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„Schlechte Gesundheitsversorgung in Sachen Psyche betrifft uns also ausnahmslos alle. Aber sie betrifft uns nicht alle im gleichen Ausmaß – soziale und ökonomische Ungleichheiten und patriarchale Geschlechterverhältnisse bringen einen äußerst ungleichen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen und ein äußerst ungleich verteiltes Erkrankungsrisiko hervor“ (S. 15/16). Beatrice Frasl stellt in ihrem Buch „Patriarchale Belastungsstörung. Geschlecht, Klasse und Psyche“ einen Zusammenhang zwischen patriarchalen Strukturen und psychischer Gesundheit her. Die Recherche liefert ernüchternde Ergebnisse für den Raum Österreich und Deutschland, dabei liegt der Fokus auf systemischen und politischen Bedingungen. Die Autorin plädiert für eine bessere, niederschwellige psychische Gesundheitsversorgung, in der psychotherapeutische und psychiatrische Maßnahmen angewandt werden sollen. Zu diesen Forderungen kommt Beatrice Frasl nicht nur durch ihre ausgiebige Recherche, sondern auch durch eigene Erfahrungen, da die Autorin selbst Betroffene einer psychischen Erkrankung ist. „Ich schreibe dieses Buch als eine Betroffene, die einen kritischen Blick auf die Verhältnisse wirft“ (S. 135). Die Recherche hat mich bei diesem Buch von den Socken gehauen. Die Argumente der Autorin sind nachvollziehbar und ohne Wertung niedergeschrieben. Die kurzen Kapitel lassen Platz für eigene Gedanken und die einzelnen Themen, die Beatrice Frasl aufgreift sind allesamt schlüssig aufgearbeitet. Das Buch wirft nicht nur einen Blick auf die aktuelle Lage der psychiatrischen Versorgungslandschaft, sondern widmet sich auch dem geschichtlichen Kontext. Dabei ist die Lektüre sehr übersichtlich aufgebaut und liest sich trotz der ganzen Zahlen und Fakten schnell weg. Allerdings gibt es auch noch zwei Punkte die mir Bauchschmerzen bereiten: Geschlechtsidentitäten abseits binärer Vorstellungen finden in diesem Buch keine explizite Berücksichtigung. Wie das sein kann, immerhin wird die Autorin als Geschlechterforscherin bezeichnet, ist mir wirklich ein Rätsel. Hier hab ich auf jeden Fall mehr erwartet. Als Quelle wird an mehreren Stellen auf Jessica Taylor, ihrer Zeichens TERF verwiesen! (https://twitter.com/WillReidWeb/status/1369692846429765632, letzter Zugriff: 2023-03-12). @thewaveshavecome hat in ihrer Goodreads Rezension bereits darüber berichtet. Wer Bock auf das Thema psychische Gesundheit in Verknüpfung mit patriarchalen Strukturen hat und sich nicht an den aufgeführten Kritikpunkten stört ist mit diesem Buch bestens bedient.

13. Mai 2023
„Schlechte Gesundheitsversorgung in Sachen Psyche betrifft uns also ausnahmslos alle. Aber sie betrifft uns nicht alle im gleichen Ausmaß – soziale und ökonomische Ungleichheiten und patriarchale Geschlechterverhältnisse bringen einen äußerst ungleichen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen und ein äußerst ungleich verteiltes Erkrankungsrisiko hervor“ (S. 15/16). Beatrice Frasl stellt in ihrem Buch „Patriarchale Belastungsstörung. Geschlecht, Klasse und Psyche“ einen Zusammenhang zwischen patriarchalen Strukturen und psychischer Gesundheit her. Die Recherche liefert ernüchternde Ergebnisse für den Raum Österreich und Deutschland, dabei liegt der Fokus auf systemischen und politischen Bedingungen. Die Autorin plädiert für eine bessere, niederschwellige psychische Gesundheitsversorgung, in der psychotherapeutische und psychiatrische Maßnahmen angewandt werden sollen. Zu diesen Forderungen kommt Beatrice Frasl nicht nur durch ihre ausgiebige Recherche, sondern auch durch eigene Erfahrungen, da die Autorin selbst Betroffene einer psychischen Erkrankung ist. „Ich schreibe dieses Buch als eine Betroffene, die einen kritischen Blick auf die Verhältnisse wirft“ (S. 135). Die Recherche hat mich bei diesem Buch von den Socken gehauen. Die Argumente der Autorin sind nachvollziehbar und ohne Wertung niedergeschrieben. Die kurzen Kapitel lassen Platz für eigene Gedanken und die einzelnen Themen, die Beatrice Frasl aufgreift sind allesamt schlüssig aufgearbeitet. Das Buch wirft nicht nur einen Blick auf die aktuelle Lage der psychiatrischen Versorgungslandschaft, sondern widmet sich auch dem geschichtlichen Kontext. Dabei ist die Lektüre sehr übersichtlich aufgebaut und liest sich trotz der ganzen Zahlen und Fakten schnell weg. Allerdings gibt es auch noch zwei Punkte die mir Bauchschmerzen bereiten: Geschlechtsidentitäten abseits binärer Vorstellungen finden in diesem Buch keine explizite Berücksichtigung. Wie das sein kann, immerhin wird die Autorin als Geschlechterforscherin bezeichnet, ist mir wirklich ein Rätsel. Hier hab ich auf jeden Fall mehr erwartet. Als Quelle wird an mehreren Stellen auf Jessica Taylor, ihrer Zeichens TERF verwiesen! (https://twitter.com/WillReidWeb/status/1369692846429765632, letzter Zugriff: 2023-03-12). @thewaveshavecome hat in ihrer Goodreads Rezension bereits darüber berichtet. Wer Bock auf das Thema psychische Gesundheit in Verknüpfung mit patriarchalen Strukturen hat und sich nicht an den aufgeführten Kritikpunkten stört ist mit diesem Buch bestens bedient.
13. Mai 2023








