Unser Schmerz ist unsere Kraft
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Beschreibung
Buchinformationen
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So ein wichtiges Thema welches leider unter den Tisch gekehrt wird!
Semiya ist 14 als ihr Vater 2000 erschossen wird. Als 6 Jahre später auch Gamzes Vater tot aufgefunden wird, beschließt Semiya Kontakt zu ihrer gleichaltrigen Schicksalsgefährtin aufzunehmen. Zusammen stehen die beiden die Zeiten durch, in denen ihre Familien beschuldigt werden die Morde begangen zu haben, in denen die Polizei nicht vom Verdacht ab lassen will, ihre Väter hätten mit Drogen gehandelt o.ä. sie haIten auch zusammen, als man ihnen nicht glauben will, dass die Mordserie, die „Dönermorde" rassistische Gründe haben. Und Sie unterstützen sich während des Gerichtsprozesses, in dem so viele Helfer des NSU ungeschoren davonkommen. Das Hörbuch besteht aus diversen eingelesenen Zeitungsartikeln, Telefonaten und so was wie Tagebucheinträgen der beiden und wird von zwei Schauspielerinnen wirklich toll eingesprochen. Ich finde, es vermittelt einen tollen Eindruck dieser schrecklichen Zeit und wie die beiden sich gefühlt haben müssen. Ich war beim hören sehr entsetzt, denn ich war damals zwar noch ein kleines Kind und hab davon nichts mitbekommen, aber auch später in der Schule wurde nie darüber gesprochen, ich hatte noch nie etwas davon gehört. Bis jetzt. Ich denke, jede*r, egal wie alt, sollte dieses (Hör-) Buch hören/lesen, denn die NSU-Morde sind (leider) ein Teil der deutschen Geschichte und sollten meiner Meinung nach auf keinen Fall totgeschwiegen werden!
Emotional, eindringlich und absolut lesenswert
Unser Schmerz ist unsere Kraft hat mich tief berührt. Das Buch ist emotional, eindringlich und hat mich von der ersten Minute an gefesselt. Besonders wertvoll finde ich, dass die Autorinnen ihre Geschichte mit uns teilen. Es gehört viel Mut dazu, persönliche Erfahrungen öffentlich zu machen, und ich bin ihnen dankbar für ihre Offenheit. Durch ihre Schilderungen schaffen sie Verständnis, regen zum Nachdenken an und leisten wichtige Aufklärungsarbeit. Dieses Buch hat mich nicht nur emotional bewegt, sondern mir auch neue Perspektiven eröffnet. Es zeigt, wie wichtig es ist, über schwierige Themen zu sprechen und Betroffenen eine Stimme zu geben. Für mich ist Unser Schmerz ist unsere Kraft ein wichtiges und lesenswertes Buch, das noch lange nachwirkt. Das Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise über NetGalley zur Verfügung gestellt. Meine Meinung zum Buch bleibt davon unbeeinflusst.
Wichtiges und gut geschriebenes Jugendbuch zum so empörenden NSU-Komplex mit Fokus auf die Betroffenen.
Heute jährt sich die Erm0rdung von Enver Şimşek durch den rechtsterr0ristischen sogenannten "Nationalsozialistischen Untergrund" zum 25. Mal. Vor fast 14 Jahren enttarnte sich der "NSU", nachdem er über 10 Jahre lang m0rdend durchs Land ziehen konnte. Und sehr lange lag der Fokus (und liegt teilweise noch immer) v.a auf den Tätern, auf der verurteilten Rechtsterr0ristin, wenngleich leider viel zu wenig auf dem NSU-Komplex und dem mit dem Kerntrio verbundenen Netzwerk. In den letzten Jahren haben Betroffenenperspektiven aber zum Glück mehr Sichtbarkeit erhalten. Dass sie lange gefehlt haben, hat viel mit Ignoranz zu tun, aber natürlich auch damit, dass das Sprechen über den gewaltvollen Verlust naher Angehöriger nicht leicht ist. Vor allem wenn dieser Verlust begleitet wird von behördlicher Repression, Täter-Opfer-Umkehr und davon, dass die Rechtsprechung nicht gleichbedeutend ist mit Gerechtigkeit. Wenn Angehörigen wegen Verdächtigungen der M0rdopfer die Möglichkeit genommen wird, einfach zu trauern. Vor diesem Hintergrund ist das gerade erschienene "Unser Schmerz ist unsere Kraft" von Gamze Kubaşık, Semiya Şimşek und Christine Werner wahnsinnig wichtig, weil es die Perspektive zweier wahnsinnig beeindruckender Frauen schildert, die als Teenager (Semiya) bzw. junge Erwachsene (Gamze) ihre Väter an den NSU verloren haben. Die parallel zur Trauer und dem Wissen, nicht abschließen zu können, unermüdlich für Gerechtigkeit für die Opfer des Terr0rnetzwerks kämpfen, Aufklärung leisten und damit die Arbeit machen, die eigentlich mindestens die deutschen Behörden, aber auch die nicht direkt betroffene Mehrheitsgesellschaf aus einem solidarischen Gedanken heraus machen müssten. Und die uns in diesem Buch nun sehr persönlich daran teilhaben lassen, wie sie die M0rde und die Ermittlungen erlebt haben. Das Buch ist aber auch wichtig, weil es eine Lücke schließt: Es ist gemeinsam mit der Jugendbuchautorin Christine Werner verfasst worden und soll bewusst Jugendliche und junge Menschen ansprechen. Denn während meine Generation mindestens die Selbstenttarnung, ggf. auch die M0rde selbst noch miterlebt hat, haben viele Jugendliche von einer der größten Mordserien in Nachkriegsdeutschland maximal den Namen gehört, im Unterricht die Kontinuität rechter Gewalt nie behandelt - und wenn, dann mit Fokus auf die TäterInnen. Ja, sich mit deren Ideologie zu befassen ist wichtig. Aber eben nur ein Teil und die Zentrierung der Opfer ist gerade in der politischen Bildungsarbeit eine wichtige Perspektivverschiebung. Außerdem ist den dreien gelungen, in diesem Buch auch das Bild einer beeindruckenden und schon fast 20 Jahre andauernden tiefen Freundinnenschaft nachzuzeichnen, die zwischen Semiya und Gamze über den Verlust ihrer Väter entstanden ist, ihnen gegenseitig Halt gegeben hat und Stärke. Diese Verbindung aus persönlichen Erinnerungen und Hinweisen auf das behördliche Versagen und den institutionellen Rass1smus wird so eindrücklich nachgezeichnet, dass ich mehrmals Gänsehaut bekam und wütend wurde. Beispielsweise, wenn die Polizei mal wieder bei den Opferfamilien nachfragt, ob es nicht doch Bezüge zum Dr0genhandel gibt und den Verdacht eines rechten Motivs verwirft, weils ja kein Manifest gäbe - während sie es sich nicht nehmen lässt, von der jeweiligen Familie am Esstisch mit Kuchen und Baklava versorgt zu werden. Ich kann mir nicht annähernd vorstellen, wie schmerzhaft und zermürbend die Summe dieser Erlebnisse war. Umso wichtiger ist es aber, dass mit diesem Buch schon junge Menschen erfahren können, welche Folgen diese M0rdserie für die direkten Angehörigen hatte und wie viel noch immer unaufgeklärt ist.
Unsere Schmerzen ist unsere Kraft - 5/5 Sterne Dieses Buch ging unter die Haut und das bereits von der ersten Sekunde an. Die Schicksale, die Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık teilen, die ihre Geschichte so offen teilen und damit nochmals alte Wunden, öffnet ein Spiegel all der Ängste, des Misstrauens und der Ohnmacht, die viele von uns kennen, aber selten aussprechen. Schon beim hören der ersten Minuten wurde schnell klar: Das hätte auch meine Familie sein können. Die Namen der Opfer könnten die Namen meiner Brüder, Väter, Onkel sein. Ihre Läden, ihre Leben, ihre Träume – all das kommt mir so vertraut vor. Gerade deswegen trifft es nochmal hart, zu sehen, wie wenig Schutz, wie wenig Gerechtigkeit diesen Familien zuteil wurde. Es ist nicht nur der Schmerz des Verlustes, den die beiden Frauen beschreiben, sondern der noch tiefere Schmerz, über Jahre hinweg praktisch drangsaliert worden zu sein durch die falschen Verdächtigungen, falschen Behauptungen von der Polizei, von der Presse, von der Gesellschaft. Besonders die Polizei die immer wieder die Familien aufgesucht hat, um die Familien auszufragen für Behauptungen die keine Basis hatten. Über Jahre hinweg wurde nicht versucht anders weitig zu Recherchieren, zu untersuchen welche Täter noch in Frage kamen. Wie viele Ermordungen hätten verhindern werden können? Man wird damit dreifach zum Opfer gemacht: erst durch den Terror, dann durch das System, das einen eigentlich beschützen sollte und schlussendlich bei der Aufarbeitung. Ich habe beim Lesen oft Wut aufkommen spüren und mit den Tränen kämpfen müssen, besonders für die Ungerechtigkeit, aber auch Bewunderung gespürt. Bewunderung für den Mut, mit dem Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık ihre Geschichten erzählen. Sie hätten auch schweigen können, wie es so viele tun, aus Angst, aus Resignation. Aber sie sprechen. Für alle Opfer die es nicht tun können und um zukünftige Taten zu verhindern. Und für ihre Väter. Für ihre Familien. Für uns alle. Dieses Buch ist mehr als ein persönlicher Bericht. Es ist ein Ruf nach Gerechtigkeit. Eine Mahnung, dass Rassismus kein Randphänomen ist. Eine Erinnerung, dass das Thema aktueller ist als je zuvor. Und eine Aufforderung an uns ALLE hinzusehen, aufzustehen und nicht länger zu schweigen. Definitiv ein Buch, dass in jeder Schule drangenommen werden sollte. Ich danke NetGalley und dem Argon Verlag für das Hörbuch.
„Wir werden sprechen. Für unsere Väter. Und unsere Mütter, denen die deutschen Wörter fehlen.“ Dieses Hörbuch hat mich tief berührt. "Unser Schmerz ist unsere Kraft" wurde mir über netgalley.de und den Argon Verlag zur Verfügung gestellt – und schon nach wenigen Minuten war klar: Das hier ist kein Buch, das man nebenbei hört. Es geht unter die Haut. Gelesen von Pegah Ferydoni, Elisabeth Günther und Aysima Ergün – und jede der Stimmen bringt etwas Eigenes mit: Wärme, Wut, Entschlossenheit. Ich musste mehrfach schlucken, hatte Kloß im Hals. Manchmal habe ich Pausen gemacht, weil es einfach zu heftig war. Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık waren noch Jugendliche, als ihre Väter vom NSU ermordet wurden. Gemeinsam mit Christine Werner erzählen sie, was das mit ihnen gemacht hat – und wie sie trotzdem weitersprechen. Ich habe mich bisher viel zu wenig mit den NSU-Morden beschäftigt. Umso mehr hat mich erschüttert, wie die Familien behandelt wurden: verdächtigt statt geschützt, mit rassistischen Ermittlungsansätzen konfrontiert, während Akten geschreddert und bis heute unter Verschluss gehalten werden. Ich war wütend, so wütend. Und doch ist dieses Hörbuch nicht nur Schmerz. Es erzählt von Solidarität, Freundschaft und Zusammenhalt – von der Kraft, die bleibt, auch wenn alles verloren scheint. Es zeigt, wie Familien trotz unfassbarem Leid zusammenstehen, ihre Stimmen erheben und gegen das Vergessen kämpfen. Für mich ist es nicht nur ein Stück Aufklärung über die NSU-Morde, sondern auch ein Aufruf, selbst aufmerksam zu sein, sich zu erinnern und Solidarität zu zeigen. „Auf der Suche nach Einheit in der Vielfalt.“ Dieses Motto wird im Hörbuch greifbar: Es geht darum, individuelle Schicksale ernst zu nehmen und gleichzeitig die kollektive Stimme der Opferfamilien zu hören. Nazım Hikmet bringt es auf den Punkt: „Leben einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht.“ Genau das verlangen die Hinterbliebenen der NSU-Opfer – dass ihr Schmerz, ihr Kampf und ihre Forderungen nach Gerechtigkeit nicht ignoriert werden. Die Petition gegen die Aufnahme von Beate Zschäpe in ein Aussteigerprogramm ist dafür ein unmittelbarer Aufruf zum Handeln: Sie richtet sich gegen eine erneute Verhöhnung der Opferfamilien, fordert Transparenz und Gerechtigkeit und gibt den Hinterbliebenen die Unterstützung, die ihnen bisher viel zu oft verweigert wurde. Mit jeder Unterschrift können wir ein Zeichen setzen, dass die Stimmen der Opfer gehört werden und dass Täter:innen nicht belohnt oder privilegiert werden dürfen.
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So ein wichtiges Thema welches leider unter den Tisch gekehrt wird!
Semiya ist 14 als ihr Vater 2000 erschossen wird. Als 6 Jahre später auch Gamzes Vater tot aufgefunden wird, beschließt Semiya Kontakt zu ihrer gleichaltrigen Schicksalsgefährtin aufzunehmen. Zusammen stehen die beiden die Zeiten durch, in denen ihre Familien beschuldigt werden die Morde begangen zu haben, in denen die Polizei nicht vom Verdacht ab lassen will, ihre Väter hätten mit Drogen gehandelt o.ä. sie haIten auch zusammen, als man ihnen nicht glauben will, dass die Mordserie, die „Dönermorde" rassistische Gründe haben. Und Sie unterstützen sich während des Gerichtsprozesses, in dem so viele Helfer des NSU ungeschoren davonkommen. Das Hörbuch besteht aus diversen eingelesenen Zeitungsartikeln, Telefonaten und so was wie Tagebucheinträgen der beiden und wird von zwei Schauspielerinnen wirklich toll eingesprochen. Ich finde, es vermittelt einen tollen Eindruck dieser schrecklichen Zeit und wie die beiden sich gefühlt haben müssen. Ich war beim hören sehr entsetzt, denn ich war damals zwar noch ein kleines Kind und hab davon nichts mitbekommen, aber auch später in der Schule wurde nie darüber gesprochen, ich hatte noch nie etwas davon gehört. Bis jetzt. Ich denke, jede*r, egal wie alt, sollte dieses (Hör-) Buch hören/lesen, denn die NSU-Morde sind (leider) ein Teil der deutschen Geschichte und sollten meiner Meinung nach auf keinen Fall totgeschwiegen werden!
Emotional, eindringlich und absolut lesenswert
Unser Schmerz ist unsere Kraft hat mich tief berührt. Das Buch ist emotional, eindringlich und hat mich von der ersten Minute an gefesselt. Besonders wertvoll finde ich, dass die Autorinnen ihre Geschichte mit uns teilen. Es gehört viel Mut dazu, persönliche Erfahrungen öffentlich zu machen, und ich bin ihnen dankbar für ihre Offenheit. Durch ihre Schilderungen schaffen sie Verständnis, regen zum Nachdenken an und leisten wichtige Aufklärungsarbeit. Dieses Buch hat mich nicht nur emotional bewegt, sondern mir auch neue Perspektiven eröffnet. Es zeigt, wie wichtig es ist, über schwierige Themen zu sprechen und Betroffenen eine Stimme zu geben. Für mich ist Unser Schmerz ist unsere Kraft ein wichtiges und lesenswertes Buch, das noch lange nachwirkt. Das Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise über NetGalley zur Verfügung gestellt. Meine Meinung zum Buch bleibt davon unbeeinflusst.
Wichtiges und gut geschriebenes Jugendbuch zum so empörenden NSU-Komplex mit Fokus auf die Betroffenen.
Heute jährt sich die Erm0rdung von Enver Şimşek durch den rechtsterr0ristischen sogenannten "Nationalsozialistischen Untergrund" zum 25. Mal. Vor fast 14 Jahren enttarnte sich der "NSU", nachdem er über 10 Jahre lang m0rdend durchs Land ziehen konnte. Und sehr lange lag der Fokus (und liegt teilweise noch immer) v.a auf den Tätern, auf der verurteilten Rechtsterr0ristin, wenngleich leider viel zu wenig auf dem NSU-Komplex und dem mit dem Kerntrio verbundenen Netzwerk. In den letzten Jahren haben Betroffenenperspektiven aber zum Glück mehr Sichtbarkeit erhalten. Dass sie lange gefehlt haben, hat viel mit Ignoranz zu tun, aber natürlich auch damit, dass das Sprechen über den gewaltvollen Verlust naher Angehöriger nicht leicht ist. Vor allem wenn dieser Verlust begleitet wird von behördlicher Repression, Täter-Opfer-Umkehr und davon, dass die Rechtsprechung nicht gleichbedeutend ist mit Gerechtigkeit. Wenn Angehörigen wegen Verdächtigungen der M0rdopfer die Möglichkeit genommen wird, einfach zu trauern. Vor diesem Hintergrund ist das gerade erschienene "Unser Schmerz ist unsere Kraft" von Gamze Kubaşık, Semiya Şimşek und Christine Werner wahnsinnig wichtig, weil es die Perspektive zweier wahnsinnig beeindruckender Frauen schildert, die als Teenager (Semiya) bzw. junge Erwachsene (Gamze) ihre Väter an den NSU verloren haben. Die parallel zur Trauer und dem Wissen, nicht abschließen zu können, unermüdlich für Gerechtigkeit für die Opfer des Terr0rnetzwerks kämpfen, Aufklärung leisten und damit die Arbeit machen, die eigentlich mindestens die deutschen Behörden, aber auch die nicht direkt betroffene Mehrheitsgesellschaf aus einem solidarischen Gedanken heraus machen müssten. Und die uns in diesem Buch nun sehr persönlich daran teilhaben lassen, wie sie die M0rde und die Ermittlungen erlebt haben. Das Buch ist aber auch wichtig, weil es eine Lücke schließt: Es ist gemeinsam mit der Jugendbuchautorin Christine Werner verfasst worden und soll bewusst Jugendliche und junge Menschen ansprechen. Denn während meine Generation mindestens die Selbstenttarnung, ggf. auch die M0rde selbst noch miterlebt hat, haben viele Jugendliche von einer der größten Mordserien in Nachkriegsdeutschland maximal den Namen gehört, im Unterricht die Kontinuität rechter Gewalt nie behandelt - und wenn, dann mit Fokus auf die TäterInnen. Ja, sich mit deren Ideologie zu befassen ist wichtig. Aber eben nur ein Teil und die Zentrierung der Opfer ist gerade in der politischen Bildungsarbeit eine wichtige Perspektivverschiebung. Außerdem ist den dreien gelungen, in diesem Buch auch das Bild einer beeindruckenden und schon fast 20 Jahre andauernden tiefen Freundinnenschaft nachzuzeichnen, die zwischen Semiya und Gamze über den Verlust ihrer Väter entstanden ist, ihnen gegenseitig Halt gegeben hat und Stärke. Diese Verbindung aus persönlichen Erinnerungen und Hinweisen auf das behördliche Versagen und den institutionellen Rass1smus wird so eindrücklich nachgezeichnet, dass ich mehrmals Gänsehaut bekam und wütend wurde. Beispielsweise, wenn die Polizei mal wieder bei den Opferfamilien nachfragt, ob es nicht doch Bezüge zum Dr0genhandel gibt und den Verdacht eines rechten Motivs verwirft, weils ja kein Manifest gäbe - während sie es sich nicht nehmen lässt, von der jeweiligen Familie am Esstisch mit Kuchen und Baklava versorgt zu werden. Ich kann mir nicht annähernd vorstellen, wie schmerzhaft und zermürbend die Summe dieser Erlebnisse war. Umso wichtiger ist es aber, dass mit diesem Buch schon junge Menschen erfahren können, welche Folgen diese M0rdserie für die direkten Angehörigen hatte und wie viel noch immer unaufgeklärt ist.
Unsere Schmerzen ist unsere Kraft - 5/5 Sterne Dieses Buch ging unter die Haut und das bereits von der ersten Sekunde an. Die Schicksale, die Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık teilen, die ihre Geschichte so offen teilen und damit nochmals alte Wunden, öffnet ein Spiegel all der Ängste, des Misstrauens und der Ohnmacht, die viele von uns kennen, aber selten aussprechen. Schon beim hören der ersten Minuten wurde schnell klar: Das hätte auch meine Familie sein können. Die Namen der Opfer könnten die Namen meiner Brüder, Väter, Onkel sein. Ihre Läden, ihre Leben, ihre Träume – all das kommt mir so vertraut vor. Gerade deswegen trifft es nochmal hart, zu sehen, wie wenig Schutz, wie wenig Gerechtigkeit diesen Familien zuteil wurde. Es ist nicht nur der Schmerz des Verlustes, den die beiden Frauen beschreiben, sondern der noch tiefere Schmerz, über Jahre hinweg praktisch drangsaliert worden zu sein durch die falschen Verdächtigungen, falschen Behauptungen von der Polizei, von der Presse, von der Gesellschaft. Besonders die Polizei die immer wieder die Familien aufgesucht hat, um die Familien auszufragen für Behauptungen die keine Basis hatten. Über Jahre hinweg wurde nicht versucht anders weitig zu Recherchieren, zu untersuchen welche Täter noch in Frage kamen. Wie viele Ermordungen hätten verhindern werden können? Man wird damit dreifach zum Opfer gemacht: erst durch den Terror, dann durch das System, das einen eigentlich beschützen sollte und schlussendlich bei der Aufarbeitung. Ich habe beim Lesen oft Wut aufkommen spüren und mit den Tränen kämpfen müssen, besonders für die Ungerechtigkeit, aber auch Bewunderung gespürt. Bewunderung für den Mut, mit dem Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık ihre Geschichten erzählen. Sie hätten auch schweigen können, wie es so viele tun, aus Angst, aus Resignation. Aber sie sprechen. Für alle Opfer die es nicht tun können und um zukünftige Taten zu verhindern. Und für ihre Väter. Für ihre Familien. Für uns alle. Dieses Buch ist mehr als ein persönlicher Bericht. Es ist ein Ruf nach Gerechtigkeit. Eine Mahnung, dass Rassismus kein Randphänomen ist. Eine Erinnerung, dass das Thema aktueller ist als je zuvor. Und eine Aufforderung an uns ALLE hinzusehen, aufzustehen und nicht länger zu schweigen. Definitiv ein Buch, dass in jeder Schule drangenommen werden sollte. Ich danke NetGalley und dem Argon Verlag für das Hörbuch.
„Wir werden sprechen. Für unsere Väter. Und unsere Mütter, denen die deutschen Wörter fehlen.“ Dieses Hörbuch hat mich tief berührt. "Unser Schmerz ist unsere Kraft" wurde mir über netgalley.de und den Argon Verlag zur Verfügung gestellt – und schon nach wenigen Minuten war klar: Das hier ist kein Buch, das man nebenbei hört. Es geht unter die Haut. Gelesen von Pegah Ferydoni, Elisabeth Günther und Aysima Ergün – und jede der Stimmen bringt etwas Eigenes mit: Wärme, Wut, Entschlossenheit. Ich musste mehrfach schlucken, hatte Kloß im Hals. Manchmal habe ich Pausen gemacht, weil es einfach zu heftig war. Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık waren noch Jugendliche, als ihre Väter vom NSU ermordet wurden. Gemeinsam mit Christine Werner erzählen sie, was das mit ihnen gemacht hat – und wie sie trotzdem weitersprechen. Ich habe mich bisher viel zu wenig mit den NSU-Morden beschäftigt. Umso mehr hat mich erschüttert, wie die Familien behandelt wurden: verdächtigt statt geschützt, mit rassistischen Ermittlungsansätzen konfrontiert, während Akten geschreddert und bis heute unter Verschluss gehalten werden. Ich war wütend, so wütend. Und doch ist dieses Hörbuch nicht nur Schmerz. Es erzählt von Solidarität, Freundschaft und Zusammenhalt – von der Kraft, die bleibt, auch wenn alles verloren scheint. Es zeigt, wie Familien trotz unfassbarem Leid zusammenstehen, ihre Stimmen erheben und gegen das Vergessen kämpfen. Für mich ist es nicht nur ein Stück Aufklärung über die NSU-Morde, sondern auch ein Aufruf, selbst aufmerksam zu sein, sich zu erinnern und Solidarität zu zeigen. „Auf der Suche nach Einheit in der Vielfalt.“ Dieses Motto wird im Hörbuch greifbar: Es geht darum, individuelle Schicksale ernst zu nehmen und gleichzeitig die kollektive Stimme der Opferfamilien zu hören. Nazım Hikmet bringt es auf den Punkt: „Leben einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht.“ Genau das verlangen die Hinterbliebenen der NSU-Opfer – dass ihr Schmerz, ihr Kampf und ihre Forderungen nach Gerechtigkeit nicht ignoriert werden. Die Petition gegen die Aufnahme von Beate Zschäpe in ein Aussteigerprogramm ist dafür ein unmittelbarer Aufruf zum Handeln: Sie richtet sich gegen eine erneute Verhöhnung der Opferfamilien, fordert Transparenz und Gerechtigkeit und gibt den Hinterbliebenen die Unterstützung, die ihnen bisher viel zu oft verweigert wurde. Mit jeder Unterschrift können wir ein Zeichen setzen, dass die Stimmen der Opfer gehört werden und dass Täter:innen nicht belohnt oder privilegiert werden dürfen.








