Jahre ohne Sprache
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Beschreibung
Diese Geschichte beginnt in einem Sommer, kurz bevor das, was die Erwachsenen mit dem wirklichen Leben meinen, für Natascha eigentlich so richtig losgehen sollte. In Glanitz, einem kleinen Ort in der Provinz, findet das Leben für sie und ihre Freunde zwischen Fußballplatz, Bushaltestellenhäuschen und Jahrmarkt statt. Immer dabei ist die Hand, wie Natascha ihn nennt. Die Hand, die auf ihrem Oberschenkel lauert wie ein Fisch, die ungefragt vordringt, während sich der Himmel von Nachtblau zu Frühmorgenblau färbt und alle besoffen sind.
Fünf Jahre später hat Natascha die Enge ihres Heimatortes verlassen und lebt mit ihrer Wahlfamilie in einer besetzen Knopffabrik. Hier wird Natascha zu Nao, hier gibt es keine Vergangenheit, keine Hierarchie, kein »Er« und kein »Sie«, hier gibt es nur »Wir«. Doch die Erinnerungen an ihre Jugend lassen sie nicht los, und so beginnt eine Suche, bestimmt von dem Drang, sich die Deutungsmacht über das Geschehene zurückzuerobern. Unmittelbar, schonungslos und mit großer Dringlichkeit erzählt Ann Esswein von Ohnmacht, Scham und dem Unbehagen, für das es in der Jugend keine Worte gab.
»Ann Essweins Figuren erzählen von dem Zusammensetzen fragmentierter Erinnerungen, dem einsetzenden Begreifen, der Wut und Rückeroberung der Worte.« Res Sigusch
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ann Esswein ist Autorin und Journalistin. Sie schreibt u. a. für Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, taz, Literaturmagazine und produziert Hörfunkstücke. Sie war Finalistin des 29. open mike, Teilnehmerin an der Romanwerkstatt Die Große Tour am Literaturhaus München und 2021 sowie 2022 auf der Shortlist des Deutschen Kurzgeschichtenwettbewerbs. 2023 erhielt sie den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg. Ihr Debütroman Mimikry erschien 2024. Ann Esswein lebt in Berlin.
Beiträge
✨ Rezension ✨ Jahre ohne Sprache | Ann Esswein | Ecco | 192 Seiten | ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Jahre ohne Sprache ist eine Geschichte, über eine junge Frau, der die Worte fehlen für das, was ihr in der Jugend passiert ist. Wir begleiten die Protagonistin in der Gegenwart, wo sie mit anderen Menschen in einer Knopffabrik lebt. Gemeinsam schlagen sie sich durch, unterstützen sich, aber hinterfragen sich dabei nicht. In Rückblicken kommen wir langsam all den Erlebnissen näher, die Nataschas Leben geformt haben. Man versteht ihre Struggle dabei immer besser, aber nie ist es die ganze Geschichte. Immer bleibt auch Raum für eigene Interpretationen und Gefühle. Für mich hat sich dabei auch der Horizont erweitert, denn es gibt Einblicke in Lebensrealitäten, die mir fremd sind. Wohnungslosigkeit und Armut, sowie diese Wortlosigkeit, weil man das Erlebte nicht verarbeiten konnte. Flashbacks und Fantasien, die immer konkreter werden ziehen sich dabei durch die Geschichte und werden zum Ende immer dichter. Von mir eine Empfehlung für diese leise aber bedeutungsschwere Geschichte.

Natascha nennt sich jetzt Nao und lebt mit ihrer selbst gewählten Familie in einer besetzten Fabrik. Aber die Erinnerung an ihre Jugend in der Provinz lässt sie noch los. Insbesondere an den einen Sommer und ihn, den sie nur „die Hand“ nennt. Das Buch ist sprachlich toll und der Inhalt auch. Aber irgendwie - und ich kann nicht so recht sagen wieso - ist der Funken bei mir nicht ganz übergesprungen.
Viele kluge und zugleich wütende Worte für eine Tat, die sprachlos macht - genau damit konfrontiert uns 'Jahre ohne Sprache' von Ann Esswein. Und plötzlich werden Worte gefunden. Worte, von denen jede*r weiß, wie lebenswichtig sie sind. Wir begleiten Nao, in einem früheren Leben Natascha, auf ihrem Weg aus einer erdrückende Sprachlosigkeit. Ihre neu gewählte Familie trägt sie dabei - Menschen, die ein unkonventionelles Leben führen, jenseits von Regeln, Mietverträgen, Geschlechterrollen und Hierarchien. Hier sind alle gleich, und doch verarbeitet jede*r seine Vergangenheit auf so unterschiedliche Art und Weise. Nao erinnert sich nur an eine Hand. An die Hand, die Dinge mit ihr tat, die sie nicht wollte, die Grenzen überschritt. Und an ihren besten Freund Luki - sowie an die unbegreifliche Entfremdung nach jenem Abend. Ann Esswein lädt uns tief in Naos Gedankenwelt ein und lässt dabei bewusst Raum für eigene Empfindungen und Interpretationen. In Flashbacks erfahren wir Stück für Stück von dem Leben einer jungen Frau, der über Jahre hinweg die Worte fehlten - einer Frau, die von gesellschaftlichen Mechanismen zum Verstummen gebracht wurde. Ich konnte und wollte dieses Buch kaum aus der Hand legen. Ich empfehle euch: Lest diesen ruhigen und zugleich enorm bedeutungsschweren Roman - und lasst ihn auf Euch wirken.

Zwischen Sprachlosigkeit und Aufbegehren
Jahre ohne Sprache" begleitet Nao, die inzwischen mit ihrer Wahlfamilie in einem besetzten Haus lebt. Obwohl sie Glaznitz, ihre Heimat, hinter sich gelassen hat, bleibt die Vergangenheit allgegenwärtig: die Sommer ihrer Kindheit, das Aufwachsen mit ihrem besten Freund und die familiären Brüche. Am präsentesten ist jedoch die Hand, die plötzlich auf ihrem Bein lag und Grenzen überschritt. Nao, früher Natasha, versucht zu verstehen, was damals wirklich geschehen ist. Das Buch erzählt in einer stillen, unaufgeregten Sprache, in der dennoch viel aufgestaute Wut mitschwingt. Wir beobachten Nao dabei, wie sie in ihrem neuen Umfeld nach Trost und Zugehörigkeit sucht. Zwischendurch tauchen immer wieder verwirrende Flashbacks auf. Meiner Meinung nach passt das gut zu ihrer Suche nach der Wahrheit und ihrer Unsicherheit in Bezug auf ihre eigenen Erinnerungen. Besonders gelungen fand ich den Blick auf das jugendliche Erleben: wie schwer es ist, eigene Grenzen zu benennen, wenn man noch gar nicht versteht, was richtig und was falsch ist, und wie früh Mädchen mit ihrer Sexualität und mit Grenzverletzungen konfrontiert werden. Das Buch zeigt sehr kraftvoll, wie komplex der Umgang mit sexualisierter Gewalt ist - vor allem, wenn das Umfeld nicht wirklich zuhört oder das eigene Empfinden kleingeredet wird. Im Gegensatz zu vielen eher lauteren Female Rage Büchern erzählt Ann Esswein sehr leise. Gerade dieser zurückhaltende Ton hat für mich aber sehr gut zu Naos Gefühlswelt gepasst. Die Autorin bietet hier keine Lösungen, sondern lässt der Sprachlosigkeit ihren Raum. Für mich ist es ein wichtiger, einfühlsamer Blick aus der Perspektive einer Heranwachsenden auf ein Problem unserer Gesellschaft. *unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar
Das Buch hat mich sprachlos hinterlassen..
Ich habe ,,Jahre ohne Sprache" gerade beendet und es fällt mir schwer, in diesem Moment eine Meinung zu formulieren. Auf der einen Seite ist Naos Geschichte einzigartig ausgedrückt durch den Schreibstil der Autorin Ann Esswein. Doch gleichzeitig, wahrscheinlich im Kontext der Geschichte gewollt, ist der Aufbau etwas wirr, komplex und simpel zugleich. Es werden viele wichtige Themen angedeutet, aber nie ausgesprochen, was dem Lesenden viel Raum für eigene Denkprozesse gibt. Ich denke, letztendlich habe ich anhand des Klappentextes einfach etwas anderes erwartet. Deshalb gebe ich dem Buch 3⭐️.
Ann Esswein- Jahre ohne Sprache Natascha, auch genannt Nao, verlässt ihre Heimatstadt und findet Zuflucht in der sogenannten Knopffabrik. Die sogenannte „Hand“ hat sie dazu geführt aus ihrem alten Leben zu flüchten. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem früheren Leben, war sie glücklich und unbeschwert und voller Mut, bis ihr etwas widerfahren ist, an das sie sich selbst nicht recht erinnert. In der Knopffabrik findet sie Gleichgesinnte, mehrere junge Menschen, die etwas erlebt haben und die sich nun gegenseitig unterstützen. Eine Regel besagt: es wird nicht über die Vergangenheit gesprochen. Leider hat mich das Buch nicht gepackt, es ist mitunter etwas konfus geschrieben und schwer zu verstehen. Lange aneinandergereihte Sätze, die keinen wirklichen Zusammenhang erkennen lassen, vielleicht verwirrte Gedanken? Es geht um Menschen am Rande der Gesellschaft und belastende Geschichten aus deren Vergangenheit, wir begleiten Natascha durch verschiedene Stationen, aber einen wirklichen roten Faden konnte ich nicht ausmachen, auch das Ende des Buches hat für mich nicht wirklich Sinn ergeben. Schade fand ich es auch, dass die anderen Charakter aus der Knopffabrik nicht näher beleuchtet worden sind. 🙈 ✨Wie fandest du dieses Buch?✨ #bookstagram #bookrec #booksbooksbooks #bookstagramgermany #bookobsessed

Leises, zwischen den Zeilen tiefgründiges Buch
Die Bewertung fällt mir etwas schwer. Ich habe das Buch an einem Tag weggelesen. Es liest sich einfach und besteht aus vielen kürzeren, fragmentierten Episoden, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseln. Die Sprache ist sehr poetisch und hat mir gut gefallen. Wie ist es als junge Frau aufzuwachsen - den Geschlechterrollen, den Erwartungen, dem Patriarchat, dem Wegschauen, dem Schweigen ausgesetzt zu sein? Ein Thema, mit dem ich mich durchaus gut identifizieren konnte. In diesem Buch steht aus meiner Sicht vor allem viel zwischen den Zeilen. Viele Themen klingen darin an. Leider konnte ich der Geschichte an wenigen Stellen nicht ganz folgen bzw. war mir einiges zu kontextlos. Irgendwie hat mir das Buch gefallen, aber irgendwie auch nicht so richtig. Vielleicht habe ich was anderes erwartet und vielleicht passte es für mich einfach nicht ganz, vielleicht soll es aber auch genau so sein. Grundsätzlich würde ich es trotzdem allen empfehlen, die poetische Sprache mögen und sich mit zeitgenössischen, feministischen Themen auseinandersetzen.
Leise aber wirkt nach
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir zunächst schwer, es spielt in mehreren Ebenen und die handelnden werden nur ganz leicht umschrieben. Auch die Vergangenheit der Protagonistin wird nur angehaucht, diese ist jedoch für ihr heutiges Sein maßgeblich und führte zu ihrem Verlust der Stimme. Es gibt ein paar Fragmente im Buch, die wiederkehrend waren und mich durch das Buch geleitet haben , so zum Beispiel Hand, die Uhrzeit 18:44, wodurch ich mich dann doch noch einfinden konnte. Als ich dann mal drin war, wollte ich es gar nicht mehr weglegen und habe es fast am Stück verschlungen. Trotz der reduzierten Sprache, konnte mich das Buch emotional erreichen und auch das Schweigen hat eine gewisse Wucht mitgebracht. Die Themen Verlust, Machtverhältnisse und Abhängigkeiten waren gut in die Geschichte eingearbeitet und sprachlich war es wirklich sehr besonders. ⭐️ F A Z I T Ein leises und trotzdem intensives Buch, das mich berührt hat und sicher noch weiter in mir nachwehen wird!

"Jahre ohne Sprache" ist für mich der gelungenste Titel des Jahres, denn ganz genau darum geht es. Die Protagonistin hat Übergriffe erlebt, dieses Trauma arbeitet mit ihr und sie versucht es zu verarbeiten. Dabei geht es nicht darum, ob das gelingt oder nicht. Es wird einfach dargestellt, was die Protagonistin empfindet, wie sie versucht, es sich selbst und anderen zu erklären und damit zu leben. Es zeigt wie hilflos ihr Umfeld oft ist und wie gerne weggeschaut wird. Besonders stark finde ich, dass die Protagonistin sich nicht davon abbringen lässt, in Worte zu fassen, was passiert ist. Und ich liebe, wie immer wieder dargestellt wird, wie sie nach einer Begegnung mit dem Täter mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen über Rache und Konsequenzen nachdenkt. Viel steckt hier zwischen den Zeilen. Es gibt so viele Aspekte im Roman, die zum Nachdenken anregen. Beispielsweise lebt die Protagonistin in einer besetzten Fabrik und es gelingt der Autorin, die Mitbewohnenden ohne Geschlecht darzustellen. Oder auch dass die Mutter die Familie verlassen hat, was mich stark an "When Women were Dragons" erinnert hat. (Dieses Buch würde der Mutter der Protagonistin sicher auch gefallen.) So bleibe ich wirklich beeindruckt zurück, wie viel Ann Esswein hier in unter 200 Seiten gepackt hat. Wenn ihr solche Thematiken lesen könnt, lest den Roman!

»Jahre ohne Sprache« trägt für mich einen der besten Titel mit viel Aussagekraft und einer extremen Tiefe. Der Roman lebt von Naos Sprachlosigkeit, ihrem unsicheren Inneren und einer besonderen Atmosphäre. Langsam nähert man sich mit Nao der Wahrheit, den Geschehnissen von früher an. Was war das mit der Hand damals, eine Grenzüberschreitung, sexuelle Gewalt, oder nur eine falsch abgespeicherte Erinnerung? Sie traut ihrer eigenen Wahrnehmung nicht, sucht Bestätigung und Klarheit zwischen Relativierungen und Verdrängung. Ann Esswein bietet hier keine einfache Antwort auf Naos Fragen. Die Suche danach wird zum Prozess, der von Unsicherheiten, Misstrauen und Zögern geprägt ist. Naos Erinnerungen wirken fragmentarisch, sie werden hinterfragt, überschrieben und verzerrt. Als Leser:in erfährt man, wie schwierig es sein muss, den eigenen Erinnerungen zu glauben, wenn man ihnen selbst nicht traut. Stilistisch ist diese Sprachlosigkeit perfekt in den Roman übernommen worden. Sprachlich sehr ruhig, zurückhaltend, aber präzise wird Wert auf das Wichtigste gelegt, ohne die Geschichte zu überschatten. Durch Leerstellen gibt es genügend Raum für Ungesagtes. Der Roman hat sein eigenes Tempo, ist langsam, vorsichtig, zaghaft, manchmal auch ausgedehnt, und spiegelt damit Naos innere Verfassung wider. Was zurückbleibt ist nicht etwa die Handlung, sondern die Ohnmacht, ein Gefühl, das durch die Schwere des Schweigens drückt. Das Buch wirkt durch eben jene Sprachlosigkeit besonders nach und überzeugt durch seine Tiefe und konsequente, vielseitige Umsetzung des Themas.

Die Geschichte eines Mädchens, dessen Trauma sie nicht loslässt. Ein krasses Buch. Ein wichtiges Buch. Und leider konnte es mich nicht umfassend überzeugen.
In 𝗔𝗻𝗻 𝗘𝘀𝘀𝘄𝗲𝗶𝗻 - 𝗝𝗮𝗵𝗿𝗲 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝗦𝗽𝗿𝗮𝗰𝗵𝗲 lernen wir Natascha kennen, die sich jetzt Nao nennt. Sie lebt mit ein paar anderen verlorenen Seelen in einem besetzten Haus. Leider erfährt man über Naos Wahlfamilie, die mit ihr zusammenwohnt, recht wenig. Da hätte mich die Hintergrund-Story der Einzelnen sehr interessiert! Im Fokus steht aber ganz klar Naos Geschichte. Diese wird sehr zersplittert erzählt, wie eine schemenhafte Erinnerung, die sich Stück für Stück zusammensetzt. Das war manchmal etwas anstrengend zu lesen, aber fand ich auch durchaus authentisch geschrieben. Natascha (Nao) wächst in einer zerrütteten Familie auf. Die Mutter verlässt die Familie, der Vater kann keine Liebe geben. Einziger Lichtblick ist ihr damals bester Freund Luki, zu dem sie heute keinen Kontakt mehr hat. Allgegenwärtig in Nataschas Jugend ist “die Hand”. „Die Hand lag auf meinem nackten Oberschenkel wie ein Fisch, nass und schwer. Die Hand, die lauerte.“ Das junge Mädchen versucht ihre Vergangenheit zu rekonstruieren und stellt sich die Frage, ob das tatsächlich Missbrauch war, was sie damals erlebt hat. „Was war denn diesen Sommer? Weil ich nicht wusste, wie ich die Bilder in Wörter übersetzen sollte, sagte ich Lukis Mom so etwas wie: ‘Ein Ereignis ohne Titel.’“ Und dazu passt auch der Buchtitel 🫶🏼 Ann Esswein erzählt sehr leise und zurückhaltend. Es ist zwar durchaus ein feministisches, aber kein Female-Rage-Buch. Ich mochte den Sprachstil, nur konnte ich manchmal schwer folgen. Trotzdem eine Empfehlung, wenn man Die schönste Version mochte ❤️
Beschreibung
Diese Geschichte beginnt in einem Sommer, kurz bevor das, was die Erwachsenen mit dem wirklichen Leben meinen, für Natascha eigentlich so richtig losgehen sollte. In Glanitz, einem kleinen Ort in der Provinz, findet das Leben für sie und ihre Freunde zwischen Fußballplatz, Bushaltestellenhäuschen und Jahrmarkt statt. Immer dabei ist die Hand, wie Natascha ihn nennt. Die Hand, die auf ihrem Oberschenkel lauert wie ein Fisch, die ungefragt vordringt, während sich der Himmel von Nachtblau zu Frühmorgenblau färbt und alle besoffen sind.
Fünf Jahre später hat Natascha die Enge ihres Heimatortes verlassen und lebt mit ihrer Wahlfamilie in einer besetzen Knopffabrik. Hier wird Natascha zu Nao, hier gibt es keine Vergangenheit, keine Hierarchie, kein »Er« und kein »Sie«, hier gibt es nur »Wir«. Doch die Erinnerungen an ihre Jugend lassen sie nicht los, und so beginnt eine Suche, bestimmt von dem Drang, sich die Deutungsmacht über das Geschehene zurückzuerobern. Unmittelbar, schonungslos und mit großer Dringlichkeit erzählt Ann Esswein von Ohnmacht, Scham und dem Unbehagen, für das es in der Jugend keine Worte gab.
»Ann Essweins Figuren erzählen von dem Zusammensetzen fragmentierter Erinnerungen, dem einsetzenden Begreifen, der Wut und Rückeroberung der Worte.« Res Sigusch
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ann Esswein ist Autorin und Journalistin. Sie schreibt u. a. für Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, taz, Literaturmagazine und produziert Hörfunkstücke. Sie war Finalistin des 29. open mike, Teilnehmerin an der Romanwerkstatt Die Große Tour am Literaturhaus München und 2021 sowie 2022 auf der Shortlist des Deutschen Kurzgeschichtenwettbewerbs. 2023 erhielt sie den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg. Ihr Debütroman Mimikry erschien 2024. Ann Esswein lebt in Berlin.
Beiträge
✨ Rezension ✨ Jahre ohne Sprache | Ann Esswein | Ecco | 192 Seiten | ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Jahre ohne Sprache ist eine Geschichte, über eine junge Frau, der die Worte fehlen für das, was ihr in der Jugend passiert ist. Wir begleiten die Protagonistin in der Gegenwart, wo sie mit anderen Menschen in einer Knopffabrik lebt. Gemeinsam schlagen sie sich durch, unterstützen sich, aber hinterfragen sich dabei nicht. In Rückblicken kommen wir langsam all den Erlebnissen näher, die Nataschas Leben geformt haben. Man versteht ihre Struggle dabei immer besser, aber nie ist es die ganze Geschichte. Immer bleibt auch Raum für eigene Interpretationen und Gefühle. Für mich hat sich dabei auch der Horizont erweitert, denn es gibt Einblicke in Lebensrealitäten, die mir fremd sind. Wohnungslosigkeit und Armut, sowie diese Wortlosigkeit, weil man das Erlebte nicht verarbeiten konnte. Flashbacks und Fantasien, die immer konkreter werden ziehen sich dabei durch die Geschichte und werden zum Ende immer dichter. Von mir eine Empfehlung für diese leise aber bedeutungsschwere Geschichte.

Natascha nennt sich jetzt Nao und lebt mit ihrer selbst gewählten Familie in einer besetzten Fabrik. Aber die Erinnerung an ihre Jugend in der Provinz lässt sie noch los. Insbesondere an den einen Sommer und ihn, den sie nur „die Hand“ nennt. Das Buch ist sprachlich toll und der Inhalt auch. Aber irgendwie - und ich kann nicht so recht sagen wieso - ist der Funken bei mir nicht ganz übergesprungen.
Viele kluge und zugleich wütende Worte für eine Tat, die sprachlos macht - genau damit konfrontiert uns 'Jahre ohne Sprache' von Ann Esswein. Und plötzlich werden Worte gefunden. Worte, von denen jede*r weiß, wie lebenswichtig sie sind. Wir begleiten Nao, in einem früheren Leben Natascha, auf ihrem Weg aus einer erdrückende Sprachlosigkeit. Ihre neu gewählte Familie trägt sie dabei - Menschen, die ein unkonventionelles Leben führen, jenseits von Regeln, Mietverträgen, Geschlechterrollen und Hierarchien. Hier sind alle gleich, und doch verarbeitet jede*r seine Vergangenheit auf so unterschiedliche Art und Weise. Nao erinnert sich nur an eine Hand. An die Hand, die Dinge mit ihr tat, die sie nicht wollte, die Grenzen überschritt. Und an ihren besten Freund Luki - sowie an die unbegreifliche Entfremdung nach jenem Abend. Ann Esswein lädt uns tief in Naos Gedankenwelt ein und lässt dabei bewusst Raum für eigene Empfindungen und Interpretationen. In Flashbacks erfahren wir Stück für Stück von dem Leben einer jungen Frau, der über Jahre hinweg die Worte fehlten - einer Frau, die von gesellschaftlichen Mechanismen zum Verstummen gebracht wurde. Ich konnte und wollte dieses Buch kaum aus der Hand legen. Ich empfehle euch: Lest diesen ruhigen und zugleich enorm bedeutungsschweren Roman - und lasst ihn auf Euch wirken.

Zwischen Sprachlosigkeit und Aufbegehren
Jahre ohne Sprache" begleitet Nao, die inzwischen mit ihrer Wahlfamilie in einem besetzten Haus lebt. Obwohl sie Glaznitz, ihre Heimat, hinter sich gelassen hat, bleibt die Vergangenheit allgegenwärtig: die Sommer ihrer Kindheit, das Aufwachsen mit ihrem besten Freund und die familiären Brüche. Am präsentesten ist jedoch die Hand, die plötzlich auf ihrem Bein lag und Grenzen überschritt. Nao, früher Natasha, versucht zu verstehen, was damals wirklich geschehen ist. Das Buch erzählt in einer stillen, unaufgeregten Sprache, in der dennoch viel aufgestaute Wut mitschwingt. Wir beobachten Nao dabei, wie sie in ihrem neuen Umfeld nach Trost und Zugehörigkeit sucht. Zwischendurch tauchen immer wieder verwirrende Flashbacks auf. Meiner Meinung nach passt das gut zu ihrer Suche nach der Wahrheit und ihrer Unsicherheit in Bezug auf ihre eigenen Erinnerungen. Besonders gelungen fand ich den Blick auf das jugendliche Erleben: wie schwer es ist, eigene Grenzen zu benennen, wenn man noch gar nicht versteht, was richtig und was falsch ist, und wie früh Mädchen mit ihrer Sexualität und mit Grenzverletzungen konfrontiert werden. Das Buch zeigt sehr kraftvoll, wie komplex der Umgang mit sexualisierter Gewalt ist - vor allem, wenn das Umfeld nicht wirklich zuhört oder das eigene Empfinden kleingeredet wird. Im Gegensatz zu vielen eher lauteren Female Rage Büchern erzählt Ann Esswein sehr leise. Gerade dieser zurückhaltende Ton hat für mich aber sehr gut zu Naos Gefühlswelt gepasst. Die Autorin bietet hier keine Lösungen, sondern lässt der Sprachlosigkeit ihren Raum. Für mich ist es ein wichtiger, einfühlsamer Blick aus der Perspektive einer Heranwachsenden auf ein Problem unserer Gesellschaft. *unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar
Das Buch hat mich sprachlos hinterlassen..
Ich habe ,,Jahre ohne Sprache" gerade beendet und es fällt mir schwer, in diesem Moment eine Meinung zu formulieren. Auf der einen Seite ist Naos Geschichte einzigartig ausgedrückt durch den Schreibstil der Autorin Ann Esswein. Doch gleichzeitig, wahrscheinlich im Kontext der Geschichte gewollt, ist der Aufbau etwas wirr, komplex und simpel zugleich. Es werden viele wichtige Themen angedeutet, aber nie ausgesprochen, was dem Lesenden viel Raum für eigene Denkprozesse gibt. Ich denke, letztendlich habe ich anhand des Klappentextes einfach etwas anderes erwartet. Deshalb gebe ich dem Buch 3⭐️.
Ann Esswein- Jahre ohne Sprache Natascha, auch genannt Nao, verlässt ihre Heimatstadt und findet Zuflucht in der sogenannten Knopffabrik. Die sogenannte „Hand“ hat sie dazu geführt aus ihrem alten Leben zu flüchten. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem früheren Leben, war sie glücklich und unbeschwert und voller Mut, bis ihr etwas widerfahren ist, an das sie sich selbst nicht recht erinnert. In der Knopffabrik findet sie Gleichgesinnte, mehrere junge Menschen, die etwas erlebt haben und die sich nun gegenseitig unterstützen. Eine Regel besagt: es wird nicht über die Vergangenheit gesprochen. Leider hat mich das Buch nicht gepackt, es ist mitunter etwas konfus geschrieben und schwer zu verstehen. Lange aneinandergereihte Sätze, die keinen wirklichen Zusammenhang erkennen lassen, vielleicht verwirrte Gedanken? Es geht um Menschen am Rande der Gesellschaft und belastende Geschichten aus deren Vergangenheit, wir begleiten Natascha durch verschiedene Stationen, aber einen wirklichen roten Faden konnte ich nicht ausmachen, auch das Ende des Buches hat für mich nicht wirklich Sinn ergeben. Schade fand ich es auch, dass die anderen Charakter aus der Knopffabrik nicht näher beleuchtet worden sind. 🙈 ✨Wie fandest du dieses Buch?✨ #bookstagram #bookrec #booksbooksbooks #bookstagramgermany #bookobsessed

Leises, zwischen den Zeilen tiefgründiges Buch
Die Bewertung fällt mir etwas schwer. Ich habe das Buch an einem Tag weggelesen. Es liest sich einfach und besteht aus vielen kürzeren, fragmentierten Episoden, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseln. Die Sprache ist sehr poetisch und hat mir gut gefallen. Wie ist es als junge Frau aufzuwachsen - den Geschlechterrollen, den Erwartungen, dem Patriarchat, dem Wegschauen, dem Schweigen ausgesetzt zu sein? Ein Thema, mit dem ich mich durchaus gut identifizieren konnte. In diesem Buch steht aus meiner Sicht vor allem viel zwischen den Zeilen. Viele Themen klingen darin an. Leider konnte ich der Geschichte an wenigen Stellen nicht ganz folgen bzw. war mir einiges zu kontextlos. Irgendwie hat mir das Buch gefallen, aber irgendwie auch nicht so richtig. Vielleicht habe ich was anderes erwartet und vielleicht passte es für mich einfach nicht ganz, vielleicht soll es aber auch genau so sein. Grundsätzlich würde ich es trotzdem allen empfehlen, die poetische Sprache mögen und sich mit zeitgenössischen, feministischen Themen auseinandersetzen.
Leise aber wirkt nach
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir zunächst schwer, es spielt in mehreren Ebenen und die handelnden werden nur ganz leicht umschrieben. Auch die Vergangenheit der Protagonistin wird nur angehaucht, diese ist jedoch für ihr heutiges Sein maßgeblich und führte zu ihrem Verlust der Stimme. Es gibt ein paar Fragmente im Buch, die wiederkehrend waren und mich durch das Buch geleitet haben , so zum Beispiel Hand, die Uhrzeit 18:44, wodurch ich mich dann doch noch einfinden konnte. Als ich dann mal drin war, wollte ich es gar nicht mehr weglegen und habe es fast am Stück verschlungen. Trotz der reduzierten Sprache, konnte mich das Buch emotional erreichen und auch das Schweigen hat eine gewisse Wucht mitgebracht. Die Themen Verlust, Machtverhältnisse und Abhängigkeiten waren gut in die Geschichte eingearbeitet und sprachlich war es wirklich sehr besonders. ⭐️ F A Z I T Ein leises und trotzdem intensives Buch, das mich berührt hat und sicher noch weiter in mir nachwehen wird!

"Jahre ohne Sprache" ist für mich der gelungenste Titel des Jahres, denn ganz genau darum geht es. Die Protagonistin hat Übergriffe erlebt, dieses Trauma arbeitet mit ihr und sie versucht es zu verarbeiten. Dabei geht es nicht darum, ob das gelingt oder nicht. Es wird einfach dargestellt, was die Protagonistin empfindet, wie sie versucht, es sich selbst und anderen zu erklären und damit zu leben. Es zeigt wie hilflos ihr Umfeld oft ist und wie gerne weggeschaut wird. Besonders stark finde ich, dass die Protagonistin sich nicht davon abbringen lässt, in Worte zu fassen, was passiert ist. Und ich liebe, wie immer wieder dargestellt wird, wie sie nach einer Begegnung mit dem Täter mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen über Rache und Konsequenzen nachdenkt. Viel steckt hier zwischen den Zeilen. Es gibt so viele Aspekte im Roman, die zum Nachdenken anregen. Beispielsweise lebt die Protagonistin in einer besetzten Fabrik und es gelingt der Autorin, die Mitbewohnenden ohne Geschlecht darzustellen. Oder auch dass die Mutter die Familie verlassen hat, was mich stark an "When Women were Dragons" erinnert hat. (Dieses Buch würde der Mutter der Protagonistin sicher auch gefallen.) So bleibe ich wirklich beeindruckt zurück, wie viel Ann Esswein hier in unter 200 Seiten gepackt hat. Wenn ihr solche Thematiken lesen könnt, lest den Roman!

»Jahre ohne Sprache« trägt für mich einen der besten Titel mit viel Aussagekraft und einer extremen Tiefe. Der Roman lebt von Naos Sprachlosigkeit, ihrem unsicheren Inneren und einer besonderen Atmosphäre. Langsam nähert man sich mit Nao der Wahrheit, den Geschehnissen von früher an. Was war das mit der Hand damals, eine Grenzüberschreitung, sexuelle Gewalt, oder nur eine falsch abgespeicherte Erinnerung? Sie traut ihrer eigenen Wahrnehmung nicht, sucht Bestätigung und Klarheit zwischen Relativierungen und Verdrängung. Ann Esswein bietet hier keine einfache Antwort auf Naos Fragen. Die Suche danach wird zum Prozess, der von Unsicherheiten, Misstrauen und Zögern geprägt ist. Naos Erinnerungen wirken fragmentarisch, sie werden hinterfragt, überschrieben und verzerrt. Als Leser:in erfährt man, wie schwierig es sein muss, den eigenen Erinnerungen zu glauben, wenn man ihnen selbst nicht traut. Stilistisch ist diese Sprachlosigkeit perfekt in den Roman übernommen worden. Sprachlich sehr ruhig, zurückhaltend, aber präzise wird Wert auf das Wichtigste gelegt, ohne die Geschichte zu überschatten. Durch Leerstellen gibt es genügend Raum für Ungesagtes. Der Roman hat sein eigenes Tempo, ist langsam, vorsichtig, zaghaft, manchmal auch ausgedehnt, und spiegelt damit Naos innere Verfassung wider. Was zurückbleibt ist nicht etwa die Handlung, sondern die Ohnmacht, ein Gefühl, das durch die Schwere des Schweigens drückt. Das Buch wirkt durch eben jene Sprachlosigkeit besonders nach und überzeugt durch seine Tiefe und konsequente, vielseitige Umsetzung des Themas.

Die Geschichte eines Mädchens, dessen Trauma sie nicht loslässt. Ein krasses Buch. Ein wichtiges Buch. Und leider konnte es mich nicht umfassend überzeugen.
In 𝗔𝗻𝗻 𝗘𝘀𝘀𝘄𝗲𝗶𝗻 - 𝗝𝗮𝗵𝗿𝗲 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝗦𝗽𝗿𝗮𝗰𝗵𝗲 lernen wir Natascha kennen, die sich jetzt Nao nennt. Sie lebt mit ein paar anderen verlorenen Seelen in einem besetzten Haus. Leider erfährt man über Naos Wahlfamilie, die mit ihr zusammenwohnt, recht wenig. Da hätte mich die Hintergrund-Story der Einzelnen sehr interessiert! Im Fokus steht aber ganz klar Naos Geschichte. Diese wird sehr zersplittert erzählt, wie eine schemenhafte Erinnerung, die sich Stück für Stück zusammensetzt. Das war manchmal etwas anstrengend zu lesen, aber fand ich auch durchaus authentisch geschrieben. Natascha (Nao) wächst in einer zerrütteten Familie auf. Die Mutter verlässt die Familie, der Vater kann keine Liebe geben. Einziger Lichtblick ist ihr damals bester Freund Luki, zu dem sie heute keinen Kontakt mehr hat. Allgegenwärtig in Nataschas Jugend ist “die Hand”. „Die Hand lag auf meinem nackten Oberschenkel wie ein Fisch, nass und schwer. Die Hand, die lauerte.“ Das junge Mädchen versucht ihre Vergangenheit zu rekonstruieren und stellt sich die Frage, ob das tatsächlich Missbrauch war, was sie damals erlebt hat. „Was war denn diesen Sommer? Weil ich nicht wusste, wie ich die Bilder in Wörter übersetzen sollte, sagte ich Lukis Mom so etwas wie: ‘Ein Ereignis ohne Titel.’“ Und dazu passt auch der Buchtitel 🫶🏼 Ann Esswein erzählt sehr leise und zurückhaltend. Es ist zwar durchaus ein feministisches, aber kein Female-Rage-Buch. Ich mochte den Sprachstil, nur konnte ich manchmal schwer folgen. Trotzdem eine Empfehlung, wenn man Die schönste Version mochte ❤️

















