Blick ins Buch

Biografien

Ich bin, ich bin, ich bin

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Über das Buch

Von Anfang an bestimmt der Tod ihr Leben: als Maggie O’Farrell im Alter von acht Jahren beinahe an einer unbekannten Virusinfektion starb. Als sie mit 15 aus Übermut und Freiheitsdrang einen törichten Fehler beging. Als sie in der Idylle des Lake District eine zutiefst verstörende Begegnung hatte. Oder als sie in einer unterbesetzten Klinik mit inkompetentem Personal unter der Geburt ihrer ersten Tochter fast verblutet wäre. Maggie O’Farrells tiefgründige, außergewöhnliche Geschichte, die sie ursprünglich für ihre schwerkranke Tochter aufgeschrieben hat, stellt existenzielle Fragen: Wie würde ich handeln, wenn ich in tödliche Gefahr geriete? Was stünde für mich auf dem Spiel? Und, nicht zuletzt, wer würde ich danach sein?

Editionen (3)

ISBN9783864844768
Verlagtacheles!
Erscheinungsdatum27.06.18

Rezensionen & Bewertungen

35 Bewertungen

9 Rezensionen

3,9

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  • wortspur
    wortspur

    72 Follower

    5,0

    Intensiv. Schonungslos ehrlich. Berührend. Zwischen zwei Atemzügen. Dieses Buch bewegt sich in Räumen, die oft unsichtbar bleiben. In jenen winzigen Verschiebungen zwischen einem Schritt nach links oder rechts, einem anderen Zeitpunkt, einer anderen Entscheidung, einem kaum wahrnehmbaren Dazwischen, das Leben bedeuten kann oder dessen Ende. Was wäre, wenn? Warum nicht? Nicht als bloßes Gedankenspiel. Eher als leise, fortwährende Erschütterung darüber, wie oft wir vielleicht an etwas vorbeigeschrammt sind, ohne es je zu wissen. Es geht um Lebensgefahr, ja. Um beinahe Sterben. Aber noch viel mehr um das plötzliche Begreifen, dass Leben keineswegs selbstverständlich ist. Dass unter allem eine Fragilität liegt, die wir im Alltag oft vergessen. Und genau darin liegt etwas zutiefst Bewegendes. Nicht nur im Überleben selbst, sondern in der Klarheit, die daraus entsteht. In der Distanz. In dem anderen Ich, das möglicherweise nur durch einen kaum sichtbaren Spalt vom eigenen entfernt liegt. Manchmal wirkt es, als wäre man dem Tod nicht einfach entkommen, sondern als hätte man ihm ins Gesicht gesehen und lebe dennoch weiter. Ich lebe noch. Dieses Buch ist autobiografisch. Und gerade deshalb trifft es mit einer Wucht, die sich kaum künstlich herstellen ließe. Weil nichts daran konstruiert wirkt. Es ist real. Intensiv. Oft absurd. Kreativ. Voller Balanceakte, innerer Drahtseile und jener kaum erklärbaren Momente, in denen alles kippen könnte. Und dann diese Sprache. So bildgewaltig. So ungewöhnlich. So voller Farben, Bewegungen, Strudel, Haut, Meer, Spalten, Spiegelungen. Sie beschreibt nicht nur, was geschehen ist. Sie beschreibt, wie es sich anfühlt, sich selbst durch all das hindurch weiter zu bewohnen. Freiheit. Reisende. Unbeugsamkeit. Nicht nur die Frage, wie oft alles hätte enden können. Sondern auch, wie bewusst man dem eigenen Dasein eigentlich begegnet. Das Glück hat es gut gemeint. Und irgendwo zwischen Urdunkelheit, Abgrund und dem Ende aller Dinge bleibt vor allem eines: Das Leben ist groß.

    9. Mai 2026

  • thomsen_
    thomsen_

    96 Follower

    4,5

    Es gibt Bücher über den Tod. Und es gibt Bücher über das Leben.

    Maggie O'Farrell schafft etwas Dazwischen. Sie verfasst ein Buch über den Tod, das in Wahrheit vom Leben handelt. Die autobiographische Erzählung „Ich bin, ich bin, ich bin“ schildert das Leben der Autorin anhand von 17 Begegnungen mit dem Tod, ohne sich an eine chronologische Reihenfolge zu halten. Die Kapitel sind jeweils nach dem Körperteil benannt, das von der entsprechenden Gefahr betroffen war. Die Autorin erzählt überwiegend aus der Ich-Perspektive. Ängste, Schmerzen, Atemnot und Panik werden sehr detailliert geschildert, die jeweiligen Situationen wirken dadurch unmittelbar und bedrohlich. Ihr Schreibstil ist bildhaft, atmosphärisch und an manchen Stellen poetisch. So bekommen die emotionalen Augenblicke eine zusätzliche Dimension. Viele Szenen erschienen beim Lesen nicht nur wie Erinnerungen, sondern wie Erlebnisse, die man direkt mit der Autorin geteilt hat. Besonders eindrucksvoll fand ich die Metaebene im Kapitel „Kopf“. Dort spricht die Ich-Erzählerin selbst darüber, ein Buch zu schreiben. In diesem Moment wurde mir krass bewusst, dass ich keine fiktionale Geschichte lese, sondern die Erinnerungen eines realen Menschen. Gerade dieser autobiographische Aspekt gewinnt dadurch enorm an Gewicht und verleiht vielen der geschilderten Erlebnisse eine zusätzliche emotionale Wucht. Auf den ersten Blick scheint es, als würde das Buch vom Tod handeln. Als Kind übersteht die Autorin eine schwere Virusinfektion. Sie gerät in riskante Situationen, erlebt Unfälle, Krankheiten und Komplikationen bei Geburten. Auffällig ist, dass Männer in vielen der bedrohlichsten Geschichten eine Rolle spielen. Am Anfang des Buches findet sich die fast vollzogene Vergewaltigung. Es gibt Ärzte, die die Beschwerden von Schwangeren und Gebärenden nicht ernst nehmen. Es wird immer wieder thematisiert, dass andere Menschen Macht über ihren Körper ausüben oder ausüben möchten. Aber je weiter ich las, desto mehr bekam ich das Gefühl, dass hier etwas anderes im Fokus steht. Meiner Ansicht nach sind diese Szenen eher ein Versuch, sich lebendig zu fühlen. Oder gar wie der Versuch, die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzuerlangen. In diesem Zusammenhang erscheinen die Mutproben und riskanten Entscheidungen plötzlich in einem anderen Licht. Nicht wie eine Sehnsucht nach dem Tod, sondern wie die seltenen Augenblicke, in denen sie selbst entscheidet, was mit ihrem Körper passiert Manche Episoden haben mich mehr mitgerissen als andere. Trotzdem hält das außergewöhnliche Setting das ganze Buch sehr gut zusammen. Ein beeindruckendes, kluges und sehr persönliches Buch über Verletzlichkeit, Erinnerung und die Frage, was es eigentlich bedeutet, am Leben zu sein. 4,5 von 5 ⭐️ Zitate: „Die Menschen, von denen wir lernen, nehmen einen besonderen Platz in unserer Erinnerung ein. Ich war keine zehn Minuten Mutter, als der Mann zu mir kam, aber er lehrte mich mit einer einzigen kleinen Geste das fast Wichtigste am Elternsein: Zugewandtheit, Intuition, Berührung, und das man oft nicht einmal Worte braucht.“ „Fast gestorben zu sein ist nichts Einmaliges oder Besonderes. Der Tod begegnet uns ständig; wohl jeder, wage ich zu vermuten, war ihm schon einmal nahe, vielleicht ohne es zu merken.“ „Nein, was mich treibt, ist der Drang, etwas zu tun – irgendetwas -, das mich herausholt aus der eintönigen Banalität meines Sechzehnjährigendaseins. Das diesen Tag hervorhebt aus der Endlosreihe identisch dahinplätschernder Tage. Es ist der Drang, einzutauchen ins Wasser, dieses andere Element, diesen dunklen, schwappenden Umriss am Fuß der Hafenmauer; ich fühle seine Tiefe, seine Kompaktheit, seine kalte, wartende Kraft, auch wenn ich sie nicht sehen kann. Ich will, dass es mich reinwäscht vom Mief des Hotels, des Speisesaals, von den Ehemännern, die mich vor den Augen ihrer gezierten Gattinnen taxieren, wenn ich nach Dessertwünschen frage, und sagen: „Ich vernasch einfach Dich,“

    11. Juni 2026

  • kerstinberlin
    kerstinberlin

    98 Follower

    2,0

    Auf Dauer verstörend

    Ich mochte ihr Buch „Porträt einer Ehe“ sehr. Natürlich wusste ich das es in dem Buch um die die Fast-Begegnungen der Autorin mit dem Tod in ihrem bisherigen Leben geht - geordnet nach Körperteilen. Die erste Geschichte war bedrückend und nach und nach fand ich die (Krankheits-)Geschichten belastend und teils verstörend.

    21. Juni 2026

3 von 9 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Maggie O'Farrell

Maggie O'Farrell wurde 1972 in Nord Irland geboren und wuchs in Wales und Schottland auf. Ihr achtes Lebensjahr verbrachte sie nach einer lebensbedrohlichen Virusinfektion im Krankenhaus. Für ihre bislang sieben Romane wurde sie u.a. mit dem Somerset Maugham Award und dem Costa Novel Award ausgezeichnet. Zusammen mit dem Schriftsteller William Sutcliff und den drei gemeinsamen Kindern lebt sie heute in Edinburgh.

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