Das grüne Zelt

Das grüne Zelt

Taschenbuch
4.33
SamisdatGesellschaftsromanDissidentenSowjetunion

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Beschreibung

Leben in gestohlener Luft

Schicksale, die man nie mehr vergisst: Ljudmila Ulitzkaja erzählt von drei Freunden, die in der Sowjetunion aus Liebe zur Literatur zu Dissidenten werden. Ilja, der Fotograf, wird schon früh zum Chronisten der regimekritischen Bewegung. Erst Jahre später stellt sich heraus, dass er auch für den Geheimdienst KGB tätig war, und er muss fliehen. Eine Tragödie für seine Frau Olga, die ihn bei seinem Tun unterstützt hat. Für sie bleibt er die große Liebe ihres Lebens, auch als er im Westen längst mit einer anderen zusammenlebt. Auch Micha und Sanja geraten in Konflikt mit der Staatsmacht ...

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
592
Preis
15.50 €

Autorenbeschreibung

Ljudmila Ulitzkaja, 1943 bei Jekaterinburg geboren, wuchs in Moskau auf. Sie schreibt Drehbücher, Hörspiele, Theaterstücke und erzählende Prosa. Ihre vielfach übersetzten Werke wurden mit zahlreichen hohen Auszeichnungen bedacht. 2022 emigrierte sie von Moskau nach Berlin. In ihren Erzählungen setzt sich die Autorin kritisch mit politischen Ereignissen der Geschichte und Gegenwart auseinander und bezieht immer wieder offen politisch Stellung.

Beiträge

1
Alle
4

"Das grüne Zelt" gibt anhand der Lebensgeschichten dreier Schulfreunde einen tiefen Einblick in die Sowjetgesellschaft des zwanzigsten Jahrhunderts. Gleichzeitig ist es ein hoch aktueller Text, der die Frage stellt, wie sich Menschen verhalten, die einem totalitären, alles und jeden überwachenden Systems ausgeliefert sind. Die Figuren kommen uns aus Lesenden sehr, sehr nah, und es sind eine Unmenge an Figuren, denen wir hier über knapp 600 Seiten durch die Jahre folgen und mit denen wir viel Schönes und Erheiterndes, aber auch viel tragisches erleben. Im Kern ist es schon ein sprachlich wie inhaltlich kunstvolles und starkes, aber auch erschütterndes Buch. Ein Buch, das eigentlich fünf Sterne verdient. Dafür ist es mir streckenweise aber formal doch zu konfus gewesen. Von einer Figur wird sehr früh von ihrem Tod berichtet, bevor in Rückblenden alles erzählt wird, was vorher geschah. Die Notwendigkeit dieses Kunstgriffs erschloss sich mir nicht so ganz, vor allem, weil die Geschichten der beiden anderen Hauptfiguren deutlich geradliniger erzählt werden. Außerdem bekommt einer der drei Freunde gefühlt zwei Drittel des Buches zuerkannt, während die anderen beiden Richtung Schluss doch etwas "abgehandelt" wirken. Für diese etwas konfuse Ungleichheit gibt's einen Stern Abzug. Es ändert aber nichts daran, dass dieses Buch wirklich ein mitreißender und intensiver Text ist, der ein ganzes Gesellschaftssystem auf sprachlich hohem Niveau wieder auferstehen lässt und kritisch reflektiert. Eine beeindruckende Lektüre einer wirklich beeindruckenden Autorin, die mittlerweile mit über 80 Jahren selbst aus Russland emigriert ist. Wenn man "Das grüne Zelt" liest, das sie zwölf Jahre vor ihrer Emigration schrieb, versteht man, warum. "Das gelbe Zeit" ist ein sprachliches und inhaltliches Leseereignis (!) mit kleinen formalen Schwächen. Unbedingt lesenswert - aus diesem Text kann man nicht ohne Emotionen hinaus gehen. Eine wirklich spannende Reise durch die Zeit!

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