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Romane

Eine blassblaue Frauenschrift

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Über das Buch

Zwei Jahre vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich bringt ein Brief den Chef des Wiener Kultusministeriums Leonidas Tachezy in Bedrängnis. Seine einstige jüdische Geliebte Vera bittet ihn um Protektion für einen jungen Mann, der aus „allgemein“ bekannten Gründen in Deutschland nicht mehr das Gymnasium besuchen könne. Schlagartig wird Leonidas bewusst, dass er der Vater sein könnte. Im Laufe eines Tages schwankt er zwischen Nachgeben und Zurückweisen. Wird Leonidas dieser Bitte nachkommen und seine ganze Karriere aufs Spiel setzen? „Am Fall des Sektionschefs Leonidas wird, wie der Werfel-Kenner Friedrich Heer schreibt, der Fall Österreich aufgerollt: der Untergang eines Staates in Mitteleuropa durch den Selbstverrat einer kleinen führenden Schicht, die, ohnmächtig genug, an den Schaltern der Macht saß, und den Selbstbetrug und Selbstverrat so lange trieb, bis sie Hitler einmarschieren ließ, am 11. März 1938.“ (Die Zeit)

Editionen (29)

ISBN9783863520694
VerlagHierax Medien
Erscheinungsdatum31.03.16

Rezensionen & Bewertungen

30 Bewertungen

6 Rezensionen

3,6

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  • wolkenwehe
    wolkenwehe

    65 Follower

    4,0

    Brillant geschriebene Erzählung. Obwohl sie im Jahr 1936 spielt, ist sie topaktuell. Ein Emporkömmling wird von seiner unrühmlichen Vergangenheit eingeholt. Erst versucht er, sie zu vertuschen, dann taktiert er, wie er mit ihr umgehen kann, ohne etwas zu riskieren. Ein Lehrstück über Karrieremenschen, denen nur ihre eigene Behaglichkeit und ihr "Gesicht" in der Öffentlichkeit wichtig ist. Als "Klassiker" hat diese Erzählung alles, was gute Unterhaltungsliteratur ausmacht: Witz, Spannung, Emotionen, gut lesbare Sprache, mit einem Anreiz zum Nachdenken.

    13. Okt. 2025

  • marielin
    marielin

    70 Follower

    4,0

    Richtig gutes Buch, von einem mir bisher ganz unbekannten Autor

    Absolut interessant, wie viel Gehalt in einem recht schmalen Buch stecken kann Es geht um Heuchelei, den schönen Schein, Lug und Trug im noblen Wien, den Beginn bzw erste deutliche Zeichen von Antisemitismus Kann ich sehr empfehlen, liest sich leicht und flüssig und steckt doch voll wichtiger Themen

    29. Apr. 2024

  • kingofmusic
    kingofmusic

    224 Follower

    5,0

    Hinter der blassen Schrift verbergen sich Abgründe „Scheußliche Sucht des Beamten, alles zu motivieren, alles zu unterbauen! Lag nicht das wahre Leben im Unvorhergesehenen, in der Eingebung der Sekunde? Hatte er, auf den Grund verderbt durch Erfolg und Wohlergehen, schon mit fünfzig Jahren verlernt, wahr zu leben?“ (S. 71) Dieses (Lese-)Jahr steht bei mir scheinbar bisher unter dem Banner „Klassiker“ – habe ich doch in den ersten 5 Monaten dieses Jahres schon den ein oder anderen gelesen bzw. bin noch dabei. Als „vor der nächsten Leserunde“-Lektüre hatte ich mir unter anderem spontan die Novelle „Eine blaßblaue Frauenschrift“ von Franz Werfel ausgewählt. Nun, die 154 Seiten stellen jetzt keine große (zeitliche) Herausforderung dar, inhaltlich war ich jedoch erstaunt, was sich hinter der blaßblauen Schrift alles verbirgt. Neben der intensiven Betrachtung von Leonida´s Innen- und Seelenleben, dass Selbigen auf Grund eines geheimnisvollen Briefes seiner ehemaligen Geliebten aus der Bahn zu werfen scheint, erfährt die geneigte Leserschaft auch etwas zur (politischen) Stimmung in Österreich des Jahres 1936, was sich nicht nur in Absätzen wie diesem widerspiegelt: „Stürmisches Wetter. Leonidas hat den Wetterbericht des Radios im Ohr. […] „Depression über Österreich. Stürmisches Wetter im Anzug.““ (S. 149) Dieses schmale Büchlein, dass mich insbesondere im 3. Kapitel teilweise an Franz Kafka denken ließ (wer wird es mir verübeln, war doch Werfel ein Freund von Kafka gewesen, auch wenn diese Novelle erst 17 Jahre nach Kafka´s Tod erschienen ist), ist auf jeden Fall eine kurzweilige, teils erheiternde, teils nachdenklich stimmende Lektüre, die ich zukünftig wohl immer mal wieder in die Hand nehmen werde. Klare Leseempfehlung! ©kingofmusic

    1. Dez. 2023

3 von 6 Rezensionen

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