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Sehr aufschlussreiche, feministische Geschichte der Geburt
"Noch ist die Geburtshilfe also nicht dort angekommen, wo sie rechtlich längst sein müsste. Wir befinden uns in einem Aushandlungszustand, in einer Phase der Umgewöhnung und der Anpassung an neue Rahmenbedingungen. Die Geschichte, in der die Geburtshilfe sich von der patriarchalen Gewalt befreit, ist noch nicht zu Ende." Als ich in meiner Schwangerschaft im Geburtsvorbereitungskurs saß, hab ich zum ersten Mal so richtig verstanden, was der Unterschied zwischen klinischen und außerklinischen Geburten ist. Von sechs Schwangeren war ich die einzige, die vorhatte, in einer Geburtsklinik zu entbinden. Hätte ich dieses Buch schon vorher gelesen, hätte ich vermutlich nicht im ersten Moment gedacht „seid ihr denn alle von allen guten Geistern verlassen?“. Das Buch veranschaulicht, wie die Frage „Wie kriege ich das Baby aus meinem Bauch raus?“ im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder unterschiedlich beantwortet wurde, beginnend mit der Antike, über das Mittelalter, die Zeit der Aufklärung bis in unser aktuelles Jahrzehnt. Dabei stützt sich die Autorin auf historische Überlieferungen und macht transparent sichtbar, wenn die Quellenlage bei bestimmten Themen eher dünn ist. Es handelt sich um ein historisches Sachbuch, das in verständlicher Sprache auf die Besonderheiten jeder Epoche eingeht und zum Ende jeder Epoche eine kurze Zusammenfassung anbietet. Barops besonderes Augenmerk liegt auf Gewalt im Geburtsprozess - sei es durch Hebammen oder ärztliches Personal. Stets geht es auch darum, wie viel Entscheidungsmacht die Gebärenden hatten und welches Leben höher priorisiert wurde - das der Mutter oder das des Kindes. Die Autorin räumt auf mit Geburtsmythen und zeigt, wie diese entstanden sind. Dabei spielt, suprise surprise, das Patriarchat eine erhebliche Rolle, so finden sich auch heute noch Reste der Erbsünde und des Opfermythos in den Köpfen wieder. Auch Labels wie „natürlich“ in Bezug auf Geburtsprozesse werden seziert und untersucht. Dabei geht Barop auch auf Trends ein, wie z.B. aktuell auf Social Media der Trend, Geburten komplett allein, ohne Geburtshelfende, durchzuführen (macht das bitte nicht). Wusstet ihr zum Beispiel, dass Menschen Geburten schon immer als ein soziales Ereignis gehandhabt haben, bei dem die Gebärenden nie allein waren? Seit Menschen geboren wurden, gab es Geburtshelfende. Oder dass Mary Shelley ihren Hit „Frankenstein“ schrieb, nachdem sie Kinder verloren hat und sich nichts sehnlicher wünschte, als diese wieder zum Leben zu erwecken? 💔 Für mich war das Buch eine echte Bereicherung. Es erklärt so gut, warum Dinge heute so sind, wie sie sind. Und nachdem ich nun selbst die Geburt meines Kindes hinter mir habe, könnte ich nicht glücklicher darüber sein, in der heutigen Zeit zu leben - mit dem Maximum an Entscheidungsfreiheit, das es bei Geburten je gegeben hat. CN: Abtreibung, Blut, Gewalt während der Geburt, Verg3waltigung, Kindstod, Rassismus

6 Tage vor
Sehr aufschlussreiche, feministische Geschichte der Geburt
"Noch ist die Geburtshilfe also nicht dort angekommen, wo sie rechtlich längst sein müsste. Wir befinden uns in einem Aushandlungszustand, in einer Phase der Umgewöhnung und der Anpassung an neue Rahmenbedingungen. Die Geschichte, in der die Geburtshilfe sich von der patriarchalen Gewalt befreit, ist noch nicht zu Ende." Als ich in meiner Schwangerschaft im Geburtsvorbereitungskurs saß, hab ich zum ersten Mal so richtig verstanden, was der Unterschied zwischen klinischen und außerklinischen Geburten ist. Von sechs Schwangeren war ich die einzige, die vorhatte, in einer Geburtsklinik zu entbinden. Hätte ich dieses Buch schon vorher gelesen, hätte ich vermutlich nicht im ersten Moment gedacht „seid ihr denn alle von allen guten Geistern verlassen?“. Das Buch veranschaulicht, wie die Frage „Wie kriege ich das Baby aus meinem Bauch raus?“ im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder unterschiedlich beantwortet wurde, beginnend mit der Antike, über das Mittelalter, die Zeit der Aufklärung bis in unser aktuelles Jahrzehnt. Dabei stützt sich die Autorin auf historische Überlieferungen und macht transparent sichtbar, wenn die Quellenlage bei bestimmten Themen eher dünn ist. Es handelt sich um ein historisches Sachbuch, das in verständlicher Sprache auf die Besonderheiten jeder Epoche eingeht und zum Ende jeder Epoche eine kurze Zusammenfassung anbietet. Barops besonderes Augenmerk liegt auf Gewalt im Geburtsprozess - sei es durch Hebammen oder ärztliches Personal. Stets geht es auch darum, wie viel Entscheidungsmacht die Gebärenden hatten und welches Leben höher priorisiert wurde - das der Mutter oder das des Kindes. Die Autorin räumt auf mit Geburtsmythen und zeigt, wie diese entstanden sind. Dabei spielt, suprise surprise, das Patriarchat eine erhebliche Rolle, so finden sich auch heute noch Reste der Erbsünde und des Opfermythos in den Köpfen wieder. Auch Labels wie „natürlich“ in Bezug auf Geburtsprozesse werden seziert und untersucht. Dabei geht Barop auch auf Trends ein, wie z.B. aktuell auf Social Media der Trend, Geburten komplett allein, ohne Geburtshelfende, durchzuführen (macht das bitte nicht). Wusstet ihr zum Beispiel, dass Menschen Geburten schon immer als ein soziales Ereignis gehandhabt haben, bei dem die Gebärenden nie allein waren? Seit Menschen geboren wurden, gab es Geburtshelfende. Oder dass Mary Shelley ihren Hit „Frankenstein“ schrieb, nachdem sie Kinder verloren hat und sich nichts sehnlicher wünschte, als diese wieder zum Leben zu erwecken? 💔 Für mich war das Buch eine echte Bereicherung. Es erklärt so gut, warum Dinge heute so sind, wie sie sind. Und nachdem ich nun selbst die Geburt meines Kindes hinter mir habe, könnte ich nicht glücklicher darüber sein, in der heutigen Zeit zu leben - mit dem Maximum an Entscheidungsfreiheit, das es bei Geburten je gegeben hat. CN: Abtreibung, Blut, Gewalt während der Geburt, Verg3waltigung, Kindstod, Rassismus
6 Tage vor








