Ein alter Mann blickt zurück auf seine Kindheit: Als namenlose Waise wächst er in einem Bordell im Carthago Nova des 4. Jahrhunderts auf. Euterpe, eine der Prostituierten, wird seine Ziehmutter, »Sperling« nennt sie ihn liebevoll. Anfangs hilft er in der Küche, später schuftet er in der Taverne, bis er schließlich in das geheimnisvolle Obergeschoss geführt wird, wo ihn ein furchtbares Schicksal erwartet. Doch wie ein kleiner Sperling entfliegt er mit seiner Fantasie der harten Realität. James Hynes lässt eine dem Untergang geweihte Welt wiederauferstehen, in der unvorstellbare Brutalität und aufrichtige Liebe nebeneinander existieren.
Ungekürzte Lesung mit Walter Kreye
2 mp3-CDs | ca. 21 h 33 min
Gut recherchierter Roman über das harte Leben einiger Sklavinnen im untergehenden Römischen Reich. Teilweise schwer zu ertragen. Sehr poetisch erzählt, aber trotzdem ist eine Triggerwarnung nötig: Vielfache Beschreibung sexualisierter und anderer physischer als auch psychischer Gewalt.
5. Feb. 2025
4,0
Erschütternd
Gut recherchierter Roman über das harte Leben einiger Sklavinnen im untergehenden Römischen Reich. Teilweise schwer zu ertragen. Sehr poetisch erzählt, aber trotzdem ist eine Triggerwarnung nötig: Vielfache Beschreibung sexualisierter und anderer physischer als auch psychischer Gewalt.
Maus, Antinoos oder Sperling - Das sind nur einige der Namen unseres Protagonisten. Dieser blickt, mittlerweile deutlich betagt, auf sein Leben als Sklave im Römischen Reich zurück; als Kind mit vielen Namen … aber ohne Identität.
Viel wichtiger sind jedoch vielleicht die Namen Fokaria, Melpomene und allem voran Euterpe - die sogenannten „Wölfinnen“ hinter geschlossenen Vorhängen und hinter Töpfen. Sie empfangen jeden Tag die Freier und halten den zentralen Ort der Handlung, die Taverne, am Laufen. Sie leiden, hoffen und lieben und sind genau wie „Sperling“ ihrer selbst beraubt.
Auch wenn ich die Idee, sich wirklich einmal konzentriert auf 500 Seiten diesem einen bedeutsamen Schauplatz zu widmen, positiv hervorheben möchte, hatte die Umsetzung meiner Meinung nach deutliche Schwächen.
Zunächst einmal konnte ich mich nicht so recht an die rückblickende Erzählperspektive gewöhnen, welche für mich keinen weiteren Zweck hatte, als sich nicht vollends in die Gedankenwelt eines Kindes hineinversetzen zu müssen. Der alte (und nun auf unerklärliche Weise gebildete und sprachgewandte) Erzähler kann mit gewählten Formulierungen nur so um sich werfen und hunderte Seiten füllen. Wozu? Das bleibt offen, auch wenn es sicher Möglichkeiten gegeben hätte.
Nicht zuletzt hätte ich mir gewünscht, dass sich der Text als Homage an die Frauen der Taverne verstanden hätte - und zwar explizit. Da das jedoch nicht passiert ist, hätte ich mir dann doch eher eine weibliche Perspektive gewünscht, die nicht den Umweg über die männliche Projektionsfläche benötigt, sondern für sich selbst spricht.
11. Feb. 2025
2,5
Der Junge und die Frauen
Maus, Antinoos oder Sperling - Das sind nur einige der Namen unseres Protagonisten. Dieser blickt, mittlerweile deutlich betagt, auf sein Leben als Sklave im Römischen Reich zurück; als Kind mit vielen Namen … aber ohne Identität.
Viel wichtiger sind jedoch vielleicht die Namen Fokaria, Melpomene und allem voran Euterpe - die sogenannten „Wölfinnen“ hinter geschlossenen Vorhängen und hinter Töpfen. Sie empfangen jeden Tag die Freier und halten den zentralen Ort der Handlung, die Taverne, am Laufen. Sie leiden, hoffen und lieben und sind genau wie „Sperling“ ihrer selbst beraubt.
Auch wenn ich die Idee, sich wirklich einmal konzentriert auf 500 Seiten diesem einen bedeutsamen Schauplatz zu widmen, positiv hervorheben möchte, hatte die Umsetzung meiner Meinung nach deutliche Schwächen.
Zunächst einmal konnte ich mich nicht so recht an die rückblickende Erzählperspektive gewöhnen, welche für mich keinen weiteren Zweck hatte, als sich nicht vollends in die Gedankenwelt eines Kindes hineinversetzen zu müssen. Der alte (und nun auf unerklärliche Weise gebildete und sprachgewandte) Erzähler kann mit gewählten Formulierungen nur so um sich werfen und hunderte Seiten füllen. Wozu? Das bleibt offen, auch wenn es sicher Möglichkeiten gegeben hätte.
Nicht zuletzt hätte ich mir gewünscht, dass sich der Text als Homage an die Frauen der Taverne verstanden hätte - und zwar explizit. Da das jedoch nicht passiert ist, hätte ich mir dann doch eher eine weibliche Perspektive gewünscht, die nicht den Umweg über die männliche Projektionsfläche benötigt, sondern für sich selbst spricht.
𝙄𝙘𝙝, 𝙎𝙥𝙚𝙧𝙡𝙞𝙣𝙜 von James Hynes habe ich in zwei großen Abschnitten über fast 14 Monate hinweg als Hörbuch gehört.
Die Pause kam zustande, weil ich zwischendurch unbedingt einen Recap der Sturmlichtchroniken machen wollte.
Geschadet hat die Pause mir und dem Buch allerdings nicht.
Als ich das Hören 2025 wieder aufnahm, war ich emotional wieder genau dort, wo ich aufgehört hatte.
Ich, Sperling ist ein historischer Roman zum Ende des Römischen Imperiums in einer zerfallenden entgleisenden Welt.
Ich, Sperling ist ein Gesellschaftsroman über die Macht der Männer über Frauen und Kinder.
Ich, Sperling ist das leise Psychogramm eines Kindes, das in einem Hurenhaus immer wieder sexuell missbraucht wird.
Ich habe dieses Buch vor allem wegen seiner unaufgeregten, langsamen, beobachtenden Haltung geliebt.
Und diese steht im absoluten Widerspruch zu den lauten, brutalen, verstörenden Ereignissen der Geschichte.
Pusus selbst, das Kind, ist der Erzähler und seine Unschuld, Unwissenheit und Arglosigkeit ziehen dem Leser die Schuhe aus.
Denn der in der Regel erwachsene Leser weiss so viel mehr als Pusus über die Welt, über Sexualität ...und Gewalt und man möchte das Kind einfach nur nehmen und in Sicherheit bringen, weil man als erwachsener Leser genau weiß, was kommt.
In vielen Rezensionen habe ich gelesen, dass nicht verstanden wurde, was der Autor sagen oder vermitteln wollte.
Für mich war das aber irgendwie ganz klar.
Dieses Buch erzählt uns etwas über die Entwertung von Menschen und Minderheiten, von Frauen...
es erzählt uns von Liebe und Freundschaft auch in dunkelsten Zeiten
und es erzählt uns etwas über die innerpsychische Ressourcenaktivierung während und nach Traumata.
Als Psychotherapeutin habe vor allem diesen Teil sehr geschätzt. Die Beschreibung der Imaginationstechnik fand ich sehr gelungen und sie ist es auch, die dem Roman den Namen gab. 𝙄𝙘𝙝, 𝙎𝙥𝙚𝙧𝙡𝙞𝙣𝙜
Bitte lest dieses Buch nur wenn ihr entweder frei seid von sexueller Traumatisierung oder diese schon fortschreitend bearbeitet habt.
Bei diesem Buch ist es wirklich relevant.
30. Jan. 2026
5,0
𝙄𝙘𝙝, 𝙎𝙥𝙚𝙧𝙡𝙞𝙣𝙜 von James Hynes habe ich in zwei großen Abschnitten über fast 14 Monate hinweg als Hörbuch gehört.
Die Pause kam zustande, weil ich zwischendurch unbedingt einen Recap der Sturmlichtchroniken machen wollte.
Geschadet hat die Pause mir und dem Buch allerdings nicht.
Als ich das Hören 2025 wieder aufnahm, war ich emotional wieder genau dort, wo ich aufgehört hatte.
Ich, Sperling ist ein historischer Roman zum Ende des Römischen Imperiums in einer zerfallenden entgleisenden Welt.
Ich, Sperling ist ein Gesellschaftsroman über die Macht der Männer über Frauen und Kinder.
Ich, Sperling ist das leise Psychogramm eines Kindes, das in einem Hurenhaus immer wieder sexuell missbraucht wird.
Ich habe dieses Buch vor allem wegen seiner unaufgeregten, langsamen, beobachtenden Haltung geliebt.
Und diese steht im absoluten Widerspruch zu den lauten, brutalen, verstörenden Ereignissen der Geschichte.
Pusus selbst, das Kind, ist der Erzähler und seine Unschuld, Unwissenheit und Arglosigkeit ziehen dem Leser die Schuhe aus.
Denn der in der Regel erwachsene Leser weiss so viel mehr als Pusus über die Welt, über Sexualität ...und Gewalt und man möchte das Kind einfach nur nehmen und in Sicherheit bringen, weil man als erwachsener Leser genau weiß, was kommt.
In vielen Rezensionen habe ich gelesen, dass nicht verstanden wurde, was der Autor sagen oder vermitteln wollte.
Für mich war das aber irgendwie ganz klar.
Dieses Buch erzählt uns etwas über die Entwertung von Menschen und Minderheiten, von Frauen...
es erzählt uns von Liebe und Freundschaft auch in dunkelsten Zeiten
und es erzählt uns etwas über die innerpsychische Ressourcenaktivierung während und nach Traumata.
Als Psychotherapeutin habe vor allem diesen Teil sehr geschätzt. Die Beschreibung der Imaginationstechnik fand ich sehr gelungen und sie ist es auch, die dem Roman den Namen gab. 𝙄𝙘𝙝, 𝙎𝙥𝙚𝙧𝙡𝙞𝙣𝙜
Bitte lest dieses Buch nur wenn ihr entweder frei seid von sexueller Traumatisierung oder diese schon fortschreitend bearbeitet habt.
Bei diesem Buch ist es wirklich relevant.
30. Jan. 2026
3 von 34 Rezensionen
Autorin / Autor
Über James Hynes
James Hynes ist Absolvent des renommierten Iowa Writers' Workshop und veröffentlichte bisher drei Romane sowie eine Kurzgeschichtensammlung. Seine Texte erschienen u.a. in The New York Times und The Washington Post. Er lehrte Kreatives Schreiben an diversen Universitäten. Hynes lebt in Austin, Texas.