Es ging rasend schnell. Der Februar 1933 war der Monat, in dem sich auch für die Schriftsteller in Deutschland alles entschied. Uwe Wittstock erzählt die Chronik eines angekündigten und doch nicht für möglich gehaltenen Todes. Von Tag zu Tag verfolgt er, wie das glanzvolle literarische Leben der Weimarer Zeit einem langen Winter wich und sich das Netz für Thomas Mann und Bertolt Brecht, für Else Lasker-Schüler, Alfred Döblin und viele andere immer fester zuzog. Immer ganz dicht an den Menschen, entfaltet Uwe Wittstock ein Mosaik der Ereignisse und vergegenwärtigt die Atmosphäre dieser Tage, die von Angst und Selbsttäuschung unter den Schriftstellern, von Passivität bei den einen und Entschlossenheit bei den anderen gezeichnet ist. Wer schmiegte sich den neuen Machthabern an, wer muss um sein Leben fürchten und fliehen? Auf der Grundlage von teils unveröffentlichtem Archivmaterial entsteht ein ungeheuer dichtes Bild einer ungeheuren Zeit.
Tagebuchartige Lebensläufe der Kulturschaffenden im Februar 1933
Ich hatte nicht gedacht, dass mir das Buch so gefällt. Tag für Tag werden hier die Lebensläufe der Kulturschaffenden skizziert. Unterschiedliche Reaktionen auf die zuspitzende Lage werden hier gezeigt, sowie die teils abenteuerlichen Reisen ins Exil.
Das Buch ist eine zeitgeschichtliche Skizze des Monats zu Beginn der NS Zeit. Schnell änderte sich hier das Leben in Deutschland. Eine Leseempfehlung nicht nur für kulturell Interessierten.
25. Okt. 2025
4,5
Tagebuchartige Lebensläufe der Kulturschaffenden im Februar 1933
Ich hatte nicht gedacht, dass mir das Buch so gefällt. Tag für Tag werden hier die Lebensläufe der Kulturschaffenden skizziert. Unterschiedliche Reaktionen auf die zuspitzende Lage werden hier gezeigt, sowie die teils abenteuerlichen Reisen ins Exil.
Das Buch ist eine zeitgeschichtliche Skizze des Monats zu Beginn der NS Zeit. Schnell änderte sich hier das Leben in Deutschland. Eine Leseempfehlung nicht nur für kulturell Interessierten.
Eindringliches Buch darüber wie die Nazis Literatur und Autoren systematisch niederhalten.
Dieses Buch in der Weihnachtszeit zu lesen, war vielleicht keine besonders gute Idee. Aber ich hatte es mir vorgenommen – und also musste es sein. Manche Bücher sucht man sich nicht nach Stimmung aus, sondern nach innerer Notwendigkeit. Februar 33 ist so eines.
Mich interessiert die Geschichte des Dritten Reiches und damit auch die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs sehr. Und doch war ich auf das, was Uwe Wittstock hier leistet, nicht wirklich vorbereitet. Dieses Buch erzählt keine große Schlacht, keine Zahlen, keine abstrakten politischen Abläufe. Es erzählt von Menschen. Von Autoren. Von Intellektuellen. Von denen, die plötzlich im Februar 1933 begreifen mussten, dass ihr Land ihnen feindlich geworden war.
Wittstock zeigt eindringlich, in welch unmögliche Zwickmühle diese Schriftsteller geraten. Auf der einen Seite der Wunsch, im eigenen Land zu bleiben, nicht kampflos aufzugeben, nicht zu fliehen, sondern Haltung zu zeigen, Widerstand zu leisten. Auf der anderen Seite eine Angst, die absolut nachvollziehbar ist: Angst vor Verhaftung, vor Gewalt, vor dem Verschwinden. Angst vor einem Regime, das sehr schnell deutlich macht, dass Worte gefährlich sind.
Besonders betroffen gemacht hat mich, wie schnell sich die Lage zuspitzt. Wie rasch aus politischer Hetze konkrete Repression wird. Wie gezielt die NSDAP zunächst gegen Kommunisten vorgeht – und dann immer weiter, immer breiter. Autoren geraten ins Visier, nicht weil sie Waffen tragen, sondern weil sie schreiben. Weil sie denken. Weil sie Literatur machen. Und plötzlich reicht genau das aus, um zur Bedrohung erklärt zu werden.
Das Buch macht schmerzhaft sichtbar, wie viele Schriftsteller Deutschland verlassen mussten, nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus purem Selbsterhaltungstrieb. Und zugleich verschweigt Wittstock nicht jene, die geblieben sind. Die sich bewusst entschieden haben, auszuharren, Widerstand zu leisten, zu schreiben, obwohl sie wussten, was ihnen drohen konnte. Diese Ambivalenz macht das Buch so stark: Es urteilt nicht einfach, es zeigt.
Was mich besonders getroffen hat, ist die Erkenntnis, wie früh alles entschieden schien. Februar 1933 – gerade einmal Wochen nach der Machtübernahme. Noch kein Krieg, noch keine Lager in der uns bekannten Dimension. Und doch war für viele schon klar: Hier gibt es keinen Platz mehr für freie Literatur, für offene Gedanken, für Menschlichkeit.
Februar 33 ist ein leises, aber erschütterndes Buch. Es macht deutlich, wie schnell Freiheit verloren gehen kann und wie gefährlich ein Staat wird, der Angst zur politischen Methode macht. Es erinnert daran, dass Literatur kein Luxus ist, sondern etwas, das Diktaturen fürchten – weil Worte Widerstand sein können.
Ein Buch, das betroffen macht, das lange nachhallt und das man nicht einfach wieder weglegt, wenn man die letzte Seite gelesen hat.
16. Dez. 2025
4,0
Eindringliches Buch darüber wie die Nazis Literatur und Autoren systematisch niederhalten.
Dieses Buch in der Weihnachtszeit zu lesen, war vielleicht keine besonders gute Idee. Aber ich hatte es mir vorgenommen – und also musste es sein. Manche Bücher sucht man sich nicht nach Stimmung aus, sondern nach innerer Notwendigkeit. Februar 33 ist so eines.
Mich interessiert die Geschichte des Dritten Reiches und damit auch die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs sehr. Und doch war ich auf das, was Uwe Wittstock hier leistet, nicht wirklich vorbereitet. Dieses Buch erzählt keine große Schlacht, keine Zahlen, keine abstrakten politischen Abläufe. Es erzählt von Menschen. Von Autoren. Von Intellektuellen. Von denen, die plötzlich im Februar 1933 begreifen mussten, dass ihr Land ihnen feindlich geworden war.
Wittstock zeigt eindringlich, in welch unmögliche Zwickmühle diese Schriftsteller geraten. Auf der einen Seite der Wunsch, im eigenen Land zu bleiben, nicht kampflos aufzugeben, nicht zu fliehen, sondern Haltung zu zeigen, Widerstand zu leisten. Auf der anderen Seite eine Angst, die absolut nachvollziehbar ist: Angst vor Verhaftung, vor Gewalt, vor dem Verschwinden. Angst vor einem Regime, das sehr schnell deutlich macht, dass Worte gefährlich sind.
Besonders betroffen gemacht hat mich, wie schnell sich die Lage zuspitzt. Wie rasch aus politischer Hetze konkrete Repression wird. Wie gezielt die NSDAP zunächst gegen Kommunisten vorgeht – und dann immer weiter, immer breiter. Autoren geraten ins Visier, nicht weil sie Waffen tragen, sondern weil sie schreiben. Weil sie denken. Weil sie Literatur machen. Und plötzlich reicht genau das aus, um zur Bedrohung erklärt zu werden.
Das Buch macht schmerzhaft sichtbar, wie viele Schriftsteller Deutschland verlassen mussten, nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus purem Selbsterhaltungstrieb. Und zugleich verschweigt Wittstock nicht jene, die geblieben sind. Die sich bewusst entschieden haben, auszuharren, Widerstand zu leisten, zu schreiben, obwohl sie wussten, was ihnen drohen konnte. Diese Ambivalenz macht das Buch so stark: Es urteilt nicht einfach, es zeigt.
Was mich besonders getroffen hat, ist die Erkenntnis, wie früh alles entschieden schien. Februar 1933 – gerade einmal Wochen nach der Machtübernahme. Noch kein Krieg, noch keine Lager in der uns bekannten Dimension. Und doch war für viele schon klar: Hier gibt es keinen Platz mehr für freie Literatur, für offene Gedanken, für Menschlichkeit.
Februar 33 ist ein leises, aber erschütterndes Buch. Es macht deutlich, wie schnell Freiheit verloren gehen kann und wie gefährlich ein Staat wird, der Angst zur politischen Methode macht. Es erinnert daran, dass Literatur kein Luxus ist, sondern etwas, das Diktaturen fürchten – weil Worte Widerstand sein können.
Ein Buch, das betroffen macht, das lange nachhallt und das man nicht einfach wieder weglegt, wenn man die letzte Seite gelesen hat.
Das ist wohl eine der beliebtesten und zugleich traurigsten Fragen im Geschichtsunterricht an deutschen Schulen. Und auch, wenn meine Schulzeit schon ein paar Tage vorrüber ist, hängt mir dieser Satz bei jedem Buch und jeder Doku über diese grausame Zeit in den Ohren. Denn mit jedem Buch und jeder Doku erfahre ich von neuen Geschichten, neuen Einzelschicksalen aus dem schrecklichen Großen und Ganzen. Und jede einzelne Geschichte enthält Entsetzen, Schrecken, Wut, Trauer, aber häufig eben auch eine gewisse Schönheit, die immer darin begründet liegt, zu erfahren, dass auch in diesen dunklen Tagen Menschen füreinander eingestanden sind und Risiken eingegangen sind, um andere zu unterstützen und zu retten.
Uwe Wittstock erzählt hier gleich mehrere solcher Geschichten. Dabei nutzt er den reichen Schatz von Überliefertem über die Leben deutscher Schriftsteller und Künstler, um nachzuzeichnen, wie brutal, rücksichtslos und vorallem rasendschnell Hitler und seine Schergen die Weimarer Republik in einen Schreckensstaat umgekrempelt haben.
Ich war sehr beeindruckt vom Inhalt und der Art, wie Uwe Wittstock seine ausführliche Recherche in die Erzählung verpackt. Ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen und mit der Fortsetzung „Marseille 1940“ einfach nur herausragend.
9. Dez. 2024
5,0
Schon wieder Drittes Reich…?!
Das ist wohl eine der beliebtesten und zugleich traurigsten Fragen im Geschichtsunterricht an deutschen Schulen. Und auch, wenn meine Schulzeit schon ein paar Tage vorrüber ist, hängt mir dieser Satz bei jedem Buch und jeder Doku über diese grausame Zeit in den Ohren. Denn mit jedem Buch und jeder Doku erfahre ich von neuen Geschichten, neuen Einzelschicksalen aus dem schrecklichen Großen und Ganzen. Und jede einzelne Geschichte enthält Entsetzen, Schrecken, Wut, Trauer, aber häufig eben auch eine gewisse Schönheit, die immer darin begründet liegt, zu erfahren, dass auch in diesen dunklen Tagen Menschen füreinander eingestanden sind und Risiken eingegangen sind, um andere zu unterstützen und zu retten.
Uwe Wittstock erzählt hier gleich mehrere solcher Geschichten. Dabei nutzt er den reichen Schatz von Überliefertem über die Leben deutscher Schriftsteller und Künstler, um nachzuzeichnen, wie brutal, rücksichtslos und vorallem rasendschnell Hitler und seine Schergen die Weimarer Republik in einen Schreckensstaat umgekrempelt haben.
Ich war sehr beeindruckt vom Inhalt und der Art, wie Uwe Wittstock seine ausführliche Recherche in die Erzählung verpackt. Ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen und mit der Fortsetzung „Marseille 1940“ einfach nur herausragend.
9. Dez. 2024
3 von 23 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Uwe Wittstock
Uwe Wittstock ist Literaturkritiker und Buchautor. Bis 2018 war er Redakteur des Focus, für den er heute als Kolumnist schreibt. Zuvor hat er als Literaturredakteur für die FAZ, als Lektor bei S. Fischer und als stellvertretender Feuilletonchef und Kulturkorrespondent für die Welt gearbeitet. Er wurde mit dem Theodor-Wolff-Preis für Journalismus ausgezeichnet.