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Romane

Krieg und Frieden

4,3(159)
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Über das Buch

„Ohne falsche Bescheidenheit: Es ist etwas wie die Ilias.“ Lew Tolstoi Das Schicksal der russischen Adelsfamilien Rostow und Bolkonski zu Beginn des 19. Jahrhunderts, des gutmütigen, steinreichen Pierre Besuchow und der intriganten Kuragins Familienfeiern, Empfänge, Abendgesellschaften, Duelle, Niederkunfts- und Sterbeszenen, Jagden, Reisen, Bälle in Petersburg und Moskau, Theatervorstellungen, weihnachtliche Schlittenfahrten – an all dem lässt Tolstoi seinen Leser Anteil nehmen. Ihr aller Leben ist eng verwoben mit einem umfassenden, beeindruckenden Geschichtsbild Europas während der Napoleonischen Kriege, in dem der Autor die bedeutendsten Persönlichkeiten jener Zeit porträtiert. „Die erzählerische Macht seines Werkes ist ohnegleichen.“ Thomas Mann „Der Mann ist Gott gleich.“ Maxim Gorki

Editionen (43)

ISBN9783841200693
VerlagAufbau digital
Erscheinungsdatum02.12.10
Seitenzahl1291

Rezensionen & Bewertungen

159 Bewertungen

32 Rezensionen

4,3

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  • karandi
    karandi

    244 Follower

    4,5

    Gigantisch

    Was kann man über Krieg und Frieden von Leo Tolstoi sagen – oder besser gesagt: Was kann man nicht darüber sagen? Das würde vermutlich deutlich schneller gehen. Es ist der längste Roman, den ich je gelesen habe. Die vier Bände umfassen zusammen über 1.500 Seiten, und ich muss sagen: Keine einzige Seite ist zu viel. Ich würde die einzelnen Bände gerne separat bewerten, weil jeder seinen eigenen Höhepunkt und seine eigene Botschaft besitzt. Doch das würde den Rahmen einer einfachen Rezension sprengen. Deshalb versuche ich, das Werk als Ganzes zu beurteilen. Der Roman spielt zur Zeit von Napoleons Russlandfeldzug. Dabei erleben wir nicht nur den Krieg und seine Grausamkeiten – wobei diese meiner Meinung nach nie übermäßig ausgeschlachtet werden –, sondern vor allem die Schicksale der Menschen, die durch ihn betroffen sind. Wir erleben Liebesgeschichten, gesellschaftlichen Zerfall, Identitätskrisen und Männer, die von Heldentum träumen, aber erkennen müssen, welchen hohen Preis es fordert. Wir erleben den Zusammenbruch von Persönlichkeiten, die sich einst für stark hielten, ebenso wie Intrigen und verzerrte Selbstwahrnehmung. Kurz gesagt: Wir erleben nahezu alles, was den Menschen ausmacht – im Guten wie im Schlechten. Wir begegnen der Frage nach Gott, philosophischen Überlegungen über das Leben und sogar Geheimbünden wie den Freimaurern. In diesem Buch bleibt kaum ein Thema unberührt. Tolstoi analysiert die Ursachen und Mechanismen des Krieges, zeigt aber ebenso eindrucksvoll die Möglichkeit des Friedens auf. Wir erleben, wie sich Dinge zum Guten wenden können, und Menschen, die durch das Feuer der Prüfungen gehen und am Ende stärker daraus hervorgehen – wie ein Phönix aus der Asche. Tolstoi gelingt es, unzählige Zeilen voller Weisheit zu schreiben. Genau aus diesem Grund lese ich so gerne Klassiker: Sie tragen diesen Titel meist aus gutem Grund, und Krieg und Frieden hat mir das eindrucksvoll bewiesen. Das Buch ist anspruchsvoll und fordernd, aber am Ende belohnt es den Leser reichlich. Ich bin froh, mich in die Reihe derjenigen einordnen zu dürfen, die dieses große Werk der Weltliteratur gelesen haben, und kann es jedem nur ans Herz legen. Der einzige Grund, warum ich 4,5 statt 5 Sterne vergebe, ist, dass es für mich nicht der größte Roman ist, den ich je gelesen habe. Diesen Platz nehmen nach wie vor Die Brüder Karamasow ein. Gerade aus der Perspektive eines gläubigen Christen werden diejenigen, die Dostojewskis Meisterwerk gelesen haben, vermutlich verstehen, was ich damit meine. Dennoch steht Krieg und Frieden für mich nur knapp dahinter. Meiner Meinung nach ist es sogar Tolstois stärkeres Werk als Anna Karenina, weil hier nicht nur ein großes Thema behandelt wird, sondern eine Vielzahl von Themen miteinander verwoben wird. Der Roman ist unglaublich facettenreich: Liebhaber gesellschaftskritischer Literatur kommen ebenso auf ihre Kosten wie Freunde großer Heldengeschichten, tragischer Liebesgeschichten oder philosophischer Fragen. In diesem Buch gibt es kaum etwas, das es nicht gibt. Und genau deshalb ist Krieg und Frieden für mich eine uneingeschränkte Empfehlung.

    15. Juni 2026

  • katharinuschka
    katharinuschka

    12 Follower

    4,0

    Ausdauer gefordert - die belohnt wird.

    Ein Meisterwerk seiner Zeit. Heute vielleicht etwas langatmig, für Menschen die mit Armeebegriffen nicht gut bewandert sind. Aber es lohnt sich. Besonders die Einblicke in den Adel der Zeit habe ich geliebt. Die komplexen Beziehungen zwischen den Figuren haben mich in Bann gehalten.

    19. Apr. 2026

  • 5,0

    Ein epochales Meisterwerk

    Für meine persönliche Klassiker-Challenge habe ich mir direkt eine Mammut-Aufgabe vorgenommen - 1290 Seiten über russischen Adel, napoleonische Kriege, Liebe und Leid. Ja, es braucht seine Zeit, aber dann zieht einen Tolstois klarer, intelligenter Schreibstil in seinen Bann und man merkt immer öfter, dass man das Buch zur Seite legt um über die hintersinnige Bedeutung seiner Worte nachzudenken. Man liebt und leidet mit Natascha, verteufelt Helene und möchte gerne Marja in ihren dunkelsten Stunden die Hand reichen. Man merkt schon - mir blieben vor allem die Frauen im Gedächtnis und im Herzen. Es ist eine andere Welt, in der Tolstoi lebte und noch eine andere, über die er schrieb. Darüber muss man sich im Klaren sein, wenn man dieses Werk beurteilt. Es hat nichts mit weichgezeichneter Regency-Romance gemeinsam und kann nur jeder Leserin, die diese Zeit ein wenig zu sehr verklärt, ans Herz gelegt werden. Auch wenn man diesen Roman ohne Vorwissen lesen kann, ein wenig Interesse an Napoleon und seinen Feldzügen sind von Vorteil und machen den Klassiker natürlich um einiges interessanter. Tolstois Einschätzungen zu Bonaparte sind scharfzüngig, aber gleichsam intelligent und vieles auch nachdenkenswert in heutiger Zeit. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dieses Werk endlich einmal zu beenden (begonnen wurde es mehrmals) und es fällt schwer, sich von den Rostows, Bolkonskis und Besuchows zu trennen. Ein Trost ist mir jetzt nur, dass mein Mann (der leider nicht liest), die wirklich sehenswerte Serie der BBC von 2016 nebenher begonnen hat, die in der Arte Mediathek zu finden ist.

    29. März 2025

3 von 32 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 90055%
tani9
tani918. März 2026

Anatole, einfach die größte Red Flag überhaupt 🚩

Autorin / Autor

Über Lew Tolstoi

Lew Tolstoi (geb. 1828) entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Mit neun Jahren wurde er bereits Vollwaise und unter die Vormundschaft der Schwester seines Vaters gestellt. 1844 studierte er in Kasan zunächst orientalische Sprachen, wechselte dann an die juristische Fakultät. Nach Abbruch des Studiums erste erfolglose Versuche, in Jasnaja Poljana, dem Stammgut der Familie, seine utopischen Landreformen durchzuführen. Ab 1851 diente er in der Kaukasusarmee; 1854/55 Teilnahme am Krimkrieg; 1856 Ende der Militärzeit. 1860 unternahm Tolstoi eine einjährige Auslandsreise (Deutschland, Frankreich, Italien, England, Belgien). Nach seiner Heirat wohnte er in Jasnaja Poljana und Moskau. In diesen Jahren intensivierte er seine Reformvorhaben und richtete Dorfschulen nach Rousseauschem Vorbild ein. Sein literarisches Schaffen erreichte einen ersten Höhepunkt mit "Anna Karenina" und 1899 "Auferstehung". Vor allem die beiden ersten Romane begründeten Tolstois Weltruhm. In den Jahren 1879-82 sagte er sich endgültig vom Adel los und ging auf die Position der patriarchalischen Bauernschaft über. In seinen letzten Lebensjahren genoß Lew Tolstoi weltweite moralische Autorität, was den Heiligen Synod, die oberste Kirchenbehörde Russlands, jedoch nicht daran hinderte, ihn 1901 zu exkommunizieren. Während der Revolution 1905 stellte er sich auf die Seite der russischen Bauernschaft, lehnte aber entsprechend seiner Lehre revolutionäre Gewalt kategorisch ab. Im November 1910 floh er - alt und krank - heimlich aus Jasnaja Poljana. Lew Tolstoi starb am 20.11. 1910 auf der Bahnstation Astapowo.

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