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Rezensionsexemplar Gute Gedankenanstöße, aber Buch war zu kurz um die Themen wirklich zu behandeln
In I Feel You versammelt Jasmin Mbarek fünf persönliche Essays, die sich mit Themen wie Identität, Empathie, Nähe, Wut und Gossip beschäftigen. Sie schreibt über soziale Dynamiken, gesellschaftliche Erwartungen und die Schwierigkeit, in einer lauten, digitalen Welt echt zu bleiben. Besonders interessant ist, wie sie Alltagsbeobachtungen, Popkultur und politische Fragen miteinander verknüpft – mal humorvoll, mal nachdenklich, mal provokant. Besonders prägnant ist, wie sie Alltagsbeobachtungen mit politischen und kulturellen Fragen verknüpft. M’barek schreibt klug, pointiert und mit einem klaren Gespür für Ironie und Selbstreflexion. Mein Lieblingskapitel war Kapitel 4, „Der Tod der Kritik“. Darin geht es darum, wie öffentliche Diskurse heute funktionieren – wie Kritik in sozialen Medien schnell entweder als Angriff oder Zustimmung gelesen wird und wie dadurch die Fähigkeit zur echten Auseinandersetzung verloren geht. M’barek zeigt, dass differenzierte Kritik zunehmend verschwindet, weil wir in einer Kultur leben, die Ambivalenz kaum noch zulässt. Dieses Kapitel hat mich am meisten überzeugt, weil es sehr genau beschreibt, warum Diskussionen so selten noch konstruktiv sind. Kapitel 5, in dem es ums Lästern und Gossip geht, fand ich zwar interessant, aber ich persönlich kann mit dem Thema nicht so viel anfangen. Mbarek analysiert zwar klug, wie Gossip Zugehörigkeit schaffen kann, doch das Thema hat mich emotional weniger gepackt. Insgesamt gefällt mir M’bareks Essayband gut, auch wenn ich finde, dass die Essays oft recht kurz sind. Dadurch werden viele Themen nur angerissen, anstatt wirklich in die Tiefe zu gehen. Besonders aufgefallen ist mir, dass M’barek zwar über viele marginalisierte Gruppen spricht – etwa über Frauen, People of Color oder Menschen mit prekären Lebensrealitäten –, aber Menschen mit Behinderung gar nicht vorkommen. Gerade in einem Buch, das Empathie, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Teilhabe in den Mittelpunkt stellt, wirkt diese Auslassung deutlich. Da ich selbst ein Mensch mit Behinderung bin, hat mich das besonders gestört. Es fühlt sich an, als würde ein wichtiger Teil gesellschaftlicher Realität einfach übergangen – und damit geht ein Stück der geforderten Empathie verloren. Mit nur rund 140 Seiten ist das Buch insgesamt recht dünn, und obwohl die Texte anregend und pointiert sind, fehlt manchmal der letzte Funke, der mich völlig überzeugt hätte. Trotzdem regen sie zum Nachdenken an und geben wertvolle Denkanstöße.
20. Okt. 2025
Rezensionsexemplar Gute Gedankenanstöße, aber Buch war zu kurz um die Themen wirklich zu behandeln
In I Feel You versammelt Jasmin Mbarek fünf persönliche Essays, die sich mit Themen wie Identität, Empathie, Nähe, Wut und Gossip beschäftigen. Sie schreibt über soziale Dynamiken, gesellschaftliche Erwartungen und die Schwierigkeit, in einer lauten, digitalen Welt echt zu bleiben. Besonders interessant ist, wie sie Alltagsbeobachtungen, Popkultur und politische Fragen miteinander verknüpft – mal humorvoll, mal nachdenklich, mal provokant. Besonders prägnant ist, wie sie Alltagsbeobachtungen mit politischen und kulturellen Fragen verknüpft. M’barek schreibt klug, pointiert und mit einem klaren Gespür für Ironie und Selbstreflexion. Mein Lieblingskapitel war Kapitel 4, „Der Tod der Kritik“. Darin geht es darum, wie öffentliche Diskurse heute funktionieren – wie Kritik in sozialen Medien schnell entweder als Angriff oder Zustimmung gelesen wird und wie dadurch die Fähigkeit zur echten Auseinandersetzung verloren geht. M’barek zeigt, dass differenzierte Kritik zunehmend verschwindet, weil wir in einer Kultur leben, die Ambivalenz kaum noch zulässt. Dieses Kapitel hat mich am meisten überzeugt, weil es sehr genau beschreibt, warum Diskussionen so selten noch konstruktiv sind. Kapitel 5, in dem es ums Lästern und Gossip geht, fand ich zwar interessant, aber ich persönlich kann mit dem Thema nicht so viel anfangen. Mbarek analysiert zwar klug, wie Gossip Zugehörigkeit schaffen kann, doch das Thema hat mich emotional weniger gepackt. Insgesamt gefällt mir M’bareks Essayband gut, auch wenn ich finde, dass die Essays oft recht kurz sind. Dadurch werden viele Themen nur angerissen, anstatt wirklich in die Tiefe zu gehen. Besonders aufgefallen ist mir, dass M’barek zwar über viele marginalisierte Gruppen spricht – etwa über Frauen, People of Color oder Menschen mit prekären Lebensrealitäten –, aber Menschen mit Behinderung gar nicht vorkommen. Gerade in einem Buch, das Empathie, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Teilhabe in den Mittelpunkt stellt, wirkt diese Auslassung deutlich. Da ich selbst ein Mensch mit Behinderung bin, hat mich das besonders gestört. Es fühlt sich an, als würde ein wichtiger Teil gesellschaftlicher Realität einfach übergangen – und damit geht ein Stück der geforderten Empathie verloren. Mit nur rund 140 Seiten ist das Buch insgesamt recht dünn, und obwohl die Texte anregend und pointiert sind, fehlt manchmal der letzte Funke, der mich völlig überzeugt hätte. Trotzdem regen sie zum Nachdenken an und geben wertvolle Denkanstöße.
20. Okt. 2025






