Blick ins Buch

Biografien

Fabelhafte Rebellen

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Über das Buch

Der nächste Sachbuch-Bestseller der Erfolgsautorin von »Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur«

Ende der 1790er Jahre – als die meisten Staaten in Europa noch im eiserenen Griff absolutistischer Herrscher waren – galt die Idee vom freien Individuum als brandgefährlich. Und dennoch stellte eine Gruppe von Denkern in der kleinen Universitätsstadt Jena das Ich in den Mittelpunkt ihres Denkens, Schreibens und Lebens. Zu diesem Kreis gehörten die Dichter Goethe, Schiller und Novalis ebenso wie die Philosophen Fichte, Schelling und Hegel, die genialen Schlegel-Brüder und ihre Muse, Caroline Schlegel. Im Wettstreit um die richtigen Ideen ging es durchaus turbulent zu, das Hinwegsetzen über gesellschaftliche Regeln sorgte immer wieder für Skandale. In diesem inspirierenden Hörbuch erzählt Andrea Wulf die spannende Geschichte dieser jungen Rebellen, die unser Denken von Grund auf verändert und damit das Bild des modernen Menschen geschaffen haben.

Ungekürzte Lesung mit Mark Bremer
1 MP3-CD, 16h 37min

Editionen (4)

ISBN9783844547030
VerlagDer Hörverlag
Erscheinungsdatum19.10.22

Rezensionen & Bewertungen

38 Bewertungen

10 Rezensionen

4,4

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  • beajayy
    beajayy

    433 Follower

    4,5

    Ein zugänglich geschriebenes, atmosphärisch dichtes Sachbuch über die Romantiker in Jena, romanhaft erzählt, inspirierend, aber nicht immer tiefgehend. Perfekt als Einstieg in diese faszinierende Epoche.

    Als ich Fabelhafte Rebellen aufschlug, fühlte es sich an, als würde ich durch die alten Gassen Jenas spazieren – im Schlepptau eine illustre Gesellschaft aus Goethe, Schiller und ihren Weggefährten. Die Luft schien noch nach Tinte und revolutionären Ideen zu duften, und ich ließ mich gerne mitziehen in diese kreative Epoche. Andrea Wulf hat hier etwas geschaffen, das sich zwischen Sachbuch und Roman bewegt, eine Art literarischer Spagat, der überraschend gut gelingt. Ich war sofort mittendrin in dieser Welt der Denker und Dichter, fühlte die Aufbruchsstimmung der Romantik, die Reibungen und Freundschaften. Wulf erzählt lebendig, fast romanhaft, und genau das macht dieses Buch zu einem angenehmen Begleiter. Es liest sich zugänglich, fast schwebend, und gerade diese Erzählweise hat mich immer wieder zu den einzelnen Figuren zurückgeführt. Die größte Stärke liegt in der atmosphärischen Dichte. Wulf versteht es, die Zeit und ihre Protagonisten greifbar zu machen. Ich mochte es sehr, wie sie die Geschichten miteinander verwebt und Jena als pulsierenden Mittelpunkt dieser Epoche inszeniert. Das Buch hat mich neugierig gemacht, so neugierig, dass ich nach dem Zuklappen tiefer in die Biografien der einzelnen Rebellen eingestiegen bin. Genau das zeichnet ein gutes Sachbuch aus: Es öffnet Türen statt sie zu verschließen. Gleichzeitig liegt hier auch die Schwäche. Wulf wählt bewusst einen zugänglichen, erzählerischen Ton, dass macht das Buch zu einem wunderbaren Einstieg, auch wenn tiefere philosophische Auseinandersetzungen manchmal außen vor bleiben. Wer sich schon etwas mit der Romantik beschäftigt hat, könnte an manchen Stellen mehr Substanz vermissen. Das Buch kratzt mitunter nur an der Oberfläche, bleibt oberhalb der komplexen literarischen und gedanklichen Schichten, die diese Zeit prägen. Es ist eine Einführung, ein Appetithappen, aber wer den großen Hunger stillen will, muss andernorts weiteressen. Am Ende fühlte sich Fabelhafte Rebellen an wie ein inspirierender Abendspaziergang durch vergangene Zeiten, mit guter Gesellschaft, aber ohne schweres Gepäck. Andrea Wulf gelingt es, die Romantik lebendig und zugänglich zu machen, auch wenn dabei die eine oder andere Nuance auf der Strecke bleibt. Für alle, die sich dieser Epoche nähern wollen, ohne in akademischer Schwere zu versinken, ist dieses Buch ein wunderbarer Einstieg.

    21. Okt. 2025

  • juliabcmn
    juliabcmn

    7 Follower

    4,5

    Großes Lob an die Autorin dafür, dass sie es immer wieder schafft komplexe, historische Geschehnisse interessant und unterhaltsam rüber zu bringen. Zugegeben, es war nicht immer einfach, bei so vielen Orten, Menschen und Jahreszahlen die Orientierung zu behalten. Aber ich glaube sie hat es geschafft in das ganze Durcheinander wenigstens ein bisschen Struktur zu bekommen. Ich fand es sehr erfrischend, dass es nicht den einen Protagonisten gibt und irgendwie trotzdem Caroline im Mittelpunkt steht, die alles miteinander verbindet. Manchmal fühlte sich das Leben unserer Gruppe zwar wie eine schlechte Telenovela mit einem miesen Ende an, aber ihre Sicht auf die Welt und ihre Gedanken wirken noch heute nach. Mir gefällt außerdem sehr, dass die Menschen an sich im Vordergrund bleiben. Ihr Leben, ihr Alltag und das vermeintlich Nebensächliche was erzählt wird. Das macht einen Goethe zum Beispiel viel nahbarer, als im Deutschunterricht.

    14. Apr. 2026

  • _erlesenes
    _erlesenes

    131 Follower

    3,0

    NICHT VOM NICHT-ICH ERZÄHLEN Die konstruktivistische Erkenntnis, dass wir unsere Welt immer durch unsere individuelle geprägte Wahrnehmung betrachten und entschlüsseln und dass die Behauptung, jemand verfüge über eine objektive Wahrheit demnach zumeist mindestens diskutabel erscheint, ist für uns gegenwärtig keine bahnbrechende. Gerade Zeiten, die von Fake News, identitätspolitischen Debatten und anderen Kämpfen um die Deutungshoheit unserer Welt geprägt sind, haben das Konzept des ICHs wieder vermehrte im Zentrum gesellschaftlicher Diskurse verankert. Andrea Wulf begibt sich mit ihrem erzählenden Sachbuch und Nachfolger des Bestsellers über Alexander von Humboldt auf die Suche nach dem Ursprung dieses Konzepts und meint diesem im Jena des ausklingenden 18. Jahrhunderts gefunden zu haben. Geprägt durch die gesellschaftlichen und ideele Beben, das die Französische Revolution in Europa entfacht hat, möchte die britisch-deutsche Autorin Wulf vom der idealistischen Subjektverständnis der Frühromantiker*innen erzählen und konzentriert sich dabei auf den sogenannten Jenaer Kreis, zu dem um 1800 mit dem Ehepaar Caroline und August Schlegel, Friedrich Schiller, Fichte und Schellig, Schiller und Tieck, Novalis und Hegel das Who is Who der Geistesgrößen jener Zeit gehörten. Geprägt durch Kants Gedanken, die von Fichtes „Ich-Philosohie“ weitergedacht wurde, legte diese Gruppe in diesen Jahren den Grundstein zu einer Gegenbewegung zum rationalistischen Aufklärungsdenken. Wulf erzählt kenntnis- und anekdotenreich die chronologische Geschichte der Gruppe, einer Geschichte, die von Freundschaften, Abneigungen, Neid und Eifersucht, Hilfsbereitschaft, Liebe, Kunst und davon, wie sehr sich Menschen kreativ gegenseitig beflügeln können, berichtet. Dabei versteht es die Autorin wie auch bereits in ihrem Humbold-Buch (der übrigens ebenso Goethe eine Nebenrolle spielt) unterhaltsam und für Laien nachvollziehbar ein Stück deutscher Kulturgeschichte aufleben zu lassen. Glücklicherweise tappt Wulfs Text aber nicht in die Falle ein weiterer Text über alte weiße Männer und deren Buddytum zu werden, sondern stellt vor allem mit Caroline Böhmer (später Schlegel bzw. Schelling) eine Frauenfigur ins Zentrum dieses Kapitel der Ideengeschichte, die maßgeblichen Einfluss auf die Gedankenwelt dieser Gruppe hatte. Bei aller Unterhaltung, die mir dieser Text brachte, löst er das Versprechen seines Titels leider nicht ein, denn am Ende verharrt dieser auf dem leicht seifenoperartigen Niveau der Beziehungen seiner Protagonist*innen und streift den zentralen Gedankengang, dessen Genese er laut Titel beleuchten will, nur sehr oberflächlich.

    12. März 2024

3 von 10 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Andrea Wulf

Andrea Wulf, geboren in Indien und aufgewachsen in Deutschland, lebt in London. Als Autorin wurde sie mit einer Vielzahl internationaler Preise ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller »Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur« (2016), der in 27 Sprachen übersetzt wurde und 2016 den Bayerischen Buchpreis bekam. Auch »Fabelhafte Rebellen« (2022) wurde ein internationaler Bestsellererfolg. Auf Deutsch sind von ihr außerdem erschienen »Die Vermessung des Himmels. Vom größten Wissenschaftsabenteuer des 18. Jahrhunderts« (2012/2017) und die Graphic Novel »Die Abenteuer des Alexander von Humboldt. Eine Entdeckungsreise« (2019). Andrea Wulf schreibt u.a. für die New York Times, die LA Times, das Wall Street Journal, The Atlantic und den Guardian. Sie ist Mitglied des PEN American Center und ein Fellow der Royal Society of Literature. www.andreawulf.com

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