Werkauswahl Gerhard Branstner in 10 Bänden / Plebejades - Grobianischer Renaiccanceroman in der Art des François Rabeleis
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Beschreibung
Indem Du, lieber Leser, dieses Buch in die Hand genommen hast, hast Du Dir einiges vorgenommen. In jedem Falle eine Lektüre, wie Du sie in Deinem Leben noch nicht genossen hast. Oder ist Dir schon mal ein grobianischer Renaissanceroman begegnet? Nicht einmal das Wort „grobianischer Roman" ist Dir begegnet. Und falls ja einer den „Gargantua" des François Rabelais gelesen hat, so hat er zwar ein prachtvolles Stück Literatur genossen, wenn auch nur im ersten Teil, aber keinen Roman, denn der „Gargantua" ist lediglich eine Aneinanderreihung von Episoden, hat also nicht die für einen Roman erforderliche Eigenschaft einer vertiefenden Handlung, eine das Ganze bindende und hebende Idee. Und die deutsche Nachahmung von Johannes Fischart ist schon gar nur eine schwachbrüstige verbale Veräußerlichung, von Romain Rollands Versuch ganz zu schweigen.Der grobianische Renaissanceroman in Gestalt der „Plebejade" ist mithin ein absolutes Einzelstück. Und damit ein absolutes Kuriosum: Der einzige wirkliche Renaissanceroman wurde ein halbes Jahrtausend nach der Renaissance geschrieben. Da stellt sich die Frage des Schwierigkeitsgrades. Bei den Wasserspringern wird der Schwierigkeitsgrad und die Ausführung bewertet. Und einem Eiskunstläufer, der bei allen Schwierigkeiten auf dem Hintern landet, nützen alle Schwierigkeiten wenig. Aber wenn Du, lieber Leser, in der Plebejade den höchsten Schwierigkeitsgrad aller Literaturgenres und keinen Fehler in der Ausführung findest, welche Note gibst Du mir dann?Das Kuriosum, ein halbes Jahrtausend nach der Renaissance der einzige echte Renaissanceroman zu sein, hat zwei Voraussetzungen. Die erste ist meine Fähigkeit, mich nach Belieben in jede Zeit versetzen zu können. Das habe ich beispielsweise im vorigen Buch („Wie Fritz den Teufel erschlug") mit der orientalischen und der utopischen Anekdote getan. Die zweite Voraussetzung ist, das tiefere historische Wesen unserer Zeit zu begreifen.Marx, zweifellos der bedeutendste Denker der Menschheit, unterteilt die gesellschaftliche Entwicklung in Vorgeschichte und eigentliche Geschichte. Wenn ich mit dem „Prinzip Gleichheit" über Marx hinaus die eigentliche Geschichte in ihrer ungeheueren Kraft und Größe erfasse, treibe ich die unbändige Selbstbewußtheit der Renaissance noch eine historische Phase weiter. Das ist auch der tiefere Sinn der „Plebejade".Die „Plebejade" ist aber ein Kinderbuch. Wie paßt das nun wieder zusammen? Durch meine Methode, den Ernst voll in Heiterkeit aufzuheben. Aufhebende Heiterkeit als literarische Methode ist aber Lockerheit, Sinnlichkeit, Unterhaltsamkeit, Einfallsreichtum, Lustigkeit: alles, was Kinder mögen. Und wo das Gleichnishafte den kindlichen Verstand überfordert, läßt der kindliche Leser es einfach links liegen. Wenn Erwachsene sich unterhalten und das Kind neugierig zuhört, kann es das meiste noch nicht verstehen. Das überhört es ohne zu Stolpern. Wenn es das nicht könnte, würde es verrückt. Der Intellektuelle hingegen wird ärgerlich, wenn er was nicht versteht. Das habe ich bei einer Lesung vor Intellektuellen in Wittenberge erlebt. Und da ich die „Plebejade" nicht nur hintergründig, doppeldeutig, sondern auch spontan geschrieben habe, konnte ich die Gleichnishaftigkeit selber nicht immer entschlüsseln, was den Ärger der Intellektuellen noch ärgerlicher machte.Die Spontaneität, im dialektischen Wechselspiel mit der philosophischen Hintergründigkeit gibt der „Plebejade" eine Erzähldichte, worin ihr kein anderes Buch auch nur nahe kommt.Wenn diese Erzähldichte Intellektuelle auch manchmal überfordert, so ist sie Kindern hochwillkommen. Das bestätigte mir eine Bekannte. Als ich sie bei einem Besuch fragte, wieso die beiden Kinder, zehn und zwölf Jahre, schon im Bett sind, sagte sie: das kommt von Deiner „Plebejade". Sie erzählte mir, daß die beiden, die sonst nie ins Bett wollen, auf einmal von sich aus verschwanden. Als sie an der Tür lauschte, hörte sie ein glucksendes Lachen. Sie öffnete die Tür einen Spalt und sah, daß die beiden mit der Taschenlampe unter der Bettdecke die „Plebejade" lasen. Und als sie an die Stelle kamen, wo es heißt: „Wenn man bei Tische furzt, hält man die Hand vor den Mund oder sagt wenigstens Amen", brüllten die beiden laut los. „Und was hast Du gemacht?", fragte ich meine Bekannte. „Ich habe schon gelacht, als ich es für mich gelesen hatte, aber jetzt brüllte ich mit den Kindern und tanzte im Zimmer herum. Ein letztes Wort zur Sprache der „Plebejade". In der Diskussion nach einer Lesung in Bantikow meinte einer aus dem Publikum, daß die Sprache Thomas Manns doch wohl moderner und intelligenter sei. Da ist ein Rezensent ganz anderer Meinung. Ich zitiere nur ein paar Fetzen aus der Rezension: „Da wird Allgemeinmenschliches in Spott umfunktioniert, ungewöhnliche Vorgänge werden zu gewöhnlichen herabgespielt und umgekehrt … die natürlich gegebene Logik in die Romanhandlung einzubauen und sie mit der inneren Figurenlogik in Beziehung zu setzen, zu koppeln und anders gearteten Situationen und Teilhandlungen, die einander ausschließen oder nur partiell bedingen, aber kurioserweise eine dritte gebären, ruft durch entsprechende Wortwahl komische Effekte hervor. Sentenz, Wortspiel, die Reziprozität normaler Verhaltensweisen" erzeugt „opulentes Lachen."`Aus dem „Ausnutzen von begrifflichen Doppelbötigkeiten, aus der Situation, den Dialogen, der Kopulation geschraubter, umgangssprachlicher, salopper, derb vulgärer und jargonhafter Rede- und Stilelemente, Bild- und Sprachverschmelzungen bewußt provozierter Stilbrüche erwächst die vergnügliche Wirkung der ‘Plebejade’ … ein ganzes Arsenal von Aphorismen, Sentenzen, Sprüchen, Metaphern, Metonymien, Metaphrasen, Synonymen. Eine weitere Methode, Komik auf unterschiedliche und vielfältige Art hervorsprudeln zu lassen, auf Lachen und Nachdenken des Lesers zu zielen, ist das Operieren mit Oberbegriffen, Archaismen, Kontext, Gesamtstruktur, Einlagerung der Episoden um einen Kern – das ist es, was der Autor in ein kommunizierendes System bringt, das sich aufeinander bezieht, kommentiert und wechselseitig in der Wirkung steigert, so daß eine neue heitere Dimension entsteht." Und das ist nur ein Bruchteil dessen, was der Rezensent an sprachlichem Reichtum der „Plebejade" herausgefunden hat.Das soll den Leser keineswegs abschrecken, sondern im Gegenteil einen Vorgeschmack von der „Plebejade" geben.Die Kunst, mit einer modernen, intelligenten, raffinierten, hintergründigen, gleichnishaften Sprache zugleich sinnlich, lustig, anschaulich, amüsant, verständlich zu sein mag zwar manchen zum Fehlurteil der Unterschätzung verleiten. Dir, lieber Leser, wünsche ich jedenfalls ein reines, kindliches Vergnügen.
Dein Gerhard Branstner
Buchinformationen
Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Buch
Seitenzahl
229
Preis
15.30 €
Beschreibung
Indem Du, lieber Leser, dieses Buch in die Hand genommen hast, hast Du Dir einiges vorgenommen. In jedem Falle eine Lektüre, wie Du sie in Deinem Leben noch nicht genossen hast. Oder ist Dir schon mal ein grobianischer Renaissanceroman begegnet? Nicht einmal das Wort „grobianischer Roman" ist Dir begegnet. Und falls ja einer den „Gargantua" des François Rabelais gelesen hat, so hat er zwar ein prachtvolles Stück Literatur genossen, wenn auch nur im ersten Teil, aber keinen Roman, denn der „Gargantua" ist lediglich eine Aneinanderreihung von Episoden, hat also nicht die für einen Roman erforderliche Eigenschaft einer vertiefenden Handlung, eine das Ganze bindende und hebende Idee. Und die deutsche Nachahmung von Johannes Fischart ist schon gar nur eine schwachbrüstige verbale Veräußerlichung, von Romain Rollands Versuch ganz zu schweigen.Der grobianische Renaissanceroman in Gestalt der „Plebejade" ist mithin ein absolutes Einzelstück. Und damit ein absolutes Kuriosum: Der einzige wirkliche Renaissanceroman wurde ein halbes Jahrtausend nach der Renaissance geschrieben. Da stellt sich die Frage des Schwierigkeitsgrades. Bei den Wasserspringern wird der Schwierigkeitsgrad und die Ausführung bewertet. Und einem Eiskunstläufer, der bei allen Schwierigkeiten auf dem Hintern landet, nützen alle Schwierigkeiten wenig. Aber wenn Du, lieber Leser, in der Plebejade den höchsten Schwierigkeitsgrad aller Literaturgenres und keinen Fehler in der Ausführung findest, welche Note gibst Du mir dann?Das Kuriosum, ein halbes Jahrtausend nach der Renaissance der einzige echte Renaissanceroman zu sein, hat zwei Voraussetzungen. Die erste ist meine Fähigkeit, mich nach Belieben in jede Zeit versetzen zu können. Das habe ich beispielsweise im vorigen Buch („Wie Fritz den Teufel erschlug") mit der orientalischen und der utopischen Anekdote getan. Die zweite Voraussetzung ist, das tiefere historische Wesen unserer Zeit zu begreifen.Marx, zweifellos der bedeutendste Denker der Menschheit, unterteilt die gesellschaftliche Entwicklung in Vorgeschichte und eigentliche Geschichte. Wenn ich mit dem „Prinzip Gleichheit" über Marx hinaus die eigentliche Geschichte in ihrer ungeheueren Kraft und Größe erfasse, treibe ich die unbändige Selbstbewußtheit der Renaissance noch eine historische Phase weiter. Das ist auch der tiefere Sinn der „Plebejade".Die „Plebejade" ist aber ein Kinderbuch. Wie paßt das nun wieder zusammen? Durch meine Methode, den Ernst voll in Heiterkeit aufzuheben. Aufhebende Heiterkeit als literarische Methode ist aber Lockerheit, Sinnlichkeit, Unterhaltsamkeit, Einfallsreichtum, Lustigkeit: alles, was Kinder mögen. Und wo das Gleichnishafte den kindlichen Verstand überfordert, läßt der kindliche Leser es einfach links liegen. Wenn Erwachsene sich unterhalten und das Kind neugierig zuhört, kann es das meiste noch nicht verstehen. Das überhört es ohne zu Stolpern. Wenn es das nicht könnte, würde es verrückt. Der Intellektuelle hingegen wird ärgerlich, wenn er was nicht versteht. Das habe ich bei einer Lesung vor Intellektuellen in Wittenberge erlebt. Und da ich die „Plebejade" nicht nur hintergründig, doppeldeutig, sondern auch spontan geschrieben habe, konnte ich die Gleichnishaftigkeit selber nicht immer entschlüsseln, was den Ärger der Intellektuellen noch ärgerlicher machte.Die Spontaneität, im dialektischen Wechselspiel mit der philosophischen Hintergründigkeit gibt der „Plebejade" eine Erzähldichte, worin ihr kein anderes Buch auch nur nahe kommt.Wenn diese Erzähldichte Intellektuelle auch manchmal überfordert, so ist sie Kindern hochwillkommen. Das bestätigte mir eine Bekannte. Als ich sie bei einem Besuch fragte, wieso die beiden Kinder, zehn und zwölf Jahre, schon im Bett sind, sagte sie: das kommt von Deiner „Plebejade". Sie erzählte mir, daß die beiden, die sonst nie ins Bett wollen, auf einmal von sich aus verschwanden. Als sie an der Tür lauschte, hörte sie ein glucksendes Lachen. Sie öffnete die Tür einen Spalt und sah, daß die beiden mit der Taschenlampe unter der Bettdecke die „Plebejade" lasen. Und als sie an die Stelle kamen, wo es heißt: „Wenn man bei Tische furzt, hält man die Hand vor den Mund oder sagt wenigstens Amen", brüllten die beiden laut los. „Und was hast Du gemacht?", fragte ich meine Bekannte. „Ich habe schon gelacht, als ich es für mich gelesen hatte, aber jetzt brüllte ich mit den Kindern und tanzte im Zimmer herum. Ein letztes Wort zur Sprache der „Plebejade". In der Diskussion nach einer Lesung in Bantikow meinte einer aus dem Publikum, daß die Sprache Thomas Manns doch wohl moderner und intelligenter sei. Da ist ein Rezensent ganz anderer Meinung. Ich zitiere nur ein paar Fetzen aus der Rezension: „Da wird Allgemeinmenschliches in Spott umfunktioniert, ungewöhnliche Vorgänge werden zu gewöhnlichen herabgespielt und umgekehrt … die natürlich gegebene Logik in die Romanhandlung einzubauen und sie mit der inneren Figurenlogik in Beziehung zu setzen, zu koppeln und anders gearteten Situationen und Teilhandlungen, die einander ausschließen oder nur partiell bedingen, aber kurioserweise eine dritte gebären, ruft durch entsprechende Wortwahl komische Effekte hervor. Sentenz, Wortspiel, die Reziprozität normaler Verhaltensweisen" erzeugt „opulentes Lachen."`Aus dem „Ausnutzen von begrifflichen Doppelbötigkeiten, aus der Situation, den Dialogen, der Kopulation geschraubter, umgangssprachlicher, salopper, derb vulgärer und jargonhafter Rede- und Stilelemente, Bild- und Sprachverschmelzungen bewußt provozierter Stilbrüche erwächst die vergnügliche Wirkung der ‘Plebejade’ … ein ganzes Arsenal von Aphorismen, Sentenzen, Sprüchen, Metaphern, Metonymien, Metaphrasen, Synonymen. Eine weitere Methode, Komik auf unterschiedliche und vielfältige Art hervorsprudeln zu lassen, auf Lachen und Nachdenken des Lesers zu zielen, ist das Operieren mit Oberbegriffen, Archaismen, Kontext, Gesamtstruktur, Einlagerung der Episoden um einen Kern – das ist es, was der Autor in ein kommunizierendes System bringt, das sich aufeinander bezieht, kommentiert und wechselseitig in der Wirkung steigert, so daß eine neue heitere Dimension entsteht." Und das ist nur ein Bruchteil dessen, was der Rezensent an sprachlichem Reichtum der „Plebejade" herausgefunden hat.Das soll den Leser keineswegs abschrecken, sondern im Gegenteil einen Vorgeschmack von der „Plebejade" geben.Die Kunst, mit einer modernen, intelligenten, raffinierten, hintergründigen, gleichnishaften Sprache zugleich sinnlich, lustig, anschaulich, amüsant, verständlich zu sein mag zwar manchen zum Fehlurteil der Unterschätzung verleiten. Dir, lieber Leser, wünsche ich jedenfalls ein reines, kindliches Vergnügen.
Dein Gerhard Branstner
Buchinformationen
Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Buch
Seitenzahl
229
Preis
15.30 €



