King Cobra

King Cobra

Hardcover
3.97

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Beschreibung

»Ein schillerndes und hakenschlagendes Romandebüt.« Annabelle

»Ein sprachgewaltiges und zartes Debüt. Dass Muri Darida viel zu sagen und ein Talent fürs Erzählen hat, ist sicher. Eine Lektüre, die einen mitnimmt und sich lohnt.« Teresa Preis, Buchkultur

Lazi sitzt im Zug nach Budapest und hat ein Ziel: Das Gewehr des Großvaters András, der während des Ungarnaufstands 1956 nach Argentinien fliehen wollte, aber in Eppingen landete. Im ungarischen Dorf erwarten Lazi unberechenbare Tanten, unzählige Schnäpse und die Großcousine Zsófi, die Lazi das Schießen beibringt. Nur Mónika, die Schwester der Mutter, versteht, was Lazis veränderter Körper zu bedeuten hat, nur sie ahnt den wahren Grund für Lazis Rückkehr: Rache üben, Gerechtigkeit finden. Auf der Suche nach dem Ursprung der Gewalt in der Familiengeschichte trennt Lazi eine Naht aus Scham und Schweigen auf. Hat schließlich das Gewehr des Großvaters und alle Fäden der Erzählung in der Hand. Und trifft eine Entscheidung. ›King Cobra‹ erzählt zwischen Humor, Zärtlichkeit und Wut vom Widerstand gegen das Schweigen und davon, dass die Liebe kein Bluthund ist.

»Muri Darida erzählt in gewaltigen Bildern von dem, was sich uns eingeschrieben hat, macht daraus Atem, Leben, Befreiung - und entzündet ein Feuer, das die Sprache zum Glühen bringt.« Yael Inokai

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
288
Preis
24.70 €

Autorenbeschreibung

Muri Darida (*1993) lebt zwischen Budapest und Berlin. Literarische Publikationen u.a. in BELLA triste, Edit, mosaik und Jenny. Zu politischen und gesellschaftlichen Themen publiziert Muri Darida regelmäßig u.a. auf ZEIT ONLINE, arte, taz und SZ. Mit einem Auszug aus ›King Cobra‹ war Darida für den Wortmeldungen Förderpreis 2022 nominiert und gewann den Publikumspreis des Open Mike 2024.

Beiträge

2
Alle
4.5

Wo Herkunft endet und Identität beginnt

Lazi ist mit dem Zug nach Ungarn unterwegs, dem Land seiner Vorfahren mütterlicherseits. Offiziell ist er auf der Suche nach dem Gewehr seines Großvaters. Warum genau erfährt man allerdings erst nach und nach. Vieles offenbart sich erst im Verlauf der Geschichte. Das hat mir sehr gut gefallen. Gerade die kleinen Momente entfalten dabei eine enorme Wirkung. Die Hitze unter dem Binder. Die Luftnot. Die falschen Anreden. Die Blicke anderer Menschen. Identität wird hier nicht erklärt, sondern erlebt. Zwischen Familienfeiern, Familienfehden, jede Menge Schnaps und Erinnerungen in einem Land, das gleichzeitig vertraut und fremd wirkt, begibt sich Lazi auf die Suche nach den Ursprüngen von Gewalt, Scham und Schweigen. Gleichzeitig erzählt der Roman von Identität, Zugehörigkeit und der Frage, wie man seinen Platz in einer Familie findet, die manches lieber verdrängt als ausspricht. Queerness ist dabei ein wichtiger Teil des Romans, aber nicht seine einzige Aussage. Lazi wird nie auf die eigene Geschlechtsidentität reduziert. Der Konflikt verläuft nicht nur zwischen Lazi und einer konservativen Gesellschaft in Ungarn, sondern auch durch die eigene Familie. Im Text wird Lazi nie mit einem Personalpronomen bezeichnet. Das wirkt zunächst unscheinbar, passt aber erstaunlich gut zu einem Roman, der sich immer wieder mit Identität, Wahrnehmung und Zugehörigkeit beschäftigt. Besonders gut gefallen hat mir der Ton des Romans. Die Sprache ist kraftvoll, manchmal derb und wütend und dann wieder wunderschön. Dabei wirkt nie aufgesetzt oder künstlich literarisch. Sie hat Dreck unter den Fingernägeln und genau deshalb funktioniert sie so gut. King Cobra ist kein Buch, das man einfach wegliest und anschließend ins Regal stellt. Es bleibt im Kopf. Nicht nur wegen seiner Themen, sondern auch wegen seiner Figuren, seiner Bilder und seiner Sprache. Vielleicht passt deshalb auch die Schlange aus dem Titel so gut zu diesem Roman. Nicht als Bedrohung, sondern als Bild der Verwandlung. Für das Häuten. Für das Ablegen alter Rollen. Für die Frage, wer man wird, wenn man nicht länger der Mensch sein möchte, für den andere einen halten. Ein starkes Debüt über Familie, Identität, Scham, Schweigen und Selbstbehauptung. Rau, zärtlich, wütend und voller Leben. 4,5 von 5 Sternen⭐️ Zitate: „An diesem wie an jedem Abend rieb sich Budapest mit dem Rostgold seiner Restsonne ein und glänzte dabei wie ein verschwitztes Zuchtpferd, das kurz vor dem Schlachthof noch mal auf die Parade geschickt wird.“ „Der Schlaf räumte Albträume in Lazis Körper wie dreckiges Geschirr zum sauberen, aber er war tief und fast erholsam.“ „Der Himmel legte seine Stirn in tausend Falten, zog sie zusammen, enger, enger, und erbrach aus seiner Zornesfalte eine Wand aus Regen.“ Muri Darida erzählt in den schönsten Worten und Farben von einem Menschen, der sich gleichzeitig wiederfinden und neu erfinden muss. Ein bisschen so wie eine Schlange, die sich häutet. (Lydia Herms)

4

Wenn Familien schweigen, wird es gefährlich

Manchmal steigt man in einen Zug und merkt erst unterwegs, dass man nicht nur Richtung Budapest fährt, sondern mitten rein in den alten Familienkeller, in dem seit Jahren keiner mehr gelüftet hat. King Cobra ist genau so ein Buch. Es riecht nach Schnaps, Staub, alten Wunden und diesem unangenehmen Schweigen, das in Familien gern mal als Tradition verkauft wird. Lazi kommt nach Ungarn zurück, auf der Suche nach dem Gewehr des Großvaters. Klingt erstmal nach Roadtrip mit leicht gefährlichem Gepäck, wird aber schnell zu etwas viel Größerem. Da geht es um Gewalt, Herkunft, Körper, Scham und die Frage, was eigentlich passiert, wenn man nicht mehr brav stillhält. Und ja, zwischendurch dachte ich schon: Junge, dieses Buch nimmt aber keine Abkürzung zum Wohlfühlregal. Was mir richtig gefallen hat, ist diese Mischung aus Wut und Zärtlichkeit. Darida schreibt nicht glattgebügelt, sondern rau, bildhaft und manchmal mit einem Humor, der genau dann reinknallt, wenn man kurz Luft holen will. Diese unberechenbaren Tanten, die Schnäpse, die Dorfstimmung, das hat Leben. Nicht immer bequem, aber verdammt lebendig. King Cobra ist kein Buch, das man einfach wegliest und dann hübsch ins Regal stellt. Es kriecht nach, zischt ein bisschen im Kopf herum und zwingt einen, hinzuschauen. Für mich ein starkes, mutiges Debüt mit Ecken, Giftzähnen und Herz.

Wenn Familien schweigen, wird es gefährlich
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