Blick ins Buch

Romane

Der Keim

4,0(33)
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Über das Buch

Tarjei Vesaas (1897–1970) beschreibt in »Der Keim« eine Gruppe von Inselbewohnern, die eine verschworene Gemeinschaft bilden. Ein Neuankömmling auf der Insel bricht in dieses fest gefügte familiäre Miteinander ein und wirft einen dunklen Schatten auf den sonnigen Sommertag. Sein triebhafter Wahnsinn lässt ihn zum Mörder werden – der Mord führt unvermeidlich zu einem zweiten, und die ganze Insel lädt Schuld auf sich. Vesaas schrieb »Der Keim« 1940, einige Jahre vor seinen berühmten Romanen, und leitete nach einem naturalistischen Frühwerk damit die Phase symbolstarker, poetisch verknappter Prosa mit enormer psychologischer Intensität ein. Im Hintergrund klingt noch der traditionelle skandinavische Kollektivroman der Zwischenkriegszeit an. Besonderen Reiz gewinnt das Buch durch sein Entstehungsjahr: 1940 befindet sich Norwegen unter nazideutscher Okkupation, der düstere Eindringling und die Reaktion der Gemeinschaft stehen unter politischen Vorzeichen. Kein zweiter Autor ist in der Lage, das Unbeschriebene und Unausgesprochene mit solch einer Spannung aufzuladen wie Tarjei Vesaas. Und kein zweiter Autor kann sich derart in seine Figuren einfühlen und eine Nähe erzeugen, die einen bei der Lektüre geradezu körperlich erfasst. Vesaas’ sparsame, aber umso eindringlichere Erzählweise lässt jede einzelne Szene, jeden Satz und jede innere Regung zum Ereignis werden, und Hinrich Schmidt-Henkel gelingt in der Übersetzung das Kunststück, dieses filigrane Spiel von Andeutung und Auslassung, von Zurückhaltung und Übersprungshandlung haarfein nachzubilden.

Editionen (1)

ISBN9783945370391
VerlagGuggolz Verlag
Erscheinungsdatum28.02.23
Seitenzahl240

Rezensionen & Bewertungen

33 Bewertungen

7 Rezensionen

4,0

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  • devouressofbooks
    devouressofbooks

    86 Follower

    5,0

    Wahnsinn im wahrsten Sinne

    Wie schon das "Eis-schloss" war dieses Buch ein Meisterwerk. Ich überlege, wie man eine Situation so treffend darstellen kann wie dieser Autor. Obwohl man über die Charaktere kaum etwas weiss, fühlt man sich richtig in jede Szene hinein. Vielmehr kann ich dazu nicht sagen. Ich finde, man sollte eines seiner Bücher in der Schule lesen müssen

    18. Dez. 2025

  • johneffeff
    johneffeff

    8 Follower

    4,5

    Kann Rache gerecht sein?

    Tod, Sünde und Reue stürzen über die friedliche und fruchtbare Insel herein und zeigen wie furchtbar, zerbrechlich, brutal und machtlos der Mensch ist. Die Prosa von Tarjei Vesaas ist besonders und intensiv, nimmt gefangen und macht befangen und entlässt den Leser mit der Morgendämmerung erschrocken aber nicht ganz hoffnungslos.

    Kann Rache gerecht sein?

    1. Juni 2025

  • mistylandschaft
    mistylandschaft

    4 Follower

    3,5

    Stechend karg und gewitzt übersetztes Gedankenexperiment über die Traglast der Schuld

    Tarjei Vesaas ist mein go-to Autor geworden, wenn ich Leuten was empfehlen will. Ich hoffe es finden weitere Übersetzungen statt, denn die aktuell drei verfügbaren sind so kohärent wortkarg, aber bestechend geschrieben. Genau das richtige für mich, der wenig mit überschwänglichen Beschreibungen umgehen kann. Hier nun ein Roman als Fragestellung, wie man mit Schuld umzugehen hat. Sowohl als (Mit)täter oder Angehöriger schafft es Vesaas, die enge Gesellschaft der Insel und das von Arbeit bezogene Leben darzustellen. Wenn nun diese Zäsur stattfindet, was ist alles denn noch wert? Leider fand ich es nicht so spannend wie z.B. Die Vögel. Da ich aber alles von Vesaas auf deutsch gelesen habe, bin ich umso gespannter, was es noch alles von ihm geben wird.

    13. Sept. 2025

3 von 7 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Tarjei Vesaas

Tarjei Vesaas (1897–1970) war der älteste Sohn eines Bauern in Vinje/Telemark, dessen Familie seit 300 Jahren im selben Haus lebte. Vesaas wusste früh, dass er Schriftsteller werden wollte, verweigerte die traditionsgemäße Übernahme des Hofes und bereiste in den 1920er und 1930er Jahren Europa. 1934 heiratete er die Lyrikerin Halldis Moren und ließ sich bis zu seinem Tod 1970 in der Heimatgemeinde Vinje auf dem nahe gelegenen Hof Midtbø nieder. Vesaas verfasste Gedichte, Dramen, Kurzprosa und Romane, die ihm internationalen Ruhm einbrachten. Er schrieb seine Romane auf Nynorsk, der norwegischen Sprache, die – anders als Bokmål, das »Buch-Norwegisch« – auf westnorwegischen Dialekten basiert. Abseits der Großstädte schuf Vesaas ein dennoch hochmodernes, lyrisch-präzise verknapptes Werk mit rätselhaft-symbolistischen Zügen, für das er mehrmals für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde. Seine berühmtesten Bücher sind »Das Eis-Schloss« und »Die Vögel«, das Karl-Ove Knausgård als »besten norwegischen Roman, der je geschrieben wurde« bezeichnete.

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