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“Rose und Rebell” von Emma Theriault ist der Auftakt der „The Queen’s Council“-Reihe. Hierbei handelt es sich um eine weitere Buchreihe aus dem Hause Disney. Hier beantworten verschiedene Autor:innen die Frage, wie es nach dem Happy End mit unseren Prinzessinnen weitergeht. Den Anfang macht Belle. Belle und Lio (besser bekannt als das Biest oder Adam) sind frisch vermählt. Belle weigert sich jedoch, den Titel der Prinzessin anzunehmen. Die Welt hat das Fürstentum Aveyon nun aber lange genug ignoriert und erinnert sich wieder an den Prince Étranger, weswegen es an der Zeit ist, König Louis ihre Aufwartung am Hof von Versailles zu machen. Dort erwartet sie ein Paris in Aufruhr, wir befinden uns nämlich am Anfang der Französischen Revolution… Zunächst einmal liebe ich es, dass die Geschichte in einen realen historischen Kontext gesetzt wird. Absolut fantastisch! Dabei ist die Französische Revolution nicht nur eine Randnotiz, sondern Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. So sehr, dass Belle sogar versehentlich in den Mob gerät, der wenige Momente zuvor die Bastille gestürmt hat. Auf 352 Seiten lässt sich natürlich nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber ein ganz seichter historischer Diskurs ist eben doch vorhanden. Wer im Geschichtsunterricht geschlafen hat, könnte allerdings einige Referenzen überlesen. Das war es allerdings auch schon mit meinem Lob, kommen wir nun zum Negativen: Zunächst einmal habe ich mit „Rose und Rebell“ dasselbe Problem wie mit „Belle und das magische Buch“: in beiden Fällen ist es nicht die Belle, die wir kennen und lieben. Erneut wird auf dem Papier immer wieder betont, wie belesen und intelligent Belle doch ist. Stimmt, das ist schließlich Kanon. Blöd nur, dass auch diese Belle wieder nicht danach handelt. Wieso sollte eine so intelligente Frau, die sich das Beste für ihr Volk wünscht und ebenjene auch repräsentieren möchte, den Titel als Prinzessin und später dann ebenso als Königin ablehnen? In welcher Welt drückt Belle sich vor Verantwortung? Natürlich verstehe ich ihren inneren Konflikt, während sie sich als Bürgerliche plötzlich mit dem Adel befassen muss. Ebenso verstehe ich, dass Belle davon geträumt hat, die Welt zu bereisen und sich nun nicht an den Thron ebenjenes Fürstentums fesseln lassen möchte, dass sie so dringend verlassen will – doch dann hätte sie das Biest eben nicht heiraten dürfen. Dieser Konflikt hätte wunderbar vor der Hochzeit thematisiert werden können, aber nicht in einer Geschichte, die danach spielt. Ebenso bringt Theriault ein, dass sowohl Belle als auch Lio an PTBS leiden. Belle ist eben doch noch nicht ganz darüber weg, dass ihr Ehemann sie gegen ihren Willen in seinem Schloss eingesperrt hat und Lio leidet eben noch immer unter den Auswirkungen des Fluches und hat schreckliche Angst davor, wieder zum Biest zu werden. Ganz tolle Themen, wirklich, aber das Potenzial ist hier so verschenkt. Erneut hat Belle mit etwas zu kämpfen, mit dem sie sich VOR DER HOCHZEIT hätte auseinandersetzen müssen. So gefiel es mir zwar, dass sie Trigger hatte, die eben auch innerhalb der Geschichte ausgelöst wurden, hingegen weniger mochte ich ihren inneren Monolog, der Lio gegenüber stellenweise sehr unglücklich war. Zumal sie dann nicht das Gespräch mit ihrem Gatten sucht. Was mich zu einem weiteren Punkt führt, nämlich dem, dass Lio ca. 80% der Geschichte nicht anwesend ist. Also schön, dass Theriault sein Trauma anspricht, sich aber dann gar nicht damit befassen kann, da die traumatisierte Partei im Grunde kein Teil der Handlung ist. An seiner Stelle haben wir Leser das Vergnügen mit seinem Cousin, Bastien. Bastien ist ein Duc; ein enger Vertrauter des Königs, der in seinem Auftrag die Rebellen infiltriert und seither mit einer sehr unklaren Motivation durchs Leben geht. Er ist kein uninteressanter Charakter, eher im Gegenteil. Er ist so nebulös, dass ich seine Motive bis zum Ende nicht ganz verstanden habe. Dass er allerdings der „Bösewicht“ ist, ist leider schon ab der ersten Begegnung klar. Tatsächlich ist es so hanebüchen offensichtlich, dass ich sogar hoffte, er sei nur eine Ablenkung, aber nein. Entschuldigt den Spoiler, aber all das ist schon nach dem ersten Kapitel offensichtlich… In Anbetracht dessen, dass „Rose und Rebell“ das erste Disney-Buch ist, das sich richtig erwachsen anfühlte, empfinde ich diesen kindlich offensichtlichen Antagonisten als einen ziemlichen Affront. Alles in allem ist „Rose und Rebell“ ein Buch mit vielen Problemen, dennoch ist die Geschichte nicht uninteressant. Der Schreibstil liest sich sehr schön, auch schätze ich all die originalen französischen Begriffe, die den reellen Bezug noch untermauern. Beliebte Nebencharakter wie Mrs. Potts, Tassimo, Cogsworth und Lumière sind gut getroffen und liefern den nötigen Charme. Die Lösung für die meisten Schwierigkeiten in diesem Roman wäre gewesen, wenn die Autorin sich auf eine Zielgruppe hätte einigen können. So herrscht allerdings stets eine Diskrepanz zwischen kindlicher Einfachheit und erwachsenen Themen. 2/5 Sterne.
2. Juli 2025
“Rose und Rebell” von Emma Theriault ist der Auftakt der „The Queen’s Council“-Reihe. Hierbei handelt es sich um eine weitere Buchreihe aus dem Hause Disney. Hier beantworten verschiedene Autor:innen die Frage, wie es nach dem Happy End mit unseren Prinzessinnen weitergeht. Den Anfang macht Belle. Belle und Lio (besser bekannt als das Biest oder Adam) sind frisch vermählt. Belle weigert sich jedoch, den Titel der Prinzessin anzunehmen. Die Welt hat das Fürstentum Aveyon nun aber lange genug ignoriert und erinnert sich wieder an den Prince Étranger, weswegen es an der Zeit ist, König Louis ihre Aufwartung am Hof von Versailles zu machen. Dort erwartet sie ein Paris in Aufruhr, wir befinden uns nämlich am Anfang der Französischen Revolution… Zunächst einmal liebe ich es, dass die Geschichte in einen realen historischen Kontext gesetzt wird. Absolut fantastisch! Dabei ist die Französische Revolution nicht nur eine Randnotiz, sondern Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. So sehr, dass Belle sogar versehentlich in den Mob gerät, der wenige Momente zuvor die Bastille gestürmt hat. Auf 352 Seiten lässt sich natürlich nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber ein ganz seichter historischer Diskurs ist eben doch vorhanden. Wer im Geschichtsunterricht geschlafen hat, könnte allerdings einige Referenzen überlesen. Das war es allerdings auch schon mit meinem Lob, kommen wir nun zum Negativen: Zunächst einmal habe ich mit „Rose und Rebell“ dasselbe Problem wie mit „Belle und das magische Buch“: in beiden Fällen ist es nicht die Belle, die wir kennen und lieben. Erneut wird auf dem Papier immer wieder betont, wie belesen und intelligent Belle doch ist. Stimmt, das ist schließlich Kanon. Blöd nur, dass auch diese Belle wieder nicht danach handelt. Wieso sollte eine so intelligente Frau, die sich das Beste für ihr Volk wünscht und ebenjene auch repräsentieren möchte, den Titel als Prinzessin und später dann ebenso als Königin ablehnen? In welcher Welt drückt Belle sich vor Verantwortung? Natürlich verstehe ich ihren inneren Konflikt, während sie sich als Bürgerliche plötzlich mit dem Adel befassen muss. Ebenso verstehe ich, dass Belle davon geträumt hat, die Welt zu bereisen und sich nun nicht an den Thron ebenjenes Fürstentums fesseln lassen möchte, dass sie so dringend verlassen will – doch dann hätte sie das Biest eben nicht heiraten dürfen. Dieser Konflikt hätte wunderbar vor der Hochzeit thematisiert werden können, aber nicht in einer Geschichte, die danach spielt. Ebenso bringt Theriault ein, dass sowohl Belle als auch Lio an PTBS leiden. Belle ist eben doch noch nicht ganz darüber weg, dass ihr Ehemann sie gegen ihren Willen in seinem Schloss eingesperrt hat und Lio leidet eben noch immer unter den Auswirkungen des Fluches und hat schreckliche Angst davor, wieder zum Biest zu werden. Ganz tolle Themen, wirklich, aber das Potenzial ist hier so verschenkt. Erneut hat Belle mit etwas zu kämpfen, mit dem sie sich VOR DER HOCHZEIT hätte auseinandersetzen müssen. So gefiel es mir zwar, dass sie Trigger hatte, die eben auch innerhalb der Geschichte ausgelöst wurden, hingegen weniger mochte ich ihren inneren Monolog, der Lio gegenüber stellenweise sehr unglücklich war. Zumal sie dann nicht das Gespräch mit ihrem Gatten sucht. Was mich zu einem weiteren Punkt führt, nämlich dem, dass Lio ca. 80% der Geschichte nicht anwesend ist. Also schön, dass Theriault sein Trauma anspricht, sich aber dann gar nicht damit befassen kann, da die traumatisierte Partei im Grunde kein Teil der Handlung ist. An seiner Stelle haben wir Leser das Vergnügen mit seinem Cousin, Bastien. Bastien ist ein Duc; ein enger Vertrauter des Königs, der in seinem Auftrag die Rebellen infiltriert und seither mit einer sehr unklaren Motivation durchs Leben geht. Er ist kein uninteressanter Charakter, eher im Gegenteil. Er ist so nebulös, dass ich seine Motive bis zum Ende nicht ganz verstanden habe. Dass er allerdings der „Bösewicht“ ist, ist leider schon ab der ersten Begegnung klar. Tatsächlich ist es so hanebüchen offensichtlich, dass ich sogar hoffte, er sei nur eine Ablenkung, aber nein. Entschuldigt den Spoiler, aber all das ist schon nach dem ersten Kapitel offensichtlich… In Anbetracht dessen, dass „Rose und Rebell“ das erste Disney-Buch ist, das sich richtig erwachsen anfühlte, empfinde ich diesen kindlich offensichtlichen Antagonisten als einen ziemlichen Affront. Alles in allem ist „Rose und Rebell“ ein Buch mit vielen Problemen, dennoch ist die Geschichte nicht uninteressant. Der Schreibstil liest sich sehr schön, auch schätze ich all die originalen französischen Begriffe, die den reellen Bezug noch untermauern. Beliebte Nebencharakter wie Mrs. Potts, Tassimo, Cogsworth und Lumière sind gut getroffen und liefern den nötigen Charme. Die Lösung für die meisten Schwierigkeiten in diesem Roman wäre gewesen, wenn die Autorin sich auf eine Zielgruppe hätte einigen können. So herrscht allerdings stets eine Diskrepanz zwischen kindlicher Einfachheit und erwachsenen Themen. 2/5 Sterne.
2. Juli 2025






