
343 Follower
Ich hab „Die Ungelebten“ von Caroline Rosales gelesen und sehr gemocht. Deshalb wollte ich unbedingt mehr von der Autorin lesen. In „Das Leben keiner Frau“ ist die Protagonistin unglaublich unsympathisch und trotzdem bin ich ihr gern gefolgt. Der Anfang war schwer, da so schonungslos, zynisch und ehrlich über Alter, Sex, Wechseljahre, schlechte Mutter-Tochter-(Frauen-)Beziehungen und Feminismus erzählt wird, dass ich nicht sicher war, ob ich das so lang aushalten kann. Aber ich konnte es! Und das sogar sehr gut! Melanie ist 50 geworden und schon auf ihrer Geburtstagsparty, mit der diese Geschichte beginnt, habe ich schnell die unsympathische Seite dieser „Alten-weißen-Frau“ erkannt. Als Frau fand ich sie sehr ich-Bezogen und bewertend, als Mutter grausam, als Tochter egoistisch und als stellvertretende Chefredakteurin hätte ich mir mehr Support für die neue junge Kollegin gewünscht. Und trotzdem hab ich auch gleichzeitig herausgelesen, dass hinter jedem „Biest“ eine Person mit Verletzungen, Vorstellungen und Erfahrungen steckt. Nein, ich fand Melanie dadurch nicht sympathischer, sondern nachvollziehbarer. Ich habe unterschiedliche feministische Sichtweisen dargestellt bekommen und ich würde behaupten, dass jede Frau versucht, auf ihre eigene Art und Weise, sich aus den Fesseln des Patriarchats zu befreien, aber leider dennoch in den Strukturen gefangen bleibt. Das Buch hat mich sehr gut unterhalten. Definitiv kein „Wohlfühlroman“, sondern sehr provokant. Von mir eine Empfehlung für alle, die auch mit Antiheldinnen zurechtkommen. S.47 „Das Wort Wechseljahre zu hören, fühlt sich an, als würde man in eine Sackgasse einbiegen. Die Wechseljahre sind schambehaftet, nicht erzählbar, sie gehören verdrängt. Das Leben einer Frau ist von Geburt an fremdbestimmt, gesellschaftlich genormt und vorgezeichnet, von der Jugend über die Mutterschaft bis zum Ende ihrer fruchtbaren Tage.“ S.164 „Schlechte Mutter, schlechte Tochter, schlechte Feministin. Zu dünn, um gesund zu sein. Zu ungesund, um als Vorbild zu taugen. Keine Geliebte, keine Ehefrau, keine Freundin. Ich bin als gar keine Frau gut. Mein Leben ist das Leben keiner Frau.“ S.174 „Aber seit deiner Geburtstagsfeier überspannst du den Bogen. Auch die Sache mit August. Er ist ein connard, das weiß jeder, aber was fängst du auch was mit einem direkten Kollegen an? Du bist immerhin in der Führungsetage. Dieser ganze #MeToo-Kram gilt auch für Frauen wie dich. So eine hirnlose Affäre hattest du gar nicht nötig.“
3. Jan. 2026
Ich hab „Die Ungelebten“ von Caroline Rosales gelesen und sehr gemocht. Deshalb wollte ich unbedingt mehr von der Autorin lesen. In „Das Leben keiner Frau“ ist die Protagonistin unglaublich unsympathisch und trotzdem bin ich ihr gern gefolgt. Der Anfang war schwer, da so schonungslos, zynisch und ehrlich über Alter, Sex, Wechseljahre, schlechte Mutter-Tochter-(Frauen-)Beziehungen und Feminismus erzählt wird, dass ich nicht sicher war, ob ich das so lang aushalten kann. Aber ich konnte es! Und das sogar sehr gut! Melanie ist 50 geworden und schon auf ihrer Geburtstagsparty, mit der diese Geschichte beginnt, habe ich schnell die unsympathische Seite dieser „Alten-weißen-Frau“ erkannt. Als Frau fand ich sie sehr ich-Bezogen und bewertend, als Mutter grausam, als Tochter egoistisch und als stellvertretende Chefredakteurin hätte ich mir mehr Support für die neue junge Kollegin gewünscht. Und trotzdem hab ich auch gleichzeitig herausgelesen, dass hinter jedem „Biest“ eine Person mit Verletzungen, Vorstellungen und Erfahrungen steckt. Nein, ich fand Melanie dadurch nicht sympathischer, sondern nachvollziehbarer. Ich habe unterschiedliche feministische Sichtweisen dargestellt bekommen und ich würde behaupten, dass jede Frau versucht, auf ihre eigene Art und Weise, sich aus den Fesseln des Patriarchats zu befreien, aber leider dennoch in den Strukturen gefangen bleibt. Das Buch hat mich sehr gut unterhalten. Definitiv kein „Wohlfühlroman“, sondern sehr provokant. Von mir eine Empfehlung für alle, die auch mit Antiheldinnen zurechtkommen. S.47 „Das Wort Wechseljahre zu hören, fühlt sich an, als würde man in eine Sackgasse einbiegen. Die Wechseljahre sind schambehaftet, nicht erzählbar, sie gehören verdrängt. Das Leben einer Frau ist von Geburt an fremdbestimmt, gesellschaftlich genormt und vorgezeichnet, von der Jugend über die Mutterschaft bis zum Ende ihrer fruchtbaren Tage.“ S.164 „Schlechte Mutter, schlechte Tochter, schlechte Feministin. Zu dünn, um gesund zu sein. Zu ungesund, um als Vorbild zu taugen. Keine Geliebte, keine Ehefrau, keine Freundin. Ich bin als gar keine Frau gut. Mein Leben ist das Leben keiner Frau.“ S.174 „Aber seit deiner Geburtstagsfeier überspannst du den Bogen. Auch die Sache mit August. Er ist ein connard, das weiß jeder, aber was fängst du auch was mit einem direkten Kollegen an? Du bist immerhin in der Führungsetage. Dieser ganze #MeToo-Kram gilt auch für Frauen wie dich. So eine hirnlose Affäre hattest du gar nicht nötig.“
3. Jan. 2026








