Asche vom Amazonas

Asche vom Amazonas

Hardcover
4.02

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Beschreibung

Der große brasilianische Romancier Milton Hatoum wird bewundert für seine Kunst, menschliche Beziehungen bis in ihren Kern zu erfassen. Psychologisch eindringlich erzählt er in Asche vom Amazonas eine verflochtene Familiengeschichte im tropischen Manaus, die lange im Leser nachhallt. Unterschiedlicher könnten zwei Freunde nicht sein: der künstlerisch begabte, labile Raimundo, dessen von ihm gehaßter Vater ein erfolgreicher Unternehmer und Sympathisant der Militärregierung ist, und Olavo, eine Waise aus bescheidenstem Haus, der Raimundos blindem Rebellentum hilflos gegenübersteht. Olavo wählt den stillen Weg und wird Anwalt der kleinen Leute, verfolgt aber fasziniert den Lebensweg des Freundes, der rastlos in der Welt umherzieht und sich doch nicht von seiner Herkunft lösen kann. Auch Raimundos Mutter, eine schöne Frau mit geheimnisvoller Geschichte, kann dem Sohn keinen Halt bieten – zu stark ist sie selbst in wirre Leidenschaften verstrickt und in ein Leben, das ein Zerrspiegel ihres Glücksverlangens ist.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
298
Preis
25.50 €

Autorenbeschreibung

Milton Hatoum wurde am 19. August 1952 als Kind libanesischer Einwanderer im brasilianischen Manaus geboren. 1968 verließ er seine Heimatstadt, lebte für kurze Zeit in Brasília und ging dann nach São Paulo, wo er Architektur studierte. 1979 kam er mit einem Stipendium nach Madrid und Barcelona, anschließend als Postgraduierter an die Sorbonne in Paris. 1984 kehrte er nach Manaus zurück und unterrichtete französische Literatur an der Universidade Federal do Amazonas sowie als Gastdozent brasilianische Literatur an der University of California in Berkeley. Seit 1999 wohnt er wieder in São Paulo. 1989 erschien sein erster Roman Relato de um certo Oriente (dt. Emilie oder der Tod in Manaus, Piper, München 1992, bzw. Brief aus Manaus, Suhrkamp, Frankfurt 2002), für den er 1990 den angesehenen brasilianischen Jabuti-Literaturpreis erhielt und internationale Anerkennung gewann. Dois irmãos (dt. Zwei Brüder, 2002) ist der in Brasilien lang erwartete zweite Roman von Milton Hatoum, der 2000 in São Paulo erschien und für den er im folgenden Jahr ebenfalls den Jabuti-Preis bekam. Die beiden Bücher von Hatoum spielen im Spannungsfeld zweier Welten: der tropischen des Amazonasgebietes und der orientalischen der libanesischen Einwanderung. Vor dem Hintergrund des teilweise gewaltsamen Eindringens moderner Lebensmuster geben sie einen aufschlußreichen Einblick in die brasilianische Wirklichkeit.

Beiträge

1
Alle
5

Als sie mich erblickte, packte sie die Zeitung, die auf dem Boden lag, und schleuderte sie mir entgegen, so als wäre ich schuld an der Nachricht, die ihr Unglück bedeutete. Ich sah ein Foto von Mundo und wollte den Bericht dazu lesen, doch Ramira hielt mich mit den Worten ab, Macau habe den Fuhrmann nicht auf Janos Grundstück lassen wollen. Daraufhin hatte sie geschrien, bis der Idiot die Pforte aufmachte. Auf dem Zementplatz lag ein Haufen Bücher und Papier. Sie begriff nicht. Blickte suchend zur Terrasse vor der Küche, da stand Jano mit verschränkten Armen. Er reichte dem Chauffeur einen Umschlag und flüsterte etwas. Es war das Geld für die Kleider. Macau sprach unwirsch mit dem Fuhrmann, dann warfen sie gemeinsam alle Kleider auf die Bücher und Papiere, Macau goß Petroleum drüber und zündete es an. Die schönen neuen Kleider verbrannten ... alles wurde zu Asche. - Zitat, Seite 169 Der brasilianische Autor Milton Hatoum, geb. 1952, wird - laut Klappentext - für seine "Kunst bewundert, menschliche Beziehungen bis in ihren Kern zu erfassen." Im vorliegenden Roman von 2005 wird von einer "schmerzhaft verflochtenen" Familiengeschichte erzählt, die sich hauptsächlich im Geburtsort des Schriftstellers, Manaus, abspielt und von einer Zeit berichtet, die dieser ebenfalls als Heranwachsender erlebt hat. Es ist die Zeit der Militärdiktatur, eine Zeit, in der die ärmere Bevölkerung Phantasie zum Überleben braucht. Aber es ist auch eine Zeit, in der sich wohlhabende Männer mit denen verbinden, welche die Macht in Händen halten. Und es ist eine Zeit, in der zwei verschiedene junge Menschen eine Weile Mitschüler und später vielleicht Freunde werden: der Waisenjunge Lavo, der bei seiner Tante, der Schneiderin Ramira aufwächst und Mundo, der Sohn des reichen Geschäftsmannes Trajano, der entgegen den Wünschen seines Vaters Künstler werden will. Die beiden werden durch die gemeinsame Vergangenheit von Lavos Onkel Ran und Mundos Mutter zusätzlich unsichtbar verbunden. "Ich bin von dort, wo ich geboren bin. Ich bin von woanders." Das vorangestellte Zitat von João Guimarães Rosa (brasilianischer Schriftsteller) fasst das Grundgefühl des Protagonisten Mundo, dessen Geschichte wir durch die Erinnerungen des Ich-Erzählers Lavo erfahren, sehr gut zusammen. Als wäre der Ort, an dem man aufwächst nur ein Sehnsuchtsort, als dürfte man ihn nicht Heimat nennen, weil man sich dort seltsam fremd fühlt - und doch ohne diesen Zufluchtsort zugrunde gehen muss. Der Erzähler ist zu Beginn des Berichts selbst noch sehr jung, die Welt der Erwachsenen ist für ihn noch voller Geheimnisse. Und auch Mundo, der schon bald von seiner Schule fliegt, bleibt für ihn eine rätselhafte Gestalt. Langsam und mit sorgfältig aufgebauten Szenen erfahren wir mit dem Erzähler mehr, denn der Vater von Mundo versucht, Lavo auf seine Seite zu ziehen und verschafft ihm dabei Einblicke in seine Welt und die der geheimnisvollen Vila Amazõnia ... So faszinierend bunt und verschlungen, dann wieder geheimnisvoll und düster, und manchmal auch sinnlich oder gewaltig die Geschichte erzählt wird, hält der Ich-Erzähler doch immer eine gewisse Distanz. Seine Rolle ist die des Beobachters. Auch wenn diese Sichtweise teilweise durch die Erinnerungen von Onkel Ran aufgebrochen werden, kann der Eindruck, dass man als Lesende immer etwas auf Abstand gehalten wird, nicht ganz abgeschüttelt werden. Darüber hinaus ist das Schreiben von Milton Hatoum sehr reich an Bildern und Metaphern. Die Stoffe der Schneiderin, die in Kunstwerken wieder auftauchen zum Beispiel. Und das Verhalten der Menschen hat oft etwas animalisches, fast schon triebhaftes, sie zerfleischen sich gegenseitig mit Lust und es wird in dem Roman auch viel Tierfleisch gejagt, gefangen, zerlegt oder geschlachtet. Es geht um Identität und Herkunft, um Einflüsse von Einwanderern, um die schwindende Macht des "alten Kontinents" und die Sichtweise auf indigene Menschen. Sicherlich wird man hier den Roman ganz anders lesen und viel an Verständnis wird fehlen, wenn man nicht aus Brasilien kommt, aber die Faszination für diese komplexe Geschichte bleibt bis zum Schluss erhalten! Übersetzt wurde der Roman von Karin vom Schweder-Schreiner. FAZIT Empfohlen wurde mir dieser Roman durch den lieben Ingo auf dessen Youtube Kanal "Das literarische Viertel". Dieser ist im vergangenen Jahr mit seiner Familie nach Brasilien gezogen und hat denSchriftsteller bereits persönlich auf einem Festival in São Paulo kennengelernt. Sein Beitrag zum Roman ist sehenswert! In dieser dunklen Geschichte konnte ich mich absolut verlieren und habe jede Zeile genossen. Unbedingt lesenswert.

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