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Der Antichrist

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Über das Buch

»Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt – ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen …«, so Friedrich Nietzsche (1844–1900) am Ende dieses Buches. Polemisch, streitbar und sprachgewaltig formuliert er in 62 Abschnitten die Kernthesen seiner fundamentalen Kritik des Christentums. Auf unnachahmliche Weise bündelt der große Philosoph hier die Argumente seiner früheren Werke zu einer letzten vehementen Abrechnung mit der mächtigsten Wurzel europäischer Kultur. »Der Antichrist« erschien erstmals 1895, entstand jedoch schon 1888. Nur wenige Monate nach dessen Fertigstellung fiel Nietzsche in die geistige Umnachtung.

Editionen (23)

ISBN9783866473096
VerlagAnaconda Verlag
Erscheinungsdatum31.07.08
Seitenzahl96

Rezensionen & Bewertungen

65 Bewertungen

4 Rezensionen

3,8

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  • cupcake_kathi
    cupcake_kathi

    130 Follower

    4,0

    ​In seinem Spätwerk „Der Antichrist“ zieht Friedrich Nietzsche mit einer beispiellosen intellektuellen Wucht gegen das Christentum und die etablierte Moral der westlichen Welt zu Felde. Wer hier jedoch eine reine, plumpe Provokation erwartet, unterschätzt den philosophischen Scharfsinn des Autors. Nietzsche geht es nicht um die historische Figur Jesus, den er eher als weltfremden Visionär beschreibt, sondern um die Machtstrukturen der Kirche und das, was er als „Sklavenmoral“ bezeichnet. Seine zentrale These: Das Christentum habe die gesunden, lebensbejahenden Instinkte des Menschen – wie Stolz, Stärke und Lebensfreude – in Sünden umgedeutet und stattdessen Schwäche, Mitleid und Selbstverleugnung idealisiert. Vor allem der Apostel Paulus gerät in sein Visier, da er die ursprüngliche Botschaft der Liebe in ein System aus Schuld und Jenseitsdrohungen verwandelt habe. ​Das Buch ist ein absoluter Pageturner der Philosophiegeschichte. Nietzsches Sprache ist hochexplosiv, voller Energie und sprachlicher Brillanz; jedes Kapitel fühlt sich an wie ein Hammerschlag gegen vermeintliche Gewissheiten. Seine psychologische Entlarvung von Motiven wie Neid und Ressentiment hinter moralischen Fassaden ist bis heute faszinierend und regt extrem zum Nachdenken an. Einen halben Stern Abzug gibt es von mir lediglich für die extreme Polemik: Manchmal verliert sich Nietzsche so sehr in seinem Furor, dass er jegliche Nuancen vermissen lässt und das Christentum stark verkürzt darstellt. Dennoch ist dieses Werk ein zeitloser, augenöffnender Klassiker, der rücksichtslos die Fundamente unserer Kultur hinterfragt. Ein absolutes Must-Read für alle, die sich auf unbequeme Denkanstöße einlassen wollen!

    25. Mai 2026

  • jaded_jan
    jaded_jan

    23 Follower

    3,5

    Und also verneint der Mensch das Christliche und nennt sich christlich.

    Nietzsches Antichrist ist kein theologisches Buch. Es ist ein provokantes Werk, ein polemisches Werk, ein idiotisches Werk (im alten Sinne: Idios. So wie er Jesus nannte). Ein Schlag gegen die Bequemlichkeit und die moralischen Gesetze, in denen wir uns eingerichtet haben. Ein Appell an die menschlichen Instinkte. Doch die Grundlage seiner Kritik ist erschreckend nachvollziehbar: Mit dem Antichrist zwingt er den Leser, die Maske des christlichen Idealismus zu zerbrechen, gar der Idealismus als solcher — eben weil dies den Menschen schwächt. Weniger die Religion ist das Ziel, als den Menschen selbst. Der Mensch der die Autorität Jesu missbraucht. Das „Christ-sein” nütze der Priester als Titel, als ein Mantel, um seine Machtlust auszukosten — in Form einer Institution: der Kirche. Geradezu sei die Kirche nicht die Fortsetzung Jesu, sondern dessen Gegenpol. Darum behauptet Nietzsche: „Im Grunde gab es nur einen Christen, und der starb am Kreuz.“ Eine solche Aussage erfordert nicht nur Mut, sondern auch geschickte Rhetorik. Nietzsche weitet seine Kritik aus: auf Gott, Moral, Schuld, Sünde; auf Kant, den letzten großen Gesetzgeber der Pflicht; auf den Idealismus, welches dasselbe Muster wie das Christentum aufweist. Alles, was Europa „erhöht“ hat, sei in Wahrheit eine raffinierte Form der Verneinung. Weniger dekadent hingegen sei der Buddhismus (zwar sei auch der nihilistisch und verfallen, da es die Welt mit ihr Leid als schlecht erklärt), aber hier erfindet er keine metaphysische Strafe, um Macht auszuüben. Kein moralischer Zeigefinger, kein Drama um Schuld. Der Antichrist ist unsympathisch und unversöhnlich — genau deshalb notwendig. Verständlich, wenn man solch ein Buch nicht als sein Lieblings nennt.

    Und also verneint der Mensch das Christliche und nennt sich christlich.

    2. Dez. 2025

  • melih
    melih

    30 Follower

    4,0

    Guter Einblick in Nietzsches Ablehnung gegenüber das Christentum

    Nachdem man seine grundlegenden Werke wie z.B. Zarathustra gelesen hat, bietet „Der Antichrist“ einen tieferen Einblick in die Gründe, wieso Nietzsche Religionen, und speziell das Christentum, verachtet. Es ist auch stets der zeitliche Kontext, in der er dieses Buch verfasst hat, zu beachten, denn da hat Religion noch eine größere Rolle in der Gesellschaft gespielt.

    2. Aug. 2025

3 von 4 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche (1844–1900) stammt aus einer pietistischen Pfarrersfamilie. Nach dem frühen Tod des Vaters wurden ihm Mutter und Schwester zu Hauptadressaten daheim in Naumburg. So sehr er sich in Denken und Fühlen auch von allen Ursprüngen entfernte, bis zu seiner geistigen Umnachtung 1888 und der damit einhergehenden Heimkehr in den Schoß der Familie hielt er den Briefverkehr mit Franziska Nietzsche aufrecht.

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