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Spannender, atmosphärischer Krimi mit Mehrwert
Liza Marklund (1998): „Sprängaren“ dt. „Olympisches Feuer“ Stockholm am 18. Dezember, wenige Tage vor Weihnachten. Annika Bengtzon, Kriminalreporterin der Zeitung „Kvällspressen“, wird unsanft aus ihren Träumen gerissen. Jansson, der Chef der Nachtschicht, bittet sie, zum Victoriastadion am Hafen von Hammarby zu fahren, weil dort eine Sprengladung detoniert ist. Schnell stellt sich heraus, dass es ein Opfer gibt, das durch die Explosion in Stücke gerissen wurde. Während die Ermittlungen der Kriminalpolizei beginnen, stellt die Presse Vermutungen über den Hintergrund des Anschlages auf. Wer ist das Opfer? Ist das Attentat gegen die Olympischen Spiele gerichtet, die bald in Stockholm stattfinden sollen? Oder handelt es sich um eine interne Geschichte? Wer behält die Deutungshoheit? Und wie kann man über derartige Geschehnisse berichten, ohne zu weit zu gehen und die Gefühle von Angehörigen zu verletzen? Schon auf der ersten Seite fühlte sich dieser Kriminalroman wie ein Nach-Hause-Kommen an. Und das lag nicht nur am Handlungsort Stockholm und an Liza Marklunds unvergleichlicher Art, mit der Beschreibung von Farben, Strukturen, Texturen, Geräuschen und Gerüchen eine lebendige Atmosphäre zu erschaffen. Die drei Romane, die zeitlich vor „Sprängaren“ angesiedelt sind (aber nach diesem Roman erschienen sind), haben mir ein gewisses Grundverständnis für den Hintergrund der Figuren mitgegeben. Annika Bengtzon ist als junge Frau zwischen den Verpflichtungen gegenüber ihrer Familie und ihrem Beruf hin und hergerissen. Grundsätzlich lebt sie in einer gleichberechtigten Partnerschaft, in der versucht wird, Aufgaben gerecht zu verteilen und beiden Partnern die Berufstätigkeit zu ermöglichen. Aber gleichzeitig quälen sie Schuldgefühle, weil sie ihre Arbeit hin und wieder priorisiert. Annika ist dabei gleichermaßen stark wie verletzlich, zielstrebig, emotional, klug und manchmal gutgläubig - und damit mehrdimensional. Gleiches gilt für die weiteren Figuren, insbesondere ihren Partner Thomas und ihren Herausgeber Anders Schyman. Der Roman, der aus wechselnden Perspektiven erzählt wird, gliedert sich in 7 Kapitel, welche die Ereignisse zwischen dem 18.12. und dem 24.12. wiedergeben. Diese Kapitel werden von Prolog und Epilog eingerahmt und von kurzen Texten zu existenziellen Themen unterbrochen. Worum es sich bei diesen kleinen, berührenden Texten handelt, wird erst gegen Ende des Buches aufgelöst. Sie sind es aber, die neben den Überlegungen zur Aufgabe und Verantwortung der Presse und zur Rolle der Frau in der Gesellschaft den Mehrwert dieses Buches ausmachen. Ich kann die Lektüre dieses spannenden, atmosphärischen Krimis sehr empfehlen. Die Lektüre im schwedischen Original dürfte ab einem fortgeschrittenen B1/B2-Niveau gut zu bewältigen sein. Und ganz nebenbei kann man dann seinen Wortschatz um zahlreiche umgangssprachliche Wörter (und Schimpfwörter 😅) erweitern…

31. Juli 2024
Spannender, atmosphärischer Krimi mit Mehrwert
Liza Marklund (1998): „Sprängaren“ dt. „Olympisches Feuer“ Stockholm am 18. Dezember, wenige Tage vor Weihnachten. Annika Bengtzon, Kriminalreporterin der Zeitung „Kvällspressen“, wird unsanft aus ihren Träumen gerissen. Jansson, der Chef der Nachtschicht, bittet sie, zum Victoriastadion am Hafen von Hammarby zu fahren, weil dort eine Sprengladung detoniert ist. Schnell stellt sich heraus, dass es ein Opfer gibt, das durch die Explosion in Stücke gerissen wurde. Während die Ermittlungen der Kriminalpolizei beginnen, stellt die Presse Vermutungen über den Hintergrund des Anschlages auf. Wer ist das Opfer? Ist das Attentat gegen die Olympischen Spiele gerichtet, die bald in Stockholm stattfinden sollen? Oder handelt es sich um eine interne Geschichte? Wer behält die Deutungshoheit? Und wie kann man über derartige Geschehnisse berichten, ohne zu weit zu gehen und die Gefühle von Angehörigen zu verletzen? Schon auf der ersten Seite fühlte sich dieser Kriminalroman wie ein Nach-Hause-Kommen an. Und das lag nicht nur am Handlungsort Stockholm und an Liza Marklunds unvergleichlicher Art, mit der Beschreibung von Farben, Strukturen, Texturen, Geräuschen und Gerüchen eine lebendige Atmosphäre zu erschaffen. Die drei Romane, die zeitlich vor „Sprängaren“ angesiedelt sind (aber nach diesem Roman erschienen sind), haben mir ein gewisses Grundverständnis für den Hintergrund der Figuren mitgegeben. Annika Bengtzon ist als junge Frau zwischen den Verpflichtungen gegenüber ihrer Familie und ihrem Beruf hin und hergerissen. Grundsätzlich lebt sie in einer gleichberechtigten Partnerschaft, in der versucht wird, Aufgaben gerecht zu verteilen und beiden Partnern die Berufstätigkeit zu ermöglichen. Aber gleichzeitig quälen sie Schuldgefühle, weil sie ihre Arbeit hin und wieder priorisiert. Annika ist dabei gleichermaßen stark wie verletzlich, zielstrebig, emotional, klug und manchmal gutgläubig - und damit mehrdimensional. Gleiches gilt für die weiteren Figuren, insbesondere ihren Partner Thomas und ihren Herausgeber Anders Schyman. Der Roman, der aus wechselnden Perspektiven erzählt wird, gliedert sich in 7 Kapitel, welche die Ereignisse zwischen dem 18.12. und dem 24.12. wiedergeben. Diese Kapitel werden von Prolog und Epilog eingerahmt und von kurzen Texten zu existenziellen Themen unterbrochen. Worum es sich bei diesen kleinen, berührenden Texten handelt, wird erst gegen Ende des Buches aufgelöst. Sie sind es aber, die neben den Überlegungen zur Aufgabe und Verantwortung der Presse und zur Rolle der Frau in der Gesellschaft den Mehrwert dieses Buches ausmachen. Ich kann die Lektüre dieses spannenden, atmosphärischen Krimis sehr empfehlen. Die Lektüre im schwedischen Original dürfte ab einem fortgeschrittenen B1/B2-Niveau gut zu bewältigen sein. Und ganz nebenbei kann man dann seinen Wortschatz um zahlreiche umgangssprachliche Wörter (und Schimpfwörter 😅) erweitern…
31. Juli 2024







