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Die Kunst des Liebens

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Über das Buch

In seinem vielleicht wichtigsten Buch diskutiert der Psychoanalytiker Erich Fromm die Liebe in alle ihren Aspekten: nicht nur die von falschen Vorstellungen umgebene romantische Liebe, sondern auch Elternliebe, Nächstenliebe, Erotik, Eigenliebe und die Liebe zu Gott.

Editionen (12)

ISBN9783548377513
VerlagUllstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum17.11.17
Seitenzahl224

Rezensionen & Bewertungen

206 Bewertungen

26 Rezensionen

3,9

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  • readzilla
    readzilla

    146 Follower

    4,5

    Liebe ist keine Anleitung – sondern eine Entscheidung

    "Die Kunst des Liebens" von Erich Fromm ist kein Buch, das einem zeigt, wie man liebt. Schon zu Beginn räumt Fromm mit einer Erwartung auf, die viele Leser unbewusst mitbringen: Dieses Buch ist keine Anleitung, kein Rezept, kein schneller Weg zum Glück. Vielmehr ist es eine Einladung zur Auseinandersetzung – mit der Liebe, aber vor allem mit sich selbst: „Lieben ist eine persönliche Erfahrung, die jeder nur für sich allein haben kann.“ Und genau diese Haltung zieht sich durch jede Seite. Fromm, einer der bedeutendsten Psychoanalytiker des 20. Jahrhunderts, schreibt in einem sachlichen, fast nüchternen Ton – und schafft es dennoch, tief zu berühren. Gerade weil er nicht emotional ausschmückt, sondern analysiert, wirken seine Gedanken umso klarer und nachhaltiger. Es ist diese ruhige, durchdachte Stimme, die einen immer wieder innehalten lässt. Besonders eindrücklich ist seine Theorie der Liebe: Liebe ist für ihn kein Gefühl, das uns einfach widerfährt, sondern eine Fähigkeit – eine Kunst, die Disziplin, Reife und Bewusstsein erfordert. Eine Sichtweise, die zunächst fast ernüchternd wirkt, aber beim Weiterlesen eine ungeheure Tiefe entfaltet. Auch der Gedanke der Selbstliebe bleibt hängen. Nicht als egoistische Abgrenzung, sondern als Voraussetzung dafür, überhaupt lieben zu können. Fromm stellt hier unbequeme Fragen: Wie kann man andere wirklich lieben, wenn man sich selbst nicht annimmt? Ein weiterer spannender Aspekt ist seine Betrachtung der erotischen Liebe – oft romantisiert, von ihm jedoch differenziert und kritisch beleuchtet. Er zeigt, wie schnell sie mit Besitzdenken oder Illusion verwechselt wird und wie anspruchsvoll echte Verbindung eigentlich ist. Dieses Buch fordert. Es konfrontiert. Und es bleibt. Nicht, weil es einfache Antworten gibt – sondern weil es die richtigen Fragen stellt. Am Ende steht kein „So funktioniert Liebe“, sondern ein stilles Verständnis dafür, dass Liebe Arbeit ist. Entscheidung. Haltung. Und genau deshalb ist dieses Werk kein gewöhnliches Buch, sondern ein echtes Meisterwerk, das man nicht nur liest – sondern über lange Zeit mit sich trägt. Eine klare Empfehlung für alle, die bereit sind, Liebe nicht nur zu fühlen, sondern wirklich zu begreifen.

    Liebe ist keine Anleitung – sondern eine Entscheidung

    20. Apr. 2026

  • manssur
    manssur

    36 Follower

    5,0

    Liebe ist das Erwachen des Herzens aus der Einsamkeit des Ichs.

    Es ist kein Buch über die Liebe als bloßes Gefühl, sondern über die Liebe als innere Reifung des Menschen. Fromm macht deutlich, dass der moderne Mensch meist nicht fragt, wie er lieben soll, sondern wie er geliebt werden kann. Darin liegt bereits die Verirrung: Die Liebe wird nicht mehr als Kraft der Seele verstanden, die aus dem Inneren hervortritt, sondern als Suche nach einem begehrenswerten Objekt. Gerade hierin liegt die Tiefe des Buches. Der Mensch begehrt oft nicht die Liebe selbst, sondern das, was durch den anderen versprochen wird: Bestätigung, Sicherheit, Schönheit, Status, Geld, Macht oder gesellschaftliches Ansehen. Der Mann blickt auf Reiz, Jugend und Erscheinung, die Frau auf Rang, Schutz und Geltung - so zumindest in den Mustern einer Welt, die selbst die Liebe dem Geist des Marktes unterwirft. Was heilig sein könnte, wird zur Ware; was Begegnung sein sollte, wird zum Tausch. Fromm legt offen, dass hinter dieser Verformung ein tieferes Drama steht: die Einsamkeit des Menschen. Liebe erscheint hier als der Versuch, die eigene Abgetrenntheit zu überwinden, aus der inneren Verbannung des Ichs herauszutreten und wieder Verbindung zu finden - mit dem anderen, mit der Welt, vielleicht sogar mit dem Sein selbst. Doch wahre Liebe entsteht nicht aus Mangel allein. Sie ist keine Flucht, kein Besitz, keine Verschmelzung aus Angst, sondern eine Kunst der Gegenwart, der Verantwortung und der inneren Weite. So liest sich dieses Werk wie eine stille Mahnung an den modernen Menschen, der sich selbst, seine Mitmenschen und die Natur entfremdet hat. Die Kunst des Liebens erinnert daran, dass Liebe kein Zufall ist, der über uns kommt, sondern eine Form des Werdens. Nicht das Finden des richtigen Menschen ist die höchste Frage, sondern die Verwandlung des eigenen Herzens in einen Ort, von dem aus Liebe überhaupt möglich wird.

    Liebe ist das Erwachen des Herzens aus der Einsamkeit des Ichs.

    9. März 2026

  • dumbcuzimblonde
    dumbcuzimblonde

    8 Follower

    5,0

    🎀Liebe kann ohne dieses Werk nicht auf einer tiefgreifenden Ebene verstanden werden, jede*r der ahnt zu verstehen, versteht nicht, ohne je diese Analyse gekostet zu haben. 🎀

    ⭐️„Wenn ich zu einem anderen sagen kann: ‚Ich liebe dich‘, muss ich auch sagen können: ‚Ich liebe in dir auch alle anderen, ich liebe durch dich die ganze Welt, ich liebe in dir auch mich selbst.‘“ (vgl. S.59) ⭐️ Jede gegenwärtige Literatur über Liebe, ob es Bell Hooks oder Seyda Kurt sei, beide beziehen sich auf diesen fundamentalen Grundbaustein den Erich Fromm gelegt hat. Jeder der denkt ‚Liebe‘ und ‚lieben‘ verstanden zu haben, fordere ich hier heraus, sich des eigenen nicht Verstehens bewusst zu werden und sein Wissen auf einer tieferen Ebene zu erweitern und sich auf dieses Gesellschaftskritische Werk einzulassen. Durch Fromm tauchen wir in eine Welt der Psychoanalyse ein, es lassen sich Fragen stellen: Wie haben unsere Eltern und unsere kindheitlichen Prägungen Einfluss auf unsere eigene Liebesfähigkeit? Er bleibt aber nicht nur auf dieser individuellen Ebene, sondern bezieht die Problematik der Liebe auf die Menschliche Existenz, wie diese die gegenwärtige Problematik der Liebe bedingt. ⭐️ANMERKUNG⭐️ Bei dem Lesen der Theorie ist es wichtig anzumerken, dass das Werk 1956 veröffentlicht wurde und dementsprechend, aus heutiger Perspektive veraltete Rollenbilder und Klischees reproduziert, mit einem Funken kritischer Reflexionsfähigkeit, kann dieses Buch dennoch ohne Probleme gelesen werden. Ich empfehle nach diesem Buch, eine feministischere Perspektive auf Liebe zu lesen, eine Empfehlung meinerseits wäre da „Lieben lernen“ von Bell Hooks.

    11. Feb. 2025

3 von 26 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Erich Fromm

Erich Fromm wurde am 23. März 1900 in Frankfurt am Main als Kind orthodox-jüdischer Eltern geboren. Nach Studien der Psychologie, Philosophie und Soziologie - seine Lehrer waren Alfred Weber, Karl Jaspers und Heinrich Rickert - und der Promotion über Das jüdische Gesetz (1922) unterzog er sich in München und Berlin einer Ausbildung als Psychoanalytiker. Von 1930 an gehörte er zu jenem Kreis um Max Horkheimer, der später als "Frankfurter Schule" bekannt wurde. 1934 emigrierte Fromm in die Vereinigten Staaten, 1949 siedelte er nach Mexiko über, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1956 eine Professur innehatte. Seinen Lebensabend verbrachte er in Locarno. Erich Fromm starb am 18. März 1980.

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