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Zwischen Kontor und Kanonendonner - eine Kaperfahrt durch die Geschichte ⚔️
Robert Surcouf – allein der Name klingt schon nach Salz auf der Haut, Pulverdampf in der Nase und der ständigen Gefahr, am Galgen zu enden. In „Der Tiger des indischen Ozeans“ entführt uns Mac P. Lorne in eine Ära, in der das Schicksal eines Mannes oft nur vom nächsten Windstoß abhing. Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag, der jeden Leser sofort bei der Gurgel packt: Eine ebenso spektakuläre wie waghalsige Flucht aus einem Kloster. Dass Robert Surcouf, der Spross einer Freibeuter-Dynastie, für ein beschauliches Leben als braver Bürgerlicher oder gar Geistlicher denkbar ungeeignet ist, wird dem Leser auf den ersten Seiten klar. Während der Vater als Reeder am ehrlichen Geschäft verzweifelt, treibt es den jungen Robert unwiderstehlich zurück zu den Wurzeln seines Großvaters – hinaus auf die offene See. Was das Buch besonders reizvoll macht, ist die geschickte Einbettung in die Französische Revolution. Man muss kein Experte für diese Epoche sein, um die Paranoia und den schleichenden Zerfall des gesellschaftlichen Vertrauens in Paris hautnah zu spüren. Dass uns dabei auch ein gewisser junger Offizier namens Bonaparte über den Weg läuft, verleiht der Geschichte eine wunderbare historische Schwere. Besonders hervorzuheben ist die vom Autor meisterhaft eingesetzte „Zoom-in und Zoom-out“-Technik. Man stelle sich vor, man beobachtet das Geschehen zunächst aus der Vogelperspektive, um den historischen Kontext zu erfassen, nur um im entscheidenden Moment das Fernrohr anzulegen und mitten ins Getümmel – auf das glitschige Deck eines Schiffes oder in die dunklen Gassen der Revolution – katapultiert zu werden. Lorne umschifft damit elegant alle Längen, die historische Romane sonst gern einmal in sich führen. Einzig der Umstand, dass man nach der letzten Seite das Gefühl hat, man hätte noch gut weitere 500 Seiten mit diesem „Tiger“ verbringen können, lässt mich einen kleinen Punkt abziehen. Es ist das „Problem“ des guten Erzählers: Er lässt einen hungrig zurück. Hätte man den Stoff auf zwei Bände gestreckt, wäre das für mich ein Fest gewesen – aber vielleicht ist es auch die Kunst, den Leser genau dann in den Hafen einzulaufen zu lassen, wenn er sich am meisten wünscht, die Reise würde weitergehen. Wer eine Schwäche für klassische Segelschifffahrt, packende Abenteuer und einen ordentlichen Schuss Historie hat, der sollte sich dieses Buch unbedingt in die Kombüse – äh, ins Bücherregal – legen. Es ist ein rasanter Ritt durch den Indischen Ozean, bei dem man selbst als Landratte plötzlich das dringende Bedürfnis verspürt, die Segel zu setzen.

5 Tage vor
Zwischen Kontor und Kanonendonner - eine Kaperfahrt durch die Geschichte ⚔️
Robert Surcouf – allein der Name klingt schon nach Salz auf der Haut, Pulverdampf in der Nase und der ständigen Gefahr, am Galgen zu enden. In „Der Tiger des indischen Ozeans“ entführt uns Mac P. Lorne in eine Ära, in der das Schicksal eines Mannes oft nur vom nächsten Windstoß abhing. Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag, der jeden Leser sofort bei der Gurgel packt: Eine ebenso spektakuläre wie waghalsige Flucht aus einem Kloster. Dass Robert Surcouf, der Spross einer Freibeuter-Dynastie, für ein beschauliches Leben als braver Bürgerlicher oder gar Geistlicher denkbar ungeeignet ist, wird dem Leser auf den ersten Seiten klar. Während der Vater als Reeder am ehrlichen Geschäft verzweifelt, treibt es den jungen Robert unwiderstehlich zurück zu den Wurzeln seines Großvaters – hinaus auf die offene See. Was das Buch besonders reizvoll macht, ist die geschickte Einbettung in die Französische Revolution. Man muss kein Experte für diese Epoche sein, um die Paranoia und den schleichenden Zerfall des gesellschaftlichen Vertrauens in Paris hautnah zu spüren. Dass uns dabei auch ein gewisser junger Offizier namens Bonaparte über den Weg läuft, verleiht der Geschichte eine wunderbare historische Schwere. Besonders hervorzuheben ist die vom Autor meisterhaft eingesetzte „Zoom-in und Zoom-out“-Technik. Man stelle sich vor, man beobachtet das Geschehen zunächst aus der Vogelperspektive, um den historischen Kontext zu erfassen, nur um im entscheidenden Moment das Fernrohr anzulegen und mitten ins Getümmel – auf das glitschige Deck eines Schiffes oder in die dunklen Gassen der Revolution – katapultiert zu werden. Lorne umschifft damit elegant alle Längen, die historische Romane sonst gern einmal in sich führen. Einzig der Umstand, dass man nach der letzten Seite das Gefühl hat, man hätte noch gut weitere 500 Seiten mit diesem „Tiger“ verbringen können, lässt mich einen kleinen Punkt abziehen. Es ist das „Problem“ des guten Erzählers: Er lässt einen hungrig zurück. Hätte man den Stoff auf zwei Bände gestreckt, wäre das für mich ein Fest gewesen – aber vielleicht ist es auch die Kunst, den Leser genau dann in den Hafen einzulaufen zu lassen, wenn er sich am meisten wünscht, die Reise würde weitergehen. Wer eine Schwäche für klassische Segelschifffahrt, packende Abenteuer und einen ordentlichen Schuss Historie hat, der sollte sich dieses Buch unbedingt in die Kombüse – äh, ins Bücherregal – legen. Es ist ein rasanter Ritt durch den Indischen Ozean, bei dem man selbst als Landratte plötzlich das dringende Bedürfnis verspürt, die Segel zu setzen.
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