Blick ins Buch

Romane

Die Fabrik

3,5(37)
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Über das Buch

Mit Anklängen an Franz Kafka und Han Kang erzählt Hiroko Oyamada vom tiefen Unbehagen an einer Welt, in der sich die Beziehung des Menschen zur Arbeit grundlegend verändert.

Die Fabrik ist ein schier unüberschaubar großes Gelände in einer namenlosen japanischen Stadt. Die Angestellten widmen sich den ihnen zugewiesenen Aufgaben, den höheren Zweck kennen sie nicht. Drei junge Menschen wurden vor Kurzem eingestellt: eine Frau, die einen Papierschredder bedient, ein Mann, der nicht näher spezifizierte Dokumente Korrektur liest, ein dritter, der sich einem rätselhaften Begrünungsprojekt widmen soll und zunächst die Moosarten studiert, die auf dem weitläufigen Gelände wachsen.

Während sie gewissenhaft ihrer Arbeit nachgehen, nehmen die Tage eine seltsame Logik und Dynamik an. Die Fabrik scheint sich immer mehr auszudehnen, die Ränder der Realität nach und nach aufzulösen. Wo endet die Fabrik, wo beginnt der Rest der Welt? Was hat es mit den seltsamen Tieren auf sich? Nach Wochen (oder sind es Jahre?) stellen alle drei sich schließlich die grundlegendste aller Fragen: Warum bin ich hier?

Die Fabrik ist ein Roman über das Beunruhigende hinter der Oberfläche einer Welt, die wir nicht mehr verstehen. Auch für alle Fans der TV-Serie Severance !

ISBN9783498007942
VerlagRowohlt
Erscheinungsdatum27.01.26
Seitenzahl160

Merkmale

1 Bewertungen

VariabelEinfachMinimalistischVerstörendTraurigGruselig

Rezensionen & Bewertungen

37 Bewertungen

8 Rezensionen

3,5

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  • melurian
    melurian

    264 Follower

    3,5

    Sinn und Zweck

    Eine Fabrik in Japan und drei Mitarbeiter, die wir in ihren unterschiedlichen Arbeitsbereichen begleiten. In die eigentliche Produktion, wobei niemand genau zu wissen scheint, was hier hergestellt wird, auf dem unendlich großen Gelände sind sie nicht involviert und gehen Tag für Tag einer sinnentleerten Aufgabe nach, die immer wieder die Frage nach einer erfüllenden Arbeit und dem Zweck eines jeden Tuns aufwirft. Der Text bewegt sich an der Grenze zur Illusion und der Erzählton ist eher leise, wobei eine dichte Atmosphäre gewoben wird. Das Buch lädt zum Nachdenken ein und hinterfragt unsere moderne Arbeitswelt.

    4. Apr. 2026

  • crura
    crura

    127 Follower

    3,5

    Ein Buch wie ein David Lynch Film – Über die sinnentleerte Arbeitswelt (World-Challenge 13|194, neu 🇯🇵)

    „Was mache ich eigentlich hier?“ – selten wurde diese Frage so konsequent beleuchtet wie in „Die Fabrik". Hiroko Oyamada treibt diese Sichtweise auf die Arbeitswelt ins Extrem: Die titelgebende Fabrik verschlingt das Leben der Mitarbeiter:innen, scheint keine räumlichen Grenzen zu haben und ist technisch veraltet – von dem Pioniergeist eines Silicon Valleys ist hier keine Spur. Drei Figuren gehen dort ihrer sinnentleerten Arbeit nach. Eine schreddert jeden Tag Papiere, einer korrigiert unermüdlich Texte, ohne deren Sinn zu verstehen und der Dritte wird beauftragt, die Dächer mit Moosen zu begrünen – doch eine Deadline gibt es nicht und eigentlich soll er ruhig erst einmal Moose klassifizieren und Moostouren mit Kindern veranstalten. Die Arbeitswelt wird hier nicht satirisch überzeichnet, sondern eher düster dargestellt. Dabei sind die Protagonist:innen nicht ablehnend gegenüber ihrer Tätigkeit, sondern eher verwirrt aufgrund ihrer Ineffizienz. Manche Tätigkeiten werden penibel genau geschildert (z.B. die Funktionsweise eines Schredders über eine Seite) und auch private Treffen scheinen immer in der Firma stattzufinden. Gibt es überhaupt noch eine Welt da draußen? Es gibt einige sich wiederholende Themen. Die Charaktere essen enorm viel und gerne; Konsum scheint das einzige Ziel zu sein, dem sie sich widmen können, um der Arbeit in der Fabrik Sinn zu geben. Zeitebenen lösen sich auf – so springt eine Handlung ohne Überleitung in die nächste über, teilweise mehrere Jahre später. Die Arbeitswelt wirkt somit quälend lang und hat das Individuum komplett für sich eingenommen. Unterstützt wird dies durch Oyamadas Schreibstil, der von detailreichen Beschreibungen und einem düsteren Grundton geprägt ist. Besonders dominant ist das Thema der Natur, denn die Fabrik hat ein eigenes Ökosystem gebildet. Es gibt dort Tiere, die sich speziell an die Fabrik angepasst haben: Graufell-Nutrias, Waschmaschinen-Echsen, Fabrik-Kormorane. Sie sind bewusst verzerrt dargestellt und lösen Unbehagen aus. Dies wird durch einen Tierkatalog, der über 14 Seiten geht (fast 10 % des Buches), auf die Spitze getrieben. Gerade die Kormorane lösen eine Faszination aus, denn sie scheinen die Arbeiter:innen zu symbolisieren: Sie stehen bedrohlich herum, kommunizieren nicht miteinander, sind unfähig zu fliegen. Gefangen in einem System der Sinnlosigkeit. Oyamadas Text regt an, doch einige Passagen konzentrieren sich zu stark auf das Thema der Sinnlosigkeit. Auch wenn mir die Lektüre durchaus Spaß gemacht hat, bleibt die Allegorie überraschend eindimensional: Wie ist das Verhältnis der Menschen zum Kapitalismus? Welche Rolle spielt die Technisierung? Welche Hierarchien und Machtverhältnisse bestehen und wie wird mit Mental Health umgegangen? Diese Aspekte hätten dem Buch noch mehr Tiefe verliehen. Dennoch halte ich „Die Fabrik“ für lesenswert.

    Ein Buch wie ein David Lynch Film – Über die sinnentleerte Arbeitswelt
(World-Challenge 13|194, neu 🇯🇵)

    17. Apr. 2026

2 von 8 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Hiroko Oyamada

Hiroko Oyamada wurde 1983 in Hiroshima geboren, wo sie heute noch mit ihrer Familie lebt. Nach ihrem Studium der Japanischen Literatur arbeitete sie in wechselnden Jobs, unter anderem bei einem Autohersteller. Diese Erfahrung diente ihr als Inspiration für ihren Debütroman Kōjō (2013; deutsch: Die Fabrik), für den sie zahlreiche Preise erhielt und der nun erstmals auf Deutsch vorliegt. Für ihren zweiten Roman Ana (2014; 2024 auf deutsch: Das Loch) erhielt sie den Akutagawa-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung in Japan. Ihre Werke wurden bereits in mehrere Sprachen übersetzt. 2025 erschienen in Japan zwei neue Bücher von ihr, darunter ein Familienroman über die Erinnerungen an die Zeit der Atombombenabwürfe und des Pazifischen Kriegs.

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