Blick ins Buch

Ratgeber & Sachbücher

Beinahe Alaska

3,7(77)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Eine Fotografin, 45, kein Partner, keine Kinder, keine Eltern mehr, geht auf eine Expeditionskreuzfahrt von Grönland nach Alaska. Sie ist froh, dass ihr Beruf es ihr erlaubt, "dauernd nach vorn zu sehen". Doch natürlich melden sich die nicht zu Ende gedachten Gedanken und offenen Fragen, irgendwo zwischen der Enge an Bord unter nicht ausnahmslos angenehmen Mitreisenden (wie Schriftsteller, die Buchclub-Schreibkurse geben, oder Influencer mit fragwürdigen Tischmanieren) und den kühlen Weiten der Arktis. Der Blick der Erzählerin auf die anderen, die Natur und sich selbst ist so hintergründig-witzig wie warmherzig-entlarvend. Als das Schiff vor der vereisten Bellotstraße kehrtmachen muss, mit neuem Kurs auf Neufundland, begreift sie nach und nach, dass der Trick manchmal gerade im Beinahe-Ankommen besteht, auf Reisen wie im Leben.

Editionen (3)

ISBN9783866483866
Verlagmareverlag
Erscheinungsdatum15.09.20
Seitenzahl192

Rezensionen & Bewertungen

77 Bewertungen

18 Rezensionen

3,7

Tippen zum Filtern

  • anja._liest
    anja._liest

    331 Follower

    5,0

    „Ich schaute zurück und stellte mir ein Band vor, das sich zwischen mir und dem Land spannte und immer dünner wurde, bis es zerriss“ „Es war ein gänzlich blindes Weiß. Einsamkeit, dachte ich, vielleicht sah so die Einsamkeit aus.“ Eine Kreuzfahrt nach Alaska. Eine Frau, Mitte 40, begibt sich auf diese Reise um dort Bilder für einen Verlag von der Arktis zu machen. Aufgrund der Witterungsverhältnisse und des Eises muss das Schiff seine eigentliche Route ändern und jetzt beginnt das kleine Abenteuer. Auf dem Schiff trifft sie auf Touristen ganz unterschiedlicher Art, auf dem Land auch auf Einheimische. Ein leises, sanftes Buch, das sich ganz langsam ins Herz schleicht. Die Naturbeobachtungen sind wunderbar eingefangen, die Überlegungen der Protagonistin schon fast philosophisch. Die Landschaft sieht man vor sich, man spürt die Kälte. Bekommt sofort Fernweh und möchte sich auf eine Reise begeben. Die Mitreisenden sind ganz unterschiedlich. Vom Influenzer, über einen Buchclub und Schriftsteller bis zum Rentner sind einige Charaktere vertreten. Die Gedanken der Protagonistin kommen ganz gut ohne Bewertung aus. Hier hat die Autorin haarscharf beobachtet und überlässt es dem Leser sich eine Meinung zu bilden. Bei poetischer Sprache bin ich ja immer dabei, noch dazu gibt’s hier interessante Denkanstöße. Für mich ein sehr gelungener Roman.

    5. Jan. 2025

  • lesen78
    lesen78

    104 Follower

    4,0

    Eine ruhige und nachdenkliche Geschichte. Es geht in erster Linie um eine Alaska Reise, aber auch darum wie wir Menschen miteinander & mit Veränderungen umgehen. Macht mir Lust auf eine Reise nach Alaska & stimmt nachdenklich. Sehr angenehm gelesen von Carolin Haupt. 💚

    28. Dez. 2024

  • amygdalalimbus66
    amygdalalimbus66

    904 Follower

    1,5

    "Unentschieden formte das Wasser Messerwellen, Schieferwellen, hier und dort ein bisschen Gischt."

    Dieses Buch hat sich lesen lassen wie gefrorener Nebel. Wunderschön anzusehen, atmosphärisch dicht, manchmal beinahe schwerelos und doch entglitt es mir beim Lesen immer wieder zwischen den Fingern. Genau darin liegt wohl auch mein Zwiespalt, weshalb ich am Ende bei 1,5 Sternen gelandet bin. Dabei wollte ich dieses Buch eigentlich mögen. Die Grundidee klang wie geschaffen für einen stillen, melancholischen Roman. Eine einsame Fotografin reist auf einem Expeditionsschiff durch die Arktis, zwischen Eisfeldern, Nebel, schweigenden Landschaften und einer Reisegesellschaft voller skurriler Menschen. Die äußere Reise wird zur inneren. Verlust, Einsamkeit, Orientierungslosigkeit, all das schwingt unter der Oberfläche mit. Und sprachlich kann Weitholz ohne Zweifel schreiben. Manche Sätze funkeln wie Eiskristalle im Polarlicht. Ihre Beobachtungen haben Witz, ihre Naturbeschreibungen besitzen eine fast malerische Qualität. Gerade die Schilderungen der Arktis wirken oft weniger wie Prosa, sondern wie Aquarelle aus Worten. Aber Schönheit allein trägt für mich keinen Roman. Das größte Problem war für mich die emotionale Distanz. Die Erzählerin bleibt seltsam ungreifbar – absichtlich, sicherlich –, doch irgendwann fühlte sich diese Zurückhaltung nicht mehr literarisch fein, sondern schlicht leer an. Ich habe ständig darauf gewartet, dass das Buch mich hineinzieht, dass unter der Eisdecke endlich etwas aufbricht. Ein Schmerz, eine Erkenntnis, eine echte Erschütterung. Stattdessen blieb vieles in Andeutungen stecken. Das Buch kreist um existentielle Themen, doch es wagt sich selten wirklich hinein. Es nimmt eine beobachtende Position ein. Vielleicht ist genau das die Absicht gewesen. Diese nordische Kühle, dieses Schweben zwischen Nähe und Isolation. Aber für mich entstand dadurch kaum emotionale Bindung. Die Figuren an Bord, Influencer, Kreuzfahrtgäste, Intellektuelle, wirken oft eher wie Karikaturen oder flüchtige Skizzen als wie Menschen aus Fleisch und Blut. Man betrachtet sie wie vorbeiziehende Eisberge. Interessant geformt, aber fern. Und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass auch die Erzählerin selbst lieber beobachtet als fühlt. Hinzu kommt das Tempo. Oder vielleicht besser gesagt. Die Abwesenheit davon. Dieses Buch verweigert klassische Spannung beinahe demonstrativ. Schon früh macht der Text klar, dass hier kein großes Drama wartet. Kein Abenteuerroman, keine Katastrophe, keine spektakuläre Selbstfindung. Das kann mutig sein oder unerquicklich. Für mich kippte es leider oft ins Zähe. Viele Gedanken wiederholen atmosphärisch dieselbe Stimmung. Müdigkeit, Melancholie, Entfremdung. Das erzeugte zwar eine konsequente Tonlage, aber irgendwann auch Monotonie. Und doch. Ganz kaltgelassen hat mich das Buch nicht. Dafür ist Weitholz sprachlich zu talentiert. Es gibt Passagen, die tatsächlich nachhallen. Momente, in denen die Einsamkeit der Arktis plötzlich mit der inneren Leere der Erzählerin verschmilzt und der Roman für einen Augenblick genau die Tiefe erreicht, die ich mir die ganze Zeit gewünscht hätte. Auch der Gedanke des „Beinahe-Ankommens“ als Lebensgefühl besitzt etwas sehr Wahres und Trauriges. Vielleicht war mein größter Konflikt mit diesem Buch also nicht, dass es schlecht wäre, sondern dass ich ständig das Gefühl hatte, darin stecke ein viel stärkerer Roman verborgen. Einer, der mutiger und emotionaler wird. Einer, der seine Figuren nicht nur streift, sondern wirklich berührt. Einer, der nicht nur über Leere schreibt, sondern sie auch durchbricht. So blieb für mich am Ende vor allem Bewunderung für die Sprache, aber kaum Liebe für die Geschichte. Und ein Roman, der sich wie Eislandschaften anfühlt, sollte einen vielleicht frieren lassen. Mich allerdings ließ er vor allem auf Distanz zurück. ♡♡♡ "Wie schön es sein kann, wenn man erkennt, dass es manchmal klug ist, sich von der Suche nach dem Pfekten im Leben zu verabschieden."

    "Unentschieden formte das Wasser Messerwellen, Schieferwellen, hier und dort ein bisschen Gischt."

    30. Mai 2026

3 von 18 Rezensionen

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick