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Romane

Mario und der Zauberer

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Über das Buch

Thomas Manns berühmte Novelle – erstmals als schön ausgestattete Geschenkausgabe in Leinen

Torre di Venere, Mitte August: Es ist heiß und voll in dem italienischen Badeort an der Mittelmeerküste. Der Strand ist fest in der Hand der »inländischen Mittelklasse«, die sich als wenig gastfreundlich und anstrengend patriotisch erweist. »Ärger, Gereiztheit, Überspannung« liegen von Anfang an in der Luft und entladen sich eines Abends bei einer Vorstellung des Zauberers Cipolla. Durch Hypnose manipuliert Cipolla seine Zuschauer und findet im Kellner Mario das geeignete Opfer, das sich ihm willenlos unterwerfen soll … Thomas Manns 1930 erschienene Novelle wurde gleich nach Erscheinen als politische Parabel zum aufkommenden Faschismus in Europa gelesen. Ein zeitgenössischer Kritiker schrieb: »Wenn Mussolini etwas von Kunst verstünde, müsste er diese Novelle in Italien verbieten lassen.« Auch heute hat Thomas Manns meisterhafte Novelle nichts von ihrer Aktualität verloren.

Editionen (30)

ISBN9783103975529
VerlagS. FISCHER
Erscheinungsdatum25.10.23
Seitenzahl96

Rezensionen & Bewertungen

369 Bewertungen

46 Rezensionen

3,1

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  • peter_f
    peter_f

    86 Follower

    5,0

    „Tonio Kröger / Mario und der Zauberer“ von Thomas Mann ist für mich ein wunderbar dichter Doppelband, der zwei ganz unterschiedliche, aber beide zutiefst hellsichtige Seiten des Autors zeigt: einmal die stille Zerrissenheit eines jungen Künstlers, einmal die düstere Warnung vor Massenmanipulation und Diktatur.

    „Tonio Kröger“ erzählt von einem jungen Schriftsteller, der zwischen zwei Welten steht: der sinnlichen, unbeschwerten bürgerlichen Welt seiner Kindheitsfreunde Hans und Ingeborg auf der einen Seite, und seiner eigenen künstlerischen Sensibilität, seiner Sehnsucht und seinem Fremdheitsgefühl auf der anderen. Tonio liebt gerade das, was ihm selbst fehlt – Leichtigkeit, Zugehörigkeit, Unbeschwertheit –, und aus dieser unerfüllten Sehnsucht schöpft er zugleich die Kraft für sein Schreiben. Eine Reise nach Italien und später an die Ostsee führt ihn noch einmal zurück in seine Herkunft und zu den Menschen, die ihm einst nahe waren, ohne dass sich das Grundgefühl des Nicht-ganz-dazugehörens auflöst. „Mario und der Zauberer“ dagegen spielt Jahre später in einem italienischen Badeort, wo eine deutsche Familie im Urlaub zunächst kleine Anfeindungen und nationalistische Stimmungen erlebt und sich schließlich die Vorführung des Zauberkünstlers Cipolla ansieht. Cipolla hypnotisiert sein Publikum, entzieht ihm nach und nach den eigenen Willen und lässt es nach seiner Pfeife tanzen – bis der gedemütigte Kellner Mario ihn am Ende erschießt. Besonders eindrucksvoll fand ich, wie Mann diese Szene aus der Sicht eines Ich-Erzählers erzählt, der die Gefahr durchaus spürt, aber trotzdem passiv im Saal sitzen bleibt – eine sehr genaue Studie über Mitläufertum, Faszination und die Bequemlichkeit des Wegsehens. Beide Erzählungen wirken auf den ersten Blick sehr verschieden, doch inhaltlich verbindet sie eine gemeinsame Grundfrage: Wie verhält sich der Einzelne – der Künstler, der Bürger, der Zuschauer – zu Macht, Konformität und dem Druck von außen? In „Tonio Kröger“ ist das noch die private, fast jugendliche Frage nach Zugehörigkeit und künstlerischer Berufung; Mann selbst nannte die Erzählung einmal Ausdruck „des ganzen Gefühls meiner Jugend“. In „Mario und der Zauberer“ wird diese Frage politisch aufgeladen: Die Novelle gilt zu Recht als Parabel auf den erwachenden Faschismus, mit Cipolla als Diktatorfigur, die stark an Mussolini erinnert, und dem Publikum als Sinnbild einer Masse, die sich willig unterwerfen lässt. Ein zeitgenössischer Kritiker soll sogar gesagt haben, Mussolini müsste die Erzählung verbieten lassen, wenn er etwas von Kunst verstünde – so deutlich ist die politische Sprengkraft des Textes. Sprachlich zeigt sich in beiden Texten Thomas Manns typischer Stil: elegant, ironisch distanziert, sehr genau in der psychologischen Beobachtung, ohne je plump zu belehren. Gerade der Kontrast zwischen der leisen, introspektiven Melancholie von „Tonio Kröger“ und der wachsenden Beklemmung in „Mario und der Zauberer“ macht diesen Band für mich so besonders lesenswert: Man erlebt Mann als Meister der stillen Selbstbefragung genauso wie als hellsichtigen Beobachter politischer Gefahren. Wer verstehen möchte, wie eng bei Thomas Mann persönliche Identitätssuche und gesellschaftlich-politische Wachsamkeit miteinander verwoben sind, findet in diesen beiden Erzählungen einen idealen, kompakten Einstieg in sein Werk.

    „Tonio Kröger / Mario und der Zauberer“ von Thomas Mann ist für mich ein wunderbar dichter Doppelband, der zwei ganz unterschiedliche, aber beide zutiefst hellsichtige Seiten des Autors zeigt: einmal die stille Zerrissenheit eines jungen Künstlers, einmal die düstere Warnung vor Massenmanipulation und Diktatur.

    1 Tage vor

  • cicada
    cicada

    104 Follower

    3,0

    Auf der Rückseite steht, dass es ein fabelhaftes Buch ist. Naja, "fabelhaft" bezeichnet bei mir etwas anderes. Das hier eher nicht. Ich weiß auch, dass Thomas Mann einer der bedeutenden Schriftsteller Europas ist, aber das hat bei mir leider nicht funktioniert. Damals in der Schule hatte ich das lesen müssen, wusste aber heute nicht mehr, um was es ging. Beim Lesen fühlt man sich, als wäre man mit einer typisch deutschen Familie unterwegs. Überall und an allem gibt es was zu meckern. Sei es, dass der Magier zu spät zu seiner Show erscheint oder man in ein anderes Hotel gesteckt wird, weil die Dame einen Dauerhusten hat und damit andere Gäste nervt. Ich fühle mich beim lesen ein wenig gestresst und überlege schon, in diesem Jahr allein in Urlaub zu fahren. 😄 Thomas Mann versteht es, seine Figuren so unattraktiv darzustellen, dass einem die Lust auf eine Italien-Reise vergeht. Auch wenn der Roman Bezüge zum Faschismus aufweist, hat mich das Buch doch eher ratlos zurückgelassen.

    26. März 2026

  • doerthe1
    doerthe1

    31 Follower

    3,5

    Eine Kurzgeschichte als Einstieg, bevor es im Klassikleseclub an den Zauberberg von T. Mann geht

    Ich hatte eine kleine, innere Abneigung gegen die Kurzgeschichte von Thomas Mann, der mir in Recherchen ein eher konservativer Mann vorgestellt wurde. Die Buddenbrocks fand ich langatmig und schwierig zu lesen und bin nie über den Anfang hinweg gekommen. Anfangs ging es mir bei Mario genauso. Die verschachtelten Sätze und das "Vorgeplänkel" war zwar nicht schwer zu verstehen, aber umständlich zu lesen. Aus diesem Grund habe ich nach dem ersten Teil von 24 Seiten eine Lesepause eingelegt und mir heute die restlichen Seiten vorgenommen. Tatsächlich verlief das Lesen flüssiger, ich habe Manns Ironie verstanden und war dann doch gefangen in der Geschichte, die letztendlich auch mit einem Showdown endete. Die politischen Parallelen zu Muselinis Zeiten konnte ich gut entdecken. Thomas Mann hat in seiner Geschichte den unsympathischen Mario als Willensbeuger und Befehlsgeber gut gezeichnet und die Zuschauer als mitschwimmende und feiernde Bevölkerung gut dargestellt. Alles in allem ein wirklich guter Einstieg in die Geschichten von Thomas Mann, die ich gut empfehlen kann

    17. Mai 2026

3 von 46 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Thomas Mann

Thomas Mann, 1875–1955, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns vielschichtiges Werk hat weltweit eine kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Ab 1933 lebte er im Exil, zuerst in der Schweiz, dann in den USA. Erst 1952 kehrte Mann nach Europa zurück, wo er 1955 in Zürich verstarb.

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