Romane

Die Marschallin

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Über das Buch

Zora del Buono hat von ihrer Großmutter nicht nur den Vornamen geerbt, sondern auch ein Familienverhängnis, denn die alte Zora war in einen Raubmord verwickelt. Ihre Geschichte und die Folgen bis heute erzählt dieser große Familienroman. Die Slowenin Zora lernt ihren späteren Ehemann, den Radiologieprofessor Pietro Del Buono, am Ende des Ersten Weltkriegs kennen. Sie folgt ihm nach Bari in Süditalien, wo sie, beide überzeugte Kommunisten, ein großbürgerliches und doch politisch engagiertes Leben im Widerstand gegen den Faschismus Mussolinis führen. Zora ist herrisch, eindrucksvoll, temperamentvoll und begabt, eine Bewunderin Josip Broz Titos, dem sie Waffen zu liefern versucht und dem ihr Mann das Leben rettet. Sie will mehr sein, als sie kann, und drückt doch allen in ihrer Umgebung ihren Stempel auf. Ihr Leben und das Leben ihrer Familie, ihrer Kinder und Enkelkinder, vollziehen sich in einer Zeit der Kriege und der Gewalt, erbitterter territorialer und ideologischer Kämpfe, die unsere Welt bis heute prägen. In einem grandiosen Schlussmonolog erzählt die alte Zora Del Buono ihre Geschichte zu Ende, eine Geschichte der Liebe, der Leidenschaft, des Hasses und des Verrats. "Die Marschallin" ist ein farbiger, lebenspraller Roman über eine unvergessliche Frau und ein fatales Familienverhängnis. "'Die Marschallin' setzt nicht nur einer faszinierenden, widersprüchlichen Figur ein Denkmal, sondern lässt eine ganze Epoche erstehen, und wir bewegen uns staunend durch eine Welt, in der Multikulturalität zum ganz selbstverständlichen Alltag gehörte." NZZ Bücher am Sonntag, Manfred Papst Umschlaggestaltung: Judith Schalansky, Berlin und Rothfos & Gabler, Hamburg Umschlagabbildungen: Lungomare di Bari (Historische Postkarte) und Portrait © Shutterstock, Everett Collection

Editionen (3)

ISBN9783406761232
VerlagC.H.Beck
Erscheinungsdatum16.07.20

Rezensionen & Bewertungen

28 Bewertungen

6 Rezensionen

3,9

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  • robins
    robins

    161 Follower

    3,5

    Mit Die Marschallin hat mich Zora del Buono zwiegespalten zurückgelassen. Einerseits war ich fasziniert von der außergewöhnlichen Lebensgeschichte ihrer Großmutter Zora, die als überzeugte Kommunistin mitten in den politischen Strömungen des 20. Jahrhunderts stand. Die Einblicke in ihr Leben und das Schicksal der Familie fand ich spannend und bewegend. Andererseits waren manche Passagen für mich langatmig, und durch die häufigen Zeitsprünge war ich stellenweise verwirrt und kam aus dem Lesefluss. Trotzdem hat mich die Mischung aus Biografie, persönlichen Erinnerungen und literarischer Erzählung beeindruckt – ein Buch, das gleichermaßen fordert und bereichert. Kein leichtes, aber ein interessantes Werk, das trotz Längen eine außergewöhnliche Lebensgeschichte greifbar macht.

    17. Sept. 2025

  • jtk_0701
    jtk_0701

    343 Follower

    3,5

    In meiner Kindheit hing im ehemaligen Jugoslawien in fast jedem Haus ein Bild vom „Maršal Tito“ an der Wand. Obwohl meine Eltern in Deutschland lebten, wurde die Tradition aus dem Heimatland weitergeführt und auch wenn er da hing, hatte ich immer das Gefühl, dass er dort hängen „muss“ und nicht weil sie ihn verehrten. Einige Jahre nach seinem Tod war das Bild abgehängt und plötzlich waren öfter auch kritische Worte über Tito zu hören. Daher war ich sehr neugierig, als ich „Die Marschallin“ von Zora del Buono entdeckt habe und hatte gehofft, einiges Neues über das ehemalige Jugoslawien und Tito kennenzulernen. Die Autorin erzählt hier die Geschichte von ihrer gleichnamigen Großmutter. Eine Frau, die in Slowenien geboren wurde, ihren späteren Ehemann dort kennenlernt, einen italienischen Radiologen und mit ihm nach Bari zieht. Sie ist überzeugte Kommunistin, verehrt den Marschall Tito und lebt trotz ihrer Liebe zum Sozialismus ein gutbürgerliches Leben in Italien. Ich hab vieles über Slowenien und der jugoslawischen Geschichte kennengelernt, einige Wissenslücken zu dem 1. und 2. Weltkrieg schließen können und manchen Unmut gegenüber Italien im Heimatland meiner Eltern verstanden. Habe eine wirklich resolute und kühle Frau kennengelernt, die nicht jedes Kind gleichermaßen liebt, keine andere Frau neben sich akzeptiert und dementsprechend eine furchtbare Schwiegermutter war. Alles sehr interessant und informativ und trotzdem hat es mich nicht ganz packen können. Manche Kapitel waren sehr nüchtern und distanziert geschrieben, wodurch ich manchmal das Gefühl hatte, ein Sachbuch zu lesen und andere Kapitel waren näher an den Personen dran und viel interessanter. Ich hätte gerne mehr über die Familiengeschichte gelesen, hätte gerne die ein oder andere Person etwas näher kennengelernt, kann aber verstehen, dass es einfacher ist, die eigene Familiengeschichte nüchtern und distanziert zu erzählen. Ich habe auch aufgezeigt bekommen, dass ein guter Grundgedanke wie „die Gleichheit für alle“ an der Machtgier des Menschen scheitern kann. Sowohl bei Tito als auch bei Zora. S.91 „2, 3, 1, dachte sie, wie jedes Mal, wenn sie die drei zusammen sah. Nie 1, 2, 3 (oder gar Davide, Greco, Manfredi), was normal gewesen wäre, das war ihr durchaus bewusst. Sie betrachtete ihre am Tisch sitzenden Söhne in ebendieser Reihenfolge und wunderte sich, warum sie Nr. 2 am liebsten mochte, dicht gefolgt von Nr. 3. Nur mit Davide, dem Erstgeborenen, haderte sie.“ S.185 „Manchmal spürte Zora diese italienische Überheblichkeit am eigenen Leib, es lebten kaum Slawen in Bari, sie wurde dann wegen ihres Akzents argwöhnisch beäugt, auf dem Markt zum Beispiel, Mussolinis Propagandamaschine funktionierte, die Slawen wurden nun als minderwertige Rasse von den Italienern angesehen, als barbarische Untermenschen.“

    23. Sept. 2024

  • monerl
    monerl

    85 Follower

    4,0

    Meine Meinung Ein Buch, das sich für mich schwer in Worte fassen lässt. Es ist anders als erwaratet, es hat mir sehr gut gefallen und doch hat mir zum Ende hin ein bisschen was gefehlt. Vorneweg möchte ich erwähnen, dass dieses Buch den größtmöglichen Lesegenuss entfaltet, wenn man sich in irgendeiner Weise für Politik interessiert, denn hier geht es um die Liebe einer Frau zum Kommunismus, um die Entwicklung des Kommunismus in Italien und dem ehemaligen Jugoslawien, das nach dem 2. Weltkrieg gegründet wurde. Es geht sogar darüber hinaus, denn Zora Del Buono, die Großmutter der Autorin Zora del Buono, verfällt, wie auch viele andere, dem Personenkult um Josip Broz, Tito genannt, dem jugoslawischen Staatsoberhaupt auf Lebenszeit. Tito stellte sich gegen Stalin und begründete damit den Titoismus, einen kommunistischen Parallelentwurf zum Stalinismus. Zora Del Buono, in Slowenien geboren, heiratete den italienischen Radiologen Pietro Del Buono und zog zu ihm nach Bari, wo sie trotz ihrer kommunistischen Einstellung sehr großbürgerlich und gut betucht in einer Villa lebte und herrschte. Ich habe durch dieses Buch sehr viel über die Zeit des 1. und des 2. Weltkriegs, bezogen auf Slowenien und Italien, gelernt. Dies weckte mein Interesse das Gelesene zu vertiefen, sodass ich zwei Tage lang im Internet über Slowenien und Italien ab 1900, Tito und die Gründung und Auflösung Jugoslawiens gelesen und recherchiert habe. Ausgangspunkt dieses besonderen Familienromans ist Zora, ihr Mann und ihre Söhne. Schwiegertöchter wollte sie eigentlich nicht und versuchte alles, die Familie so lange wie möglich Schwiegertochter-frei zu halten. Sie wollte das “Zepter” nicht weggeben, denn Frauen im allgemeinen konnte es ihr nicht recht machen, waren ihr nicht ebenbürtig. Die Schwiegertöchter schon gar nicht. Sie wollte “ihre” Männerdomäne nicht teilen. Im Laufe des Romans erfahren die Leser*innen einiges über viele Familienmitglieder, Nachbarn und Freunde. Ein buntes Potpourri an Menschen und Schicksalen. Und dann geschieht am 24. Juli 1948 etwas, das Zora Del Buonos Meinung nach der Wendepunkt in ihrem Leben war, an dem sie nicht ganz unschuldig war. Zwischen September 1948 und Februar 1980 gibt es dann einen Bruch. Eine Lücke, die Zora im zweiten Teil bruchstückhaft durch einen Monolog schließt. Sie ist alleine nach Slowenien zurückgekehrt und lebt verarmt in einem Altersheim in Nova Gorica, denn sie konnte die Demenz ihres Ehemannes nicht ertragen, der wiederum in einem gehobenen Altersheim in Bari seinen Lebensabend verbringt. Dieser zweite Teil jedoch war mir einfach zu kurz und zu abgehackt abgehandelt. Ich hätte mir hier mehr “Roman” gewünscht, der den ersten Teil geschmeidiger ausgleiten lässt. Manch eine Andeutung hätte ich gerne ausführlicher betrachtet. Über dem ganzen schwebt die eigenartige Verliebtheit in Tito, die ich mir aus dem Buch heraus nicht sehr gut herleiten konnte, außer, dass die slowenische Herkunft Zoras dabei die größte Rolle spielen könnte. Fazit Ein spannender und faszinierender Roman, mit einem recht unbekannten Setting und einer im (europäischen) Westen recht unbekannten Historie. Sprachlich herausragend und sehr gut lesbar, ein echter Tipp wenn es um historische, besondere Romane geht.

    28. Okt. 2022

3 von 6 Rezensionen

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