Blick ins Buch

Historische Romane

Ich, Sperling

4,3(113)
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Über das Buch

»Niemand weiß, wer ich bin, am allerwenigsten ich selbst.«

Ein alter Mann blickt zurück auf seine oft unmenschliche Kindheit: Als namenloser Waise wächst er in einem Bordell inmitten der sogenannten „Wölfinnen“ im spanischen Carthago Nova im 4. Jahrhundert n. Chr. auf. Eine von ihnen, Euterpe, wird seine Ziehmutter: „Sperling“ nennt sie ihn liebevoll. Sperling weiß nicht viel von der Welt: Anfangs hilft er Euterpes geheimer Geliebten in der Küche, später schuftet er in der Taverne, bis er schließlich in das ominöse Obergeschoss geführt wird, wo die Prostituierten ihre Betten haben. Ein furchtbares Schicksal erwartet ihn dort. Doch wie ein kleiner Sperling entfliegt er in seiner Vorstellung der brutalen Realität immer wieder und vermag es, mit seinem Lied auch anderen Hoffnung zu geben.

Mit großer Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen lässt James Hynes in ›Ich, Sperling‹ das spätrömische Reich in den Geschichten der Desklassierten und Ausgenutzen auferstehen, dort, wo Gewalt und aufrichtige Liebe in einer dem Untergang geweihten Welt direkt nebeneinander existieren.

»Diese verborgende Welt stellt Hynes unbeschreiblich kraftvoll und lebendig dar.« The Times

»Meisterhaft in seiner Darstellung von Liebe, Sexualität und Freundschaft.« The Observer

Editionen (4)

ISBN9783423149181
Verlagdtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum17.10.24
Seitenzahl592

Rezensionen & Bewertungen

113 Bewertungen

34 Rezensionen

4,3

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  • maedelvomlande
    maedelvomlande

    68 Follower

    4,0

    Erschütternd

    Gut recherchierter Roman über das harte Leben einiger Sklavinnen im untergehenden Römischen Reich. Teilweise schwer zu ertragen. Sehr poetisch erzählt, aber trotzdem ist eine Triggerwarnung nötig: Vielfache Beschreibung sexualisierter und anderer physischer als auch psychischer Gewalt.

    5. Feb. 2025

  • julsico
    julsico

    77 Follower

    2,5

    Der Junge und die Frauen

    Maus, Antinoos oder Sperling - Das sind nur einige der Namen unseres Protagonisten. Dieser blickt, mittlerweile deutlich betagt, auf sein Leben als Sklave im Römischen Reich zurück; als Kind mit vielen Namen … aber ohne Identität. Viel wichtiger sind jedoch vielleicht die Namen Fokaria, Melpomene und allem voran Euterpe - die sogenannten „Wölfinnen“ hinter geschlossenen Vorhängen und hinter Töpfen. Sie empfangen jeden Tag die Freier und halten den zentralen Ort der Handlung, die Taverne, am Laufen. Sie leiden, hoffen und lieben und sind genau wie „Sperling“ ihrer selbst beraubt. Auch wenn ich die Idee, sich wirklich einmal konzentriert auf 500 Seiten diesem einen bedeutsamen Schauplatz zu widmen, positiv hervorheben möchte, hatte die Umsetzung meiner Meinung nach deutliche Schwächen. Zunächst einmal konnte ich mich nicht so recht an die rückblickende Erzählperspektive gewöhnen, welche für mich keinen weiteren Zweck hatte, als sich nicht vollends in die Gedankenwelt eines Kindes hineinversetzen zu müssen. Der alte (und nun auf unerklärliche Weise gebildete und sprachgewandte) Erzähler kann mit gewählten Formulierungen nur so um sich werfen und hunderte Seiten füllen. Wozu? Das bleibt offen, auch wenn es sicher Möglichkeiten gegeben hätte. Nicht zuletzt hätte ich mir gewünscht, dass sich der Text als Homage an die Frauen der Taverne verstanden hätte - und zwar explizit. Da das jedoch nicht passiert ist, hätte ich mir dann doch eher eine weibliche Perspektive gewünscht, die nicht den Umweg über die männliche Projektionsfläche benötigt, sondern für sich selbst spricht.

    11. Feb. 2025

  • phantastischezeit
    phantastischezeit

    290 Follower

    5,0

    𝙄𝙘𝙝, 𝙎𝙥𝙚𝙧𝙡𝙞𝙣𝙜 von James Hynes habe ich in zwei großen Abschnitten über fast 14 Monate hinweg als Hörbuch gehört. Die Pause kam zustande, weil ich zwischendurch unbedingt einen Recap der Sturmlichtchroniken machen wollte. Geschadet hat die Pause mir und dem Buch allerdings nicht. Als ich das Hören 2025 wieder aufnahm, war ich emotional wieder genau dort, wo ich aufgehört hatte. Ich, Sperling ist ein historischer Roman zum Ende des Römischen Imperiums in einer zerfallenden entgleisenden Welt. Ich, Sperling ist ein Gesellschaftsroman über die Macht der Männer über Frauen und Kinder. Ich, Sperling ist das leise Psychogramm eines Kindes, das in einem Hurenhaus immer wieder sexuell missbraucht wird. Ich habe dieses Buch vor allem wegen seiner unaufgeregten, langsamen, beobachtenden Haltung geliebt. Und diese steht im absoluten Widerspruch zu den lauten, brutalen, verstörenden Ereignissen der Geschichte. Pusus selbst, das Kind, ist der Erzähler und seine Unschuld, Unwissenheit und Arglosigkeit ziehen dem Leser die Schuhe aus. Denn der in der Regel erwachsene Leser weiss so viel mehr als Pusus über die Welt, über Sexualität ...und Gewalt und man möchte das Kind einfach nur nehmen und in Sicherheit bringen, weil man als erwachsener Leser genau weiß, was kommt. In vielen Rezensionen habe ich gelesen, dass nicht verstanden wurde, was der Autor sagen oder vermitteln wollte. Für mich war das aber irgendwie ganz klar. Dieses Buch erzählt uns etwas über die Entwertung von Menschen und Minderheiten, von Frauen... es erzählt uns von Liebe und Freundschaft auch in dunkelsten Zeiten und es erzählt uns etwas über die innerpsychische Ressourcenaktivierung während und nach Traumata. Als Psychotherapeutin habe vor allem diesen Teil sehr geschätzt. Die Beschreibung der Imaginationstechnik fand ich sehr gelungen und sie ist es auch, die dem Roman den Namen gab. 𝙄𝙘𝙝, 𝙎𝙥𝙚𝙧𝙡𝙞𝙣𝙜 Bitte lest dieses Buch nur wenn ihr entweder frei seid von sexueller Traumatisierung oder diese schon fortschreitend bearbeitet habt. Bei diesem Buch ist es wirklich relevant.

    30. Jan. 2026

3 von 34 Rezensionen

Autorin / Autor

Über James Hynes

James Hynes ist Absolvent des Iowa Writers' Workshop und veröffentlichte bisher drei hochgelobte Romane sowie eine Kurzgeschichtensammlung. Weitere Texte erschienen u. a. in der New York Times und Washington Post. Er lehrte Kreatives Schreiben an diversen Universitäten. Hynes lebt in Austin, Texas.

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