Blick ins Buch

Romane

4 3 2 1

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Über das Buch

Paul Auster, der bekannte amerikanische Bestsellerautor, legt in Gestalt eines Rätselspiels sein bisher umfangreichstes Werk und Opus magnum vor: die vierfach unterschiedlich erzählte Geschichte eines jungen Amerikaners in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts – ein Epos voll mit Politik, Zeitgeschichte, Liebe, Leidenschaft und dem wechselvollen Spiel des Zufalls. «4 3 2 1» – das sind vier Variationen eines Lebens: Archibald Ferguson, von allen nur Archie genannt, wächst im Newark der fünfziger Jahre auf. «Was für ein interessanter Gedanke», sagt er sich als kleiner Junge, «sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte.» Im Verein mit der höheren Macht einer von Paul Auster raffiniert dirigierten literarischen Vorsehung entspinnen sich nun vier unterschiedliche Versionen von Archies Leben: provinziell und bescheiden; kämpferisch, aber vom Unglück verfolgt; betroffen und besessen von den Ereignissen der Zeit; künstlerisch genial begabt und nach den Sternen greifend. Und alle vier sind vollgepackt mit Abenteuern, Liebe, Lebenskämpfen und den Schlägen eines unberechenbaren Schicksals … «4 3 2 1» ist ein faszinierendes Gedankenspiel und ein Höhepunkt in Austers Schaffen. Seine großen Themen, das Streben nach Glück, die Rolle des Zufalls, Politik und Zeitgeschichte von Hiroshima bis Vietnam – alle sind hier versammelt und verdichtet in den hoffnungsvollen Lebenswegen eines jungen Mannes, der sein Glück in der Welt zu finden sucht. (Einige Kapitel mit Nummerierung, aber ohne Text in diesem Buch sind künstlerische Absicht des Autors, keine technischen Fehler.)

Editionen (3)

ISBN9783644050112
VerlagROWOHLT E-Book
Erscheinungsdatum31.01.17
Seitenzahl1264

Rezensionen & Bewertungen

125 Bewertungen

21 Rezensionen

3,9

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  • tante_tanja
    tante_tanja

    542 Follower

    4,0

    Es handelt sich darum, alles zu leben - Rainer Maria Rilke

    ... aber die Details des Buches waren ihm zu diesem Zeitpunkt noch unklar, er würde, was er zu tun versuchte, erst verstehen, wenn er damit angefangen hatte, doch das Wesentliche war, diese anderen Jungen so zu lieben, als wären sie wirklich, sie so sehr zu lieben, wie er sich selbst liebte, so sehr, wie er den Jungen geliebt hatte, der an einem heißen Sommertag im Jahre 1961 vor seinen Augen tot umgefallen war, und jetzt da sein Vater ebenfalls nicht mehr lebte, war dies da Buch, das er schreiben musste - für sie. ... aber erst wenn er gelernt hatte, sie so zu lieben, als wären sie wirklich, erst wenn der Gedanke, sie sterben zu sehen, unerträglich für ihn geworden war, und dann würde er wieder mit sich selbst allein sein, der einzig Übriggebliebene. Daher der Titel des Buches: 4 3 2 1. So endet das Buch - mit Ferguson, der weggeht, um das Buch zu schreiben. ... - Zitat, Seiten 1254, 1255 Wie man an dem obigen Zitat aus dem 2017 erschienenen Roman entnehmen kann, hat dieser viel mit der Person des Schriftstellers Paul Auster selbst zu tun. Wie der Protagonist Archie Ferguson ist auch Auster 1947 in Newark, New Jersey geboren und aufgewachsen. Und vielleicht war es auch wirklich dieser "alte Witz, der schon seit Jahren in jüdischen Wohnzimmern die Runde machte", der dem Schriftsteller als Inspiration diente und von einem jungen russischen Juden mit unaussprechlichen Namen handelt, der eines schönen Tages auf Ellis Island eintrifft. Ein alter Mann gibt ihm den Tipp, sich gleich einen amerikanisch klingenden Nachnamen wie Rockefeller zuzulegen. Aber vor den Beamten der Einwanderungsbehörde wird der junge Mann so nervös und platzt verzweifelt auf jiddisch heraus: "Ich hob fargessen!" Und so trägt der Beamte pflichtbewusst ins Namenverzeichnis ein: Ichabod Ferguson (siehe Seiten 1250, 1251). Eine unwiderstehliche Anekdote zu Beginn und jeweils 4 verschiedene Lebensentwürfe für unseren Protagonisten über 20 Jahre hinweg, sogar bis ins Jahr 1970. Ferguson wird viele erste Erfahrungen machen mit seinen Eltern, der Schule und der Liebe - aber natürlich auch mit der Literatur. Er wird ins Kino gehen, seine ersten Helden bewundern und sich selbst sportlich betätigen. Auch die gesellschaftspolitischen Themen werden stark eingebunden, vor allem der Vietnamkrieg und die Bürgerrechtsbewegung. Auch Ausflüge an die kalifornische Küste und sogar nach Paris gehören zu diesem Roman mit dem weiten Panorama. Gegen Ende des Romans nehmen die zeitpolitischen Einschübe etwas überhand und da unser Protagonist hier eigentlich fast nur "Zaungast" der Ereignisse ist, wirken diese Phasen zu langatmig und gewollt. Aber der letzte Abschnitt reißt mit seinen autobiographischen Zügen noch einmal mit und sorgt nach über 1.200 Seiten für ein harmonisches Ende. Bei diesem Umfang ist es nicht verwunderlich, dass gleich vier Übersetzer für die sehr stimmige deutsche Ausgabe verantwortlich sind: Thomas Gunkel, Werner Schmitz, Karten Singelmann und Nikolaus Stingl. FAZIT "Auf lange Sicht sind Geschichten vielleicht nicht weniger wert als Geld, fürs Erste aber sind ihre Möglichkeiten beschränkt." - Seite 13 Paul Auster ist einfach ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Allein diese Geschichte in der Geschichte, "Die Sohlenverwandten", ein Schulaufsatz von Ferguson, ist von einer zauberhaften Melancholie geprägt - wunderbar! Ich würde allen Lesenden von Herzen empfehlen, sich vertrauensvoll zwischen die Seiten zu legen und einfach mitzugehen, ohne sich den Kopf zu zerbrechen über die Struktur oder die feinen Zusammenhänge der einzelnen Kapitel. Aber jetzt fühle ich mich auch erleichtert, dass ich das buchstäblich schwere Buch zur Seite legen und den im Vergleich dazu federleichten Gedanken zum Text nachspüren kann - ging es Dir einmal ebenso? Und so endet das Eingangszitat von Rilke über die Geduld: Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.

    17. Juni 2026

  • kirstenhartje
    kirstenhartje

    62 Follower

    3,5

    Merkfähigkeit, Ausdauer, Durchhaltevermögen und Wikipedia benötigt jeder Leser dieses Buches!

    Ich habe dieses Buch gehört und gelesen, damit ich "am Ball" bleibe, was mir aber nicht immer gelungen ist. Jede Version dieser Geschichte hat mir gefallen, Ketzer war es manchmal doch zu langatmig (die Schuhgeschichte z.B.), aber Dank Wikipedia war ich ober wieder schnell auf der Spur. Vielen Dank für diesen Eintrag! Ich mochte das Buch! Ob ich es empfehlen würde? Ja, wenn ihr die oben genannten Eigenschaften mitbringt 😀

    30. Apr. 2026

  • peter_f
    peter_f

    82 Follower

    5,0

    „4 3 2 1“ von Paul Auster ist für mich ein beeindruckender, kluger und sehr ambitionierter Roman über vier mögliche Lebenswege eines einzigen Menschen – manchmal überwältigend, manchmal etwas ausufernd, aber immer faszinierend.

    Paul Auster erzählt in diesem Buch die Geschichte von Archie Ferguson in vier Varianten. Jede Version beginnt mit denselben Voraussetzungen, entwickelt sich dann aber anders, weil kleine Zufälle das Leben in eine neue Richtung lenken. Dadurch entsteht kein gewöhnlicher Roman, sondern eher ein großes Gedankenexperiment über Zufall, Identität und die Frage, wer wir eigentlich wären, wenn unser Leben nur an wenigen Stellen anders verlaufen wäre. Besonders stark finde ich die Idee, dass Auster nicht nur vier verschiedene Biografien entwirft, sondern auch zeigt, wie unterschiedlich ein Mensch auf Familie, Liebe, Verlust, Politik und Zeitumstände reagieren kann. So wird aus einer einzigen Figur fast ein ganzes Panorama amerikanischer Nachkriegsgeschichte. Die Schauplätze, Stimmungen und Entwicklungen sind sehr lebendig, und man merkt dem Buch an, wie viel Energie und Formbewusstsein darin steckt. Gleichzeitig ist „4 3 2 1“ kein leichter Roman. Die enorme Länge und die vielen Verzweigungen verlangen Geduld, und nicht jede der vier Lebenslinien hat für mich dieselbe Spannung. Manchmal wirkt das Buch ein wenig überladen, weil Auster sehr viel unterbringen will. Trotzdem bleibt die Grundidee so stark, dass ich das gern in Kauf genommen habe. Insgesamt ist es ein anspruchsvolles, originelles und literarisch sehr reiches Buch, das zum Nachdenken über Zufall, Möglichkeiten und die Fragilität des Lebens einlädt. Wer große Romane liebt und bereit ist, sich auf einen langen Atem einzulassen, findet hier eine ungewöhnliche und lohnende Lektüre.

    „4 3 2 1“ von Paul Auster ist für mich ein beeindruckender, kluger und sehr ambitionierter Roman über vier mögliche Lebenswege eines einzigen Menschen – manchmal überwältigend, manchmal etwas ausufernd, aber immer faszinierend.

    6. Juni 2026

3 von 21 Rezensionen

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