Romane

Die Stimmen von Marrakesch

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Über das Buch

Der Zufall führte Canetti 1954 als Begleiter eines Filmteams in ein bestürzend fremdartiges Land - nach Marrakesch. Erst aus der Distanz, nach seiner Rückkehr nach London, skizzierte er die Eindrücke dieser Reise. Die Aufzeichnungen sind kein Reisebericht im klassischen Sinn. Es sind Miniaturen von atmosphärischen Erscheinungen einer orientalischen Großstadt. Elias Canetti streift durch die arabischen und jüdischen Viertel der Stadt, atmet die seltsamen Gerüche, beobachtet die feilschenden Händler in den Suks und die Verkäuferinnen duftenden Brotes, vernimmt die Stimmen der Blinden, Bettler und zungenlosen Krüppel in den Slums, spürt die hilflose Kreatürlichkeit und Nähe des Todes vor den Kamelen mit ihren Schlächtern, staunt über die vielen Gesichter armer Juden in der Mellah, wird Zeuge intimster menschlicherVerhältnisse, sieht Bosheit, Armut und Prostitution und spürt nur die Sehnsucht, die Sehnsucht nach einem besseren Leben.

Editionen (10)

ISBN9783596221035
VerlagFISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum01.07.80
Seitenzahl96

Rezensionen & Bewertungen

33 Bewertungen

4 Rezensionen

3,6

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  • saszito
    saszito

    28 Follower

    4,5

    Als Hörbuch ein Mussgenuss

    Wir waren gerade das Drâatal hinaufgefahren und standen in Agdz (was passenderweise soviel wie Rastplatz heißt) vor der Entscheidung den Bus nach Marrakesch zu nehmen oder über den Atlas nach Agadir ans Meer zu fahren. Tatsächlich waren wir so traumatisiert von großen Städten, dass wir einen Ruhetag am "Rastplatz" einlegten und ich stattdessen zu diesem kleinen Büchlein griff. Beziehungsweise zum Hörbuch, welches meine Lieblingsbibliothek (VÖBB) zufälligerweise vorrätig hatte. Was war ich überrascht als ich bemerkte, dass der Text tatsächlich vom Autor eingelesen wurde. Ein merkwürdiges Gefühl beschlich mich anfangs als ich die knarzige Stimme mit dem leichten Wiener Dialekt vernahm. Doch sehr schnell begeisterte ich mich förmlich für die mehr als authentische Aufnahme. Das Blättern des Papiers, das keuschende Lispeln und die gesamte energische Performance. Da hätte inhaltlich eigentlich gar nicht mehr so viel geboten werden müssen. Wurde es aber. Allein die Beobachtungen über Kamele und Esel hätten schon gereicht, doch es kommen noch so viele hervorragend herausgeschälte Eigenheiten des marokkanischen Stadtlebens zur Vorstellung, so dass die knappen zweieinhalb Stunden viel zu schnell rum waren und zu einem der vorzüglichsten Hörleckerbissen seit langem wurde. Zu #proLandeinBuch u.v.m. beim Mutterschiff auf https://vivaperipheria.de/

    30. März 2024

  • roxxie.sixx
    roxxie.sixx

    38 Follower

    4,0

    detailed review coming soon So viele sanfte Worte, so eindringlich und doch so zurückhaltend. Canetti weiß, wie er eseine Leser in den Bann zieht. Liest man "Die Stimmen von Marrakesch" glaubt man diese Stimmen zu hören, die Gerüche der Stadt zu riechen und zu schmecken. Ein traumhaft schönes Buch einer Reise ins Unbekannte.

    23. Sept. 2022

3 von 4 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Elias Canetti

Elias Canetti, 1905 in Rousse (Rustschuk)/Bulgarien geboren, studierte nach Aufenthalten in England und Frankfurt Naturwissenschaften in Wien und schrieb seinen großen Roman »Die Blendung«. 1938 musste er Österreich verlassen und emigrierte mit seiner Frau Veza nach England, wo sein soziologisches Hauptwerk »Masse und Macht« entstand. Seit den späten 60er Jahren lebte er in London und Zürich, wo er 1994 starb. Elias Canetti erhielt 1981 den Nobelpreis für Literatur.

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