«Ein Wunder. Und kein geringes.» (Die Welt)
Nach fast fünfzig Ehejahren hat Enid Lambert nur ein Ziel: ihre Familie zu einem letzten Weihnachtsfest um sich zu scharen. Alles könnte so schön sein, gemütlich, harmonisch. Doch Parkinson hat ihren Mann Alfred immer fester im Griff, und die drei erwachsenen Kinder durchleben eigene tragikomische Malaisen. Gary steckt in einer Ehekrise. Chip versucht sich als Autor. Und Denise ist zwar eine Meisterköchin, hat aber in der Liebe kein Glück.
Jonathan Franzen ist ein großartiger Roman gelungen: Familien- und Gesellschaftsgeschichte in einem.
«Eine Sensation.» (Der Spiegel)
«Jonathan Franzen ist das größte Sprachtalent, das die amerikanische Literatur seit John Updike hervorgebracht hat.» (Literaturen)
«Man möchte Jonathan Franzen genial nennen.» (Süddeutsche Zeitung)
«Man geht mit jenem eigentümlichen Gefühl aus der Lektüre hervor, das nur große Literatur wecken kann: Man fühlt sich beschenkt und bereichert.» (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Bitterböse und sehr pointiert. Die Sprachgewalt ist teilweise betörend. Das Buch hat allerdings auch Längen, was es stellenweise anstrengend gemacht hat. Und wegen kaum vorhandener Absätze konnten die Augen nur selten Atem schöpfen.
24. März 2026
4,0
Bitterböse und sehr pointiert. Die Sprachgewalt ist teilweise betörend. Das Buch hat allerdings auch Längen, was es stellenweise anstrengend gemacht hat. Und wegen kaum vorhandener Absätze konnten die Augen nur selten Atem schöpfen.
Jonathan Franzen gilt als einer der bedeutensten Schriftsteller der Gegenwart.
Paul Auster beneidet ihn um seine literarischen Fähigkeiten. Man zieht Vergleiche
mit David Mitchell und viele Literaturkenner fragen sich, warum Franzen noch
nicht der Nobelpreis verliehen wurde. Aber das sind nur die, die nicht wahrhaben
wollen, dass dieser Preis überwiegend ein Politikum ist. Wenn man sich von
„Unschuld“ hat fesseln lassen, so muss man zwangsläufig bei Franzen’s erstem
Meisterwerk landen. Letzteres entstand bereits 2001, wurde in kurzer Zeit zum
Weltbestseller und wurde von Literaturpreisen anderer Gremien überhäuft.
Auch auf dieser Plattform wurde „Die Korrekturen“ bereits mehrfach
kommentiert oder erwähnt, aber meine Begeisterung braucht ein Ventil. Aber wo
anfangen?
Es ist eine Familiengeschichte. Die Familie soll an Weihnachten im Elternhaus
zusammenkommen. Das kommt Ihnen bekannt vor? Genau! Ist es nicht in fast
jeder Familie so, dass an eben diesem Fest eine romantisch-infantile Stimmung
voller überbordernder Emotionen erzeugt wird, die die Wirklichkeit für eine
unterschiedlich lange Zeit ausblendet? Mit eben diesen Assoziationen und
Wiedererkennungseffekten spielt Franzen in teils subtiler, teils ganz
offensichtlicher Form und hält dem Leser ein ums andere Mal den Spiegel vor.
Wenn man will. Natürlich kann man aber - so scheint es in manchen Reviews
jedenfalls der Fall zu sein - das alles auch nicht erkennen. Dann verharrt der
Leser leider in einer mehr oder weniger netten Familien-Story und verzichtet auf
den Benefit der Selbsterkenntnis.
Manche reduzieren den Roman auf den Alterungsprozess des Vaters Alfred.
Wirklich brilliant, wie Franzen in einzelnen Abschnitten die Gedankenwelt eines
schwer degenerierten, phasenweise Demenz-geprägten alten Mannes beschreibt.
Ja, das ist auch ein Thema, aber nur eines von vielen innerhalb des
Familiengefüges. Dazu gehören in einem Atemzug die vier anderen
Einzelschicksale, zum Beispiel des ältesten Sohnes und im konventionellen Sinne
erfolgreichen Gary (meine Familie, mein Haus, mein Boot), der aber mit seiner
Rolle des Ältesten in der Ursprungsfamilie genauso schwer zurecht kommt wie mit
der Rolle des Ehemannes und Vaters in seiner neuen Familie. Der zweite Sohn
Chip, der vermeintliche Looser, der sich aber als Lebens- und Überlebenskünstler
erweist. Die Jüngste, die Tochter Dennis, die in der Familie und im Leben alles
perfekt machen möchte und auf der Suche nach ihrer Identität jeden Halt zu
verlieren droht. Und natürlich die Mutter Enid, der Prototyp einer Heile-Welt-
Mutter, die zur Bewahrung ihrer idyllischen Scheinwelt und ihrer irrealen Ideale
kognitive Dissonanzreduktion ohne Ende anwendet. Man könnte die Liste endlos
fortsetzen, da all diese Protagonisten wunderbar in ihrer jeweiligen Interaktion
im Leben und untereinander entwickelt werden. Nicht nur Eltern-Kinder-
Konflikte, fehlende Ablösungen, altersunabhängige Rollenkonservierungen,
sondern auch Beziehungsfeinheiten bei jungen wie bei alten Paaren mit all ihren
Intrigen und Manipulationen. Und vieles mehr. Ohne dass Franzen billige
Stereotypien nutzt, kann sich hier fast jeder Leser irgendwo wiederfinden.
Dass das alles sprachlich vom Feinsten ist, kann zum Schluss, um den Rahmen
nicht zu sprengen, nur noch eine Randbemerkung sein, dabei steht Franzen auch
genau dafür - eine herausragende Sprachvielfalt, treffsicher, oft humorvoll,
betroffen machend, auch Szenen aushaltend, sodass sie dem Leser schon fast
physisch und psychisch wehtun. Und bei aller Liebe zum maximal gut
recherchierten Detail dennoch immer im richtigen Erzähltempo. Ein Kompliment
auch an die Übersetzerin Bettina Aberbanell - solch ein Sprachfeuerwerk unter
Bewahrung der literarischen Qualität will erst einmal übersetzt sein.
Auf der Bühne dieses Buches wird bravourös eine literarische Familienaufstellung
aufgeführt, von der wir im Zuschauerraum auf unseren Logenplätzen ganz viel
mitnehmen können. Wenn wir es zulassen.
8. Mai 2026
5,0
Familie im Spiegel
Jonathan Franzen gilt als einer der bedeutensten Schriftsteller der Gegenwart.
Paul Auster beneidet ihn um seine literarischen Fähigkeiten. Man zieht Vergleiche
mit David Mitchell und viele Literaturkenner fragen sich, warum Franzen noch
nicht der Nobelpreis verliehen wurde. Aber das sind nur die, die nicht wahrhaben
wollen, dass dieser Preis überwiegend ein Politikum ist. Wenn man sich von
„Unschuld“ hat fesseln lassen, so muss man zwangsläufig bei Franzen’s erstem
Meisterwerk landen. Letzteres entstand bereits 2001, wurde in kurzer Zeit zum
Weltbestseller und wurde von Literaturpreisen anderer Gremien überhäuft.
Auch auf dieser Plattform wurde „Die Korrekturen“ bereits mehrfach
kommentiert oder erwähnt, aber meine Begeisterung braucht ein Ventil. Aber wo
anfangen?
Es ist eine Familiengeschichte. Die Familie soll an Weihnachten im Elternhaus
zusammenkommen. Das kommt Ihnen bekannt vor? Genau! Ist es nicht in fast
jeder Familie so, dass an eben diesem Fest eine romantisch-infantile Stimmung
voller überbordernder Emotionen erzeugt wird, die die Wirklichkeit für eine
unterschiedlich lange Zeit ausblendet? Mit eben diesen Assoziationen und
Wiedererkennungseffekten spielt Franzen in teils subtiler, teils ganz
offensichtlicher Form und hält dem Leser ein ums andere Mal den Spiegel vor.
Wenn man will. Natürlich kann man aber - so scheint es in manchen Reviews
jedenfalls der Fall zu sein - das alles auch nicht erkennen. Dann verharrt der
Leser leider in einer mehr oder weniger netten Familien-Story und verzichtet auf
den Benefit der Selbsterkenntnis.
Manche reduzieren den Roman auf den Alterungsprozess des Vaters Alfred.
Wirklich brilliant, wie Franzen in einzelnen Abschnitten die Gedankenwelt eines
schwer degenerierten, phasenweise Demenz-geprägten alten Mannes beschreibt.
Ja, das ist auch ein Thema, aber nur eines von vielen innerhalb des
Familiengefüges. Dazu gehören in einem Atemzug die vier anderen
Einzelschicksale, zum Beispiel des ältesten Sohnes und im konventionellen Sinne
erfolgreichen Gary (meine Familie, mein Haus, mein Boot), der aber mit seiner
Rolle des Ältesten in der Ursprungsfamilie genauso schwer zurecht kommt wie mit
der Rolle des Ehemannes und Vaters in seiner neuen Familie. Der zweite Sohn
Chip, der vermeintliche Looser, der sich aber als Lebens- und Überlebenskünstler
erweist. Die Jüngste, die Tochter Dennis, die in der Familie und im Leben alles
perfekt machen möchte und auf der Suche nach ihrer Identität jeden Halt zu
verlieren droht. Und natürlich die Mutter Enid, der Prototyp einer Heile-Welt-
Mutter, die zur Bewahrung ihrer idyllischen Scheinwelt und ihrer irrealen Ideale
kognitive Dissonanzreduktion ohne Ende anwendet. Man könnte die Liste endlos
fortsetzen, da all diese Protagonisten wunderbar in ihrer jeweiligen Interaktion
im Leben und untereinander entwickelt werden. Nicht nur Eltern-Kinder-
Konflikte, fehlende Ablösungen, altersunabhängige Rollenkonservierungen,
sondern auch Beziehungsfeinheiten bei jungen wie bei alten Paaren mit all ihren
Intrigen und Manipulationen. Und vieles mehr. Ohne dass Franzen billige
Stereotypien nutzt, kann sich hier fast jeder Leser irgendwo wiederfinden.
Dass das alles sprachlich vom Feinsten ist, kann zum Schluss, um den Rahmen
nicht zu sprengen, nur noch eine Randbemerkung sein, dabei steht Franzen auch
genau dafür - eine herausragende Sprachvielfalt, treffsicher, oft humorvoll,
betroffen machend, auch Szenen aushaltend, sodass sie dem Leser schon fast
physisch und psychisch wehtun. Und bei aller Liebe zum maximal gut
recherchierten Detail dennoch immer im richtigen Erzähltempo. Ein Kompliment
auch an die Übersetzerin Bettina Aberbanell - solch ein Sprachfeuerwerk unter
Bewahrung der literarischen Qualität will erst einmal übersetzt sein.
Auf der Bühne dieses Buches wird bravourös eine literarische Familienaufstellung
aufgeführt, von der wir im Zuschauerraum auf unseren Logenplätzen ganz viel
mitnehmen können. Wenn wir es zulassen.
Noch ein einziges schönes Weihnachtsfest mit der Familie wünscht sich Enid. Ihr Mann Alfred ist schwer an Parkinson erkrankt und wenigstens einmalig noch soll alles so sein wie früher.
Doch die 3 erwachsenen Kinder haben ihre eigenen Leben und Probleme, von denen eigentlich die Eltern nichts erfahren sollten...
Ein großartiger, skurriler und sehr lebensnaher Familienroman. Ich konnte hier richtig eintauchen in das Leben der Familie Lambert und war traurig, als es nach knapp 800 Seiten endete.
Ein toller Start in das neue Lesejahr!
10. Jan. 2025
5,0
Noch ein einziges schönes Weihnachtsfest mit der Familie wünscht sich Enid. Ihr Mann Alfred ist schwer an Parkinson erkrankt und wenigstens einmalig noch soll alles so sein wie früher.
Doch die 3 erwachsenen Kinder haben ihre eigenen Leben und Probleme, von denen eigentlich die Eltern nichts erfahren sollten...
Ein großartiger, skurriler und sehr lebensnaher Familienroman. Ich konnte hier richtig eintauchen in das Leben der Familie Lambert und war traurig, als es nach knapp 800 Seiten endete.
Ein toller Start in das neue Lesejahr!