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Romane

Berliner Mietshaus

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Über das Buch

Irina Liebmanns faszinierendes Buch Berliner Mietshaus hält in Zeiten ständigen Wandels einen Zustand fest, ein Bild deutscher Wirklichkeit und deutschen Lebens, das so wohl ein Bild der Vergangenheit sein wird. Anhand eines Hauses im Ostberliner Bezirk Prenzlauer Berg entsteht ein Bild der Gegenwart: Vergangene und bestehende, öffentliche und private, erlebte und erzählte Wirklichkeit wechseln ständig ineinander. »Wenn man an einer Tür klingelt und mit dem Menschen, der öffnet, ins Gespräch kommt, erhält man eine Momentaufnahme von einem ganz bestimmten Punkt in diesem Prozess, und wenn man dann weiter an allen anderen Türen des Hauses klingelt, ergibt sich eine aus dem Einmaligen ins Unendliche gespiegelte Montage solcher Lebensausschnitte, zusammengefasst durch den gemeinsamen Wohnort, eine Klammer, die zufällig und zwangsläufig ist wie die Berichte selbst. Mich interessierte, was einem Fremden spontan erzählt wird, diese Kombination von Biografie, Erinnerung und Kommentar. Deshalb habe ich das Erzählte nicht in Zweifel gezogen und nicht überprüft. Der Erzähler hatte die Wahl zu treffen, ich nahm die Variante ernst, die er für mich im Augenblick unserer Begegnung gefunden hatte: seine Darstellung des eigenen Spielraums und dessen gelegentliche Berührung mit der Weltgeschichte, beides im Bratkartoffelgeruch des Alltags.« Das noch immer »fremde Land« Deutsche Demokratische Republik wird erlebbar, der »andere« Alltag erhält Konturen. Berliner Mietshaus gewährt Einblicke in fremdes Leben, aber diskret und exemplarisch zugleich. Für Mitten im Krieg wurde Irina Liebmann mit dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises und dem »Aspekte« Literaturpreis des ZDF ausgezeichnet.

Editionen (2)

ISBN9783627100766
VerlagFrankfurter Verlagsanstalt
Erscheinungsdatum31.12.90
Seitenzahl200

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  • milanpablo
    milanpablo

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    4,5

    Irina Liebmanns „Berliner Mietshaus“ ist eine Sammlung von 32 Kurzportraits derer, die darin wohnen. Zunächst einzeln in der Wochenschau veröffentlicht, später in 1982 in einem Buch im Mitteldeutschen Verlag zusammengeführt. Die Bewohner*innen des im Prenzlauer Berg gelegenen Mietshauses geben in irgendwie isolierter Weise, jedoch stets mit offener und willkommener Geste gegenüber Liebmann als Interviewerin, intime Blicke aus ihren Leben preis. So erzählen doch fast alle, wie sich ihr Beginn in Ostberlin entfaltete, welche Hoffnungen und Umstände sie mit dem Prenzlauer Berg verbunden hatten. Gleichzeitig werden strukturelle Gegebenheiten einer DDR-Gesellschaft sichtbar: Vereinsamung älterer Frauen, Umgang mit dem Erbe aus den Familienbiografien der NS-Zeit, die Bedeutung von Nachbar*innenschaft und das Wohnen in einer Großstadt, Kaffee, Fernsehen, Alkoholkonsum und noch vieles mehr. Liebmann als Interviewerin tritt nur selten hervor und tut sie es doch, so ergibt sich ein neues 33. Portrait der Autorin, das sich mit dem Verlauf in die Struktur einfügt, denn es stellt sich das Gefühl ein, sie gehöre dazu - sie sei mit der Zeit immer mehr ein Teil des Mietshauses. „Berliner Mietshaus“ erinnert in der Erzählweise an Wanders „Guten Morgen, du Schöne“, ist aber trotzdem anders. In faszinierender Weise lässt Liebmann die Beschreibung und Geschichte des Ortes als zweiten Erzählstrang in die Portraitierungen einfließen und es entsteht etwas schillerndes Neues. Zunächst das Vorderhaus mit seiner Bäckerei und seinem Wäsche- und Kurzwarengeschäft, dann der Hof mit der darin gelegenen Werkstatt und abschließend das Quergebäude. 1980, in einer Zeit des zunehmenden baulichen Verfalls des Altbaus im Viertel schlägt sich das auch auf die Stimmung nieder. Jedoch ist das Werk kein pessimistisches, auch kein optimistisches. Es ist ein Werk über das Leben. Über das Leben und den Sozialraum der Menschen darin. Diese Authentizität gepaart mit Liebmanns Schreibstil macht es zu einem außerordentlichen Schatz im Kanon der DDR-Schriftstellerinnen, wenngleich nicht in einer dezidiert klar politischen Dimension wie bei Christa Wolf oder Maxie Wander.

    2 Tage vor

Autorin / Autor

Über Irina Liebmann

Irina Liebmann, geboren 1943 in Moskau. Studium der Sinologie in Leipzig. Seit 1975 lebt Irina Liebmann als freie Schriftstellerin in Berlin. Sie erhielt 1987 während des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt den Ernst-Willner-Preis. 1989 erschien ihre erste Buchveröffentlichung in der Bundesrepublik, Mitten im Krieg, in der Frankfurter Verlagsanstalt.

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