1954: Nach dreißig Jahren im Kloster kehrt Schwester Agnes, nunmehr wieder Miss Nora Breen, ihrem Konvent den Rücken zu. Ihr Weg führt sie nach Kent in das pittoreske Küstenstädtchen Gore-on-Sea, wo ihre einstige Novizin Frieda Brogan vor einem Monat spurlos verschwunden ist. Ihre wöchentlichen Briefe haben einfach aufgehört – und das kurz nachdem Frieda angekündigt hatte, die Geheimnisse der sonderbaren Bewohner der Pension Möwennest zu lüften. Ist sie dabei auf unliebsame Wahrheiten gestoßen, die sie von der Küste vertrieben haben, oder ist ihr gar Schlimmeres widerfahren? Nora geht undercover und nistet sich nicht nur im Möwennest ein, sondern bezieht auch Friedas einstiges Zimmer. Ihr Verdacht, dass es in der Pension nicht mit rechten Dingen zugehen kann, bestätigt sich, als einer der Gäste tot aufgefunden wird. Teddy Atkins Kaffee wurde vergiftet. Da Detective Inspector Rideout den Tod des jungen traumatisierten Mannes jedoch als Suizid abtut, nimmt Nora kurz entschlossen die Ermittlungen selbst in die Hand – und alle Gäste des Möwennests aufs Korn.
*Nora sagt sich, die Welt mag ja verwirrend scheinen, aber sie ist einfach nur die Summe ihrer Teile. Nimm sie Stück für Stück, dann kannst du das Ganze verstehen.*
44 Minuten vor
4,0
*Nora sagt sich, die Welt mag ja verwirrend scheinen, aber sie ist einfach nur die Summe ihrer Teile. Nimm sie Stück für Stück, dann kannst du das Ganze verstehen.*
»Eine gescheiterte Nonne ermittelt« lautet der Untertitel zu Jess Kidds neuestem Kriminalroman »Mord in der Pension Möwennest« und wenn es um ermittelnde Geistliche geht, bin ich sofort an Bord. Nora Breen (ehemalige Schwester Agnes) mietet sich im Möwennest ein, um das Verschwinden ihrer Mitschwester Frieda zu untersuchen. Und der erste Tote lässt nicht lange auf sich warten ...
Das Buch und ich hatten keinen guten Start und ich habe geschlagene 7 Wochen gebraucht, um die rund 380 Seiten zu lesen Allerdings hatte ich so meine Probleme mit Jess Kidds Schreibstil, der einerseits berichthaft distanziert und andererseits manchmal geradezu poetisch anmutet.
Sehr gelungen fand ich hingegen die Figuren, über die ich zum Teil gerne noch mehr erfahren hätte. Allesamt wirkten sie irgendwie liebenswert-skurril, von der mürrischen Haushälterin, über die verhaltensauffällige Tochter der Hausherrin bis zum alten Puppenspieler, der seit Jahren im Möwennest residiert. Manchmal hätte ich Schwierigkeiten, die einzelnen Personen des recht personenstarken Ensembles auseinanderzuhalten, was jedoch bestimmt auch der Lesedauer geschuldet war.
Ebenfalls unterhaltsam ist die Dynamik zwischen Nora und Detective Inspector Rideout, wobei man sagen muss, dass diese sich nicht wesentlich von den üblichen Reibereien zwischen Amateurermittler und Berufsprofi unterscheidet. Wer »Mord ist ihr Hobby« kennt (und liebt) dürfte das alles bereits x-fach gesehen haben.
Man sollte sich allerdings weder vom Cover noch vom Klappentext täuschen lassen: Das hier ist kein Cosy Crime, wie bereits die erste Szene zeigt. Es geht düster zu in Gore-on-Sea: Vergewaltigung, Kriegsversehrungen, der Verlust eines Kindes … Die Themen werden zwar nur angeschnitten und nicht sehr grafisch dargestellt, aber von kriminalistischer Behaglichkeit sind wir doch recht weit entfernt. Es handelt sich also trotz des cosy Erscheinungsbildes eher um einen klassischen Kriminalroman.
Trotz aller Startschwierigkeiten werde ich gerne wieder mit Nora Breen ermitteln, ein 2. Band scheint bereits in Arbeit zu sein.
2. Juli 2026
3,0
»Eine gescheiterte Nonne ermittelt« lautet der Untertitel zu Jess Kidds neuestem Kriminalroman »Mord in der Pension Möwennest« und wenn es um ermittelnde Geistliche geht, bin ich sofort an Bord. Nora Breen (ehemalige Schwester Agnes) mietet sich im Möwennest ein, um das Verschwinden ihrer Mitschwester Frieda zu untersuchen. Und der erste Tote lässt nicht lange auf sich warten ...
Das Buch und ich hatten keinen guten Start und ich habe geschlagene 7 Wochen gebraucht, um die rund 380 Seiten zu lesen Allerdings hatte ich so meine Probleme mit Jess Kidds Schreibstil, der einerseits berichthaft distanziert und andererseits manchmal geradezu poetisch anmutet.
Sehr gelungen fand ich hingegen die Figuren, über die ich zum Teil gerne noch mehr erfahren hätte. Allesamt wirkten sie irgendwie liebenswert-skurril, von der mürrischen Haushälterin, über die verhaltensauffällige Tochter der Hausherrin bis zum alten Puppenspieler, der seit Jahren im Möwennest residiert. Manchmal hätte ich Schwierigkeiten, die einzelnen Personen des recht personenstarken Ensembles auseinanderzuhalten, was jedoch bestimmt auch der Lesedauer geschuldet war.
Ebenfalls unterhaltsam ist die Dynamik zwischen Nora und Detective Inspector Rideout, wobei man sagen muss, dass diese sich nicht wesentlich von den üblichen Reibereien zwischen Amateurermittler und Berufsprofi unterscheidet. Wer »Mord ist ihr Hobby« kennt (und liebt) dürfte das alles bereits x-fach gesehen haben.
Man sollte sich allerdings weder vom Cover noch vom Klappentext täuschen lassen: Das hier ist kein Cosy Crime, wie bereits die erste Szene zeigt. Es geht düster zu in Gore-on-Sea: Vergewaltigung, Kriegsversehrungen, der Verlust eines Kindes … Die Themen werden zwar nur angeschnitten und nicht sehr grafisch dargestellt, aber von kriminalistischer Behaglichkeit sind wir doch recht weit entfernt. Es handelt sich also trotz des cosy Erscheinungsbildes eher um einen klassischen Kriminalroman.
Trotz aller Startschwierigkeiten werde ich gerne wieder mit Nora Breen ermitteln, ein 2. Band scheint bereits in Arbeit zu sein.
Aufgepasst! Hier kommt Miss Breen
„Was für ein Narr wirft dreißig Jahre der Hingabe weg, um ein Rätsel zu lösen, so beunruhigend es auch sein mag?“ (S. 15)
Als Schwester Agnes den Karmeliterorden nach über dreißig Jahren verlässt, steht sie buchstäblich vor dem Nichts. Ihre Kleidung stammt aus dem Fundus des Klosters, ist altmodisch und sitzt mehr schlecht als recht, und sie muss ihren Mädchennamen wieder annehmen – Nora Breen. All dass nimmt sie auf sich, weil sie sich um die ehemalige Novizin Frieda sorgt, die das Kloster aus gesundheitlichen Gründen verlassen hat und nun spurlos aus der Pension „Möwennest“ in Gore-on-Sea in Kent verschwunden ist. Nora ist überzeugt, dass ein Verbrechen dahinter steckt. Detective Inspector Rideout von der Polizei zeigt an dem Fall zunächst nur wenig Interesse, doch Nora lässt sich nicht abwimmeln. Als weitere Gäste der Pension unter rätselhaften Umständen sterben, drängt sich die Frage auf, ob es einen Zusammenhang gibt.
„Was ist in diesem Haus, dass selbst die Unschuldigen darin bösartig erscheinen mögen?“ (S. 295) Eine heruntergekommen Pension am Ende der Welt, eine geistig und körperlich oft abwesende Besitzerin, ihre verwilderte, stumme Tochter, eine strenge Hausdame und eine Gruppe gestrandeter Existenzen mit dunkler Vergangenheit – das ist die Bühne für den Cosy Crime von Jess Kidd im Stil der 1950er Jahre.
Acht Jahre nach dem 2. WK wirkt die Pension Möwennest wie ein Sammelbecken für Menschen, die mit ihrer Vergangenheit ringen und etwas zu verbergen haben, Nora eingeschlossen, wie sich im Laufe der Handlung zeigt. Umso erstaunlicher ist es, dass sie den Aufenthalt dort überhaupt erträgt: Das Haus ist kalt, zugig und schmutzig, und die ungenießbaren Mahlzeiten stellen selbst Nora auf eine harte Probe.
Der Krimi entwickelt sich bewusst nur langsam und lebt weniger von rasanter Spannung als von seinen Figuren, ihren Beziehungen und der rauen, atmosphärischen Küstenlandschaft.
Nora ist direkt, neugierig und unbeirrbar. Ihre Vergangenheit verleiht ihr eine besondere Glaubwürdigkeit, die ihr Türen öffnet und Gespräche erleichtert. Anfangs wirkt sie spröde, doch mit Charme, Klugheit und Beharrlichkeit gewinnt sie nicht nur das Vertrauen der anderen, sondern schließlich auch die Oberhand im Fall – sogar vor Detective Inspector Rideout.
Am Ende bleibt nicht nur die Auflösung eines raffiniert gesponnenen Rätsels, sondern auch die Gewissheit, dass Nora Breen als Ermittlerin noch längst nicht am Ende ihrer Geschichte angekommen ist. Eine Fortsetzung scheint mehr als wahrscheinlich – und durchaus willkommen.
30. Apr. 2026
4,0
Aufgepasst! Hier kommt Miss Breen
„Was für ein Narr wirft dreißig Jahre der Hingabe weg, um ein Rätsel zu lösen, so beunruhigend es auch sein mag?“ (S. 15)
Als Schwester Agnes den Karmeliterorden nach über dreißig Jahren verlässt, steht sie buchstäblich vor dem Nichts. Ihre Kleidung stammt aus dem Fundus des Klosters, ist altmodisch und sitzt mehr schlecht als recht, und sie muss ihren Mädchennamen wieder annehmen – Nora Breen. All dass nimmt sie auf sich, weil sie sich um die ehemalige Novizin Frieda sorgt, die das Kloster aus gesundheitlichen Gründen verlassen hat und nun spurlos aus der Pension „Möwennest“ in Gore-on-Sea in Kent verschwunden ist. Nora ist überzeugt, dass ein Verbrechen dahinter steckt. Detective Inspector Rideout von der Polizei zeigt an dem Fall zunächst nur wenig Interesse, doch Nora lässt sich nicht abwimmeln. Als weitere Gäste der Pension unter rätselhaften Umständen sterben, drängt sich die Frage auf, ob es einen Zusammenhang gibt.
„Was ist in diesem Haus, dass selbst die Unschuldigen darin bösartig erscheinen mögen?“ (S. 295) Eine heruntergekommen Pension am Ende der Welt, eine geistig und körperlich oft abwesende Besitzerin, ihre verwilderte, stumme Tochter, eine strenge Hausdame und eine Gruppe gestrandeter Existenzen mit dunkler Vergangenheit – das ist die Bühne für den Cosy Crime von Jess Kidd im Stil der 1950er Jahre.
Acht Jahre nach dem 2. WK wirkt die Pension Möwennest wie ein Sammelbecken für Menschen, die mit ihrer Vergangenheit ringen und etwas zu verbergen haben, Nora eingeschlossen, wie sich im Laufe der Handlung zeigt. Umso erstaunlicher ist es, dass sie den Aufenthalt dort überhaupt erträgt: Das Haus ist kalt, zugig und schmutzig, und die ungenießbaren Mahlzeiten stellen selbst Nora auf eine harte Probe.
Der Krimi entwickelt sich bewusst nur langsam und lebt weniger von rasanter Spannung als von seinen Figuren, ihren Beziehungen und der rauen, atmosphärischen Küstenlandschaft.
Nora ist direkt, neugierig und unbeirrbar. Ihre Vergangenheit verleiht ihr eine besondere Glaubwürdigkeit, die ihr Türen öffnet und Gespräche erleichtert. Anfangs wirkt sie spröde, doch mit Charme, Klugheit und Beharrlichkeit gewinnt sie nicht nur das Vertrauen der anderen, sondern schließlich auch die Oberhand im Fall – sogar vor Detective Inspector Rideout.
Am Ende bleibt nicht nur die Auflösung eines raffiniert gesponnenen Rätsels, sondern auch die Gewissheit, dass Nora Breen als Ermittlerin noch längst nicht am Ende ihrer Geschichte angekommen ist. Eine Fortsetzung scheint mehr als wahrscheinlich – und durchaus willkommen.
Das Ende fand ich nicht so überraschend 😅. Habe es wirklich sehr früh vermutet.
Autorin / Autor
Über Jess Kidd
JESS KIDD, 1973 in London geboren, hat Literatur an der St Mary’s University in Twickenham studiert. Bei DuMont erschienen 2017 ihr Debütroman ›Der Freund der Toten‹, der auf der Krimibestenliste stand, sowie die Romane ›Heilige und andere Tote‹ (2018), ›Die Ewigkeit in einem Glas‹ (2019) und ›Die Insel der Unschuldigen‹ (2023). Jess Kidd lebt in West London.