair, die Farben, Gerüche, Landschaften und kulturellen Begegnungen fast körperlich. Nicola Denis schafft eine Atmosphäre, die Kolumbien der 1950er-Jahre lebendig werden lässt. Gleichzeitig wirft der Roman auch einen Blick auf das Leben innerhalb der deutschen Community in Kolumbien in den 1950er-Jahren. Zwischen Begegnungen mit anderen Auslandsdeutschen, kulturellen Unterschieden und dem spürbaren Nachwirken des Zweiten Weltkriegs entsteht ein vielschichtiges Bild dieser Zeit. Der poetische Stil hat mir insgesamt gut gefallen, auch wenn er stellenweise etwas schwer greifbar ist. Durch die Vielzahl an Namen, Orten und Details wirkt der Text manchmal sehr dicht. Für mich persönlich hätte es an einigen Stellen etwas fokussierter sein dürfen. Gleichzeitig merkt man aber, wie viel Recherche, Erinnerung und Familiengeschichte in dieses Buch eingeflossen ist. Insgesamt ist es ein ruhiger und anspruchsvoller Roman über Auswandern, Familie und das Leben zwischen Kulturen – getragen von einer poetischen Sprache und vielen historischen Spuren. | unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar |

Wo die Kaffeekirschen leuchten
Wo die Kaffeekirschen leuchtenvon Nicola DenisFriedenauer Presse