Romane

Heimatmuseum

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Über das Buch

"Heimatmuseum": ein großer Roman und zugleich die Beschwörung eines verlorenen Landes, seiner Menschen und ihrer Lebensform - das geduldige Protokoll eines Verlustes, was im Zusammenbruch einer genügsamen Privatwelt die Tragik einer Epoche deutlich werden läßt. Zwei scheinbar widerspruchsvolle Haltungen versucht Siegfried Lenz in diesem Roman zu beschreiben: Heimatsinn und Weltoffenheit. An Aufbau und Zerstörung eines masurischen Heimatmuseums und seines unscheinbaren, doch beziehungsreichen Inventars demonstriert er den hartnäckigen Wunsch der Menschen, sich selbst Vergangenheit zu schaffen, um Gegenwart erträglich zu machen. Unter dem Zwang, die Verrichtung seines mit unbeirrbarer Hingabe aufgebauten Museums zu rechtfertigen, bietet der Erzähler, der masurische Teppichmeister Zygmunt Rogalla, die Geschichte seines Lebens an: er erzählt von altüberkommenen Bräuchen, von eigentümlicher, in zwei Weltkriegen erprobter Grenzlandgewinnung, von unentmutigter Lebensgründung. Und er berichtet von den unvermeidlichen Gefährdungen, denen sein Museum ausgesetzt ist, sobald es politischen Zwecken dienstbar gemacht werden soll. Worauf es dem Autor besonders ankam: das Bild Masurens noch einmal erstehen zu lassen, frei von aller Provinzmystik und mit dem erklärten Wunsch, einigen belasteten Begriffen ihre Unverfänglichkeit zurückzugeben. So gesammelt und bewahrt, wird das Erzählte auf seine Weise zum Inventar eines erschriebenen Heimatmuseums.

Editionen (7)

ISBN9783455042238
VerlagHoffmann und Campe
Erscheinungsdatum31.12.78
Seitenzahl656

Rezensionen & Bewertungen

8 Bewertungen

2 Rezensionen

4,6

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  • nxck0711
    nxck0711

    5 Follower

    4,0

    Ein Buch, das zum Nachdenken über den (Un-)Sinn von Heimat anregt

    Lenz nimmt den Leser in diesem Buch mit auf eine Reise durch Masuren, einem Gebiet, das symbolisch steht für viele andere Regionen, die im 20. Jahrhundert Schauplatz tiefgehender geographischer Umwälzungen waren. Aus dem Krankenbett heraus lässt die Haupterson, Inhaber eines Heimatmuseums, ihr eigenes Leben in der masurischen Kleinstadt Lucknow Revué passieren, um Aufschluss zu geben über eine von ihm verübte Brandstiftung, die den Leser zu Beginn (und auch sehr sehr lange im Buch) ratlos zurücklässt. Hintergrund des Buches ist es, laut Klappentext für einen "unideologischen Heimatbegriff" (Wiener Zeitung) zu werben. Bemessen an den geschichtlichen Passagen, die im Buch gestriffen werden (v.a. die der NS-Zeit) und dem gewählten Standort gelingt es Lenz allemal, beim Leser einen Denkprozess anzustoßen : Was bedeutet Heimat für mich? Welche gesellschaftlich/historischen Definitionen von Heimat gibt es? Man beobachtet die Hauptersonen dabei, wie sie sich im Laufe ihres Lebens verschiedener Heimatideen annehmen - der Wandel erschien mir zwar nicht immer nachvollziehbar, interessant war er aber auf jeden Fall. Das Buch umfasst auf knapp 800 Seiten "nur" 15 Kapitel, die zum Teil zwar langatmig ausfallen, aber auch mit lustigen Anekdoten, spannenden Charakteren und interessanten Bräuchen eines bisher selten beleuchteten Kulturkreises überzeugen. Alles in allem lesenswert und inhaltlich zeitlos, besonders für diejenigen, die sich für die europäische Entwicklung im 20. Jahrhundert und die Frage interessieren, welche Rolle die Heimat in dieser Entwicklung eigentlich gespielt hat.

    24. Okt. 2024

  • prssling
    prssling

    4 Follower

    5,0

    Ich hab das Buch unglaublich gerne gelesen. Verspüre jetzt großes Fernweh, sowohl geographisch als auch zeitlich, nach dem Masuren zwischen den Kriegen. Den allerletzten Absatz musste ich mir bedacht und Wort für Wort auf der Zunge zergehen lassen, um ihn in seiner Bedeutung erfassen zu können. Was eine wundervolle Erfahrung diese Lektüre war!

    11. Sept. 2025

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