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Das Gleichgewicht der Welt

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Über das Buch

Editionen (11)

ISBN9783810512499
VerlagFISCHER Krüger
Erscheinungsdatum31.12.98
Seitenzahl864

Rezensionen & Bewertungen

67 Bewertungen

12 Rezensionen

4,6

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  • lesekosmos
    lesekosmos

    51 Follower

    4,0

    Existenzialismus mit Vorbildfunktion?

    Auch wenn das Buch von Rohinton Mistry, einem kanadischen Autor indischer Herkunft, irgendwann zwischen 1966 und 1984 angesiedelt ist, hat seine Szenerie mit Sicherheit bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Es handelt von Zeiten, in denen Indira Gandhi (die nicht mit Mahatma Gandhi verwandt war) in Indien zwei längere Perioden als Premierministerin amtierte. Zeiten, in denen diese versuchte, dem fortwährenden politischen und humanitären Chaos des Subkontinents Herr/Frau zu werden. In dieser Kulisse erschafft Mistry vier Protagonisten, deren teilweise schockierende Einzelschicksale sie für eine kurze, aber glückliche Zeit zusammenführen, bevor ökonomische, politische und menschliche Zwänge dazu führen, dass sich ihre Wege zum Teil wieder trennen. Das Buch ist kein Werk für Liebhaber von Happy Ends, von rosaroten Brillen oder des „Eigentlich ist doch alles gar nicht so schlimm“-Slogans. Will man das alltägliche Leben in Indien beschreiben, ist dafür auch kein Platz. Die Realität ist Existenzkampf pur, der tägliche Kampf ums nackte Überleben. Ab Geburt das permanente Bestreben, nicht in die gnadenlose Maschinerie der politischen Willkür oder der Kasten-Fehden zu geraten. Jeder für sich unter 1,4 Milliarden anderen Indern. Seine vier exemplarischen Lebensläufe baut Mistry gut auf und aus. Das gesellschaftliche Stimmungsbild ist hervorragend koloriert. Allerdings leidet der Gesamteindruck sehr stark unter seiner Liebe zu schier nicht enden wollenden Dialog-Passagen. Das ermüdet und lässt das Panoptikum an emotionalen Bildern gelegentlich verblassen. Eine Frage begleitet den Leser durch das monumentale Werk. Bei all dem Elend, bei all den Schicksalsschlägen, bei all den menschlichen Katastrophen - wo ist denn nun das Gleichgewicht bei seinen Figuren oder gar auf dieser Welt? Dazu muss man wissen, dass Rohinton Mistry der ethnischen Gruppe der Parsen angehört, die Anhänger der Lehre des Zoroastrismus sind. Der religiöse Glaube des Zoroastrismus bewertet die Schöpfung des Gottes Ahura Mazda prinzipiell erst einmal als gut. In dieser Welt ringt das Gutsein aber beständig zwischen den guten und den bösen Mächten, versucht also zwischen beidem ein Gleichgewicht zu erreichen. Beides und auch der permanente, alltägliche Kampf sind Inhalt des Lebens, das ob seines göttlichen Ursprungs genau so zu akzeptieren ist. Neben der ein oder anderen Anspielung auf den Buchtitel im Text, legt Rohinton Mistry nur an einer Stelle einem Protagonisten eine schon eher erklärende Analogie in den Mund:“ … es sei alles Teil des Lebens, dass das Geheimnis des Überlebens darin bestehe, ein Gleichgewicht zwischen Hoffnung und Verzweiflung zu finden, sich auf Veränderungen einzulassen.“ Ein monumentales Werk, dass einen ein Stück weit in einer Stimmung der Erschütterung, der Hilflosigkeit und der Ausweglosigkeit zurücklässt. Oder kann die eine oder andere Figur im Roman Mistry’s mit ihrer existentialistischen Reduktion auf das Lebensminimum im Vergleich zu einer westlichen Gesellschaft mit ihrer permanenten Sinn- und Singularitätssuche auch Vorbildfunktion haben oder zumindest als relativierender Weckruf verstanden werden?

    15. Apr. 2026

  • theagri
    theagri

    779 Follower

    5,0

    Ein intensives Buch, das lange bewegt!

    Dieser Roman hat mich total gefesselt. Die Lebenswege der vier Protagonisten haben mich sehr berührt und erschüttert. Ich habe so viel vomLeben, der Kultur und der Landschaft Indiens erfahren. Der Schreibstil ist flüssig lesbar, abwechslungsreich und der Schicksal der einzelnen bewirkt, dass man keine Pause beim Lesen machen möchte. Ein Roman, den man nicht ht so leicht vergisst. LESENSWERT.

    22. Apr. 2025

  • taunusleserin
    taunusleserin

    300 Follower

    4,0

    Die Geschichte, deren Handlung 1975 in Bombay während der Regierungszeit Indira Gandhis stattfindet, verknüpft die Lebenswege von vier sehr unterschiedlichen Menschen miteinander. Man erfährt viel über das Indien der damaligen Zeit, und ich muss sagen, ich habe das indische Kastensystem zum ersten Mal verstanden. Ich habe für das Buch 3,5 Monate gebraucht und musste immer Mal wieder innehalten, aber am Ende war ich froh, dass ich dran geblieben bin.

    17. Aug. 2024

3 von 12 Rezensionen

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